'Die Nachtigall' - Seiten 097 - 193

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Ist das alles beklemmend. Schon wenn ich solche Bücher lese, wird mir klar, dass wir hier in solchem Luxus schwelgen. Man sollte einige Menschen dazu verpflichten ebenfalls Bücher zu lesen, die im Krieg spielen. Dieses Buch bringt die Stimmung so gut rüber, dass ich meine dabei zu sein. Sehr gruselig.


    :write


    Zitat

    Bitte sagt mir, dass ich nicht blöd bin, sondern einfach nur vieles vergessen habe, was ich in der Schule mal gelernt habe


    Die Vichy-Regierung unter Marschall Pétain ist mir schon immer ein Begriff. Vielleicht, weil ich auch schon sehr viele Bücher zu diesem Thema gelesen habe, aber auch noch aus dem Geschichtsunterricht. Das mit The Blitz war mir auch neu, entweder noch nicht gehört, wahrscheinlicher, dass ich es wieder vergessen habe ;-).


    Zitat

    Original von Rumpelstilzchen
    Nein, ich bewundere Isabelle nicht. Ich verstehe, wie sie so geworden ist. Was für ein verlassenes, einsames Kind sie gewesen ist. Aber das ist sie heute nicht mehr. Sie ist erwachsen und sie benimmt sich gegenüber ihrer Schwester und deren Kind unverantwortlich.Wie kann sie ihrer Schwester vorwerfen, sich nicht um sie gekümmert zu haben? Immer noch. Wo Vianne jünger war als sie heute, als sie ebenfalls die Mutter verloren hat, vom Vater verlassen wurde.Nein, sie ist ein egozentrisches, unbedachtes Wesen. Sie hat keine Ahnung, worauf sie sich einlässt und wie viele Menschen sie in Gefahr bringt, wenn sie nicht lernt, sich zusammenzureißen.


    Das sehe ich ähnlich wie du.
    In diesem Abschnitt fand ich sie ein bisschen nervig, iher Reaktionen überzogen und unbedacht. Aber ok, man darf nicht vergessen, dass sie noch sehr jung ist, gerade 18 Jahre.
    Der Szene mit dem Zopf kann man Filmreife nicht absprechen :grin, trotzdem war sie mir zu übertrieben emotional. Ihr aufgesetzter Zynismus Beck gegenüber kommt mir ein bisschen kindisch vor.
    Dass sie nun endlich "etwas tun kann", macht sie deutlich ausgeglichener. In ihr hat es ja gebrodelt wie in einem Vulkan kurz vor der Eruption. Gut, dass sie ein Ventil für ihre Wut gefunden hat.


    Wie sie das Versteck im Schuppen anlegt und das Auto außer Betrieb setzt, hat mir gut gefallen. Sehr vorausschauend. Das wird bestimmt noch mal wichtig im weiteren Verlauf.


    Vianne ist ganz anders. Aber während Isabell durch ihre Einsamkeit hart geworden ist, hat sich Vianne extrem an Antoine angeschlossen und ihn zu ihrer Stütze und ihrem Lebensinhalt gemacht. Vielleicht hat sie deshalb so extrem auf die Nachricht von der Gefangennahme reagiert, dass man hätte denken können, es wäre eine Todesnachricht gewesen.
    Wie sie zu Rachel geht und beichtet, dass sie die Liste geschrieben hat, fand ich sehr, sehr mutig von ihr! Ich glaube, sie ist stärker als sie selbst glaubt.


    Zitat

    Original von jusch
    Beck wird zu oft als zu schöner Mann beschrieben. Ich hoffe mal, dass sich Vivianne nicht mit ihm einlässt.


    Das hoffe ich auch. Und ich hab manchmal den Eindruck, dass Beck hinter seiner Freundlichkeit und höflichen Hilfsbereitschaft einen knallharten, berechnenden Kern verbirgt. Wie er Vianne in der "Listenszene" manipuliert, indem er ihr die Möglichkeit eines Päckchens an Antoine andeutet, ist mir nicht geheuer gewesen.




  • DIE VERDUNKLUNG war gedacht, wegen den Luftangriffen Nachts, ein Lichtschein hätte die Häuser, Städte oder Orte verraten. Ich weiß das noch aus den Erzählungen, meiner Omas und meiner Mutter.

  • Ja, das hat mir mein Gatte auch mittlerweile erklärt. Er meinte, da die Piloten ja noch mit Karte und Kompass geflogen sind, könnten sie sich um viele Kilometer verfliegen und dann vielleicht eine Stadt angreifen, die sie nicht angreifen wollten. So hab ich das noch gar nicht gesehen.

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Ich weiß einfach nicht, was ich von Beck halten soll. Er ist nicht greifbar.


    Stimmt, das hat die Autorin schlau gemacht. Sie erzählt anfangs so reduziert von ihm, dass man auch als Leser nicht weiß, was man von ihm halten soll. Genau wie Vianne.

  • Dieser Leseabschnitt hatte es in sich, es ist kein Buch das man so runter spulen kann, man muss oft innehalten beim Lesen. Ein sehr bedrückender Abschnitt.
    P'etain, der großes Blutvergiessen vermeiden wollte und Kapitalutierte, er hatte ja noch die schreckliche Erfahrung aus dem 1. Weltkrieg.
    Was mir Sorgrn bereitet wie Isabell, die kleine Sophie verängstigt und beeinflusst. Sie ist gerade zu vom Hass besessen , riskiert Kopf und Kragen. Sie ist sehr Implusiv und rebellisch.
    Vianne dagegen wiegt ab und überlegt, auch wenn sie nur das gute im Menschen zu sehen versucht, ist sie etwas blauäugig und Naiv.
    Sie ist auch von Schuldgefühlen gegenüber von ihrer Schwester geplagt. Dabei war sie selbst doch noch ein Kind als die Mutter starb, beide hätten Halt und Geborgenheit gebraucht, die ihnen ihr traumatisierten Vater nicht geben könnte, beide sind verletzte Seelen.
    Den Satz von G'en'eral de Gaulle, war Wasser auf die Mühlen von Isabell (Seite 107)
    "Was auch geschieht" fuhr de Gaulle. Fort, " die Flamme des französischen Widerstandes,darf nich erlöschen."
    Das bestärkte sie noch mehr, Ihre Hass wurde zur Obsession .
    Schon schlimm die harten Maßnahmen die die Nazis einführten, man war quasi entmündigt, wer nicht parierte wurde hart bestraft.
    Hauptmann Beck zieht bei Vivanne ein, er gibt sich nett , aber ist das wirklich seine wahre Fassade, oder verbirgt sich doch etwas dahinter. Lassen wir uns überraschen.
    Ich fand es schön provozierend wie Isabell sich die Harre Abschnitt.
    Vivanne, koropiert da eher, sie hat noch den 1. Weltkrieg noch in Erinnerung, mit seinen schrecklichen Folgen und Ausmaßen.
    Ich mag mir gar nicht vorstellen wie die Nachricht kam, das alle Männer in Gefangenschaft sind.
    Der Hunger, der Kälte Winter, kaum Nahrung , David einem wieder bewusst wie gut es uns doch heute geht.
    Die Säuberung fängt an, auch Rachel trifft es, sie ist Jüdin, und Vivanne hat sie gutgläubig mit auf die Liste gesetzt. Da war sie wirklich sehr naiv, aber am Ende wäre ihr auch gar nicht anderes übrig geblieben.

    „Lesen heißt durch fremde Hand träumen.“ (Fernando Pessoa)

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  • Hier zunächst das zweite Buch, an das ich bei der Lektüre dieses Leserundenbuches danken musste, denn es spielt großteils während des zweiten Weltkriegs und darunter auch in Paris während die Deutschen gerade im Anmarsch sind.


    Naja, in der Schule hab ich das auch nicht gelernt, aber de Gaulle zählt für mich eigentlich schon zur Allgemeinbildung, was aber vermutlich einerseits altersabhängig ist - als ich geboren wurde, lebte er noch - und andererseits wohl auch blauäugig gedacht ist, denn viele Menschen können nicht einmal mit dem Namen John F. Kennedy etwas anfangen.
    Was ich über Oradour, Vichy etc. an Halbwissen habe, kommt aus Büchern und Filmen wie beispielsweise "Casablanca" oder sogar "Die Antwort kennt nur der Wind" von Johannes Mario Simmel.
    Das mit der von den Deutschen den Franzosen aufgetragenen Verdunklung sehe ich nicht als Repressalie, denn wie wir gesehen haben, wohnen einige Deutsche ja in französischen Häusern und da ist es doch verständlicherweise deren vitalstes Interesse, nicht durch hellerleuchtete Fenster Flugzeugbombern ein Ziel zu zeigen.
    Und was nun Vianne und diese ominöse Liste angeht... Ja, da fragt man sich wieder einmal, wie man selbst reagiert hätte. Zu bedenken ist m. E. außerdem, dass weder sie noch Rachel zu diesem Zeitpunkt etwas von Auschwitz etc. wissen konnten.
    Ja, dieses Buch geht unter die Haut.
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von Booklooker


    Tatsächlich? Das finde ich gut. Den würde ich mir auf jeden Fall ansehen.


    Das kann ich mir auch gut vorstellen!


    Ich bin jetzt mit diesem Teil auch durch. Es liest sich gut, aber das beschriebene Geschehen hat es in sich, wie manch anderer hier ja auch schon beschrieben hat.

    "Show me a girl with her feet planted firmly on the ground and I'll show you a girl who can't put her pants on." (Annik Marchand)

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  • Deine Gedanken finde ich sehr spannend, Rumpelstilzchen.
    Du fasst für mich treffend die Essenz der Geschichte zusammen.


    Besonders die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Widerstands finde ich hier sehr wichtig!

    "Show me a girl with her feet planted firmly on the ground and I'll show you a girl who can't put her pants on." (Annik Marchand)

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  • Ein wirklich spannendes Buch.
    Im Geschichtsunterricht haben wir natürlich die NS Zeit durchgenommen, Mehrmals sogar.
    Allerdings nur aus deutscher Sicht.
    Wenn dann mal etwas aus anderen Länder unterrichtet wurde, dann eher aus Polen oder Tschechoslowakei. Oft auch im Zusammenhang mit der Verfolgung der Juden.
    Über das Leiden in Frankreich, aber auch Belgien oder Italien ist mir fast nichts bekannt. Zumindest nicht aus der Sicht der Bevölkerung.
    Deshalb finde ich das Buch einen wichtigen Beitrag zu meinem, wenn auch veraltetes, Schulwissen.
    Ich finde es gut so verschiedenen Charaktere, wie die beiden Schwestern kennen zulernen.
    Es ging eben nicht nur ein Riss durch das Land, sondern auch durch Familien.




    Nun muss ich leider einen Pause einlegen und kann erst Montag weiter lesen.

  • Zitat

    Original von Arietta


    Die Säuberung fängt an, auch Rachel trifft es, sie ist Jüdin, und Vivanne hat sie gutgläubig mit auf die Liste gesetzt. Da war sie wirklich sehr naiv, aber am Ende wäre ihr auch gar nicht anderes übrig geblieben.


    So gutgläubig war sie nicht. Sie hat ja schon geahnt, dass es mit der Liste etwas auf sich hat und hat gezögert. Hat nicht Beck noch gesagt, sie soll sie drauf schreiben? Ich habe da sowas in Erinnerung.


    Zitat

    Original von maikaefer


    Naja, in der Schule hab ich das auch nicht gelernt, aber de Gaulle zählt für mich eigentlich schon zur Allgemeinbildung, was aber vermutlich einerseits altersabhängig ist - als ich geboren wurde, lebte er noch - und andererseits wohl auch blauäugig gedacht ist, denn viele Menschen können nicht einmal mit dem Namen John F. Kennedy etwas anfangen.


    :gruebel Da frag ich mich gerade, warum ich mehr über Kennedy weiß als über de Gaulle. Vielleicht hängt das aber auch mit dem Interesse ab, das man an den Leuten hat. Keine Ahnung.

  • Zitat

    Original von Zimööönchen


    Das kann ich mir auch gut vorstellen!


    Ich bin jetzt mit diesem Teil auch durch. Es liest sich gut, aber das beschriebene Geschehen hat es in sich, wie manch anderer hier ja auch schon beschrieben hat.



    Die Verfilmnug werde ich mir dann auf jeden Fall ansehen, hoffentlich wird sie auch 1:1 durchgesetzt!


  • :gruebel Da frag ich mich gerade, warum ich mehr über Kennedy weiß als über de Gaulle. Vielleicht



    hängt das aber auch mit dem Interesse ab, das man an den Leuten hat. Keine Ahnung.[/




    Ich glaube Kennedy ist uns einfach Präsenter als de Gaulle, ich kann mich noch gut an den Mann erinnern, gerade Deutschfreundlich war er nicht.

  • [quote]Original von hollyhollunder
    Ich hab Urlaub. Und das Buch ist wirklich Klasse. Es flutscht nur so.


    Ich weiß ja nicht, was Vianne gedacht hat, wie das mit den deutschen Besatzern abläuft. Da war sie wohl etwas blauäugig und ihr ständiges "warten wir mal, wenn Antoine zurückkommt", war wenig hilfreich. Was dachte sie denn, was ihr Mann ändern könnte? Sie traut sich einfach nichts zu. Da ist Isabelle wirklich das genaue Gegenteil. Und sie schießt natürlich im jugendlichen Übermut schnell übers Ziel hinaus. Aber prinzipiell hat sie recht. Man muss etwas gegen die Nazis machen. Denn die drücken den Franzosen sofort ihren Willen auf und versuchen natürlich mit allen Mitteln zu verhindern, dass sich Gegenwehr bildet.


    Die Szene, als Isabelle sich die Haare abschneidet, war Kopfkino vom Feinsten. Ich habe gelesen, dass das Buch schon auf eine Verfilmung wartet. Ich sehe es schon vor mir. Außerdem habe ich erst letzthin den Film "Suite Francaise" gesehen. Dort geht es um einen deutschen Offizier, der bei zwei Frauen einquartiert wird und es entspinnt sich mit einer eine Liebesgeschichte. War ein toller Film aber der spukt mir jetzt immer im Hirn rum, wenn ich von Berg und Vianne lese und das ist natürlich hier Quatsch.


    Sehr interessant finde ich die Beschreibung des Widerstandes unter Führung von de Gaulle.


    Gut war auch, was die Nonne zu Vianne sagt, als diese ihr erzählt, dass sie Berg die Namensliste gegeben hat. Das Vianne genauer überlegen muss, was sie tut und dass sie deutlicher Stellung beziehen muss.


    Um Isabelle machen ich mir ziemliche Sorgen. Ich finde es zwar toll, dass sie die Blätter verteilt, aber das Risiko ist hoch und so ganz glaube ich, checkt sie die Gefahr nicht. Vor allem gefährdet sie auch ihre Schwester und Nichte, wenn sie das Material dort aufbewahrt.


    Leider ist Gaet noch nicht wieder aufgetaucht. Aber sie liebt ihn. Ich hoffe, er kommt demnächst wieder. :


    Ja, die None war sehr weiße und Klug, aber Vivanne hat ja auch Angst um ihre Familie, sie befand sich in einer Ausnahmesituation und noch unter Druck.
    Isabell ist da risikofreudiger , sie hätte sich wahrscheinlich dagegen entschiede und Kopf und Kragen riskiert.

  • Suite francaise kenne ich nur als Buch. Die Autorin, Irene Nemirovsky hat etliche bewegende Bücher über jüdische Frauenschicksale im Krieg geschrieben.


    Nun, von de Gaulle konnte man kaum erwarten, freundliche Gefühle für Deutschland zu hegen. Umso beeindruckender, dass er damals doch den Schritt auf Deutschland zugegangen ist. Wobei da andere die Vorarbeit geleistet haben.

  • Zitat

    Original von Booklooker
    ...
    :gruebel Da frag ich mich gerade, warum ich mehr über Kennedy weiß als über de Gaulle. Vielleicht hängt das aber auch mit dem Interesse ab, das man an den Leuten hat. Keine Ahnung.


    Vielleicht weil Kennedy als "Berliner" uns irgendwie näher steht als der hünenhafte Franzose? Über Kennedy wurde seit seinem gewaltsamen Tod ein Mythos aufgebaut, während mir von de Gaulle nur das Staatsbegräbnis im Fernsehen im Gedächtnis blieb. Zudem kommt noch die von Rumpelstilzchen angesprochene Antipathie der Franzosen uns gegenüber, die gerade in den 70er Jahren deutlich zu spüren war.

  • Persönlich kann ich von einer Antipathie der Franzosen uns Deutschen gegenüber gar nichts berichten.
    Die einzige Erfahrung diesbezüglich habe ich in London gemacht. Das war ganz schrecklich, zumal ich mit 15 Jahren nicht wirklich eine Ahnung hatte, was dieser Mensch eigentlich von mir wollte.


    Nein, in Frankreich habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht und viel Bereitschaft, die Vergangenheit zu überwinden und eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Gerade wegen dieser Vergangenheit und ganz besonders von denjenigen, die am meisten gelitten haben.

  • Zitat

    Original von Büchersally


    Vielleicht weil Kennedy als "Berliner" uns irgendwie näher steht als der hünenhafte Franzose? Über Kennedy wurde seit seinem gewaltsamen Tod ein Mythos aufgebaut, während mir von de Gaulle nur das Staatsbegräbnis im Fernsehen im Gedächtnis blieb. Zudem kommt noch die von Rumpelstilzchen angesprochene Antipathie der Franzosen uns gegenüber, die gerade in den 70er Jahren deutlich zu spüren war.


    Die Antipathie habe ich ja nie bewusst mitbekommen ;-)
    Vermutlich liegt es daran, dass Kennedy bekannter gemacht wurde. Ich meine mich zu erinnern, dass ich mal in einem Kinofilm war?