'Es war einmal Aleppo' - Seiten 001 - 101

  • Huhu! :wave
    BIn gestern auch endlich eingestiegen, nachdem mein Buch gestern gekommen ist. :)


    Mir gefällt es bisher sehr sehr gut und habe es gleich mal zig Leuten empfohlen! :lache


    Zitat

    Original von Suzann
    Ich persönlich fühle mich immer in einer Zwickmühle, wenn ich Bekannte, Freunde, Familie die ich eigentlich mag/mochte, im Grunde ziemlich menschenverachtende Dinge äußern höre, fadenscheinige Ausreden und unreflektierte Gerüchte. Ich versuche, sie vom "Propagandazug" herunter zu holen und sich selbst Gedanken zu machen, zu hinterfragen, aber bei einigen stößt man damit auf einen Filter, der nichts durchlässt, was nicht zu ihrem "Wunschdenken" passt. Das ist ziemlich ernüchternd und enttäuschend und ich habe einige der Beziehungen zu solchen Leuten hinterfragt und sozusagen eingefroren. Man sieht Menschen ja nicht an, wie sie wirklich wären, wenn sie sich nicht gesellschaftskonform verstellen, aber in punkto Flüchtlingsproblematik tritt manches mal etwas in manchen meiner Mitmenschen zutage, das mir richtig Angst macht.


    ja, das ist ne echte Zwickmühle. Aber ich muss gestehen, dass ich mich dann inzwischen weigere darüber zu reden. Ich werde sonst schnell suuuper sauer und angepisst bei so nem Thema! Ich bin vermutlich genauso "nett" eingestellt wie andere die Flüchtlinge verteufeln und dann kann man sich nur an den Kragen gehen.
    Aber ich muss auch sagen, dass ich bisher nur 1 Person getroffen habe, die total anti Flüchtlinge war.
    Vll kenn ich in der Hinsicht einfach die richtigen Leute?? :gruebel


    Zitat

    Original von Ellemir
    Am schwersten zu verstehen ist der Bruder, der eigentlich nur das nachzuplappern scheint, was er auf Facebook und co liest.


    ja, den versteh ich auch am wenigsten...


    Aber naja, ich hatte auch noch nie Kontakt mit Flüchtlingen außer in ner Arztpraxis. Und da gibt es auch Leute, die schon jahrelang hier wohnen, die kein Deutsch können. Dh die unterscheiden sich da nicht groß. Es gibt zB auch viele Türken, die sich nie integriert haben und nix verstehen.
    Da wollen die Flüchtlinge teilweise ja noch mehr lernen!


    Zitat

    Original von Ellemir


    Wo wir nun bei Ämtern sind - einige der Vorschriften (bezüglich Mitarbeit der Flüchtlinge oder der Obstspende von Toni und Fee) und Vorgehensweisen (Hin- und Herverschiebung der Flüchtlinge von einer Erstaufnahme in die andere, mit erneuter Erfassung und Impfung) kamen mir so widersinnig vor - das muss doch anders gehen.


    typische deutsche Bürokratie vermutlich...
    Es haben sich auch schon gefühlt 100 Ärzte, die ich kenne, aufgeregt, wegen den Impfungen. Dass man teilweise die Leute 5 mal röngt wegen Tbc und das alles total blöd ist, wenn man auf nix von den Sachen vorher drauf zu greifen kann und eigentlich die Leute belastet und auch Material verschwendet. :-(


    Zitat

    Original von Mulle


    Dass die Behörde in Deutschland erst mal vollkommen überfordert waren, obwohl viele Menschen wirklich alles Menschenmögliche getan haben, ist richtig.
    Das hätte allerdings nie so geschehen müssen.
    Dass im Sommer 2015 so viele Flüchtlinge kamen, passierte ja nicht aus dem Nichts heraus - die eigentliche Überraschung war, dass es so lange dauerte! Es gibt dazu von Frau Merkel eine oft falsch interpretierte Rede, in der sie sagt, dass sie, wenn sie könnte, die Zeit um einige Jahre zurückdrehen würde. Damit spielt sie genau darauf an: Dass Deutschland nicht vorbereitet wurde, obwohl die Situation deutlich vorhersehbar war.
    Ich kann euch dazu gerne mehr erzählen, wenn ihr Interesse habt?


    gerne mehr dazu!
    Ich habe das aber schon oft gehört, dass man eigentlich wusste, dass die Leute alle kommen werden und eben ewig nix gemacht hat... :gruebel

  • Zitat

    Original von Mulle
    Inge, vielleicht gibt es ja bei euch so eine Art "Interationales Café" oder sowas?
    Oder - wenn du magst - frag doch mal bei der örtlichen Flüchtlingshilfe an, ob es mal eine Gelegenheit gibt, unverbindlich reinzuschnuppern, auch wenn eine zeitfressende Aufgabe nicht infrage kommt. Bei uns gibt es z.B. imer mal gemeinsame Kochaktionen, hin und wieder wird ein Kinderfest vorbereitet oder eine andere Aktion.
    Sowas finde ich immer ganz easy-going, weil man dann direkt etwas zu hat (miteinander) und nicht gehemmt in der Gegend herumsteht.


    (So wie ich! Als ich das erste Mal in die NUK spazierte, stand ich da - mein Baby auf dem Arm - und war total überfordert. Ich wollte echt gern helfen, wusste aber nicht wie und kam mir SO BLÖD vor, wie ich da rumstand, nicht wusste, was ich machne sollte und Angst hatte, die Leute anzustarren ... Tausend Dank an Rose aus Damaskus, die mich mit drei Brocken Englisch und fünf Kilo Herzlichkeit begrüßte, mir einen Tee machte und mich in 10 Minuten integrierte :-) Zwei Stunden später hatte ich einen Deutschkurs - so kann's gehen.)


    Wie findet man denn die örtliche Flüchtlingshilfe. Hab mal imInternet gestöbert und bin iwie zu doof dafür. :gruebel :-(

  • Gib doch einfach die Wörter Flüchtlingshilfe und den Ort Deiner Stadt bei Google ein, da wirst Du sicher ausreichend fündig. Zumindest bei "Flüchtlingshilfe Hannover" klappt das sehr gut.

  • Nun hab ich mich sooo gefreut, an dieser LR teilnehmen zu dürfen und prompt kommt wieder ganz viel Leben dazwischen, seufzzz.... Aber zumindest mal Leben in der Form, dass ich es noch schaffe zu lesen - nur eben nicht zu schreiben.....
    So hab ich denn heute beim Arzt noch den zweiten Abschnitt durchgelesen ;-)


    Insofern heute nur kurz hier noch ein / zwei Sätze.


    Nicht oft, dass ich sooo gut in ein Buch reinkomme und es dann auch noch so ungern aus der Hand legen mag. Kompliment, Mulle, echt toll geschrieben, fesselnd von der ersten Seite an.


    Ich finde es klasse, wie die einzelnen Familienmitglieder die plötzlich völlig neue Lebenssituation von verschiedenen Seiten beleuchten, die verschiedenen Sichtweisen darauf zu lesen...
    Gerade auch die des Vaters - irgendwie (nennt mich naiv) hab ich an diesen Aspekt überhaupt noch nicht gedacht :gruebel und ja, kann man tatsächlich irgendwie verstehen.... Schwierig, das.


    Bin sehr gespannt, wie es weitergeht und verschwinde darum jetzt hier auch sobutz :schnellweg

  • Es ist zwar total schlimm, dass Toni und ihr Vater diese Erfahrung gemacht haben, aber dass auch deutsche zu sowas fähig sind, ist dem Vater wohl nie eingefallen? Ach, ich könnte mich darüber so aufregen!


    Grinse, ist das eigentlich unsere erste LR zusammen? ;-)


    Edit: Zu früh abgeschickt ;-)


    Ich würde die Seife aber immer nur hier bestellen oder im Bioladen kaufen: Zhenobia


    Zitat

    Original von Wortfinesse


    Was ich gelernt habe, war: Im Nahen Osten ist es nicht üblich, sich in einer Reihe aufzustellen. Ich habe eine Weile bei der Tafel hier im Ort gearbeitet, bei der auch viele Flüchtlinge Essen holen kamen und es hat mit dem "ordentlich anstellen" nie geklappt. Das hat die Tafel-Mitarbeiter durchaus wütend gemacht, weil sie sich ignoriert und nicht ernst genommen vorkamen.
    Beim Lesen dachte ich so "Hätte ich das mal gewusst und ihnen sagen können... "


    Das ist mit ganz vielem so. Ich habe im letzten Frühjahr einen Arabisch-Schnupperkurs incl. Erklärungen zur Kultur gemacht. Da hat man auch ganz viel erfahren, was bei uns normal ist und dort eben nicht gewünscht ist. Beispielsweise, wenn man als wildfremder ein Kind auf dem Arm der Mutter anspricht. Eine Frau aus dem Kurs hatte das Beispiel gebracht. Sie ist vorbei gegangen und hat nur zum Baby gesagt, dass es niedlich wäre und die Eltern waren wohl ziemlich sauer darüber. Obwohl man hätte bedenken müssen, dass sie unsere Sprache auch nicht oder schlecht verstanden haben.
    Ich verstehe halt auch nicht, dass gesagt wird, die Flüchtlinge müssen sich mit unserer Kultur befassen und sich anpassen. Im Grunde ist das ja richtig, aber sie müssen ja erst mal klar kommen und dann müssen sie jemanden haben, der einem das alles sagt. Sowas steht ja nicht schön zusammen geschrieben auf einer Homepage und dann noch in deren Sprache. Ich denke, etwas mehr Verständnis von beiden Seiten und auch Hilfe oder Erklärungen von beiden Seiten könnte viel ändern.
    Gefühlt stellen viele Deutsche zur Zeit Ansprüche an die Flüchtlinge, die sie nicht erfüllen können, weil die Grundlagen fehlen.


    Zitat

    Original von Inge78


    Gerade wenn man Nachrichten schaut oder versucht sich im Internet zu informieren wird man von einer Flut an Informationen geradezu erschlagen


    So geht es mir auch. Ich habe nur ein kleines Zeitfenster nach der Arbeit Zeit, mich mit solchen und auch anderen Dingen, die mir Spass machen, zu beschäftigen. Und da ist es wirklich schwer die seriösen von den nicht seriösen Quellen zu unterscheiden.


    Zitat

    Original von Mulle


    Ich bin wirklich der letzte Menschen auf Erden, der einen Bashar Assad verteidigt - aber man darf nicht ganz vergessen, dass er das alles nicht aus böser Absicht heraus tut.
    Ich glaube dem Mann tatsächlich, dass er Diktator ist, weil er glaubt, nur so eine Art von Demokratie durchdrücken zu können. Und dieser Widerspruch macht es bei aller Betroffenheit irgendwie auch enorm spannend - sieht man es mal nur geschichtlich/ politisch.


    Ich glaube ja, dass die wenigsten Menschen was aus reiner Bosheit machen. Die haben ihre Überzeugungen, die für die Mehrheit der Menschen ziemlicher Bullshit ist und die auch der Welt schaden. Aber vielleicht bin ich zu sehr Menschenfreund (wie ich letztes Jahr in einem Führungskräfte-Seminar gelernt habe ;-)) und sehr einfach immer zu sehr erst das Gute im Menschen. Zumindest möchte ich immer erst davon ausgehen, dass niemand wirklich böse ist und seine Gründe oder Erfahrungen hat.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

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  • Ich finde es sowieso schwierig, Menschen in Gut und Böse einzusortieren.


    Da stellt sich doch zunächst mal die Frage - was ist gut? Es gibt einige Werte, die in allen Kulturen und Religionen als gut angesehen werden, aber trotzdem bleibt es eine subjektive Wertung.


    Genauso stelle ich mir ab und zu die Frage - ist Demokratie eigentlich wirklich für alle und immer die erstrebenswerte Staatsform? Ist es wirklich sinnvoll, den Menschen die Demokratie quasi durch Druck von außen zu bringen, auch wenn sie sie eigentlich nicht leben können? Aber das geht jetzt zu weit vom eigentlichen Thema weg.


    Grinse: Die Befürchtungen des Vaters habe ich so auch schon von einigen gehört, wäre aber selbst nie darauf gekommen oder hätte sie als schwachsinnig abgetan, solange wir noch in Mietwohnungen gewohnt haben.
    Inzwischen haben wir Wohneigentum und sind dadurch fester an eine Immobilie gebunden. Vorher war irgendwie immer der Gedanke da - wenn es hier nicht klappt, wenn es hier irgendwie doof wird, können wir uns ja immer noch was anderes suchen. Aber jetzt ist das Haus quasi der Gegenwert zu dem laufenden Kredit. Wenn der Wert des Hauses sinkt, ist das nicht so doll - wobei natürlich die Lebensqualität, die wir für die monatliche Kreditrate (statt einer Miete) bekommen, natürlich im Moment die gleiche bleibt.

  • Zitat

    Original von Ellemir
    Ich finde es sowieso schwierig, Menschen in Gut und Böse einzusortieren.


    Da stellt sich doch zunächst mal die Frage - was ist gut? Es gibt einige Werte, die in allen Kulturen und Religionen als gut angesehen werden, aber trotzdem bleibt es eine subjektive Wertung.


    Ja, das finde ich auch. Allerdings finde ich, dass man immer gucken sollte, dass man das, was man tut moralisch verantworten kann. Aber da gibt es ja auch wieder himmelweite Unterschiede.
    Oft würde es schon genügen, wenn man die Beweggründe von Leuten kennen würde. Aber so nen Assad kann man ja schlecht danach fragen.


    Edit: Ich meine genügen in dem Sinne, dass man unterscheiden kann, ob boshaft oder nicht boshaft. Natürlich nicht, um zu akzeptieren, was er tut.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

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  • Assads Beweggründe sind wohl einfach nur Machterhalt. Dies ist aber eher unbedeutend, wenn man die Wahl seiner Mittel betrachtet. Wer seine Macht nur durch Gewalt erhalten kann, hat diese Macht wohl eher nicht verdient.


    Die Demokratie muss nicht unbedingt die beste Staatsform sein. Was allerdings aus meiner Sicht immer erforderlich ist, ist eine ausreichende Gewaltenteilung und die Möglichkeit des gewaltfreien Machtentzugs, wie es freie Wahlen grundsätzlich ermöglichen.

  • Zitat

    Original von xexos
    Assads Beweggründe sind wohl einfach nur Machterhalt. Dies ist aber eher unbedeutend, wenn man die Wahl seiner Mittel betrachtet. Wer seine Macht nur durch Gewalt erhalten kann, hat diese Macht wohl eher nicht verdient.


    Da war ich lange nicht ganz sicher.
    Das Assad-Regime argumentiert ja damit, dass ohne deren einseitige Macht, radikale oder zumindest fundamentalistische Islamisten zu viel politische Macht erhalten könnten - mit allen bitteren Konsequenzen (vor allem für die Minderheiten in Syrien, die ja reichlich vertreten sind).
    Eine wirkliche meinung habe ich dazu nicht. Wenn man sich die Leute anschaut, die als Flüchtlinge hierher kommen, denkt man sich bloß: What the Fuck? Wie kann man bei diesen Leuten zu solche Befürchtungen kommen? Aber. Nach Deutschland kommen eben auch überwiegend Leute, die westliche Demokratie wollen. Zu den Mehrheitsverhältnissen kann ich überhaupt nichts sagen. Das können teilweise nicht mal mehr die Geflüchteten - zu viele der Demonstranten sind verschwunden, tot oder geflüchtet.


    Nun scheint sich allerdings mehr und mehr herauszustellen, dass das Argument der syrischen Regierung vorgeschoben war, denn es tauchen zunehmend Beweise auf, dass Assad ganz klar gemeinsame Sache mit dem IS macht, statt sie nur klammheimlich durch "Zufälle" zu unterstützen.
    Vielleicht hat jemand noch im Kopf, was vor der großen Vertreibung aus Ostaleppo passiert ist: Assad & Russland haben Palmyra vom IS zurückerobert - um dann da alles stehen und liegen zu lassen - auch schwere Waffen - sodass der IS es nur einsammeln musste ...

  • Zitat

    Original von Mulle
    Nun scheint sich allerdings mehr und mehr herauszustellen, dass das Argument der syrischen Regierung vorgeschoben war, denn es tauchen zunehmend Beweise auf, dass Assad ganz klar gemeinsame Sache mit dem IS macht, statt sie nur klammheimlich durch "Zufälle" zu unterstützen.
    Vielleicht hat jemand noch im Kopf, was vor der großen Vertreibung aus Ostaleppo passiert ist: Assad & Russland haben Palmyra vom IS zurückerobert - um dann da alles stehen und liegen zu lassen - auch schwere Waffen - sodass der IS es nur einsammeln musste ...


    Ja. :-(
    Da hab ich auch gedacht: Was zur Hölle??? :yikes :schlaeger