'Gut Greifenau - Nachtfeuer' - Seiten 244 - 337

  • Hedwig läßt sich mit Ceynowa ein und wird schwanger. Was mich etwas gewundert hat, ist die Aussage der Frau des „Arztes“, daß die meisten Mädchen nach dem Eingriff sterben würden. War das denn dann nicht in einschlägigen Kreisen bekannt?

    Es war für Clara ja eine schreckliche und ausweglose Situation. Für alle Frauen, die einen solchen Weg gewählt haben. Sich vorzustellen, dass man in einer Lage ist, in der man den Tod in Kauf nimmt, und sich doch dafür entscheidet ... wie schrecklich waren damals die Verhältnisse.

  • Gucci  

    Das hier:

    ist zum Beispiel so eine Geschichte, die angefangen, aber nicht auserzählt wird. Die am Ende offenen Fäden dürften - hoffentlich - alle bis zum Ende des dritten Bandes verknüpft sein. Aber das hier ist so ein Beispiel, wo ein Faden offen in der Luft hängen bleibt - und das stört mich inzwischen doch, weil es einfach zu oft passiert.

    Aber genau diese offenen Fäden sind doch die Spannungsträger einer Geschichte. Die Spannungsbögen müssen gehalten werden. Sonst würde ich ja nur eine abgeschlossene Kurzgeschichte nach der anderen schreiben. Ich glaube, das würde sehr langweilig werden.
    Und einiges an Information ist auch noch zwischen den Zeilen zu entdecken.

  • Gucci  

    Das hier:

    ist zum Beispiel so eine Geschichte, die angefangen, aber nicht auserzählt wird. Die am Ende offenen Fäden dürften - hoffentlich - alle bis zum Ende des dritten Bandes verknüpft sein. Aber das hier ist so ein Beispiel, wo ein Faden offen in der Luft hängen bleibt - und das stört mich inzwischen doch, weil es einfach zu oft passiert.

    Aber genau diese offenen Fäden sind doch die Spannungsträger einer Geschichte. Die Spannungsbögen müssen gehalten werden. Sonst würde ich ja nur eine abgeschlossene Kurzgeschichte nach der anderen schreiben. Ich glaube, das würde sehr langweilig werden.
    Und einiges an Information ist auch noch zwischen den Zeilen zu entdecken.

  • Aber genau diese offenen Fäden sind doch die Spannungsträger einer Geschichte. Die Spannungsbögen müssen gehalten werden. Sonst würde ich ja nur eine abgeschlossene Kurzgeschichte nach der anderen schreiben. Ich glaube, das würde sehr langweilig werden.

    Ich habe schon in vielen Leserunden festgestellt, daß ich offensichtlich eine recht eigene Art habe, Bücher zu rezipieren. Und das, was "man" will - ich meist nicht will oder mag. Wenn sich im Laufe eines Buches zu viele offene Fäden auftun, und einzelne zu einem Zeitpunkt geschlossen werden, da ich erst mal nachdenken, wie viel vorher und wo der begann, und möglicherweise zur Gedächtnisauffrischung noch nachlesen muß, erzeugt das bei mir eher das Gegenteil. Irgendwann reicht es mir und die Gefahr des Abbruchs (bzw. einfach noch das Ende lesen und wissen, wie es ausgeht) wird bei mir immer größer.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Es war für Clara ja eine schreckliche und ausweglose Situation. Für alle Frauen, die einen solchen Weg gewählt haben. Sich vorzustellen, dass man in einer Lage ist, in der man den Tod in Kauf nimmt, und sich doch dafür entscheidet ... wie schrecklich waren damals die Verhältnisse.

    Dazu kommt ja auch, dass sie ihr Kind erst recht spät abtreiben lässt. Dieser späte Zeitpunkt dürfte neben den schlechten hygienischen Zuständen und die fehlende Nachbetreuung für die hohe Sterberate ausschlaggebend sein.

    :Hörbuch Bernard Cornwell - Der Erzfeind

    :Hörbuch Hans Rath & Edgar Rai - Toten haben keine Freunde

    :lesend Tom Finnek - Schuldacker

    :lesend Karsten Dusse - Achtsam morden

    :lesend William Melvin Kelley - Ein anderer Takt

  • Auf dem Gut weiß nur die Mamsell den wahren Grund für Claras Tod. Dafür hat Ida Glück. Wiebkes Schwester kann auch als Stubenmädchen auf Greifenau arbeiten. Schön, dass die beiden bald wieder vereint sind.

    Die Schicksale der Hausmädchen sind ja schon sehr dramatisch.

    Die eine bekommt ein uneheliches Kind und muss das Gut verlassen, um ein hartes Leben als Wäscherin zu fristen. (Alberts Mutter)

    Die eine wird vergewaltigt und erhängt sich.

    Und die dritte stirbt nach einer Abtreibung.

    Hoffentlich bleiben Wiebke und ihre Schwester gesund und finden ihr Glück, denn das scheint ja auch nicht so einfach zu sein, als Hausangestellte. Es ist ja keiner von denen verheiratet und glücklich, naja....



    Katharina wird bei Hofe eingeführt. Sie sieht dem Ganzen mit gemischten Gefühlen entgegen. Ludwig wird auch da sein. Feodora hält an ihrem Vorhaben fest. Hoffentlich kommt Katka (die Abkürzung finde ich übrigens toll) aus der Nummer wirklich noch raus. Als sie der Kaiserin vorgestellt wird, lässt sie ihre eigene kleine Bombe platzen „Ich hege den Wunsch, Medizin zu studieren.“ Großartig Schade, dass hier nicht erzählt wird, wie Feodora reagiert. Ich kann es mir allerdings sehr gut vorstellen. Ludwig dagegen lächelt amüsiert über ihre Äußerung. Er ist wirklich sehr siegessicher. Aber Katharina hat noch einen Trumpf im Ärmel. Albert erzählt ihr, dass Hedwig nicht ertrunken ist, und warum sie sich erhängt hat. Ich hoffe Katharina setzt diese Wissen zum richtigen Zeitpunkt ein.

    Katharina lernt und wird erwachsen. Ob sie wohl der Mutter und ihren Plänen wirklich Einhalt gebieten kann? Nach Julians ergreifendem Liebesbrief bin ich da wieder hoffnungsvoller geworden. :)



    :write Das ist mir schon des öfteren (auch im Vorgängerband) aufgefallen (und auch etwas geärgert): es wird ein Szenario entworfen - und dann erfolgt ein mehr oder weniger großer Zeitsprung und die Auflösung bleibt offen, wenn man die Auswirkungen nicht mitbekommt, was hier aber nicht der Fall ist. Das erscheint mir manchmal wie eine nur zur Hälfte erzählte Geschichte.

    Ich habe es so verstanden, dass Feodora von erstens nicht heftig reagieren kann, weil sie sich ja vor der Prinzessin keine Blöße geben wollte und zum anderen nimmt sie sicher Katharina nicht für voll. Also gar kein Grund, überhaupt groß darauf einzugehen.:lache

  • Ich habe schon in vielen Leserunden festgestellt, daß ich offensichtlich eine recht eigene Art habe, Bücher zu rezipieren. Und das, was "man" will - ich meist nicht will oder mag. Wenn sich im Laufe eines Buches zu viele offene Fäden auftun, und einzelne zu einem Zeitpunkt geschlossen werden, da ich erst mal nachdenken, wie viel vorher und wo der begann, und möglicherweise zur Gedächtnisauffrischung noch nachlesen muß, erzeugt das bei mir eher das Gegenteil. Irgendwann reicht es mir und die Gefahr des Abbruchs (bzw. einfach noch das Ende lesen und wissen, wie es ausgeht) wird bei mir immer größer.

    Ich hatte das auch schon mit der "eigenen" Meinung. Finde ich eigentlich ganz spannend. :)

    Ich finde ja nicht, dass es zu viele offene Fäden sind bzw. es gibt ja gute Gründe für die meisten. Und der Hauptgrund ist ja der Krieg.

    Z.B. dass Albert immer noch zögert, etwas zu sagen - er will seinen Job nicht verlieren und nicht eingezogen werden;

    dass das mit Konstantin und Rebecca noch nichts geworden ist - er war ja eine ganze Weile an der Front und dann schwer verletzt, deshalb sind die noch nicht wieder richtig zusammen;

    dass Katharina noch frei agieren kann und noch nicht offiziell verlobt ist hängt auch am Krieg, da kann das Ekel sich noch ein bisschen Zeit lassen - und Katharina ist ja auch noch recht jung. Und wegen dem Krieg ist Julian ja immer noch nicht zurückgekehrt;

    dass das Gut kurz vor dem Ruin steht und wie es weitergeht - auch der Krieg schuld;

    und so weiter und so fort.


    Der Krieg hat das normale Leben zum Stillstand gebracht. Gerade geht es vor allem ums Überleben und Standhalten. Ich denke, mit Kriegsende tut sich da einiges mit den losen Fäden.


    Mir gefällt es. Alles so schön offen für den dritten Teil. ;)

  • Der Krieg hat das normale Leben zum Stillstand gebracht. Gerade geht es vor allem ums Überleben und Standhalten. Ich denke, mit Kriegsende tut sich da einiges mit den losen Fäden.

    Einverstanden, das ist eine Ausnahmesituation, die rund vier Jahre dauert. (Und da ist wieder die eigene Art.) Ich lese aber einen Roman, kein Sachbuch. Ich muß diese Ausnahmesituation (zum Glück - und hoffentlich nie) durchleben, sondern sitze im sprichwörtlichen Sessel (den ich in realiter nicht habe) und lese eine Geschichte. So ab und zu könnte ich da durchaus eine Ruhepause vertragen, und nicht (etwas überspitzt) über hunderte von Seiten nur Spannungsaufbau, bis sich das irgendwann im dritten Band gegen Ende geballt entlädt. Falls ich so weit komme, weil mir eventuell vorher die Nerven gerissen sind. ;-)

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Auch ich bin mit diesem Abschnitt fertig.


    Clara wird schwanger durch ihre Liebschaft mit dem polnischen Zwangsarbeiter und sieht keinen anderen Ausweg als eine Abtreibung. Dass sie dann an den Folgen der Abtreibung stirbt ist tragisch. Allerdings hat mir in dieser Situation das Verhalten der Mamsell sehr gut gefallen. Das hätte ich ihr gar nicht zugetraut.


    Damit Alexander nicht doch noch eingezogen wird, verletzt er sich selbst. Und dabei hat er anscheinend ganze Arbeit geleistet.


    Katharina gefällt mir immer besser. Jedoch mit ihrem Spitznamen "Katka" kann ich mich nicht anfreunden. Sie äußert doch tatsächlich bei ihrer Einführung in die Gesellschaft den Wunsch, dass sie Ärztin werden möchte. Was für eine Ungehörigkeit. Ich bin doch so gespannt, ob sie tatsächlich Ludwig heiratet oder ob es ihr gelingt sich - aus welchem Grund auch immer - vor der Hochzeit zu drücken.

  • hier war ja einiges los. Konstantin ist nach gefühlter Ewigkeit aus dem Kriegseinsatz/Verwundung zurück auf dem Gut. Er selber merkt, das der Krieg auch bei ihm Spuren hinterlassen hat, z.B. diese Angstzustände, das Zittern. Ich hoffe, das er das irgendwann soweit in den Griff kriegt, das er das "als Paket verschnürt" ablegen und vergessen kann; es gibt ja nunmal leider sehr viele Soldaten, die mit dem Trauma Krieg bis zu ihrem Tode massive Probleme haben/hatten.


    Die stille Clara wird vom "Zwangsarbeiter" schwanger.... ola. Das hätte ich nicht erwartet, Das die Mamsell sich dann so verhält, finde ich einmalig, irgendwo hat sie tatsächlich ein Herz.


    Alexander scheint mir ein --- sagen wir ---- eigener Charakter zu sein. Irgendwie als nachgeborener Sohn ohne feste Aufgabe, ohne Lebensplan, ohne die Pflicht, in den Krieg ziehen zu müssen. Mal sehen, was er sonst noch so macht, außer sich selber zu verletzen.


    Katharina tut mir irgendwo immer mehr leid, kaum, das sie sich etwas Freiheiten verschafft hat, kommt von irgend einer Seite wieder ein "Schuss". Feodora lässt sie nicht aus den Augen, will unbedingt diese Verbindung zum Kaiserhaus - nur aus Profilneurose? Merkt Feodora gar nicht, was da los ist?


    mal sehen, wie es weiter geht.