Gut Greifenau "Abendglanz " - Hanna Caspian

  • ISBN-10: 3426521504


    Das Buch:

    Downton Abbey in Hinterpommern von 1913 bis 1919 - Der erste Teil der großen Familien-Saga über eine Grafen-Familie zwischen Tradition und wahrer Liebe am Vorabend des 1. Weltkriegs

    Mai 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau, wagt das Unerhörte: Er verliebt sich in eine Bürgerliche, schlimmer noch – in die Dorflehrerin Rebecca Kurscheidt, eine überzeugte Sozialdemokratin. Die beiden trennen Welten: nicht nur der Standesunterschied, sondern auch die Weltanschauung. Für Katharina dagegen, die jüngste Tochter, plant die Grafenmutter eine Traumhochzeit mit einem Neffen des deutschen Kaisers – obwohl bald klar ist, welch ein Scheusal sich hinter der aristokratischen Fassade verbirgt. Aber auch ihr Herz ist anderweitig vergeben.

    Beide Grafenkinder spielen ein Versteckspiel mit ihren Eltern und der Gesellschaft. So gut sie ihre heimlichen Liebschaften auch verbergen, steuern doch beide unweigerlich auf eine Katastrophe zu …

    Die Gut-Greifenau-Reihe im Überblick: Band 1 "Gut Greifenau. Abendglanz"´, Band 2 "Gut Greifenau. Nachtfeuer", Band 3 "Gut Greifenau. Morgenröte" (erscheint März 2019) Quelle Amazon



    Die Autorin:

    Hinter Hanna Caspian verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Autorin, die ihr Herz ans Rheinland verloren hat.

    Ihre historischen Liebesromane behandeln spannende Themen der vergessenen deutschen Geschichte. Dabei verwebt sie akribisch tatsächliche historische Begebenheiten mit dem Leben fiktiver Figuren.


    Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften und Sprachen.


    Mit ihrem Mann wohnt und arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Rhein. Quelle Amazon


    Meine Meinung:

    Hier beginnt eine packende Familiensaga. Es beginnt im Jahr 1913, also kurz bevor die grosse Gefahr des ersten Weltkriegs immer näher kommt.

    Es dreht sich alles umd die Grafenfamilie Auwitz- Aarhayn, deren Landgut sich in Greifenau in Hinterpommern befindet. Das Leben der Grafenfamilie, deren Angestellten und vielen anderen wird von Beginn an detailliert geschildert, das kann am Anfang etwas verwirrend sein, weil es nicht gerade wenig Personen sind. Mit dem Personenregister am Anfang lässt sich aber das Buch gut anlesen. Wenn man dann nach einigen Seiten richtig weiss, wer wer ist, und wer wo zugehört, geht es natürlich flotter voran. Und es wird kein Thema ausgelassen, es geht natürlich um die Liebe, aber auch viel um die politischen Belange dieser Zeit und auch um die damalige Erziehung mit Hauslehrer etc. Teilweise erzählt die Autorin heftig detalliert, wie schwer es Kinder hatten, selbst die Kinder dieser Familie werden nicht ohne körperliche Strafen erzogen. Sehr gut hat mir die Beschreibung der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten gefallen, schockierend wie man damals auf das Personal herabgeschaut hat und natürlich auch auf andere weniger reiche Leute. Das Buch spielt zu einer Zeit, die schwer ist und in der sich enorm viel verändert. Die Besseren sind noch sehr von sich überzeugt und lassen andere das spüren, aber ganz langsam beginnen auch die unteren Schichten für sich zu kämpfen.


    Ich hatte am Anfang ganz leichte Startschwierigkeiten, aber nach den ersten 50 Seiten hat mich das Buch gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Ein wunderbarer Auftakt zu einer Saga vor und um den ersten Weltkrieg, die extrem viel verspricht. Wenn man die Personen richtig kennt, merkt man wie unterschiedlich die einzelnen sind und wie spannend der Charakterer jedes einzelnen beschrieben ist, das ist genau der Punkt, hier sind eben nicht nur die Hauptpersonen, sondern alle wahnsinnig gut ausgedacht.

    Der Schreibstil begeistert von Anfang an, flüssig geschrieben und passend zu dieser Zeit. Man könnte ewig weiterlesen. Mir gefällt auch das es sehr viel um die Menschen geht, zu viel Politik ist oft schwer zu verarbeiten. Hier stimmt die Mischung und alles ist wunderbar miteinander verknüpft.


    Ich bin megagespannt auf den nächsten Band



    Trotz der minimalen Kritik am Anfang mit den ganzen Personen, möchte ich hier gerne 10 Eulenpunkte geben


    Ich bedanke mich recht herzlich beim Verlag für das Buch und ebenfalls bei Hanna für die Begleitung unserer Leserunde :blume<3




  • Das Schicksal hatte sie mitten ins wirkliche Leben geschmissen. Es schien ihr, als wäre sie heute schlagartig erwachsen geworden, in mehrfacher Hinsicht. (Seite 354)



    Meine Meinung


    Es ist bald fünf Jahre her, daß ich Elisabeth Büchles Meindorff-Trilogie gelesen habe. Das war, kurz vor dem hundertsten Jahrestag zum Beginn des 1. Weltkrieges, das erste Mal, daß ich Romane, die just zu dieser Zeit angesiedelt sind, gelesen habe. Nachdem das Ende des Weltkrieges inzwischen schon über hundert Jahre zurück liegt, war es an der Zeit, sich jener Epoche von einer anderen Seite her zu nähern. Die Inhaltsangabe zu diesem ersten von drei Bänden las sich gut - und das Buch hat gehalten, was es versprochen hat. Eher bot es erfreulicherweise wesentlich mehr, als der Verlag auf der Buchrückenseite angekündigt hat. Denn auch wenn die dort angegebenen Liebesgeschichten durchaus tragende Rollen spielen, greift die Handlung inhaltlich deutlich weiter aus.


    In Gang gesetzt werden die Ereignisse letztlich durch den Unfalltod des altes Patriarchen, wodurch das Gut an dessen Sohn übergeht. Schwierigkeiten ergeben sich recht bald, denn es stellt sich heraus, daß der neue Graf seinen Aufgaben nicht gewachsen ist, dessen Sohn Konstantin, der Landwirtschaft studiert hat, jedoch sehr wohl. So bleibt es nicht aus, daß die beiden immer wieder aneinander geraten; es ist eine Zeit des Umbruchs: die Mechanisierung der Landwirtschaft beginnt, die Beharrungskräfte sind jedoch sehr stark. Neues gegen Überkommenes, Jung gegen Alt - damals wie heute ein ewiger Konfliktherd.


    Indem sowohl das Leben und die Ansichten der herrschaftlichen Familie wie der zahlreichen Bediensteten geschildert werden, entsteht ein facettenreiches Bild eines solchen Landgutes um 1913. Besonders deutlich wird der große Unterschied zwischen den Klassen, die nahezu unüberbrückbare Kluft zwischen Adel und Bürgertum. Mehrfach finden sich im Buch Ausführungen dazu und erst dadurch sind mir die Unterschiede wirklich bewußt geworden. Im Nachhinein (und natürlich mit dem Wissen des Ganges der Geschichte) war es wohl unausweichlich, daß die Monarchie zusammenbrach. Denn mit diesen Einstellungen und dem Unwillen zu Veränderungen konnte eine zunehmend technisierte und industrialisierte Gesellschaft nicht bestehen.


    Neben diesen grundsätzlichen Fragen müssen die Figuren aber mit ihren konkreten jeweiligen Lebenssituationen zurecht kommen. Da geschieht nur wenig Spektakuläres - und gerade das macht das Buch so unheimlich real, daß ich ständig das Gefühl hatte: genau so ist das damals gewesen. So haben die Menschen gelebt, mit diesen Problemen gekämpft, diese Gedanken und Überlegungen angestellt, wie sie sich hier vorfinden. Immer wieder mußte ich mir vergegenwärtigen, daß diese Geschichte fiktiv ist - und dennoch stimmt der Ablauf der Ereignisse mit dem überein, was mir aus Sachbüchern von jener Zeit her bekannt ist.


    Insgesamt hat mir das Buch ausnehmend gut gefallen. Wenn ich es recht überlege, fällt mir kein ernsthafter Kritikpunkt ein, da der Roman mehr bot, als ich erwartet habe und mir Einsichten in die damaligen Gesellschaftsstrukturen beschert hat, wie sie mir bisher kein Sachbuch vermitteln konnte. Ich freue mich auf den Folgeband, der schon bereit liegt.


    Mein Fazit


    Eine Welt mit ersten Anzeichen zu einem Umbruch in eine neue Zeit am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Herrschaft und Bedienstete eines pommerschen Gutes in der trügerischen Ruhe vor dem kommenden Sturm. Ein überaus gelungener Auftakt der Trilogie.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Das Buch beginnt mit dem plötzlichen Tod des Patriarchen von Gut Greifenau. Sein zweitgeborener Sohn muss nun die Leitung des Guts übernehmen, dabei interessiert ihn das Gut überhaupt nicht und so überlässt lieber alles dem alten Verwalter und übergeht seinen Sohn Konstantin, der schon auf Klein auf Interesse und Begabung für die Gutsführung hat. Der Gutsherr ist zufrieden solange alles seinen gewohnten ruhigen Gang geht und er seine Ruhe hat.

    Die neue Gutsherrin interessiert sich nur für gewinnbringende Verbindungen zum Adel und ansonsten für ihre eigene Wohlbefinden - anderen gegenüber ist sie kaltherzig und rücksichtslos, das bekommt besonders die jüngste Tochter Katharina zu spüren.


    Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen, auch wenn ich anfangs öfter das Personenregister zu Rate ziehen musste. Aber ein großer Gutshof mit großer Familie braucht eben auch einiges an Personal.

    Doch recht schnell habe ich mich mit den Personen zurechtgefunden und ihre Schicksale verfolgt. Diese Mischung aus Adel und Dienstboten fand ich sehr gelungen und besonders gefallen hat mir, dass die verschiedenen Sichtweisen sehr nachvollziehbar dargestellt waren. Die damalige Zeit wird sehr anschaulich dargestellt und ich habe das Buch verschlungen.


    Mein einziger Kritikpunkt ist, dass man dem Buch nicht ansieht, dass es der 1. Teil einer Trilogie ist.

  • Ich habe den ersten Band der Greifenau-Trilogie "Abendglanz" zugeklappt und hätte am liebsten gleich mit dem nächsten Teil weitergemacht. Das sagt eigentlich schon alles aber gerne fasse ich hier meine Begeisterung auch nochmal in Worte.


    Ohne die Eulen-Leserunden hätte ich wahrscheinlich nicht zu diesem Buch gegriffen. Ich bin ehrlich, ich mag diese Art der Covergestaltung gar nicht. Schon nach wenigen Seiten war klar, dass ich hier genau richtig bin und dass die Vergleich mit Downton Abbey keineswegs aus der Luft gegriffen sind sondern sehr gut passen.


    Erzählt wird von einer Grafen-Familie, die auf Gut Greifenau das herrschaftliche Zepter schwingt. Drei Söhne und eine Tochter beleben das Bild ebenso wie diverses Hauspersonal, welches erfreulicherweise einen gleichwertigen Stellenwert in der Geschichte einnimmt. So lernt der Leser eine Welt kennen, die mit Beginn des ersten Weltkrieges untergehen wird mit ihr all ihren Vorurteilen und Regeln, der Männerherrschaft und dem Standesdünkel. Aber noch ist es nicht so weit und es macht großen Spaß beim Lesen zu spüren, wie die Umbrüche in der Gesellschaft sich langsam in die Geschichte schleichen ebenso wie die Bedrohung durch den heraufziehenden Kriegssturm.


    Die Figuren sind intensiv gezeichnet und man sollte keine Angst vor der Menge an Personen haben, denn tatsächlich schafft es Hanna Caspian einem jeden ein Gesicht und einen Charakter zu geben. Auch wenn der junge Grafensohn Konstantin mein Herzensbrecher war so konnten mich auch die Haushälterin und der Kutscher begeistern und schnell hatte ich keine Namensprobleme mehr, weil alle so präsent und lebhaft beschrieben waren.


    Erstaunlich war auch, dass die Vielzahl an Handlungssträngen und die Menge an menschlichen und gesellschaftlichen Problemen keineswegs ein Durcheinander verursachten und auch nie zu viel waren. Es war eine so ausgewogene Dosis, eine Geschichte, die so fein gewoben ineinandergriff, dass ich keine Seite und keine Facette missen möchte.


    So einige Male kam ich im Laufe des Buches aus unterschiedlichsten Gründen in Wallung. Die Ungerechtigkeiten, die hier vor allem den jungen Leuten widerfuhren, haben mich zornig oder traurig gemacht. Frau Gräfin ist die giftigste Mutter aller Zeiten und diverse Lügen und Notlügen bringen die Darsteller in schwierige Lagen und ich musste mit ihnen Bangen, wollte sie oftmals Schütteln und eines besseren Belehren. Aber meist besorgte das Leben das später für mich.


    Schön sind auch die zarten Liebesbande die hier geknüpft wurden und ich hoffe, dass im zweiten Band da auch noch Aussichten auf glückliche Verbindungen kommen und zusammenfindet, was zusammen gehört. Das Ende von Band eins endet mit Beginn des Krieges und einigen fiesen Cliffhangern.


    Volle Punktzahl

    10 von 10

  • „Abendglanz“ ist der Auftakt einer Trilogie, die in kurzem Zeitabstand vollständig erscheint. D.h. die Autorin muss alle drei Bände bereits fast beendet haben, bevor der erste Band erschienen ist. Die Buchcover treffen meinen Geschmack nicht, passen zur Reihe – mit der ich, ohne Leserunde, nicht begonnen hätte. Ich bedanke mich bei Wolke, Knaur und der Autorin für die Möglichkeit, diesen in Leserunde von Autorin begleitet, lesen zu können.


    Zitat

    Hollyhollunder hat gut in einem LR-Abschnitt die Genrevielfalt beschrieben: „Ein bisschen Histo, ein bisschen Klischee, ein bisschen Herz, ein bisschen Liebe und ein bisschen Rache.“


    Genau, von jedem ein bisschen. Das finde ich schade! Hätte mir etwas mehr Tiefgang, einen Schwerpunkt vorgestellt - weniger Mittelmaß. Das unterscheidet ihn für mich leider von vielen tollen Büchern, die mich in der Hinsicht mehr gefesselt haben. Ich empfinde den Roman als Unterhaltungsschmöker, der an der Oberfläche bleibt. Mal ganz nett zwischendurch und weil sehr gut geschrieben, eben auch sehr gut lesbar. Für mich aber kein Buch, was mich bereichert.


    Wie leider häufiger werden viele Fäden aufgenommen, Geheimnisse angedeutet und Handlungen angekündigt, über deren Fortgang wird man erst im Laufe der kommenden Bücher berichtet bekommen. Es wird sicher Käuferinnen geben, die nichtsahnend diesen oder auch einen der Folgebände zur Kasse tragen und erst beim Lesen bemerken, dass sie einen Teil eines Mehrteilers gekauft haben. Auf dem Buchumschlag und auch vor Beginn der Geschichte kein Hinweis zu finden.


    Ich hatte mir vom Greifenau-Roman etwas mehr versprochen. Durchs Lesen lerne ich häufig nebenbei Hintergründe/ Geschichte/ Landschaften und Zeitgeist noch besser kennen. Das war überwiegend beim Auftaktband für mich nicht der Fall und es kam auch nicht der Wunsch auf, etwas nachzuschlagen.

    Die Autorin versteht gut zu erzählen, dadurch ist der Roman schnell und gut lesbar.


    Ich gebe zu, auf den letzten hundert Seiten zumindest mitgefiebert zu haben, doch ist mir keine Person vollständig ans Herz gewachsen. Albert bekommt noch am ehesten Sympathiepunkte. Trotzdem bin ich gespannt, wie es im zweiten Band weitergeht.



    Wer einen gut geschriebenen Schmöker sucht, nicht viel während des Lesens über Dinge nachsinnen will, ist mit dem Roman gut bedient.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Buchmeinung zu Hanna Caspian – Gut Greifenau. Abendglanz


    „Gut Greifenau. Abendglanz“ ist ein Roman von Hanna Caspian, der 2018 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der Auftaktband einer Trilogie um die Bewohner des fiktiven Gutes Greifenau, die von 1913 bis 1919 spielt.


    Zum Autor:

    Hinter Hanna Caspian verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Autorin, die ihr Herz ans Rheinland verloren hat. Ihre historischen Liebesromane behandeln spannende Themen der vergessenen deutschen Geschichte. Dabei verwebt sie akribisch tatsächliche historische Begebenheiten mit dem Leben fiktiver Figuren. Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften und Sprachen.

    Mit ihrem Mann wohnt und arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Rhein.


    Klappentext:

    Mai 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau, wagt das Unerhörte: Er verliebt sich in eine Bürgerliche, schlimmer noch – in die Dorflehrerin Rebecca Kurscheidt, eine überzeugte Sozialdemokratin. Die beiden trennen Welten: nicht nur der Standesunterschied, sondern auch die Weltanschauung. Für Katharina dagegen, die jüngste Tochter, plant die Grafenmutter eine Traumhochzeit mit einem Neffen des deutschen Kaisers – obwohl bald klar ist, welch ein Scheusal sich hinter der aristokratischen Fassade verbirgt. Aber auch ihr Herz ist anderweitig vergeben.

    Beide Grafenkinder spielen ein Versteckspiel mit ihren Eltern und der Gesellschaft. So gut sie ihre heimlichen Liebschaften auch verbergen, steuern doch beide unweigerlich auf eine Katastrophe zu...

    Meine Meinung:

    Von Beginn an habe ich mich in und mit diesem Buch wohlgefühlt. Die Figuren sind erfrischend und zum Teil in erstaunlicher Tiefe mit Ecken und Kanten beschrieben. Neben den Liebesgeschichten der beiden Grafenkinder werden Themen aus der Welt der Bediensteten erzählt. Zusätzlich bringt der Wechsel an der Spitze des Gutes durch den Unfalltod des alten Grafen viel Unruhe auf das Gut. Politische Ereignisse spielen noch im Leben der Bewohner kaum eine Rolle, wohl aber der allgegenwärtige Standesunterschied. Es gibt viele Geheimnisse um die Bewohner des Gutes, die nach und nach an die Oberfläche gebracht werden. Meine Lieblingsfigur wurde Albert Sonntag, der als Waisenkind aufwuchs und nun als Kutscher seinen Dienst versieht. Nebenbei möchte er seine Herkunft klären. Er ermittelt in eigener Sache und unterstützt auch schwächere Bedienstete, wenn er glaubt, dass ihnen unrecht geschehen ist.

    Deutlich wird auch der Unterschied zwischen den Söhnen und den Töchtern der Grafenfamilie. Während die Söhne relativ frei aufwachsen, werden die Töchter an der kurzen Leine gehalten. Etwas unglücklich ist das Alter Katharinas gewählt, die mit ihren zwölf Jahren zu jung wirkt. Ihre Mutter behandelt sie wie eine Ware, die sie möglichst günstig auf dem Heiratsmarkt unterbringen will. Überhaupt sind es die kleinen Dramen und Erfolge, die dem Roman Würze verleihen. Manche Figuren sind etwas einseitig gestaltet, aber sie passen dennoch in die Geschichte. Das Leben auf dem Gut wird glaubhaft und realistisch beschrieben und von Zeit zu Zeit passiert etwas aufregendes. Etwas bedauerlich finde ich, das zum Ende des Buches kaum ein Erzählstrang abgeschlossen ist.

    Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd und bei der Vielzahl der Figuren findet sich für jeden Leser etwas. Mit einigen Figuren fiebert man mit, anderen wünscht man weniger Erfolg. Der Leser weiß von kommenden Weltkrieg, auf den das Gut nicht wirklich vorbereitet ist. So ziehen düstere Wolken am Horizont auf und ich bin auf die Folgebände gespannt.


    Fazit:

    Mich hat dieser Roman positiv überrascht und vor allem hat er mich gut unterhalten. Es gibt aber auch Punkte, bei denen Luft nach oben ist. So vergebe ich gute vier von fünf Sternen (9 von 10 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung für diese gut erzählte Familiensaga aus.

    :Hörbuch Hans-Henner Hess - Herrentag

    :Hörbuch Robert Fabbri - Das Blut des Bruders

    :lesend Wolfgang Glagla - Algorithmus

    :lesend Nikos Milonas - Kretische Feindschaft

    :lesend Rhys Bowen - Tod nach Regie

  • Ein Buch wie Downton Abbey? Geht das überhaupt? Könnte es meiner absoluten Lieblingsserie das Wasser reichen? Hanna Caspian ist nah dran und ja, der Vergleich ist durchaus berechtigt.

    Das Cover ist ein klassisches seines Genres, es sticht nicht wirklich heraus aus dem Einheitsbrei. Der Klappentext nimmt nur die beiden Grafenkinder in den Blickpunkt.

    Der Roman ist im Jahr 1913 angesiedelt, dem geneigten Leser ist klar, dass die politische Situation auf den ersten Weltkrieg zusteuert und dass dieses Ereignis, das Leben aller Menschen auf den Kopf stellen wird. Die Geschwister Konstantin und Katharina stehen zwar mit ihren Geschichten im Mittelpunkt des Klappentextes, dennoch geht es in diesem Roman um mehr. Es geht auch um die Eltern der beiden, Feodora, die unter allen Umständen eine aristokratische Absicherung für ihre Familie will und dabei das Unglück ihrer Tochter in Kauf nimmt. Adolphis, der Vater und neue Gutsherr, der der Situation nicht gewachsen ist und am liebsten seinen Frieden hat. Der Pfarrer Wittekind, der mehr als einmal Schicksal spielt. Der neue Kutscher, ein ehemaliges Waisenhauskind, der wissen will wer seine Eltern sind. Ein Stubenmädchen, dass nach seinen Geschwistern sucht. Ein Hauslehrer, der sich mehr als einmal unangemessen verhält. Die Mansell, die eine Schwindelei aufdeckt und ein Hausdiener, der ein dunkles Geheimnis hütet. Ja, genau dies ist Downton Abbey. Die Verstrickung von den Schicksalen der oberen Gesellschaftsschicht, mit denen da unter, ein Ereignis, dass alle gleichermaßen trifft und ihrer aller Welt auf dem Kopf stellt. Der ein unaufhaltsamer Einzug von neuen industriellen Möglichkeiten, einer neuen Gesellschaftsschicht und neuen Idee, die die Welt ins wanken bringen.

    Der Roman wird chronologisch erzählt und endet im August 1914, das Unheil ist greifbar und nicht mehr aufzuhalten. Durch die vielen verschiedenen Erzählstränge sind wir sehr nah am Geschehen dran, es macht Spaß sich in die einzelnen Figuren hineinzuversetzen. Die Autorin schafft es eine unglaublich gute Nähe zu erzeugen. Der Schreibstil von Hanna Caspian ist flüssig und sehr gut zu lesen, viele Dialoge bereichern die Geschichte und wechseln sich mit beschreibenden Elementen ab. Karten und eine Personenübersicht runden den Roman ab und helfen bei der Orientierung.

    Ich bin sehr gespannt, wie es im zweiten Teil weitergeht, denn keine Geschichte wird zu Ende erzählt. Alle Fäden bleiben offen, dies finde ich ein wenig schade, die eine oder andere Auflösung hätte dem Roman mit Sicherheit gutgetan.

    Hauptzielgruppe sind mit Sicherheit nicht nur die Fans von Downton Abbey zu nennen, sondern die Fans von Familiensagas allgemein. Auch Männer werden an diesem Roman sicherlich ihren Spaß haben, denn die Sichtweise der Männer auf die Ereignisse wird gut dargestellt und kommt vor allen Dingen durch Konstantin sehr gut zum Ausdruck.

    Ein gelungener Auftakt zu einer neuen Saga. Ich bin sehr gespannt, ob die Autorin noch ein klein wenig am Niveau schrauben kann und so auch meine letzten Zweifel im Wind zerstreut. Denn Band zwei ist hoffentlich kein Abklatsch von Band eins, sonst ist ein Vergleich mit Downton Abbey absolut ungerechtfertigt. Von daher erlaube ich es mir ausnahmsweise kein endgültiges Urteil bzw. eine abschließende Empfehlung abzugeben.

    Auf jeden Fall vielen Dank an die Verlagsgruppe Droemer-Knaur für die Bereitstellung des Rezensions- und Leseexemplars.

  • Ich kann mich am ehesten Guccis Meinung anschließen. Ein Buch das mich nicht bereichert. Sicher gibt es interessante Einblicke in die damalige Zeit, vor allem in die Stellung des Adels, aber als Person überzeugt mich am ehesten Rebecca.

    Ein besseres Lektorat hätte dem Buch auch gut getan, denn ich weiß jetzt nicht, wie der polnische Landarbeiter nun heißt, Valerie, so wird er zweimal genannt oder Tomasz??? Auch der Ort des Kinderheims wird zweimal als Belgrad bezeichnet obwohl auf der Karte Belgard steht. Also was nun?? Sowas ärgert mich sehr und das gibt bei mir immer Abzüge.

    Die Geschichte an sich ist auch nichts neues, nur anders erzählt. Aber wie es dann so ist mit Serien, man will schon wissen wie es weiter geht. Entkommen die Protagonisten ihren Gefängnissen? Kommen sie ans Ziel, wer gewinnt, wer verliert? Dass es mit dem Adel und besonders den pommerschen Landjunkern an den Kragen geht weiß man ja aus der Geschichte. Der polnische Korridor, wie gehen sie damit um, wer überlebt den Krieg und wie? Die Autorin versteht es gut, der Gräfin den adligen Ton und die Umgangsformen an den Leib zu schreiben. Das Gesinde tritt daher etwas in den Hintergrund. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt, also abwarten.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • "Abendglanz" ist der erste Band der Gut Greifenau - Reihe von Hanna Caspian.

    Laut Beschreibung soll das Buch die Leser in die "Downton-Abbey-Welt" entführen.

    Grund genug für mich es zu lesen.

    Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konnte mich das Buch dann auch fesseln.

    Die Geschichte beginnt ein paar Jahre vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs - noch scheint alles ganz "in Ordnung" zu sein, oben der Graf und seine Familie und unten die Angestellten. Ganz so, wie es sich gehört. Oder so, wie es zu dieser Zeit einfach war.

    Jeder einzelne hat seine Sorgen und Nöte, seine Wünsche und Träume.

    Nicht jeder war mir sympathisch, es gibt die Guten und die Bösen, die Verlierer und die Gewinner - all das braucht es auch, um eine interessante Story aufzubauen.

    Das gelingt Hanna Caspian wirklich gut.


    Im Laufe des Buches werden die Zeiten schwieriger und am Schluss stehen wir am Beginn des 1. Weltkriegs.

    Und natürlich möchte ich wissen, wie es mit allen weiter geht.

    Mit den Grafenkindern, den Angestellten, den Menschen im Dorf.

    Und deshalb freue ich mich auf Band 2...……...

  • Ich durfte dieses Buch als Wanderbuch lesen, noch mal vielen Dank dafür an Rosenstolz  :blume

    Mir hat der erste Teil der Trilogie um das Gut Greifenau sehr gut gefallen. Für mich hatte dieses Buch einen richtigen Suchtfaktor. Ich habe die ersten paar Seiten gelesen und konnte dann das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, dann hätte ich das Buch bestimmt an wenigen Tagen verschlungen. Für mich hatte es genau die richtige Mischung aus Spannung, romantischen Momenten, geschichtlichen Fakten und überraschenden Wendungen. Die Autorin erzählt die Geschichte der einfachen Leute, des Dienstpersonals und der Adligen mit ihren jeweiligen Sorgen, Nöten und unterschiedlichen Lebensumständen. Der Schreibstil hat mir super gut gefallen. Die Geschichte hat sich sehr flüssig, locker und leicht gelesen und alles war sehr anschaulich und lebendig geschildert. Die einzelnen Charaktere waren gut ausgearbeitet und ich habe hier in dem ersten Band sowohl ein paar Lieblingsfiguren als auch einige unsympatische Personen kennengelernt.

    Ich freue mich darauf, dass ich jetzt gleich mit Band 2 weitermachen kann und bin gespannt, wie es auf Gut Greifenau mit Beginn des ersten Weltkrieges weitergeht.

    Ich geben dem Buch 8 von 10 Eulenpunkte. Ich glaube, da ist noch ein wenig Luft nach oben.:)