Die verborgenen Stimmen der Bücher - Bridget Collins

  • Titel: Die verborgenen Stimmen der Bücher51i19zJvmJL._SX312_BO1,204,203,200_.jpg

    Autorin: Bridget Collins


    Verlag: Rütten & Loening
    Erschienen: 15.02.2019
    Seitenzahl: 467

    ISBN-10: 335200921X

    ISBN-13: 978-3352009211

    Preis gebundene Ausgabe: 22,- €



    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Jeder braucht eine Geschichte – auch wenn es schmerzhaft ist.

    Emmett Farmer arbeitet auf dem Hof seiner Eltern, als ein Brief ihn erreicht. Er soll bei einer Buchbinderin in die Lehre gehen. Seine Eltern, die wie alle anderen Menschen Bücher aus ihrer Welt verbannt haben, lassen ihn ziehen – auch weil sie glauben, dass er nach einer schweren Krankheit die Arbeit auf dem Hof nicht leisten kann. Die Begegnung mit der alten Buchbinderin beeindruckt den Jungen, dabei lässt Seredith ihn nicht in das Gewölbe mit den kostbaren Büchern. Menschen von nah und fern suchen sie heimlich auf. Emmett kommt ein dunkler Verdacht: Liegt ihre Gabe darin, den Menschen ihre Seele zu nehmen? Nach dem plötzlichen Tod der Buchbinderin erkennt der Junge, welch Wohltäterin sie war – und in welche Gefahr er selbst geraten ist.

    Ein unvergleichliches Buch über die Macht der Erinnerung, verbotene Liebe und darüber, was das Menschsein bedeutet: Geschichten zu erzählen.


    Über die Autorin (Quelle: Rütten & Loening Verlag)

    Bridget Collins hat an der London Academy of Music and Dramatic Art studiert. Sie hat bisher mehrere Romane geschrieben sowie zwei Stücke, die beim Edinburgh Festival uraufgeführt wurden. »Die verborgenen Stimmen der Bücher« wurde in mehrere Länder verkauft.


    Mein Leseeindruck

    Emmet Farmers Geschichte spielt in einer Zeit, in der Bücher geächtet werden - eine unfassbare Vorstellung für mich als Büchereule. Ein Szenario, das ich mir für mich nie und nimmer ausmalen möchte. Und dennoch schafft es die Autorin mit ihrer Sprache mich sehr schnell in die Geschichte eintauchen zu lassen. Ihr Erzählstil hat etwas Märchenhaftes und vor allem die Figur der Buchbinderin Seredith faszinierte mich in all ihren Facetten. Auch als Leser blieb sie für mich lange mysteriös und undurchsichtig. Ist sie eine Hexe? Ist sie den Menschen wohlgesonnen oder führt sie Böses im Schilde? Nur allmählich begreift man als Leser zusammen mit Emmet, was das Buchbinden wirklich bedeutet und vor allem, welchen Wert die Bücher für uns alle haben.


    Die Geschichte wird in drei Teilen erzählt. Obwohl diese Abschnitte aufeinander aufbauen und meiner Meinung nach plotmässig perfekt miteinander abgestimmt sind, ist jeder einzelne Teil für sich etwas Besonderes. Der erste Teil erzählt in erster Linie Emmets Zeit bei Seredith und hat mir persönlich gerade auch sprachlich am Besten gefallen. Mit ihren schönen und originellen Beschreibungen zaubert die Autorin eine spannende und märchenhafte Atmosphäre.


    Im zweiten Teil klärt sich einiges auf und die Geschichte geht dann in eine Richtung, die ich so nicht erwartet hatte. Ich liebe unerwartete Wendungen in Büchern und hier ist es Bridget Collins sehr gut gelungen mich zu überraschen. Die unvorhergesehene Liebesgeschichte wird sehr einfühlsam dargestellt und auch hier zeigt sich wieder das grosse Erzähltalent der Autorin.


    Auch der dritte Teil vermochte mich zu überraschen. In diesem Abschnitt wird der Ton etwas härter und hat daher für mich etwas von dem Zauber, der mich vor allem im ersten Teil begeisterte, verloren. Nichtsdestotrotz passt auch hier der Erzählstil zu den Umständen und bis zum Schluss hin wird es nochmals richtig spannend.


    Bei allen drei Teilen - so unterschiedlich sie auch sind - konnte ich in die Geschichte eintauchen und mit den Figuren mitfiebern, mitleiden und mitlieben. Zwischen den Zeilen schwebt viel Märchenhaftes. Trotz allem Zauber wirkt die Geschichte aber nie verklärt oder kitschig. Und auch die Realität bekommt viel Raum. Ich könnte mir vorstellen, dass die Autorin gerade um diesen Effekt zu erreichen, nähere Zeitangaben bewusst vermieden hat. Als Leser befinde ich mich gefühlsmässig in der Vergangenheit (ich denke da an die Kutschen, die als Verkehrsmittel eingesetzt werden). Und dennoch birgt das Buch auch das eine oder andere an Aktualität.

    Ich habe "Die verborgenen Stimmen der Bücher" sehr gerne gelesen und es jeweils nur ungern beseite gelegt. Es hat mich in seinen Bann geschlagen und gleichzeitig meine Phantasie beflügelt. Es ist für mich eines der Bücher, die mir mein liebstes Hobby noch schöner machen.

  • Bridget Collins Roman „Die verborgenn Stimmen der Bücher“ wurde von Ulrike Seeberger ins deutsche übersetzt.

    Dieser Roman ist anders, als erwartet, aber ich konnte mich immer mehr mit ihm anfreunden. Er ist nicht unbedingt realistisch, hat jedoch einen schönen Stil. Die Geschichte spielt in einer Zeit, als Bücher verpönt waren.

    Emmett Farmer arbeitet in der Landwirtschaft. Er wird krank, er hat das Buchbinderfieber. Danach kommt er bei einer Buchbinderin in die Lehre.

    Die Buchbinder haben die Gabe, Menschen die Erinnerungen zu nehmen und die werden in Büchern aufgehoben.

    Memmetts Lebensweg wird nicht einfach.

    Nach einer Zeit erfahren wir von seiner Freundschaft zu Lucian.

    Der Roman wird da spannend und hat mich überrascht. Die Autorin hat diese Idee gut umgesetzt. Das Buch ist ein etwas ungewöhnliche Roman, der sich gut lesen läßt.

  • Emmet Farmer war schwer krank und kann jetzt seinen Eltern auf der Farm nicht mehr wirklich helfen. Da kommt den Eltern das Angebot einer Buchbinderin, ihn in die Lehre zu nehmen, eigentlich ganz recht.

    Was wie ein Buch über einen Farmerssohn klingt, der einen neuen Beruf finden muss, stellt sich bald als deutlich vielschichtigeres Buch heraus. Bücher haben in dieser Welt eigentlich keinen Platz. Sie dienen nicht der Unterhaltung, sondern der Befreiung von unangenehmen Erinnerungen. Die Buchbinder sind auch nicht Menschen, die Bücher handwerklich herstellen, sie sind diejenigen, die die Erinnerung binden. Das alles muss Emmet erst noch lernen, haben seine Eltern ihm doch nie etwas über die Buchbinderei und deren Folgen erzählt.


    Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten begleiten wir Emmet zur Buchbinderin Seredith und lernen grob die Regeln dieser Welt kennen. Der zweite Teil erzählt dann wie es zu Emmets Krankheit kam. Im letzten wiederum wechselt dann die Perspektive.

    Mehr möchte ich dazu gar nicht erzählen, man sollte sich hier wirklich überraschen lassen.

    Das Buch ist toll geschrieben, ich hatte von Anfang an Bilder vor Augen. Auch sind in der Handlung zarte Andeutungen verborgen, die den aufmerksamen Leser auf manche Überraschung vorbereitet. Gerade der Schreibstil hat mich sehr berührt und begeistert.


    Die Idee, dass Menschen ihre Erinnerungen an ein Buch abgeben und dann ohne diese oft unangenehmen Erinnerungen weiterleben können, fand ich hoch interessant. Die Autorin zeigt aber auch die Nachteile und Gefahren, die diese Möglichkeit birgt. Da verkaufen Menschen ihre Erinnerungen an unlautere Buchbinder um damit Geld zu machen. Da aber jede Sitzung dem Menschen auch etwas des eigenen Ichs beraubt, ist genau das nicht ungefährlich. Und auch manch scheinbar freundlicher Arbeitgeber nutzt die Gelegenheit um Missbrauch der Angestellten zu verbergen.


    Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es entführt in eine Welt, die wir uns so nicht vorstellen können. Ein etwas anderes Fantasybuch!


    9 von 10 Punkte

  • Ich muss sagen, dass ich selten Fantasy lesen, aber dieses Buch hat mich gleich angesprochen und ich wurde nicht enttäuscht, auch wenn einiges doch anders war als ich erwartet hatte. Aber dazu möchte ich nicht zu viel verraten.

    Emmett Farmer soll einmal den Hof seiner Eltern übernehmen, doch eine schwere Krankheit lässt das nicht zu, denn danach ist er nicht mehr stark genug. Dann erreicht die Familie ein Brief. Emmett soll bei der Buchbinderin Seredith in die Lehre gehen. Man lässt ihm keine Wahl und schon am nächsten Tag bringt ihn sein Vater weg. Seredith ist als Hexe verschrien, doch Emmett ist gleich von ihr beeindruckt. Er lernt viel, aber in das verschlossene Gewölbe mit den kostbaren Büchern lässt sie ihn nicht. Viele seiner Fragen bleiben unbeantwortet mit dem Hinweis: Jetzt nicht… Es kommen Menschen heimlich zu der alten Frau und wollen ihre Hilfe, doch Emmett versteht nicht, was da vor sich geht. Doch dann stirbt Seredith und erst da begreift Emmett, was Seredith für die Menschen getan hat und was das für ihn bedeutet.

    Das Buch ist nicht ganz einfach zu lesen, obwohl der Schreibstil einfach wundervoll und fesselnd ist. Am Anfang hatte ich genau wie Emmett nur Fragen. Vieles wurde nur angedeutet. Doch dann zeigt sich immer mehr, worum es geht.

    Emmett hat schon früh erfahren müssen, dass Bücher etwas Schlimmes sind, denn als er mit einem Buch vom Jahrmarkt kam, hat er die Angst der Eltern bemerkt. Dann soll ausgerechnet er eine Lehre als Buchbinder machen. Er versteht es nicht und weder seine Eltern, noch Seredith beantworten seine Fragen. Aber Emmett begreift mit der Zeit, was es mit diesem Geheimnis auf sich hat. Er sieht, wie Menschen auftauchen und nach einer Weile verändert wieder gehen. Seredith ist davon überzeugt, dass Emmett das Zug für einen guten Buchbinder hat, doch sie wartet lange, zu lange, denn sie stirbt bevor sie ihm das Wichtigste vermittelt hat. Die Figuren sind alle sehr gut und besonders gezeichnet.

    Es ist schon eine bemerkenswerte Idee, die die Autorin hier ins Spiel bringt. Man kann seine Erinnerungen und Gefühle abgeben und die Buchbinder machen daraus ein Buch, das gut verwahrt sein will, damit es den Menschen Leid und Schmerz erspart. Doch nicht jeder Buchbinder handelt so verantwortungsvoll wie Seredith. Je mehr man im weiteren Verlauf über Emmett und seine verlorenen Erinnerungen erfährt, umso klarer wird der Zusammenhang.

    Mich hat dieses außergewöhnliche Buch wirklich begeistert und ich kann es nur empfehlen.

  • An dieses Buch darf man nicht mit den falschen Erwartungen rangehen. Es hat zwar ein fantastisches Element (das Binden der Bücher) ist aber in meinen Augen eher ein Liebesroman.


    Die Geschichte spielt in einer Welt, in der es besondere Bücher gibt, die von vielen Menschen als böse betrachtet werden. Bücher, die echte Erinnerungen von Menschen beinhalten, wozu nur besondere Buchbinder die Fähigkeit haben. Emmett wächst zwar in einfachen Verhältnissen auf dem Land auf, trägt aber diese Fähigkeit in sich und tritt eine Lehre bei der Buchbinderin Seredith an. Ihm ist nicht bewusst, was für ein besonderer Mensch sie ist, bis es zu spät ist und sein Leben erneut komplett auf den Kopf gestellt wird, indem er auf andere Buchbinder und deren Kunden trifft.


    Schon nach ein paar Seiten war ich fasziniert von dieser Geschichte und wollte unbedingt mehr erfahren, über diese Welt, in der Bücher böse sein sollen und Buchbinder die Macht haben, Lehrlinge einzufordern.

    Ich gehe bewusst nicht näher auf das Binden dieser besonderen Bücher ein, denn das macht einen Teil des Reizes der Geschichte aus, nach und nach zu entdecken, was das genau bedeutet und welche Auswirkungen und Auswüchse dies nach sich zieht.


    Immer wenn ein neues ungeheuerliches Detail aufgedeckt wird, ist das Buch sehr spannend. Dann ist die Atmosphäre oft geheimnisvoll und manchmal richtig düster, dramatisch und bedrückend, vor allem wenn es darum geht wie verdorben und grausam ein skrupelloser Mensch sein kann. Hier hat mich die Autorin oft mit ihren tollen Ideen und unerwarteten Wendungen überrascht.


    Daneben nimmt die Liebesgeschichte einen Großteil der Handlung ein. Die Autorin gibt ihr die Zeit, sich langsam zu entwickeln. Dadurch gibt es immer wieder sehr ruhige Abschnitte. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich ruhige und besondere Geschichten mag, wenn sie gut erzählt sind und es schaffen, mich in ihren Bann zu ziehen. Diesem Roman ist das voll und ganz gelungen.


    Fazit: Eine dramatische Liebesgeschichte in einer Welt, in der Erinnerungen in Bücher gebannt werden können.


    9 von 10 Eulen

  • Cover: Gefallen tut mir das Cover gut, es ist schön gestaltet, allerdings hätte ich hier vielleicht nicht direkt zum Hörbuch gegriffen.

    Inhalt: Emmet bewirtschaftet mit seinen Eltern und seiner Schwester eine Farm auf dem Land. Bis zu dem Tag als er krank wird und alles anders wird. Kaum geht es ihm wieder besser, schicken seine Eltern in zu der alten Buchbinderin in den Sümpfen und das obwohl seine Eltern Bücher hassen.

    Nachdem Emmet erkannt hat das er ein geborener Buchbinder ist, geht er in seiner Arbeit auf, bis seine Lehrmeisterin plötzlich stirbt und er erkennen muss, dass nicht jeder das Buchbinden als "gute Gabe" einsetzt.

    Meine Meinung: Die Sprecherstimme fand ich sehr angenehm und habe das Hörbuch sehr genossen.

    Nach dem Ende der Geschichte bleibe ich aber mit gespaltenen Gefühlen zurück.

    Die Idee der Geschichte finde ich sehr spannend und die Geschichte gut ausgearbeitet. Allerdings könnte der Erzählstil an einigen Stellen etwas flotter sein, oft entstand für mich der Eindruck das die Geschichte auf der Stelle tritt.

    Wenn die Menschen ihre Erinnerungen nicht mehr ertragen, können sie sich binden lassen und vergessen. Die Erinnerungen werden in Bücher gebunden, allerdings gibt es auch viele Menschen die diese Gabe missbrauchen und Profit sehen, wo Hilfe angebracht wäre.

    Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, aber es gibt nur einen Wechsel. Dadurch bekommt der Hörer einen interessanten Einblick in zwei Charaktere.

    Emmet wirkt zu Beginn jung und unerfahren, er hat nicht viel ausser der Farm gesehen. Jetzt wird er in eine andere Welt hineingeworfen die so viel verdorbener und schlechter erscheint.

    Lucian dagegen musste sich immer behaupten und will eigentlich nur die Anerkennung seines Vaters, dabei aber auf keinen Fall wie dieser werden.

    Trotzdem scheinen sich die beiden auf eine Art zu brauchen und treffen immer wieder auf einander.

    Dabei gibt es ein zusätzliches Spannungsverhältnis, da Emmet ab einem gewissen Punkt seine Erinnerungen zurück bekommt und auch möchte das Lucian sich wieder erinnern kann.

    Gut gefallen hat mir, dass hier auch viel Gesellschaftskritik verpackt wurde, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

    Fazit: Tolle Geschichte mit Schwächen im Spannungsbogen, dafür eine sehr angenehme Hörbuchstimme.


    6 von 10 Eulenpunkten

    Das Buch ist wie eine Rose, beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz.


    (Sprichwort aus Persien)


    LG büchervamp :flowers