'Bella Ciao' - Seiten 001 - 161

  • Dann mache ich mal den Anfang:


    Ich mag das Gemälde auf dem Schutzumschlag. Allerdings finde ich, bis jetzt, dass es nicht zur Geschichte im Buch passt, aber das ist ja oft so.

    Ich möchte mir vorstellen, dass Giulia die Dame ist, die so abwesend schaut, vielleicht aus dem Fenster, aber sie ist Mitte 60, als sie in ihr Heimatdorf zurückkommt, um ihren ersten Liebsten und ihre beste Freundin zu suchen und vielleicht zu finden.

    Ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten ins Buch rein zu kommen. Mich verwirrten die Sprünge mitten im Kapitel von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, zwischen denen manchmal nur ein Absatz liegt. Inzwischen komme ich klar.

    Wenn von Giulia die Rede ist, dann sind wir in der Vergangenheit, bei "Mrs. Giulia Masca" in der Gegenwart.


    Von Anita und Pietro ist bisher nur in der Vergangenheit die Rede.

    Und Pietro ist am Ende von Kapitel 3 tot.

    Mich verwirrt, warum auf der Ahnentafel vor Buch 1 Pietro nicht als Mann von Anita verzeichnet ist, auf der Tafel vor Buch 2 aber schon.:gruebel


    Später mehr.

  • Mein Buch ist leider heute erst angekommen, so dass ich noch nichts berichten kann. Jetzt geht es erstmal für ein paar Tage auf Reisen, das Bich kommt natürlich mit. Dazu schreiben kann ich aber jetzt leider erst am Freitag.

  • Mein Buch ist noch nicht da, aber bevor ich es vergesse, wollte ich schon mal einwerfen, dass mich der Klappentext an den Besuch der alten Dame von Dürrenmatt erinnert. Mal sehen, ob sich Parallelen zu Claire Zachanassian finden.

    Asche auf mein Haupt und Bildungslücke, den "Besuch der alten Dame" habe ich noch nie gelesen, eine Claire kommt auf jeden Fall im Personenregister, das dem ersten Kapitel vorangestellt ist, vor.


    Vor dem Beginn der Lektüre wollte ich klären, ob es ein Zufall ist, dass der Titel des Buches und der Titel des Hits aus dem letzten Jahr "Bella Ciao" den gleichen Namen tragen.

    Ich wusste nicht, dass "Bella Ciao" ein Lied ist, dessen Ursprung bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück geht. Es wurde ursprünglich von Reispflückerinnen aus der Nähe von Bologna gesungen, die darin die schlechten Arbeitsbedingungen beklagten. Das passt zu dem, was ich bisher gelesen habe. Im ersten Kapitel geht es ja sehr stark auch um die miserablen Arbeitsbedingungen in den Spinnereien. Später wurde es zur Hymne der antifaschistischen Bewegung.

    Hier der Link.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten ins Buch rein zu kommen. Mich verwirrten die Sprünge mitten im Kapitel von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, zwischen denen manchmal nur ein Absatz liegt. Inzwischen komme ich klar.

    Mir ging es ähnlich. Den Anfang habe ich zweimal lesen müssen, um richtig in das Buch reinzufinden. Ich habe jetzt das erste Kapitel gelesen und habe mich mit dem Schreibstil angefreundet.


    Guilia ist eine beeindruckende Figur. Sie verfolgt sehr zielstrebig einen Ausweg, aus dem Leben mit ihrer Mutter herauszukommen. Wie sie es schafft, so viel Geld zu sparen, ohne dass die Mutter es merkt, finde ich erstaunlich.

    Entsetzliche Arbeitsbedingungen und furchtbares Elend begegnen uns in der Geschichte. Zu den Streiks in der Textilindustrie in Italien in dieser Zeit kann ich im Netz nichts finden.


    Wie findet ihr den Schreibstil?

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Mein Buch ist noch nicht da, aber bevor ich es vergesse, wollte ich schon mal einwerfen, dass mich der Klappentext an den Besuch der alten Dame von Dürrenmatt erinnert. Mal sehen, ob sich Parallelen zu Claire Zachanassian finden.

    Daran musste ich nicht denken, aber jetzt, wo du es sagst, erinnert die Konstellation schon daran. ich bin gespannt.

    Was ich schon sagen kann: Giulia kommt mir nicht so verbittert vor wie Claire. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie Rache will. Es stellt sich für mich eher so dar, als wollte sie im letzten Lebensabschnitt noch aufarbeiten, was sie damals nicht getan hat, reinen Tisch machen, nostalgischer Neugier nachgeben.

  • Asche auf mein Haupt und Bildungslücke, den "Besuch der alten Dame" habe ich noch nie gelesen, eine Claire kommt auf jeden Fall im Personenregister, das dem ersten Kapitel vorangestellt ist, vor.

    Das musst du mal nachholen!

    "Der Besuch der alten Dame" funktioniert für mich allerdings direkt auf der Bühne, wo er auch hingehört, besser, als wenn man ihn nur liest.

    Ich wusste nicht, dass "Bella Ciao" ein Lied ist, dessen Ursprung bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück geht. Es wurde ursprünglich von Reispflückerinnen aus der Nähe von Bologna gesungen, die darin die schlechten Arbeitsbedingungen beklagten. Das passt zu dem, was ich bisher gelesen habe. Im ersten Kapitel geht es ja sehr stark auch um die miserablen Arbeitsbedingungen in den Spinnereien. Später wurde es zur Hymne der antifaschistischen Bewegung.

    Als ich den Titel las, hatte ich sofort das Lied im Ohr. Ich musste es als Kind in der Schule lernen:rolleyes:. Das hat mir das Lied nachhaltig verdorben...

  • Guilia ist eine beeindruckende Figur. Sie verfolgt sehr zielstrebig einen Ausweg, aus dem Leben mit ihrer Mutter herauszukommen. Wie sie es schafft, so viel Geld zu sparen, ohne dass die Mutter es merkt, finde ich erstaunlich.

    Entsetzliche Arbeitsbedingungen und furchtbares Elend begegnen uns in der Geschichte. Zu den Streiks in der Textilindustrie in Italien in dieser Zeit kann ich im Netz nichts finden.

    Ich finde vor allem mutig, dass sie sich so einfach, oder auch nicht einfach, auf den Weg macht, nicht nur in eine andere Stadt, sondern ein anderes Land, einen anderen Kontinent, wo sie garantiert keiner finden wird. Sie nimmt den schwersten Weg nach Genua, aus dem gleichen Grund. Das beeindruckt mich, und mich beeindruckt, dass sie nicht weint und klagt und streitet, sondern erkennt, dass ihr Verlobter da die wirkliche Liebe gefunden hat und es ihm und ihrer Freundin Anita leicht macht und fortgeht. Sehr reif!


    Die Mutter ist ein ganz eigenes Thema. Wirklich viel Nestwärme hat Giulia nicht erfahren, auch später finde ich die Reaktion oder fehlende Reaktion der Mutter auf die Briefe und Fotos gruselig. Aber ich will sie nicht verurteilen. Es waren harte Zeiten. Vielleicht hat die eigene lieblose Ehe sie so werden lassen.

    Wie findet ihr den Schreibstil?

    Spröde.

    Wenig emotional, mehr berichtend.


    Manchmal liest man Romane, die ähnlich geschrieben sind, wo die Gefühle aber in mir als Leser entstehen, und das mag ich. Hier passiert das bisher nicht bei mir.

  • Ich finde vor allem mutig, dass sie sich so einfach, oder auch nicht einfach, auf den Weg macht, nicht nur in eine andere Stadt, sondern ein anderes Land, einen anderen Kontinent, wo sie garantiert keiner finden wird.

    Das Buch liest sich gut, keine Frage. Mir sind das ein bisschen zu viele Zufälle und zu viel "Vernunft".

    Zufällig findet Guilia die Annonce mit dem Angebot, nach Amerika auszuwandern. Zufällig sieht sie Pietro und Anita bei einem innigen Kuss, wo sich beide doch so große Mühe geben, ihre Liebe geheim zu halten. Zufällig ist Guilia gleich nach ersten Verkehr schwanger und zufällig verliebt sich Libero gleich in sie. Es kommen doch viele Mädchen in seinem Laden vorbei. Die so garstige Mutter entdeckt auch nicht, dass sie so viel Geld zur Seite schafft. Das war doch eine ganze Menge. Und natürlich entdeckt sie niemand, sie wird auch nicht ausgeraubt oder auch nicht krank. Außerdem wiessen wir jetzt schon, dass sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau wird. Mmh. :gruebel Das ist mir bisher zu glatt.


    Mutig ist Guilia sicherlich, aber elender leben kann man ja kaum. Ich finde bewundernswert, dass sie einen Ausweg sucht, sei es Heirat oder die Flucht nach Amerika. Sie nimmt ihr Leben in die Hand. Das finde ich gut. Wenn sie nicht so berbittern will wie ihre Mutter, ist sie damit auch gut beraten.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das Buch liest sich gut, keine Frage. Mir sind das ein bisschen zu viele Zufälle und zu viel "Vernunft".

    Zufällig findet Guilia die Annonce mit dem Angebot, nach Amerika auszuwandern. Zufällig sieht sie Pietro und Anita bei einem innigen Kuss, wo sich beide doch so große Mühe geben, ihre Liebe geheim zu halten. Zufällig ist Guilia gleich nach ersten Verkehr schwanger und zufällig verliebt sich Libero gleich in sie. Es kommen doch viele Mädchen in seinem Laden vorbei. Die so garstige Mutter entdeckt auch nicht, dass sie so viel Geld zur Seite schafft. Das war doch eine ganze Menge. Und natürlich entdeckt sie niemand, sie wird auch nicht ausgeraubt oder auch nicht krank. Außerdem wiessen wir jetzt schon, dass sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau wird. Mmh. Das ist mir bisher zu glatt.

    Ich bin ja noch nicht weiter, aber bis jetzt habe ich nicht den Eindruck, dass es das Ziel des Buches ist, Konflikte aufzuwerfen, somit hast du schon Recht, wenn du es zu glatt findest. Bis jetzt schreibt die Autorin einen geraden Weg.


    Mutig ist Guilia sicherlich, aber elender leben kann man ja kaum. Ich finde bewundernswert, dass sie einen Ausweg sucht, sei es Heirat oder die Flucht nach Amerika. Sie nimmt ihr Leben in die Hand. Das finde ich gut. Wenn sie nicht so berbittern will wie ihre Mutter, ist sie damit auch gut beraten.

    Schaun wirmal, ob sie nicht indirekt doch verbittert wird. Ich habe noch keine Vorstellung, wie sie reagieren wird, wenn sie Anita trifft, falls die noch lebt. Pietro ist ja im Krieg getötet worden. Von Anita weiß man noch nichts.

    Was verspricht Giulias sich davon, ihre Vergangenheit zu suchen? Muss man etwas, was so schmerzlich für einen war, wieder aufleben lassen, Aufarbeitung hin oder her? Es ist so lange vorbei, also was soll es bringen...

  • Dann bin ich aber froh. Ich dachte schon mir geht es bloß so. Ich finde es richtig verwirrend die Sprünge zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit.


    Es hat mich noch nicht so richtig gepackt, aber das kommt bestimmt noch.

  • Ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten ins Buch rein zu kommen. Mich verwirrten die Sprünge mitten im Kapitel von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, zwischen denen manchmal nur ein Absatz liegt. Inzwischen komme ich klar.

    Wenn von Giulia die Rede ist, dann sind wir in der Vergangenheit, bei "Mrs. Giulia Masca" in der Gegenwart.

    Ich hatte zuerst auch Probleme in das Buch reinzukommen, aber das hat sich nach den ersten beiden Kapiteln gelegt, mittlerweile gefallen mir diese häufigen und abrupten Zeitsprünge gut.

    Wie findet ihr den Schreibstil?

    Wenig emotional, mehr berichtend.


    Manchmal liest man Romane, die ähnlich geschrieben sind, wo die Gefühle aber in mir als Leser entstehen, und das mag ich. Hier passiert das bisher nicht bei mir.

    So empfinde ich den Schreibstil, allerdings, nach der ersten Eingewöhnungsphase, berührt mich das Buch trotzdem sehr. Vor allem Pedros Kriegserlebnisse fand ich sehr eindrucksvoll geschildert.

  • Vor allem Pedros Kriegserlebnisse fand ich sehr eindrucksvoll geschildert.

    Auch in Pietros Berichten liegt viel Nüchternheit. Man spürt die Kälte, den Schlamm. Trotzdem kommt mir das leider nicht so nahe, wie ich es erwartet habe. Ich bin ja eigentlich nicht so die Gefühlsduselige, aber hier wäre für mich etwas mehr gut gewesen.

  • ...

    Von Anita und Pietro ist bisher nur in der Vergangenheit die Rede.

    Und Pietro ist am Ende von Kapitel 3 tot.

    Mir war der Anfang dieses Abschnittes ja zu glatt. Die Stimmung ändert sich im dritten Kapitel schlagartig. Jetzt finde ich gut, dass Romagnolo zunächst den Leser etwas einlullt und dann knallhart von Pietros Erlebnissen an der Front berichtet.

    Seine Zerissenheit, was er Anita wirklich schreiben soll, ist für mich beklemmend zu lesen. Hätte er Anita seine wahren Gedanken schreiben sollen? Wäre das für sie wichtig gewesen? Oder war es richtig, sie "zu schonen"?

    Ich habe vor einiger Zeit ein Sammlung von Briefen aus beiden Weltkriegen gelesen, gesammelt von Karasek, und mich manchmal gewundert, wie banal und alltäglich die Nachrichten sind.

    Natürlich wären deutliche Briefe zensiert worden. Hier wirken Pietros Postkarten mit den Gedichten wie ein Pflaster auf den Kriegswunden.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Was verspricht Giulias sich davon, ihre Vergangenheit zu suchen? Muss man etwas, was so schmerzlich für einen war, wieder aufleben lassen, Aufarbeitung hin oder her? Es ist so lange vorbei, also was soll es bringen...

    Sie geht zurück zu ihren Wurzeln. Ich finde es verständlich, dass sie wissen möchte, was aus ihren Freunden geworden ist, wie ihre Mutter verstorben ist. Ich denke, nur so kann sie wirklich abschließen.

    Vielleicht hofft sie ja auch, eine Bestätigung zu finden, dass ihre Flucht nach Amerika die richtige Entscheidung war. Das wird sie sich wahrscheinlich im Laufe ihres Lebens oft gefragt haben.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Auch in Pietros Berichten liegt viel Nüchternheit. Man spürt die Kälte, den Schlamm. Trotzdem kommt mir das leider nicht so nahe, wie ich es erwartet habe. Ich bin ja eigentlich nicht so die Gefühlsduselige, aber hier wäre für mich etwas mehr gut gewesen.

    Das erging mir anders. Mich hat das Buch in diesem Kapitel das erste Mal emotional gepackt. Von Pietro haben wir bisher ja noch nicht viel erfahren. Aus der Sicht seiner Vorgesetzten ist er ein guter Soldat, tut, was er tun muss. Auf der anderen Seite ist er einfühlsam, ich empfinde ihn als sehr sensibel.

    Mir war das Gefühl genug.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin