Delphine de Vigan - Die Kinder sind Könige

    • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (7. März 2022)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3832181881
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3832181888
    • Originaltitel ‏ : ‎ Les enfants sont rois
    • Abmessungen ‏ : ‎ 14.2 x 3.1 x 21 cm



    Mir hat das Buch als Gesamtpaket wieder sehr gut gefallen. Ich habe schon andere Romane von Delphine de Vigan gelesen und ihre Themenauswahl ist so aktuell und brisant, dass ich immer noch lange über ihre Bücher nachdenke - so wie bei ihrem Neuling!


    Diesmal hat es allerdings ein wenig gedauert, bis ich in die Geschichte herein gefunden habe. Ihr Schreibstil ist relativ distanziert - oder mir das Handeln der Protagonistin Mélanie so fern?

    Mélanie hat schon immer davon geträumt berühmt zu sein. Seit sie die erste Staffel "Big Brother" gesehen hat, ist sie ein großer Fan dieser Reality-Shows. Als You Tube mehr als eine einfache Hobby-Plattform wurde und sie merkte, wie man in den USA als Influencer zu Ruhm und Reichtum kommen kann, war klar, welchen Weg sie gehen wird.


    An sich würde man denken: Soll sie machen. Aber Mélanies Kanal wird vor allem als Familien-Kanal berühmt und ihre Kinder haben mitzuspielen. De Vigan gibt den Leser:innen einen Blick hinter die Kulissen. Was heißt es für die Kinder You-Tube-Stars zu sein? Wann fängt Kinderarbeit an, wo hört das Hobby und der Spaß auf? Und was macht es mit den Kindern? Die Autorin entwirft ein kritisches Bild, auch wenn sie mit anderen You-Tube-Famlien auch Gegenbeispiele setzt. Die Hälfte des Buches spielt in der Jetzt-Zeit, bevor dann ein Bogen in die Zukunft geschlagen wird und wir die Kinder der You-Tube-Familie als Erwachsene kennenlernen und ihre Entwicklung präsentiert bekommen. Hier verlässt de Vigan natürlich den Tatsachen-Boden und fängt an zu spekulieren, welchen Einfluss das alles auf die Kinder im Erwachsenenalter haben könnte. Denn bisher wissen wir nicht, was es mit den Kindern macht. Aber ich finde, die Fragen, die sie aufwirft, verständlich und logisch.


    In diesem Buch findet sich also viel wieder: Was machen Social Media aus uns? Wie sollten wir mit unseren Kindern und Social Media umgehen? Wem gehört das Recht an den Bildern unserer Kinder? Was ist Kinderarbeit im Social Media-Bereich?

    Für mich als junge Mutter ist das Thema hochaktuell. Ich kenne einige Mom- and Dad-Influencer, die ihre süßen Kids in Szene setzen und finde das aus sehr vielen unterschiedlichen Gründen kritisch. Insofern hat das Buch mir in meine persönliche Einstellung herein gespielt. Aber auch für alle ohne Kinder eine spannende Lektüre. Denn so vielfältig hat man sich sicherlich noch keine Gedanken über das Thema gemacht

  • social media-Auswüchse

    Auf den ersten Blick ist Delphine de Vigans Roman "Die Kinder sind Könige" ein Kriminalroman. Schließlich ist ein Kind, ein kleines Mädchen, verschwunden - vermutlich entführt. Die Pariser Polizei ermittelt und insbesondere die Polizeibeamtin Clara befasst sich mit mutmaßlichen Hintergründen und untersucht die Familiensituation. Und dabei wandelt sich der in der Gegenwart spielende Roman sehr schnell zu einem Gesellschaftsporträt und de Jahrmarkt der Eitelkeiten im 21. Jahrhundert.

    Denn Kimmy, das verschwundene Mädchen, ist ein social media Star, bereits im Vorschulalter wie ihr wenige Jahre älterer Bruder Influencerin. Beide Eltern haben ihren jeweiligen Beruf aufgegeben, um sich ganz der Karriere ihrer Kinder zu widmen. Mutter Melanie, die als schüchterner Teenager vergeblich vom Ruhm in Reality-Formaten träumte, ist über die Kanäle ihrer Kinder nun selbst zu einer Berühmtheit mit Fangemeinde geworden. Ihre Anhänger im virtuellen Raum sind für sie wichtiger als die meisten Menschen im realen Leben.

    Für Clara, eine eher introvertierte Frau, die sehr auf ihrer Privatsphäre bedacht ist, ist es ein Blick in eine komplette Gegenwelt, die sie bestürzt. Über ihre Fragen und Untersuchungen bringt die Autorin auch die ethische und rechtliche Problematik des social media-Hypes um Kinderein: Werden Rechte von Kindern verletzt, wenn sie derart daueröffentlich sind? Handelt es sich um Kinderarbeit? Ziehen die Kinderkanäle auch Pädophile an - und hat womöglich ein solcher Täter Kimmy in seiner Gewalt? Ist es ein Konkurrent oder radikaler Kritiker der sozialen Medien? Ist es womöglich auch eine Form des Kindesmissbrauchs, die eigenen Kinder derart ins Rampenlicht zu stellen, und was macht der Dauerhype mit einem Kind?

    Melanie ist die zeitgenössische Antwort auf Tennisväter und Ballettmütter, auf Eltern, die ihren Kindern den eigenen Lebenstraum aufdrücken. Welche Auswirkungen das haben kann, ist Teil des letzten Abschnitt des Buches, der zehn Jahre nach dem Verschwinden von Kimmy spielt. Präzise, genau beobachtend und empathisch beschreibt de Vigan zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und zwei Kinder, die ebenfalls auf ganz unterschiedliche Art mit einem Leben umgehen, das sie nicht wählen konnten. Die Schattenseiten des frühen Ruhmsund der gefilterten Internetpersönlichkeiten werden glaubwürdig und einfühlsam dargestellt.

    Es ist zu hoffen, dass dieses Buch viele Leser bekommt, ganz besonders auch viele junge Leser, die den kritischen Umgang mit sozialen Medien und Inluencertum (noch) nicht gelernt haben.

  • Schon als junges Mädchen hat Mélanie Diore davon geträumt, bekannt zu sein. Nun ist sie die Mutter zweier Kinder und in den sozialen Medien erfolgreich. Tausende verfolgen ihr Leben und das ihres Nachwuchses. Auch ihre Tochter zeigt sie in den Videos und Fotos. Eines Tages verschwindet Kimmy jedoch nach einem Versteckspiel spurlos. Polizistin Clara Roussel nimmt die Ermittlungen auf…


    „Die Kinder sind Könige“ ist ein Roman von Delphine de Vigan.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus zwei Teilen, die sich wiederum in etliche umnummerierte Kapitel gliedern. Der erste Teil spielt vorwiegend im Jahr 2019, deckt aber auch die Zeit ab 2001 ab. Der zweite Teil spielt in der Zukunft, konkret im Jahr 2031.


    Der Schreibstil macht zunächst einen nüchternen, recht berichtenden Eindruck. Zugleich ist er aber intensiv und einfühlsam.


    Die Charaktere werden mit psychologischer Tiefe dargestellt. Sie wirken daher realitätsnah und glaubhaft.


    Das Thema des Romans ist brandaktuell und zugleich sehr bedeutsam. Wieder einmal greift die Autorin ein aufwühlendes, kontroverses Sujet auf, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt: die ausbeuterische Vermarktung von Kindern in den sozialen Medien und das Verletzen der Rechte und Gefühle von Kindern. All die skurrilen bis gefährlichen Auswüchse und Trends in der Sphäre der Influencer kommen aufs Tableau. Zugegebenermaßen sind die Schilderungen der Folgen im Roman ein eher extremes Beispiel. Ich finde es allerdings toll, dass die Autorin auf diesem Weg für die Problematik sensibilisiert. Darüber hinaus gelingt es ihr, die Vielschichtigkeit und Komplexität des Phänomens abzubilden, ohne die Zwischentöne zu vergessen.


    Auf rund 300 Seiten behält der Roman seine soghafte Wirkung bei. Das liegt einerseits an den rätselhaften Umständen des Verschwinden Kimmys und deren unbekannten Gründen. Andererseits versteht es die Autorin, auch in den weniger dramatischen Passagen zu fesseln.


    Der deutsche Titel ist erfreulich wortgetreu aus dem französischen Original („Les Enfants Sont Rois“) übersetzt. Das Cover ist hübsch, aber erschließt sich mir nur in Teilen.


    Mein Fazit:

    Auch mit „Die Kinder sind Könige“ hat mich Delphine de Vigan begeistert. Wieder einmal hat es die Autorin geschafft, eine wichtige Thematik auf gelungene Weise in einen aufrüttelnden Roman zu packen. Uneingeschränkt empfehlenswert!


    Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  • In ihrem neuen Roman setzt sich Delphine de Vigan mit einem sehr aktuellen Thema auseinander und zeigt auf, wie weit manche Menschen gehen, um Social Media für sich zu nutzen und was das Ganze bei denjenigen anrichtet, die sich nicht wehren können. Die Vermarktung der eigenen Kinder ist ein Thema, das sich langsam immer mehr ausgebreitet hat und stillschweigend geduldet wird.


    So betreibt auch Mélanie, die Mutter von Kimmy und Sammy einen eigenen YouTube-Kanal, der mittlerweile sehr erfolgreich ist und ziemlich viel Geld einspielt. Dafür müssen die Kinder täglich vor der Kamera stehen und neben der Ausbreitung ihres Privatlebens, jede Menge Merchandising-Produkte auspacken, sowie direkte und indirekte Werbung platzieren. Eines Tages verschwindet die sechsjährige Kimmy und ein Entführer nimmt Kontakt zur Familie auf…


    Die Ermittlerin Clara, die mit dem Fall befasst wird, taucht immer tiefer in eine Parallelwelt ein, in der es nur um Likes, um Werbeeinnahmen und fast kompletten Verzicht auf Privatsphäre geht.


    Für mich spielte der Kriminalfall eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Clara ist das Mittel, um diese sehr deutliche Kritik an dem beschriebenen Umgang mit Social Media aufzuzeigen. So habe ich auch die geringe Spannung akzeptiert, mit der das Ganze geschrieben wurde. Mélanie und Clara sind sehr unterschiedliche Charaktere und leben in komplett verschiedenen Welten. Beide werden sehr gründlich von der Autorin beschrieben und sie lässt tiefere Einblicke in ihre Kindheit und in ihr Denken zu. So erkennt man die Ursachen für das Verhalten von Mélanie; Verständnis muss man nicht für sie aufbringen, aber es ist gut herausgearbeitet, warum sie ihre Kinder so schonungslos vermarktet.

    Es wird klar, welche seelischen Verletzungen den Kindern zugefügt werden, weil manche Mütter glauben, ihr dreijähriges Kind will nichts anderes, außer ein YouTube-Star zu werden. Was bedeutet es für ein Kind, so aufgewachsen zu sein? Konsequent arbeitet Delphine de Vigan auch dies heraus und lässt uns beim Lesen wütend und kopfschüttelnd zurück.


    Insgesamt ist der Roman eine deutliche Kritik an den Menschen, die Kinder derart der Öffentlichkeit preisgeben und nicht zuletzt ein Aufruf, den gedankenlosen Konsum solcher öffentlichen Entblößungen zu hinterfragen und hoffentlich zu boykottieren, denn je weniger Zuschauer sich diese Clips ansehen, desto schneller könnte dieses ausbeuterische und kaltherzige System untergehen. Es liegt also an den Likes jedes Einzelnen, das Ganze zu fördern. Das sollte sich jeder vor Augen führen, der den „ach so niedlichen Kindern“ beim Arbeiten vor der Kamera zusieht und mal eben schnell einen Daumen hoch da lässt.


    Eine absolute Leseempfehlung für dieses Buch, das hoffentlich auch denen in die Hände fällt, die es betrifft.

  • Mélanie wollte schon als junges Mädchen berühmt werden. Inzwischen ist sie Mutter von zwei Kindern und hat ihr Ziel erreicht. Auf Youtube hat sie sehr viele Follower, die ihre Kinder hautnah miterleben können. Doch ihre Kinder, ganz besonders die sechsjährige Tochter Kimmy, haben seit einiger Zeit keine Lust mehr darauf, sich ständig filmen zu lassen, was Mélanie nicht versteht. Dann verschwindet Kimmy beim Verstecken spielen spurlos.

    Wieder einmal ist es Delphine de Vigan gelungen, mich gleich in die Geschichte hineinzuziehen, denn die Geschichte ist sehr realitätsnah. Es gibt Menschen, die ihr Leben in den Sozialen Medien leben und die Realität kaum noch wahrnehmen. Auch ihre Kinder werden dort präsentiert, ohne dass die Kleinen darauf Einfluss nehmen können.

    Der Schreibstil ist recht nüchtern und etwas distanziert. Meist wird aus der Perspektive von Mélanie und Clara erzählt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kinder mehr zu Wort kommen, um ihre Gefühle mitzuerleben.

    Mélanie fühlte sich in ihrer Familie nicht wirklich geliebt. Sie war ein Fan von Reality-Shows und wollte genauso viel Aufmerksamkeit. Die bekommt sie nun auf Kosten ihrer Kinder. Ihr Youtube-Kanal ist erfolgreich und das Einkommen nicht zu verachten. Als Kimmy keine Lust mehr hat, schiebt sie es auf eine Laune und übersieht dabei, dass ihre Bedürfnisse und Träume nicht die von Kimmy sind.

    Die Polizistin Clara Roussel übernimmt diesen Fall. Es wird nicht leicht, denn wie soll man ein Motiv und einen Verdächtigen ausmachen, wenn die ganze Welt mit dem Leben der Kinder so vertraut ist. Mélanie ist verzweifelt und begreift nicht, was sie anders hätte machen können. Zum Glück geht Clara die Sache nüchtern an. Was sie herausfindet, ist wirklich tragisch.

    Später bekommen wir noch einen Einblick, wie die Kinder diese Medienpräsenz rückblickend sehen, denn das alles ist nicht einfach an ihnen vorbeigegangen. Sie haben dieses böse Spiel ihrer Mutter zuliebe mitgespielt.

    Dieser Roman ist bedrückend, spannend und macht nachdenklich.


    10/10

  • Bisher hatte ich nur ein einziges Buch von Delphine de Vigan gelesen (gehört), nämlich No & Ich, und das ist Jahre her. Danach ist die Autorin lange von meinem Radar verschwunden gewesen.


    Ich bin sehr, sehr, sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben. Wir haben immer darauf geachtet, dass unsere Kids nicht allzu sehr von Werbung zugeballlert wurden, aber diese Kinder-Influencerei war mir nicht wirklich bewusst, nicht in diesem Ausmaß, und das wirkt im Buch auf mich auch überhaupt nicht übertrieben.

    Allerdings haben mir meine Kinder rückgemeldet, dass sie solche Videos nicht gucken (youtube), und das glaube ich auch. Trotzdem bin ich jetzt viel mehr für das Thema sensibilisiert.


    Der deutsche Titel ist erfreulich wortgetreu aus dem französischen Original („Les Enfants Sont Rois“) übersetzt. Das Cover ist hübsch, aber erschließt sich mir nur in Teilen.

    Ich finde das Cover überhaupt nicht hübsch, denke aber, dass hier vielleicht die Filter-Funktion dargestellt werden soll, wie Mélanie es in ihren Videos mit sich selbst macht.

    Gott, die Frau ist so gruselig, aber vermutlich sehr dicht an der Wahrheit - noch schlimmer :(


    Mit dem Schreibstil, der ja eher einen Berichtston hat, konnte ich gut umgehen. Ich bin den Kindern ja allein durch die Beschreibung der Videos näher gekommen, als es mir lieb war.


    8,5 Punkte würde ich geben.


    P. S. Ich finde, der Plot würde sich hervorragend für eine Folge von "Black Mirror" eignen!

    „An solchen Tagen legt man natürlich das Stück Torte auf die Sahneseite — neben den Teller.“

  • Die Kinder sind Könige – solange sie sich der Welt ihrer Influencer-Eltern unterordnen.


    Delphine de Vigan beschreibt in ihrem Roman sehr eindrücklich die Lebensgeschichte der Familie Diore/Claux. In erster Linie ist es Mélanie Claux‘ Leben, um das diese Geschichte kreist: Als Kind eher unscheinbar und ohne Freunde, dabei stets von ihrer Schwester in allen Lebensbereichen übertrumpft, verliert sie sich in Reality-TV-Formaten. Dies alles legt den Grundstein für ihre Sucht nach Anerkennung, die einige Zeit später in YouTube-Videos, Instagram-Storys und ihren wachsenden Erfolg als Influencerin fußt. Endlich wird ihr die Liebe zuteil, nach der sie sich immer gesehnt hat.


    Im Mittelpunkt ihrer öffentlichen Aktivitäten stehen ihre Kinder, besonders ihre Tochter Kimmy, die schon als Kleinkind medienwirksam vermarktet wird. Sie und ihr Bruder Sammy sind es, die Millionen von Followern aktivieren und an den Kanal ihrer Mutter binden. Ja, die Kinder sind Könige, solange sie brav mitspielen. Doch ähnlich wie ein König, den das Volk bejubelt oder hasst, ist auch dieses Konstrukt abhängig von der Gunst seiner Fans.


    Die Autorin bedient sich einer klaren, schnörkellosen Sprache, die die Geschichte mehr wie in einem Bericht präsentiert. Das ist jedoch keineswegs langweilig, sondern vermittelt eine Neutralität gegenüber den geschilderten Szenen, zu denen sich der Leser selbst ein Bild machen kann. Und es ist ein sehr nachdenklich machendes, traurig stimmendes Bild, das sich hier bietet. Denn auch wenn die Internetbekanntheit ein Leben im Überfluss ermöglicht, mangelt es diesen Kindern an entscheidenden Werten: An Liebe der Mutter, die ausschließlich mit ihrer Außenwirkung beschäftigt ist, an echten Freundschaften, an einer unbeschwerten Kindheit, in der man auch mal albern sein und Blödsinn machen darf. An einer Unbekümmertheit, die keine Nachwirkungen auf das Leben in 20 Jahren hat.


    Kimmys Entführung ist kein Element eines Kriminalromans, sondern eher Teil der Gesellschaftskritik, die die Autorin übt. Insofern spielen die Ermittlungen eine sehr untergeordnete Rolle. Gleichwohl bekommt die Geschichte mit Clara Roussel, die Mitglied des zuständigen Ermittlungsteams ist, einen angenehmen Gegenpart zur zuckersüßen Welt der Diores. Sie ist ein wichtiger Gegenpol zu Mélanie Claux.


    Mir hat dieser Roman gut gefallen. Auch wenn er diejenigen, gegen die sich die hierin geübte Kritik richtet, wohl nicht erreichen wird – ich hoffe, dass er von vielen gelesen wird. 9 Eulenpunkte.

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  • Mélanie vermarktet sich und ihre beiden Kinder Kimmy und Sammy geschickt auf YouTube, Instagram und Co und erzielt damit und mit zusätzlichen Merchandising-Produkten Millionenumsätze.

    Der Preis für dieses hohe Familien-Einkommen ist ein öffentliches Leben, ständig wird gefilmt und die Follower können so am konsumorientierten Alltag der Familie teilnehmen.

    Ausgangspunkt des Buches ist der Abend, an dem die kleine Kimmy beim Spielen mit Nachbarskinder spurlos verschwindet.


    Erzählt wird in einer Mischung aus Polizeiprotokollen, aktuellen Szenen bei Mélanie und bei der Polizei und in Rückblicken auf Mélanies Vergangenheit. Erzählt wird dabei eher nüchtern, aber ich fand die Geschichte dennoch fesselnd und interessant. Family-Influencer sind zum einen ein aktuelles Thema und gleichzeitig eins, über das ich noch keinen Roman gelesen habe.


    Obwohl es um die Kindesentführung geht, ist das Buch kein Krimi. Die Entführung ist eher ein trauriger Höhepunkt in der Karriere der Familie. Und so bitter das klingt, so bitter erscheint auch das Leben der Kinder.


    Die ersten gut zwei Drittel des Buch habe ich gern gelesen, da schimmerte der erhobene Zeigefinger zwar schon hin und wieder durch, aber so wenig, dass mich das nicht weiter gestört hat.

    Die Auflösung des Entführungsfalls fand ich dann doch sehr konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, aber wirklich genervt war ich vom letzten Teil, der im Jahr 2031 spielt und einen Ausblick darauf gibt, welche psychischen Schäden die Kinderstars erlitten haben. Danke, die mahnende Botschaft kam davor durchaus an (und ich bezweifle mal, dass diejenigen an die sie gerichtet ist, das Buch überhaupt lesen), da war mir dieser Ausblick einfach zu viel an Warnung.

    Auch fand ich den Versuch die noch kommende Technik darzustellen nicht geglückt. Da wird sich bis in 10 Jahren weitaus mehr tun. Was sie da beschreibt, gibt es doch zum Großteil schon so oder so ähnlich, zum Beispiel ausgeklügelte Spracherkennungssoftware.