Palast der Winde von M. M. Kaye

  • Nachdem ich das Buch nun fast 1,5 Jahre hier rumstehe hatte, habe ich es gelesen und war mehrmals versucht es abzubrechen und muss gestehen, ich habe die letzten 80 Seiten nicht mehr gelesen und vor geblättert.


    Ich liebe Indien und alles was damit zutun hat und ich liebe die englische Kolonialzeit und war hellauf begeistert, wie man sie auch heute noch in Indien spüren kann, je nachdem wo man sich aufhält und deshalb fällt es mir umso schwerer zu sagen, dass das Buch zwar schön ist, die Geschichte interessant und auch die Atmosphäre genau dieselbe ist, wie man sie heute noch ganz schwach in Kalkutta spüren kann, die Charaktere ganz sympathisch und die Landschaftsbeschreibungen, mich dazu verleiten die Koffer zu packen....ich das Buch vom Schreibstil her unglaublich langatmig fand.
    Vielleicht lag es an der Übersetzung, aber an manchen Stellen fand ich die Wortwahl schon sehr bibelmäßig und manche Passagen waren schlichtweg langweilig. Manchmal fehlte mir die Leidenschaft.


    Gut ist sicherlich die Beschreibung von Sati und auch das Gedankengut ist gut nachgestellt. Man merkt dass die Autorin weiß wovon sie schreibt. Dass Menschen wie Ash es nicht leicht gehabt haben dürften fällt mir nicht schwer zu glauben und auch die religiöse Situation stelle ich mir schwer vor. Die Arroganz der Engländer grenzt schon an Größenwahn und die Engstirnigkeit gewisser Damen auch. In der Hinsicht ist das Buch au jeden Fall gut...aber der Schreibstil war für mich einfach zu anstrengend, um wirklich in Indien abzutauchen.

  • Hach, der Palast der Winde.... Jetzt hab ich diesen dicken Wälzer tatsächlcih wieder einmal gelesen. Selbstverständlich ist meine Erinnerung daran immer untrennbar mit der TV-Verfilmung verbunden. Die war nicht unmaßgeblich daran beteiligt, dass ich unbedingt mal nach Indien reisen wollte - was ich letztendlich dann auch 2 Mal getan habe....


    Allerdings muss ich gestehen - als ich die Filme vor ein paar Jahren in einer Wiederholung sah, hatte ihr Zauber gehörig unter der Zeit gelitten. Was vor 20 Jahren (oder so) einfach nur exotisch und geheimnisvoll war, war nun bunt und kitschig. Eine Neuverfilmung wäre sicher eine spannende Sache....


    Aber egal: ich wollte ja eigentlich was zum Buch sagen. Wie gesagt - es war nicht das erste Mal, dass ich es gelesen hatte, und wie beim Film hat der Zauber gelitten. Bei einer etwas kritischen Betrachtungsweise muss ich leider sagen: das Buch ist definitiv zu lang. Meine Ausabe hatte fast 1200 Seiten; etliche Kürzungen hätten da nur gut getan.


    Der Erzählstil der Autorin mutet sehr altertümlich an. Sie verwendet den allwissenden Erzähler, was nur wenig Nähe zu den einzelnen Personen erlaubt und zudem jegliche Spannung torpediert. Die Autorin liebt es zu schreiben: ... auch XY hatte nicht überlebt, um dann über 2 Seiten zu schildern, wie XY denn jetzt gestorben ist. Und das macht sie DAUERND!


    Die langen Beschreibungen vermitteln zwar ein sehr schönes, einprägsames Bild von Indien, ermüden mit der Zeit aber auch.


    Die Liebesgeschichte rund um Ash und Juli ist schön und mitreißend, aber warum war es nötig, diesen Afghanistan-Teil noch hinten anzuhängen? Ab ca. Seite 800 hätte das Buch m. E. enden können - danach habe ich nur noch quergelesen. Ohne Zweifel war der Afghanistan-Teil hervorragend recherchiert (wie überhaupt das ganze Buch), aber diese endlosen Schilderungen von Verhandlungen, Intrigen, Schlachten und letztendlich Gemetzel... waren einfach zu viel des Guten.


    Mein Fazit: schon aus nostalgischer Verklärung müsste ich dem Buch 10 Punkte geben. Betrachte ich es allerdings realistisch - mit all seinen kleinen MÄngeln - vergebe ich eine 6.


    lg, A.

  • Ich frag mich grad, da ich mit meiner aktuellen Lektüre etwas unzufrieden bin, ob ich den Ziegel wieder hervorholen soll, aber ich fürchte, dass mir eine Relektüre das Buch verdirbt. Ich hab momentan nur goldene Erinnerungen. Ich hab's damals gelesen, weil ich die Serie so toll fand, und das frische Serien-fandom verursachte, dass ich danach auch kritiklos im Buch schwelgte.


    Aber in einer allgemein mit allen frisch aufgenommenen Texten unzufriedenen Leselaune sollte ich das Buch besser nicht anrühren, das wird es hoffnungslos entzaubern.
    :gruebel

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

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  • Ich habe das Buch vor ca. 4 Jahren zum zweiten Mal gelesen und fand es immer noch toll - bis auf die letzte Episode, die fand ich da etwas langatmig. Im Film kommt die glaub ich nicht oder nur ganz kurz vor. :gruebel An die Serie kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. Nur dass Amy Iving die Hauptrolle hatte und ich den männlichenn Part nicht soo toll fand. Aber ich habe das Zweit-Lesen nicht bereut und werde es sicher noch mal wieder lesen.


    Ich habe durchaus auch gute Erfahrungen mit Zweitlesungen von Büchern, die ich vor ewigen Zeiten zum ersten Mal gelesen habe. Als letztes war das der Medicus, der beim zweiten Mal genauso spannend wie beim ersten Mal war. (Im Gegensatz zum Film, den ich total blöd, weil total verfälscht fand)

  • Vielleicht soll ich dann doch? :grin Nun, ja, entscheide ich morgen, wenn ich wieder an meiner 'richtigen' Bibliothek mit der grösseren Auswahl vorbei komme. Meine Reisekoffer-und Kinder-bibliothek in diesem Haus entpuppte sich in den letzten Wochen als wenig glückstiftend. Das meisste aufgenommen und wieder abgebrochen.


    Mein SUB erschlägt mich auch. Eigentlich wäre eine Relektüre von dem Buch purer Leseluxus. Das Lesen und dessen Beginn müsste in dem Fall auch gehörig zelebriert werden, mindestens mit einer Tasse Gewürztee.

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

  • Ich habe das Buch leider gleich wieder weggelegt. Die Sprache ist mir im Moment zu anstrengend.

    Das finde ich sehr schade, aber vielleicht gibst du dem Buch ja irgendwann eine zweite Chance?


    Ich habe es in meiner Teenagerzeit verschlungen und *ins Regal schiel* ich könnte es eigentlich mal wieder in die vordere Reihe stellen... ;)

    "Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder!" (Dante Alighieri)

  • Ich erinnere mich, dass das Buch, als ich es vor dreißig Jahren zum ersten Mal gelesen habe, in der Bücherei unter den Kriegsromanen aufgestellt war. Nach der Fernsehserie, die ich zuvor gesehen hatte, hätte ich es eher unter den Liebesgeschichten, den historischen Romanen oder den allgemeinen Romanen erwartet. Könnte sein, dass die Fernsehserie, die zwar Veränderungen vornimmt, für die damalige Zeit doch relativ werkgetreu war, hier falsche Erwartungen weckt, denn dort wurde, nicht zuletzt durch die Weglassung einzelner Teile und die Umstellung der beiden letzten Teile, der Schwerpunkt auf die Liebesgeschichte gelegt.


    Im Film finden zunächst jene Geschehnisse statt, die im deutschen Sprachraum vielleicht einigen hier durch die Ballade "Das Trauerspiel von Afghanistan" von Theodor Fontane (mit eindringlichen Schlussversen:

    "Mit dreizehntausend der Zug begann, / Einer kam heim aus Afghanistan.") bekannt sein dürften. Erst dann finden die Geschehnisse um den Tod des Herrschers statt und Ash findet mit seiner Anjuli endgültig zusammen und beide dürfen am Schluss sozusagen in den "Sonnenaufgang" reiten. Der Segen von Ashs sterbenden Ziehvater (eine Änderung gegenüber dem Buch, wobei für mich nicht klar ist, ob es dabei um dramaturgische Gründe / mehrere Romanfiguren werden im Film zu einer Figur zusammengelegt, um die Personenanzahl kleiner und übersichtlicher zu halten oder besetzungstechnische Gründe / Aufwertung einer Figur, da diese von einem bekannten Schauspieler / Star gespielt wird) und der Umstand, dass für dieses Happyend alle Freunde von Ash ihr Leben lassen müssen, was sie durchaus im Film "gerne" machen, trägt nicht nur dazu bei, dass Wallys Tod wesentlich an Gewichtung verliert, sondern gibt dem glücklichen Zusammenfinden des Paares so etwas wie eine Art "Weihe". Gerade die letzten Worte von Ashs Ziehvater machen deutlich, dass Ash mit Anjuli auch seine persönlichen Identitätsprobleme für sich gelöst hat. Der Film hat somit ein Happyend.


    Das ist im Buch ganz anders, obwohl die Schlussszene auf dem ersten Blick durchaus ähnlich gehalten ist.

    Signifikant sind allerdings die Änderungen, die der Film gegenüber dem Buch vorgenommen hat.



    Damit gelingt es der Autorin übrigens (mein Eindruck) ein kitschiges Happyend zu verhindern.

    Durch den Ablauf erhalten die Geschehnisse in Afghanistan innerhalb des Romans mehr Gewichtung und hatte beim Lesen den Eindruck, dass es diese Geschehnisse sind, auf die der Roman letztlich ausgerichtet ist.


    Aufgrund dessen ist "Palast der Winde" eindeutig als historischer Unterhaltungsroman (mit Ausrichtung zur "Hochliteratur") einzustufen, wobei ich leider den Eindruck habe, dass er trotz seines Alters um Vieles besser ist, als das, was heute in dieser Liga am Buchmarkt angeboten wird.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)