Leichenraub - Tess Gerritsen

  • Ich lese dieses Buch derzeit und bin sehr angetan davon :-) Bislang habe ich nur den Roman "Blutmale" von der Autorin gelesen, möchte aber nach und nach auch die anderen Exemplare aus der Jane Rizzoli Reihe lesen.

    "Denn dann hätte ich wohl Hoffnung haben dürfen, eines Tages doch noch deine Liebe zu erringen. Aber auf Unglück und einem gebrochenen Herzen lässt sich selten ein dauerhaftes Glück gründen, wie ich mir gesagt habe."

  • Zitat

    Original von LaRubia
    Ich lese dieses Buch derzeit und bin sehr angetan davon :-)


    Ich habe das Buch gestern beendet und kann es uneingeschränkt empfehlen.


    Tess Gerritsen versteht es hervorragend die Personen bildlich zu beschreiben und die Handlung der Gegenwart mit den Begebenheiten der Vergangenheit zu verknüpfen. Der Wechsel zwischen den Jahrhunderten ist dem Lesefluss des Buches in keinster Weise hinderlich.
    Für Spannung ist gesorgt, da man lange Zeit nicht weiß, wer der Mörder ist, der 1830 eine Stadt in Atem hielt.
    Gleichzeitig geht es in beiden Erzählsträngen um eine Romanze, die sich zaghaft entwickelt und um die früheren Standesunterschiede in der Gesellschaft, aber auch um den Wert der Freundschaft
    Die medizinischen Fachkenntnisse der Autorin kommen sehr oft zur Geltung und man erfährt dabei einiges über die Medizin im 19. Jahrhundert.


    All denen die das Buch noch lesen werden wünsche ich viel Spaß dabei :lesend

    "Denn dann hätte ich wohl Hoffnung haben dürfen, eines Tages doch noch deine Liebe zu erringen. Aber auf Unglück und einem gebrochenen Herzen lässt sich selten ein dauerhaftes Glück gründen, wie ich mir gesagt habe."

  • Also erstmal versteh ich so was von gar nicht, warum alle bemängeln, dass es sich nicht um einen Jane Rizolli/Maura Isles Roman handelt und alle das gedacht hätten... es war doch von Anfang an klar, dass es nicht so ist; zumindest, wenn an den Klapptext liest:


    Zitat

    Julia Hamill gräbt gerade den Garten ihres kürzlich erworbenen Hauses um, als sie einen grausigen Fund macht: den skelettierten Schädel eines Menschen.


    Wäre es aus der Reihe, würde der Klapptext anders lauten. Ja, ich habe gerade die Klapptexte der Bücher der Reihe verglichen und man merkt so was von definitiv einen Unterschied, dass es mich einfach nervt, dauernd dieses Gemecker bei Amazon zu lesen :schlaeger


    Und nun zum Buch :-]


    Sehr spannend, keine Frage.
    Der historische Teil ist schön zu lesen, sehr spannend, sehr farbenfroh. Die Gegenwartsdarstellung stören meiner Meinung nach eher und Tess Gerritsen hätte gut und gerne darauf verzichten können; sie dienen auch eher als Lückenfüller, so bin ich überzeugt.


    Doch obwohl das Buch so spannend und gut zu lesen war, bleibt bei mir ein fader Nachgeschmack übrig. Wie gesagt, hatte ich nie erwartet, dass es zur Rizzolli Reihe gehört, dennoch bin ich enttäuscht. Abseits dieser Reihe gibt es so tolle Bücher (z.B. In der Schwebe, Kalte Herzen, Trügerische Ruhe etc) und mit diesen Büchern kann Leichenraub einfach nicht mithalten, weil ihm einfach die nötigen Rundungen fehlen.


    Und was bei Amazon bemängelt wurde und was ich auch aufgreifen möchte: Detailgetreu zu lesen, wie eine Amputation eines Unterarmes im frühen 19. Jahrhundert vor sich ging, ist wirklich nicht schön und Gerritsen hätte sich ruhig ein paar Details sparen können.


    Aber was mir besonders gut gefallen hat: Ich wusste bis zum Ende nicht, wer der West End Reaper sein soll :-]


    Alles in allem hat mir das Buch aber gut gefallen und ich vergebe 8 Punkte dafür.

  • Zitat

    Detailgetreu zu lesen, wie eine Amputation eines Unterarmes im frühen 19. Jahrhundert vor sich ging, ist wirklich nicht schön und Gerritsen hätte sich ruhig ein paar Details sparen können.


    Da bin ich ganz anderer Meinung. Ich bin sehr an Medizingeschichte interessiert und es scheint für mich genau das richtige Buch zu sein. :grin
    Wenn ich mit Stieg Larsson durch bin, kommt "The bone garden" als nächstes dran.

  • €nigma:
    Also wenn du an Medizingeschichte interessiert bist, dann ist das Buch genau das richtige für dich :wave


    Mein Gedanke war einfach nur immer: Ach bin ich froh, dass ich damals nicht gelebt habe. :-]



    edit:
    Diese Detailverliebtheit von Operationen hat mich seinerzeit bei "Die Chirurgin" auch schon sehr gestört. :gruebel

  • Ich finde das Buch ist ein echter Kracher. Das hätte man einfach für sich stehen lassen sollen, aber ich vermute mal, dass man es aus PR-Gründen in die Rizzoli-Iles-Serie reingebastelt hat. Das ist einfach schade :-( denn der Zusammenhang ist mehr als fadenscheinig und das Buch ist gut genug um für sich allein zu stehen.

  • Julia wurde von ihrem Mann verlassen und kaufte sich ein altes Haus. Soweit so gut - bis sie im Garten ihres gerade gekauften Hauses ein altes Skelett findet, das ganz offenkundig ermordet wurde. Aber wie löst man einen annähernd zweihundert Jahre alten Mordfall? Unerwartete Hilfe bekommt Julia vom alten Henry, der sämtliche Unterlagen der Vorbesitzerin geerbt hat. Darunter auch Dokumente, Briefe und Zeitungsausschnitte, die in die Zeit des Mordes fallen. Was geschah also wirklich im Boston des Jahres 1830? Nach und nach setzen Julia und Henry ein Bild der Morde - und des Täters - zusammen…


    Die Erzählung wechselt immer wieder zwischen der Gegenwart, in der Julia und Henry die alten Dokumente durcharbeiten und der Vergangenheit. Im Jahre 1830 spielen die junge Rose und der Medizinstudent Norris die Hauptrollen. Roses Schwester Aurnia verstarb am Kindbettfieber und Rose kümmert sich um ihre kleine Nichte. Dann werden die beiden Krankenschwestern und der Arzt ermordet, die bei der Entbindung zugegen waren - und viele Leute interessieren sich plötzlich auffallend für das Baby. Worin war Aurnia verwickelt und wer ist der Vater des Kindes? Unterstützung findet Rose bei dem Medizinstudenten Norris und dessen Freund Oliver Wendell Holmes - ebenjener Holmes, der später ein berühmter Arzt werden sollte.


    Es geht vorrangig um die Morde und da die Vergangenheit die Hauptrolle spielt, würde ich das Buch im Bereich "historischer Krimi" einordnen. Gleichzeitig bietet es jedoch auch einen ausgezeichneten Einblick in die Medizingeschichte, wobei die Schilderungen einer Autopsie zur damaligen Zeit nichts für schwache Nerven sind. :lol
    Zur Abrundung kommt noch eine nette Liebesgeschichte hinzu, denn Rose und Norris fühlen sich zueinander hingezogen - und finden in der Gegenwart ihr Pendant in Julia und Henrys gutaussehendem Großneffen Tom. ;-)
    Es ist ein gelunger Roman und in erster Linie ein spannender Krimi, der rundum empfehlenswert ist.

    liebe Grüße
    Nell


    Ich bin zu alt um nur zu spielen, zu jung um ohne Wunsch zu sein (Goethe)

  • Hab mir das Buch auch als englische Tb gegönnt....wollte einfach nicht auf das deutsche warten. Ud ich finde das ist wieder mal ein Roman von tess Gerritsen der sich lohnt.


    Zwar spielt der Roman auf zwei Zeitebenen, aber die Gegenwart ist eindeutig nur Beiwerk, aber irgendwie auch ganz angenehm. Immer wieder dieses aufwachen aus der Vergangenheit und die Spannung, wie es den nun weiter geht.
    Die Geschichte die an Hand von Briefen offebart wird, fand ich nun nicht wirklich kniffelig und hatte auch eigentlich keinen Aha-Effekt, aber dennoch hatte ich diese Person nicht auf der Rechnung, deren Knochen zu Beginn gefunden werden.
    Die Handlung ist einfacher als bei den anderen Romanen der Aurtorin und so richtig konnte man auch ein Motiv herauslesen und das Motiv, welches sich am Ende offenbart ist so niedrig, dass man sich fragt, ob es die Ganze Maskerade überhaupt wert war. Da hätte man auch eigentlich einfach meucheln können.
    Auch hatte ich das Gefühl, der 'Leichenraub' hatte eigentlich so gar nichts mit dem anderen Handlungstrang zutun, außer, dass die Personen in einer gewissen Verbindung zueiander stehen.



    Dennoch fand ich den Roman gut und interessant. Ich liebe Medizingeschichte und das ganze spielt ja im medizinischen Bereich. Die Umstände damals und die Gedanken sind schon fast katastrophal zu nennen und es spielt vor grade mal 170 Jahren.
    Und auch die Bedingungen der Medizinstudenten sind interessant. Dass man Nachts Leichen irgendwo ausbuddeln lässt, um sie tagsüber sezieren zu können ist schon hart an der moralischen Grenze finde ich.



    Über manches hätte ich gern mehr erfahren, einiges hätte man streichen können, aber alles in allem war es sehr unterhaltsam. 7 von 10 Punkten.

  • Wie so viele hier bin auch ich ein Fan der Bücher von Tess Gerritsen und habe sie bisher alle gelesen.


    Auch dieses Buch "Leichenraub" war sehr spannend, detailgetreu erzählt und flüssig - schnell zu lesen.


    In der Abstimmung habe ich dem Buch jedoch "Nur " 8 Punkte gegeben, weil mir die Geschichten der heutigen Zeit einfach mehr liegen als historische Krimis. Das liegt aber mehr an mir als an der Arbeit der Autorin!!!



    Jaune

    "Vorrat wünsche ich mir auch (für alle Kinder). Nicht nur Schokoriegel. Auch Bücher. So viele wie möglich. Jederzeit verfügbar, wartend, bereit. Was für ein Glück." Mirjam Pressler

  • "Leichenraub" war mein erster historischer Roman - ich habe ihn "nur" gelesen, weil er von Tess Gerritsen geschrieben wurde. Allerdings muss ich zugeben, dass das Buch mich richtig gefesselt hat. Die Story ist "rund", die Beschreibungen authentisch und auch die Sprache des 19. Jahrhunderts wurde nicht außer Acht gelassen, auch wenn sie mich beim Lesen etwas gestört hat. Beim Lesen der Romane der Isles/Rizzoli-Reihe habe ich mich nicht so gegruselt wie bei "Leichenraub"... *bibbertnochimmer*


    Das Buch erhält die volle Punktzahl von mir - also 10 von 10 Punkten. Es ist uneingeschränkt empfehlenswert.


    Lilli
    "The more you ignore me, the closer I get." [Morrissey]

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  • Ich bin inzwischen auch mit diesem Buch fertig undrestlos begeistert.
    Meine Meinung:


    Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Die Erzählung um Julia Hamill ist in der Gegenwart angesiedelt. Julia hat sich nach der Trennung von ihrem Mann, unter der sie noch sehr leidet, ein altes Haus gekauft und stößt beim Anlegen eines Gartens auf menschliche Knochen. Um sich abzulenken, beginnt sie mit der Erforschung der Geschichte des Hauses und versucht, über den 200 Jahre alten Mordfall Informationen zu bekommen.
    Die Erzählung in der Vergangenheit spielt im Jahr 1830 und verbindet gekonnt Elemente eines Thrillers (der "reaper" geht um und schlachtet Menschen bestialisch mit einem Messer ab) mit denen eines medizinhistorischen Romans. Man erfährt viel über die medizinischen/hygienischen Verhältnisse in den Krankenhäusern des frühen 19.Jahrhunderts. Eine der Hauptfiguren, Oliver Wendell Holmes , ist eine historische Persönlichkeit. Als amerikanisches Pendant zu Ignaz Philipp Semmelweis hat er sich um die Bekämpfung des Kindbettfiebers verdient gemacht. Wie immer bei der MedizinerinTess Gerritsen werden Sektionen und Operationen genau und drastisch beschrieben, was für Interessenten der Medizingeschichte ein Genuss ist, für zart Besaitete jedoch manchmal etwas "magenbelastend" sein kann... :-)
    Das Buch ist sehr spannend geschrieben, die Mordnächte sind atmosphärisch dicht gestaltet, so dass sich Vergleiche zum Whitechapel der 1880er Jahre und Jack the Ripper aufdrängen. Die Lösung ist auch für geübte Krimileser nicht so schnell ersichtlich und sorgt für eine Überraschung.
    ---> Ich habe die Bücher der Rizzoli-Reihe gern gelesen, aber für mich persönlich ist dieses Buch bisher der beste Roman von Tess Gerritsen. Wenn man nicht auf das Gespann Rizzoli/Isles fixiert ist, gern Bücher mit verschiedenen Zeitebenen liest und sich außerdem für Medizingeschichte interessiert, sollte man "Leichenraub" unbedingt anschaffen!

  • Leichenraub


    Alle reden von ihrer Rizzoli/ Isles- Reihe. Warum?


    Das hier ist mal eine Abwechslung und zwar ne sehr Gute.


    Gerade die Verstrickung der Gegenwart mit der Vergangenheit macht dieses Buch sehr interessant.


    Ohne diese Gegenwart würden wir über das Vergangene nichts erfahren.


    Die Beschreibung der hygienischen Zustände damals, erzeugt mir einen gewissen Würgereiz :uebel, wenn ich mir vorstelle in dieser Zeit schwanger gewesen zu sein, das konnte man ja mit sterben gleich setzen, wie furchtbar.


    Zitat

    Original von Prombär


    Mein Gedanke war einfach nur immer: Ach bin ich froh, dass ich damals nicht gelebt habe. :-]


    Meiner auch. :wave


    Gott lob haben die hygienischen Zustände sich mehr als verbessert und wenn man bedenkt das es dazu gar nicht soviel benötigte als einfaches Hände waschen dann ist das schon erstaunlich.


    Zitat

    Original von Prombär

    Sehr spannend, keine Frage.
    Der historische Teil ist schön zu lesen, sehr spannend, sehr farbenfroh.


    Farbenfroh, an welcher Stelle ???? :gruebel
    Ich wollte wenn ich am Tage las das Licht anmachen so dunkel war diese Zeit.


    Zitat

    Original von Cathrine

    Dennoch fand ich den Roman gut und interessant. Ich liebe Medizingeschichte und das ganze spielt ja im medizinischen Bereich. Die Umstände damals und die Gedanken sind schon fast katastrophal zu nennen und es spielt vor grade mal 170 Jahren.

    Und auch die Bedingungen der Medizinstudenten sind interessant. Dass man nachts Leichen irgendwo ausbuddeln lässt, um sie tagsüber sezieren zu können ist schon hart an der moralischen Grenze finde ich.


    Ach das hat Herr Dr. Frankenstein auch gemacht.


    Medizingeschichte so gut erzählt ohne zäh zu wirken hat was.


    Die Mordnächte erinnern einen ein bisschen an „Jack The Ripper“ der ja auch Nachts gemordet hat.
    Oh man jetzt ist es vorbei, und das ist eins der Bücher wo ich es schade finde.

  • Ich lese da Buch gerade und bin sehr gefesselt von den Teilen, die Anfang des 19. Jahrhunderts spielen.
    Da zeigt Frau Gerritsen, dass sie noch mehr kann, als blutige Thriller schreiben.

    Liebe Grüße, Sigrid

    Keiner weiß wo und wo lang

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    Wir sind es nur nicht mehr gewohnt

    Dass Zeit sich lohnt

  • Das Buch spielt überwiegend im Jahre 1830 in Bosten, die Rahmenhandlung in der Gegenwart nimmt nur wenig Raum ein.


    Die Story war spannend und interessant.
    Es wurde auch gemordet und ermittelt, aber eher so, wie man es aus dem 19. Jahrhundert her kennt.


    Was das Buch für mich besonders interessant gemacht hat, war, dass man viel über die Medizin und die medizinische Ausbildung zu dieser Zeit erfährt.
    Einen breiten Raum nahm das Kindbettfieber ein. Semmelweis hatte da zwar schon einen Zusammenhang hergestellt, aber er wurde dafür in Amerika nur ausgelacht. Denselben Zusammenhang stellt später dann Olliver Wendell Holmes her, der auch eine große Rolle in dem Roman spielt (noch als Student).


    Ich fand die Vorstellung echt gruselig, dass


    Zitat

    Original von Cathrine




    @ Cathrine: nein, dass war pure Unwissenheit.

    Liebe Grüße, Sigrid

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