Marlen Haushofer: DIE WAND

Die tiefgreifenden System-Arbeiten sind soweit abgeschlossen. Weitere Arbeiten können - wie bisher - am laufenden System erfolgen und werden bis auf weiteres zu keinen Einschränkungen im Forenbetrieb führen.
  • Ich hab vor einiger Zeit mal das Hörbuch angefangen. Musste aber abbrechen. Irgendwie ging es mir zu nahe...konnte vor allem das Sterben der ganzen Tiere nicht aushalten. Da bin ich etwas zimperlich ;-(

  • Kann mir auch vorstellen, dass das Buch nicht unbedingt so gut zum Hören geeignet ist, wirkt dann vielleicht noch depressiver und man kommt dabei nicht zur Ruhe wie beim Lesen. :gruebel

  • Zitat

    Original von Mia08
    Kann mir auch vorstellen, dass das Buch nicht unbedingt so gut zum Hören geeignet ist, wirkt dann vielleicht noch depressiver und man kommt dabei nicht zur Ruhe wie beim Lesen. :gruebel


    Mag sein. Vielleicht versuche ich es irgendwann nochmal mit lesen. Beim Hörversuch war ich einfach die ganze Zeit schlecht drauf...das gefiel mir nicht wirklich ;-) Die Story ist ja schon wirklich toll und interessiert mich auch, aber bei sterbenden Tieren stelle ich mich immer etwas an :rolleyes

  • Zitat

    Original von New_Target


    Mag sein. Vielleicht versuche ich es irgendwann nochmal mit lesen. Beim Hörversuch war ich einfach die ganze Zeit schlecht drauf...das gefiel mir nicht wirklich ;-) Die Story ist ja schon wirklich toll und interessiert mich auch, aber bei sterbenden Tieren stelle ich mich immer etwas an :rolleyes


    das kann ich gut verstehen :knuddel1
    war auch ganz schön bedrückend,

  • Ich habe mir vor kurzen den Trailer angeschaut und gedacht: das mußte Du mal lesen. Meine Mutter meinte, wir hätten es schon gelesen. Aber mir kam jetzt nichts bekannt vor. Einiges habe ich quer gelesen, weil es mir zu langweilig war. Aber ich kann es irgendwie nicht so richtig einordnen. Die Idee ist echt gut....ABER dann doch nicht so meins.

  • Ich schaue mir den Film ganz bewusst nicht an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die gleichen nachhaltigen Eindrücke auf mich machen könnte, wie es das Buch geschafft hat.


    Das Buch ist ein Widerhaken im Geist, der einen nicht mehr loslässt. Die Stimmung, die es bei mir beim Lesen hervorgerufen hat, möchte ich so beibehalten und nicht durch Filmbilder überlagert sehen. Obwohl ich Martina Gedeck als Schauspielerin durchaus schätze.

  • Hm, ich bin mir ebenfalls überhaupt nicht sicher, ob ich den Film anschauen soll. Über die Jahre ist das Buch immer noch sehr präsent in meinem Kopf bzw. die Bilder. Durch zusätzliche Informationen über die Autorin haben sich diese auch immer wieder verändert. Beim Lesen habe ich das Buch sicherlich anders wahrgenommen, als ich es jetzt tue, aber das gehört halt alles zusammen, auch diese Entwicklung. Vielleicht ist die Sicht, die der Regisseur und die Schauspieler auf den Text vermitteln eine Bereicherung, vielleicht aber auch eine Enttäuschung... Also bisher noch unentschieden :hmm

  • Zitat

    Original von Rosha


    Das Buch ist ein Widerhaken im Geist, der einen nicht mehr loslässt. Die Stimmung, die es bei mir beim Lesen hervorgerufen hat, möchte ich so beibehalten und nicht durch Filmbilder überlagert sehen. Obwohl ich Martina Gedeck als Schauspielerin durchaus schätze.


    du sprichst mir aus der Seele. Gerade auch wegen dieser besonderen Stimmung, die das Buch beim Lesen hervorruft, möchte ich mir den Film nicht ansehen.

  • Ich habe das Buch gestern Abend beendet. Ich war so aufgewühlt, dass ich die halbe Nacht nicht schlafen konnte. Ich kann noch gar nicht wirklich sagen, was ich für einen Eindruck von dem Buch habe - ich meine in welche Richtung dieser geht.
    Sicher ist, dass es mich zutiefst bewegt hat.


    Ich spürte durchgehend eine latente Angst, eine Beklemmung, die mir manchmal das Atmen schwer gemacht hatte. Ich musste das Buch tatsächlich oft beiseite legen und ganz tief Luft holen. Die Autorin hat mich mitgenommen hinter die Wand und ich war schockiert und fasziniert zugleich.


    Hattet Ihr auch das Gefühlt, dass wenn ihr das Buch noch länger lest, selbst wahnsinnig werdet aufgrund dieser Situation? Ich habe mich ebenso an jedes einzelne Tier geklammert. Ich konnte nach jedem Tod die anschwellende Hoffnungslosigkeit spüren. Mich hat das, im Gegensatz zur Protagonistin (die ihren Namen selbst fast vergessen hat) furchtbar resignieren lassen. Die Protagonistin konnte die Situation nach einer Weile immer ausblenden und von sich abspalten.


    Vielleicht hat das wirklich damit zu tun gehabt, dass Frau Haushofer selbst krebskrank war und früh gestorben ist. In dem langen Nachwort war auch darauf hingewiesen worden, dass die Autroin selbst sehr wenig Glück im Leben gehabt hatte und viel Negatives erleben musste. Eine Abspaltung (Dissozation) erfolgt oft bei Menschen, die sehr viel Negatives und Gewalt erlebt haben, damit sie überhaupt überleben und noch funktionieren können.


    Für den Leser, der i. d. Regel ein ausgewogeneres Leben führt (so zumindest ich), ist so eine Lektüre natürlich allerhärtester "Stoff".


    Trotzdem einfach faszinierend. Diese Geschichte wird mich so schnell nicht mehr loslassen.


    Ganz große Klasse eigentlich. :anbet

  • Liebe pinky,
    vielen Dank für deine Eindrücke, die du hier mit uns teilst. :wave


    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Franz Kafka


    "Die Wand" ist so eine Axt. Absolut. Sie schneidet tief, bleibt unvergessen. Ein Buch, das nicht bequem ist, aber nachhaltig.
    Ich hatte beim Lesen allerdings nicht nur einen beklemmenden Eindruck. Ganz im Gegenteil. Die Beschreibung der harten, körperlichen Tätigkeiten hatten etwas seltsam Beruhigendes.


    Und immer wenn ich Himbeeren esse, denke ich an "Die Wand". Die Freude der Frau an der Süße dieser Früchte - diese Beschreibung hat sich tief eingegraben.

  • Zitat

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.


    Was für ein schönes Zitat von Kafka. Und so wahr !


    "Die Wand" war auf jeden Fall eine Axt für mich. Dabei ist das Meer in mir gar nicht so tief gefroren. Vielleicht hat es mir deshalb so weh getan...


    Ach ja, der Himbeerschlag ;) Den konnte ich mir auch schön bildlich vorstellen. Ich konnte ihn sogar riechen. Auch die Wiese, das Heu und die Luft konnte ich fühlen beim Föhn, beim Sturm und die Kälte im Winter....


    Toll, wenn ein Buch sowas schafft.

  • Habe gestern in der Zeitung gesehen, dass das Buch mit Martina Gedeck verfilmt wurde und gerade im Kino läuft.


    Ob sich das wohl lohnt, den anzuschauen? Ich bin da immer etwas unsicher, weil ich mir die Eindrücke des (jeweiligen) Buches nicht kaputtmachen lassen will...


    EDIT: ach ja, sehe gerade, das Thema wurde weiter oben schon angeschnitten... sorry...

    „An solchen Tagen legt man natürlich das Stück Torte auf die Sahneseite — neben den Teller.“

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von killerbinchen ()

  • Wow, was für ein wahnsinnig trübes, trauriges aber tiefsinniges Buch. Ich habe zwischendurch immer gedacht, dass garnicht viel Handlung im Spiel ist, aber wenn man weiterliest, weiß man, dass sich eigentlich eine Menge abspielt.


    Die Beziehungen zu den Tieren zeigten dem Leser sehr gut, wie sehr die Verluste eine Lücke im Leben der Protagonistin hinterließen. In einem solchen Leben, wie sie es führt, erst recht. Sie geben ihr Halt, sind eigentlich ihr Lebensinhalt. Als sie plötzlich erkrankt, fällt ihr die Tatsache, dass die Tiere nicht versorgt sind, umso schwerer, es auszuhalten.



    Sehr beeindruckt haben mich auch ihre kleinen Beobachtungen wie die der weißen Krähe, die ausgerenzt wird. Das ist eine solch traurige Beobachtung, die in den letzten Worten nochmal sehr deutlich wird. Diese herrliche Tierliebe der Protagonistin, die sie so sympathisch macht.


    Zitat

    Die Krähen haben sich erhoben und kreisen schreiend über den Wald. Wenn sie nicht mehr zu sehen sind, werde ich auf die Lichtung gehen und die weiße Krähe füttern. Sie wartet schon auf mich.


    Ich habe mir dieses Buch nur ausgeliehen, werde es mir aber selbst noch zulegen, da es ganz sicher ein Buch ist, was man nochmal lesen kann und so herrliche weise Worte beinhaltet. Wer ein Buch mit packender Spannung sucht, wird mit ,,Die Wand" ganz sicher nicht zufrieden sein. Hier wird zwischen den Zeilen gelesen, vieles angedeutet, vieles im Leeren stehengelassen, im Positiven Sinne. All das ist auch ein Grund, warum ich mir den Film nicht anschauen möchte. Das Kopfkino soll mein selbst erzeugtes bleiben. Und auch die traurige Szene um Luchs und Stier wird sehr lange in Erinnerung bleiben. Ich habe es ungern überdeckt mit Filmszenen.


    Von mir bekommt dieses Buch 10 von 10 Punkten und einen Warnhinweis, weil es so traurig ist.

  • Zitat

    Original von Rosha
    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Franz Kafka


    "Die Wand" ist so eine Axt. Absolut. Sie schneidet tief, bleibt unvergessen. Ein Buch, das nicht bequem ist, aber nachhaltig.
    Ich hatte beim Lesen allerdings nicht nur einen beklemmenden Eindruck. Ganz im Gegenteil. Die Beschreibung der harten, körperlichen Tätigkeiten hatten etwas seltsam Beruhigendes.



    :write:anbet



    Ich hab das Buch mit 13 oder 14 gelesen (also schon ein paar Jährchen her) und bin nach wie vor davon begeistert. Es ist auch eines von wenigen, dass nach all diesen Jahren überhaupt noch so deutlich in meinem Gedächtnis verankert ist.
    Vielleicht wird es Zeit, es wiedermal zu lesen :gruebel
    Und den Film sollte ich mir auch ansehen. :rolleyes

  • Ich habe das Buch gestern "zu Ende" gelesen. Leider haben mich die Andeutungen über den Tod von Luchs so gepiesackt, dass ich zu blättern begonnen habe, wann endlich der Mörder von Luchs auftaucht. Jedenfalls hat mich dann ein Foto im Internet, wo ein schöner junger Schäferhund drauf war, sofort ausrufen lassen "Luchs, Luchs, ...!" Das Wort "Hund" gibt es jetzt für mich nicht mehr. Nur mehr "Luchs".


    Warum hat "Stier" nie einen Namen bekommen ? Oder habe ich die Begründung dafür etwa auch überblättert.


    Also ich habe das Buch nicht wirklich traurig gefunden, sondern streckenweise "münchhausenhaft". Also was die Protagonistin da alles plötzlich selbst in die Hand nimmt an schwierigsten Handwerksarbeiten usw. grenzt tatsächlich an Fabelliteratur. Eine Stelle gab es, da war es mir dann fast schon zu bunt ...


    Mich hat das Buch traurig gemacht, weil ich eine Tierhaarallergie habe und ich mir plötzlich dachte, dass ich mir schon immer ein Haustier gewünscht ??? habe. Vielleicht täusche ich mich da aber auch.

  • Ich habe das Buch schon vor einem Jahr gelesen und es hat mich tief berührt und erschüttert. Der Stil der Autorin ist einfach faszinierend. Ohne philosophische Weisheiten zum Besten zu geben, ohne sprachliche Finessen, völlig unspektakulär sagt sie alles, was zum Menschsein gesagt werden muss. Und auch, was sie nicht sagt, stand mir beim Lesen deutlich vor Augen. Wie kann man da nur auf Münchhausen kommen. Menschen haben schon ganz andere Dinge getan, um zu überleben. Ich fand das Buch einfach wunderbar. Zur Zeit lese ich grade "Himmel, der nirgendwo endet". Ich habe es zufällig auf einem Flohmarkt entdeckt. Und was für eine Entdeckung! Sie beschreibt darin sehr autobiografisch, wie ein kleines Mädchen seine Welt und die Erwachsenen wahrnimmt. So anrührend, so empfindsam und poetisch habe ich bisher noch keinen Text erlebt. Wie sie in der Sprache eines Kindes schreibt, ohne sie zu verkindlichen, ist wirklich meisterhaft. Die Empfindungswelt eines Kindes hat sich für mich neu erschlossen. Unbedingt lesenswert.

  • Mir hat das Buch nicht besonders gefallen, es war mir teilweise zu langatmig und dann der Schluß ....

    Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen.( LaoTse) :flowers

  • Zitat

    leselampe Wie kann man da nur auf Münchhausen kommen. Menschen haben schon ganz andere Dinge getan, um zu überleben.


    Es war jene Stelle, wo die Ich-Erzählerin begonnen hat, Wild zu erschießen. Nur in wenigen Sätzen wird dieser Quantensprung in ihrer Existenzsicherung geschildert, im Gegensatz zur +/- langatmigen Beschreibung ihrer Alltagsstrukturen. Da war ich dann schon recht sauer, weil ihr diese neue Überlebenskompetenz so rasch abgehandelt wurde. Dabei hätte das doch Seiten füllen können, finde ich. Da hat sich die Ich-Erzählerin wirklich schnell einen Lorbeerkranz aufs Haupt gedrückt. Das meine ich mit "Baronin von und zu Münchhausen". Für jemanden, der noch nie auf die Jagd gegangen ist, kann es m.M. nach nicht so ruckizucki gehen.
    Man müsste aber dieses Jägerglück im Text nochmals genauer anschauen ... Mir war es jedenfalls echt zu glatt, wie das im Text dahergekommen ist und auch schon wieder kein Thema war.


    Tut mir leid, aber ich bin da ziemlich zwiegespalten, was die Qualität des Buches anbelangt, insbesonders weil ich mich frage, ob Jugendliche in der Schule mit diesem Schulkanon-Buch glücklich sind od. nicht.