Leichtmatrosen - Tom Liehr

  • Zitat

    Original von Tom
    :-) Danke! :anbet


    Nein, der Autor ist kein "Pink Floyd-Fan", meint aber durchaus, dass Waters, Barrett, Mason, Wright und Gilmore einen nicht ganz unwichtigen Teil der Popmusikgeschichte geschrieben haben. Und zuweilen hört er sich die alten Alben auch noch ganz gerne an, die er, zugegeben, früher lieber gehört hat. Aber er käme nie auf die Idee, sich etwa das "The Wall"-Spektakel anzuschauen, mit dem Waters derzeit unterwegs ist.


    Nee, dieses Waters-Dingsbums würde ich mir auch nicht anschauen. Ich habe Pink Floyd Anfang der Siebziger mal live in Hamburg erlebt. Ich glaube es war die "Ummagumma-Tour" (?) - jeder hatte sein Pfeifchen dabei - irgendwie gehörte das damals dazu. Rick Wright ist ja leider schon 2008 (?) gestorben. Und Roger Waters scheint jetzt wohl nur noch abzukassieren. Nach seiner Trennung von Pink Floyd haben sie allerdings leider nur noch recht wenig zustande gebracht.


    Nun aber genug. Wenden wir uns wieder den Leichtmatrosen zu, denn die haben Aufmerksamkeit wirklich verdient.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)

  • Ja, es ist ein Sommerbuch, nein, kein locker leichtes mal eben weg zu lesendes Sommerbuch. Normalerweise fällt es mir nicht schwer, in die Romane des Autors zu kommen. Hier schon. Aber nur anfangs. Je länger ich mit den vier Männern unterwegs war, desto mehr habe ich sie in mein Herz geschlossen.


    Aus einer Bier- und Ouzolaune heraus beschließen Patrick, Mark, Simon und Henner, dass sie zusammen eine Bootstour unternehmen möchten. Dass das keine so gute Idee ist, merkt der Ich-Erzähler Patrick bereits zu Beginn der Reise, denn es geht alles drunter und drüber. Die Vier kennen sich so gut wie gar nicht, nur vom gelegentlichen Sport. Es ist nicht nur so, dass keiner von ihnen ein Boot bedienen könnte, jeder hat auch seine eigenen Probleme, die jeden der Charaktere ausmacht.


    Mich haben die Landschaftsbeschreibungen sehr gefallen und nach kurzen Anfangsschwierigkeiten direkt in das Buch hinein versetzt. Man merkt dem Autor an, dass er diese Art der Fortbewegung und der Entspannung sehr schätzt. Die Charaktere wirken anfangs ziemlich chaotisch und wenig durchschaubar. Jedem der vier Männer ist ein kurzes Kapitel gewidmet, so dass der Leser nach und nach die Handlungen und Eigenheiten verstehen oder zumindest nachvollziehen kann. Die Schreibweise ist locker und fast schon umgangssprachlich.


    Ein Sommerbuch ist es, weil es um den Sommer geht, um Ferien, um Freundschaft und um das Loslassen des bisherigen Lebens und das Genießen - in allen Facetten . Kein Sommerbuch ist es, weil es Tiefgang hat. Der Leser denkt über die Personen und deren Schicksal nach und hofft, dass sie ihr Leben nach ihren Wünschen gestalten können. Mich wird der Inhalt so schnell nicht los lassen. Schon allein, weil man wieder einmal merkt, dass nicht jeder der ist, der er zu sein scheint.


    Sehr lesenswert!

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Vier Männer, die sich nur vom wöchentlichen Sport kennen, verabreden sich zu einem gemeinsamen zehntägigen Bootsurlaub. Was kann da schon schief gehen? So ziemlich alles. Ich-Erzähler Patrick hat Stress mit seiner Freundin, Pfarrer Jan-Hendrick ist sich seines Glaubens nicht mehr sicher, Maler Simon hat haufenweise Schulden und Überlebenskünstler Mark ist generell unzufrieden. Eigentlich die perfekte Voraussetzung für einen gelungenen Urlaub. Trotzdem kracht es während der zehn Tage erstaunlich wenig zwischen ihnen, im Gegenteil, aus den vier Sportkumpels werden echte Freunde, die haufenweise Kurioses, Absurdes und Lustiges erleben und so zu einem Team zusammenwachsen. Anfangs noch sehr auf Unterhaltung getrimmt (das "Nuttenkapitel" ist ganz großes - derbes - Kino), schleicht sich ab der Romanhälfe leise und allmählich auch ein ernsterer Unterton ein und sorgt so für ordentlich Tiefgang. Was dem Buch sehr gut tut und einiges an Aufwind verschafft. Das Ende fällt aus wie erwartet, aber irgendwelche großen Überraschungsmomente erwartete man bei einer solchen Seefahrt eh nicht, ganz gleich ob an Bord oder daheim mit dem Roman in der Hand.
    In der Liehr-Bestenliste würde ich das Werk hinter "Sommerhit", aber vor "Radio Nights" einordnen.

  • Huhu, Sören.


    :anbet


    Zitat

    In der Liehr-Bestenliste würde ich das Werk hinter "Sommerhit", aber vor "Radio Nights" einordnen.


    Ich auch - emotional. Dramaturgisch und bezogen auf den Aufbau von Handlung und Personal halte ich "Leichtmatrosen" allerdings für den gelungensten, stimmigsten, rundesten Roman. Mal sehen, wie die Verfilmung wird - im kommenden Frühsommer soll es ja losgehen.

  • Zitat

    Original von Tom



    Ich auch - emotional. Dramaturgisch und bezogen auf den Aufbau von Handlung und Personal halte ich "Leichtmatrosen" allerdings für den gelungensten, stimmigsten, rundesten Roman. Mal sehen, wie die Verfilmung wird - im kommenden Frühsommer soll es ja losgehen.


    Ich bin da bei Sören, wie du ja weißt, Tom. Und deine Emotion trügt dich hier nicht, glaube ich. Literarisch geht für mich von deinen Sachen nichts über den Sommerhit. Aber dazu hab ich ja schon alles gesagt, was ich meinte, sagen zu müssen. :wave

  • Freut mich, dass wir da emotional auf einer Wellenlänge liegen. Auf die Verfilmung der "Leichtmatrosen" bin ich auch schon sehr gespannt. So spontan hätte ich gar keine Schauspieler im Sinn, die ich gern in den jeweiligen Rollen sehen würde. Außer vielleicht Jürgen Vogel, der könnte "Dresden 1945" hervorragend darstellen. :grin


    BTW: Gestern Abend habe ich mit "Idiotentest" angefangen. Bin zwar erst auf Seite 34, aber trotzdem völlig hin und weg. Bei der Schilderung des WG-Lebens hatte ich sofort den Dude, seine Freunde und sein Milieu vor Augen. Wäre toll, wenn es auf diesem Niveau weitergeht ... :-]

  • Tom Liehr ist Spezialist für Geschichten über „Typen“, die vor den Augen des Lesers „erwachsen“ werden. Auch „Leichtmatrosen“ ist wieder einmal ein Mix aus guter Unterhaltung, authentischer Schreibe und exakter Beobachtung, der von einem Erkenntnisgewinn über das Männerdasein gewürzt wird.


    Und ein paar Tränen dürfen fließen, wenn man sich selbst, Freunde oder auch sein Herzallerliebst, in welcher Form auch immer, wiedererkannt hat.


    Das Gute: Die Figuren werden mit dem Verfasser älter. Also werde ich noch weitere Werke des Autors lesen.

  • Kleines Update:


    "Leichtmatrosen" wird ja, wie ich hier und da bereits angedeutet hatte, verfilmt. Nun stehen technische Besetzung und Drehbeginn fest: Am 17. August geht es los! Gemeinsam mit SWR und ARD Degeto produziert Lichtblick Media den Spielfilm, der unter der Regie von Stefan Hering und nach einem Drehbuch von Silja Clemens entsteht:


    http://www.stefanhering.com/willkommen-an-bord/


    Bitte keine Nachfragen zur Besetzung. Wüsste ich genaueres, hätte ich es erwähnt.

  • Zitat

    Original von Tom
    So. Das Buch ist verfilmt, der Film ist fertig. Er läuft am 12. Mai 2017 in der ARD, das ist ein Freitag. Um zwanzigfünfzehn. Mit Golo Euler (Finke), Stefan Százs (Henner), Gabriel Merz (Simon), Susanne Bormann (Cora). Produktion: Martin Heisler. Regie: Stefan Hering.


    :frech


    Genial, bitte erinnere uns rechtzeitig an den Termin. Außerdem bitte ich Batty den Termin für den Eulenkalender zu übernehmen. :wave

  • Zitat

    Durftest Du den Film bereits selbst sehen, Tom?


    Bisher nur ca. 20 Minuten Ausschnitte (Teamfilm bei der Drehschlussparty), aber dieser Tage findet das Screening statt - und ich bekomme außerdem einen Trailer, den ich dann verlinken werde.


    Ich trete übrigens auch auf. Nur kurz, aber immerhin. ;-)