Lesenlernen - erinnert ihr Euch, wie das für Euch war?

  • California ermutigte mich durch ihre Vorstellung diesen Thread zu eröffnen.

    Zitat

    Original von California
    Als ich als Kind lesen lernte, hat mich am meisten fasziniert dass die Zusammenstetzung einzelner Buchstaben zu Wörtern und Sätzen einen Sinn ergeben und eine Geschichte erzählen können.


    Dieser Satz hat mich sofort begeistert. Denn erst neulich ärgerte ich mich wieder einmal darüber, dass ich keine Erinnerung daran habe, wie ich lesen gelernt habe. Eigentlich müsste doch dieser Vorgang, der einem die Welt um Dimensionen vergrößert, einen so beeindruckend, dass man es nie wieder vergisst.


    Habt Ihr Erinnerungen an die Zeit des Lesenlernens?

  • Mein großer Bruder war schon in der Schule und las immer die Bussi Bär Hefte, die mich natürlich auch schon brennend interessierten. :grin Leider hatte er nie Lust, mir daraus vorzulesen und meinte nur: "Les sie doch selbst!". Hahaha. Mit kaum 5 Jahren. Hahaha!


    Also hab ich mir die Hefte unter den Arm geklemmt, bin zu Opa und habe mir von ihm das Lesen beibringen lassen. Wie auch das Klavierspielen. Opa rules! :anbet

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Für mich war es der Horror, weil die Erwachsenen so schnell waren und ich Buchstabe für Buchstabe zusammensetzten musste. Auch als es dann schneller ging, war ich immernoch unzufrieden, ich habe Lesen bis in die 3. Klasse gehasst.


    Dann habe ich einen Dracula für Kinder bekommen und gemerkt, dass sich die Arbeit lohnen kann. Seit da liebe ich es :-)

  • Zitat

    Original von Batcat
    Mein großer Bruder war schon in der Schule und las immer die Bussi Bär Hefte, die mich natürlich auch schon brennend interessierten. :grin Leider hatte er nie Lust, mir daraus vorzulesen und meinte nur: "Les sie doch selbst!". Hahaha. Mit kaum 5 Jahren. Hahaha!


    Also hab ich mir die Hefte unter den Arm geklemmt, bin zu Opa und habe mir von ihm das Lesen beibringen lassen. Wie auch das Klavierspielen. Opa rules! :anbet


    Bei mir war es ähnlich, mein großer Bruder wollte mir auch nicht vorlesen. Nur wollten meine Eltern auch nicht, dass ich vor der Schule schon lesen kann - also hab ich meine Zeitschriften durch die Wohnung geschleppt und immer so getan als ob, bis mein Papa sich erbarmt hat und mir immer einzelne Buchstaben auf der Tastatur gezeigt hat - irgendwann konnte ich genug, um einzelne Wörter zusammen zu setzen. Richtig gelesen hab ich dann aber erst ab der ersten Klasse :-)

  • Schrecklich lästig, weil es mir wirklich schwer fiel. Ich war zu langsam und der Druck zu groß. Kann mich noch an das erste Lesebuch erinnern, in dem ständig ein Heiner aufgetaucht ist, konnt ich mir merken, weil ich immer überlegt habe, ob es echte Menschen gibt, die Heiner heißen.
    Hat mich aber gelangweilt, weil es ja immer nur wenige Zeilen und keine richtigen Geschichten waren.


    Aber ich hatte das Glück mit lesenden Eltern und drei großen Schwestern gesegnet zu sein, die auch ständig gelesen haben, Büchereibesuche ganz selbstverständlich waren.
    Bücher gehörten zum ganz normalen Leben bei uns. Mir war klar, daß das eine Welt ist, in die ich einfach reinwachsen MUSS, da gab es keine Alternative.


    Als ich mal die Grundbegriffe des Lesens verstanden habe, hab ich mit ganz normalen Büchern angefangen und wurde ganz schnell besser.


    Aber der Einstieg war langweilig und stressig zugleich.

  • Zitat

    Original von Buchling
    Kann mich noch an das erste Lesebuch erinnern, in dem ständig ein Heiner aufgetaucht ist, konnt ich mir merken, weil ich immer überlegt habe, ob es echte Menschen gibt, die Heiner heißen.


    Bei uns hieß der Heini, und dann gab's da noch Evi, Ute, Peter und Otto.


    Wie ich oben schon sagte, kann ich mich an mein Lesenlernen nicht erinnern. Als ich zur Schule kam, konnte ich das schon. Meine Eltern hatten das gar nicht gemerkt. Sie vermuteten, dass mir das in den Sommerferien vor meiner Einschulung meine ältere Schwester beigebracht hatte. Wir spielten sehr gerne Schule.


    Gibt es jemand bei euch, der so ein richtiges Aha-Erlebnis hatte, dass er mehr von der Welt versteht, weil er endlich lesen kann, so ähnlich, wie wenn ein Blinder plötzlich sehen kann.

  • :yikes Genau, der Heini und der Peter, der Otto -


    Und ich kenne "Heini" nur als abschätziges Wort für einen blöden Kerl. Ein Heini ist eben ein Heini ... und das hat mich verunsichert damals, ob Eltern ihr Kind ernsthaft Heini nennen. :wow


    Ja - das AHA-Erlebnis hatte ich bei meinem ersten "richtigen" Buch, bei dem mir nicht nur kleine Zeilen oder kurze Abschnitte hingeworfen wurden, sondern mir echt eine Geschichte erzählt wurde.

  • An die Fiebel der ersten Klasse kann ich mich noch gut erinnern. Außer den gesammelten Werken Wilhelm Buschs und Grimms Märchen kannte ich zu dem Zeitpunkt kaum andere Bücher, kam also nicht auf die Idee, die kurzen Sätze im Lesebuch zu kindisch zu finden. Lesenlernen - dachte ich damals - bedeutet, dass die Lehrerin dir sagt, was auf der Seite steht und das ist es dann. Warum man zu Hause Lesen üben sollte, wenn der Text im Buch steht, leuchtete mir nicht ein. So hatte ich an den Tagen mit "nur Lesen üben" meiner Ansicht nach keine Hausaufgaben. Als meine Mutter beim Elternsprechtag vorbrachte, wir Kinder hätten extrem wenig Hausaufgaben auf, klärte sich das Missverständnis. Lesen geübt habe ich von da an trotzdem nicht mehr.

  • Ich hab bis vor einiger Zeit immer gedacht, meine älteste Schwester hätte mir das Lesen beigebracht. Sie allerdings sagte mir, ich hätte es mir selber beigebracht. Mit Hilfe der Sesamstraße :lache


    Da war ich fünf. Als ich in die Schule kam, konnte ich fließend lesen und schreiben und hab mich bei den Leseübungen gelangweilt. Die Figuren meiner ersten Fibel hießen Ifix und Ifine. Und irgendwann gabs dann Uli den Leseteufel.

  • Ich hab in der ersten Klasse auf meine Fibel gekotzt. :grin


    Ansonsten weiß ich über den Prozess, wie ich lesen gelernt habe, kaum noch etwas. Außer, dass ich genervt davon war, wie langsam manche in meiner Klasse das gelernt haben, weil ich unbedingt schon weitermachen wollte. In unserer Fibel hieß einer Uli. An die anderen Namen kann ich mich nicht mehr erinnern. Das waren dann so tolle Sätze wie "Uli am Baum.", "Uli am Zaun" oder "Uli und Oma am Hund." oder so. :rolleyes


    Ich hab dann auch sehr bald angefangen, für mich selbst zu lesen (die ersten Bücher, an die ich mich erinnern kann, waren "Ronja Räubertochter" in der zweiten Klasse und "Das doppelte Lottchen" (haben wir in der Klasse gelesen, aber ich war viel schneller fertig als alle anderen) in der dritten Klasse). Später, als ich zehn Jahre alt war oder so, hab ich immer alle Erwachsenen geschockt mit den dicken Kloppern, die ich immer zum Lesen dabeihatte :chen (zum Beispiel "Die Päpstin", "Der Medicus", "Das Lächeln der Fortuna"). Meistens hab ich zum Lesen die Bücher bekommen, die mein Vater gerade ausgelesen und für gut befunden hatte. :-)

  • Ich bin in Frankfurt a.M. eingeschult worden, die Lesefibel war mit einer Figur namens Habakuk und es gab eine Giraffe. Ich dachte, Lesen ist, dass die Lehrerin etwas vorliest, man merkt sich das und wenn man dran kommt, sagt man eben den nächsten Satz - ich habe Lesen überhaupt nicht mit den Buchstabenmalübungen in Verbindung gebracht... Das Erwachsene ohne Vorlesen lesen konnten, lag daran, dass sie eben Erwachsene waren...


    An Weihnachten in der ersten Klasse sind wir nach Bayern gezogen, das war ein Schock - dort bekam man ganze DIN A 4 Seiten zum Lesen ausgeteilt, ich hatte keine Ahnung wie das funktionieren sollte und konnte mir so viel Text natürlich nicht mehr fehlerfrei merken, bzw. wurde er gar nicht vorgelesen. Innerhalb von 2 Monaten habe ich dann alle Buchstaben und das Lesen und Schreiben (also nicht nur eine Reihe E) gelernt.


    Dafür waren die Bayern in Mathe erst bei 5 und ich schon bei 20 - Mathe war dann ziemlich langweilig...


    Das ABC habe ich Mitte der zweiten Klasse gelernt, bis dahin konnte ich zwar alle Buchstaben, aber die Reihenfolge hatte ich nie gebraucht... Ist der Lehrerin aufgefallen, als ich beim Galgenmännchen immer nur bis F kam...


    Einen weiteren Aha-Effekt hatte ich in der 7. Klasse, da ist mir klar geworden, dass ich mit den 26 Buchstaben des Alphabets alle deutschen Wörter bilden kann und dass es nicht mehr Buchstaben in der deutschen Sprache gibt (ok, Umlaute, aber die kann man ja als ae etc darstellen) - da war ich platt. Meine Mutter war beim Mittagessen etwas erstaunt, dass mir das erst so spät aufgefallen ist.


    Sobald ich lesen konnte, habe ich sehr viel gelesen, lag auch etwa an dem Umzug, in meiner neuen Umgebung habe ich mich nicht sehr wohl gefühlt. Ab der 2. Klasse war ich jede Woche (Donnerstags :) ) in der Stadtbücherei und habe mir für die Woche 6 bis 8 Bücher ausgeliehen.

  • Ich kann mich an den Lernprozess leider nicht mehr erinnern. Aber ich weiß noch, dass wir eine Fibel mit einem Maskottchen namens "Fu" hatten. Das war so eine Art Sockenhund.
    Irgendwie habe ich mitbekommen, dass es eine Auflage später wohl noch eine Sockenhündin namens "Fa" gab. Sehr einfallsreich, nicht wahr?


    Laut meiner Mutter war ich aber richtig begeistert, als ich den Dreh erstmal raus hatte. Ich habe mir ihr altes Kinderbuch "Heran, heran, wer lesen kann" geschnappt und eine Geschichte nach der anderen gelesen. Erst weit nach Mitternacht bekam sie mich ins Bett. Diese Geschichte beendet sie immer mit den Worten "Gott sei Dank waren Ferien." :rolleyes


    In meiner Erinnerung ist meine erstes richtiges Buch übrigens "Kleiner Spitz ganz groß", ein Kinderkrimi über einen kleinen Spitz, der unbedingt Polizeihund werden will, aber dafür einfach zu klein ist.

  • Ich kann mich da überhaupt nicht dran erinnern. Laut meiner Mutter war es aber anscheinend so, dass ich eingeschult wurde und nachdem mir die Lehrerin die ersten Buchstaben nahe gebracht hatte, haben sich mir die anderen irgendwann selbst erschlossen, so dass ich an Weihnachten alle 5 Bücher, die ich geschenkt bekam gelesen habe und am 2. Feiertag meiner Mutter auf den Geist ging, weil mir langweilig war und ich die Bücher nicht noch mal lesen wollte. :grin

  • Was für ein interessantes Thema ... :wave


    Eindringlich kann ich mich noch daran erinnern, dass wir eine Versuchskaninchenklasse waren. Die Parallelklasse lernte aus einer Fibel in Druckschrift und übte Einzelbuchstaben, unsere Fibel war eine Ausgabe in Schreibschrift und wir lernten Sätze und Wörter. Natürlich waren unseren Eltern dagegen und glaubten, Experimente schaden Kindern. Im Rückblick scheint mir die Methode völlig egal; denn wie PISA es erklärt, waren die Kinder gute Schüler, deren Eltern eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine Meisterprüfug hatten. Anspruchsvolle Akademiker-Eltern, die Lehrern auf die Nerven gehen, steckten noch in den Kinderschuhen.


    Unsere Eltern waren damals noch der Meinung, dass Kinder vor der Schule auf keinen Fall Lesen oder Schreiben lernen dürfen. In einer Generation, die überhaupt nicht fernsieht oder "nur bei Oma" kann man sich das ja noch einbilden. Im Rückblick finde ich es bewundernswert, wie Lehrer die Kinder ruhig gehalten haben, die mit "einmal Erklären" schon zufrieden waren, ohne dass man sich selbst mit anderen Dingen beschäftigen durfte, während 30 Schüler nacheinander irgendetwas übten.

  • Meine Mutter ist Lehrerin in einer Grundschule und ich habe schon recht früh lesen gelernt. Sie hat mir oft vorgelesen und irgendwie konnte ich es dann. Allerdings..... Sie hat mir immer gegenüber gesessen, wenn ich "mitgelesen" habe, weswegen ich, als ich in die Schule kam, die Bücher immer falsch herum gehalten habe, da ich nur auf dem Kopf lesen konnte. Das kann ich immer noch ziemlich gut. Aber mittlerweile halte ich meine Bücher richtig herum ;) ;) ;)

  • Das begann 1959 in der Grundschule (damals sagte man Volksschule dazu) und gelehrt wurde nach der Ganzwortmethode. Und seit dieser Zeit habe ich bis heute immer ganz fleißg geübt..... :grin

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Meine ältere Schwester wollte nicht so recht, da habe ich das mitgelernt. Was letztlich blöde war, da ich dann auf der Volksschule schon Wörter lesen und meinen Namen schreiben konnte, als die anderen noch Kreise malten und erklärt bekamen dies sei ein O. Also bei uns wurden erst die Buchstaben gelernt und keine Ganzwortmethode, das war auch damals schon Föderalismus.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Zitat

    Original von Clover
    Ich kann mich an den Lernprozess leider nicht mehr erinnern. Aber ich weiß noch, dass wir eine Fibel mit einem Maskottchen namens "Fu" hatten. Das war so eine Art Sockenhund.
    Irgendwie habe ich mitbekommen, dass es eine Auflage später wohl noch eine Sockenhündin namens "Fa" gab. Sehr einfallsreich, nicht wahr?


    Mit Fu habe ich auch lesen gelert!!! Der hat die Buchstaben immer gefressen und dann Stück für Stück wieder... Na, wenn ich heute dran denke wars wohl nicht ganz so appetitlich.


    Meine Kleine kommt im September in die Schule und ich darf stolz verkünden dass sie einfache Worte schon lesen kann. Sie weiß wie die Buchstaben "klingen" und setzt sie dann einfach zusammen. Keine Ahnung woher meine Kinder das haben die Große war damals auch so flott dabei.

    "Katzen sind ein geheimnisvolles Völkchen. Es geht mehr in ihren Köpfen herum als wir uns vorstellen können. Das kommt ungezweifelt durch ihren engen Umgang mit Zauberern und Hexen." Sir Walter Scott