Plauderecke (vormals "Autorenknigge")

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    Original von Groupie
    Kann man nicht davon ausgehen, dass auch Autoren die Bücher anderer Autoren einfach gefallen? Und selbst wenn man mal äußert, dass man irgendwas gern anders gehabt hätte, hat das für mich noch lange nichts mit einem Verriss zu tun.


    Kann man. Und gegen eine positive Beurteilung hat kein Autor etwas einzuwenden, egal, von wem sie kommt (ich glaube aber, dass ich das hier auch schon irgendwo geschrieben habe.) Auch maßvolle Kritik im Sinne von: hier und da wäre es besser gewesen, wenn .... ist im Grunde okay. Das Problem sind Verrisse, die nun einmal auch geschrieben werden können, wenn man Kritik generell zulässt.


    Aber die Regel: 'Du darfst dich nur positiv oder maßvoll kritisch äußern' beinhaltet nun einmal eine gewisse Einschränkung. Für manche Leute wirken die Kritiken dann vielleicht generell unecht (der Vorwurf wurde hier auch schon geäußert). Daher beschließen manche Autoren, es ganz bleiben zu lassen.


    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum einige Leute, die meines Wissens nicht selbst Autoren sind, ein solches Problem damit haben und bei dieser Diskussion angesäuert reagieren. Euch will doch keiner einen Maulkorb aufsetzen.


    Tereza

  • Zitat

    Original von Tereza


    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum einige Leute, die meines Wissens nicht selbst Autoren sind, ein solches Problem damit haben und bei dieser Diskussion angesäuert reagieren. Euch will doch keiner einen Maulkorb aufsetzen.


    Tereza


    Wer reagiert denn hier angesäuert?
    Und ich sehe auch keine "Nicht-Autoren" die hier irgendwelche Probleme haben. Es wurde etwas hinterfragt - mehr nicht.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

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    Original von Voltaire
    Nun muss ich doch noch etwas sagen/schreiben. ;-)


    Ich habe so den Eindruck, dass viele Autoren meinen, wenn man ihr Buch kritisiert, dann würde man auch sie selbst als Person kritisieren. Das ist aber nicht der Fall. Es geht um das Buch - es geht nicht um die Autorin oder den Autor.


    Ich habe - okay ich bin kein Autor - auch schon Bücher "verrissen", habe dann eben auch deutlich gemacht, dass ich ausschließlich das Buch meine, nicht aber die Autorin oder den Autor.


    Auf die Gefahr hin, jetzt als arrogant oder altklug bezeichnet zu werden: das kann man wahrscheinlich nur verstehen, wenn man selbst schon Texte veröffentlicht hat. Es gibt da den berühmten Vergleich mit dem Baby, der zwar hinten und vorne hinkt, aber meines Erachtens immer noch am Besten hinkommt.
    Sage einer Mutter, dass du ihr Kind doof, schlecht erzogen und generell unmöglich findest. Du kritisierst nicht sie selbst, aber sie wird trotzdem, je nach Charakter, wahrscheinlich stinksauer oder gekränkt sein. Erstens ist sie durch ihre Erziehung für das Wesen des Kindes mit verantwortlich. Zweitens hat sie eine sehr, sehr enge emotionale Bindung an ihr Kind. Ich kann hier jetzt natürlich nur von mir selbst sprechen, würde aber sagen: meine Bücher sind ein Teil von mir. Man kann das nicht völlig getrennt sehen, selbst wenn man möchte.


    Ansonsten klangen einige der Beiträge hier für mich angesäuert, aber das ist wohl ein typischen Internet-Problem, wenn man sich nicht persönlich gegenüber sitzt.


    Viele Grüße


    Tereza
    Viele Grüße


    Tereza

  • Zitat

    Original von Tereza
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum einige Leute, die meines Wissens nicht selbst Autoren sind, ein solches Problem damit haben und bei dieser Diskussion angesäuert reagieren. Euch will doch keiner einen Maulkorb aufsetzen.


    Tereza


    Meinst du mich? :gruebel

  • Was ist denn das für ein Kuhandel? Gute Rezis dürfe man schreiben, aber schlechte solle man unterlassen! Ja, sind wir hier im Kindergarten? Jeder Mensch, der arbeitet, wird ständig kritisiert (das Lehrerbeispiel ist wohl die allerschlechteste Analogie, die man sich nur vorstellen kann) - vom Chef und auch von Kollegen - das ist fast schon ein Naturgesetz. Warum sollten wir Autoren in Watte packen? Sind das bessere Menschen?


    Und im Übrigen kann jeder Autor, egal wie die Rezi ausfällt, daraus lernen. Ich sag euch mal was, ihr sensiblen Heulsusen: Ich freue mich über eine fundierte negative Rezi viel mehr als über blödsinniges Bauchgepinsel. Und wenn jemand Negatives schreibt und nicht begründet, dann geht es mir als Luftblase am * vorbei. Sind wir Profis oder was?


    Das zur Inkonsequenz! Ansonsten stimme ich der Mehrheit zu. Jeder nach seinem Gusto, aber dann doch bitte konsequent: entweder oder, oder was?

  • Das hängt wahrscheinlich vom Autor und von der Mutter ab. Weder meine Kinder noch meine Bücher sind perfekt und mit jeder Kritik kann man versuchen zu verändern und zu verbessern, ob in der Erziehung oder eben beim Schreiben.


    Ob diese Kritik von einem anderen Autor kommt oder vom Zahnarzt ist doch eigentlich egal.

  • Zitat

    Original von Tereza
    Ich kann hier jetzt natürlich nur von mir selbst sprechen, würde aber sagen: meine Bücher sind ein Teil von mir. Man kann das nicht völlig getrennt sehen, selbst wenn man möchte.


    :write
    Das sehe ich auch so. Die Arbeit (egal um welche es sich handelt; ich glaube, auch ein Bäcker würde nicht gerne hören, dass seine Brötchen scheiße schmecken) gehört zur Person und daher ist eine harsche Kritik an der Arbeit immer auch eine Kritik an der Person. Negative Kritik weist auf ein Versagen hin und mal ehrlich, wer hört das gerne? Wer kann da so einfach drüber stehen?


    Selbst wenn man es schafft, etwas faktisch zu kritisieren, also nicht beleidigend oder polemisch zu werden, ist es immer noch ein Angriff, der verletzen kann und es in 99 % der Fälle mit Sicherheit auch tut.


    Einem Buch ist es egal, was man von ihm hält, ist ja nur ein toter Gegenstand. Aber da steht nun mal ein lebendiger Mensch dahinter. Im Normalfall jemand, der viel Herzblut hineingesteckt hat.


    Ganz unabhängig davon, ob eine Kritik nun gerechtfertigt ist oder nicht: Kritik an einem Buch bedeutet immer auch Kritik am Autor. Das lässt sich nicht separieren.


    (Auch wenn man das in einem Zusatz zur Rezi anfügt, Voltaire... ;-) Das funktioniert nicht. Ist ungefähr so sinnig wie die Tafel am Badesee: Ertrinken verboten!)

  • Am besten keine Kinder bekommen, wenn man mit Sorge und Angriffen nicht umgehen kann. Das gehört nun mal auch dazu, deswegen sind Kinder nicht weniger liebenswert. ;-)


    Edit: wow, Rosha! Glückwunsch! :-)

    Ailton nicht dick, Ailton schießt Tor. Wenn Ailton Tor, dann dick egal.



    Grüße, Das Rienchen ;-)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von rienchen ()

  • Vielleicht ist das der Grund, warum wir in Deutschland so eine verdammt niedrige Geburtenrate haben, liebes rienchen.


    Pst, das bleibt unter uns: Und im Übrigen heule ich immer noch, weil dir mein Buch nicht gefallen hat, har :lache

  • PS: Ich will damit nicht sagen, dass man keine negativen Rezensionen schreiben darf/sollte. DAS meine ich explizit nicht! Wer den Drang verspürt, sollte tun, was er nicht lassen kann.


    Aber sich einzubilden, dass eine Rezension sachbezogen bleibt und den Autor nicht tangiert, halte ich für naiv.


    Im besten Fall nimmt der Autor sich Kritik zu Herzen und verbessert seine Arbeit. Aber das ist nur der beste Fall. ;-)

  • Zitat

    Original von beisswenger
    Vielleicht ist das der Grund, warum wir in Deutschland so eine verdammt niedrige Geburtenrate haben, liebes rienchen.


    Pst, das bleibt unter uns: Und im Übrigen heule ich immer noch, weil dir mein Buch nicht gefallen hat, har :lache


    Ich wollte den Finger nicht in die Wunde legen. :lache

    Ailton nicht dick, Ailton schießt Tor. Wenn Ailton Tor, dann dick egal.



    Grüße, Das Rienchen ;-)

  • Zitat

    Original von beisswenger
    Was ist denn das für ein Kuhandel? Gute Rezis dürfe man schreiben, aber schlechte solle man unterlassen! Ja, sind wir hier im Kindergarten?


    Nö. Im Kindergarten geht es auch nicht so zu. Nach meiner Erfahrung sind Kinder ziemlich direkt und nicht gerade rücksichtsvoll im Umgang miteinander, also verstehe ich nicht, warum immer von "Kindergarten" die Rede ist, wenn man Leute darum bittet, höflich und diplomatisch zu sein.


    Was du machst oder nicht, ist deine Sache. Etwas Anderes habe ich nie behauptet.


    Was ich aus bisher sieben veröffentlichten, sehr unterschiedlich bewerteten Büchern gelernt habe, ist Folgendes: der Leser - sowohl als Individuum als auch als breite Masse - ist ein undurchschaubares Wesen. Es hat nicht viel Sinn, sich krampfhaft zu bemühen, ihm zu gefallen. Das geht fast immer schief. Am Besten macht man es letztendlich so, wie man es selbst für richtig hält.


    Von einigen Kritiken kann man lernen. Aber das habe ich auch nie bestritten.


    Ansonsten bringt Rosha es gut auf den Punkt: es kommt auch auf die Art der Kritik an. Bleiben wir mal beim Beispiel Kinder:


    a) "Ihr Sohn sollte sich in der Schule mehr anstrengen, sonst wird es schwierig mit dem Abschluss." Ist okay. Weiß Mama wahrscheinlich selbst schon.
    b) "Ihr Sohn ist ein fauler Sack. Der wird garantiert Hartz IV-Empfänger oder Knastbruder." Damit macht man sich Mama nicht zur Freundin. :lache


    So, und jetzt mag ich nimmer, weil ich noch bügeln und an meinem Text schreiben muss.


    Tereza von der Fraktion der Heulsusen.

  • Zitat

    Original von Tereza


    Ansonsten bringt Rosha es gut auf den Punkt: es kommt auch auf die Art der Kritik an. Bleiben wir mal beim Beispiel Kinder:


    a) "Ihr Sohn sollte sich in der Schule mehr anstrengen, sonst wird es schwierig mit dem Abschluss." Ist okay. Weiß Mama wahrscheinlich selbst schon.
    b) "Ihr Sohn ist ein fauler Sack. Der wird garantiert Hartz IV-Empfänger oder Knastbruder." Damit macht man sich Mama nicht zur Freundin. :lache


    Ich will ja nicht desillusionieren... :grin


    Also sowas kommt doch durchaus schon mal vor. Hatte nie Jemand von Euch einen Lehrer, der Euch bei jeder Gelegheit auf dem Kieker hatte, weil er zB Eure Eltern nicht leiden konnte? Oder Eure Geschwister in der gleichen Schule, oder oder oder?


    Sorry, aber Idioten gibt es überall. Und auch Dein Beispiel kommt wohl grade in "sozialen" Brennpunkten nicht eben selten vor. Ob das berechtigt ist oder unfair und unsachlich - da hilft nur schulterzucken, sich zur Wehr setzen und, das Allerwichtigste: weitermachen und daran wachsen. Kann auch ein guter Antrieb sein. ;-)

    Ailton nicht dick, Ailton schießt Tor. Wenn Ailton Tor, dann dick egal.



    Grüße, Das Rienchen ;-)

  • Zitat

    Original von Rosha


    Selbst wenn man es schafft, etwas faktisch zu kritisieren, also nicht beleidigend oder polemisch zu werden, ist es immer noch ein Angriff, der verletzen kann und es in 99 % der Fälle mit Sicherheit auch tut.


    Kritik ist doch kein Angriff. Man bemängelt lediglich etwas oder macht auf Fehler aufmerksam. Und natürlich verletzt einen das im ersten Moment meist, aber oft lernt man ja auch was draus. Ein Angriff wäre es doch nur dann, wenn das Verletzen die Absicht der kritischen Äußerung wäre und nicht das Auf-den-Fehler hinweisen. Klar, tut Kritik weh, aber wenn sie angebracht ist, kann man doch nur dankbar sein, wenn jemand dies äußert. Gute Freunde jedenfalls sagen einem das, auch wenn es erst mal verletzt, wenn man was falsch macht oder sich wie der letzte Asi kleidet oder oder. Und schützen einen damit vor weiterem Schaden. Man kann doch froh sein, wenn man Freunde hat, die sich trauen, einen auch mal zu kritisieren.


    Was die Autoren angeht. Die Begründung, man schreibt keine negativen Rezis, weil man weiß, wie sehr das verletzt. Die kann ich nicht nachvollziehen. Jeden verletzt Kritik. Nicht nur Autoren. Man ist immer erst mal traurig, wenn etwas nicht für gut befunden wird, mit dem man sich viel Mühe gegeben hat. Und wenn es nur der erste Kuchen ist, den man in seinem Leben gebacken hat, und der schmeckt dann scheiße. Ich glaube nicht, dass die "Babies" der Autoren da schwerer ins Gewicht fallen als andere Sachen, die Menschen so herstellen oder leisten und wo sich Mühe geben und das Ergebnis gefällt anderen dann nicht. Oder ist vielleicht sogar wirklich mies.


    Was ich aber verstehen kann ist, wenn man aus anderen Gründen das nicht öffentlich macht. Denn solche Rezis hier oder auch bei Amazon oder sonstwo beeinflussen ja auch das Kaufverhalten. Und wenn eine Freundin von mir n Roman schreibt, den ich scheiße finde, würde ich das Buch dennoch nicht öffentlich verreißen. Einfach deshalb, weil ich ihr damit Verkäufe verhindern könnte. Das macht man einfach unter Freunden nicht, öffentlich zu schreiben: was ein Mist! Kauft das bloß nicht!


    Wär ich Autor, würde ich also Rezis lassen bei Autoren, die mir bekannt sind. Auch als Nicht-Autorin würde ich Verrisse lassen bei einem Buch von wem, den ich kenne und mag. Und lieber gar nichts schreiben. Einfach um ihm nicht evtl. zu schaden.


    Bei anderen Berufen würde ich das auch so machen. Da würde ich dann eine Kollegin unter vier Augen auf ihre Fehler hinweisen und nicht direkt zum Chef rennen. Gut, der Vergleich hinkt. Aber öffentlich machen würde ich das nur, wenn die Fehler gravierend sind und wem schaden und die Kollegin auch nach meiner Kritik nichts ändert.


    Da aber ein schlechtes Buch noch keinem wirklich geschadet hat, außer dass es einen Geld und ein wenig Zeit gekostet hat, würde wohl ich, wär ich denn Autorin, auch drauf verzichten, negative Rezis zu veröffentlichen zu Büchern von Menschen, die ich persönlich kenne. (Es sei denn, ich wär beschäftigt bei einer Zeitung und müsste das Buch besprechen, dann ist man wohl eher der Zeitung und den Lesern verpflichtet, eine ehrliche Meinung zu äußern; ich beziehe mich hier auf Rezis, die man auch einfach lassen könnte.)


    Nicht, um sie zu schonen, weil ich weiß, wie weh das tut. Sondern weil heutzutage viele ihre Bücher aussuchen nach Rezis im Internet von Lesern. Und wenn ein Freund von mir übers Internet selbstgebastelten Schmuck verkaufen würde, den ich grottenhässlich finde und wo die Kette nach 3 Wochen reißt und kaputt ist. Dann würde ich vielleicht ihm persönlich sagen, wie hässlich ich das finde und dass es nix taugt und ich fürchte, dass er damit nicht viel Erfolg haben wird. Aber ich würde nicht auf seiner Verkaufsseite dann schreiben, wie schäbbig und von minderer Qualität sein Zeug ist.


    Und es könnte tatsächlich auf den Rezi-verfassenden Autor negativ zurückfallen nach dem Motto: der will doch nur die Konkurrenz ausschalten! Das kommt noch hinzu, obwohl ich diese Gefahr als eher geringer einschätze. Auch wenn das jetzt vielleicht blöd kommt, aber bei vielen Autoren hier wusste ich gar nicht, dass sie Autoren sind. Und wenn ich da bei Amazon oder auch hier eine Rezi lese, ist das für mich ein normaler Leser, der einfach sich äußert.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • Zitat

    Original von rienchen
    Am besten keine Kinder bekommen, wenn man mit Sorge und Angriffen nicht umgehen kann. Das gehört nun mal auch dazu, deswegen sind Kinder nicht weniger liebenswert. ;-)


    :anbet



    @ Frettchen: Das ist nicht blöd, das geht mir auch nach vielen Jahren noch ganz genau so. Ich weiß von den wenigsten Eulen hier, ob sie Autoren sind oder nicht. Das ist für mich auch so was von unwichtig. Wenn Autoren hier nicht gerade meine Leserunde begleiten, sind sie für mich einfach nur ganz "normale" Leser.

  • Zitat

    Original von Groupie
    Wenn Autoren hier nicht gerade meine Leserunde begleiten, sind sie für mich einfach nur ganz "normale" Leser.


    Das hoffe ich eigentlich von jedem Autor: dass er vor dem Schreiben erst mal leidenschaftlicher Leser war und es auch immer bleibt! :-) :wave


  • Argh. So langsam geht es mir auf den Geist, diese ewige "Kritik ist ja so verletzend!" (Ich zitiere jetzt Rosha, aber es gibt genügend andere, die ich zitieren könnte, sie ist also nicht persönlich gemeint)


    Zunächst einmal (es wurde schon oft gesagt, ich wiederhole es einfach noch mal): Kritik meint zunächst einmal nur, etwas zu prüfen. Ganz wertfrei. Diese Prüfung führt entweder zu einem positiven oder negativen Ergebnis. Kritik ist nicht automatisch ein Verriss!


    Zum anderen: Wo bleibt denn da die Streitkultur?! Nichts ist erfrischender zu lesen als eine mehr oder weniger polemische Auseinandersetzung mit Literatur. Schaut euch die Autoren der letzten Jahrhunderte an - da wurde geschimpft, gespottet und mit Verrissen nur so um sich geschmissen. Goethe hat gleich eine ganze Epoche als "krank" bezeichnet (nämlich die ihm nachfolgende Autorengeneration der Romantiker). Ich gebe es offen zu: eine fundierte oder auch eine mit spitzer Feder geschriebene negative Kritik lese ich mit wesentlich mehr Genuss als diese ewige, weichgespülte Lobhudelei, denn über ein "ich liebe dieses Buch, es ist toll, lest es" kann man nicht diskutieren (über "dieses Buch ist scheiße" natürlich genau so wenig), über einen Verriss, so er denn argumentiert, schon. Und eine Polemik hat mich durchaus schon mal dazu gebracht, ein Buch zu lesen. Andere Eulen auch (ich sage nur Kaplan).
    Also meine dringende Bitte: lasst die Streitkultur nicht einschlafen! Die Büchereule ist doch genau dazu da: seine literarischen Lieblinge der (Eulen-)Welt zum Frass vorzuwerfen und mit Leidenschaft zu verteidigen!



    Edit: fehlender Buchstabe

  • Das Kernproblem bei allen Vergleichen ist doch, dass ich beim Metzger oder beim Bäcker zumindest davon ausgehen kann, dass der sein Handwerk gelernt hat, Prüfungen bestanden und Gesellen- und Meisterstücke abgeliefert hat.
    Ich kann also zumindest erwarten, dass er Brötchen backen und Wurst herstellen kann, selbst wenn sie mir nicht schmeckt.


    Ein Buch zu schreiben dagegen glaubt jeder zu können, schließlich hat man ja auch schon viel gelesen. Hm, ich habe auch schon viele Croissants gegessen, aber die, die ich bisher selbst gebacken habe, waren bestenfalls Achtungserfolge. :wow

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Ach ja, zwei Aspekte fallen mir dazu noch ein.


    Erstens ist, zumindest für mich, Literatur nicht etwas was ich konsumiere wie Brötchen oder Wurst, sondern berührt mich tiefer. Natürlich kann man auch von einem Coq au vin hingerissen sein, aber das ist dann doch was anderes, als ein buch, das einen gefangen nimmt, das einen nachdenklich macht, das einen das Leben verschönert. Das sieht man ja auch über die positiven Rezis hier: wer würde sich denn die Mühe machen, so ausführlich über Brötchen, Schuhe oder Motorsensen zu schreiben?
    Die Kehrseite dabei ist, dass einen schlechte Bücher emotional genauso mitnehmen, da kann halt mal ein emotionaler Verriss bei rumkommen. Eben weil Bücher nähergehen als verbrannte Brötchen.


    Das zweite ist, dass es hier doch keinerlei Streitkultur gibt. Ich habe jedenfalls seltenst eine Reaktion auf eine negative Buchbesprechung erhalten, höchstens in die Richtung, dass ich das Buch wohl einfach nicht verstanden hätte oder offenbar den Autor nicht leiden könnte.
    Es wäre mal spannend, wenn Autoren hier ihre Bücher wie eine Doktorarbeit verteidigen würden und nicht schmollend die Klappe halten, wenn eine Besprechung mal nicht so gut ausfällt.

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)