Fragen an Benjamin Monferat

  • Außerdem auf der Verlustliste: Dänemark, Sardinien und Korsika, die Balearen. Aber, hey, Schwund ist überall, und schließlich steht ja drauf auf dem Buch, dass Europa in Dunkelheit versinkt. Da geht's schon los. :-)


    Alles in allem habe ich zwischen dreizehn und siebzehn Monaten, Minusch. Ich habe Anfang 2013 mit dem Schreiben begonnen und habe Ende Januar 2014 zum ersten Mal das Wort "Ende" unter den Text gesetzt. Doch selten ist das Ende in so einem Moment auch wirklich das Ende. Auf Anregung des Textlektorats habe ich mir die letzten zweihundert Seiten noch einmal vorgenommen und zusätzliche bzw. neue Szenen geschrieben. Dann habe ich mir noch einmal intensiv die erhaltenen Originalwagen angesehen, festgestellt, dass es z.B. nicht möglich ist, dass Katharina Nikolajewna Romanowa mit sich bauschenden Röcken durch die Gänge eilt (so schön das Bild gewesen wäre), habe Literatur gewälzt etc.pp. Dann wurde die Hörbuchversion vereinbart, und ich musste die Kürzung durchsehen, dazu der Trailerdreh, die Texte für die Webseite usw.usf. - Das soll jetzt kein Gejammer sein. :-) Es lässt sich nur schwer sagen, wann ich wirklich "fertig" war. Ende Mai konnte ich anfangen, am neuen Jörg Albrecht-Thriller zu arbeiten. Das war der Punkt, an dem ich nach meinem Gefühl "fertig" war (in mehr als einer Beziehung ;-) ). Das wären dann siebzehn Monate.

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Zitat

    Original von Richie
    WOW was für eine tolle Homepage zu dem Buch :anbet


    Ich hatte zwar schon gestern am Abend das Personenregister und die Wagons gesehen, aber so ist das nochmal etwas ganz Besonderes


    Ich stecke ja noch in den Reisevorbereitungen und da ist die Homepage schon sehr hilfreich... :grin


    Im Ernst: die Homepage ist wirklich toll gelungen und es macht Spass dort zu stöbern. Und sogar das Briger Stockalperschloss ist zu sehen - hach, ich bekomme grad furchtbares Heimweh. ;-)

  • Zitat

    Original von Cyriacos
    Alles in allem habe ich zwischen dreizehn und siebzehn Monaten, Minusch. Ich habe Anfang 2013 mit dem Schreiben begonnen und habe Ende Januar 2014 zum ersten Mal das Wort "Ende" unter den Text gesetzt. Doch selten ist das Ende in so einem Moment auch wirklich das Ende. Auf Anregung des Textlektorats habe ich mir die letzten zweihundert Seiten noch einmal vorgenommen und zusätzliche bzw. neue Szenen geschrieben. Dann habe ich mir noch einmal intensiv die erhaltenen Originalwagen angesehen, festgestellt, dass es z.B. nicht möglich ist, dass Katharina Nikolajewna Romanowa mit sich bauschenden Röcken durch die Gänge eilt (so schön das Bild gewesen wäre), habe Literatur gewälzt etc.pp. Dann wurde die Hörbuchversion vereinbart, und ich musste die Kürzung durchsehen, dazu der Trailerdreh, die Texte für die Webseite usw.usf. - Das soll jetzt kein Gejammer sein. :-) Es lässt sich nur schwer sagen, wann ich wirklich "fertig" war. Ende Mai konnte ich anfangen, am neuen Jörg Albrecht-Thriller zu arbeiten. Das war der Punkt, an dem ich nach meinem Gefühl "fertig" war (in mehr als einer Beziehung ;-) ). Das wären dann siebzehn Monate.


    Danke für die Ausführungen. Und wenn man dann das Buch sieht und in den Händen hält, muss das doch für alles entschädigen. Wobei ich glaube, dass die Entstehungsgeschichte immer ein spannender Prozess ist, nur das Überarbeiten stelle ich mir nicht so prickelnd vor.

  • @ Lumos


    Na ja, vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, daß ich vor Jahren schon Bücher habe drucken lassen. Da bleibt es nicht aus, daß man solche Dinge mehr oder weniger zwangsweise mitlernen muß.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Das sollte gefahrlos möglich sein, Schwarzes Scharf. Ausgenommen natürlich die Leseproben entlang der Route, die aus unterschiedlichen Abschnitten des Buches stammen.


    In der Übersicht der Passagiere sind einige Fahrgäste mit drin, die erst etwas später einsteigen, aber das ist wohl nicht das zentrale Spannungselement. :)

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Zu den Personen schreibe ich etwas im Nachwort. Wobei ... das ist ja ein Nachwort. Liegt in der Natur der Sache, dass man es erst hinterher liest. Irgendwie schade. :-)


    Also: Das sind ja zwei verschiedene Fragen, deshalb möchte ich sie auch einzeln beantworten.


    Warum gerade diese Figuren?


    Mein Gedanke war, die Geschichte einer Zugfahrt zu erzählen, bei der quasi eine ganze Epoche mit an Bord ist. Um diese Epoche zu erfassen, müssen die Reisenden natürlich sorgfältig ausgewählt werden, und sie müssen "Typen" sein. Irgendwo habe ich gelesen, sie seien "Klischees", aber das stimmt so nicht - jetzt einmal davon abgesehen, dass viele Klischees auch irgendwo eine Berechtigung haben. Jedenfalls stehen die wenigsten dieser Figuren ausschließlich für sich selbst, sondern sie weisen über die einzelne Person hinaus. SiCollier hatte das zu Paul Richards schon angemerkt: Seine Gedanken stehen auch für die Haltung, die die Vereinigten Staaten in diesen ersten Jahren des Krieges eingenommen haben.
    Doch das ist eben nur der eine Gedanke. Jede dieser Figuren hat auch ganz eigene Züge; sie sind lebendig. - Das merke ich immer daran, wenn ich von ihnen überrascht werde. Und unsere Reisenden haben mich mehr als einmal überrascht, das könnt ihr mir glauben. :-) Sowas ist ein sehr gutes Zeichen.


    Warum gerade diese Namen?


    Einige der Namen sind gesetzt, weil es sich um historische Personen handelt, bzw. an historische Figuren angeknüpft wird wie z.B. bei den Romanows oder Carol von Carpathien. Bei den fiktiven Figuren war es mir wichtig, dass ihre Namen in die Atmosphäre der Zeit passen - und vielleicht auch ein bisschen den Charakter der Figur wiederspiegeln. "Basil Algernon Fitz-Edwards" spiegelt sehr hübsch, finde ich. :-) Ingolf Helmbrecht klingt schon als Name ein bisschen ... sonderbar. Das passt auch, gerade für jemanden, der sich mit diesen alten Aufzeichnungen beschäftigt. Betty Marshall wäre heute vielleicht kein Name mehr für einen Filmstar, aber in den Goldenen Zwanzigern kann ich mir das sehr gut vorstellen. Die schwierigste Namensfindung hatten wir bei Eva. Ich wollte sie gerne "Eva Gold" nennen, aber dann meinte jemand, das klinge ja nach Eva Braun. Konnte ich zwar nicht nachvollziehen, aber gut. Also Eva Heilmann. Daraufhin dieselbe Quelle: Jetzt klingt es nach Eva Herman. Das ging mir dann doch zu weit. Ah, auch Umashankar Chandra Sharma, dem wir erst später begegnen werden, war nicht ganz einfach. Da musste ich mir erst einmal einlesen, wie indische Namen überhaupt funktionieren.


    Ich weiß, dass das die Frage nicht erschöpfend beantwortet, aber vielleicht werden die Gedanken ein bisschen deutlich. :-)

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Danke für Deine Ausführungen zur Namensfindung, das ist wirklich sehr interessant! Bei manchen Figuren (nicht nur bei Dir) fällt dem Leser ja auf, dass sie "sprechende" Namen haben oder der Name quasi "Programm" ist, aber bei anderen fragt man sich oft, wie der Autor auf den Namen kommt. Und ich muss sagen, "Eva Heilmann" gefällt mir wesentlich besser als "Eva Gold"!


    LG, Bella

  • Danke schön, Cyriacos, für die ausführliche Erklärung. Ich habe weniger nach den Romanows und Carol gefragt, weil da die Namensgebung auf der Hand liegt. Das klingt ja auch nicht mehr echt, wenn die plötzlich andere Namen hätten als sie im Stammbaum auftauchen (wenn also Alexej Borisnowitsch hieße).


    Gerade die Namenswahl von Ingolf und Eva stelle ich mir nicht einfach vor. Als Jüdin benötigt Eva auf jeden Fall einen Zweisilbigen Nachnamen. Gold wäre vielleicht möglich, aber als Farbe erinnert das ja wirklich sehr an eine Nicht-Jüdin. ;-)


    Die Verteilung der Charaktere wird übrigens im Zusammenspiel deutlich. Das Verhalten der Staaten im Krieg kommt ja auch nicht von ungefähr. Da spielt bei den Entscheidungen ja auch eine Menge Kultur und geprägte Denkweise hinein.

  • Es gibt schon auch einsilbige ... Stern, Stein, Ros/Rosch ... aber der Vorname ist ja schon kurz genug. :) Und irgendwie passte der Name. Es ist insgesamt ein sehr heller Name, finde ich. Das passt zu ihr.


    Mit Ingolf hat es schon noch eine eigene Bewandtnis. Der ist nämlich auch hier anzutreffen


    Das Geheimnis des Dorian Grave - Stephan M. Rother (ab 13)


    und hier


    Das Babylon-Virus - Stephan M. Rother


    und hier


    Die Letzte Offenbarung - Stephan Rothner


    und hier


    Der Fluch des Dorian Grave - Stephan M. Rother (ab 13)


    Jenseits der neunzig, aber: Hey :-]

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Zitat

    Original von Cyriacos
    Das sollte gefahrlos möglich sein, Schwarzes Scharf. Ausgenommen natürlich die Leseproben entlang der Route, die aus unterschiedlichen Abschnitten des Buches stammen.


    In der Übersicht der Passagiere sind einige Fahrgäste mit drin, die erst etwas später einsteigen, aber das ist wohl nicht das zentrale Spannungselement. :)


    Super, danke!

  • Thomas Rothers gibt es noch mehr als Stephan Rothers. Und Michael Rothers gibt es glaube ich noch mehr als von den beiden anderen zusammen.


    Eines der Thomas- und eines der Michael-Exemplare sind allerdings meine Brüder. :-)

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Das Thomas-Exemplar hat mich heute übrigens angeschrieben, nachdem es in der U-Bahn eine Dame gesehen hat, die gerade einen meiner Albrecht-Titel las. :-)

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Ich meinte ein Bücher schreibendes Thomas-Exemplar.
    Krupps, Thyssens oder so etwas hab ich da im Hinterkopf...
    Positiv.
    Sinds die Gene? :grin
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Garantiert irgendwie verwandt. :-)


    Auf längerem oder kürzerem Wege scheinen alle Rothers irgendwie aus Schlesien zu stammen. Wo immer ich auch nachfrage. - Allein mit Opa (Otto aus dem Zwischenspiel in Breslau) hatte zehn Geschwister, und alle ganz furchtbar fruchtbar. Wenn man das hochrechnet ...

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)

  • Das ist zwar keine Frage an den Autor, aber hier geht das vermutlich am wenigsten unter. Bei der Suche bin ich auf folgende in diesem Zusammenhang interessante Links gestoßen:


    - < Klick > - die Wikipedia-Seite zur C.I.W.L.
    - < Klick > - die Webseite der „Freunde der Compagnie des Wagons-Lits“
    - < Klick > - Bilder zum Reisen früherer Zeiten.


    Die Eingabe verschiedener Suchkriterien nach CIWL ergibt mehr Ergebnisse, als hier aufzuführen sind. Und - vor allem auch unter Eisenbahngesichtspunkten - mehr, als ich Zeit habe, mir anzusehen. Gerade hatte ich beschlossen, eine Kleinanlage für eine Nebenbahn zu bauen (denn dafür reicht der Platz). Aber wie sollen darauf Wagen der CIWL oder gar der Orient Expreß verkehren??? Es sei denn, die Hauptbahn ist gesperrt und vornehme Züge müssen umgeleitet werden ... :grin


    Und da fällt mir ein, was mir die ganze Zeit so komisch war, aber ich nicht wußte weshalb. In der Ausgabe 1/2014 der (neuen) Zeitschrift „Eisenbahn-Romantik“ gab es einen Artikel mit dem Titel ... „Der Venice-Simplon-Orientexpress Venedig — Paris — London“.
    Hier als PDF das Inhaltsverzeichnis und Vorwort.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

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  • Die Ausgabe ist übrigens auch vollständig zu empfehlen. :-)


    Vielen Dank, lieber SiCollier für diese Links. Mit den ersten beiden habe ich auch gearbeitet, bzw. waren etliche Sachen, die ich wissen musste, so speziell, dass sie sich faktisch nur in Foren oder sogar direkt vor Ort recherchieren ließen.


    Ein Gefühl, wie sich das Reisen angefühlt haben muss, geben auch die Seiten des Nostalgie-Express Venice-Simplon-Orient (VSOE) < Klick > , der mehrere liebevoll restaurierte Originalwagen der CIWL aus den 1920er und 1930er wieder auf die Schiene gebracht hat.

    "Ich bin nicht der Meinung, dass jemand, der eine andere Meinung hat als ich, nur deswegen kritisiert werden muss. Er muss dann kritisiert werden, wenn er etwas vertritt, was nicht echt ist." (Helmut Schmidt)