Jutta Maria Herrmann - Hotline

  • Klappentext:
    Keine Polizei - never ever. So lautet die unumstößliche Maxime der Beichthotline. Aber was tun, wenn eine Anruferin ankündigt, ihr neugeborenes Kind lebendig zu vergraben? Ein schlechter Scherz, konstatiert Chris, Initiator der Hotline, als seine Freunde und Kollegen statt einer Kinderleiche eine lebensgroße Puppe auf dem Friedhof ausgraben. Dann meldet sich die mysteriöse Anruferin erneut und verkündet, dies sei erst der Anfang ...



    Rezension:
    Christian „Chris“ Stein, Doktor der Psychologie, hat mit seiner Beicht-Hotline eine innovative und bis dato noch nie dagewesene Geschäftsidee ins Rollen gebracht – eine Hotline, bei der die Menschen anrufen können, um ihre Sünden zu beichten. Sollten die Anrufer nur ungern persönlich bei einem anderen Menschen beichten, steht ihnen alternativ auch ein Band zur Verfügung. Soweit so gut und tatsächlich, die Idee war so neu und einzigartig, dass sogar die Presse groß darüber berichtet hat. Von diesem Zeitpunkt an standen die Leitungen so gut wie nicht mehr still. Doch nach dem Boom wurde es ruhiger. Zwar gelingt es Chris noch, kostendeckend zu arbeiten, aber einen „Verdienst“ in dem Sinne gibt es nicht mehr. Chris zur Seite stehen sein Jugendfreund Richard „Rick“ Winter, Konrad und dessen hochschwangere Freundin Paula. Alle zusammen bilden sie das Grundgerüst der Beicht-Hotline und es gibt nur eine Maxime: Nicht (ver)urteilen und keine Polizei – never ever!!!


    An einem Abend im Frühjahr, der Winter ist noch nicht lange vorbei, hat Rick Dienst an der Beicht-Hotline und erhält einen Anruf, der sein Leben und das seiner Freunde verändern wird. Eine Frau ruft mit unterdrückter Nummer an und kündigt an, ein neugeborenes Kind lebendig auf dem Friedrichshainer Friedhof zu vergraben – dann legt sie auf. Rick ist mehr als erschüttert und da er Chris telefonisch nicht erreichen kann, tut er das, was absolut untersagt ist: Er meldet diesen Vorfall bei der Polizei. Diese teilt ihm jedoch lediglich mit, dass sie nichts tun können, bevor nicht ein Verbrechen verübt wurde und so ist Rick auf sich allein gestellt. Doch dieser Anruf lässt ihm keine Ruhe und so beschließt er, der Sache auf den Grund zu gehen. Ihm zur Seite steht die hochschwangere Paula, die ebenfalls entsetzt über die angekündigte Tat ist, zumal sie selbst die Geburt ihres Kindes kaum erwarten kann, will sie diesem doch eine Kindheit ermöglichen, die sie selbst nie gemacht hat.


    Schlussendlich finden sich beide nachts auf dem Friedhof ein, doch anstelle eines vergrabenen Neugeborenen, finden sie lediglich eine Puppe – ein makabrer Scherz? Diese Hoffnung keimt nur kurz in Rick auf, denn die Frau meldet sich erneut bei ihm und gibt ihm zu verstehen, dass das erst der Anfang war und tatsächlich, nach und nach geschehen immer merkwürdigere Dinge. Der Gesundheitszustand von Ricks Mutter, die seit dem Verschwinden von Ricks Schwester Marie vor sechs Jahren unter schweren Depressionen leidet, verschlechtert sich Zusehens, sodass auch sein Vater sich bald keinen Rat mehr weiß, Konrad und Paula haben beide unterschiedliche Vorstellungen von der gemeinsamen Zukunft und Chris wird von Zukunftssorgen geplagt, denn die Hotline ist sein „Baby“, das er um jeden Preis zum Erfolg führen will. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt, die Anruferin hat Pläne, an deren Ausführung sie nichts und niemand hindern wird, auch nicht die Teammitglieder der Beicht-Hotline, koste es, was es wolle …



    „Ich werde ein neugeborenes Kind vergraben. Lebendig vergraben.“ (S. 20) Der Plot des Buches wurde spannend und authentisch erarbeitet. Gerade mir als Berliner war es eine Freude, den Figuren durch das mir bekannte Berlin zu folgen, denn zu meinem allergrößten Glück spielte das Buch fast durchgängig in den Gegenden, die mir ebenfalls vertraut sind. Auch fand ich die erzählerische Darstellung aus verschiedenen Perspektiven als sehr spannend, denn so erfuhr ich als Leser, was im Team der Beicht-Hotline vor sich ging, wie auch im Kopf der Anruferin und bereits nach einigen Seiten konnte ich erahnen, dass die Frau es alles andere als gut mit ihrer Umgebung meint bzw. mit den Menschen, die ihren Plänen im Weg stehen. Leider war für mich relativ schnell ersichtlich, wie sich die Geschichte auflösen würde und genauso ist es gekommen. An dieser Stelle hätte ich mir gerne noch ein paar falsche Fährten gewünscht, die mich in die Irre geführt hätten. Den Schreibstil an sich empfand ich als sehr spannend und fesselnd zu lesen, gerade die perspektiven Wechsel des Erzählstils haben mir sehr gut gefallen. Die Figuren wurden facettenreich und anschaulich erarbeitet, wobei mein Herz hier eindeutig für die Figur des Rick, der so manches Päckchen mit sich herumzutragen hat, geschlagen hat, denn trotz seiner eigenen Sorten, versteht er es ganz wundervoll, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und er steht seinen Freunden und seiner Familie immer zur Seite. Leider befürchte ich, dass es solch einen (Traum-)Mann wohl doch nur in der Literatur gibt. Ich würde mich jedoch sehr freuen (und gebe meine Hoffnung an dieser Stelle zum Ausdruck) wenn ich Rick nochmals wiederlesen würde.

  • Chris und seine WG-Freunde betreiben eine Beicht-Hotline. Eine Geschäftsidee von Chris, Menschen können hier anrufen und ihre Sünden beichten oder einfach nur reden. Nach anfänglicher Euphorie hat sich die Hotline inzwischen auf einem mittleren bis niedrigen Anrufer-Niveau eingependelt und Chris sucht neue Wege, um sie in die Medien und ins Gespräch zu bringen. Den merkwürdigen Anruf einer Frau, die androht, ihr neugeborenes Kind lebendig zu begraben, tut er als schlechten Scherz ab.


    Rick und Paula jedoch gehen der Sache nach und sind schockiert, als sie auf dem Friedhof tatsächlich ein frisches Kindergrab finden. Glücklicherweise liegt darin keine Leiche, aber eine Puppe. Wer erlaubt sich so einen makabren Scherz? Insbesondere Paula nimmt die Sache sehr mit, denn sie ist selbst hochschwanger. Ihr Freund Konrad und sie machen gerade eine schwierige Zeit durch, denn ganz offensichtlich haben sie sehr unterschiedliche Zukunftsvorstellungen.


    Durch Zwischenkapitel aus Sicht einer geheimnisvollen Frau bekommt der Leser von Anfang an Einblicke in die Psyche der Täterin. Auch ihre Identität ist nicht lange ein Geheimnis, der geübte Krimileser kommt ihr recht schnell auf die Spur. Dennoch bleibt es spannend bis zum Ende, ob das vermutete Motiv wirklich richtig ist und natürlich, ob die Frau mit ihren grausigen Plänen Erfolg haben wird.


    Ein solides Krimi-Debüt, das neugierig auf mehr macht!

  • Ich durfte dieses Buch in einer von der Autorin begleiteten Leserunde lesen, wofür ich mich bei Frau Herrmann, Wolke und dem Verlag auch an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte.


    Stil und Story machten es mir leicht, hineinzukommen und für einige der Hotline-Mitarbeiter Sympathie zu empfinden, und so fieberte ich mit, als es sowohl durch den Anruf einer geheimnisvollen Dame als auch durch private Probleme recht turbulent wurde.
    Allerdings musste ich ganz schön aufpassen, denn jede Menge Familien- und Beziehungskonflikte traten alle gleichzeitig auf und dann waren da auch noch verschiedene geborene und ungeborene Babies und eine Babypuppe im Spiel. Einschübe einer im Dunkel bleibenden Person verwirrten den Leser zusätzlich.
    Wie es für einen Psychothriller nicht ungewöhnlich ist, fliesst etliches an Blut.
    Hält man tapfer durch - die wirklich brillant aufgebaute Spannungskurve lässt einem eigentlich auch kaum eine andere Wahl *g* - kommt man zu einem Ende mit logischer Aufklärung aller vorher geschickt verwirrten Fakten.


    Das Buch hat mir gut gefallen und ich vergebe 8 von 10 möglichen Eulenpunkten
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Chris führt mit seinen Freunden Konrad, Rick und Paula eine private Beichthotline. Ihr oberstes Motto: keine Polizei, egal, was gebeichtet wird. Als eines Abends eine Frau anruft und droht, ein Neugeborenes lebendig zu begraben, kommt Rick ins Schwanken und verständigt die Polizei. Die kann nichts tun und so machen sich Rick und die hochschwangere Paula auf eigene Faust auf den Weg zum angekündigten Tatort. Und was sie dort entdecken, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren...


    "Hotline" ist das Debüt von Jutta Maria Herrmann und es wird auch mein einziges Buch der Autorin bleiben. Was hier unter "Psychothriller" vertrieben wird, hat mit dem Genre so viel zu tun wie Küssen mit einer Schwangerschaft.


    Die Story wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Zum Einen folgt man aus der Erzählerperspektive den 4 Freunden und deren Arbeit bei der Hotline. Zum Anderen wird man als Leser direkt angesprochen, so als ob man selbst der Täter sei. Zu Beginn hatte mich das verwirrt, im weiteren Verlauf war das für mich das einzig wirklich Positive.


    Die Geschichte ist überfrachtet mit Klischees, Zufällen und Umständen, die mich abwechselnd wütend gemacht haben und schallend lachend ließen. Beispiele gefällig?


    Alle 4 Freunde haben außergewöhnliche Schicksale selbst erlebt oder in ihrem Familienkreis erleben müssen. So wurde Paula als Vierjährige einfach ausgesetzt, Rick hat seine Schwester durch eine Entführung verloren, Chris kämpft mit einem drogensüchtigen Bruder und Konrad wird zur gleichen Zeit Vater und Bruder, da seine 45-jährige Mutter nochmal schwanger ist. Über die biologische Möglichkeit, dass diese Schwangerschaft zufällig und natürlich ist, möchte ich nicht weiter spekulieren. Denn sie hat für die weitere Geschichte auch keine weitere Bewandnis. Da fragte ich mich zum ersten Mal, wozu man das dann überhaupt einbaut?


    Die einzige übergewichtige Angestellte bei der Hotline wird nur als essend und naschend beschreiben. Sie bekommt kein Wort raus, ohne dass man genau erfährt, was sie nun wieder zu sich nimmt. Ein WG-Mitbewohner ist natürlich in die schwangere Freundin seines Freundes verknallt und das schon, seitdem sie sich zum ersten Mal gesehen haben. Der werdene Vater kommt mit seinem neuen Lebensabschnitt nicht klar und der Initiator der Hotline glaubt jedem Anruf, der kostenfreie Werbung verspricht.


    Auch die Täterin ist das Klischee schlechthin. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das Motiv ist schon so alt und ausgelutscht, dass ich mir das Ende des Buches bereits auf Seite 100 bis 120 zusammenreimen konnte. Inklusive aller vermeintlichen Wendungen und kopflosen Aktionen.


    Viele Details und Klischees, die die Autorin einbaut, werden auch gar nicht weiter beleuchtet. Die Mutter von Konrad ist schwanger? Wird einmal erwähnt und danach nie wieder in den Fokus gerückt. Chris' Bruder ist drogenabhängig, nimmt Koks und Alkohol zu sich. Wie er das finanziert? Vollkommen egal, Hauptsache der Problemfall ist da. Paula wurde ausgesetzt? Wie traurig, aber auch nicht so schlimm, als das man sich diesem Thema nochmal widmen würde.


    !ACHTUNG! Dieser Abschnitt enthält Spoiler. Wer also das Buch noch lesen möchte, sollte einfach überspringen.



    SPOILERENDE!


    Ich kann diesem Roman nichts positives abgewinnen. Ja, der Stil ist sehr leicht zu lesen und so war ich auch zügig durch, bevor das Buch einmal quer durchs Wohnzimmer flog. Ich bin selten wütend bei einer Lektüre, sondern versuche immer, auch etwas positives oder erwähnenswertes zu finden. Doch bei "Hotline" ist es mir einfach nicht möglich, so gern ich auch wollte. Selbst das Ende, so passend es für die gesamte, mehr als verquere Geschichte ist, trieft nur so vor Schmalz und Hollywood.


    Fazit: ich habe selten, wirklich sehr selten ein so schlecht recherchiertes und zeitgleich überfrachtetes Buch gelesen. Weder Thriller, noch spannend oder packend. Vertane Lesezeit!


  • Ich schließe mich dieser Rezension an! :knuddel1


    Die Zwischenkapitel, in denen man nicht wusste, um wen es sich handelt, haben mich etwas verwirrt, aber zum Schluss hat sich alles aufgeklärt.


    Alle Feinheiten haben zum Schluss zusammen gepasst und einen Sinn ergeben.


    Ein bisschen mehr hätte man vielleicht noch auf die Freundschaften eingehen können (z.B. von Rick und Chris) oder auch die Geschichte zwischen Judith und Konrad damals,... andererseits - dann wäre leicht zu viel verraten worden... Also war das ganz gut so.


    Für ein Debüt war der Roman vielleicht noch nicht perfekt, aber auf jeden Fall sehr gut und auch spannend!


    Vergebe auch 8 von 10 Punkten!

  • Jutta Maria Herrmann greift in ihrem Debüt die Idee einer derartigen Hilfe auf. Sie platziert eine Handvoll Mitarbeiter um den Chef und Ideengeber Chris, der hier das große Geld wittert. Seine Beichthotline unterscheidet sich von den gängigen Leitungen dadurch, dass wirklich jedes Geheimnis vertraulich behandelt wird. Niemals würde hinterher die Polizei eingeschaltet werden. Sich dieser Sicherheit bewusst kündigt nun eine Anruferin den Mord an einem Neugeborenen an. Der Mitarbeiter Rick weiß sich nicht anders zu helfen und meldet diesen Vorfall bei der Polizei, worauf er Ärger mit seinem Chef bekommt. Sein Wille, das Verbrechen zu verhindern geht sogar so weit, dass er sich und andere in Gefahr bringt.


    Der Psychothriller spielt ein bisschen mit den Perspektiven. Die meiste Zeit folgt der Leser der Sichtweise der Mitarbeiter von Hotline. Zwischendurch darf er aber auch in die Gedankenwelt der Täterin blicken, die vor allem durch die persönliche Ansprache Verständnis für ihre brutalen Vorgehensweisen wecken will. Nach und nach werden auch die familiären Umstände der Figuren vorgestellt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, indem er beispielsweise mit dem Verlust eines Geschwisters, tiefer Trauer oder Drogenabhängigkeit eines Verwandten zurecht kommen muss. Diese nicht unerheblichen Belastungen hindern die Mitarbeiter aber nicht daran, selber seelische Unterstützung zu geben. Falls ein Anrufer doch mal zu schwer zu behandeln ist, überlegt man auch schonmal, das Telefonat abzuwürgen. Soviel zur Recherche von psychologisch unterstützenden Hotlines. Die Kulisse war in keiner Weise glaubhaft und bot lediglich Raum, eben diese Mordankündigung anzunehmen.


    Die aufgenommenen Handlungen auch im Bereich der familiären Schwierigkeiten werden nicht immer abgeschlossen. Manchmal dienen sie lediglich dazu, für kurze Zeit Verwirrung zu stiften, ohne die Haupthandlung voranzutreiben. Versierte Leser des Genres werden schon vor der Hälfte wissen, wer hinter all den Anrufen und zerknitterten Zetteln steckt. Zu offensichtlich sind hier die plakativen Zeichnungen der Mitwirkenden. Die Grundidee ist nicht schlecht und bietet einiges an Potential für einen spannenden Krimi. Auch gefiel mir die Schilderung der Trauerarbeit, die hier in all ihrer Düsternis herausgearbeitet wurde. Leider erscheint auch vieles ein wenig überladen, was dementsprechend viele Wiederholungen zur Folge hat. Hinzu kommen Zufälle, wo eigentlich eine gewiefte Kombinationsgabe erforderlich gewesen wäre. Aber es ist halt praktischer, wenn eine Haustür bereits zum zweiten Mal offen steht und nicht erst kompliziert das Schloss geöffnet werden muss. In der Häufung hinterließen diese Aktionen einen faden Nachgeschmack, der alles andere als ein Thrill war. Für den flüssigen Schreibstil und der eben angesprochenen Grundidee erhält das Buch drei schwache Punkte.

  • Wenn ich mir die Rezis hier so durchlese, bin ich froh, dass ich mir das Buch nicht gekauft habe. Selbst an den positiven Rezis erkenne ich, dass das Buch nichts für mich wäre. Thriller, wo man sehr schnell erkennt, wie der Hase läuft, finde ich nur noch frustrierend. Ich würde das Buch abbrechen, da bin ich mir sicher.

  • Wer einen hochspannenden Psychothriller sucht, ist mit diesem Buch sicher schlecht beraten, denn eines ist es in meinen Augen nicht: Ein Thriller. Die Spannung ist mau und als Leser kommt man sehr schnell dahinter, wer die Anruferin ist und was sie im Schilde führt.
    Ich habe tatsächlich auch schon Thriller gelesen, bei denen genauso von vornherein klar war, wer was wie verbrochen hat und die sich trotzdem spannend lasen, weil sie voller detailreicher Raffinessen und unerwarteten Wendungen waren. Das habe ich bei diesem Buch arg vermisst. Die Szenerien kratzen nur an der Oberfläche des Geschehens und sind mit Zufällen gespickt, die in beliebig austauschbaren Vorabendserien nicht besser erzählt werden könnten. Da vieles allzu offensichtlich war, blieb meinerseits ein Mitfiebern regelrecht aus.


    Nichtsdestotrotz las sich das Buch ziemlich zügig und es ist keineswegs so, dass es mich gelangweilt hätte (was jedoch häufigeres Augenverdrehen nicht ausschließen muss). Das WG-Leben der Beicht-Hotline-Initiatoren wird anschaulich beschrieben, jeder hat mit anderen Problemen zu kämpfen, die für den Verlauf der Handlung wesentliche und weniger wesentliche Rollen spielen.
    Hier hat mir insbesondere die Umsetzung von Ricks Schicksal gefallen. Der Umgang mit der Situation als solches sowie die darauf beruhende Zerrüttung der Ehe von Ricks Eltern war nachvollziehbar geschildert.


    Insgesamt ist das Buch jedoch mit Zufällen und unterschiedlichen Problembereichen überladen, weshalb bei mir keine große Begeisterung aufkommen will. Weniger ist manchmal mehr.
    Ich kann daher nur 4 von 10 Eulenpunkten vergeben.

  • Ich hatte mich für die Leserunde angemeldet, weil ich den Klappentext von "Hotline" sehr vielversprechend fand, doch leider konnte das Buch dieses Versprechen nicht halten. :-(


    Was für das Buch spricht, ist, dass es in einem lockeren, flüssigen Stil geschrieben ist, der auch gut zu den Protagonisten passt, sodass man das Buch auch flott lesen kann. Die Geschichte an sich hat durchaus Potential, aber leider kam bei mir kaum Spannung auf. Zu gut fügten sich die Dinge ineinander - das war mich doch ein bisschen zuviel Zufall.


    Auch fand ich die Arbeitsweise der Hotline nicht wirklich überzeugend ebenso wie die Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere, das war war mir alles ein bisschen zuviel.
    Außerdem war leider viel zu früh klar, wer hinter den Anrufen steckt.


    Das Ende fand ich dann wieder versöhnlich, weil es nicht nur "happy" ist. Eine Fortsetzung der Geschichte kann ich mir aber nicht vorstellen, für mich ist sie an dieser Stelle zu Ende erzählt.


    Auch wenn mich "Hotline" nicht wirklich überzeugen konnte, würde ich einem weiteren Buch der Autorin sicher nochmal eine Chance geben. Sie schreibt einen gut lesbaren Stil und hat an sich gute Ideen - wenn sie in ihren nächsten Thriller mehr Ecken und Kanten einbaut, damit sich nicht alles zu schnell in Wohlgefallen auflöst, könnte das durchaus ein lesenswertes Buch ergeben! :-)


    Von mir gibt es für "Hotline" 4 Eulenpunkte.


    LG, Bella

  • Auch ich durfte im Rahmen der LR das Buch lesen.
    Chris und seine Freunde Konrad, Rick und Paula betreiben eine Beichthotline. Eines Tages erhält Rick einen seltsamen Anruf, der ihn etwas verstört zurücklässt. Erhandelt seines Erachtens richtig und verständigt die Polizei. Chris hingegen ist darüber erbost, ist es doch oberster Grundsatz der Hotline, über die Geheimnisse und Sorgen der Anrufer zu schweigen. Als sich die Anruferin erneut meldet, gehen Rick und Paula der Sache nach...
    Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Man erhält im Laufe des Buches Einblick in die Geschichten und Schicksale der einzelnen Personen, sowie in das WG-Leben. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven trifft man auch früh Stück für Stück auf die Geschichte der Anruferin.
    Für mich waren die Figuren sehr lebendig gezeichnet und somit greifbar. Auch fand ich die Art wie die Geschichte erzählt wurde sehr ansprechend, das Buch ließ sich sehr flüssig lesen. Ja ok, es gab vielleicht hier und da einen Zufall zuviel, aber mich störte das nicht wirklich.
    Es kristallisierte sich im Laufe der LR die Mörderperson sowie das MOtiv heraus, daher war das Ende nicht sehr überraschend - aber gut! Für mich absolut zum Buch / der Geschichte passend.
    Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.

  • Mir hat die Hotline doch gut gefallen.
    Besonders mochte ich in diesem Fall die Charakterzeichnungen der Hauptprotagonisten, daß eben sozusagen jeder zum Zuge kam und man als Leser jeweils die Hintergründe der Figuren kennenlernen konnte.


    Jeder hatte seine Probleme, die anfangs so nicht zu erahnen waren und letztlich zu einer Art Gesamtgefüge kamen.


    Fall -und Tätermäßig war mir jetzt zwar relativ schnell klar, wer für alles verantworlich ist, das ist in diesem Falle aber jetzt nicht so dramatisch, da mich eben die einzelnen Personen doch interessierten
    Jeder mit seinen Stärken und Schwächen.


    Auch die WG/Hotline "Szene" hat mir persönlich auch gefallen, da ich so etwas mag.



    Vom Spannungssaufbau war es so, daß es sich steiegerte, je mehr man die Charaktere kennenlernt, die Hintergründe begreift, desto rasanter wird es zum Schluß hin.
    Ein zwei Logikfehler waren zwar vorhanden, die mich jetzt aber nicht sonderlich störten, da der Schreibstil einfach gut war und mich ständig im Fluß hielt.
    Vielleicht würde ich es weniger als Psychothriller, denn als Psychokrimi beschreiben (Sofern es das überhaupt gibt, wenn nicht, erfinde ich es jetzt eben :grin )


    Vom Ende her ist es so, daß es eine Fortsetzung geben könnte, aber auch nicht zwingend muß.

  • Zitat

    Original von Johanna


    Ein zwei Logikfehler waren zwar vorhanden ...
    Vom Ende her ist es so, daß es eine Fortsetzung geben könnte, aber auch nicht zwingend muß.


    Magst du mir die Logikfehler, die dir aufgefallen sind, vielleicht nennen. Ich habe alle deine Posts noch mal durchgesehen und nichts Entsprechendes gefunden.

  • Ich habe das Buch auch im Rahmen der LR gelesen und danke nochmals Wolke und dem Verlag für das Buch und der Autorin für die Begleitung der LR.


    Der Klappentext klang für mich sehr interessant und deshalb wollte ich den Psychothriller unbedingt lesen. Er lässt mich allerdings etwas zwiegespalten zurück.


    Positiv fand ich die Idee, eine sog. Beicht-Hotline in den Mittelpunkt der Story zu stellen. Das Buch hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten, die durch die Einschübe bedingt waren, flüssig gelesen. Ab der Hälfte habe ich es nicht mehr aus der Hand gelegt, denn ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht.


    Chris, Rick, Konrad und Paula leben in einer WG und betreiben gemeinsam die Beicht-Hotline. Jeder einzelne von ihnen hat entweder Probleme mit der augenblicklichen Lebenssituation oder es gibt Schwierigkeiten in den Familien. M. E. kein guter Ausgangspunkt, um Hilfesuchenden in ihren Nöten beizustehen. Außerdem wurde z.B. eine flüchtige Bekannte mit ins Büro genommen, um sie in den Job „reinzuschnuppern“ zu lassen. Ich gehe davon aus, daß es so im normalen Leben so nicht funktioniert. Die Anruferin konnte man als Leser schon bald identifizieren, aber leider fehlte den jungen Leuten ein gesundes Misstrauen, deshalb haben sie verschiedene Male unüberlegt und kopflos gehandelt. Daß es nicht nur ein Happy End gab, passte wiederum gut.

    Alles in allem war es mir zu überfrachtet. In dem Fall wäre ein weniger mehr gewesen. Aber es handelt sich um den Debütroman der Autorin, die Grundidee war gut und deshalb würde ich ihr bei einem zweiten Buch auf jeden Fall nochmals eine Chance geben!


    Von mir 5 Eulenpunkte

  • Ich durfte das Buch auch im Rahmen einer Leserunde lesen, vielen lieben Dank nochmal an Wolke und den Verlag - und natürlich an die Autorin, die die Runde prima begleitet hat.


    Die Idee eine Beichthotline aufzuziehen ist mal etwas neues. Meist gehen langweilige Anrufe ein, einsame Menschen die jemanden zu reden brauchen..
    Doch plötzlich geht ein besorgniserregender Anruf bei einem der vier Freunde ein. Eine Frau droht damit, ein Baby auf einem Friedhof zu vergraben.


    2 der Beichthotline Mitarbeiter machen sich auf den Weg zu besagtem Friedhof und dann geht die Spannung erst richtig los.
    Langweilig wurde es mir mit dem Buch nie. Und ab ca. der Hälfte konnte ich das Buch gar nicht mehr zur Seite legen und musst es in einem Rutsch fertig lesen.
    Leider kommt der geübte Krimileser ziemlich schnell auf die Lösung, hier hätte ich mir persönlich noch eine Wendung zum Schluss gewünscht.
    Die Protagonisten sind sehr authentisch, auch wenn es ganz zum Schluss etwas zu viel an Zufall gab..
    Trotzallem hab ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und werde auch bei einem 2. Buch von Frau Herrmann zugreifen

    Wenn du den roten Faden verloren hast, halte nach einem anderem ausschau, vielleicht ist deiner BUNT
    (Das Leben ist (k)ein Ponyhof - Britta Sabbag)

  • Mich hat das Buch gut unterhalten.


    Ich konnte flüssig Lesen und es hat Spaß gemacht mit zu raten was als nächstes passiert. Es war zwar nicht schwer zu erraten was passiert aber die ein oder andere Überraschung gab es.
    Besonders schön fand ich die Figuren, man hat schnell Zugang zu ihnen gefunden und wollte wissen wie es weiter geht.


    Die Idee mit der Beicht-Hotlein finde ich interessant. Würde bestimmt auch im wahren Leben klappen, aber wer weiß was dann ans Tageslicht kommt ;)


    Ich empfehle das Buch weiter, da es sich schnell lesen lässt und unterhält und das ist ja der Sinn.


    Ich gebe 6 Punkte.


    Danke das ich an der Leserunde teilnehmen konnte.

    Das Buch ist wie eine Rose, beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz.


    (Sprichwort aus Persien)


    LG büchervamp :flowers


    Ihr findet mich auch bei Instagram besucht mich mal

  • Chris, Rick, Paula und Konrad betreiben in Berlin eine Beicht-Hotline. Eines Tages erhält Rick den Anruf einer Frau, die ihm ankündigt, ein Baby lebendig begraben zu wollen. Rick ist schockiert und informiert die Polizei, doch diese kann nichts unternehmen. Dann ruft die Frau erneut an und diesmal gehen Rick und Paula selbst der Sache nach. Damit beginnt ein wahrer Alptraum.


    Mein Leseeindruck:


    Dieser Psychothriller hat mich von Anfang an in seinen Bann ziehen können. Von der ersten Seite an ist die Geschichte spannend, und der Spannungsbogen wird im Laufe der Story auch immer weiter angehoben. Ich konnte gut mitraten und -rätseln, was ich bei Krimis und Thrillern immer sehr schätze.


    Der Schreibstil ist leicht und unkompliziert und die Kapitel sind schön kurz gehalten, so dass man das Buch recht flott lesen kann. Da man den Thriller sowieso bald nicht mehr aus der Hand legen mag, ist das Buch dann auch schnell durchgelesen. So jedenfalls war es bei mir.


    Mich konnte dieser Thriller überzeugen! Ich hatte viel Freude an dem Buch und bin nun neugierig auf weitere Bücher der Autorin!

  • Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht genau weiß, was ich von dem Buch halten soll. Ich finde die Idee richtig gut, aber die Umsetzung hat mir nicht gefallen.


    Chris, Rick, Konrad und Paula haben vor einiger Zeit eine tolle Idee gehabt: Eine kostenpflichtige Beichthotline. Anders als bei diesen Hotlines, bei denen man sich seine Probleme von der Seele reden kann, erzählt der Anrufer hier von seinen Sünden. Chris ist derjenige, der die zündende Idee zu diesem Projekt hatte und sein oberster Grundsatz heißt: Egal, was dir der Anrufer erzählt, wir rufen niemals die Polizei. Soweit so gut, aber eines Tages ruft eine Frau an. Sie sagt, sie möchte ein Neugeborenes auf dem Friedhof in der Stadt lebendig begraben. Alles würde nur geschehen, weil Jemand aus dem Team Schuld auf sich geladen hat. Dann wird eine Puppe gefunden, die wie in der Ankündigung der Anruferin vergraben wurde. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn niemand weiß, welches Baby es sein soll und wer überhaupt Schuld auf sich geladen hat.


    Wie ich oben schon sagte, gefiel mir die Idee des Buches total gut, allerdings hätte man etwas mehr daraus machen können. Mir waren einige Szenen zu oberflächlich geschrieben, so dass ich in den Momenten, die die Autorin als Schockmoment gedacht hatte, gar keinen Schreck bekommen habe. Die Spannung wurde durch kurze Kapitel mit abwechselnden Handlungssträngen aufgebaut und auch erhalten. Leider konnte ich auch zu den einzelnen Charakteren keine Beziehung aufbauen. Einige Begebenheiten erschienen mir zu konstruiert und haben zwar Sinn ergeben, allerdings kamen sie aus dem Nichts und waren für mich einfach nur Mittel zum Zweck.


    Ich kann das Buch leider nicht weiter empfehlen, wäre aber durchaus offen dafür, ein weiteres Buch von der Autorin zu lesen, da dieses Buch ihr Erstling war. Vielleicht gefällt mir die Umsetzung ihrer nächsten Idee ja besser.

  • Hotline von Jutta Maria Herrmann (Psychothriller, 2014)


    - kein Psychothriller und der Thriller kam auch erst zum Ende zum Vorschein -


    Inhalt lt. Amazon:


    Keine Polizei - never ever. So lautet die unumstößliche Maxime der Beichthotline. Aber was tun, wenn eine Anruferin ankündigt, ihr neugeborenes Kind lebendig zu vergraben? Ein schlechter Scherz, konstatiert Chris, Initiator der Hotline, als seine Freunde und Kollegen statt einer Kinderleiche eine lebensgroße Puppe auf dem Friedhof ausgraben. Dann meldet sich die mysteriöse Anruferin erneut und verkündet, dies sei erst der Anfang ...


    Eigene Meinung:


    Bei Hotline handelt es sich um den ersten Thriller der Autorin, die mit dem Autor Thomas Nommensen verheiratet ist, von den "Ein dunkler Sommer" stammt.


    Was war ich auf dieses Buch gespannt, es stand ganz oben auf meiner Wunschliste und so freute ich mich tierisch, als ich es endlich hatte und dann auch lesen konnte. Was soll ich sagen? Ich hadere bis jetzt, wo ich am Rezi schreiben bin, wie ich dieses Buch letztendlich bewerten soll, denn soviel sei gesagt, der Klappentext und auch die Idee mit der Beichthotline klangen sowas von interessant und spannend, weil es mal etwas ganz Anderes war.


    Letztendlich muss ich aber sagen, dass es mich, was den Thriller angeht, ziemlich enttäuscht hat, denn der kam erst auf den letzten 80 Seiten zum Durchbruch, von einem Psychothriller mal ganz zu schweigen, denn den gibt es schlichtweg einfach nicht, denn ein Motiv alleine, macht bekanntlich keinen Psychothriller, dazu gehören Puzzlestücke, die sich nach und nach, nach etlichen Irrungen und Wirrungen zu einem Ganzen zusammensetzen und die in die Abgründe der menschlichen Seele vordringen, was hier überhaupt nicht gegeben ist.


    Rein vom Lesen her liest es sich allerdings gut, es ist interessant und sorgt dafür, dass man gerne am Ball bleibt, weil man wissen möchte, was sich dahinter verbirgt, so war es auch kein Wunder, dass ich die 330 Seiten zügig innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe. Die Charaktere haben mir ebenfalls gefallen, so dass die Story an sich schon gelungen ist, nur eben der Thrilleranteil wirklich erst ganz zum Schluss auftaucht, was so gesehen definitiv zu wenig ist, das Bisschen, was davor kommt, kann ich höchstens als leichte Thrillerelemente ansehen.


    Allerdings muss ich auch sagen, dass mir die letzten 80 Seiten dann doch sehr gut gefallen haben, da die Story endlich mal das wurde, was sie vorgab zu sein: ein Thriller und sogar mit richtig viel Spannung, dies ist auch der Grund für meine doch noch bessere Bewertung, als ursprünglich angedacht.


    Das Ende wurde sogar noch anrührend, auch wenn manche Dinge auch hier nicht ganz rund waren, einfach weil mancher Teil untergegangen ist und plötzlich einfach so war, wie es war, obwohl es vorher keine Andeutung dazu gab und ich mir eben genau diese Stellen doch anders gewünscht hätte. Das hätte somit runder ausfallen können. Das Ende ist so gestaltet, so dass ich mir hierzu gut eine Fortsetzung vorstellen könnte.


    Fazit:


    Ein Buch, was mich zwiegespalten zurücklässt: Einerseits mega interessant, andererseits so wenig thrilllastig. Ob des doch noch tollen Endes bin ich hin und hergerissen und schon ein wenig enttäuscht. Trotz allem hierfür:


    Note: 2-/8 von 10 Eulenpunkten