Sabine Weigand: Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Sie ist die Königin des Mittelalters: Eleonore von Aquitanien, bewundert, verleumdet, legendenumwoben.
    1137 heiratet Eleonore, die schönste Frau ihrer Zeit, den König von Frankreich. Doch die Ehe scheitert. Eleonore tut das Unerhörte: sie lässt sich scheiden. Während ihr Name überall in den Schmutz gezogen wird, heiratet sie erneut: Henry Plantagenet, den König von England. Mit ihm regiert sie, steht im Zenit ihrer Macht. Doch wie soll sie handeln, als Henry sie betrügt? Wird sie aus Rache ihre Söhne zur Rebellion anstacheln und alles aufs Spiel setzen – auch ihr eigenes Leben?
    Erfolgsautorin Sabine Weigand lässt Eleonore selbst ihr Leben erzählen, das größer ist als jeder Roman.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)
    Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist promovierte Historikerin und arbeitete als Ausstellungsplanerin für Museen. Historische Originaldokumente sind der Ausgangspunkt vieler ihrer Romane, wie ›Die Markgräfin‹, ›Das Perlenmedaillon‹, ›Die Königsdame‹, ›Die Seelen im Feuer‹ und ›Die silberne Burg‹. In ›Die Tore des Himmels‹ gestaltet sie das Leben der Hl. Elisabeth, in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der deutschen Kaiserin Konstanze. Jetzt wendet sie sich einer ganz Europa prägenden Gestalt zu: ›Ich, Eleonore. Königin zweier Reiche‹.


    Allgemeines
    Erschienen als Hardcover am 20.08.2015 bei FISCHER Krüger, 592 Seiten
    Prolog, drei Hauptteile (Bücher) mit Kapiteleinteilung nach Ort und Zeit, bzw. Erzähler oder Quelle, Nachwort der Autorin mit bibliographischen Tipps
    Zusatzmaterial: Landkarten und Wappen im vorderen und hinteren Einband, erweiterter Familienstammbaum der Eleonore von Aquitanien, Personenverzeichnis, Glossar
    Erzählperspektiven: sowohl Erzählung in der dritten Person als auch Ich-Erzählung
    Handlungsort und -zeit: Rahmenerzählung: auf dem Weg von Kastilien nach Frankreich im Jahr 1200, Rückblickende Erzählung der Protagonistin: verschiedene Orte in Frankreich, England und auf dem Weg ins Heilige Land im Zeitraum von 1130 bis 1199


    Zum Inhalt
    Im Jahr 1200 begibt sich Eleonore /Aliénor von Aquitanien, ehemalige Königin von Frankreich und England, im Alter von 76 Jahren auf die mühsame und gefahrvolle Reise nach Kastilien, um eine ihrer Enkelinnen abzuholen und zu deren Hochzeit mit dem französischen Thronfolger Ludwig zu geleiten. Sie entscheidet sich für Blanca/Blanche, die ihrer Meinung nach der künftigen Aufgabe als Königin Frankreichs am besten gewachsen sein wird. Blanche interessiert sich sehr für ihre legendenumwitterte Großmutter und lässt sich während der langen Reise nach Bordeaux von dieser aus deren langem Leben erzählen.
    So gewinnt Blanche Einblicke in das wechselvolle Leben und die Psyche einer Frau, die Königin zweier Reiche, Mutter und Großmutter mehrerer Könige und Königinnen und eigenverantwortliche Regentin in ihrem Erbland Aquitanien war. Aliénor berichtet mit schonungsloser Ehrlichkeit von ihren beiden gescheiterten Ehen, dem komplizierten und von Rivalitäten bestimmten Familiengefüge, das im Aufstand ihrer Söhne gegen deren dominanten Vater Henry II gipfelte, sie erzählt vom Märtyrertod des Thomas Becket und sie lässt auch den Kreuzzug ins Heilige Land, der ihr den Ruf einer schamlosen Ehebrecherin einbrachte, nicht aus...


    Beurteilung
    Der Roman ist in drei "Bücher" gegliedert, die sich mit der Zeit bis zum Ende der Ehe mit Ludwig VII von Frankreich (1152), bis zum Scheitern der Ehe mit Henry II von England (ca 1173) und mit der Zeit von Aliénors Gefangenschaft bis zum Tod ihre Sohnes Richard I (Löwenherz) (1199) befassen. Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 1200, die Kapitel sind mit den jeweiligen Reisestationen der beiden Frauen betitelt. Teilweise erzählt Aliénor ihrer Enkelin direkt aus ihrem Leben (Ich-Erzählung), es gibt jedoch auch sehr viele Abschnitte, in denen in Rückblenden das Geschehen der thematisierten Ereignisse als Erzählung in der dritten Person präsentiert wird. Dazwischen gibt es Kapitel, die aus der Sicht weiterer Personen (Aliénors Ehemänner und Kinder) geschildert werden oder aus zeitgenössischen Quellen zitiert sind. Diese unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Abschnitte fordert dem Leser einiges an Konzentration ab, hat aber auch den großen Vorteil, durch den Wechsel der Perspektiven ein vieldimensionales Bild der Romanfiguren zu zeichnen, das es erlaubt, sich eine eigene - nicht rein subjektive - Meinung zu bilden.
    Die Romanfiguren sind fast alle historische Persönlichkeiten, deren Leben die Autorin äußerst gründlich recherchiert hat. Im Nachwort gibt sie bibliographische Informationen zu den wichtigsten Biographien und zeitgenössischen Quellen (lateinische Chroniken), die sie zu Rate gezogen hat.
    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist sehr gelungen, besonders beeindruckend ist es, wie authentisch Aliénor dargestellt wird: Sie ist zwar eine ehrgeizige und willensstarke Frau, die sich nicht ins weibliche Rollenbild ihrer Zeit pressen lassen will, aber sie ist ausdrücklich keine "Heldin des 21.Jahrhunderts vor historischer Kulisse", sondern bleibt in vielerlei Hinsicht eine der mittelalterlichen Denkweise und Weltsicht verhaftete Persönlichkeit.
    Der Erzählstil ist anschaulich, manchmal etwas derb und verleitet gerade durch Letzteres oft zum Schmunzeln. Wie schon in ihren Romanen über die Heilige Elisabeth von Thüringen und Konstanze von Sizilien versteht es Sabine Weigand erneut, in einem flüssigen, höchst unterhaltsamen Erzählstil komplexes historisches Wissen nahezu "nebenbei" zu vermitteln. Auch der Leser, der sich mit der Geschichte Englands und Frankreichs, bzw. der Persönlichkeit Aliénors bisher nicht beschäftigt hat, dürfte aufgrund des Zusatzmaterials keine Verständnisprobleme haben. Es wäre allerdings vorteilhaft gewesen, das umfangreiche Personenverzeichnis voranzustellen, statt es im Anhang unterzubringen.


    Fazit
    Ein (weiteres) großartiges Werk einer Autorin, deren Bücher nicht nur Liebhaber anspruchsvoller historischer Romane begeistern können, sondern auch auf der Lektüreliste von Geschichtsstudenten stehen sollten!
    10 Punkte

  • Danke für die schöne und ausführliche Rezension. Jetzt freue ich mich umso mehr auf mein Exemplar, das noch auf dem Postweg ist.
    Gelesen habe ich im Laufe der Jahre viel über Eleonore und ich bin wirklich gespannt darauf, wie Sabine Weigand das Thema umsetzt.


    :wave
    Kalypso

  • Eleonore von Aquitanien erzählt ihr Leben. So kann man dieses Buch wohl überschreiben.


    Wir begleiten Eleonore, die am Ende ihres Lebens ihre Enkeltochter Blanche in Spanien abholt um sie nach Frankreich zu ihrem zukünftigen Mann, dem Kronprinzen, zu bringen.
    Diese Reise bietet den Anlass, dass Eleonore ihrer Enkelin aus ihrem Leben erzählt, auch um mit manchen Vorutrteilen aufzuräumen.


    Da ich mich schön öfter mit Eleonore von Aqutanien beschäftig habe, kannte ich den Großteil des Geschehens schon, trotzdem war es spannend, die Geschichte sozusagen aus Eleonore Sicht zu verfolgen.
    Zusätzlich lässt Sabine Weigand immer wieder kleine Informationen zum Alltagsleben der damaligen Zeit einfliessen. So erfahren wir von falschen Zähnen und von der ersten Garküche, dem Vorläufer heutiger Fast Food Restaurants.


    So war in diesem Buch alt bekanntes und neues Wissen verborgen, verpackt in eine gut geschriebene Rahmenhandlung, die gut und gerne so stattgefunden haben könnte.


    Für mich, wie eigentlich immer, ein wunderbares geschichtliches Buch, in dem ich mich von der ersten Seite an wohlgefühlt habe.

  • Ich habe das Buch im Rahmen der LR gelesen.


    Wir begleiten darin Großmutter Eleonore auf einer Reise von Kastilien nach Paris. Sie hat die Aufgabe übernommen, ihre Enkelin Blanche zu ihrem künftigen Ehemann zu bringen. Während dieser abenteuerlichen Zeit erzählt sie Blanche über ihr Leben als Königin von Frankreich und England an der Seite sowohl von Ludwig als auch Henry, ihren Kindern und den Kämpfen um die Macht innerhalb der Familie.


    Der lebhafte und anschauliche Schreibstil der Autorin gespickt mit kleinen, wissenswerten Details läßt die Seiten nur so dahin fliegen.


    Wie immer ein echtes Leseerlebnis :-]

  • Das Buch über Eleonore von Aquitanien hat mich von der 1. Seite an in seinen Bann gezogen.
    Eleonore erzählt auf einer langen Reise ihre faszinierende Lebensgeschichte.


    Eleonore Königin von Frankreich und England, eine mutige und kluge Frau, ihrer Zeit voraus!
    Sehr gut und hilfreich der Stammbaum am Anfang des Buches und das ausführliche Nachwort.


    Fazit:
    Eine unbedingt lesenswerte Lektüre, nicht nur für Freunde historischer Literatur.
    Sehr informativ und spannend geschrieben! :fingerhoch

  • Darum geht’s:


    Eleonore von Aquitanien ist dazu bestimmt, die Königin von Frankreich zu werden. Doch sie will nicht in der unglücklichen Ehe zu König Ludwig festsitzen, und so nimmt sie ihr Schicksal in die eigenen Hände – und lässt ihre Ehe im Jahr 1152 annulieren. Kurz darauf heiratet sie den künftigen König von England und vergrößert damit ihren Einflussbereich. Im hohen Alter schaut sie zurück auf große Erfolge, schwere Niederlagen und ein ereignisreiches Leben.


    So fand ich’s:


    Eleonore begleitet eine ihrer Enkelinnen auf der Reise zu ihrem Bräutigam und nutzt die Gelegenheit, dem jungen Mädchen aus ihrem bewegten Leben zu erzählen.


    Wir bekommen hautnah die Gefahren und Unannehmlichkeiten dieser langen Fahrt mit und erhalten einen lebendigen Einblick, wie so eine Reise im 12. Jahrhundert üblicher Weise verlaufen ist. Eleonore füllt die vielen Stunden unterwegs mit ihren Rückblicken und Erinnerungen und was sie zu berichten hat, ist so außergewöhnlich, dass es für die Leben mehrerer Personen reichen würde. Als Herrscherin über Aquitanien, Königin von Frankreich und später Königin von England, Mutter einiger Söhne, unter ihnen Richard Löwenherz, war sie eine zentrale Figur ihrer Zeit für ganz Europa.


    Neben den beeindruckenden historischen Fakten und diesem außergewöhnlichen Lebenslauf einer willensstarken Frau schafft es Sabine Weigand wieder mit ihrem erzählerischen Talent, diese Zeit lebendig werden zu lassen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite unterhält das Buch mit Einblicken in die Politik, die auch für Laien nachvollziehbar erklärt wird, mit Personen, die nicht immer sympathisch, aber zutiefst menschlich dargestellt werden und historisch belegten Tatsachen, die sich die Fantasie eines Autors nicht bunter ausdenken könnte.


    So gekonnt erzählt wird Geschichte lebendig und trockene Jahreszahlen und Daten verwandeln sich in eine sehr unterhaltsame und absolut empfehlenswerte Erzählung.


    Von mir gibt's wieder die volle Punktzahl.

  • Das war mein erstes Buch von Sabine Weigand.


    Ich kannte mich nur ein wenig mit Eleonores Leben aus, viel war mir neu, was den Roman besonders spannend gemacht hat. Die Geschichte dreht sich um Eleonore und ihre Enkelin Blanche, die auf dem Weg nach Paris sind, wo Blanche den französischen König heiraten soll. Auf der langen Reise erzählt die alte Königin der Enkelin von ihrem Leben und wir als Leser wissen bald nicht mehr, wo wir uns lieber aufhalten: in der "Gegenwart" im Jahr 1200 oder in den diversen Rückblinden der Königin.


    Die Charaktere sind sehr lebendig gezeichnet und verhindern durch ihre viele Facetten eine klare Gut-Böse-Einteilung. Jeder trifft Entscheidungen, die man mal nachvollziehen, mal kopfschüttelnd hinnehmen muss und es ist nie leicht, eine Seite zu bevorzugen. Eleonore selber merkt dies schon alleine an ihren beiden Ehemännern, den Königen von Frankreich und England, Louis und Henry. Wo erst Liebe im Spiel ist, wächst schon bald Hass, der aber auch wieder in Verständnis oder Mitleid umschlagen kann.
    Durch dieses Hin und Her der Gefühle ist auch Eleonore keine makellose Heldin, was diese aber auch gar nicht sein will. Obwohl ich viele Anknüpfungspunkte zu ihr finden konnte, blieb sie mir stellenweise doch sehr fremd, weil sie trotz ihrer teils sehr ungewöhnlichen Einstellung was ihre eigene Rolle angeht, den ganzen Roman über eine Frau ihrer Zeit bleibt.


    Ich war hin und weg von dem Schreibstil. Ich habe mich direkt wohl gefühlt, die Seiten flogen nur so dahin und auch an das Präsens habe ich mich schnell gewöhnt. Am Ende fand ich es sogar ganz passend, auch wenn es anfangs unegwohnt war.


    Wunderschön waren besonders die vielen historischen Details, die ich noch nicht kannte und die das Lesen sehr authentisch werden ließen. Die ersten Garküchen werden erwähnt, Zahnprothesen, die mit Goldfäden befestigt werden und der Ursprung des Namens des berühmten Geschlechts der Plantagenets wird erklärt. Durch diese Kleinigkeiten konnte ich mich richtig ins 13. Jahrhundert einfühlen und vor allem die Annehmlichkeiten meines eigenen luxuriösen Lebens neu schätzenlernen.


    Das Nachwort war am Ende noch einmal sehr hilfreich, um Fakt von Fiktion zu trennen und etwas mehr über die Hintergründe zu erfahren, die im Roman nicht unterkamen. Besonders toll war der Stammbaum am Anfang, den ich sehr oft aufgeschlagen habe, um mir noch einmal über die Verwandschaftsverhältnisse bewusst zu werden - das war manchmal gar nicht so leicht.



    Fazit
    Wie gesagt, mein erster Roman von Sabine, aber bestimmt nicht mein letzter! Jetzt weiß ich ja, was ich bisher verpasst habe, und werde das mit Sicherheit nachholen!
    10 Punkte

    SuB: 276


    :lesend
    Kaufman/Spooner - Their Fractured Light
    Joe Abercrombie - The Blade Itself

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Schwarzes Schaf ()

  • Sabine Weigand hat mit "Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche" wieder mal ein Buch geschaffen, das mich von Anfang bis Ende begeistert hat. Eleonore scheint eine starke Frau gewesen zu sein, die genau wusste, was sie wollte, allerdings gefangen in ihrer Zeit. Sie setzt eine ganze Kinderschar in die Welt, über die wir ebenfalls viel erfahren. Der Leser bekommt das Alltagsleben gut geschildert, aber auch die kriegerischen Auseinandersetzungen kommen nicht zu kurz. Der Aufbau des Buches ist raffiniert. Eleonore gibt ihre Lebensgeschichte an ihre Enkelin weiter und zwischendurch kommen aber auch die anderen Beteiligten zu Wort.


    Das Buch ist wieder sehr gut recherchiert, wie man am Nachwort erkennen kann. Bei den Beteiligten handelt es sich überwiegend um historisch belegte Personen.


    Zitat

    Original von €nigma
    Wie schon in ihren Romanen über die Heilige Elisabeth von Thüringen und Konstanze von Sizilien versteht es Sabine Weigand erneut, in einem flüssigen, höchst unterhaltsamen Erzählstil komplexes historisches Wissen nahezu "nebenbei" zu vermitteln.


    :write :write :write


    Ich vergebe 10 Punkte für die informative, interessante und lehrreiche Geschichte um eine starke Frau.

  • Nicht mein erstes Buch über Eleonore. Aber die Autorin schafft es hier, auf einzigartige Erzählweise die Geschichte der grossen Königin spannend zu erzählen. Ein sehr schöner Schreibstil tut sein Übriges.

  • Das Buch lies sich sehr flüssig lesen, es war sehr interessant und informativ
    und hat mich darüber hinaus auch sehr gut unterhalten.


    Historische Fakten und geschichtliche Details wurden für mich zu einer
    bewegenden Geschichte über eine starke Frau.


    Von Anfang bis Ende hat die Geschichte mich in ihren Bann gezogen.


    Von mir eine 100% Leseempfehlung und die volle Punktzahl.

  • Als ich mit diesem Buch begann, wusste ich nicht besonders viel über Eleonore von Aquitanien.
    Ich wusste, sie war mindestens zweimal verheiratet und dabei Königin von Frankreich und England, ich wusste sie war die Mutter von Richard Löwenherz und ich wusste, dass sie zu ihrer Zeit berühmt-berüchtigt war.
    Dank Sabine Weigand, bin ich jetzt um einiges schlauer und habe dabei ein paar spannende, interessante und sehr unterhaltsame Lesestunden verbracht. Ein „echter Weigand“, sozusagen, wie man es gewohnt ist. :-)


    Die Methode der rückblendenden Erzählung wird ja häufig in Romanen genutzt, aber selten fand ich sie so gut und sinnvoll in die „jetzige“ Rahmenhandlung eingebettet wie hier. Die zurückgezogen lebende, fast 80-jährige Aliénor, wie sie in der Sprache ihres Herzogtums Aquitanien heißt, macht sich auf den Weg nach Kastilien um dort eine ihrer Enkelinnen abzuholen. Eigentlich ist es sogar so etwas wie eine „Geheimmission“, denn der Ausgang ihrer Reise soll über Krieg oder Frieden zwischen den beiden Reichen entscheiden, deren Königin sie selbst einst war. Zusammen mit dem jungen Mädchen sitzt sie jetzt in der Kutsche, auf dem langen Weg nach Paris. Und nach einigem Geplauder bekommt Aliénor das Bedürfnis, diesem jungen Lämmchen, das in einer ähnlichen Situation ist wie sie in ihrem Alter, zu erzählen wie es damals war. Welchen Lauf ihr Leben nahm, welche Entscheidungen sie traf und warum. Damit wenigstens ein Mensch auf der Welt die Wahrheit hinter all den Gerüchten, Unterstellungen und auch Verklärungen kennt.


    Es war ein wirklich tolles Buch, auch wenn ich am liebsten noch sehr viel mehr hätte lesen wollen. Für mich definitiv auf einer Stufe mit "Die Seelen im Feuer" auch wenn die beiden Bücher so unterschiedlich sind, aber jedes ist auf seine Weise einfach nur großartig! Wo die Seelen sehr düster und bedrückend sind, schäumt dieses Buch stellenweise über vor Freude und Lebenslust. Es macht einfach Spaß. Man sitzt mit Aliénor und Blanche im Chariot und lauscht der alten Königin fasziniert und belustigt, isst ab und an eine Feige und lernt vom Leben selbst. Die Figuren so wie die Erzählung selbst sind lebendig und sehr plastisch geschildert, Kopfkino hat sich bei mir bereits nach wenigen Seiten einstellt.
    Auch wenn mir das ganze Buch gefallen hat, so war mein Lieblingsteil wohl tatsächlich ab dem Zeitpunkt als Henry Plantagenet in ihr Leben trat und damit eine sehr stürmische, um nicht zu sagen unwetterartige Beziehung begann. :lache Was für ein Paar!


    Fazit: Von mir glatte 10 Punkte, ein Kandidat auf das Jahreshighlight und das bereits im Januar. Ein Roman, der sowohl was Figurenzeichnung als auch historische Hintergründe und Erzählkunst angeht auf ganz hohem Niveau spielt und dabei sehr unterhaltsam ist, ja gelegentlich sogar zum Schmunzeln einlädt. Aliénor ist für mich, speziell als lebenskluge und abgebrühte elder stateswoman, eine große Sympathieträgerin der man einfach gerne zuhört.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Ich habe eine Weile gezögert, dieses Buch zu lesen: Zwar hat mich bisher noch kein Buch dieser Autorin enttäuscht, aber ich hatte vor vielen Jahren ein anderes Buch einer ebenfalls geschätzten Autorin über Eleonore gelesen, inhaltsmäßig war mir nur noch die doppelte Königinnenwürde, der Kreuzzug, Löwenherz und die Gefangenschaft sowie meine Bewunderung über Leonores Haltung generell in Erinnerung und, dass mir das Buch ausnehmend gut gefiel.
    Ähnlich erging es mir einmal mit einer anderen sehr guten Romanbiografie zu einer anderen Person, wo mir die zweite Biografie einer ebenfalls geschätzten Autorin leider überhaupt nicht gefiel.
    Aber letztendlich konnte ich natürlich dann doch nicht widerstehen.
    Frau Sabine Weigands Buch hat alles, was ich an einem guten historischen Roman schätze:
    Ein ansprechendes, zum Thema gut passendes Cover,
    einen Stammbaum (den ich vor allem am Anfang oft zu Rate zog!),
    ein Glossar,
    ein informatives Nachwort,
    ein Personenregister, aus dem erfreulicherweise auch noch hervorging, wen es wirklich gab und wer der Fantasie der Autorin entsprang und
    Karten vorn und hinten.
    Hier hätte ich mir allerdings gewünscht, dass es sich nicht beide Male um identische Karten gehandelt sondern man beispielsweise auch noch die Route der Kreuzfahrer zur Verfügung gestellt hätte. Und ja, ein Lesebändchen wäre bei Umfang und Preis ebenfalls schön und hilfreich gewesen.
    Die Idee, die greise Eleonore ihre Lebensgeschichte ihrer noch sehr jungen Enkelin Blanca auf deren Weg zu ihrer Vermählung an den französischen Königshof erzählen zu lassen, wurde beeindruckend, informativ und spannend zugleich umgesetzt.
    Große Geschichte kam ebenso zum Zuge wie Kleinigkeiten. Beispielsweise war mir nicht (oder nicht mehr) bekannt, woher der Name Plantagenet seinen Ursprung nahm.
    Wenn man jemanden zur Lektüre historischer Romane bewegen möchte, könnte dieses Buch ein guter Einstieg sein, da wohl allein schon aus den alten Hollywoodschinken jedem der Name Richard Löwenherz ein Begriff sein sollte, das bereits erwähnte Drum und Dran die Lektüre erleichtert und weil die Autorin eine wirklich interessante, manchmal bissig-humorvolle Eleonore mit menschlichen Vorzügen und Schwächen präsentiert.
    Ein tolles Buch - volle Punktzahl!!
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Ich habe schon einiges über Eleonore gelesen und war deshalb sehr gespannt darauf, wie Frau Weigand das Thema umsetzt. Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt und die Personen wurden schnell in meinem Kopf lebendig. Die Technik mit den Perspektivwechseln lässt die Personen und ihre Handlungen sehr menschlich und natürlich wirken, vor allem, weil die Autorin je nach Perspektive Wortschatz und Sprachstil ändert. Besonders gut gefiel mir das bei Henry.
    Ein tolles Buch und es hat mir eine neue Autorin erschlossen, von der ich sicher mehr lesen werde.
    Volle Punktzahl. :lesend

  • Über das Buch:
    Sie ist die Königin des Mittelalters: Eleonore von Aquitanien, bewundert, verleumdet, legendenumwoben.


    1137 heiratet Eleonore, die schönste Frau ihrer Zeit, den König von Frankreich. Doch die Ehe scheitert. Eleonore tut das Unerhörte: sie lässt sich scheiden. Während ihr Name überall in den Schmutz gezogen wird, heiratet sie erneut: Henry Plantagenet, den König von England. Mit ihm regiert sie, steht im Zenit ihrer Macht. Doch wie soll sie handeln, als Henry sie betrügt? Wird sie aus Rache ihre Söhne zur Rebellion anstacheln und alles aufs Spiel setzen – auch ihr eigenes Leben?


    Erfolgsautorin Sabine Weigand lässt Eleonore selbst ihr Leben erzählen, das größer ist als jeder Roman. (Quelle: http://www.fischerverlage.de)


    Über die Autorin:
    Sabine Weigand wurde 1961 in Nürnberg geboren. Nach dem Studium der Fächer Anglistik, Amerikanistik und Geschichte promovierte sie 1992 in Bayerischer Landesgeschichte an der Universität Bayreuth. Sie arbeitete jahrelang als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungsplanerin im Schwabacher Stadtmuseum und veröffentlichte in dieser Zeit etliche Fachaufsätze und Dokumentationen; u.a. war sie Mitautorin des großen Historischen Stadtlexikons Schwabach.


    Seit 2002 ist sie Autorin beim Krüger- und Fischer Taschenbuch Verlag in Frankfurt a.M. Bisher hat sie fünf historische Romane veröffentlicht: „Die Markgräfin“, „Das Perlenmedaillon“, „Die Königsdame“, „Die Seelen im Feuer“, „Die silberne Burg“. Dazu mehrere Kurzgeschichten in div. Anthologien.


    Sabine Weigand lebt mit ihrem Sohn in der kleinen fränkischen Stadt Schwabach, wo sie den örtlichen Geschichts- und Heimatverein leitet und seit einigen Jahren ein Stadtratsmandat innehat. (Quelle: http://www.sabineweigand.de)


    Meine Meinung:
    Sabine Weigand ist für mich immer ein Garant für gute historische Unterhaltung, sie erzählt Geschichte so lebendig und einfühlsam wie nur wenige Autoren. Deshalb gehört sie für mich zu den Autoren, deren Romane ich regelrecht verschlinge (so es die Zeit denn zulässt). In diesem Roman zeigt die Autorin mal wieder ihr ganzes Können. Viele stoßen sich daran, einen historischen Roman im Präsens zu lesen, aber Sabine Weigand ignoriert dies gänzlich und bleibt ihrer Linie treu. Mich hat es in keinster Weise gestört, denn Eleonore erzählt in diesem Roman ihr Leben selber. Sie, Eleonore, ist die aktiv handelnde Person, man wird sozusagen in das Jahr 1200 hineinkatapultiert.
    Einer der größten Frauengestalten des Mittelalters lauschen zu dürfen ist einzigartig, ein erhabenes und ehrfürchtiges Gefühl befällt den Leser. Aber nicht das es steif zugehen würde; nein, mit einem Augenzwinkern erzählt Eleonore ihre Geschichte. Sie plaudert über ihre Ehe mit Ludwig dem König von Frankreich und erzählt, warum sie später Henry, König von England geheiratet hat. Zehn Kinder hat sie geboren und für viele hätte sie sich ein anderes Leben gewünscht.
    Ihr Leben war nicht immer einfach, es war oft schmerzhaft, sogar sehr schmerzhaft, dennoch hat sie aufgegeben für das zu kämpfen was ihr wichtig war. Dabei hat sie oft das Wohl der Anderen über ihr eigenes gestellt
    Ein sehr lesenswerter Roman über eine beeindruckende Persönlichkeit, die uns die Historikerin Sabine Weigand hier näher bringt. Wer gerne gut recherchierte Romane liest, sollte hier auf alle Fälle zugreifen. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.