Mir geht es nicht gut, weil... (ab 21.02.2016)

  • Liebe Saiya, es tut immer sehr weh, wenn man ein vierbeiniges Familienmitglied gehen lassen muß.


    Noch tut es sehr weh, aber irgendwann werdet ihr zumindest ein wenig Trost in der Tatsache finden, daß sie wenigstens nicht lange leiden mußte. :-(

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Da gebe ich Batcat recht - nichts ist schlimmer, als einem Tier oder Menschen, das/den man liebt, leiden zu sehen - dann lieber schnell und heftig. Man kann sich zwar nicht so gut drauf einstellen, aber für das Tier, dem man ja nicht erklären kann, was los ist, ist es besser...

  • Manchmal wünsche ich mir das bei unheilbar kranken Menschen auch, mich hat schon so mancher in der Klinik angeschaut und gesagt : Schwester,ich kann nicht mehr, lass mich doch endlich sterben..;(

    :gruebel Ein schwieriges Thema. Gerade heute wird ein Fall verhandelt, in dem der Erbe den Arzt seines Vaters verklagt, weil der ihn mit lebensverlängernden Maßnahmen gequält hat. Bin gespannt, was das Gericht entscheidet.


    Andererseits sind auch schon Pfleger verurteilt worden, die selbstherrlich Patienten "erlöst" haben - ist schon eine ziemliche Gratwanderung :gruebel

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Heinrich Mann: Der Untertan

  • :gruebel Ein schwieriges Thema. Gerade heute wird ein Fall verhandelt, in dem der Erbe den Arzt seines Vaters verklagt, weil der ihn mit lebensverlängernden Maßnahmen gequält hat. Bin gespannt, was das Gericht entscheidet.


    Andererseits sind auch schon Pfleger verurteilt worden, die selbstherrlich Patienten "erlöst" haben - ist schon eine ziemliche Gratwanderung :gruebel

    Du hast total recht,schwieriges Thema. Obwohl manche Menschen lebensverlängernde Massnahmen ablehnen, das ist ja auch eindeutig geregelt, quälen sie sich noch ganz schön lange. Ich würde trotzdem niemals jemanden "erlösen", denn ich möchte weder meinen Job verlieren noch in den Knast kommen. Und vielleicht sollten wir auch wirklich Gott nicht ins Handwerk pfuschen. Ich weiss es nicht

  • Aber das tun wir ja schon, indem wir Ihnen ärztliche Hilfe geben und Medikamente etc. Wenn man es streng sieht.

    Ich finde, wenn jemand klären Geistes sagen kann, dass er nicht mehr leben möchte, weil er unheilbar krank ist und irre Schmerzen hat oder nur noch im Bett liegt und nichts mehr machen kann, sollte man demjenigen seinen Wunsch erfüllen dürfen.

    Ich finde es schlimm, dass Menschen mitunter jahrelang im Wachkoma ohne Aussicht aufs Wachwerden vor sich hin vegetieren.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Jeden Tag erlebe ich sowas, letztens wartete eine Angehörige auf dem Flur und hat geweint, ich habe zu ihr gesagt das alles gut wird. Der Papa, 90 Jahre alt, hatte einem Stent zugestimmt, damit er besser Luft bekommt und es ihm in seiner letzten Lebensphase etwas besser geht. Da guckte sie mich an, und sagte zu mir sie hofft irgendwo, das er einfach aus der Narkose nicht mehr wach wird. Ich war geplättet von dieser Offenheit. Der Patient wurde wieder wach, es ging ihm null besser und der nächste Eingriff wurde gleich geplant, ja wir müssen noch dies und können noch das.


    Heute geht es mir selber mies, hab Fieber und mir ist schlecht, dann dürfen wir auch nicht arbeiten wegen Infektionsgefahr. An solchen Tagen denke ich über sowas nach, sonst wird nur gepowert und man macht sich wenig Gedanken:krank

  • Ich könnte den Job nicht machen. Ich würde wohl ständig nur um die armen leidenden Leute heulen oder ich könnte nie abschalten. Ganz schlimm.

    Aber das gleiche wie die Angehörige habe ich bei meinem Opa auch gedacht.


    Gute Besserung!

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Oft sind es eben die Angehörigen die den Menschen nicht gehen lassen. Ich erlebe das auch oft. Die Bewohner möchten gehen, den Angehörigen zu Liebe und auch uns zu Liebe wird immer noch ein wenig gegessen und sie vegetieren im Bett dahin, ist manchmal schwer mit anzusehen. Ich bin dann immer mit Essen anreichen raus, da die Bewohner mir klar zu verstehen gegeben haben, sie wollen nicht mehr. Die Kommunikation fand wie auch immer statt, meistens nonverbal.

  • Meine Oma vegetierte nach einem Schlaganfall nur noch vor sich hin, konnte sich nicht mehr verständlich machen, erkannte keinen mehr etc.


    Mein Opa, der über 50 Jahre glücklich mit ihr verheiratet war, sagte jeden Tag: ich hoffe, der Herrgott holt meine Kathi bald zu sich, damit sie nicht mehr leiden muß.


    Zum Glück wurde er nach ein paar Wochen erhört. Er sagte auch immer, so schlimm das alles auch für ihn ist, sie hätte nie so leiden wollen.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Trotz alldem, ich könnte gar nichts anderes machen, es ist und bleibt mein Traumberuf, es passiert viel Schlimmes aber wenn ein Patient lächelnd die Station verlässt und sich für die guet Betreuung bedankt, dann habe ich für meinen Teil alles richtig gemacht, ich bin eben kein Arzt der die Menschen gesund macht, oder eben nicht. Ich bin und bleibe die Krankenschwester, die sich für das wohl ihrer Patienten auich mal den Arsch aufreisst. Und die meisten sind dankbar für ein nettes Lächeln. Und von diesen neuen Bezeichnungen, die Gesundheits- und Krankenpflegerin halte ich z.B gar nichts, für die älteren Leute ist man Schwester.

    Niemand ruft,"Gesundheits und Krankenpflegerin Dannika, können sie mal bitte kommen ":yikes

    Ich würd mich auch kaputt lachen, melde mich auch am Telefon weiter mit Schwester

  • :gruebel Ein schwieriges Thema. Gerade heute wird ein Fall verhandelt, in dem der Erbe den Arzt seines Vaters verklagt, weil der ihn mit lebensverlängernden Maßnahmen gequält hat. Bin gespannt, was das Gericht entscheidet.


    Andererseits sind auch schon Pfleger verurteilt worden, die selbstherrlich Patienten "erlöst" haben - ist schon eine ziemliche Gratwanderung :gruebel

    Der Arzt kann gar nichts machen, wenn nicht eine Patientenverfügung vorliegt. Da der Vater aber einen gesetzlichen Betreuer hatte (der Sohn wohnte wohl woanders), ist der zuständig. Wenn er nicht sagt, stoppt die Behandlung, wird sich kein Arzt darüber hinwegsetzen dürfen. warum der Anwalt des Sohnes dazu nichts gesagt hat, ist mir ein Rätsel.

    Mein Mann und ich haben uns vor ca. drei Jahren jeweils eine Generalvollmacht (beim Notar) erteilt, incl. Patientenverfügung. Sofern einer verstirbt, tritt der Sohn an die Stelle.


    In unserer Familie sind einige an Krebs - ich muß wirklich sagen - krepiert. Es war kaum auszuhalten und wenn man hier liest, was ihr beruflich oder privat alles mitmacht/mitgemacht habt, bekomme ich ein so schweres Herz. Man sollte Menschen wirklich nicht so furchtbar leiden lassen müssen. Ich sage immer, die größten Drecksäcke sterben ohne Probleme, warum müssen die anderen so leiden, die Zeit ihres Lebens keiner Seele was getan haben. Das ist einfach nicht gerecht.

    Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein... (Albert Einstein)

  • Da hast Du recht und ich bewundere jede Krankenschwester und jeden Pfleger, die sich so aufopfernd um Sterbenskranke kümmern. Das muss man wollen und können.


    Entschuldige Dich nicht fürs „verrecken“, ich weiß, daß es genauso ist.

    Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein... (Albert Einstein)

  • Gehen in Würde - das wäre auch für Menschen wünschenswert.

    Auch wenn man Patientenverfügungen hat, hat man die ja nicht immer an der Hand wenn man als Notfall ins KH kommt. Wenn Angehörige dann noch kämpfen müssen, das sie eingehalten werden, sind das Belastungen für alle.

    Wir sollten wieder weg vom Gesundheit = Profit zu mehr Menschlichkeit.


    Da fällt mir wieder ein - Patientenverfügung, irgendwie wollen wir die immer machen und schieben es immer doch wieder zur Seite. Habt Ihr für Euch eine?

  • Gehen in Würde - das wäre auch für Menschen wünschenswert.

    Auch wenn man Patientenverfügungen hat, hat man die ja nicht immer an der Hand wenn man als Notfall ins KH kommt. Wenn Angehörige dann noch kämpfen müssen, das sie eingehalten werden, sind das Belastungen für alle.

    Wir sollten wieder weg vom Gesundheit = Profit zu mehr Menschlichkeit.


    Da fällt mir wieder ein - Patientenverfügung, irgendwie wollen wir die immer machen und schieben es immer doch wieder zur Seite. Habt Ihr für Euch eine?

    Das unterschreibe ich genau so. :write


    Patientenverfügung? Darüber reden wir schon lange - wir sollten es auch endlich umsetzen.... :rolleyes: Das Thema ist ja wahnsinnig komplex. Ich war mir zum Beispiel gar nicht bewusst, dass auch schon eine Antibiotika-Gabe als lebenserhaltende Massnahme gilt. Das Thema kam bei uns auf, als Papa noch im Pflegeheim war.

  • Ich habe bisher auch keine, noch möchte ich auch keine haben, mit 40 Jahren möchte ich im Moment noch nicht gehen, bin allerdings auch nicht chronisch krank, dann hätte ich wohl eine. Und so hab ich bei einem Infarkt oder Unfall doch noch Chance gerettet zu werden.


    Als meine Mama damals zerfressen vom Krebs im Sterben lag, konnte sie irgendwann nicht mehr schlucken und so habe ich mich schlau gemacht, das man auch Infusionen ablehnen kann, hätte sie eine bekommen, hätte es wohl noch länger gedauert, so wussten wir das sie nur noch max. 3-4 Tage lebt und konnten durchgehende Sterbebegleitung machen. Und das stand nicht in ihrer Patientenverfügung ! Da sie aber nicht mehr sprechen konnte und ich die nächste Angehörige war, wurde das so akzeptiert und gegen den Durst konnte man Mundpflege machen, ich bezweifle allerdings das sie noch Durstgefühle hatte, auch das Gehirn war ja betroffen ;(

  • Klar, Leute, macht eine Patientenverfügung. Sehr wichtig!

    Wenn ein Schwerkranker ins Krankenhaus muß, kann man die immer noch kurzfristig nachreichen. Solange die Ärzte nichts in der Hand haben, wird behandelt. Liegt eine Verfügung dem Arzt vor, wird er auch nicht mehr behandeln, wenn keinerlei Aussicht auf Besserung besteht. Das erklärt er dann auch den Angehörigen.

    Klar, daß ein Antibiotikum eine lebensverlängernde Maßnahme ist - wie Jedes Medikament, was gegeben wird. Außer natürlich Schmerzmittel, denn ein Todkranker soll keine Schmerzen mehr haben müssen.

    Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein... (Albert Einstein)

  • Ich habe bisher auch keine, noch möchte ich auch keine haben, mit 40 Jahren möchte ich im Moment noch nicht gehen, bin allerdings auch nicht chronisch krank, dann hätte ich wohl eine. Und so hab ich bei einem Infarkt oder Unfall doch noch Chance gerettet zu werden.


    Als meine Mama damals zerfressen vom Krebs im Sterben lag, konnte sie irgendwann nicht mehr schlucken und so habe ich mich schlau gemacht, das man auch Infusionen ablehnen kann, hätte sie eine bekommen, hätte es wohl noch länger gedauert, so wussten wir das sie nur noch max. 3-4 Tage lebt und konnten durchgehende Sterbebegleitung machen. Und das stand nicht in ihrer Patientenverfügung ! Da sie aber nicht mehr sprechen konnte und ich die nächste Angehörige war, wurde das so akzeptiert und gegen den Durst konnte man Mundpflege machen, ich bezweifle allerdings das sie noch Durstgefühle hatte, auch das Gehirn war ja betroffen ;(

    Verstehe ich nicht. Denn eine Patientenverfügung soll doch gerade eine Behandlung in solchen Fällen ausschließen. Dafür macht man die ja.

    Vielleicht haben sich auch im Laufe der Zeit die Formulierungen einer Verfügung verfeinert, keine Ahnung.

    Selbst da Du noch so jung bist, hat eine Verfügung ihren Sinn. Stell Dir vor, Du hast einen Unfall, Koma, Hirnschäden, was auch immer. Es kann so viel so schnell passieren, das Alter ist dabei völlig egal. Eine Verfügung ist auch für die Angehörigen einfacher und nimmt viel Last von ihnen, sollte der Ernstfall einmal eintreten.

    Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein... (Albert Einstein)

  • Verstehe ich nicht. Denn eine Patientenverfügung soll doch gerade eine Behandlung in solchen Fällen ausschließen. Dafür macht man die ja.

    Vielleicht haben sich auch im Laufe der Zeit die Formulierungen einer Verfügung verfeinert, keine Ahnung.

    Selbst da Du noch so jung bist, hat eine Verfügung ihren Sinn. Stell Dir vor, Du hast einen Unfall, Koma, Hirnschäden, was auch immer. Es kann so viel so schnell passieren, das Alter ist dabei völlig egal. Eine Verfügung ist auch für die Angehörigen einfacher und nimmt viel Last von ihnen, sollte der Ernstfall einmal eintreten.

    Ja,natürlich hast du Recht, vielleicht ist es Angst, keine Ahnung, denn obwohl oder vielleicht gerade weil ich im Alltag durch meinen Beruf mit Kranken und Sterbenden zu tun habe, bin ich keinesfalls frei von Ängsten !