Fragen an Frankeneulen und Auricheulen

  • Liebe Frankeneulen, liebe Auricheulen,

    ich weiß, ich weiß, ewig war ich nicht in der Eule, und nu komme ich wieder und brauche gleich eure Hilfe :schaem … über die ich mich seeeeehr freuen würde!
    Ich schreibe nämlich gerade etwas über eine Nürnbergerin in Ostfriesland und möchte hier und da ein wenig Sprachverwirrung stiften. Da ich aber weder Fränkin noch Ostfriesin bin, hoffe ich jetzt auf mehrsprachige Eulen:wave

    Bestimmt kommen im Laufe der nächsten Monate noch mehr Fragen, aber ich fange jetzt einfach mal an.


    FRÄNKISCH
    gemütlich =
    Gruß: Ist „Grüß Gott“ richtig?
    typische fränkische Backwaren (Brötchen, Kopenhagener, Krapfen?)

    typische fränkische Gerichte


    Heißt es Schäufala oder Schäuferla?


    Wäre der folgende Dialog richtig?

    „Dann vermute ich, dass ich auch kein Schäuferla bekomme, oder?“, fragte Franzi schelmisch. Sie erkannte sich selbst kaum wieder. Flirtete sie etwa mit dem Mann?

    „Ich kenne nur Nürnberger Rostbratwürste.“

    „Das heißt Broudwoschd, und man bestellt Drei im Weggla“, erklärte Franzi. „Und Schäuferla – na, das ist Schweineschulter mit Kümmel und Biersoße, dazu gibt’s Klöße.“

    „Hmm. Hört sich toll an“, sagte er wenig überzeugt.


    AURICHER PLATT
    gemütlich =
    typische ostfriesische Backwaren (Brötchen, Kopenhagener, Krapfen?)


    „Up’n Schnack“ – wäre das ein guter Name für ein Café? Habt ihr bessere Vorschläge?


    Ich bin sehr gespannt auf eure Übersetzungen!

    Ganz liebe Grüße sendet

    Eure Steffi :monster

    Ship me somewhere's east of Suez,
    where the best is like the worst,
    where there aren't no ten commandments
    an' a man can raise a thirst


    Kipling

  • Huhu Steffi,


    sprachlich kann ich Dir natürlich nicht weiterhelfen, doch will ich Dir doch wenigstens schnell mal schreiben, dass ich mich

    1. freue, von Dir hier zu lesen und

    2. gespannt bin, was aus Deiner Idee wird und

    3. hoffe, dass es zum Buch im Buchhandel wird.


    Auf alle Fälle wünsche ich Dir alles Gute für Deine Schreiberei!

    Viele Grüße von der Leine!

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Liebe Gucci,

    ich freue mich sehr über deine lieben Worte! Und ja, die Franzi wird den Buchhandel erreichen – dauert aber noch, bin ganz am Anfang :write

    Fröhliche Grüße von Steffi

    Ship me somewhere's east of Suez,
    where the best is like the worst,
    where there aren't no ten commandments
    an' a man can raise a thirst


    Kipling

  • Naja, echte Fränkin bin ich ja nicht... aber ich steuer mal meine Meinung bei...


    Als Gruß höre ich des öfteren auch "Servus" oder sogar "Servusla"...

    Backwaren:

    Brötchen ist Weggla oder Semmel.

    Kopenhagener musste ich erst mal googeln, sowas heißt bei unserem Bäcker hier Plunder, oder auch dänischer Plunder. Und Krapfen heißen Krapfen. Meine fränkischen Kollegrn schreiben es gerne auch "Grabfm" :lache:rofl.


    Typisch fränkisches Gebäck sind meiner Meinung nach "Küchle". Das ist auch Schmalzgebäck wie Krapfen. Ansonsten ggf. Bamberger (Bambergerla), das sind Hörnchen ähnlich Croissants, aber immer mit Butter und Milch im Teig.


    Schäuferla ist mir als Schreibweise geläufiger, aber das variiert von Ort zu Ort.

    Wichtig ist, dass der Schulterblatt-Knochen mit dran ist, vielleicht ein Hinweis für deinen Dialog.

    "Show me a girl with her feet planted firmly on the ground and I'll show you a girl who can't put her pants on." (Annik Marchand)

  • Typische Gerichte: Schäuferla/Schäufele, Nürnberger Rostbratwürste, fränkische Bratwürste (mit Kraut und Kartoffelsalat), gebackener Karpfen, Krustenbraten, Saure Zipfel, Kloß mit Soße, Stadtwurst mit Musik (das stiftet bestimmt Verwirrung :lache), Nürnberger Gwerch (Wurstsalat)


    Auf jeden Fall zu verwendende Worte:

    - etzerdla

    - gschmarri

    - fei

    - gwerch (im Sinne von Durcheinander)

    Und ganz wichtig "Allmächd" oder sogar "Allmächdla" :lache:lache:lache (wohl nur in Erlangen)

    "Show me a girl with her feet planted firmly on the ground and I'll show you a girl who can't put her pants on." (Annik Marchand)

  • GRABFM!


    Zimööönchen, das ist schon mal fantastisch ... ich sammle noch Antworten, aber Grabfm und Bambergerla sind auf jeden Fall toll!


    „Das heißt Broudwoschd, und man bestellt Drei imWeggla“, erklärte Franzi. „Und Schäuferla – na, das ist Schweineschulter mit Kümmel und Biersoße, natürlich mit der Schulter noch daran, dazu gibt’s Klöß'.“


    Ship me somewhere's east of Suez,
    where the best is like the worst,
    where there aren't no ten commandments
    an' a man can raise a thirst


    Kipling

  • Allmächd hab ich schon, hihi :-]


    Franzi kostete sofort von der Nusstorte, die tatsächlich ausgezeichnet war. Ganz im Gegensatz zum Ostfriesentee.

    „Allmächd, ist der stark!“

    „Den können Sie ja auch nicht so trinken, es gehören Kluntje hinein.“ Ihren Protest ignorierend, versenkte Lauberg zwei große Zuckerkristalle in ihrem Tee, der so dunkel war, dass er glatt als Kaffee durchgehen konnte. Misstrauisch lugte Franzi in ihre Tasse, in der sich der Zucker bereits schlierenförmig auflöste.

    Ship me somewhere's east of Suez,
    where the best is like the worst,
    where there aren't no ten commandments
    an' a man can raise a thirst


    Kipling

  • Was heißt denn etzerdla und gschmarri? :gruebel Sowas wie Schmarrn? (Das zweite Wort.)

    Edzertla heißt einfach nur "Jetzt", auch gerne als Aufforderung "So, jetzt aber! Packen wir es jetzt endlich an!". Auch manchmal "Soddala, etzerdla!".


    Gschmarri heißt tatsächlich "Schmarrn", aber nicht das Essen sondern im Zusammenhang wie "So ein Schmarrn!" (Geschwätz, Unfug...)

    "Show me a girl with her feet planted firmly on the ground and I'll show you a girl who can't put her pants on." (Annik Marchand)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Zimööönchen ()

  • Lieben Dank, Zimööönchen. Ich hatte auch an "So ein Schmarrn" gedacht …


    Kannst du mir noch verraten, wie man auf Fränkisch "gemütlich" sagt?

    Ship me somewhere's east of Suez,
    where the best is like the worst,
    where there aren't no ten commandments
    an' a man can raise a thirst


    Kipling

  • Einfach unterschreib' :write

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Bei meiner Oma in Würzburg gab es auch öfter Weißwürste. Und das beste Sauerteigbrot mit Kümmel das ich kenne, von einem riesigen Laib, von dem man ein Viertel kaufte. Überhaupt gab es da ganz viel Gebäck mit Kümmel - Brot, Brötchen, Salzstangen, sowas halt. Lecker mit Obatztem (angemachter Camembert).


    Dazu natürlich Frankenweine, besonders lecker als Bocksbeutel :versenk


    Und alle haben sich mit "Grüß Gott" begrüßt ...

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Hallo Steffi,

    da werde ich als Nämbercherin gleich hellhörig - und recht neugierig auf dieses geplante Buch, das verspricht ja einen witzigen Zusammenprall der Kulturen :chen


    Mit Platt kann ich nicht dienen, aber mit Nürnbergerisch als Muttersprache, auch aktiv gesprochen. Ich gehe einfach mal die einzelnen Punkte durch:


    Ich habe jetzt länger überlegt, ob es in Franken ein spezielles Wort für gemütlich gibt, aber mir ist keines eingefallen. Verwenden würde ich einfach die fränkisch gefärbte Vokabel, das klingt dann wie "gmäidli"


    Grüß Gott ist völlig okay, das ist die eher förmliche Begrüßung. Spricht sich "Griss Godd", oder bei sehr maulfaulen Franken "s'Godd". Unter Bekannten/Freunden würde man eher Servus sagen (klingt wie Säärs), oder einfach "Na?" - das Wort beinhaltet eine komplette Begrüßung unter Freunden oder Familienmitgliedern, einschließlich Grußformel und der Frage nach dem Wohlergehen und den letzten Aktivitäten. Ja, Franken sind maulfaul :grin


    Typische Backwaren:

    Brötchen heißen hier Weggla.

    Weitere typische nürnberger/fränkische Backwaren, Zimööönchen hat einige bereits aufgezählt, sind zB:

    Krapfen (Grabfm), und zwar nur und ausschließlich mit Hiffenmark (Hagebuttenkonfitüre), niemals mit Marmelade.

    Ansonsten Bamberger (Hörnchen), und die hier sehr geschätzten Käichla, das sind schmalzgebackene und mit Puderzucker bestäubte Küchlein, die es in zwei verschiedenen Ausführungen gibt, als Kärwakaichla oder Kissla (Kirchweih-Küchlein) in rechteckiger Kissenform, und als runde Gnäikäichla (Knie-Küchlein - die heißen so, weil das runde rohe Teigstück früher über'm Knie ausgeformt wurde, das gibt in der Mitte so eine flache Mulde). Gibt's nahezu bei jedem fränkischen Bäcker.


    Ein weiteres sehr beliebtes Schmalzgebäck sind Feuerspatzen (sprich: Feierschboozn), das sind längliche, unregelmäßig geformte Häufchen, werden ebenfalls mit Puderzucker bestäubt.

    An Kuchen sind typisch fränkisch der Zwetschgenkuchen (Zwedschgerkoung oder Zwedschgerbloudz) oder das Kerschnmännla (im Ofen gebackener Kirschen-Auflauf). Kuchen aus der Napfkuchen-/Gugelhupfform nennt man hier "Schatt", also zB Marmor-Schatt. Und natürlich darf man auch die Nürnberger Lebkuchen (Lebbkoung) nicht vergessen.


    Ganz typische und oft gegessene fränkische Gerichte sind neben dem Schäuferle - in Nürnberg spricht man das mit "ei", nicht mit "äu", klingt also wie Scheiferla - zum Beispiel:

    Stadtwurst mit Musik (Schdaddwoschd mid Musigg): beliebte kleine Vesper in der warmen Jahreszeit. Dazu wird Nürnberger Stadtwurst vom Ring in Scheiben geschnitten und auf einem Teller mit Zwiebeln und Essigsud angerichtet, dazu gibt es Brot. Und frisches Bier oder Radler. Und zwar im Seidla (Bierseidel/Halbliter-Bierkrug). A richtiges fränkisches Mannsbild würde niemals diese 0,33-Fingerhüte anrühren, die es weiter nördlich gibt, das wäre völlig unter aller Würde :lache


    Saure Zipfel/Saure Bratwürste: in Essigsud mit viel Zwiebeln und Gewürzen wie Lorbeer und Wacholder gesottene Bratwürste, wird heiß und frisch aus dem Kessel oder Topf serviert. Dazu Brot.

    Zum Brot isst man auch oft einen Obatzten (Limburger Käse, Butter, Gewürze, Zwiebeln) oder einen G'rupften (wie Obatzter, nur mit Camembert) oder einen Zibalaskees (mit Gewürzen scharf angemachter Quark).

    Fränkische Karpfen (Karbpfm), von September bis April, am liebsten gebacken, beliebtes Gericht vor allem in den Ausflugslokalen rund um Nürnberg, es gibt sogar richtige Karpfen-Wirtschaften, die nur in der Fischsaison geöffnet haben.

    Fränkischen Spargel (großes Anbaugebiet hier rund um Nbg) gibt es von Mitte April bis Johanni (24.06.), auch sehr beliebt und gern gegessen.

    Fränkischer Kartoffelsalat (zu Bratwürsten, panierten Schnitzeln oder Koteletts), der wird hier aus noch heißen Pellkartoffeln gemacht, mit viel Zwiebeln, Essig, Öl und Fleischbrühe - und vor allem ohne Mayonnaise und den ganzen Schnickschnack, der da im Norden mit reinkommt.


    Das wären wohl so die wichtigsten typischen Gerichte. Ich kann die Liste gern noch weiter fortsetzen *androh* :grin

    Sehr hilfreich ist da mein uraltes Nürnberger Kochbuch.

    Falls sich jemand in die fränkische Mundart weiter vertiefen will, kann ich das Nachschlagewerk schlechthin von Herbert Maas empfehlen: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn

    Allerdings muss ich Zimööönchen energischst widersprechen: in Nürnberg gibt es keine Klöße, niemals nie nicht!! Auf den Speisekarten der Gasthäuser mag ja vielleicht "Kloß" stehen, aber in Nürnberg heißt das Gniidler oder Gniidla!:beleidigt:-]


    Für weitere Franken-Fachfragen stehe ich gern zur Verfügung :)

  • Allmächd hab ich schon, hihi :-]


    Franzi kostete sofort von der Nusstorte, die tatsächlich ausgezeichnet war. Ganz im Gegensatz zum Ostfriesentee.

    „Allmächd, ist der stark!“

    „Den können Sie ja auch nicht so trinken, es gehören Kluntje hinein.“ Ihren Protest ignorierend, versenkte Lauberg zwei große Zuckerkristalle in ihrem Tee, der so dunkel war, dass er glatt als Kaffee durchgehen konnte. Misstrauisch lugte Franzi in ihre Tasse, in der sich der Zucker bereits schlierenförmig auflöste.

    Eiwei,

    der Kandis kommt zuerst in die Tasse, damit er knistert, die Ziegenmilch wird mit dem Löffel aufgelegt, nicht gerührt, und der persönliche Löffel bleibt in der Tasse stehen, wenn der Gast nicht mehr nachgeschenkt haben möchte.


    Johann Saathoff tut es


    und so klingt er

  • Allerdings muss ich Zimööönchen energischst widersprechen: in Nürnberg gibt es keine Klöße, niemals nie nicht!! Auf den Speisekarten der Gasthäuser mag ja vielleicht "Kloß" stehen, aber in Nürnberg heißt das Gniidler oder Gniidla!

    Da hast du definitiv Heimvorteil, liebe Bücherdrache!

    Mein Mann hat mich ja auch schon korrigiert, siehe oben. Gniedla verwirrt mich allerdings immer, denn Knödel sind für mich nicht aus Kartoffeln...

    "Show me a girl with her feet planted firmly on the ground and I'll show you a girl who can't put her pants on." (Annik Marchand)