'Die linke Hand der Dunkelheit' - Kapitel 01 - 04

  • Normalerweise bin ich kein Freund von Vorworten, insbesondere bei Sci-Fi-Büchern, weil dort ganz oft furchtbar langatmig auf das Buch eingegangen wird und auch schon mal gespoilert wird. Im Vertrauen darauf, dass Ursula Le Guin mehr Hirn hat, habe ich es gelesen. Und Recht behalten. Die Autorin widmet sich der grundsätzlichen Frage, was Sci-Fi-Romane sind bzw. nicht sind. Hat mir gut gefallen und entspricht auch ziemlich genau meiner Meinung.

    Ansonsten habe ich es aber erst geschafft, Kapitel 1 zu lesen. Der Einstieg gefiel mir aber gut und ich bin voller Hoffnung, aus meinem Leseloch zu kommen.

  • Ich habe gestern spät noch das Vorwort gelesen und sehe das genauso, Rosha. Ich habe aber auch schon ein paar ihrer Reden und Essays zum Thema SciFi und Fantasy gelesen bzw. angehört/-geschaug. Ich wusste als, was mich erwartet (im positiven Sinne).

    Ich mag ihre "freie reflektierende und denkende Einstellung" wirklich gern.


    Der Geschichte widme ich mich dann im Laufe des Nachmittags. Ich bin schon sehr gespannt.


    :lesend

    “I don't believe in the kind of magic in my books. But I do believe something very magical can happen when you read a good book.”

    J. K. Rowling

  • Mir persönlich war das Vorwort etwas zu sperrig. Vom Sinn her finde ich es gut, aber es hat sich doch ein paar mal stark wiederholt.

    Die Verbindung von Wissenschaftskritik und Verteidigung von SF Romanen war in sich sehr konsistent, aber die Hälfte hätte es auch getan. Oder ich muss das Vorwort noch mal konzentrierter lesen und nicht vorm einschlafen.


    Starte jetzt mit dem ersten Kapitel.

  • Das ist ja ein sehr intensives Buch. Und passt super zum Sommerwetter:lache


    Die ersten vier Kapitel haben mich direkt abgeholt auf die düstere, kalte und unfreundliche Welt von Winter. Die Abwechslung von längeren Kapiteln, die die direkte Handlung wiedergeben und kürzeren Einschüben, die die Welt von Gehen erklären finde ich sehr gelungen.


    Sehr beeindruckend finde ich die Idee der Ökumene, zur Vergrößerung eine einzelne Person als Botschafter zu senden, welche ihr gesamtes Leben dazu verwenden kann. Wenn gleichzeitig die Flugdauer zwischen 2 Welten vernachlässigt werden kann. Genau aus diesem Grund finde ich die Erklärung von Genly|Henry AI auch nicht nachvollziehbar, warum es nur um friedliche Expansion und Handel sowie Wissenstransfer gehen soll. Auch die Kommunikation mit der Heimat ohne Zeitverzögerung finde ich suspekt. Da bin ich gespannt, ob das noch wichtig wird.


    Der Umgang mit den Geschlechtern ist natürlich auch spannend. Dadurch, daß der Erzähler "unsere" Sichtweise hat, wurden ja immer auch direkt Vergleiche bzw Klischees bedient, die männlichen oder weiblichen Verhalten zugeschrieben werden. Da werden vermutlich die Zwischenkapitel bzw direkte Dialoge zwischen Ai und Getherianern zu weiteren Aspekten führen.


    Bisher ein wahnsinnig tolles, interessantes Buch, durch die Fülle wunderbar für eine Leserunde geeignet. :)

  • Normalerweise bin ich kein Freund von Vorworten, insbesondere bei Sci-Fi-Büchern, weil dort ganz oft furchtbar langatmig auf das Buch eingegangen wird und auch schon mal gespoilert wird. Im Vertrauen darauf, dass Ursula Le Guin mehr Hirn hat, habe ich es gelesen. Und Recht behalten. Die Autorin widmet sich der grundsätzlichen Frage, was Sci-Fi-Romane sind bzw. nicht sind. Hat mir gut gefallen und entspricht auch ziemlich genau meiner Meinung.

    Ich habe mich schon auf dieses Vorwort gefreut. Ich las vor Kurzem "Freie Geister" von Le Guin und schon da das Vorwort interessant und voller Einblicke.

  • Sehr beeindruckend finde ich die Idee der Ökumene, zur Vergrößerung eine einzelne Person als Botschafter zu senden, welche ihr gesamtes Leben dazu verwenden kann. Wenn gleichzeitig die Flugdauer zwischen 2 Welten vernachlässigt werden kann. Genau aus diesem Grund finde ich die Erklärung von Genly|Henry AI auch nicht nachvollziehbar, warum es nur um friedliche Expansion und Handel sowie Wissenstransfer gehen soll. Auch die Kommunikation mit der Heimat ohne Zeitverzögerung finde ich suspekt. Da bin ich gespannt, ob das noch wichtig wird.


    Der Umgang mit den Geschlechtern ist natürlich auch spannend. Dadurch, daß der Erzähler "unsere" Sichtweise hat, wurden ja immer auch direkt Vergleiche bzw Klischees bedient, die männlichen oder weiblichen Verhalten zugeschrieben werden. Da werden vermutlich die Zwischenkapitel bzw direkte Dialoge zwischen Ai und Getherianern zu weiteren Aspekten führen.

    Die Idee der Ökumene finde ich momentan noch sehr komplex. Auch die Pläne, die die Ökumene mit Winter hat. Ich meine, was hat der Planet zu bieten? Lohnt sich der große Aufwand, der aus der Entfernung resultiert, der fremden Sprache, dem Unwillen der Einheimischen?

    Kennt ihr die anderen Romane des Hain-Zyklus?


    Die Zeitverzögerung macht mich auch noch nachdenklich. Faszinierendes Gerät, mit dem eine Kommunikation ohne Verzögerung möglich ist...

    Wenn ich mich Recht erinnere, sind die Hain Vorreiter in Sachen Technologie und Fortschritt, aber schneller fliegen kann man trotzdem nicht.:gruebel

    Da bleiben für mich noch Fragen offen.


    Ich möchte die eingeschobene Geschichte.

  • Ich habe auch noch nichts von der Autorin gelesen.

    Das Vorwort hat mir sehr gut gefallen, mit dem Roman an sich habe ich noch meine Schwierigkeiten.

    Bisher gefallen mir die eingeschobenen Geschichten am besten.

    Die Technologie der Ökumene, ihre Pläne und Ziele finde ich bisher noch sehr verwirrend.

  • Wie interessant! Mir gefallen die eingeschobenen Geschichten weniger gut. Sie lassen die Bevölkerung von Winter ziemlich naiv und dumm erscheinen.


    Die Ökumene sammelt Informationen und der Kontakt zu einer weniger entwickelten Gesellschaft bietet Chancen als zukünftiger Markt für Technologie.

  • Wie interessant! Mir gefallen die eingeschobenen Geschichten weniger gut. Sie lassen die Bevölkerung von Winter ziemlich naiv und dumm erscheinen.


    Die Ökumene sammelt Informationen und der Kontakt zu einer weniger entwickelten Gesellschaft bietet Chancen als zukünftiger Markt für Technologie.

    1) Ich finde nicht, dass die Bewohner dadurch naiv wirken. Es sind Sagen, entspringen einer anderen Zeit. Wenn ich mir deutsche Sagen durchlese, schließe ich ja auch nicht daraus auf das Verhalten von uns heute. Ähnlich ordne ich Kapitel 2 und 4 ein.


    2) Ist das ein Wissens aus anderen Büchern des Hain Zyklus oder liest du es so aus diesem Teil? So verstehe ich es im ersten Teil auch vordergründig, aber nehme es nicht für die ganze Sache und vermute, da steckt mehr dahinter.


    Clare : Ich habe bisher keine weiteren Romane rund um Hain gelesen. Laut Le Guin kann man ja alle Bücher auch sehr gut alleine und ohne Reihenfolge lesen.

    Das zehnte Jahr habe ich noch hier liegen und wollte es vorab lesen, schaffte es zeitlich aber nicht. Schließe ich aber vermutlich direkt an.

  • Wie interessant! Mir gefallen die eingeschobenen Geschichten weniger gut. Sie lassen die Bevölkerung von Winter ziemlich naiv und dumm erscheinen.


    Die Ökumene sammelt Informationen und der Kontakt zu einer weniger entwickelten Gesellschaft bietet Chancen als zukünftiger Markt für Technologie.

    Ich sehe die eingeschobenen Geschichten eher als Sagen, Überlieferungen, so als säße ein Großvater am Feuer und erzähle seinem Enkel davon. Das mag ich und so möchte ich diese Einschübe gern sehen.


    Ich kenne mich in diesem SiFi- Universum zu wenig aus, aber ich würde dieses Vordringen und Forschen der Ökumene nicht nur als Drang nach neuen Märkten sehen. Der Eindruck, der beim Lesen anderer Bücher von Le Guin entstandene ist, geht auch in Richtung Neugier und Forscherdrang. Gerade die Hain sind zum Beispiel nicht geizig damit, ihre Technologie bereit zu stellen zu nd zu teilen, wenn sie auf verantwortungsbewusste und vertrauenswürdige Kulturen treffen. Vielleicht ist das hier auch so, eine Suche nach dem Fremden, das uns uns selber besser verstehen lehrt.


    Ob das hier bei den Bewohnern der Fall sein wird, weiß ich noch nicht. Sie sind sehr distanziert und auch nicht gerade aufgeschlossen.

  • 2) Ist das ein Wissens aus anderen Büchern des Hain Zyklus oder liest du es so aus diesem Teil? So verstehe ich es im ersten Teil auch vordergründig, aber nehme es nicht für die ganze Sache und vermute, da steckt mehr dahinter.

    Ich habe bisher nur "Freie Geister" der Autorin gelesen und weiß deshalb über Hain nicht Bescheid. Meine Vermutung bezüglich der Ökumene bleibt auf das aktuelle Buch bezogen.

  • Ich kenne mich in diesem SiFi- Universum zu wenig aus, aber ich würde dieses Vordringen und Forschen der Ökumene nicht nur als Drang nach neuen Märkten sehen. Der Eindruck, der beim Lesen anderer Bücher von Le Guin entstandene ist, geht auch in Richtung Neugier und Forscherdrang. Gerade die Hain sind zum Beispiel nicht geizig damit, ihre Technologie bereit zu stellen zu nd zu teilen, wenn sie auf verantwortungsbewusste und vertrauenswürdige Kulturen treffen. Vielleicht ist das hier auch so, eine Suche nach dem Fremden, das uns uns selber besser verstehen lehrt.


    Ob das hier bei den Bewohnern der Fall sein wird, weiß ich noch nicht. Sie sind sehr distanziert und auch nicht gerade aufgeschlossen.

    Deine Interpretation gefällt mir sehr gut und lässt mich beschämt den Kopf einziehen, dass ich grundsätzlich niedere Beweggründe unterstelle. Wahrscheinlich überfällt mich schon der Alterszynismus, demnach einzig Geld und Macht Motor der Menschen sind.

  • Was ich bemerkenswert an der Welt auf Winter finde, ist der Umstand, dass sie ihre Häuser nicht beheizen, sogar ihre Getränke aufklopfen müssen, weil diese zufrieren! Das ist ein besonders anschauliches Detail, mit dem die Autorin auf wunderbare Weise das "show, don't tell" gekonnt ausführt.

  • Besonders eindringlich fand ich die folgenden Worte des Königs:


    "Ich fürchte Lügner, ich fürchte Schwindler, und am meisten fürchte ich die bittere Wahrheit. Und darum regiere ich mein Land gut. Denn einzig die Furcht regiert die Menschen. Sonst nichts."


    Daraus kann man sehr gut ersehen, wie schwierig die Verhältnisse auf diesem Planeten sind bzw. in diesem Land. Progressiv- positiv kann man den Führungsstil wirklich nicht bezeichnen.

  • Der Umgang mit den Geschlechtern ist natürlich auch spannend. Dadurch, daß der Erzähler "unsere" Sichtweise hat, wurden ja immer auch direkt Vergleiche bzw Klischees bedient, die männlichen oder weiblichen Verhalten zugeschrieben werden. Da werden vermutlich die Zwischenkapitel bzw direkte Dialoge zwischen Ai und Getherianern zu weiteren Aspekten führen.

    Ich hatte mir zu dieser Thematik eigentlich etwas mehr erwartet. Bisher wurde das nur so nebensächlich gestreift. Was die Geschlechtslosigkeit für Auswirkungen auf diese Gesellschaft hat, lässt sich bisher noch nicht erkennen. Ich hoffe auf tiefergehende Aspekte im weiteren Verlauf der Geschichte.

  • Ich hatte mir zu dieser Thematik eigentlich etwas mehr erwartet. Bisher wurde das nur so nebensächlich gestreift. Was die Geschlechtslosigkeit für Auswirkungen auf diese Gesellschaft hat, lässt sich bisher noch nicht erkennen. Ich hoffe auf tiefergehende Aspekte im weiteren Verlauf der Geschichte.

    Noch sind wir ganz am Anfang der Geschichte und da der Stil der Autorin nicht gerade der Holzhammer zu sein scheint, kommt bestimmt noch mehr.

    Allerdings fand ich es schon erstaunlich, wie früh hier eine noch immer hochumstrittene Thematik behandelt wird. Das Buch stammt aus dem Jahr 1969.


    Ich wundere mich über Ai, der schon zwei Jahre auf diesem Planeten ist und immer noch völlig in seinen männlich-weiblichen Rollenbildern verhaftet ist, ohne sie (bisher) groß in Frage zu stellen. Auch finde ich es für seine Rolle als Diplomat wenig angebracht, das er immerzu urteilt, alles in Schubladen steckt.

    Eine Haltung interessierter Neugier könnte ich besser verstehen.


    Die "Legenden" Einschübe gefallen mir dagegen sehr gut. Sagen und Legenden verraten viel über ein Volk, seine Ängste und Ideale. Besonders die Geschichte mit den Weissagungen. Natürlich kam mir sofort das Orakel von Delphi in den Sinn mit seinen mehrdeutigen Prophezeiungen.

  • Noch sind wir ganz am Anfang der Geschichte und da der Stil der Autorin nicht gerade der Holzhammer zu sein scheint, kommt bestimmt noch mehr.

    Allerdings fand ich es schon erstaunlich, wie früh hier eine noch immer hochumstrittene Thematik behandelt wird. Das Buch stammt aus dem Jahr 1969.


    Ich wundere mich über Ai, der schon zwei Jahre auf diesem Planeten ist und immer noch völlig in seinen männlich-weiblichen Rollenbildern verhaftet ist, ohne sie (bisher) groß in Frage zu stellen. Auch finde ich es für seine Rolle als Diplomat wenig angebracht, das er immerzu urteilt, alles in Schubladen steckt.

    Eine Haltung interessierter Neugier könnte ich besser verstehen.

    In der Theorie sicherlich. Aber die gesamte Gesellschaft ist ja komplett anders, sich in 2 Jahren die Gedanken umzugewöhnen wird sehr schwer sein. Und er unterteilt ja hauptsächlich in Gedanken. Finde ich daher schon nachvollziehbar.


    Das Alter des Buches finde ich jedoch auch bemerkenswert. Andererseits fällt es natürlich genau in der Zeit mit Vietnam, Friedensbewegung, daher passt 1969 schon genau finde ich .