'Die Erfindung der Flügel' - Teil 4 + 5

  • In diesem Abschnitt passiert so viel - ich konnte/wollte gar keine Notizen machen, da ich ja das Buch hätte beiseite legen müssen. Ich musste einfach rasch weiterlesen.... :schaem


    Dass Mauma wieder auftaucht war so schön. Nur gut, dass sie die Strapazen auf dem Weg überstanden hat - sie ist ja nicht mehr die Jüngste. Doch ihre innere Stärke ist nach wie vor ungebrochen und ich denke, die Sorge um Sky hat ihr die Kraft gegeben, von der Plantage zu fliehen.


    Sarahs Entwicklung mitzuerleben ist wirklich spannend. Ich bin genauso begeistert wie ihr alle, dass sie Israel abgewiesen hat, um sich selber treu zu bleiben. So eine starke Frau. :anbet

    Im Zuge dessen habe ich Lucretia Mott nachgeschlagen, die Sarah wirklich eine gute Freundin und "Lehrerin" war. Ich glaube für Sarah war sie ein Vorbild, eine Vorkämpferin. Ohne sie hätte sie sicher früher aufgegeben.

    Im Gedächtnis ist mir besonders, was sie Sarah über die unerfüllbaren Sehnsüchte sagt:

    Sehnsüchte, die zu nichts führen, sagt sie sinngemäß, sind nicht Gottes Werk, sondern das der Männer.

    Lucretia hat mich auch begeistert. Für diesen Satz hätte ich sie knutschen können. :-]


    Und ihr "Arbeitszimmer" war schon was besonderes. So hat sie sich selber Freiraum geschaffen, was in anderen Haushalten, z.B. bei Israel, undenkbar gewesen wäre.


    A propos Israel: irgendwie bin ich schon enttäuscht von ihm. Clare schreibt zwar, er sei auch "gefangen", was mir einleutet. Dennoch hatte ich mehr Offenheit von ihm erwartet. Ich hätte mich so sehr für Sarah gefreut, wenn sie auch mit Israel die Liebe hätte erleben können.

  • Ich bin nur fertig (gerade geworden), weil ich krank im Bett liege. Ansonsten wäre es wohl auch vor dem nächsten Wochenende nichts geworden.

    Ich hoffe, du bist inzwischen wieder fit. :knuddel1

    Ich fand Handful einfach großartig!

    Und genauso stark wie ihre Mutter.

    Das empfinde ich genauso. Sie haben sich beide nicht brechen lassen - egal, was man ihnen angetan hatte.


    Ich fand aber schon, dass sie anfangs ziemlich viel geplappert hat. Vielleicht ist ihr auch bewusst geworden, dass es wichtig ist hierzu Stillschweigen zu bewahren. Anfangs fand ich sie sehr dümmlich, später hat sich das relativiert.

    Ich hatte das ihrem kindlichen Alter zugeschrieben und sie eigentlich nicht als dümmlich angesehen.

    Ich habe ja Sarah als Anwältin gesehen, aber wenn sie den Sinn ihres Lebens als Predigerin bei den Quäkern zu finden glaubt - irgendwie fällt mir das schwer. Denn außer dem Gleichheitsgrundsatz und den Vorbehalten gegen die Sklaverei meine ich, hätte sie nicht allzu viel gemeinsam mit dieser Glaubensrichtung und deren Anhängern.

    Diesen Wunsch, die Sklaverei abzuschaffen, wuchs schon in sehr jungen Jahren in ihrem Herzen heran. Und je mehr sie gesehen und erlebt hat, umso grösser wurde diese Sehnsucht. Ich denke, dass die Juristerei sie begeisterte, weil sie glaubte, damit für Gerechtigkeit sorgen zu können. Der Wunsch auf Gleichheit für alle - ob Mann oder Frau, ob weiss oder schwarz - war so in ihr verankert und sie sah in der Funktion einer Predigerin die Chance, das zu erreichen, so dass sie "alles andere" in Kauf genommen hat.


    Ungerechtikgeit macht mich zwar auch immer wütend und traurig - aber ich fühle mich da auch oft hilflos. Daher bewundere ich ihren Mut und ihre Kraft, ihr Leben dieser guten Sache in denDienst zu stellen, umso mehr.

  • A propos Israel: irgendwie bin ich schon enttäuscht von ihm. Clare schreibt zwar, er sei auch "gefangen", was mir einleutet. Dennoch hatte ich mehr Offenheit von ihm erwartet. Ich hätte mich so sehr für Sarah gefreut, wenn sie auch mit Israel die Liebe hätte erleben können.

    Das hat mich auch enttäuscht, vor allem für Sarah. Aber die Tendenz, dass er ja eher was für Kinder und Haushalt braucht hat schon durch geschimmert. Hätte Sarah ihm so viel bedeutet wie er ihr, wäre er vielleicht über die Konventionen hinweg gekommen oder hätte seine Einstellung geändert. So war sie zwar interessant für ihn und da seine Frau gestorben war, verfügbar als Ersatz aber nicht mit ihrer Einstellung und Mission.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Das hat mich auch enttäuscht, vor allem für Sarah. Aber die Tendenz, dass er ja eher was für Kinder und Haushalt braucht hat schon durch geschimmert. Hätte Sarah ihm so viel bedeutet wie er ihr, wäre er vielleicht über die Konventionen hinweg gekommen oder hätte seine Einstellung geändert. So war sie zwar interessant für ihn und da seine Frau gestorben war, verfügbar als Ersatz aber nicht mit ihrer Einstellung und Mission.

    Ich hatte schon den Eindruck, dass er wahre Gefühle für Sarah hatte und sie nicht nur als Haushaltshilfe gewollt hätte. Aber er konnte dann doch nicht aus seiner Haut heraus und war somit Sarahs Ambitionen nicht gewachsen. Er hätte ihre Flügel wieder gestutzt - also war es wohl für alle besser so.

  • Sie hat ihm imponiert, aber er dachte, sie würde alles für ihn aufgeben. Umgekehrt wollte er das nicht. Das ist keine Liebe für die es sich lohnt. Das hat Sarah gut erkannt.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Sie hat ihm imponiert, aber er dachte, sie würde alles für ihn aufgeben. Umgekehrt wollte er das nicht. Das ist keine Liebe für die es sich lohnt. Das hat Sarah gut erkannt.

    Da hast du Recht und zum Glück hat Sarah das erkannt und entsprechend gehandelt.

  • Ich hätte es ihr wirklich gegönnt, so ein kleines bisschen privates Glück. Aber er war nicht bereit sich seiner Welt entgegen zu stellen. Gefangen in seiner Welt, ja, aber wenn man es wirklich will, kann man sich lösen, hat Sarah ja auch gemacht. Sie war es ihm nicht wert, und das ist sehr traurig. Vielleicht musste er aber auch an seine Kinder denken, die unter der Verbindung dann gelitten hätten, also wenn Sarah weiter gekämpft hätte. Wer weiß, vielleicht erwartet man einfach zu viel von Männern ;)

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  • Israel hat wohl einfach nicht erkannt, dass es für Sarah mehr gibt, als ein Leben als Hausfrau und Mutter und das konnte er nicht verstehen und nicht akzeptieren.

    Gegönnt hätte ich Sarah ein bisschen privates Glück auch und einen Partner, der sie wirklich versteht und unterstützt.

    Das wäre Israel auf keinen Fall geworden

  • Ich bin fest überzeugt, dass er sie wirklich liebt. Aber auch er ist gefangen in dem, was er sein Leben lang als gut und richtig betrachtet hat.

    Ich glaube ja, dass er es sich noch überlegen wird, einfach weil seine Liebe so groß ist, dass er ihren Wunsch nach Eigenständigkeit und Beruf zu akzeptieren bereit ist. Mal sehen...

    Er ist halt ein Quäker durch und durch. Das ist eine sehr starke Gemeinschaft mit sehr strengen Regeln - vor allem auch für Frauen. Eigentlich wäre das ja vom Regen in die Traufe für Sarah.

  • Über die Quäker wusste ich bisher gar nichts. Ich habe sie bisher immer mit Juden in Zusammenhang gebracht, aber vermutlich nur, weil die in Büchern zusammen vorkamen.

    Es gibt da einen älteren amerikanischen Film mit Gary Cooper als Quäker. (Den mochte ich immer, weil er wie mein Vater aussah.) Da habe ich die Quäker zum ersten Mal auf dem Radar gehabt.

    Empfehlen kann ich "Die englische Freundin" von Tracy Chevalier. Geht auch um Quäker. Sehr eindringlich.

  • Die Sache mit der Sklaverei ist natürlich ein schwerwiegendes Argument für sie, aber so wie sie anfangs durch die Männer ihrer Familie die Juristerei bevorzugt hat, so scheint sie mir jetzt von Israel und auch von Lucretia Mott beeinflusst.

    Genau so empfinde ich das auch. Frei würde sie dadurch auch nicht. Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel. Ich hoffe, dass sie noch einen anderen Weg findet.

  • Und schon wieder eine großartige Wendung. Ich freue mich sehr, dass Mauma wieder aufgetaucht ist und immer noch so unbeugsam wie zuvor ist

    Es wäre ja auch schade gewesen, wenn diese starke Figur so sang- und klanglos verschwindet. :)

  • Es gibt da einen älteren amerikanischen Film mit Gary Cooper als Quäker. (Den mochte ich immer, weil er wie mein Vater aussah.) Da habe ich die Quäker zum ersten Mal auf dem Radar gehabt.

    Empfehlen kann ich "Die englische Freundin" von Tracy Chevalier. Geht auch um Quäker. Sehr eindringlich.

    Weißt Du noch den Titel des Films? Tracy Chevalier mag ich gerne, das Buch muss ich mir merken, danke.

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