'Gut Greifenau - Morgenröte' - Seiten 406 - 488

  • Der Abschnitt beginnt mit einem denkwürdigen Tag in der Geschichte Deutschlands, den ersten Wahlen nach dem Ersten Weltkrieg. Wenn man sich demgegenüber die Wahlunlust der heutigen Zeit vor Augen hält... Nein, ich möchte keine schlimmen Zeiten erleben, damit die Menschen wieder wissen, weshalb man zu einer Wahl gehen sollte.


    Katharina findet Julius! Endlich - wurde ja auch Zeit. ;-) Ich war mir relativ sicher, daß er überlebt hatte, doch endlich ist das auch sicher. Gesundheit gibt es nur für die, die zahlen können. Aber die Erfahrung, daß alles nur gegen Geld geht, hatte Katharina inzwischen. Sollte bei Julius aber kein Problem sein. Und sie beißt sich weiter durch, als sie ablehnt, mit zu Julius’ Eltern zu ziehen. Da hat Julius Vater anscheinend zu seiner Überraschung eine ebenbürtige Gegnerin gefunden.


    Konstantin macht, wie so viele damals wie heute, die Erfahrung, was eine Beziehung zu einer Bank im Zweifel wert ist: nichts. Ob es so günstig ist, Rebecca so gar nichts von den finanziellen Problemen zu erzählen, wird sich auch noch weisen müssen. Aber schließlich erfährt sie es doch. Wenigstens gibt das keine Katastrophe, so wie die, als sie vor Jahren erfuhr, wer Konstantin wirklich ist.


    Immerhin reist Nikolaus nach Riga ab. Das - der Krieg - ist wohl eher seine Metier.


    Weiter geht es Schlag auf Schlag, Thalmann erkrankt und stirbt, Albert und Ida wollen heiraten. Bei dem „spirituellen Kampf“ zwischen Albert und Wittekind mußte ich mehr als ein Mal grinsen. :grin


    S. 470 steht, daß alles im Jugendstil gehalten war. Gab es diesen Begriff damals eigentlich schon oder wurde der erst später geprägt?


    S. 477: Die Komtess war verschwunden, und eine verantwortungsvolle junge Frau war dem Kokon entschlüpft.

    Tja, da wird Julius einiges zu Knabbern haben, wenn er sie wirklich heiraten will. Nichts mehr mit rumkommandieren, eher gleichwertige Partnerin. Aber, wie zu erwarten, wird auch diese Hürde genommen. Und bei der Hochzeit gibt es sogar so etwas wie eine Entschuldigung von seinem Vater. Ich denke, er wird im Laufe der Jahre noch froh sein, daß Julius so eine selbstbewußte und engagierte Frau an seiner Seite hat. Katharina ist jedenfalls durch eine harte Schule gegangen und hat ihr Standesdünkel völlig verloren. Das wird ihr (und Julius) in der Zukunft sicherlich viel helfen.


    Zum guten Schluß des Abschnitts wird Albert der neue Gutsverwalter auf Greifenau. Welch eine Ironie des Schicksals! Und Alexander weiß auf jeden Fall etwas, ob er sein Wissen eines Tages preis geben wird?

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Ich bin jetzt ca. 100 Seiten vor dem Ende und für die meisten Figuren ist immer noch keine glückliches Ende oder eine Zukunft in Sicht. *seufz*

    Ich leide mit und bin fassungslos, wie vertrackt diese Situation doch die Monate nach Ende der Kampfhandlungen war. Wieviele Menschen noch in den Gemetzeln zwischen den verschiedenen Gruppierungen sterben mussten.

    Wie wird die Autorin das jetzt noch einigermaßen zum Guten wenden? :gruebel

    Vielleicht heißt dieser Teil auch deshalb Morgenröte, weil es vielleicht am Ende nur einen Streifen Hoffnung am Horizont geben wird?

  • Jetzt kommt noch mal das Geschichtswissen hervor. Dieser Abschnitt beginnt mit den ersten Wahlen für alle. Ich musste mir das ganze erst noch einmal anlesen, denn so sattelfest war ich in diesem Zeitabschnitt nicht.


    Katharina ist immer noch in Berlin und sucht bei jeder sich bietenden Gelegenheit weiter nach Julius. Sie klappert alle Krankenhäuser ab und wird dann tatsächlich fündig. In einem der vielen Krankenhäuser, unter den vielen verletzten/gedächtnislosen Soldaten findet sie ihn; egal was der Vater von Julius ihr gesagt hat, sie ruft dort an und sorgt dafür, das die Eltern so schnell wie möglich kommen und für ihren sohn sorgen..


    Konstantin hat es nicht leicht. Die Schulden, die sein Vater hinterlassen haben (auch durch den Kauf dieser Kriegsanleihen) drücken ihm die Kehle zu, die Banken wollen die Rückzahlung erzwingen bzw. erpressen ihn damit, das gut verkaufen zu müssen. Beides ist für Konstantin zu viel. er will das Gut bewirtschaften, er will dort wohnen bleiben, er will einfach nur ein Landwirt sein. Das kann er aber so nicht. Dann kommt auch noch die immerwährende forderung seiner Mutter dazu, ihr Geld zu geben, damit sie das ihren Brüdern zukommen lassen kann, damit diese endlich fliehen können, sie will ihren Lebensstandard aufrecht erhalten, sie will Rebecca nicht in "ihrem" Haus wissen.....


    Nikolaus kann sich auch nicht daran gewöhnen, das er nicht mehr von hinten bis vorne und zurück bedient wird. Er hat, obwohl er im krieg war, nicht verstanden, das sich die Welt verändert hat. Er ist vom Verhaltensmuster seiner Mutter sehr ähnlich. Gut, das sein Freund und Soldaten-Kumpel ihn besucht und mitnimmt nach Riga, Dort kann er wieder Soldat sein.


    Konstantin nötigt mir immer mehr Respekt ab. Obwohl die ganze Angelegenheit ziemlich mies ist, stellt er sich den Gesprächen, auch mit den Pächtern. Diese sind zwar nicht begeistert, haben trotzdem so etwas wie Achtung vor ihm, da er immer mit ihnen gearbeitet hat, da er immer ihre Sorgen und Nöte aufgenommen hat und zumindest versucht hat, daran etwas zu ändern. Während dieses, unerfreulichen Gespräches, ereilt den Gutsverwalter die nächste Welle der spanischen Grippe. Vermutlich hat er schon einige Tage gegen die Anzeichen angekämpft, aber da war dann Ende. Das Konstantin mit anfasst und ihn mehr oder minder alleine, zum Doktor bringt, wird bei einigen Pächtern wieder dafür Sorgen, das sie ihn akzeptieren.


    Ziemlich dämlich finde ich den Geistlichen. Als Albert und Ida dort aufschlagen und ihm mitteilen, das sie heiraten wollen, hat er nichts anderes im Hirn, als sich darüber aufzuregen, das Ida erst seit kurzem verwitwet ist, das sie keine Trauer/Halbtrauer mehr trägt und das die beiden sich von ihm nicht einschüchtern lassen. Dieses blöde Traugespräch war für ihn vermutlich der letzte Anker um seine Stärke zu zeigen, einfach nur absolut dämlich. Er sollte sich sicher sein, das diese Art der Behandlung "nur geliehen" ist. Albert lässt das sicherlich nicht auf sich sitzen...

  • Nun kommt es für die meisten noch einmal knüppeldick. Katharina findet endlich Julius und dank der finanziellen Kraft der Familie geht es mit ihm aufwärts. Katharina hält ihr Wort und gibt weiterhin das Kindermädchen und die Köchin, obwohl sie in die Villa der Urbans ziehen könnte. Dann macht ihr Julius einen Heiratsantrag und schildert das zukünftige Leben seiner Angetrauten so, wie er es sich vorstellt. Katharina ist entsetzt und lehnt dankend ab. Sie will Medizin studieren und kein Hauspüppchen sein. Das kann Julius momentan noch nicht nachvollziehen, denn er ist doch der Mann im Haus.

    Auf dem Gut stellt Konstantin entsetzt fest, dass er das Gut aus eigener Kraft nicht retten kann, auch weil die Banken keine neuen Kredite vergeben. Diese Nachricht muss er nun allen Bewohnern des Gutes beibringen, die umso ahnungsloser sind, je höher sie gestellt sind.

    Die politische Entwicklung ist rasant und als Höhepunkt gibt es freie und gleiche Wahlen auch für Frauen. Es gibt aber auch jede Menge Extremisten, die die Macht mit Gewalt anstreben. Dazu kommt ein Friedensvertrag, der den Keim eines neuen Krieges in sich trägt, aber auch die Deutschen sind im Osten ähnlich verfahren.

    Allein bei Albert scheint es sich zum Guten zu wenden. Ida ist nun frei und gewillt, seine Frau zu werden. Was der Wittekindt da macht ist einfach nur erbärmlich, aber ich verstehe auch nicht, warum Albert nicht an einem anderen Ort heiratet. Aber so gibt es noch einen Machtkampf und meine Sympathie ich einseitig. Jemand muss diesen Pastor bremsen. Albert erfährt auch die Achtung Konstantins, der ihn als Gutsverwalter einsetzt. Wenn Konstantin Glück hat findet er nach dem Verkauf des Gutes eine ähnliche Stelle. Es gibt derzeit viele, deren Träume und Erwartungen bitter enttäuscht wurden.

    :Hörbuch Bernard Cornwell - Der Erzfeind

    :Hörbuch Tanja Kinkel - Manduchai - Die letzte Kriegerkönigin

    :lesend Shari Lapena - Der zehnte Gast

    :lesend Matthias Lisse - Die geteilten Jahre

    :lesend Hakan Nesser - Der Verein der Linkshänder

  • Nun kommt es für die meisten noch einmal knüppeldick. Katharina findet endlich Julius und dank der finanziellen Kraft der Familie geht es mit ihm aufwärts. Katharina hält ihr Wort und gibt weiterhin das Kindermädchen und die Köchin, obwohl sie in die Villa der Urbans ziehen könnte. Dann macht ihr Julius einen Heiratsantrag und schildert das zukünftige Leben seiner Angetrauten so, wie er es sich vorstellt. Katharina ist entsetzt und lehnt dankend ab. Sie will Medizin studieren und kein Hauspüppchen sein. Das kann Julius momentan noch nicht nachvollziehen, denn er ist doch der Mann im Haus.

    Auf dem Gut stellt Konstantin entsetzt fest, dass er das Gut aus eigener Kraft nicht retten kann, auch weil die Banken keine neuen Kredite vergeben. Diese Nachricht muss er nun allen Bewohnern des Gutes beibringen, die umso ahnungsloser sind, je höher sie gestellt sind.

    Die politische Entwicklung ist rasant und als Höhepunkt gibt es freie und gleiche Wahlen auch für Frauen. Es gibt aber auch jede Menge Extremisten, die die Macht mit Gewalt anstreben. Dazu kommt ein Friedensvertrag, der den Keim eines neuen Krieges in sich trägt, aber auch die Deutschen sind im Osten ähnlich verfahren.

    Allein bei Albert scheint es sich zum Guten zu wenden. Ida ist nun frei und gewillt, seine Frau zu werden. Was der Wittekindt da macht ist einfach nur erbärmlich, aber ich verstehe auch nicht, warum Albert nicht an einem anderen Ort heiratet. Aber so gibt es noch einen Machtkampf und meine Sympathie ich einseitig. Jemand muss diesen Pastor bremsen. Albert erfährt auch die Achtung Konstantins, der ihn als Gutsverwalter einsetzt. Wenn Konstantin Glück hat findet er nach dem Verkauf des Gutes eine ähnliche Stelle. Es gibt derzeit viele, deren Träume und Erwartungen bitter enttäuscht wurden.

    :Hörbuch Bernard Cornwell - Der Erzfeind

    :Hörbuch Tanja Kinkel - Manduchai - Die letzte Kriegerkönigin

    :lesend Shari Lapena - Der zehnte Gast

    :lesend Matthias Lisse - Die geteilten Jahre

    :lesend Hakan Nesser - Der Verein der Linkshänder

  • vorab, heute noch Korrekturvorschläge:

    Seite 450, 15. Zeile von oben: "Dann sind es deine Brüder auch deine Familie, und nicht meine."


    Seite 487, Zeile 17/18, "Es ist natürlich alles andere als optimal, weder für mich noch für sie noch für die Pächter hätte ich mir eine solche Lösung gewünscht." Kommata würden den Lesefluss begünstigen. :alter

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Gut, dass Katharina so hartnäckig war und daher tatsächlich Julius zwei Monate nach dem Überfall gefunden und gerettet hat. Schlimm, dass er mangels fehlender Papiere und damit finanz. Mittel, als anonymen Sterbenden abgeschoben wurde. Immerhin ist er irgendwann in ein Krankenhaus gebracht worden/ nicht auf Straße unbeachtet liegen gelassen worden. Im Krankenhaus war in den turbulenten Monaten leider keine Zeit, sich intensiv nach seinem Namen, Adresse zu erkundigen. Warum haben die Eltern aber nicht auch die Krankenhäuser abgeklappert?


    Katharina will zwar Julius heiraten, auch Kinder mit ihm, doch eben auch Medizin studieren und als Ärztin arbeiten. Ihr Antrieb für die Suche war ja auch, ihren Verlobten zu finden, damit er ihr/ Alexanders Studium finanziert, weil sie sonst mittellose Aushilfe bliebe. In dem Arzthaushalt geht es ihr ja wirklich gut, hat Zugang zu Büchern und Zerstreuung durch Pflichten und Kinder. Julius möchte ihr gern das Leben ermöglichen, wovon sie während des Krieges als junge Komtess träumte. Hatte sie durch die Gespräche mit Rebecca Kurscheidt schon den Wunsch verspürt, einen Beruf zu erlernen/ Medizin zu studieren, ist durch Gefangenschaft und ihr Verschwunden vom Gut, der Wunsch selbstständig zu sein und etwas zu bewirken noch größer geworden. Ich kann Julius aber schon verstehen, dass er brüskiert ist, weil sie jetzt so zielstrebig den Beruf voranstellt. Beide sind begütert aufgewachsen, die Erziehung vermittelte, Frau wird erst von den Eltern, dann vom Gatten (v)erzogen. Sie ist das schmückende, nickende, wohltätig wirkende und Haushalt führende Eheweib.


    Konstantin als neuer Gutsherr, sein Gespräch mit den Pächtern und Albert zum Verwalter zu machen, gefällt mir sehr gut. Es wäre schade, wenn er unverschuldet leider nicht die Chance hat, es noch in die Zukunft zu begleiten. Ob Alexander oder Albert oder jemand anderes noch auf den letzten Seite aufklärt, wessen Sohn/ Halbbruder Albert ist?

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Gut, dass Katharina so hartnäckig war und daher tatsächlich Julius zwei Monate nach dem Überfall gefunden und gerettet hat

    Ich kann Julius aber schon verstehen, dass er brüskiert ist, weil sie jetzt so zielstrebig den Beruf voranstellt.

    Katharinas Entwicklung verfolge ich ja mit besonderem Vergnügen. Dass sie so hartnäckig weitersucht finde ich bewundernswert und als es von Erfolg gekrönt wurde, habe ich mich echt gefreut für die beiden. Ich konnte Julius aber nicht verstehen und war erst mal geschockt von seiner chauvinistischen Art. Dass er sich etwas anderes wünscht, okay. Dass er noch ein bisserl am Vorbild seines Vaters und der Mutter hängt, auch okay. Aber wie überheblich er ihr seine Vorstellungen von einer Ehe mitteilt. Puh, da hat er bei mir schon sehr an Ansehen verloren. Ich hätte mir gewünscht, dass er aufgeschlossener und vor allem einfühlsamer gewesen wäre. Wie die meisten Männer damals wollte er über die Frau bestimmen. Weil sie zu doof und schwach sind? Beides ist Katharina ja wohl gar nicht mehr.

  • Konstantin als neuer Gutsherr, sein Gespräch mit den Pächtern und Albert zum Verwalter zu machen, gefällt mir sehr gut. Es wäre schade, wenn er unverschuldet leider nicht die Chance hat, es noch in die Zukunft zu begleiten

    Das Gut gehört zu Konstantin. Ich bin entsetzt, dass er es verlieren soll. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass er beweisen kann, wie viel Gutes man mit Einfluss und so einem Gut machen kann. Auch für die Angestellten, die Pächter und die ganze Gegend.

  • Allein bei Albert scheint es sich zum Guten zu wenden. Ida ist nun frei und gewillt, seine Frau zu werden. Was der Wittekindt da macht ist einfach nur erbärmlich, aber ich verstehe auch nicht, warum Albert nicht an einem anderen Ort heiratet. Aber so gibt es noch einen Machtkampf und meine Sympathie ich einseitig. Jemand muss diesen Pastor bremsen. Albert erfährt auch die Achtung Konstantins, der ihn als Gutsverwalter einsetzt. Wenn Konstantin Glück hat findet er nach dem Verkauf des Gutes eine ähnliche Stelle. Es gibt derzeit viele, deren Träume und Erwartungen bitter enttäuscht wurden.

    Bei Albert läuft es endlich mal alles gut. Ich hätte ja auch bei jemand anderem geheiratet. So ein schönes Ereignis versaut durch diesen widerlichen Pastor.

    Irgendwie fände ich es schön, wenn Konstantin und Albert als Brüder das Gut führen würden. Wunschdenken, ich weiß, aber das darf man ja als Leser.

  • Katharina findet Julius gerade noch rechtzeitig. Wie schön.

    Nach der ersten Freude und der langsamen Genesung wird klar, dass Katharina sich geändert hat und die Beziehung nicht mehr dieselbe ist.

    Sie will studieren, nicht gänzlich von ihrem Mann abhängig sein...…….mal schauen, inwieweit Julius da mit macht. ;-)


    Das Gut ist hochverschuldet, Konstantin am Verzweifeln...……...nur für Albert entwickelt sich momentan alles zum Guten.


    Es bleibt spannend.