'Die Dolmetscherin' - Seiten 186 - 253

  • Charlotte ist mir unsympathisch. Am ende glaubt sie immer das was es ihr am einfachsten macht jegliche eigene Schuld von sich zu weisen. Wobei ich es ja auch interessant war, dass Asta die Passanten fragt, was sie den gegen Hitler und die Unmenschlichkeit getan haben. Und am Ende die Antwort bekommt, die sie selbst auch gibt, wenn es um die Nachbarn geht, die abgeholt wurden.


    Ich will da eigentlich nicht mal urteilen. Ich habe nicht zu diesen Zeiten gelebt. Es ist leicht andere Menschen zu verurteilen, wenn man nicht selber in der selben Situation gesteckt hat.

    Charlotte mag ich auch nicht wirklich. Trotzdem kann ich ihre ein klein wenig nachvollziehen. Mir kommt es so vor, als ob sie sich das alles aus Selbstschutz einredet. :gruebel


    Und mit dem "Urteilen" geht es mir wie dir. Ich würde sehr gerne behaupten, ich wäre anders gewesen. Aber hätte ich die Stärke dazu gehabt, wenn ich damals dabei gewesen wäre? Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, kann ich mir da überhaupt nicht sicher sein.

    Astas Mission ist ja, sich an Göring zu "rächen". Von daher musste sie einen Weg finden, um in seine Nähe zu kommen. Klar ist es mehr als gefährlich, aber ich denke, dass sie keine Ruhe findet, bis sie zur Erreichung ihres Zieles alles getan hat, was in ihren Möglichkeiten stand.

    Ich empfinde Asta genauso. Manchmal könnte ich zwar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie sich wieder Mal weiter in das Spinnennetz hineinmanövriert. Aber sie kann einfach nicht anders und ihr Verhalten passt für mich absolut zu dem Bild, dass der Autor von ihr gezeichnet hat.

  • Hallo, Asta ist im seligen Nordamerika aufgewachsen, wo die Waschbären auf dem Dachboden ein anderes Erlebnis und Problembewusstsein schufen als die Nächte im Bombenkeller und die Brandbomben auf dem Dachboden. Sie ist eine typische amerikanische verwöhnte Göre in der Schlangengrube in der sie ihr Wunsch nach Rache getrieben hat, handelnd in völliger Selbstüberschätzung am Rande des Zusammenbruchs und sich doch mit Zähigkeit durchbeißend.

    Ich glaube, Astas Leben in der USA war kein solches Zuckerschlecken. Ihre Mutter rackert sich mit einem schlecht bezahlten Job ab, um die Familie zu ernähren und Asta ist sich der Arm-reich-Schere sehr bewusst. Vielleicht war ihr Vater Sozialdemokrat oder Kommunist. Einen trifftigen Grund wird es wohl gegeben haben, dass diese Familie Deutschland verlassen hat. Tante Clara wurde vielleicht deshalb gefoltert.

    Inzwischen wünsche ich mir doch mehr Details zu Astas Hintergrund.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Titus Müller: Die Dolmetscherin

  • Ich glaube, Astas Leben in der USA war kein solches Zuckerschlecken. Ihre Mutter rackert sich mit einem schlecht bezahlten Job ab, um die Familie zu ernähren und Asta ist sich der Arm-reich-Schere sehr bewusst. Vielleicht war ihr Vater Sozialdemokrat oder Kommunist. Einen trifftigen Grund wird es wohl gegeben haben, dass diese Familie Deutschland verlassen hat. Tante Clara wurde vielleicht deshalb gefoltert.

    Inzwischen wünsche ich mir doch mehr Details zu Astas Hintergrund.

    Astas Familie hat sich in den höchsten Nazi-Kreisen bewegt, sie waren z.B. auf Görings Hochzeit. Tante Clara wurde wegen einer dummen Bemerkung über Görings Frau verhaftet.

  • Astas Familie hat sich in den höchsten Nazi-Kreisen bewegt, sie waren z.B. auf Görings Hochzeit. Tante Clara wurde wegen einer dummen Bemerkung über Görings Frau verhaftet.

    Doch wohl aber nicht, weil Tante Clara eine Kollegin von Emmy Göring war. So muss es doch auch eine direkte Verbindung von Astas Familie zu Görings geben, dass sie dort zu Gast waren. Was verschweigt uns Titus?

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Doch wohl aber nicht, weil Tante Clara eine Kollegin von Emmy Göring war. So muss es doch auch eine direkte Verbindung von Astas Familie zu Görings geben, dass sie dort zu Gast waren. Was verschweigt uns Titus?

    Eine ganze Menge, die aber für den Inhalt und den Prozess nicht von Bedeutung ist.

    Ja, mir würde auch interessieren, wie es dazu kam, dass die Familie in die USA ausgewandert ist, ob sie von besagter Sippenhaft bedroht waren, ob der Vater da noch lebte. Vielleicht gibt es ja mal ein Buch, das Astas Leben in der Hinsicht mehr beleuchtet.

  • Ich brauche hier auch keine weiteren Infos, für mich sind sie für die eigentliche Geschichte nicht relevant. Würde man zu jeder Figur jedes Details des Vorlebens mit dem Scheinwerfer ausleuchten, würde man sich in meinen Augen zu sehr verzetteln und die eigentliche Geschichte könnte in den Hintergrund rücken.


    Ich habe es für mich so gedeutet, dass Astas Familie in höheren Kreisen verkehrt und nach Tante Claras Tod erkannt hat, dass die politischen Zeiten kein gutes Ende nehmen werden. Das war für mich Grund genug, in die USA zu emigrieren.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • In diesem Abschnitt ist auch wieder einiges passiert. Die Arbeit als Simultandolmetscherin ist wirklich nicht immer einfach. Gerade wenn einem die Inhalte nahegehen, die man übersetzt und nicht in den Fluss kommt, dass man wirklich nur ein Sprachrohr ist. Das muss Asta hier erfahren. Umso interessanter war auch, wie die Arbeit der Dolmetscher gewürdigt wurde, da es sogar einen Zeitungsartikel über Asta gab. (Schätzungsweise gab es den für Astas Vorlage sicherlich auch.)


    Ansonsten zeigt sich auch, in welche Zwickmühle sie sich manövriert hat zwichen den Russen, Amerikanern (Leo), Göring und schließlich auch den amerikanischen Geheimdienst (CIC). Gegenüber dem CIC half ihr ihre Selbstsicherheit und Überzeugung, um daraus zu kommen. Und sie hat die Agenten bei ihrer Verantwortung gepackt. Ohne diese Selbstsicherheit wäre auch Leo aufgeflogen und sie wohl auch komplett. Hut ab für den Mut. Naiv finde ich etwas hart, um Astas Handlungen zu beschreiben, da sie in das Geflecht, in das sie zum Teil reingerutscht ist, durch ihre eigenen Interessen, teilweise auch gezwungen ist zu handeln, wenn sie selbst nicht fallen will. Vielleicht war sie teilweise etwas vorschnell, aber es zeigt, dass sie das Risiko nicht scheut, auch wenn es ihr Angst macht. Sie erkennt ja, in welche schwierige Situation sie sich gebracht hat und das bereits, als sie Semjon dazu bringen will, dass er sie nicht mehr braucht oder im Geheimdienst der Russen haben will....


    Die Liebesgeschichte mit Leo geht weiter. Das sind so etwas wie kleine Lichtblicke, wie sie gegenseitig ihre Welt erkundigen, die sich momentan wirklich stark voneinander unterscheidet. Interessant fand ich auhc, wie aufmerksam Leo die Hinterlassenschaften der Nazis im Hotel sieht und Asta darauf aufmerksam macht.


    Ein weiteres Thema, was den ganzen Roman immer wieder auftaucht, ist die Frage der Schuld. Die Schuld, die einige Deutsche wie Leo empfinden, die sie sich nicht eingestehen (und auch nicht sehen), wenn sie angeben, immer gegen Hitler gewesen zu sein, aber nicht aktiv wurden (wobei die Gründe durchaus nachvollziehbar sind), aber auch Asta, die über Schuld nachdenkt. Ihre Schuld im Kleinen, aber auch als Teildeutsche. Und dann ist da noch Charlotte, deren Meinung vieler Deutscher widerspiegelt, die der Propaganda und den Nachrichten geglaubt haben. Ein schwieriges Thema, bei dem ich finde, dass Titus so aber auch viele Seiten aufzeigt. AUch die pauschale Meinung amerikanischer Soldaten kam zu Wort, ebenso auch die Sicht von Jackson in Bezug auf den Prozess. Für einen Roman finde ich das Thema und die vielen Perspektiven gut gewählt und eingewoben, so dass sie in die Handlung und die Zeit passen.

  • Wir haben ja im letzten Abschnitt über die Charakterzeichnung der Figuren "geredet". Jetzt kann ich feststellen, dass mir Asta viel "näher" gekommen ist. MIr haben die Hintergrundinfos über ihre Beweggründe, ihr Leben in den USA und ihre Motivation, sich den Russen anzudienen, sehr geholfen, sie zu verstehen und sie "menschlich" zu finden. :thumbup: Finde ich sehr schön!

    Die Frage ist aber auch: Wie lebt man weiter mit so einer Schuld? Wenn man sie überhaupt empfindet...

    Regenfisch hat ja schon geschrieben: es ist ihre Überlebensstrategie, die Schuld von sich zu weisen. Auch wenn wir das heute nicht mehr so sehen, war es damals wohl die vermeintlich einfachste Möglichkeit zum Selbstschutz. Die Nachwirkungen kamen dann oft später, zum Teil Jahrzehnte. Ganz ehrlich: ich will das auch niemanden vorwerfen. Die Menschen kämpften um ihr Überleben, nicht nur physisch sonden auch psychisch. Der Mensch ist so gemacht, dass er Fehler erstmal nicht bei sich selber sucht, schon gar nicht in so einer Ausnahmesituation. Das soll keine "Entschuldigung" sein, aber heute darüber zu urteilen finde ich nicht angebracht. beowulf s Brillenmodell finde ich da sehr gut!


    Asta und Leo sind da anders, sie setzen sich aktiv mit ihren "Fehlern" in der Vergangenheit auseinander und denken darüber nach. So ehrlich mit sich selbst zu sein ist anstrengend, das kommt auch im Buch gut rüber finde ich. Die beiden passen gut zusammen :love:, weil sie sich sehr ähnlich sind finde ich!


    Naiv finde ich etwas hart, um Astas Handlungen zu beschreiben, da sie in das Geflecht, in das sie zum Teil reingerutscht ist, durch ihre eigenen Interessen, teilweise auch gezwungen ist zu handeln, wenn sie selbst nicht fallen will. Vielleicht war sie teilweise etwas vorschnell, aber es zeigt, dass sie das Risiko nicht scheut, auch wenn es ihr Angst macht.

    Das finde ich schön beschrieben! :anbet Ja, sie ist impulsiv in ihren Handlungen, sie hat ein Ziel, das sie verfolgt und da ordnet sie alles andere unter. Ohne über sämtliche möglichen (unangenehmen und gefährlichen) Konsequenzen nachzudenken. Und sie hat ja auch wirklich was im Kopf und ist frustriert, dass sie so unterschätzt wird. Sicher auch ein Baustein, es "allen zeigen zu wollen". Und sie passt so auch wieder zu Leo, der sich ja auch auf sehr gefährliche Handlungen einlässt, um seien Ziele zu erreichen.

    Die Figur einer Dolmetscherin ist glaubhaft und existierte ja wirklich, wie die Bilder auf der Umschlagseite zeigen.

    Gab es für Asta ein "Vorbild" Titus Müller ?

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Asta und Leo sind da anders, sie setzen sich aktiv mit ihren "Fehlern" in der Vergangenheit auseinander und denken darüber nach. So ehrlich mit sich selbst zu sein ist anstrengend, das kommt auch im Buch gut rüber finde ich. Die beiden passen gut zusammen , weil sie sich sehr ähnlich sind finde ich!

    Ich bin ja auch eher ein Mensch, der sein Leben stark reflektiert, daher tu ich mir mit den Verdrängern vermutlich auch so schwer. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Am Ende kann man das auch nicht so wirklich bewerten, ich habe in dieser Zeit nicht gelebt und kann gar nicht abschätzen wie ich mich damals verhalten hätte.


    Ich kann nur immer wieder den Hut ziehen vor denen, die nicht den einfachen Weg gegangen sind. Meine Großmütter sind beide von verheirateten Männern schwanger geworden und haben diese dann konsequent aus ihrem Leben geworfen, als rauskam, dass die Herren sich auswärtig vergnügt hatten (das hatten sie nämlich verschwiegen)

    In den dreißiger / vierziger Jahren sicher auch keine leichte Entscheidung und für meine Eltern auch keine leichte Kindheit, die hatten mit ihrer Unehelichkeit sehr zu kämpfen....

  • Genau an die dachte ich. Habe einzelne biografische Elemente von ihr übernommen (auch sie arbeitete für eine Airline und war mit ihrer Schwester und ihrer Mutter in die USA emigriert), aber letztendlich ist Asta natürlich nicht identisch mit ihr.

    Ein "Vorbild" muss ja nicht identisch sein :-]. Aber ich finde es sehr interessant zu wissen, dass es solche Frauen wie Asta tatsächlich gab :thumbup:. Danke Batcat für den tollen und sehr aussagekräftigen Link zu Margot Bortlin :knuddel1.


    streifi : Ich nehm deinen Post mal mit in den nächsten Abschnitt, da passt es glaube ich noch besser (weiß jetzt nicht mehr, wo was genau steht). Aber schon mal Hut ab vor deinen Omas! :anbet

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Hallo ihr Lieben, nun bin ich endlich auch wieder auf Stand ... wie schön, dass hier noch was los ist ;)


    Ich habe nun eure tollen Kommentare nachgelesen und will nun nicht redundant sein und alles nochmal schreiben ... das würde ja langweilen. Habe mir aber eine paar Kommentare "rausgepickt" ...


    Asta hat sich wirklich hässlich verstrickt. Lass dich niemals mit Geheimdiensten ein, das habe ich aus Titus Büchern gelernt. Ich hoffe sehr dass sie es schafft da wieder raus zu kommen und ein glückliches Leben mit Leo führen zu können.

    Ja, das mit den Geheimdiensten und dann auch noch gleich mit zwei verfeindeten, kann eigentlich nur schief gehen. In ihrer Haut möchte ich nicht stecken ... und das mit dem glücklichen Leben mit Leo erscheint mir im Moment doch eher als unerfüllbarer Wunschtraum ... wir werden sehen ...

    Ich will da eigentlich nicht mal urteilen. Ich habe nicht zu diesen Zeiten gelebt. Es ist leicht andere Menschen zu verurteilen, wenn man nicht selber in der selben Situation gesteckt hat.

    Oh, ich würde auch niemals urteilen. Asta hat das so gut beschrieben als sie als Kind - das natürlich gibt ihr Welpenschutz - weggesehen hat als die Nachbarn, inkl. ihrer kleinen Freundin, abgeholt wurden. Die kleine Spieluhr, die sie sich geholt hat, hat sie sicher sehr oft daran erinnert.

    Im Schönreden waren viele Deutsche nach dem Krieg ja ziemlich gut. Am Ende war ja niemand ein Nazi, niemand hat mitgemacht. Ich frage mich dann nur, wer diese grausame Maschinerie dann am laufen gehalten hat. Die Frage ist aber auch: Wie lebt man weiter mit so einer Schuld? Wenn man sie überhaupt empfindet...

    Wie war es denn in der neueren Zeit, als Die Grünen dann doch mit ihrer Politik gescheitert sind? Da hatte sie auf einmal auch keiner gewählt, weil er das NATÜRLICH schon voraus gesehen hatte. Der Vergleich hingt zwar ein wenig aber so sind wir Menschen wohl ... immer schön unter dem Deckmantel des Schwarms mitschwimmen und auch oft das Fähnchen nach dem Wind richten ...

    Die Angeklagten werden mit Filmen aus den KZ konfrontiert. Entsetzen macht sich immerhin doch bei einigen breit, bei Göring hat man das Gefühl, es wäre nur ein Störfaktor seiner persönlichen Show.

    Also dieser Göring muss ja ein richtiges arrogantes Schwein gewesen sein. Selbst wenn man nicht live dabei war damals, strahlt das jedes Foto aus auf dem er zu sehen ist.

    Ich möchte Charlotte nicht entschuldigen, aber ich habe ein gewisses Verständnis für ihre Lage.

    Again ... ich weiß nicht, wie ich gehandelt hätte. Wenn man so niemanden hat und vollkommen verzweifelt ist und dann so ein Horst daher kommt und einem wenigstens ein wenig der Last abnimmt, auch wenn er ein alles andere als perfekt ist. Dass Leo wieder auftaucht, damit hat sie ja nicht gerechnet. Nur der kleine Robert hat immer fest daran geglaubt oder zumindest die Hoffnung nicht aufgegeben.

  • Again ... ich weiß nicht, wie ich gehandelt hätte. Wenn man so niemanden hat und vollkommen verzweifelt ist und dann so ein Horst daher kommt und einem wenigstens ein wenig der Last abnimmt, auch wenn er ein alles andere als perfekt ist. Dass Leo wieder auftaucht, damit hat sie ja nicht gerechnet. Nur der kleine Robert hat immer fest daran geglaubt oder zumindest die Hoffnung nicht aufgegeben.

    Charlotte hatte auch nicht so unter Horst zu leiden wie Robert. An ihm kühlt er ja sein Mütchen. Allerdings weiß sie vielleicht auch nicht alles. Oder verschließt die Augen davor.

  • Hallo ihr Lieben, nun bin ich endlich auch wieder auf Stand ... wie schön, dass hier noch was los ist ;)

    Na klar doch! Bei unseren LR muss doch keiner nur für sich schreiben. :grin


    Charlotte hatte auch nicht so unter Horst zu leiden wie Robert. An ihm kühlt er ja sein Mütchen. Allerdings weiß sie vielleicht auch nicht alles. Oder verschließt die Augen davor.

    Ich denke, es war eine Mischung aus beidem. So ein "es wird schon nicht so schlimm sein für ihn" und "... aber ohne Horst wären wir wieder ganz allein und das wäre sicher noch viel schlimmer". :gruebel

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • :gruebel Vielleicht neidet sie ihm auch seine Freiheit, in der Stadt herumzustromern, weil sie selbst bei härtester Arbeit nicht aus ihrem Kellerloch herauskommt.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Titus Müller: Die Dolmetscherin

  • Es fällt mir ein bisschen schwer, hier noch meine Gedanken beizufügen, vieles ist schon gesagt.


    Man muss Asta dafür bewundern, dass sie das Dolmetschen so souverän meistert. Auch mir ist beim Lesen aufgefallen, dass ihr manchmal andere Dinge im Kopf rumschwirren. Sie arbeitet allerdings unter Hochspannung, das kann man meines Erachtens mit "normaler" Konzentration nicht unbedingt vergleichen. Nicht umsonst werden die Dolmetscher ja im Stundentakt ausgetauscht (was für diese Art Tätigkeit schon eine enorme Zeitspanne ist). Ich glaube, dass das Gehirn da früher oder später sowieso "dichtmacht". Und wenn man dann noch mit solchen Gräueltaten konfrontiert wird, wird es noch schwieriger, da etwas auszublenden, was in diesem Moment nicht dahin gehört. Könnte für mich jedenfalls ein Erkläransatz sein.

    Auch, wie oft sie unkonzentriert arbeitet. Sie kümmert sich viel zu viel um das Drumherum.

    Ist es wirklich so oft? Oder ist das einfach nur dem Fokus geschuldet, dass wir ja nicht die ganze Stunde der Verhandlung miterleben, sondern nur gewisse Teile? Ich glaube, es wirkt einfach nur so für uns.


    Bezüglich Astas bisherigen Lebens bin ich übrigens auch ein wenig neugierig, weshalb die Familie wohl in die USA gegangen ist. Aber so detailliert brauch ich das nicht wissen, denn mit der eigentlichen Geschichte hat das ja weniger zu tun - außer im Hinblick auf das persönliche Rachegesinnen gegen Göring, aber das erklärt sich ja durch den Tod von Tante Clara.


    Ja, sie ist impulsiv in ihren Handlungen, sie hat ein Ziel, das sie verfolgt und da ordnet sie alles andere unter. Ohne über sämtliche möglichen (unangenehmen und gefährlichen) Konsequenzen nachzudenken. Und sie hat ja auch wirklich was im Kopf und ist frustriert, dass sie so unterschätzt wird. Sicher auch ein Baustein, es "allen zeigen zu wollen". Und sie passt so auch wieder zu Leo, der sich ja auch auf sehr gefährliche Handlungen einlässt, um seien Ziele zu erreichen.

    Asta hat auf jeden Fall ihren eigenen Kopf und wenn sie sich etwas in selbigen gesetzt hat, zieht sie das auch durch. Sie ist ein enormes Risiko eingegangen und hat in gewisser Weise auch ihre Muttern und die Schwestern übergangen, indem sie das eisern gesparte Geld für ihre eigenen Ziele verwendet hat. Da dieses jedoch nicht reichte, kam der russische Geheimdienst ins Spiel - und die Konsequenz, die diese Verbindung mit sich bringt, konnte sie absolut nicht erahnen. Ich bin gespannt, wie sie ihre Doppelagentschaft handhaben wird. Das wird ja eher noch mehr Probleme mit sich bringen, ich hoffe, sie ist diesen irgendwie gewachsen (mit Leo an ihrer Seite).


    Bei Leo war ich auch eher überrascht, dass er Waffen an die SS-Leute geliefert hat. Aber irgendwie muss er ja Mitglied der Truppe werden und darf natürlich dabei nicht auffallen, dass er seine eigene Mission verfolgt. Ich hoffe auch, dass er Robert dadurch nicht in Gefahr bringt.


    Und zu Charlotte,

    Das sehe ich ein klein wenig anders. So wie Charlotte dachten bestimmt sehr viele. Ich kann mir vorstellen, dass Charlotte kaum Gelegenheit hatte, sich zu bilden. Ihr Alltag ist davon bestimmt, für das nackte Überleben zu sorgen, vor allem für Robert. Die Propagandamaschinerie der Nazis hat ja hervorragend funktioniert. Einfache Parolen funktionieren ja heute noch gut und sind erst einmal in den Köpfen verankert. Ich möchte Charlotte nicht entschuldigen, aber ich habe ein gewisses Verständnis für ihre Lage.

    da bin ich ganz bei Regenfisch . Man darf die damalige Propaganda und die Hetze, die sich in den Köpfen der Mehrheit eingenistet hat, nicht unterschätzen. Natürlich hat Charlotte noch solch ein Denken - der Krieg ist ja noch nicht mal ein Jahr vorbei. Das muss erst alles aufgearbeitet werden. Aus unserer heutigen Sicht sind ihre Ansichten schrecklich, aber für sie ist es die Wahrheit und der Versuch, sich zu rechtfertigen (für etwas, das man nicht rechtfertigen kann).


    Fehlgeleitete Meinungsbildung aufgrund einseitigen Medienkonsums gibt es ja heute auch noch - man denke z.B. an die Schwurbler zur Zeit der Coronapandemie.