Die ersten drei Sätze eures aktuellen Buches (ab 01.01.2026)

  • Inspektor Napoleon Bonaparte von der Polizei in Queensland trottete den Buschpfad entlang. In Windee Station, einer Schaffarm im Westen von Neusüdwales, hatte sich etwas ereignet, was sein Interesse geweckt hatte. Darum seine Anwesenheit in einem anderen australischen Bundesstaat, und darum auch seine Verkleidung als wandernder Gelegenheitsarbeiter auf der Suche nach einem neuen Job.


  • Dan fasst Chloes Hand ein wenig fester, als sie durch das Abflugterminal des Gatwick Airport hetzten. Nach der Hochzeitsfeier war es ziemlich hektisch gewesen: sich von den Gästen verabschieden, sich umziehen, sicherstellen, dass für die Pflege von Chloes Oma alles organisiert war. Während sie versuchte, mit Dans ausgreifenden Schritten mitzuhalten, ging sie auch jetzt noch im Kopf ihre To-do-Liste durch, um sicher zu sein, dass sie ihren Verpflichtungen in Brighton getrost die Tür vor der Nase zuschlagen und sich entspannen konnte, während sie fort waren.

  • An jedem Wochentag zwischen 7 Uhr 30 und 8 Uhr 30 macht Johnnie Butt auf seinem Rad die Runde durch das Dorf Chipping Cleghorn und steckt die verschiedenen Zeitungen in die Briefkästen der Häuser, so wie sie bei Mr. Totman, seines Zeichens Schreibwaren- und Buchhändler, bestellt worden waren. Colonel Easterbrook erhält die Times und den Daily Graphic, Mrs Swettenham die Times und den Daily Worker, bei Miss Hinchliffe und Miss Murgatroyd gibt er den Daily Telegraph und den New Chronicle ab und bei Miss Blacklock den Telegraph, die Times und die Daily Mail. Am Freitag erhält jedes Haus im Dorf außerdem ein Exemplar der North Benham and Chipping Cleghorn Gazette, allgemein die Gazette genannt – und die meisten Einwohner von Chipping Cleghorn greifen nach einem flüchtigen Blick auf die Schlagzeilen der Tageszeitungen voll Neugierde nach der Gazette und vertiefen sich in die Lokalnachrichten.

    :lesend: Tinte und Schwert – Verwandlung (Matthias Soeder) 134 / 480 Seiten

    :lesend: Das Kind in dir muss Heimat finden (Stefanie Stahl) 88 / 248 Seiten

  • Wie ein riesiges Ungeheuer kam die Wolke näher. Sie wuchs zur Seite, sie wuchs in den Himmel, sie war düster und verdeckte die Sonne. Und sie brachte tausendfachen Tod.


    :lesend: Tinte und Schwert – Verwandlung (Matthias Soeder) 134 / 480 Seiten

    :lesend: Das Kind in dir muss Heimat finden (Stefanie Stahl) 88 / 248 Seiten

  • Hamburg, 19. August 1892


    Martha liebte es, über den Scharmarkt zu bummeln. Besonders heute, an ihrem vierzehnten Geburtstag, denn ihre Mutter hatte ihr in der Früh zwanzig Pfennige zugesteckt, damit sie sich nach der Schule einen Wunsch erfüllen konnte. Zwanzig Pfennige! Martha konnte sich nicht erinnern, jemals ein solches Vermögen besessen zu haben.


    Aktuelle Lektüre: Die Hafenschwester (1) - Als wir zu träumen wagten - Melanie Metzenthin
    SUB: 97

  • Wir sind eine Summe aus Rohren, sind gestapelter Stein, verputzte Mauer, ein Labyrinth aus Wand und Decke, das in unserem Inneren jede Bedeutung verliert, wir sind Treppen und Toiletten, Fensterglas und Müllversorgung. Tapete und Holz, die Briefkästen mit wechselnder Beschilderung, für uns ein Flimmerbild, wir sind der Mund, in den du deine Säuglinge trägst, aus dem du uns auf Bahren verlässt, das Echo von Sicherheitsschuhen, Sandalen, Sneakern, Socken, Düfte der Kochkunst, das Sonntagsmahl, die Tiefkühlpizza, der Rauchmelder, weil eine Pfanne nicht beschichtet, der Ofen undicht oder das heimliche Rauchen doch nicht so heimlich, in unserem Atem läuten Wecker, in unserem Bauch schellen Türklingeln, entstehen Geheimnisse, ob geteilt oder verborgen, wir erinnern, weil nichts das Innere verlässt, weil es immer ist, kein Ende, nur Fortbestand, in jedem Atemzug Mondlandung, Mauerfall, Sportpalastrede, Schmach von Córdoba, Metropolis, Machtübernahme, Jesse Owens, Fanta, Befreiung, Mauerbau, Benno Ohnesorg, Familienalben, Tupperware, Porenbeton, Tonziegel, Estrich, Schiefer, Kabel, Polyvinylchlorid, Menschen, die wissen, was Polyvinylchlorid ist, Plattenspieler, Pferdehuf, Straßenbahn, Lastenrad, VW Käfer, Kutsche, Bus, Handkarren, (...)


    Ich gebe auf, der 1. Satz geht noch lange weiter.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Princeton im Sommer roch nach gar nichts, und obwohl Ifemelu das friedliche Grün der vielen Bäume, die sauberen Straßen und stattlichen Häuser, die maßvoll überteuerten Geschäfte und die ruhige unwandelbare Atmosphäre wohlverdienter Eleganz mochte, war es das Fehlen eines Geruchs, das ihr am besten gefiel, vielleicht weil alle anderen amerikanischen Städte, die sie kannte, unverwechselbar rochen. Philadelphia roch modrig nach Geschichte. New Haven roch nach Verwahrlosung


  • Prolog


    Hinter der Glaswand liegt eine Frau auf der Seite und schläft. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich wie morgendliche Dünung. Nico schmiegt sich von hinten an sie und küsst ihr offenes Haar.


    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)

  • Zum letzten Mal habe ich meine Mutter gesehen, als sie mich zum Abschied an die Wohnungstür begleitete. Danach hat sie gewartet, bis sie mich die Treppe hinunter verschwinden sah, bevor sie die Türe schloss. Abschiedsgesten lagen meiner Mutter nicht, vor allem, weil sie dabei von einer Form von Schüchternheit übermannt wurde, die an Selbstverleugnung grenzte.

  • Egidius De Blaeser, von allen Dius Prati genannt, war die Frucht einer ehebrecherischen Romanze seiner unternehmungslustigen Mutter mit einem Sizialianer, der, kaum war er Inhaber eines Eiscafés in der belgischen Provinzstadt Heist-aan-Zee geworden, allabendlich die eisigen Augen von Dius‘ künftiger Mutter über dem Strycciatella-Eis, dem Gelato al limone und dem Sorbetto al cioccolato schweben sah. Ob er der Verführung ihrer Augen oder ihrer leckenden Zunge erlag, ist nicht überliefert. Die geheime Liaison dauerte immerhin einige Monate, wie die im Rollstuhl eines Pflegeheims sitzende Mutter dem Sohn während eines offenherzigen Moments zitternd gestand, wenige Monate bevor sie ihren westflämischen Geist aufgab.

  • Die klapprige Pferdekutsche passierte die Stadtgrenze von Flohall um Mitternacht, und dicke Nebelschwaden folgten ihr wie schüchterne Gespenster. Hoch oben am Himmel glänzte der Mond wie eine Silbermünze. Vorne auf der Kutsche saß ein grimmiger Mann und hinten ein Mädchen, das der Grund für seine schlechte Laune war.


    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda