Petra Durst-Benning: Die russische Herzogin

  • Kurzbeschreibung (amazon)


    Nicht immer hält das Leben, was es verspricht, das muss auch
    Zarentochter Olga erkennen. Ihre Ehe mit Kronprinz Karl von Württemberg
    bleibt kinderlos, der Hof in Stuttgart ist ihr lange Zeit fremd. Als der
    Zar sie bittet, seine Nichte Wera aufzunehmen, willigt Olga freudig
    ein. Doch das Mädchen ist schwierig, wild und unberechenbar. Olga setzt
    alles daran, aus Wera eine würdige Großfürstin und einen glücklichen
    Menschen zu machen. Beide Frauen müssen viele Träume begraben. Doch ihre
    Freundschaft hilft ihnen, neue Wege zu gehen und dem Leben ein wenig
    Glück abzutrotzen.



    Meine Beurteilung


    Keine heile Welt


    "Die russische Herzogin" ist der Folgeband zu "Die Zarentochter" und
    beschäftigt sich mit dem Leben der Olga Nikolaewna Romanowa (genannt "Olly",1822 - 1892) nach ihrer Eheschließung mit dem Kronprinzen Karl
    von Württemberg (später König Karl I). Die Romanhandlung setzt 1863 ein.
    Olgas Leben ist nicht so verlaufen, wie sie es sich bei der Hochzeit 17
    Jahre zuvor erträumt hatte. Ihr Schwiegervater, König Wilhelm I, hält
    nicht viel von seinem Sohn und beteiligt das junge Ehepaar nicht an der
    Regierung. Besonders Olly ist geistig ziemlich unterfordert und hat sich
    karitativen Aufgaben verschrieben. Sie ist unermüdlich unterwegs, um
    den Armen zu helfen, oft finanziert sie ihre sozialen Tätigkeiten aus
    ihrer eigenen Schatulle, da der Königshof ihr nur wenig Geld zur
    Verfügung stellt. Auch in ihrer Ehe steht es nicht zum Besten: Karl und
    Olly sind kinderlos geblieben und haben sich zunehmend voneinander
    entfremdet. Dass ihr Ehemann homosexuell ist, will Olly lange Zeit nicht
    wahrhaben.


    Ihr Leben erhält einen neuen Sinn, als ihr Bruder Konstantin sie
    bittet, seine neunjährige Tochter Wera Konstantinowna Romanowa (1854 - 1912) bei sich aufzunehmen, da die Eltern mit dem unangepassten,
    quirligen Mädchen völlig überfordert sind und ihm keine Liebe
    entgegenbringen (können). Auch Olly, Karl, die Hofdame Evelyn von
    Massenbach und die gestrenge Gouvernante Helene Trupow erleben mit dem
    aufgeweckten, aber schwierigen Mädchen (heutzutage würde man wohl ADS
    diagnostizieren) allerlei unangenehme und peinliche Situationen.


    Trotzdem gelingt es Olly im Laufe der Jahre, zu Wera eine liebevolle
    Beziehung aufzubauen und in ihr soziales Interesse und Engagement zu
    wecken. Sie ist auch an Weras Seite, als diese - inzwischen von Olly und
    Karl adoptiert - in ihrer eigenen Ehe schwere Schicksalsschläge
    hinnehmen muss. Die beiden Frauen sind sich darin ähnlich, dass sie auch
    unter widrigen Umständen niemals aufgeben und für das Wohl der
    Stuttgarter Bevölkerung im Einsatz sind. Noch heute bestehen die von
    Olly und Wera ins Leben gerufenen wohltätigen Institutionen, die
    seinerzeit bahnbrechend waren: Wera gründete das erste "Mutter und Kind Heim" , in dem verarmte alleinstehende Mütter mit ihren Kindern ein
    menschenwürdiges Leben führen konnten.


    Der Roman ist in einen Prolog, drei Hauptteile und einen Epilog
    (1909) gegliedert, die drei Hauptteile passen sich den Lebensabschnitten
    von Wera an, die neben Olly eine gleichwertige Hauptfigur darstellt.
    Wie schon der erste Band ist auch dieses Buch von der Autorin gründlich
    recherchiert und sehr flüssig erzählt. Oft kann man sich ein Schmunzeln
    über Weras kindliche Missetaten nicht verkneifen, andererseits werden
    die Armut und die unwürdigen Lebensbedingungen der einfachen Leute sehr
    eindringlich geschildert. Besonders beeindruckend ist die differenzierte
    Charakterzeichnung aller Hauptfiguren, die nicht in Gut und Böse
    eingeteilt werden, sondern mit ihrer Zurschaustellung sympathischer und
    weniger sympathischer Züge sehr lebensnah wirken.


    Dieser Roman bietet nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch
    Hintergrundwissen über die politischen und gesellschaftlichen
    Entwicklungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Forderung nach mehr
    Demokratie, Auflehnung gegen die russische Zarenfamilie und ihren
    autokratischen Regierungsstil) . Ein Buch, das unterhält und nachdenklich macht!


    Wenn möglich, sollte man zuerst "Die Zarentochter" gelesen haben,
    damit man den komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen folgen kann.

  • Als in Württemberg aufgewachsenem Schüler sind die Protagonisten dieses Romans, Olga und Wera und König Karl natürlich keine Unbekannten gewesen, aber so schön und lebendig wurden diese hohen Herrschaften uns nicht präsentiert, we Petra Durst- Benning es in ihrem Roman hier versteht zu entwickeln. Besonders gelungen finde ich den Kniff mit der (fiktiven) Freundschaft Weras zu einem Kind armer Leute, so dass es sich nicht um einen Roman um das Leben einer verwöhnten Prinzessin handelt, die mal, weil man das von Adel so macht mildtätig ist, sondern das LEben auch von der anderen Seite der bitteren Armut in der Zeit der Industrialisierung, der beginnernden "Gründerzeit" mit einfliesst. Ein schönes, flüssig zu lesendes Buch, das dem Leser die Zeit und die handelnden Personen nahebringt- bei Keenigs "menschelts" halt au...


    Schön ist auch die Aufmachung des Buches, die Gedichte von Wera und die Anmerkungen zum historischen Bezug am Schluß.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Ich habe diesen wunderschönen Roman in einer Leserunde mit der Autorin "genießen" dürfen.


    Die Fortsetzung "der Zarentochter" setzt einige Jahre nach dem 1.Roman um Olga Nikolaewna Romanowa ein. Olga, mittlerweile jahrelang mit Kronprinz Karl von Württenberg verheiratet, nimmt ihr Patenkind Wera Kostantinowa Romanowa bei sich auf, da ihre Eltern mit ihr überfordert sind. Wera, die sehr sprunghaft und wankelmütig ist, lebt sich nur schwer in Stuttgart ein, immer hoffend bald heim nach St.Petersburg zu ihrer Familie zu dürfen. Aber diese hat andere Pläne mit ihr und bald fühlt sie sich, mit Hilfe von Olga in Stuttgart heimisch. Sie heiratet später auch dort (wenn, verrate ich an dieser Stelle lieber nicht!) und hilft ihrer Tante bei ihren Wohlfahrtsunternehmungen.
    Ein sehr interessanter und spannender Roman um Olga und Wera, der sich sehr flüssig lesen läßt und ein würdiger Nachfolger der Zarentochter ist!
    Für mich 10 von 10 Punkte für dieses schöne Buch!

  • Die russische Herzogin ist der Nachfolgeband zur Zarentochter, daher sollte man diese tatsächlich gelesen haben, nicht nur um die Verwandtschaftsverhältnisse zu durchschauen, sondern auch um zu verstehen, warum Olly an ihrem Mann festhält.
    Aber eigentlich wird hier die Geschichte von Wera erzählt, Ollys Nichte, die mit ihrem doch eher unruhigen Temperament zu Hause in Russland nicht zurecht kommt. Bevor man sie in eine Irrenanstalt sperrt schickt man sie zu ihrer Tante Olly nach Stuttgart, in der Hoffnung, daß Olly das Kind in den Griff kriegt.
    Und tatsächlich, nach anfänglichen schwierigkeiten gelingt es Olly ein Mittel gegen die Unruhe zu finden und Wera in das Stuttgarter Hofleben zu integrieren.
    Obwohl Wera nach damaligen Verhältnissen wohl keine Schönheit war, heiratet sie und für sie ist es sogar eine Liebesheirat, auch wenn sie ihren Mann wohl sehr verklärt sieht. Auf jeden Fall bleibt sie wohl nach dessen Tod freiwillig alleine und heiratet nicht mehr.
    Dafür eifert sie in einem Punkt ihrer Tante nach und schafft es nach langer Arbeit ein Mutter-Kind-Heim zu eröffnen, das erste seiner Zeit.
    Mir hat dieses Buch, wie auch der Vorgängerband sehr gut gefallen, von der ersten Seite an war ich wieder mitten im Geschehen und die bereits bekannten Figuren waren wieder vertraut. Die neuen wurden es sehr bald.
    Allerdings störte mich der große zeitliche Sprung gegen Ende doch ein wenig, auch, daß über Karl und Ollys Tod nicht berichtet wurde und wie es danach in Stuttgart weiterging.
    Auch wenn dies ein Roman über Wera ist, wäre es sehr interessant gewesen, wie sich das Umfeld in diesen Jahren verändert hat. Vor allem da am Anfang ja noch sehr intensiv auch auf Ollys Geschichte eingegangen wird.
    Alles in allem war es aber ein wirklich guter historischer Roman, der einem die Geschichte Württembergs ein wenig näher gebracht hat.


    Von mir 8 von 10 Punkte

  • Inhalt:
    Olga, die Tochter des russischen Zaren, hat Karl von Württemberg geheiratet und ist mit ihm nach Stuttgart gegangen. Da die Ehe der beiden leider kinderlos ist, widmet sich Olly von ganzem Herzen der Wohltätigkeit. Als ihr Bruder Konstantin sie bittet, sich seiner Tochter Wera anzunehmen und aus ihr eine gesellschaftsfähige Dame zu machen, stimmt sie begeistert zu und nimmt ihr Patenkind bei sich auf. Doch das Leben mit dem Kind ist nicht einfach, und mehr als einmal droht Olly zu verzweifeln. Doch mit Liebe, Geduld und der ein oder anderen kreativen Idee gelingt es der Königin schließlich, Wera zu einem großartigen Menschen heranzuziehen.


    Meine Meinung:
    Nachdem es im ersten Band „Die Zarentochter“ um Kindheit und Jugend der russischen Zarentochter Olga ging, handelt der zweite Teil „Die russische Herzogin“ von ihrem restlichen Leben. Darüber hinaus lernen wir Wera kennen, Tochter von Ollys Bruder Konstantin und das Patenkind der späteren Königin. Intensiv wird die Beziehung zwischen Tante und Nichte geschildert, mit allen Höhen, aber auch allen Tiefen, und davon gibt es reichlich. In Russland hält man Wera für verrückt weil sie sich an keine Regeln hält und ständig Unsinn macht. Als Olga sie aufnimmt, bekommt sie es mit einem unsicheren, verstörten Kind zu tun, das kein gutes Bild von sich selbst hat. Doch im Laufe der Zeit finden die beiden immer näher zusammen und werden von Tante und Nichte zu Mutter und Tochter. Diesen Prozess kann der Leser beinahe hautnah mitverfolgen, denn wie schon im ersten Teil gelingt es der Autorin schnell, den Leser für die Geschichte zu begeistern und ihn hineinzuversetzen in die vergangene Zeit.


    Olly, die man in „Die Zarentochter“ bereits kennenlernen und liebgewinnen konnte, spielt besonders im ersten Teil des Buches eine große Rolle. Ich fand es sehr schön, noch mehr über sie zu erfahren und zu sehen wie es in ihrem Leben weiterging. Leider nicht so gut wie ich es ihr gewünscht hätte, aber dieses Schicksal war anscheinend nun mal für sie vorgesehen. Schade fand ich, dass zum Schluss nur noch wenig über sie geschrieben wurde, man erfährt beispielsweise nichts über ihren oder Karls Tod etc., denn am Ende nimmt Wera den größten Teil der Handlung ein. Von ihr war ich sehr beeindruckt, auch wenn ich sie am Anfang ziemlich anstrengend fand. Aber sie tat mir auch leid, heute hätte man ihr sicherlich helfen können, damals wurde sie einfach für verrückt erklärt. Wie sie ihr schweres Schicksal meistert hat mich sehr beeindruckt, aber auch bewegt. Umso schöner fand ich es, dass sie sich in fortgeschrittenem Alter doch noch ihren Lebenstraum erfüllen konnte.


    Mit „Die russische Herzogin“ ist Petra Durst- Benning wieder ein großartiger historischer Roman gelungen, der mich sehr begeistert hat. Und das, obwohl ich sonst mit historischen Geschichten sehr wenig anfangen kann. Ich bin gespannt, mit wem sich der dritte Teil dieser Reihe befassen wird und freue mich schon sehr darauf, ihn zu lesen.

  • Gelungene Fortsetzung und tolle Leserunde!!! :anbet


    In Ihrem Buch „Die russische Herzogin“ beschreibt Petra Durst-Benning den stuttgarter Lebensweg der Herzogin von Württemberg Wera Konstantinowa Romanowa. Sie wird als hyperaktives Kind von Ihrer Tante Olga am württembergischen Hof aufgenommen. Beider Verhältnis entwickelt sich wie auch Wera selber derart, dass Olga mit Ihrem Mann Karl, später das württembergische Königspaar, Wera schließlich sogar adoptieren.


    Die russische Herzogin ist das Nachfolge-Buch zu der „Zarentochter“, die das Leben bis zur Hochzeit von Olga Romanow mit dem württembergischen Thronfolger Karl beschreibt. Es schließt relativ nahtlos an und wechselt geschickt die Perspektive von der aus dem ersten Teil dem Leser bekannten Olly zu der neuen Hauptperson Wera.


    Wera macht eine höchst interessante Entwicklung vom verstoßenen Kind bis zur Herzogin durch. Olly hat daran maßgeblichen anteil. Sie findet für die damalige Zeit wahrscheinlich revolutionär heraus, dass Wera neudeutsch unter „ADS“ leidet und therapiert sie mit viel Liebe, Geduld und ausgedehnten Spaziergängen zur körperlichen Ertüchtigung. Wer mal in Stuttgart war, kann sich sicherlich wunderbar in den geschilderten Landschaftsbeschreibungen wiederfinden, wer noch nicht dort war, bekommt vielleicht lust auf einen Besuch dort.


    Petra Durst-Benning beschreibt wie schon im ersten Teil gewohnt flüssig die Handlung und findet dabei eine gute Balance zwische historischen Ereignissen und erdachten Geschehnissen. Im Anhang gibt sie diesbezüglich auch noch einige Hinweise über Fiktion und Realität, was dem Leser hilft, das Gelesene historisch einzuordnen.


    Insgesamt ist dieses Buch die gelungene Fortsetzung der mit viel Hingabe geschriebenen Zarentochter, das man aber auch problemlos unabhängig vom ersten Band lesen kann, da die Handlung kein Vorwissen voraussetzt, aber doch viele Informationen über den württembergischen Hof vermittelt.

  • Wunderbar!


    Ich war sehr gespannt auf diesen Roman.


    Durfte ich doch vor dem Erscheinungstermin bei einer Lesung von Petra Durst-Benning bereits einen kleinen Abschnitt aus diesem Buch hören. Ab da war meine Neugier geweckt. Schon "Die Zarentochter" hat mir gut gefallen.


    "Die russische Herzogin" jedoch hat mich begeistert. Vom ersten Kapitel an war ich fasziniert von Wera. Sie hat mich mit ihrer unnachahmlichen Art für sich eingenommen. Es war einfach sehr, sehr schön sie durch ihre Zeit in Stuttgart zu begleiten. Und nebenbei wieder einiges über Olga und Karl zu erfahren. Olga, deren Leben auch nicht immer nach Wunsch verlaufen ist. Die sich aber immer treu geblieben ist.


    Faszinierende Menschen in einem faszinierenden Roman. Für mich eindeutig mein Lesehighlight im Monat September.


    Dafür gibt es natürlich 10 Punkte!

  • Ich nahm das Buch sehr gerne zur Hand. Die Coverinnenseite erinnert mich gleich an Stoffe aus dem Schloss (Gardinen, Sessel,…). Auf dem Cover lächelt mir eine sympathische junge Frau entgegen, keine Spur von Hässlichkeit.


    Petra Durst-Benning hat wieder einmal ein tolles Buch geschaffen – so wie man es von der Schriftstellerin gewohnt ist.


    Die Göre Wera wird aus ihrem russischen Elternhaus (dem Zarenhaus) abgeschoben und von ihrer kinderlosen Tante Olga in Stuttgart aufgenommen. Anfangs ohne Manieren und mit nicht zu bändigender Wildheit fühlt sich Wera in Stuttgart nicht allzu wohl, das ändert sich im Laufe der Zeit. Wera wird eine Dame – die aber immer ein wenig außergewöhnlich bleibt.


    Die Menschen sind mir sofort ans Herz gewachsen. Ich fühlte mich mitten unter ihnen. Der Ausflug nach Bad Kissingen hat mir besonders gut gefallen, da bei mir Kindheitserinnerungen wach geworden sind.


    Die Sprache war flüssig und daher gut lesbar. Sicher ist dieser Roman nicht unter höchst anspruchsvoller Literatur zu verbuchen, aber wunderbar zum Schmökern.


    Positiv überraschend war für mich dennoch wie viele historische Fakten in dem Roman verwendet wurden.


    Ich hatte den ersten Teil nicht gelesen und habe es während des Lesens nicht vermisst. Da mir die russische Herzogin jedoch so gut gefallen hat, werde ich das auf jeden Fall nachholen müssen.


    Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen. 10 Punkte!

  • Ich kann mich den begeisterten Stimmen rundum anschließen.


    Die Zarentochter war schon großes Lesevergnügen, doch die russische Herzogin hat mich noch mehr begeistert. Wera war eine liebenswerte Hauptfigur, die ich zu gerne begleitet habe vom stürmischen Wirbelwind bis zur Nachfolgerin ihrer geliebten Tante Olly.


    Die historischen Fakten waren geschickt eingewebt und so hat mir dieses Buch einen umfassenden Einblick in das Leben zu der Zeit in Würtemberg gegeben. Zu gerne würde ich mich dort umsehen und die Weinberge mit Blick auf Stuttgart durchwandern.


    Die Auswahl der Gedichte fand ich ebenfalls sehr gelungen.


    Wie gut, dass das Buch soviele Seiten hatte, so habe ich lange genießen können. Zu schnell war die russische Herzogin wieder ausgelesen.


    10 Punkte und eine dicke Lesempfehlung.

  • Ich kann mich auch nur den begeisterten Kritikern hier anschließen, ein tolles Buch, vor allem, wenn man den ersten band gelesen hat und wissen möchte, wie es weitergeht.
    Die lebendige Darstellung der Personen lässt den Leser sehr nahe ans Geschehen heran, trotz der 510 Seiten hatte ich es in nur 3 Tagen durch. Das ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich habe: Leider habe ich es fertig gelesen.
    Auch wenn ich nsonsten eher dem etwas blutigeren Lesevergnügen fröne, die historischen Romane dieser Schriftstellerin gefallen mir immer wieder ausgesprochen gut!
    Jaune

    "Vorrat wünsche ich mir auch (für alle Kinder). Nicht nur Schokoriegel. Auch Bücher. So viele wie möglich. Jederzeit verfügbar, wartend, bereit. Was für ein Glück." Mirjam Pressler

  • Ach, wie herrlich das Buch doch war. Es war zwar schon ein paar Monate her, dass ich die Zarentochter gelesen habe, aber ich war vom ersten Satz wieder bei Olly. Wera gefiel mir von Anfang an, nur als die ganze Eugen-Sache anfing ging sie mir etwas auf die Nerven. Generell haben mir fast alle Frauen leid getan.
    Hätte ich mehr Zeit gehabt hätte ich das Buch bestimmt in 2 Tagen ausgelesen. 10 Punkte.

  • Euren begeisterten Rezis kann ich mich einfach nur anschließen!


    Von der ersten Seite an hat mich das Buch gefesselt. Es war sehr interessant mehr über Weras und Ollys Leben zu erfahren. Als Stuttgarterin ist mir Weras Name zwar schon begegnet, aber wirklich gewusst habe ich nichts über sie. Und jetzt möchte ich gern noch viel mehr über sie wissen... :lache


    Zitat

    Original von streifi
    Allerdings störte mich der große zeitliche Sprung gegen Ende doch ein wenig, auch, daß über Karl und Ollys Tod nicht berichtet wurde und wie es danach in Stuttgart weiterging.


    Das fand ich auch schade.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und dafür gibts von mir 10 Punkte!!

  • Eigene Meinung:
    Wie schon der Vorgängerroman >>>Die Zarentochter<<< beginnt auch dieses Buch mit dem heimlichen Lauschen eines Kindes dessen, was die Erwachsenen zu besprechen haben. In diesem Fall trifft es Wera, einen ungeliebten Zögling am russischen Haus, welches wegen seiner Unartigkeiten dem Ansehen der Familie schadet und angeblich sogar als Gefahr angesehen wird, die Verbindung einer weiteren Tochter mit dem griechischen Königshaus zunichte zu machen. Die Entscheidung der Eltern ist schnell gefasst: Wera muss so schnell als möglich für einige Zeit aus dem Palast - und wird der Tochter des alten Zaren Olga aufs Auge gedrückt, die in Stuttgart mit ihrem Karl von Württemberg nicht so recht das Glück gefunden hat, worauf sie so sehr hoffte. Keine eigenen Kinder habend, nimmt sie sich ihres Patenkindes, der Großfürstin Wera, an und sieht in dem kleinen Mädchen viele Parallelen zu ihrer eigenen Kindheit. Doch Wera ist alles andere als einfach, zudem in ihrer Persönlichkeit von Kriegserlebnissen stark geprägt, was es nicht gerade einfach macht, aus einem rebellischen Kind mit einer unvergleichlichen Sprunghaftigkeit an Launen eine Großfürstin mit Anstand und Stolz zu machen. Wird Olga von Württemberg, die die Krone der Königin tragen soll, dieses gelingen?


    Petra Durst-Benning hat mich auch mit diesem Folgebuch überrascht und überzeugt. Sie weiß, die Leser mit ihrer beschwingten Schreib- und Ausdrucksweise durch das Leben der Protagonistin zu führen mit all den dazugehörigen weiteren Personen wie auch geschichtlichen Entwicklungen, die sich nachhaltig auf die Geschehnisse auswirken und Einfluss nehmen. Mir hat das Buch von Anfang an gefallen, musste aber auch feststellen, dass es viele Parallelen zum Buch >>>Die Zarentochter<<< gab, wo ich manchmal das Gefühl von >>>sich wiederholend<<< bekam. Gerade die von der Autorin zeitweise ein wenig abweichende Wiedergabe von den tatsächlich stattgefundenen historischen Ereignissen geben diesem Roman auf der einen Seite die notwendige Würze und Faszination; auf der anderen Seite musste ich für mich aber auch feststellen, dass mir das Buch zum Ende hin ein wenig fade erschien, als wenn jemand einen Lichtdimmer langsam Richtung Dunkelheit dreht und man den Schluss gar nicht mehr schnell genug abwarten konnte.


    Trotzdem stolze 4 Sterne für einen tollen historischen Roman. Wer Olga mochte, wird sich an Wera sicherlich erfreuen!

  • Petra Durst-Benning schreibt wunderbar. Und sie kann hervorragend Geschichten erzählen. Das ist ihr auch bei der Fortsetzung von "Die Zarentochter" gelungen, das ich im letzten Jahr förmlich verschlungen habe. Und trotzdem konnte mich Durst-Bennings Buch "Die russische Herzogin" nicht vollends überzeugen. Besser gesagt, die Geschichte von Vera, der Adoptivtochter der württembergischen Königin Olga (Heldin von "Die Zarentochter"), und Tochter des russischen Großfürsten Konstantin und seiner Frau Sanny, nicht packen. Ich konnte irgendwie nicht so sehr mitfühlen, wie ich das noch bei Olga getan haben. Deren Geschichte hat mich fasziniert und alles, ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Vielleicht lag es an den anderen Schauplätzen, oder an Olga selber, aber die Geschichte hatte deutlich mehr Potenzial erzählt zu werden, als die von Vera.


    Dabei hat auch Vera genug leiden müssen in ihrem Leben, schon ihre Kindheit ist schwierig. Als Wildfang weiß man in Russlands nichts mit ihr anzufangen, also wird sie förmlich zu Tante Olga nach Württemberg abgeschoben. Allerdings sind gerade diese Episoden aus Veras Kindheit noch mit am interessantesten, spannendsten und auch amüsantesten teilweise.


    Als Vera dann Eugen kennenlernt und sich in ihn verliebt, stagniert das Buch doch zusehends. Dabei ist es keineswegs langweilig, dafür sorgt schon Durst-Bennings wunderbarer, flüssiger Schreibstil, der einen durchaus das ein oder andere Mal bezaubert und auch seine kleinen Spitzen zeigt. Nein, es passiert halt nur nicht mehr viel gegen Ende. Das hat es vorher eigentlich auch nicht, man könnte fast sagen, das ganze Buch plätschert ohne großartigen Höhepunkt vor sich hin. Trotzdem ist es sehr unterhaltsam, auf richtig gutem Niveau. Zumal man Durst-Benning ja keinen Vorwurf machen kann, sie kann einer real existenten Person ja nicht noch sonst was für ausgedachte Dramen anhängen. Aber wie gesagt, es war dann doch etwas blass, zumal man eben den Vergleich zu Olgas Jugendjahren hatte im schillernden St. Petersburg. Auch Olgas Liebesleben empfand ich deutlicher aufregender zu lesen, als das bei Vera der Fall war. Mit ihr hatte man es einfach schwieriger, sich zu identifizieren.


    Trotz allem schließt man das Buch mit einem wohligen Gefühl und einem kleinen Tränchen im Auge. Die beiden Bücher aus der Romanow-Reihe von Durst-Benning sind wunderbare und kurzweilige Unterhaltung. Nicht zuletzt wegen des tollen Schreibstils und dem gekonnten Mix von Fiktion und Realität.

  • Die bereits aus Die Zarentochter bekannte Olly von Württemberg rückt bei diesem Roman in die zweite Reihe, ohne jedoch nur eine Nebenfigur zu werden. Hauptsächlich geht es um die Entwicklung der Großfürstin Wera. Ihren Lebensweg verfolgt der Leser von der Ankunft in Stuttgart bis sie in jungen Jahren verwitwet und ihre eigenen Kinder großziehen muss. Diese gut dreißig Jahre sind überaus ereignisreich. Wera rebelliert als Kind gegen ihre Lehrer, Erzieherinnen, Personal und sogar gegen ihre Tante. Dass durch diese Schilderungen nicht einfach eine Aufzählung von Streichen entsteht, sondern der Leser sich mühelos in Weras Gefühlswelt zurechtfindet, ist nicht zuletzt dem bildhaften Schreibstil von Petra Durst-Benning zu verdanken. Stets kann man Wera Verständnis entgegenbringen und wird sogar von ihrer immer mal wieder kurz aufkommenden herzlichen Art und ihrer Gabe, Gedichte zu schreiben, beeindruckt. Man gönnt Wera die glücklichen Augenblicke und Olly die kurze Verschnaufpause.


    Die Autorin zeichnet mit ihrem Roman ein detailliertes Bild vom Königshof im 19. Jahrhundert. Den Charakteren wird Leben eingehaucht und auch die Umgebung wird detailreich beschrieben, ohne dass Längen entstehen. Es entstehen Bilder im Kopf von Weinbergen, dass man fast meint, die Natur riechen zu können. Die Liebe zu ihrer Heimat merkt man Durst-Benning in jeder Zeile an. Aber auch die unschönen Gegenden werden nicht ausgespart. Standesunterschiede werden gerade in der Freundschaft zwischen Wera und der Tochter der Wäscherin spürbar. Eine sorgfältige Recherche wird beim Zusammenspiel zwischen Fiktion und historisch belegten Ereignissen deutlich. Politische Entscheidungen fließen genauso ein wie Ollys Hang zur Wohltätigkeit, den sie auch ihrer Nichte nahebrachte.


    Obwohl Die russische Herzogin die Fortsetzung von Die Zarentochter darstellt, ist der Roman auch für sich zu lesen. Der Fokus liegt eindeutig auf Wera, sodass keine Kenntnisse von Ollys Kindheit vorausgesetzt werden. Beide Bücher zusammen ergeben ein abgerundetes Bild dieser beiden Württembergischen Königinnen russischer Herkunft. Die Romanbiografien sind eindeutig ein Lesetipp.