Als wir unsterblich waren - Charlotte Roth

  • "Wenn dein Haus zusammenstürzt, hörst du es vorher in den Wänden knacken." So beginnt "Als wir unsterblich waren" und entführt uns mit diesen Worten nach Ostberlin im Jahr 1989. Wir begegnen Alex, die bei ihrer Großmutter Momi lebt, und deren Haus am 09. November 1989 zweimal einstürzt: Es ist der Tag des Mauerfalls, nach dem alles anders ist. Und dann begegnet Alex am Grenzübergang noch Oliver und verliebt sich Hals über Kopf.


    Parallel reisen wir noch weiter in die Vergangenheit: Wieder in Berlin, doch diesmal im Jahr 2012, lernen wir am Wannsee Paula kennen. Hierbei handelt es sich um die Haupthandlung, die die Autorin geschickt in die Rahmenhandlung einflicht: Der Übergang fällt leicht, da der letzte Satz des Abschnittes zugleich in dem neuen Abschnitt einleitet. Der Abschnitt um Paula und ihre Lieben hat mich sehr berührt. Auch hier steht ein Umbruch bevor, doch stehen hier alle Zeichen auf Krieg. Und so begleiten wir Paula in turbulente Zeiten, die ihr Leben auf den Kopf stellen. Wir erleben die Geburtsstunde der Sozialdemokratie und den ersten Weltkrieg, der alles verändert und auch um Paula herum Opfer fordert.


    Ich war sehr gespannt auf dieses Buch von Charlotte Lyne, die sich unter dem Pseudonym Charlotte Roth auf ein neues Terrain begibt. Und ich wurde nicht enttäuscht: Auch hier hat mich die Sprachgewalt, mit der sie ihre Geschichten erzählt, auf Anhieb gefesselt. Die Charaktere sind wie gewohnt nicht eindimensional, sondern haben ihre Ecken und Kanten. Den einen oder anderen hätte ich gerne mal durchgeschüttelt. Auch die Nebencharaktere sind liebevoll ausgearbeitet und haben mich sehr berührt, allen voran Kutte, Deborah und Joachim. Ich habe mit Paula und ihren Freunden und Familienmitgliedern mitgelitten, und so war es ein hochemotionales Leseerlebnis, das mich so schnell nicht loslassen wird. Das Knacken in den Wänden hallt nach.


    10 Punkte für ein rundum gelungenes Leseerlebnis.

  • Zitat

    Original von Bookworm
    Das Knacken in den Wänden hallt nach.


    Was fuer ein schoener Satz - der freut mich immens.
    Vielen Dank, Bookworm.
    Alles Liebe von Charlie

  • Nein, Charlotte Roth war mir kein Begriff. Konnte sie ja auch nicht sein. Das Buch fiel mir in unserer örtlichen Buchhandlung in den Blick, also muss das Cover gut sein ;-)
    Der Klappentext sprach mich an,eine kurze Vor-Ort-Leseprobe machte Lust auf mehr. Aber ich hatte ja eigentlich keine Zeit zum Lesen, außerdem noch genügend Lesestoff zu Hause ...


    Beim derzeit eher seltenen Besuch der Büchereule stolperte ich am selben Abend über die Leserunde zum Buch und erfuhr, dass mir die Autorin doch nicht so ganz unbekannt ist. Also lud ich "Als wir unsterblich waren" auf meinen Kindle. Allerdings bin ich so gar kein Typ für Leserunden, das gemeinsame Lesen und Diskutieren von "Zwischengedanken" mag ich nicht. So wurde das Buch in hektischen Tagen zum Wegbegleiter. Im Spagat zwischen dem Unterrichten und Erstellen bzw. Korrigieren von Klassen- und Kursarbeiten, familiären Aktivitäten und politischem Engagement vor den Kommunalwahlen genoss ich jede Minute, in der ich in eine andere Zeit eintauchen und faszinierende Charaktere kennenlernen durfte.


    Reizvoll war der Wechsel der Perspektiven (Paula und Alex), geradezu genial fand ich die jeweiligen Übergänge. Beide Frauen und ihre Motivation erschienen mir zunächst sperrig und fremd, mit fortdauernder Entwicklung verstand ich sie immer besser. Der Leser hatte die Chance, der suchenden Alex immer einen kleinen Schritt voraus zu sein. Meine Lieblingsfigur ist allerdings eine andere, als es bei der Autorin oder vielen Lesern der Fall ist: Mich fasziniert Clemens in seiner Zerrissenheit und Getriebenheit (politisch und menschlich), dicht gefolgt vom so tragisch-sympathischen Harry.


    Die Kombination von Geschichte und Politik vermischt mit Geschichten von Liebe, Leid und Hoffnung hat mich gefangen genommen. Gerade in den Tagen verstärkten eigenen politischen Engagements gab mir "Als wir unsterblich waren" wertvolle Hinweise und relativierte Themen, über die ich mich aufregen zu müssen glaubte.


    "Als wir unsterblich waren" ist mein bisheriges Lesehighlight 2014. 10 Eulenpunkte.


    Und jetzt stürze ich mich in die Leserunde, deren Verlauf ich vor dieser kleinen Würdigung nicht kennen wollte ...

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

  • Das kommt voellig ueberraschend und ist darum umso schoener. Das Buch und ich fuehlen uns viel mehr als geschmeichelt.
    Danke.


    Und um ein Missverstaendnis auszuraeumen: Ich mochte Clemens sehr gern!
    Die Leser nicht, aber eigentlich bin ich das gewohnt.


    Anyway - ich freu mich sehr.


    Herzlich,
    Charlie

  • Bevor dieses Buch auf den Bestsellertisch platziert wurde, war es bei meinem Lieblingsdealer unter Belletristik zu finden. Trotz dieses unsäglichen Aufklebers im übrigen auch für männliche Leser.


    Ich habe häufig Probleme mit Titeln von Büchern, aber dieses Buch trägt einen Titel, der zu jeder Generation passt, zu jenem Lebensabschnitt in dem sich der Lebensentwurf noch formt und die Zukunft offen ist- und dem begegnen wir zweimal in diesem Buch, zwei verschiedene Generationen, unterbrochen gar von einer kaum erwähnten dritten, Großmutter und Enkeltochter werden uns beschrieben in diesem Abschnitt, in dem sie ihre Zeit in sich aufnehmen, sie selbst prägen und von ihr geprägt werden fürs ganze weitere Leben- was man bei der Jüngeren nur ahnen kann erzählt die Ältere.


    Dabei erzählt uns die Autorin die Geschichte der SPD zum Ende des Kaiserreiches, die Zersplitterung und das Ringen um den richtigen Weg parallel zum Erstarken einer anderen Bewegung, des Nationalsozialistischen Terrors. Das Ganze wirkt auf den heutigen Leser noch viel beklemmender, schließlich kennen wir die Zeitläufte, die den Personen des Romans bevorstehen, die Daten, die Schlachten, die unzählbaren Zahlen der Toten.


    Die Personen des Romans, wie soll man das beschreiben, was der Autorin da gelungen ist? Nein, keiner der da am Anfang des vorigen Jahrhunderts agiert ist für mich eine lebendige Figur aus der Nachbarschaft. Das sind Personen, die aus dieser Zeit stammen, sie lebendig machen, Figuren, die den alten Schwarzweißfotos aus den Büchern Farbe einhauchen, Atem und Fleisch, dreidimensonal steigen sie aus dem alten Fotopapier. Die Personen meiner Zeit aber, die kenne ich alle persönlich die da beschreiben sind, auch die Alten, sind sie doch auch die Generation meiner Großeltern und die Geschichten von Opa aus dem Schützengraben, so selten und so kurz sie erzählt wurden, das sind die Geschichten, die die Autorin beschreibt. Das ist die große Kunst der Autorin, sie beschreibt nicht, sie fantasiert nicht- nein sie ist im klassischen Sinne eine Erzählerin. So wie früher die Geschichten aus alten Zeiten von den Alten erzählt wurden, so lässt sie die Geschichte für den Leser lebendig werden. Kein belehrender Geschichtsunterricht, keine schwülstige Liebesgeschichte, sondern erzählte Leben. Chapeau.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

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  • Vielen Dank, beowulf!
    Dein Eindruck freut mich sehr. Ganz besonders "Opa aus dem Schuetzengraben". Denn da ist die Geschichte ja her.


    Alles Liebe von Charlie

  • Hier ist auch endlich meine Rezension....


    Endlich durfte ich mal wieder ein Buch meiner Lieblingsautorin Charlotte Lyne (oder auch Carmen Lobato oder eben Charlotte Roth) genießen. Ich weiß nicht genau, was sie mit den Worten macht, aber schon nach den ersten Seiten war ich mittendrin. Ihr mögt mir bitte verzeihen, wenn ich nicht so ganz objektiv sein kann, denn bisher mochte ich alle ihre Bücher. Sehr sogar.


    Das Buch spielt in zwei Zeitebenen. Einmal 1989 zur Zeit der Maueröffnung. Alexandra wohnt mit ihrer Momi (sagte ich schon, dass ich die Spitznamen in diesem Buch total toll finde?) ziemlich abgeschirmt in Berlin als sie die Nachricht erhält, dass die Mauer geöffnet wird. Alexandra macht das alles Angst und als sie dann auch noch mehr oder weniger zufällig Oliver kennenlernt und sich sofort verliebt, ist sie völlig verwirrt.
    Die zweite Zeitebene wird ab dem Jahr 1912 erzählt. Für mich war das der interessantere Handlungsstrang. Es geht vorwiegend um Clemens und Paula, die politisch sehr engagiert sind. Ihr Lebensweg vor, während und nach dem ersten Weltkrieg wurden so lebensecht beschrieben, dass ich mir direkt noch Bücher zu dem Thema, allerdings in Romanform, bestellt habe.


    Ich bin politisch nicht sehr versiert, daher ist es mir anfangs schwer gefallen über die politischen Themen den Überblick zu behalten. Aber das hat sich dann irgendwann gelegt. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und meiner Meinung nach völlig glaubwürdig.


    Lobend muss ich noch erwähnen, dass das Cover und der Titel perfekt zum Inhalt passen. Der Klappentext drückt - wie ich es schon sehr oft festgestellt habe - nicht annähernd aus, was in dem Buch steckt.


    Wer die Autorin noch nicht kennt, sollte sich ranhalten und es einfach mal versuchen. Ihr werdet es nicht bereuen.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Dieses Buch ist mein Monatshighlight im Mai 2014 und ich wage schon jetzt zu behaupten, dass es auch mein Jahreshighlight 2014 sein wird.


    Die Geschichte, die Charlotte Roth in diesem Roman erzählt, ist fesselnd, ergreifend, aufwühlend und in allen Punkten emotional, ohne jedoch die geschichtlichen Fakten zu verwischen. Dabei wird gekonnt ein großer Bogen geschlagen von der Wendezeit des Jahres 1989 zurück in die Jahre des endenden Kaiserreichs, des ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik. Insbesondere die Verknüpfung der beiden Zeitschienen ist genial.


    Die Figuren sind jede/r für sich rundum gelungen. Ich habe mit allen gleichermaßen mitgefiebert, sowohl mit Alex und Oliver im Jahr 1989 als auch mit Paula, Clemens und Co. in den Jahren 1912 ff., und es ist mir niemals schwer gefallen, mich in die beiden Protagonistinnen hineinzuversetzen. Insbesondere konnte ich ihr Handeln und Denken immer nachvollziehen, für mich gab es keine Reibungspunkte. Die Darstellung der Ereignisse und damit die Auswirkungen auf die jeweiligen Personen sind in sich absolut schlüssig.


    Dieses Buch zu lesen hat mir großen Spaß gemacht. Ich konnte entdecken, welche geschichtlichen Fakten mir noch präsent waren und darüber hinaus viel Neues lernen. So manch ein Zusammenhang ist mir nun besser verständlich. Und ich habe Lust bekommen, noch viel mehr über diese „seltsame, wilde, überbordende“ Zeit des frühen 20. Jahrhunderts zu lesen, in der ein Umbruch den nächsten jagte und die Menschen trotz aller Widrigkeiten ihr Glück fanden - und ihr Leben mit Schuld belasteten, die sie nicht mehr abzuschütteln vermochten.


    Ich bin froh, das Buch in der Leserunde hier gelesen zu haben und danke Charlie sehr für die tolle Begleitung und die zusätzlichen Informationen! Auf das nächste Werk von Charlotte Roth bin ich schon mehr als gespannt…


    Das Buch bekommt von mir verdiente 10 Eulenpunkte und eine absolute Leseempfehlung.

    Aktuelle Lektüre: Eine Hand voller Sterne - Rafik Schami | Der Zorn der Einsiedlerin - Fred Vargas
    SUB: 67

  • Herzlichen Dank!
    Ich freu mich, dass Paulas Geschichte so freundlich von euch aufgenommen wurde. Es hat mir viel Spass gemacht, euch beim Lesen zuzuschauen.


    Alles Liebe von Charlie

  • Dank des Wanderbuchs, das mir zur Verfügung gestellt wurde, konnte ich dieses Buch auch zeitnah lesen. Mich reizten die Zeiten, in denen die Geschichten spielen. Kurz vorm ersten Weltkrieg, zu dem ich bisher kaum etwas gelesen habe und dann der Mauerfall 1989, den ich am TV mitgekriegt habe und der mich immer wieder fasziniert.


    Paula und Alex, Großmutter und Enkelin, so unterschiedlich. Ich war von Paula von Beginn an gefesselt, über sie erfährt man auch viel mehr, während Alex eher die stille Beobachterin ist, die Stubenhockerin, die eher aus Zufall am Abend des Mauerfalls die Grenze nach West-Berlin überschreitet. Doch beides interessante Personen, wie sie zu dem Menschen geworden sind, den wir in der Jetzt-Zeit begegnen.


    Die politischen und historischen Ereignisse ab 1912 haben mich mehr begeistern können, da habe ich etliches nachgeschlagen, um mehr zu erfahren. Das ist bei einem historischen Roman für mich nicht immer so, doch hier waren soviele Geschehnisse drin, die teilweise nur gestreift werden konnten, was aber oftmals ausreichte. Etwas langwierig und schwierig zu lesen fand ich Clemens' Zeit im Krieg, doch gehört es dazu, auch das zu schilden.


    Der Schreibstil war genau richtig, ich hätte das Buch am liebsten ohne abzusetzen verschlungen. Am Ende brauchte ich erst mal eine Verschnaufspause und Tapetenwechsel in der Lektüre. Für mich eine Entdeckung, diese Autorin, von der ich bisher nichts gelesen habe. AUf jeden Fall ein Lesehighlight, dem ich viele Leser wünsche und gerne weiterempfehlen werde.


    10 Punkte von mir.

  • Inhalt:
    Der November 1989 hätte für die Berliner Studentin Alexandra der schönste Monat ihres bisherigen Lebens werden können. In der Nacht der Maueröffnung lernt sie den Westberliner Oliver kennen und verliebt sich sofort in ihn. Nach ein paar glücklichen Tagen zu zweit möchte Alexandra Oliver ihrer Oma vorstellen, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt. Doch Omi ist alles andere als erfreut über den neuen Freund ihrer Enkelin. Denn sein Anblick erinnert sie an jemanden in ihrer eigenen Jugend und löst einen Herzinfarkt bei der alten Frau aus. Geschockt von den Ereignissen versucht Alexandra irgendwie mehr über die Vergangenheit ihrer Großmutter herauszufinden.


    Meine Meinung:
    Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich das Buch wahrscheinlich nicht gelesen hätte, wenn ich nicht wüsste, dass Charlotte Roth ein Pseudonym ist und sich dahinter eine von mir sehr gerne gelesene Autorin verbirgt. Denn die Kombination aus Cover und Titel lassen auf den ersten Blick auf einen Liebesroman schließen und diese sind eigentlich so gar nicht meins. Aber da ich der Autorin vertraue, habe ich dieses Buch trotzdem gelesen. Auch wenn sicherlich die Liebe eine wichtige Rolle in diesem Buch spielt, ist sie nicht kitschig oder zuckersüß, was man erwarten könnte, wenn man im Klappentext das Stichwort „Liebe auf den ersten Blick“ liest. Sie ist eher realistisch mit ihren Höhen und Tiefen, was mir gut gefallen hat. Nun wo dieser Punkt geklärt ist, stellt sich die Frage: worum geht es außerdem?


    Der Roman erzählt die Geschichte von Alexandra und ihrer Oma Paula, wobei eigentlich der Schwerpunkt ganz klar auf Paulas Leben in der Zeit um den ersten Weltkrieg liegt. Mich hat es fasziniert vom Leben der Menschen während dieser Zeit zu lesen. Obwohl die Weimarer Republik und erster Weltkrieg natürlich Thema im Geschichtsunterricht gewesen sind, habe ich vom Unterricht wenig behalten. Die Schilderung des Stellungskriegs ist bei mir hängengeblieben, aber von den Anfängen der SPD sowie der Rolle von Karl Liebknecht und seinen Parteikollegen weiß ich nichts mehr. Daher war das Lesen dieses Buches für mich sehr lehrreich. Allerdings möchte ich betonen, dass die historischen Fakten von der Autorin sehr gut in die Geschichte eingeflochten wurden, so war es beim Lesen nie langweilig und ich hatte auch nicht das Gefühl belehrt zu werden. Genauso mag ich historische Romane.


    Die Figuren und Orten sind auch gut geschildert. Obwohl ich noch nie in Berlin war, konnte ich mir die Handlungsorte gut vorstellen. Bei den Figuren wurden zum Glück keine Klischees bedient. Auf mich machten sie den Eindruck als wären sie aus dem Leben gegriffen. Bei Paula hatte ich am Anfang zwar das Gefühl, dass sie vielleicht etwas zu perfekt ist. Aber das hat sich später gelegt. Daher gibt es von mir hier auch nichts zu kritisieren.


    Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Wer gerne historische Romane liest oder sich für die politische Geschichte Deutschlands interessiert, dem ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Von mir gibt es sehr gute 9 Eulenpunkte.

  • Ich durfte dieses Buch als Wanderbuch hier bei den Büchereulen lesen und möchte mich dafür auch noch einmal herzlich bedanken. :blume


    Mir war zu Beginn auch nicht klar, dass es sich bei der Autorin um ein Pseudonym von Charlotte Lyne handelt. Sonst hätte ich mich garantiert gleich zu der Leserunde angemeldet und hätte mir das Buch auch selber gekauft.
    Ich liebe einfach die Bücher von Charlotte Lyne und auch dieses Buch "Als wir unsterblich waren" hat mich wieder total in seinen Bann gezogen und einfach nur begeistert.


    Ich denke zum Inhalt muss ich nichts mehr schreiben, bei den vielen Rezis die es hier schon gibt.
    Ich habe begonnen das Buch zu lesen und schon nach den ersten Seiten hat es eine Sogwirkung auf mich ausgeübt, dass ich es nicht mehr aus den Händen legen mochte.
    Ich finde es einfach toll, wie die Autorin ihre Figuren in dem Roman zeichnet: Alle Personen sind wie aus dem echten Leben gegriffen, alle haben ihre Fehler und Schwächen, keiner ist perfekt aber jeder ist für sich liebenswert und einzigartig. Und ganz nebenbei kann man seine Geschichtskenntnisse über die Entstehung des ersten Weltkrieges, die Entwicklung der Partei SPD und die Weimarer Republik auffrischen. Ich hatte das alles natürlich schon im Geschichtsunterricht gelernt, aber wenn man es aus der Perspektive von Paula und ihren Freunden, von Leuten die wirklich dabei waren erzählt bekommt, ist das natürlich noch viel eindrucksvoller und einprägsamer.
    Das Buch hat mich emotional sehr stark beeindruckt. Es ist für mich das Monatshighlight im Juni und bis jetzt auch mit Abstand mein Jahreshighlight- Buch! Das Buch bekommt natürlich die vollen 10 Eulenpunkte!


    Ich werde mir auf jeden Fall noch ein eigenes Exemplar von diesem Buch kaufen, ich möchte es einfach gerne selber in meinem Schrank stehen haben.
    Vielen Dank an die Autorin für dieses wundervolle Buch und die schönen Lesestunden die ich damit hatte. Und ich wünsche mir noch ganz viele Bücher von Charlotte Roth bzw. Charlotte Lyne für die Zukunft.

  • Der Roman "Als wir unsterblich waren" von Charlotte Roth erzählt die Geschichte des Mauerfalls in Berlin im November 1989 anhand der Romanfiguren Alexandra (kurz Alex) und ihrer Großmutter "Momi".


    In Rückblicken wird die Geschichte von Paula erzählt - die im Berlin vor dem ersten Weltkrieg lebte. Die Lebensgeschichte eines jungen Mädchens, einer jungen Frau, die die Liebe erlebt - mit allen Höhen und Tiefen. Und mit ihrer Geschichte wird dem Leser auch die deutsche Geschichte dieser Ära nähergebracht. Mit Paula erlebt man die Schrecken des ersten Weltkriegs - und die politische Zeit der Weimarer Republik... Ein wunderschöner Roman der wichtige Zeiten der deutschen Geschichte näher beleuchtet - und das alles dargestellt mit sympathischen Figuren, die man schnell lieben lernt, und deren Lebenslauf man weiter verfolgen möchte. Ein Buch, daß ich nur schwer aus der Hand legen konnte!


    Für mich 10 Eulenpunkte - ein Lesehighlight dieses Jahres!


    Vielen Dank an Charlie für die engagierte Begleitung dieser Leserunde und vielen Dank für die schönen Lesestunden, die Du mir beschert hast! Für mich neben der zwölften Nacht das schönste Buch das ich von Dir gelesen habe! :anbet

  • Es wurde ja als Leserundenbuch im Forum angekündigt immer auf der ersten Seite und irgendwie war ich genervt jeden Tag diesen Titel „Als wir unsterblich waren“ zu lesen :grin
    Habe auch nicht rein geschaut oder mal den Klappentext gelesen.
    Dann hats mir gereicht und ich habe mal die Rezis gelesen. Als ich dann auch endlich mitbekam, Charlie hats verbrochen und die Rezis Lesevergnügen versprachen mußte ich es haben.


    Dieses Buch war einfach großartig. Auch wenn solche Bücher schwierige Zeiten beschreiben, wie die Menschen ihr Schicksal meistern, mag ich solche Geschichten gerne lesen. Man leidet mit der Familie mit den Freunden ist traurig wenn jemand den man lieb gewonnen hat stirbt und und und.


    Wer mir ein bisschen farblos ....nee das ist nicht das richtige Wort eher unbeholfen und unwissend vor kam war Alexandra. Aber ich nehme mal an mit ihrem Oliver wird sich das ändern.


    Ich glaube das schreibe ich jetzt zum zweiten Mal :rolleyes, ich sollte die anderen Bücher auch endlich mal lesen. :grin


    ten points

  • Und hier auch noch einmal:
    Vielen, vielen Dank fuer die schoenen Rezensionen und euer Interesse an meinem Buch. (Oemchenli, ich kann das, was du beschreibst, SO nachvollziehen. Ich habe hier auch einmal eine Runde zu einem Titel, den ich grauslig fand, "miterlebt", und jedes Mal, wenn ich hier auftauchte, stand dieser grauslige Titel ganz oben, und mir lief ein Schauder uebers Nackenfell. So tapfer wie du war ich allerdings nicht - ich hab's nicht gekauft. Ich bin so'n hysterischer Wortekler und haette den Titel vermutlich ueberkleben muessen.)


    Ich freue mich riesig, dass mein Buch bei euch eine so freundliche Aufnahme fand.
    Vielen Dank dafuer - und allen einen schoenen Tag.
    Herzlich,
    Charlie

  • Als wir unsterblich waren ist ein ganz besonderes Buch. Beginnend mit der Geschichte von Alex zum Tag der Maueröffnung 1989 beschreibt es die Geschichte zweier Frauen, zweier Generationen so packend dass man es kaum weglegen möchte.


    Alex ist eine behütete, eher ängstliche junge Frau, die bei ihrer Großmutter Momi lebt in Ost-Berlin lebt und nicht viel vom Leben weiss. Sie kennt weder ihre Familiengeschichte noch weiss sie, wer eigentlich ihre Großmutterist bzw. wie sie gelebt hat. Erst das Zusammentreffen mit dem jungen Oliver setzt Vorgänge in Bewegung die Alex Angst machen, aber auch ihre Neugier wecken.


    Während dieser Teil der Geschichte für mich eher schmückendes Beiwerk war, hat mich die Geschichte um Paula und Clemens kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges unheimlich gefesselt. Die jungen Menschen leben in einer Zeit, in der es rasante Veränderungen gibt, nichts so bleibt wie es ist und die Angst um Freunde, Familienmitglieder und Hab und Gut schnell zum neuen Alltag gehört. Charlotte Roth hat es verstanden, diesen Alltag dem Leser nahe zu bringen, man konnte die Gefühle und Gedanken der Protagpnisten gut verstehen, man litt mit ihnen und freute sich mit ihnen wenn es gute Nachrichten gab.


    Ganz besonders mochte ich die liebevoll gezeichneten Charaktere wie z.B. Kutte und Klara, auch diese Darstellung ist hervorragend gelungen. Die Geschichte ist mir an`s Herz gegangen und war lehrreicher als so manche Geschichtsstunde, daber kann ich dieses Buch getrost in vollem Umfang weiterempfehlen.

  • Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Wie viel Leid verkraftet ein Leben?


    Diesen Roman hatte ich mir ausgesucht, weil er hauptsächlich in einer Zeit spielt, nämlich vor dem 1. Weltkrieg, die mich brennend interessiert und ich muss sagen, dass Romangeschehen und wirklich geschehene Geschichte perfekt miteinander verknüpft worden sind.


    Dieser historische Roman beschreibt das Leben zweier Frauen aus unterschiedlichen Welten, die aber eng miteinander verbunden sind, da sie Großmutter und Enkelin sind. Enkelin Alexandra ist sehr schüchtern und tut sich schwer mit dem Neuanfang im wieder vereinten Deutschland. Umso mehr ist sie getroffen als ihre alles geliebte Großmutter ins Krankenhaus muss. Sie wird doch wohl nicht sterben müssen?


    Die Haupthandlung nimmt das Leben der Großmutter ein, beginnend erzählt im Jahre 1912 als Paula alias Momi eine junge Frau ist. Sie setzt sich für die Rechte der Frau ein, kämpft für die Arbeiterbewegung und möchte ein Land, in dem alle friedlich miteinander leben können, nur leider befindet sich das Land im Umbruch.


    Charlotte Roth hat diesen historischen Roman mit so viel Geschichtswissen angereichert, dass er nicht nur der Unterhaltung dient, sondern man auch noch viel über das eigene Land erfährt und die politischen Umbrüche, die es erleben musste.


    Paula ist hier die Hauptperson, mit der man mitfühlt und leidet, mitbangt und Freude empfindet. Alexandra und die Zeit um 1989 wird immer wieder nur am Rande erwähnt, denn vielmehr dient dieser neue Umbruch (der Mauerfall) dazu, Momi zu motivieren ihre Lebensgeschichte zu erzählen.


    Gefallen hat mir, dass zum Ende hin alle Geheimnisse gelüftet werden und alle Handlungsstränge in ein schlüssiges Ende führen. Das Ende hat mich mit vor Staunen offenem Mund zurückgelassen.


    Fazit: Auch wenn ich mir mehr Handlung im Jahr 1989 gewünscht habe, weil ich diese Zeit selber miterlebt habe, fand ich diesen Roman einfach großartig. Ich kann ihn nur jedem empfehlen, der auch nur minimal etwas für deutsche Geschichte übrig hat. Klasse Lektüre, ein Lese Must- Have!


    Bewertung: 10/ 10 Eulenpunkten

  • Zitat

    Original von nicigirl85
    Diesen Roman hatte ich mir ausgesucht, weil er hauptsächlich in einer Zeit spielt, nämlich vor dem 1. Weltkrieg, die mich brennend interessiert


    Kleine Korrektur, damit neue Leser nicht mit falschen Erwartungen an dieses Buch rangehen. Das Buch beginnt vor dem 1. Weltkrieg, spielt aber nur zu einem kleineren Teil in dieser Zeit und bewegt sich dann weiter. Die Weimarer Republik würde ich eher als Kernzeit der Erzählung sehen.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • Als wir unsterblich waren ist als Wanderbuch zu mir gekommen, und auch wenn ich anfangs eine gewisse Unlust verspürte, mich auf das Thema einzulassen, hat es mich schon nach kurzer Zeit so sehr gepackt, dass ich in jeder freien Minute weiterlesen musste und deshalb auch nicht an der Leserunde teilnahm, die, wie ich gerade las, sehr interessant sein soll.


    Eine Inhaltsangabe muss ich hier wohl nicht mehr schreiben.


    Meine Eindrücke
    Als wir unsterblich waren ist meiner Meinung nach ein beeindruckend gelungener historischer Roman über die Zeit vor und während des 1.Weltkrieges, die Schwierigkeiten der Weimarer Republik und das Aufkommen und die Erstarkung der Nationalsozialisten bis zur Machtübernahme der NSDAP.
    Zudem wird diese Zeit verknüpft mit dem Fall der Mauer 1989.


    Über den 1.Weltkrieg und die Weimarer Republik wusste ich eigentlich einmal recht viel, hatte aber davon schon wieder vieles vergessen. Insofern war das Lesen für mich eine Wiederauffrischung. Auf eine sehr lebendige Art, denn es ist mir dank der gelungenen Gestaltung der unterschiedlichen Charaktere leicht gefallen, mich in die Menschen, die in dieser Zeit lebten, hineinzuversetzen.
    Dass der verbitterte Kampf zwischen SPD und U-SPD eine Einheitsfront gegen den Natioanlsozialismus verhindert hat, so dass sich Hitler und seine Schargen immer mehr ausbreiten und schließlich die Macht an sich reißen konnten, ist eine der ernüchternden Wahrheiten, die deutlich und auch verständlich werden. Schon in dem Buch Einig gegen Recht und Freiheit von Bernd Engelmann hatte ich darüber gelesen, hier wurden mir nun mehrere der unterschiedlichen privaten und politischen Gründe für die Spaltung der SPD deutlich. Die entsetzlichen Auswirkungen, die das für die Sozialdemkraten und die U-SPD-Mitglieder nicht erst in der Zeit des 2.Weltkrieges hatte, sondern auch schon lange zuvor, sind heutzutage vielen Menschen nicht mehr bewusst. Wie schwierig es gewesen sein muss, in der Not nach dem Ende des Krieges und der erneuten Not dank der Wirtschaftskrise in der Zeit der Weimarar Republik noch zu wissen, was zu tun das Richtige ist, kann man mit den Figuren unmittelbar miterleben.
    Es hat mich sehr mitgenommen, diesen Roman zu lesen. Ich bin beeindruckt davon, wie die Autorin das Ende gestaltet hat.


    Im Anhang las ich, dass Verlage vor diesem Thema zurückschrecken. Vielleicht wissen auch deshalb heute nicht mehr allzu viele Menschen über diese Zeit Bescheid, obwohl es ein wichtiger Teil unserer Geschichte ist und auch heutzutage noch dazu beitragen kann, Einsicht in wichtige Zusammenhänge zu gewinnen. Gerade in einer Zeit, in der wir das Erstarken der Rechten innerhalb Europas erleben, kann es nur gut sein, dass es dieses Buch gibt. Es ist nicht einfach nur ein historischer Roman, sondern einer mit Bezug zur Gegenwart und zugleich einer so gelungenen Spannungskurve, dass er auch diejenigen in Bann ziehen kann, die sonst eher ungern historische Romane lesen.
    Ich hoffe, er findet weite Verbreitung.
    Auch würde ich mir wünschen, dass dieser Roman innerhalb Europas Verbreitung findet und in viele Sprachen übersetzt wird.


    Eine klare Leseempfehlung!


    10 Eulenpunkte für diesen sehr gelungenen Roman.