'Im Schatten der Königin' - 1. Zwischenspiel - Kapitel 06

  • Zitat

    Original von Lumos


    Der Sprachstil ist ein bisschen umständlich und verlangt Konzentration, aber ich genieße ihn. Solche kleinen Dialoge wie auf S. 121 am Ende des Absatzes (ein einfaches Ja hätte genügt...) amüsieren mich.


    Das stimmt, man muss seinen Kopf schon ein bisschen zusammennehmen, um dem Geschehen folgen zu können. Aber, ich genieße das Buch auch sehr :-] Ansonsten bin ich ja auch ein Schnellleser, so dass es für mich etwas ungewohnt ist, doch eher langsam durch eine Geschichte zu gehen.


    Ich finde übrigens, dass man Tom als Ich-Erzähler charakterlich gut ausmachen kann. Das ist ja, wie oben schon von Tanja erwähnt, nicht ganz leicht bei dieser Erzählperspektive.

  • So, endlich habe ich Zeit hier zu schreiben (denn weitergelesen habe ich direkt). Mir gefällt das Buch sehr gut - und in der Ich-Perspektive Tom zu folgen ist schon sehr spannend.


    Ich bin neugierig, wie seine Affäre mit Amy wohl aussah? :gruebel


    Auf jeden Fall ist es sehr wichtig, daß er den Tod von Amy aufklärt - auch für sein weiteres Leben,denn er scheint ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen zu haben.


    Nur warum hat Amy allen gesagt, sie sollten gehen? Das scheint nicht zu ihrem Charakter zu passen... :gruebel

  • Zitat

    Original von Büchersally


    Agnes Cross bringt noch die Schmerzen in Amys Brust zur Sprache. Können die nicht vielleicht so stark gewesen sein, dass sie lieber einen Genickbruch herbeiführen wollte als sie weiter auszuhalten?


    Da hab ich eher an das broken heart syndrome gedacht... :gruebel
    Vll hatte sie ne KHK oder so und ist wirklich natürlicher Ursache gestorben durch nen Herzinfarkt oder so und das halt leider zufällig oben an der Treppe? Dann hätte sie vll deswegen nicht geschrieen.. :gruebel


    Zitat

    Original von Tanja Kinkel


    Die Schmerzen in Amys Brust haben später Historiker dazu veranlaßt, zu spekulieren, ob sie Brustkrebs hatte. Wir werden es natürlich nie wissen.


    Ah hm oder so...


    Zitat

    Original von Rouge


    Seltsam ist ja schon, warum Amy alle Leute in dem Haus zu dem Jahrmarkt geschickt hat. Warum wollte sie unbedingt alleine bleiben? Wahrscheinlich wollte sie sich heimlich mit jemandem treffen??


    ja, gute Frage! Und vor allem, weil es ja anscheinend doch vorher bekannt war?


    Zitat

    Original von Zwergin



    irgendwo liegt der Gedanke ja auch nahe, dass seine Frau Robin nur noch im Weg war, wobei man, wenn man näher drüber nachdenkt, (was Klatschmäuler aber ja eher selten tun :lache) ein so rätselhafter Tod Robin mehr schadet als nutzt, war ja auch so.


    Also mir kommts eig schon so vor, als ob ihm das eher schadet!! Und der Königin ja auch mit. Ich kann mir nciht vorstellen, dass es Robin war und er dann Tom zur Untersuchung hinschickt (so wie es hier im Krimi zumindest ist)!


    Zitat

    Original von Lumos


    Ich meine, Tom deutet immer wieder an, dass er mit Amy so etwas wie ein Verhältnis hatte. Frühjahrswahnsinn nennt er es auf S. 120.


    Ja, sieht wohl so aus!!
    War es damals eig wirklich so, dass damals jeder Mann mit allen möglichen Frauen was hatte oder kommt mir das nur hier in dem Buch so vor? Irgendwie ist es mir hier schon zu viel...
    Aber vll hab ich auch einfach ne zu gute Meinung von den Leuten heute? :gruebel


    Ich finds übrigens auch an und an ein wenig holprig, aber bisher hält mich zumindest Frobisher gut dabei, über den muss ich immer wieder lachen und auch die Szene in der Küche fand ich ziemlich genial, als Tom sich für einen Arbeitssuchenden ausgibt! :grin

  • Nightflower, Statistiken über eheliche Treue im sechzehnten Jahrhundert lassen sich schwer erstellen, weil ja nur im Fall einer unehelichen Schwangerschaft zweifelsfrei erwiesen war, daß sich da etwas getan hat... aber davon gab es schon eine ganze Menge. Und Gonorhae sowie Syphilis breiteten sich sehr schnell aus, was bei mehrheitlich monogam lebenden Männern wohl nicht der Fall gewesen wäre.


    Heute gibt es nicht nur Empfängnisverhütung, sondern vor allem auch sehr viel einfachere Wege, sich scheiden zu lassen, und die Ehen - die hauptsächlich aus Neigung geschlossen werden, während sie zu Zeiten des Romans mehrheitlich arrangiert wurden - , werden wenigstens in unserem Teil der Welt nicht ausschließlich von Männern dominiert, also kann man die Verhältnisse kaum vergleichen.

  • Zitat

    Original von bibliocat


    Nur warum hat Amy allen gesagt, sie sollten gehen? Das scheint nicht zu ihrem Charakter zu passen... :gruebel


    Ja das ist wohl die Krux, womöglich hat sie einen Brief bekommen, dass sie ein heimlicher Liebhaber treffen wollte und sie sollte keine Zeugen haben??? Die taube, nciht mehr auf dieser Welt weilenden Mrs. Owens kann man ja nicht zählen.
    Wie war der Tipp, nur mit verheirateten Frauen, obwohl sie es dann schwerlich ihrem Ehemann hätte unterschieben können so oft wie der da ist?? :gruebel


    Zumindest mit diesem Abschnitt bin ich gestern fertig geworden.
    Ja Frobisher macht Laune aber auch die Befragungen des Personals, der Knechte und Marktbesucher finde ich interessant.
    Bei der Dienerschaft scheint einiges im Argen zu liegen.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Der Dialog zwischen Tom und der zänkischen Frau sind sehr amüsant zu lesen.


    Selbstmord als Todesursache kann ich mir schlecht vorstellen. Das würde eine so grosse Überwindung kosten, dann die "Gefahr" nicht zu sterben und sich schwer zu verletzen... Ich denke, sie hat eine Botschaft bekommen, wollte den Besuch alleine empfangen und ist dann entweder gestolpert oder vom Besucher geschubst worden.
    Allerdings wäre einerseits ein Unglück wie stolpern kein so spannendes Ende für ein Buch, andererseits hätten die verbleibenden Damen den Besuch/Mörder sehen müssen. Vielleicht gibt es ja doch noch Zeugen.

  • Zitat

    Original von Tanja Kinkel
    Nightflower, Statistiken über eheliche Treue im sechzehnten Jahrhundert lassen sich schwer erstellen, weil ja nur im Fall einer unehelichen Schwangerschaft zweifelsfrei erwiesen war, daß sich da etwas getan hat... aber davon gab es schon eine ganze Menge. Und Gonorhae sowie Syphilis breiteten sich sehr schnell aus, was bei mehrheitlich monogam lebenden Männern wohl nicht der Fall gewesen wäre.


    Heute gibt es nicht nur Empfängnisverhütung, sondern vor allem auch sehr viel einfachere Wege, sich scheiden zu lassen, und die Ehen - die hauptsächlich aus Neigung geschlossen werden, während sie zu Zeiten des Romans mehrheitlich arrangiert wurden - , werden wenigstens in unserem Teil der Welt nicht ausschließlich von Männern dominiert, also kann man die Verhältnisse kaum vergleichen.


    Stimmt :D
    An manche Dinge, die du hier erwähnst, hab ich gar nciht gedacht.
    Mir kams halt einfach extrem vor, dass Tom so tut, als ob es normal wäre, dass man ständig mit irgendeiner anderen schläft und man dann maximal ein mini kleines bisschen ein schlechtes Gewissen hat. Finde sowas total traurig und auch immer wieder sehr abstoßend.
    Ja, vll sind viele heut auch noch so, kA. Aber so von den Leuten her, die ich so kenne, kommt mir nciht so vor, als ob das so Gang und Gäbe wäre.
    Allerdings kann ich natürlich auch nciht beurteilen, wie man sich zB nach ner Schlacht fühlt oder so. :gruebel
    Ach, ich sollte da einfach nimmer drüber nachdenken^^

  • Nightflower, Tom ist ein Erzähler, der die Schwere von Ehebruch gerade deswegen herunter spielt, weil ihn das schlechte Gewissen plagt (sowohl seines eigenen Verhaltens wegen als auch, weil er in dieser Hinsicht Robins Mentor war). Er wird den ganzen Roman über von den Konsequenzen verfolgt, eben weil Affären, wenn dein Partner nicht die gleiche Einstellung hat wie du, sehr wohl schwerwiegende emotionale Schäden hinterlassen können.


    Ich-Erzähler bringen immer ihre eigenen Vorurteile mit (es sei denn, der Autor macht es sich leicht und lässt sie nur die eigenen Einstellungen haben). Toms "Männer sind rational, Frauen sind emotional" Vorurteil z.B., das er mehrfach äussert, wird in dem Buch ad absurdum geführt, wenn man sich das tatsächliche Verhalten der Figuren anschaut.

  • Zitat

    Original von Nightflower



    Ja, sieht wohl so aus!!
    War es damals eig wirklich so, dass damals jeder Mann mit allen möglichen Frauen was hatte oder kommt mir das nur hier in dem Buch so vor? Irgendwie ist es mir hier schon zu viel...
    Aber vll hab ich auch einfach ne zu gute Meinung von den Leuten heute? :gruebel



    Da solltest Du mal Bücher über den Sonnenkönig lesen. Ich glaube. dass die Fruaen damals wegen der Versorgung verheiratet wurden oder um Linien weiterzuführen. Und sie konnten sich durch Beischlaf Einfluss verschaffen so war das eine einfache Sache und sozusagen eine Notwendigkeit, zumindest in höheren Kreisen. Das einfache Volk hatte genug Sorge um das tägliche Leben um sich solche Extravaganzen zu erlauben.


    Zusatz: Es gibt doch auch heute Leute von denen man sagt, der/die hat sich hochgeschlafen :grin

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

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  • es tut mir leid dass ich garnicht mehr mitkomme...aber ich hab vor dem Wochenende eine sehr schlechte Nachricht aus dem familienkreis bekommen, war dann auf einem Kongress und dachte ich kämme jetzt dazu...aber werd dauernd aufgehalten...ich flitz die Tage hinterher...

  • In diesem Abschnitt gibt es wahnsinnig viele Informationen, wie Brotkrümchen hingestreut.
    Die Vielzahl der Personen verbietet es, zu schnell über den Text zu lesen ;-) .


    Bei den Brustschmmerzen dachte ich eigentlich auch eher an ein Herzproblem. Vielleicht hatte sie ja einen Herzinfarkt, auch wenn sie noch relativ jung war. Damals sind ja die meisten Leute ziemlich früh gestorben. Selbst Thomas wird mit seinen 40 Jahren als relativ alt dargestellt ... . Seinheutiges biologisches Alter läge wohl bei 65 :yikes


    Dass Amy sich selbst umgebracht hat, glaube ich nicht. Aber auch nicht, dass sie Brustkrebs hatte. Dagegen spricht, dass sie diese Schmerzen über so lange Jahre hatte. Herz klingt schon eher logisch, Sei es psychisch mitverursacht, evtl auf dem Boden einer organischen Grunderkrankung.


    Die Bediensteten kommen mir alle ziemlich seltsam vor. Die haben doch alle irgendwas zu verbergen, bzw. wissen mehr, als sie Thomas bisher mitteilten.


    Frobisher ist sehr gelungen.


    Thomas hatte mit Sicherheit ein Verhältnis mit Amy, so seltsam wie er sich äußert, als er in Amys Bett liegt und ihr Duft ihn umgibt ...


    Elizabeth kommt bislang so kühl rüber, wie ich sie mir vorstellte. Auch wenn sie zu Robin wahrscheinlich eine heftiges Verhältnis hatte, bzw. verliebt war, und auf Amy eifersüchtig ist.
    Allerding denke ich nicht, dass sie ihren Tod in Auftrag gegeben hat. Robiin selbst wäre es durchaus zuzutrauen.


    Ich lese gespannt weiter.

  • Kirsten, die durchschnittliche Lebenserwartung war damals, glaube ich, 36 Jahre. (Aber nagele mich darauf nicht fest, ich habe es nicht nachgeschaut, und die Recherche ist ein Jahrzehnt lang her.) Das gilt natürlich für die Gesamtbevölkerung. Thomas hat den Vorteil, Mitglied der Gentry zu sein. Er hat nie hungern müssen, selbst, als es den Dudleys schlecht ging, und keine körperliche Schwerstarbeit leisten, was seine Lebenserwartung steigert. Aber er wird tatsächlich bereits als Mann in mittleren Jahren betrachtet.

  • Das damalige Durchschnittsalter war mit Sicherheit nicht viel älter. Auf die heutige Zeit übertragen schon erschreckend. Aber mit den damaligen hygienischen und medizinischen Verhältnissen logisch.
    Ich bin durchaus froh jetzt zu leben ;-)

  • Kirsten, so ist es. Daher wurden Mädchen auch mit 13 Jahren als erwachsen und heiratsfähig betrachtet. (Was immer noch später war als zwei Generation vorher: die Mutter des ersten Tudor-Königs, Margaret Beaufort, ist mit 12 verheiratet und geschwängert worden und brachte mit 13 ihr erstes und einziges Kind zur Welt, den späteren Heinrich VII. Brrr.) Fairerweise muß man dazu sagen, daß die meisten Mädchen schon ein paar Jahre später verheiratet wurden, eher mit 17 aufwärts.