'Die Stadt des Zaren' - Seiten 104 - 182

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    Original von Lumos


    Mir gefällt das Buch nach wie vor gut, für mich vielleicht einen Hauch zu beschreibungslastig. Gerade wenn es um den Zaren geht, habe ich den Eindruck, dass besonders viel Rechercheinformation einfließt. Im Prinzip begrüßenswert, aber gegen ein bisschen mehr Action hätte ich nichts einzuwenden :-).


    Lumos, ich bin froh, dass Du es aussprichst. Ich mag es ja gerne, dass ich Infos bekomme aber es liest sich schon zeitweise ein bisschen wie ein Geschichtsbuch. Das romanhafte erzählerische kommt manchmal etwas kurz. Das empfindet ja jeder etwas anders. Ich erfahre die Dinge auch gerne durch Handlung und Gespräch. Es muss mir nicht alles als reine Info beschrieben werden.
    Ich kann es auch nicht genauer ausdrücken. ;-)

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    Original von Dreamchen
    Vor einiger Zeit habe ich einen Bericht gesehen da ging es unter anderem um das starke Alkoholproblem vor allem der russischen Männer ,die dadurch auch sehr früh arbeitsunfähig werden.Hat sich wohl nicht viel verändert.


    Also Alkohol ist in Russland und auch in den ganzen nordischen Ländern ein sehr großes Problem. Vor allem auch viel Selbstgebrauter und gesundheitsgefährdender Alkohol. (Äh, also noch gesundheitsgefährdender also normalerweise schon. ;-))

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    Original von hollyhollunder


    Also Alkohol ist in Russland und auch in den ganzen nordischen Ländern ein sehr großes Problem. Vor allem auch viel Selbstgebrauter und gesundheitsgefährdender Alkohol. (Äh, also noch gesundheitsgefährdender also normalerweise schon. ;-))


    Ja das ist dann wohl fast Brennspiritus :gruebel

  • Was ich mich immer wieder frage ist, wie es Zar Peter anstellt, sein Reich zu regieren. Wenn er in St. Petersburg ist, kümmert er sich doch vor allem um den Bau. Entgleitet ihm nicht vieles, wenn er nicht selbst in Moskau anwesend ist? Aber anscheinend funktioniert es. (Auf S. 113 heißt es ja, daß er viel im Reich unterwegs sei; das ist das, was ich eigentlich erwarten würde.)


    Er will Rußland mit Gewalt in die Moderne führen, gegen alle Widerstände. Ich habe nicht mehr im Kopf, inwieweit ihm das gelungen ist.


    Die drei Albrecht Kinder sind so verschieden wie Tag und Nacht - wodurch sich erzählerisch natürlich interessante Aspekte ergeben. Helena und Eric werden schließlich durch den Unfalltod von Arvid schuldig und zusammengeschweißt. Selbst wenn Eric frei kommt, dürfte es mit Siri aus sein; zum Einen, wegen schlechtem Gewissen, zum Anderen würde ich Helena zutrauen, das als Druckmittel gegen ihn zu verwenden. Im Gegensatz zu anderen hier in der Leserunde finde ich schon, daß diese Beziehung zu ihr paßt.


    Paula und Willem streifen durch die Gegend und machen die Bekanntschaft des rätselhaften Kostja. So, wie der beschrieben wird, scheint es mir, als ob ein gewisser Rasputin (der allerdings deutlich später lebte) mit ein Vorbild für die Figur ist. Jedenfalls ist er eine schillernde Gestalt, von der wohl noch einiges zu erwarten ist. Zumal bereits eine seiner Voraussagen eingetroffen ist. Fehlt noch die Flut...


    Immer wieder wundere ich mich, daß die Albrecht-Kinder so leicht und so oft von zuhause entfleuchen können. Wenn sie dies nicht könnten, wäre das Buch andererseits vermutlich nur halb so dick. ;-)


    Genau so wundere ich mich, daß sich Dr. Albrecht bei seinen Patienten nicht ansteckt.


    Zitat

    Original von Lumos
    Mir gefällt das Buch nach wie vor gut, für mich vielleicht einen Hauch zu beschreibungslastig. Gerade wenn es um den Zaren geht, habe ich den Eindruck, dass besonders viel Rechercheinformation einfließt. Im Prinzip begrüßenswert, aber gegen ein bisschen mehr Action hätte ich nichts einzuwenden :-) .


    So verschieden ist das: mich stören die „Beschreibungen“ überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Ich habe eher Probleme zu „zu actionlastigen“ Büchern.


    Zum Thema Wodka:
    Hat vor etlichen Jahren nicht ein gewisser Michail Gorbatschow einen (aussichtslosen) Kampf gegen den Wodkakonsum in der UdSSR/Rußland geführt? Und war er nicht verärgert, daß ausgerechnet ein Wodka seinen Namen trägt? Insofern hat sich da in den letzten paar hundert Jahren anscheinend nicht viel verändert.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Da ich bis jetzt selber noch nie in Russland war und auch nicht so viel Bezug zu dem Land hatte, dachte ich immer, das mit dem vielen Wodka und Alkohol sei nur ein Klischee.
    Aber anscheinend ist es wirklich ein großes Problem.:-(



    Zitat

    Original von SiCollier


    Immer wieder wundere ich mich, daß die Albrecht-Kinder so leicht und so oft von zuhause entfleuchen können. Wenn sie dies nicht könnten, wäre das Buch andererseits vermutlich nur halb so dick. ;-)


    Ich denke mal, die Eltern sind einfach so beschäftig mit der Arztpraxis, dass es ihnen zum Teil gar nicht auffällt, wenn die Kinder mal für einige Zeit verschwinden.
    Es wird ja öfter beschrieben, dass es einen Mangel an Ärzten dort gibt und deswegen die Patienten von früh bis spät bei Doktor Albrecht Schlange stehen. Da werden die Eltern nicht ständig ein Auge auf die Kinder haben können. Und eine Schule gibt es ja auch noch nicht, so das es wohl recht normal ist, wenn sie sich unter Tags selbst beschäftigen.

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    Original von Dreamchen
    Der Vorgänger von Putin ist doch auch aus der Amt wegen seiner Alkoholsucht


    Yep, Boris Jelzin. Wobei er zwar gerne dem Alkohol zusprach, der aber nicht ursächlich für sein Ausscheiden aus dem Amt war.


    @ Rouge
    Schon, aber Helena verschwindet ja oft des Abends.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Der Abschnitt war viel zu schnell vorbei!
    Die hier neueingeführte Zoja gefällt mir. Sie nimmt ihr Leben wie es ist, und hadert nicht mit ihrem furchtbaren Schicksal. Dabei hätte sie ja wirklich jeden Grund sich gegen Gräfin Viktoria aufzulehnen.
    Der Graf scheint kein Rückrad zu haben...:-(


    Zitat

    Original von Schwarzes Schaf
    Hier passiert sehr viel.
    Helena und ihr Schwede, Erik, stehen dabei im Vordergrund des Geschehens. Es ist erstaunlich, dass es für die beiden doch recht leicht ist, sich zu treffen. Das hatte ich bei den Umständen, unter denen die Gefangenen leben, etwas unrealistisch. Aber gut, ich gönne es beiden. Im Gegensatz zu Arvid, der für seine Neugier und seine Missbilligung mit dem Leben zahlen muss. Schockierend, dass gerade Helena dann die Zügel in die Hand nimmt und entscheidet, wie es weitergeht. Dumm nur, dass Kostja alles gesehen hat. Das behagt mir gar nicht.


    Kostja's Wissen bereitet mir auch Sorgen... er wird es sicher in einem unpassenden Moment weitergeben... :-(


    Zitat

    Original von Zwergin


    Ich finde auch, dass dir die Mischung hier sehr gut gelungen ist.


    :write Mir gefällt es so auch am besten! Lieber etwas weniger Action als falsche Fakten! :-)

  • Mittlerweile habe ich mich eingelesen, finde aber immer noch keinen rechten Zugang zu den Zar-Peter-Szenen, einige lese ich gerne, manche, vor allem die Dialoge zwischen ihm und seinem Freund langweilen mich eher. Schade, denn gerade von Peter als handelnde Person hatte ich mir einiges versprochen.


    Das Leben der russischen Leibeigenen und der schwedischen Kriegsgefangenen ist schlimm, besonders schlimm finde ich, dass man seine eigenen Landsleute so behandelt. Zudem will man entweder Menschen, die fleißig mit anpacken, oder es ist einem egal, wie lange sie überleben ...


    Die Grafenfamilie ist mir zu sehr ins Lächerliche gezogen, da würde ich lieber mehr Grautöne sehen, aber vielleicht kommt da ja noch mehr.


    Die Albrechts dagegen beleben den Roman. Paula hat sich mit Willem angefreundet, Helena trifft sich mit Erik. Dann sind da noch Kostjas Weissagungen, die erschrecken und zum Teil auch schon zugetroffen sind. Dass Erik Arvid versehentlich tötet ist schlimm und ich will gar nicht darüber nachdenken, was das womöglich noch zur Folge hat, zumal Kostja Augenzeuge war.


    Ein neuer Charakter ist Zoja, mal sehen, wie sich das entwickelt, bisher gefällt sie mir ganz gut.

  • Ganz schön brutal, wie damals die Dienerschaft bzw. Leibeigenen behandelt wurden. Und bei der Begrüßung mussten sie auch noch mit dem Kopf runter in den Dreck. Ich meckere nie mehr über meinen Chef... Aber bei diesen Verhältnissen ist es auch kein Wunder, dass sich das russische Volk irgendwann dann viel später gegen die Zarenfamilie und den Adel aufgelehnt haben.


    Wenn man in Russland nach dem Essen Wodka bestellt, wird man von der Bedienung sogar zur Entscheidung beglückwünscht. :grin so mindestens ein Wodka gehört schon dazu.


    Dass Erik sich so frei bewegen kann, wunderte mich auch etwas. Ich hatte mir Lager und Aufsicht strenger vorgestellt. Und Kostja kann anscheinend sogar fliegen und an mehreren Stellen gleichzeitig sein? Aber es soll ihn ja auch was Geheimnisvolles umschwirren.


    Helena ist einfach langweilig und braucht Bestätigung. So kommt sie halt auf dumme Gedanken und Abenteuerlust.

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    Original von xexos
    Ganz schön brutal, wie damals die Dienerschaft bzw. Leibeigenen behandelt wurden. Und bei der Begrüßung mussten sie auch noch mit dem Kopf runter in den Dreck. Ich meckere nie mehr über meinen Chef... Aber bei diesen Verhältnissen ist es auch kein Wunder, dass sich das russische Volk irgendwann dann viel später gegen die Zarenfamilie und den Adel aufgelehnt haben.
    .


    Das Leben als unfreier Bauer in Europa war ja schon schrecklich, je nach Charakter des Gutsherrn, aber in Russland scheint alles noch schlimmer gewesen zu sein, das ist zumindest mein Eindruck

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    Original von xexos


    Wenn man in Russland nach dem Essen Wodka bestellt, wird man von der Bedienung sogar zur Entscheidung beglückwünscht. :grin so mindestens ein Wodka gehört schon dazu.


    :grin Das ist ja fast so skurril wie die Sitte, sich als Leibeigener für die Bestrafung zu bedanken ;-)


    Zitat

    Helena ist einfach langweilig und braucht Bestätigung. So kommt sie halt auf dumme Gedanken und Abenteuerlust.


    Das bringt es - salopp, aber passend - auf den Punkt :chen

  • Ich habe irgendwie den ganzen Urlaub kein Wort gelesen :gruebel
    Aber jetzt bin ich wieder da und habe das Buch erst mal SchwieMu empfohlen. Sie liebt historische Romane, die in Russland spielen.


    Ich frage mich, warum Kostja alles mitbekommt. Er hat ja den Tod von Arvid (das hat mich total geschockt) voraus gesagt. Ich dachte erst, das wäre eine Metapher für irgendwas.


    Da ich so spät dran bin, wurde das meiste schon geschrieben.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Kostja hat den Tod von Arvid prophezeit, das an sich ist schon komisch, und ich bin tatsächlich sehr gespannt ob Kostja einfach nur die Rolle eines verschobenen Alten einnimmt oder ob er wirklich Weissagung kann.


    Momentan habe ich symlathieschwierigkeiten, so richtig mag ich keine der Figuren, auch wenn die Albrecht Kinder wenigstens noch interessant sind. Helena wird doch über kurz oder lang mit ihrem Wikinger abhauen, da bin ich sicher...


    Die Gräfin ist furchtbar, ich will ihre Story schon gar nicht mehr lesen.

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    Original von Dreamchen


    ich schätze es sehr wenn man gut Recherche spürt in einer Geschichte, ich denke da mit Grauen an die Medici :bonk


    Dem kann ich nur zustimmen.


    Der Zwerg ist schon merkwürdig, ich finde ihn aber nicht unsympathisch,
    mal abwarten was er noch für eine Rolle spielt.


    Helena und Erik ob der Unfall mit Arvid die Beziehung aushält?
    Dann die Gräfin und Zoja, Paula und ihr holländischer Kamerad.


    Alles offene Geschichten auf die ich sehr gespannt bin, ich freue mich aufs weiterlesen.