Sag den Wölfen, ich bin zu Hause – Carol Rifka Brunt

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    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: Eisele Verlag (23. Februar 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 396161007X
    • ISBN-13: 978-3961610075

    Kurzbeschreibung (Verlag):

    New York, 1987: Eigentlich gibt es nur einen Menschen, der June Elbus je verstanden hat, und das ist ihr Onkel Finn Weiss, ein berühmter Maler. Als Finn viel zu jung an einer Krankheit stirbt, deren Namen ihre Mutter kaum auszusprechen wagt, steht in Junes Leben kein Stein mehr auf dem anderen. Auf Finns Beerdigung bemerkt June einen scheuen jungen Mann, und ein paar Tage später bekommt sie ein Päckchen. Darin befindet sich die Teekanne aus Finns Apartment – und eine Nachricht von Toby, dem Fremden. Wer ist dieser Mann, der behauptet, Finn ebenso gut zu kennen wie June selbst? Zunächst ist June misstrauisch, doch dann beginnt sie sich heimlich mit Toby zu treffen, und sie erfährt, dass es gegen Trauer ein Heilmittel gibt: Freundschaft und Zusammenhalt.

    Zur Autorin (Verlag):

    CAROL RIFKA BRUNT wurde in New York geboren und lebt heute mit ihrem Mann und den gemeinsamen drei Kindern in England. Sag den Wölfen, ich bin zu Hause ist ihr erster Roman, der vielfach zu einem der »besten Bücher des Jahres« gekürt wurde (u.a. vom Wall Street Journal und dem Oprah Magazine). Das Buch wurde ein New York Times-Bestseller und in zwanzig Länder lizensiert. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung.

    Meine Meinung:

    June ist 14 Jahre alt, als ihr Onkel Finn an AIDS stirbt. Finn war ihr großes Vorbild und ihre Welt. Doch nach seiner Beerdigung stellt sie fest, dass sie nicht die einzige war, die wichtig für Finn war und nicht die einzige, die mit dem Verlust zu kämpfen hat.

    Sie stellt fest, dass ihre Familie ihr Finns Freund Toby verschwiegen hat. Nach und nach lernt sie Toby kennen und schätzen. Durch ihn lernt sie Finn noch einmal neu kennen.

    Das Buch spielt 1987. Das zeigt sich deutlich darin, dass die Eltern Kassetten im Auto hören, Trivial Pursuit gespielt wird und das Telefon noch mit Kabel und fest installiert ist.

    Ich war damals genauso alt wie June, so war das Buch auch eine kleine Zeitreise für mich. Ich konnte mich super in June und ihre Gefühlswelt einfühlen.

    Man merkt ihr sehr deutlich an, wie unsicher sie noch ist, nicht einschätzen kann, was andere Menschen an ihr sehen und vielleicht auch schätzen. Sie selbst hält sich für sonderbar und kann es kaum glauben, dass irgendwer Interesse an ihr als Mensch haben könnte.

    Und dann kommt Toby, der selbst unter dem Tod von Finn leidet und es ist unklar, wer hier wenn stützt. Toby lässt June nach und nach Teile aus Finns Nachlass zukommen und zeigt ihr Seiten in Finns Leben, die bis dahin außerhalb ihrer Wahrnehmung lagen.

    Manch einen mag es stören, dass die 14-jährige June mit einem wesentlich älteren Mann gemeinsam unterwegs ist und dabei auch Alkohol trinkt und Zigaretten raucht. In heutigen Zeiten hat das schon etwas anrüchiges. Allerdings hatten sowohl Zigaretten als auch Alkohol in den 80gern einen ganz anderen Stellenwert als heute.

    Parallel dazu macht auch Junes Schwester Greta ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol und mit dem Gefühl, Anerkennung nur dann zu bekommen, wenn sie die Erwartungen anderer Menschen erfüllt. Das Verhältnis der Schwestern ist sehr angespannt, beide haben das Gefühl, dass die andere in ihrem Leben das bessere Los gezogen hat.

    Mich hat das Buch sehr beeindruckt, spiegelt es doch die Gefühlswelt einer vierzehnjährigen sehr genau wieder. Ich habe mich tatsächlich auch ein bisschen in meine Jugend zurück versetzt gefühlt.

    Ich denke das Buch wird mich in Gedanken noch lange begleiten und ist sicher eines meiner Jahreshighlights.

    Daher von mir eine volle Leseempfehlung!


    9 von 10 Punkte

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten

    ISBN-10: 396161007X

    ISBN-13: 978-3961610075

    Originaltitel: Tell the wolves I'm home


    Link zu Amazon ;-)


    Über die Autorin

    Carol Rifka Brunt wurde in New York geboren und lebt heute mit ihrem Mann und den gemeinsamen drei Kindern in England. „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ ist ihr erster Roman, der vielfach zu einem der „besten Bücher des Jahres“ gekürt wurde (u.a. vom Wall Street Journal und dem Oprah Magazine). Das Buch wurde ein New York Times Bestseller und in zwanzig Länder lizensiert. Die Filmrechte sind ebenfalls verkauft. Carol Rifka Brunt schreibt derzeit an ihrem zweiten Roman.


    Über den Roman

    EIN POETISCHER ROMAN ÜBER FAMILIE UND FREUNDSCHAFT

    Manchmal verlierst du einen Menschen, um einen anderen zu gewinnen.

    Manche Verluste sind so schwer, dass sie nicht wiedergutzumachen sind. So geht es June Elbus, als ihr Onkel Finn stirbt, der Mensch, mit dem sie sich blind verstand, der ihr alles bedeutete. Doch mit ihrer Trauer ist sie nicht allein. Schon bald nach der Beerdigung stellt June fest, dass sie sich die Erinnerung an Finn teilen muss – mit jemandem, der sie mit einer schmerzhaften Wahrheit konfrontiert. Der sie aber auch lehrt, dass gegen die Bitternisse des Lebens ein Kraut gewachsen ist: Freundschaft und Mitgefühl.


    Meine Rezension

    Mitte der 80er Jahre. AIDS ist gerade ein großes Thema: noch als Schwulenseuche verschrien, haben die Menschen aus Unwissenheit völlig irrationale Ängste vor Ansteckung. Es gibt noch viele Unsicherheiten, aber (noch) kein "Heilmittel".


    Junes Onkel Finn ist Maler, ein sehr feinsinniger Mensch und der liebste Onkel, den June sich vorstellen kann. Die beiden ticken auf einer Wellenlänge und unternehmen viele wunderbare Dinge, die beiden gleichermaßen viel bedeuten. Doch als Finn er an AIDS stirbt, kommt das 14jährige Mädchen nur schwer damit klar. Was die Situation nicht leichter macht ist ihre Schwester Greta, zu der sie einmal ein sehr enges Verhältnis hatte. Doch (durch die Pubertät?) hat sich das Blatt gewendet und Greta, die bereits 16 ist, ist oft gemein zu ihr.


    Ihre Mutter hat zu Finn ein gespaltenes Verhältnis, denn obwohl er ihr Bruder war, verurteilt sie seinen Lebenswandel und seine Homosexualität (bzw. die daraus resultierenden Folgen). Zuerst denkt man natürlich, daß sie es sich da zu einfach macht, aber auch die beiden Geschwister haben "ihre eigene Geschichte".


    Doch dann drängt sich Toby in Junes Leben. Toby war Finns Lebensgefährte und, wenn man Junes Mutter glauben darf, auch Finns Mörder. Doch June ist fest entschlossen, sich ihr eigenes Bild zu machen und beginnt, sich heimlich mit Toby zu treffen.


    Mir ist hier sofort was wunderschöne Cover ins Auge gestochen. Interessanterweise habe ich übrigens neulich erst einen Bericht über den Eisele-Verlag gelesen: ein recht kleiner Verlag, der sich darauf spezialisiert hat, handverlesene kleine Juwelen (die wohl andernorts auch oft abgelehnt wurden, da sie zumindest auf den ersten Blick nie Publikumsmagnete werden würden) in wunderschöner Aufmachung zu verlegen. Nun, bei diesem Buch ist ihnen das gelungen: Die Aufmachung ist wunderschön und das Buch ein Juwel.


    Hier wird einfach eine Geschichte erzählt über ein junges Mädchen, das noch viel über die Menschen und das Leben lernen muß. Das Buch transportiert auch die 80er Jahre und die damals noch grassierende übertriebene Angst vor AIDS (einfach, weil damals die Wege der Ansteckung noch nicht allgemein bekannt waren) sehr gut. Finn und June, die beiden vorherrschenden Protagonisten werden sehr gut beschrieben, man hat die beiden förmlich vor Augen. June ist ein herzensguter und sensibler Teenager auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Manchmal agiert sie so besonnen und reif und dann kommt wieder das unreife Kind zum Vorschein, das unbedachte Aktionen plant. Das hat mir gut gefallen, das läßt sie in diesem Alter authentisch wirken.


    Auch Greta, ihre Schwester, zu der sie ein gespaltenes Verhältnis hat, hat mir gut gefallen. Sie ist ja zwei Jahre älter als June und auch dieser Altersunterschied kommt im Buch absolut glaubwürdig rüber. Greta agiert erwachsener, aber ihr Verhalten ist ebenso authentisch und altersgerecht wie Junes.


    Es war schön zu lesen, wie die beiden Mädchen mit dem Verlust ihres Onkels umgehen und mir hat auch sehr gut gefallen, wie die ganze Geschichte sich in ihrem Verlauf immer weiter entblättert. So versteht man im Nachhinein auch manchhe Verhaltensweisen der Mädels und auch ihrer Eltern besser. Auch Toby, der am Anfang eher wie ein "Geist" erschien (man wußte wohl, daß es ihn gibt, aber er war "transparent") gewinnt im Verlauf der Geschichte an Konturen. Er hat ein Schicksal, er hat eine Geschichte mit Finn... und letztlich auch eine mit Finns Familie.


    Obwohl das Buch keine Dramatik aufweist, sondern in ruhigen Tönen eine Geschichte erzählt, hat es mir ganz wunderbar gefallen. Die Sprache ist klar und schön, es gibt für mein Empfinden keine "Löcher" in der Handlung. Ich habe das Buch einfach nur in einem Rutsch durchgeschmökert, zugeklappt und mir gedacht: "War das mal wieder ein schönes Buch!". Ich habe gar nicht gemerkt, daß das Buch mit knapp 450 Seiten kein dünnes Buch ist...


    10 begeisterte Punkte.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Dieser Roman hat mich total begeistert, Die Autorin hat einen super Schreibstil. Es ist ein poetischer Roman über Familie und Freunde.Es geht um Eifersucht, Neid und Scham. Der Roman ist um 1987, den Anfangsjahren der Krankheit Aids angelegt.

    June Elbus ist 13 Jahre alt, als ihr geliebter Patenonkel Finn daran stirbt. Jetzt erst lernt sie seinen Partner kennen, so etwas wie ein Vermächtnis Finns. Die beiden sollen sich gegenseitig trösten. Schon wieder Heimlichkeiten, aber June erfährt dadurch noch mehr über ihren Onkel.

    In der Familie gibt es einiges an Problemen und Verheimlichungen, das beginnt schon mit Junes Mutter, die Finns Schwester ist und Junes 16jährige Schwester Greta ist genauso betroffen. Die Autorin hat mich bei der Lektüre dieser Geschichte sehr gefesselt und ich konnte mich in alle Personen gut einfühlen. Es ist traurig, wie in der Familie jeder ziemlich einsam ist. Die Eltern bekommen wenig von den Ängsten ihrer Töchter mit. In einigen Dingen sollte sie aufmerksamer sein und in anderen toleranter.

    Ein geschickt konstruierter Roman, der den Leser in freundlicher und trauriger Stimmung zurück lässt. Ein wunderbarer Debütroman der Autorin Carol Rifka Brunt. Dieses Buch ist sogar mit dem schönen Cover und dem Titel „ Sag den Wölfen, ich bin zu hause“ für mich überzeugend.

    Ein besonders überzeugender Roman. Für mich ist er ein Highlight.

    Ich kann ihn nur weiterempfehlen und er bekommt von mir die volle Punktzahl.

  • Was für ein wundervolles Buch! Ein Buch über die Liebe, aber nicht kitschig, über Vorurteile und über Eifersucht.


    Als Junes bester Freund, ihr Onkel Finn (sogar der Name gefällt mir an ihm), stirbt, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie glaubt, dass Finn der einzige Mensch auf der Welt war, der sie verstanden hat. Anfangs scheint das auch so, denn June lebt in ihrer eigenen (Mittelalter-) Welt und ist ein Außenseiter. Bis Toby such zu Wort meldet. Aber das müsst ihr selber lesen.


    Ich habe von diesem Buch eigentlich nicht allzuviel erwartet, da es sich um den ersten Roman der Autorin handelt. Da sind wir schon bei den ersten Vorurteilen, denn eigentlich mag ich die meisten Debütromane, die ich bisher gelesen habe, sehr gerne. Dies hat sich ja hier dann auch bestätigt. Das Buch erzählt aus Sicht von June die Geschichte von Toby und ihr, die gespickt ist von Misstrauen, Ängsten und Unsicherheiten. Da June Teenager ist, ist ihr Leben in ihrer Familie natürlich auch nicht ganz einfach. Als Leser hat man die komplette Übersicht über Junes Gefühlsleben inclusive des Nichtverstehens anderer Personen. Das Buch hat fast meine Gefühlswelt durcheinander gebracht.


    Die Charaktere sind so lebensecht beschrieben, dass man als Leser glaubt, sie zu kennen. Die Sprache ist nicht allzu schwer und kurze Kapitel lassen einen immer und immer weiter lesen


    Wenn ihr diese Art Geschichten mögt, kann ich es euch uneingeschränkt weiter empfehlen. Ich warte dann mal auf das nächste Buch der Autorin.

  • Das ist ganz lieb von Dir Zimööönchen aber dafür sind meine Englischkenntnisse zu rudimentär. Viel mehr, das Buch vermutlich zu komplex. Ich merke immer wieder, dass ich bestimmte Redewendungen nicht richtig zuordnen kann. Für den Alltag reicht es aber bei Büchern bekommt man viele schöne Dinge nicht mit, wenn man nicht mehr so fit ist in der Sprache.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Aufgrund der hier geschilderten Leseeindrücke habe ich mir das Buch dann auch mal bestellt.

    Und ich kann nur hoffen, dass das Buch auch das hält, was die hier geäußerten Meinungen versprechen.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Ich finde, daß das Buch einerseits unspektakulär und andererseits wunderwunderschön ist.

    Ich glaube, man kann es lieben oder langweilig finden. Ich bin schon sehr auf Dein Urteil gespannt, Voltaire. :wave

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Titel: Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

    OT: Tell the wolves I'm home

    Autorin: Carol Rifka Brunt

    Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von: Frauke Brodd

    Verlag: Eisele

    Erschienen: Februar 2018

    Seitenzahl: 446

    ISBN-10: 396161007X

    ISBN-13: 978-3961610075

    Preis: 22.00 EUR


    Das sagt der Klappentext:

    Manche Verluste sind so schwer, dass sie nicht wiedergutzumachen sind. So geht es June Elbus, als ihr Onkel Finn stirbt, der Mensch, mit dem sie sich blind verstand, der ihr alles bedeutete. Doch mit ihrer Trauer ist sie nicht allein. Schon bald nach der Beerdigung stellt June fest, dass sie sich die Erinnerung an Finn teilen muss - mit jemandem, der sie mit einer schmerzhaften Wahrheit konfrontiert. Der sie aber auch lehrt, dass gegen die Bitternisse des Lebens ein Kraut gewachsen ist: Freundschaft und Mitgefühl.


    Die Autorin:

    Geboren in New York. Sie lebt heute mit ihrem Mann und der Kindern in England.


    Meine Meinung:

    Freundliche Unterhaltung, freundliche Dutzendware – ohne großen Tiefgang. Oftmals kurz davor die Grenze zum schwülstigen Kitsch zu überschreiten. Die handelnden Personen waren zu weich gezeichnet, ein paar mehr klare Konturen hätten der Geschichte und den handelnden Personen sicher nicht geschadet. Ein Buch, geeignet für den Liegestuhl am Strand, für das Wochenende auf der Terrasse – aber eben kein Buch, welches man sehr lange im Gedächtnis behält. Dazu war es einfach zu beliebig und zu banal. Als temporäre Unterhaltung aber sicher gut geeignet.

    Dieses Buch wäre sich auch als Vorlage für ein B-Movie geeignet. Wer Tiefgründiges erwartet, der wird von diesem Roman sicher mehr oder weniger enttäuscht sein. Alles ist irgendwie vorhersehbar, der Überraschungsmoment wurde generell ausgespart und so kommt es, dass die erzählte Geschichte wie ein Strom dahinfließt, ohne Stromschnellen oder Untiefen. Gleichförmigkeit ist das Motto dieses Romans, ein Roman, der emotional von seinen Lesern eigentlich nichts abfordert.

    Leider musste ich beim Lesen dieses Romans an so manchen Stellen ein Gähnen unterdrücken. Aber ist wohl der Preis für Gleichförmigkeit und Mainstream.

    Kann man lesen, muss man aber nicht – als Urlaubslektüre wirklich gut geeignet, ist halt freundliche Unterhaltung, die den Leser intellektuell aber nicht sonderlich fordert. 5 Punkte – mehr sind beim besten Willen nicht drin.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Mir hat das Buch gefallen und viele schöne Lesestunden beschert. Es ist ein ruhiges Buch, das sicher auch einige Längen aufweist, an anderen Stellen aber überraschend Fahrt aufnimmt. Langweilig oder banal erschien es mir nicht, auch wenn gegen Ende durchaus ein wenig Druck auf die Tränendrüsen aufgebaut wurde. ;-)


    Viele, eventuell manchmal zu viele, aber für mich meist interessante Betrachtungen über die Kunst des Lebens und Sterbens sind ins Geschehen eingewoben, über Freundschaft und Liebe, übers Erwachsenwerden, über gelungenes oder misslungenes Elternsein, über Höhen und Tiefen in der Beziehung zweier Schwestern, über Misstrauen, Heimlichtuerei, Eifersucht, Loslassen und Verzeihen, über die Sehnsucht, erkannt und geliebt zu werden, über Träume und genutzte oder vertane Chancen im Leben, über die Wahrnehmung von Musik, Kunst, besonderen Orten und Stimmungen… Diese Themen haben mich neben dem Umgang mit der Krankheit Aids sehr interessiert. Insofern war es ein intensives und dichtes Buch, zu dem ich mir viele Notizen gemacht habe, in denen ich sicher gern noch einmal blättern werde.


    Von mir bekommt es eine Leseempfehlung. ;-)

  • "Sag den Wölfen, ich bin zu Hause" ist ein Jugendbuch, das man auch als Erwachsener gut lesen kann.


    Die 14jährige Luna lebt mit ihrer Familie in New York und leidet sehr darunter, dass ihr Patenonkel Finn an Aids verstorben ist. Finn, ein sehr bekannter Maler, hatte sie zuvor sehr unter seine Fittiche genommen und mit ihr Dinge unternommen, die sie sonst nie erlebt hätte. Das alles fehlt ihr, zumal sie gleichzeitig heimlich in ihren Onkel verliebt war.


    Finn hatte einen Lebensgefährten, Toby, von dem Luna nie etwas geahnt hatte. Nach Finns Tod füllt Toby nach und nach die große Lücke, die Finn hinterlassen hat – zwar auf eine ganz andere Art und Weise als ihr Onkel das getan hatte, aber Toby und Luna verbringen in der Trauer um Finn viel Zeit miteinander, doch auch Toby ist krank….


    Die Geschichte spielt in den Achtziger Jahren und führt dem Leser vor Augen, wie es war, als Aids auf einmal in aller Munde war, obwohl niemand so richtig darüber Bescheid wusste. Erzählt wird "Sag den Wölfen, ich bin zu Hause" aus Lunas Sicht, sie ist so zerrissen in ihrer Trauer um ihren Onkel – gleichzeitig aber noch so jung, dass man die ganze Zeit sagen möchte: "Mädchen, da kommt noch so viel in deinem Leben – lass es einfach mal auf dich zukommen…"


    Erst wenn man das komplette Buch gelesen hat, kann man nachvollziehen, wieso Lunas Eltern und Schwester sich teilweise so merkwürdig verhalten haben, ein Buch, das sich aus vielen kleinen Puzzelsteinen zusammen setzt und auch viele Jahre, nachdem Aids entdeckt wurde – noch einmal darauf aufmerksam macht. Gleichzeitig führt "Sag den Wölfen, ich bin zu Hause" aber auch noch einmal vor Augen, was eine schwere Krankheit mit dem Kranken und seinem Umfeld macht. Das Buch ist ganz ruhig erzählt und erhebt dabei nie den Zeigefinger. Gerne möchte ich auch auf das wunderschöne Buchcover hinweisen, es ist ein richtiger Blickfang!


    Ich vergebe gerne 9 von 10 Sternen

  • Das beste ist der Titel


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    June ist vierzehn, findet sich zu hässlich und zu dick, liebt das Mittelalter und den Wald. Ihre Schwester Greta ist zwei Jahre älter, sieht blendend aus, ist eine talentierte Sängerin und ziemlich gemein zu ihrer kleinen Schwester. Junes Onkel Finn ist ein erfolgreicher Künstler, wahnsinnig verständnisvoll, unglaublich begabt, der einzige wirkliche Freund von June und ein Seelenverwandter, aber leider seit ein paar Tagen tot. Wir schreiben das Jahr 1987, Finn war homosexuell, wurde nach Meinung der Familie absichtlich vom „speziellen Freund“ Toby mit der damals neuen Erkrankung AIDS angesteckt, und in den Achtzigern lag die Mortalität von HIV-Infizierten noch bei fast 100 Prozent.


    Die Handlung dieses Romans setzt mit Finns Beerdigung ein. Es folgen knapp 450 Seiten, die sich leider wie über tausend anfühlen, auf denen June ihrem Onkelfreund nachtrauert, die Besonderheiten der Beziehung akribisch ausleuchtet, ohne dabei allerdings allzu viel Spannendes zu finden, sich von ihrer Schwester malträtieren lässt und sich heimlich mit Finns Exfreund Toby trifft, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. June hat verblüffend viele Freiheiten, denn die Steuersaison befindet sich auf ihrem Höhepunkt, und die Eltern, beide Steuerberater, arbeiten quasi rund um die Uhr, so dass die Töchter tun und lassen können, was sie möchten.


    Die wirklich schön betitelte Geschichte soll sich, wie der Klappentext verspricht, mit Verlust, Trauer und Freundschaft beschäftigen, aber mir kam die Story um den verstorbenen Onkel und dessen Lover Toby, die mit allerlei klischeehaften und deshalb sterilen Details angereichert wurde, wie eine ziemlich wackelige Kulisse vor. Eigentlich geht es in „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ um den Konflikt zwischen den Schwestern, um das Erwachsenwerden, um Neid und Eifersucht - vor allem Gretas Eifersucht auf Junes Freundschaften mit dem toten Onkel und dessen Nachfolger, die aber austauschbar sind. Dieser Konflikt zwischen der trotz ihrer enormen Beliebtheit einsamen jungen Frau und der trotz ihrer Scheu so lebensweisen, jüngeren Schwester ist so oder ähnlich schon dutzende Male erzählt worden, und, leider, meistens deutlich besser, rasanter, einfühlsamer, packender und mitreißender als von Carol Rifka Blunt. Ihre Version dieses Geschwisterkonflikts bleibt jederzeit an der Oberfläche, auf der Behauptungsebene, und erstickt ihre Figuren unter inhaltsleerem Blabla. Im letzten Drittel beginnt gefühlt jeder zweite Satz mit Formulierungen wie „Und da verstand ich“, um dem Leser eine Erkenntnis zu präsentieren, die weder in nachvollziehbarer Form hergeleitet wurde, noch verständlich ist oder Bestand hat. Aber das macht nichts, weil es wenige Zeilen später mit der nächsten, konsequenzenlosen Erkenntnis weitergeht.


    „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ ist eine Coming-of-age-Erzählung, die sich so enorm viel Mühe dabei gibt, den Punkt der Katharsis überdeutlich zu markieren, dass dieser Punkt dabei gnadenlos verwischt. Dieses Manko vermögen die blassen und wie zufällig mit Eigenarten ausgestatteten Figuren leider auch nicht auszugleichen. June, die Ich-Erzählerin und Heldin, mag das Mittelalter, aber Carol Rifka Blunt vermag es nicht, diese Leidenschaft zu erklären, zu verdeutlichen, fühlbar zu gestalten - June könnte genauso gut David-Cassidy-Fan oder Hobbyarchäologin sein, aber dieses Problem gilt nicht nur für ihre Vorlieben, sondern auch für all ihre Entscheidungen. Der gesamte Roman leidet unter dieser Schwäche, was nicht so schlimm wäre, wenn die Geschichte halb so lang wäre, aber für 450 Seiten reichen Figurenzeichnung, Dramaturgie, Thematik und Tiefe leider nicht aus - nicht einmal für Sechzehnjährige, die die Autorin vermutlich ursprünglich als Zielgruppe im Auge hatte, bis ihr irgendein Verlagsmensch einreden musste, daraus einen All-Ager zu machen.