'Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus' - Seiten 075 - 139

  • Huch, ich kann gar nicht aufhören. :yikes


    Wie viel Zuversicht und Lebensfreude die Modenschau den Leuten gebracht hat. Miriam hätte da tatsächlich eine ganz tolle Idee! Und die Idee mit den Lumpenkleidern finde ich auch ganz großartig. Gab es die wirklich? Ich kann mir gar nicht so richtig vorstellen, wie die hergestellt wurden und aussahen. (Ist ja nur kurz erklärt.) Ich glaube, ein paar neue Sachen einfach um sich besser zu fühlen waren bestimmt nicht das schlechteste. Ich stelle mir die Modenschau vor den Trümmern sehr skurril vor.


    Vater Thalheim ist wieder da. Ich finde gut, dass Miriam ihm die Augen öffnen konnte. Allerdings sollte ersich jetzt auch eingestehen, dass seine Tochter mit das Ruder übernehmen sollte. Rike setzt sich da ja schon ganz gut durch.


    Ich finde die Stimmung gar nicht mehr ganz so düster wie im ersten Abschnitt. Gefällt mir gut.


    Ich bin gespannt, was da noch bezüglich der britischen Soldaten passiert. Ich kann mir gut ein Techtelmechtel zwischen Silvie und dem Soldaten vorstellen.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • So, der zweite Abschnitt ist auch schon gelesen. Ich seh schon, ich fliege nur so durch das Buch.

    Friedrich kommt also mit Hilfe seines Bruders wieder frei, und mit Hilfe des zurückgelegten Geldes, von dem nur Rike etwas weiss.

    Und schon passiert das, was ich schon befürchtet habe, er versucht das Geschäft wieder alleine zu schmeißen und Rike nicht für voll zu nehmen. Ich kann verstehen, dass sie da sauer ist.

    Vor allem, weil er ja wirklich erstmal den Tritt in den Hintern von Miriam gebraucht hat, bevor er überhaupt irgendwas gemacht hat. Wenn er aus seiner Lethargie nicht rausgekommen wäre, hätten sie nie von den Immobilien erfahren, mit denen sie jetzt einen Neuanfang machen können.


    Ich bin gespannt, ob er jetzt verstanden hat, dass die Mädels gute Ideen für die Zukunft haben und er sich auch machen lassen muss.

    Das mit den Briten wird sich hoffentlich zum Guten wenden, das könnte ja vielleicht auch ne Chance werden. Und mit Ben Green geht doch bestimmt noch was ;-)

  • Friedrich kommt zurück als gebrochener Mann. Claire überrascht durch ihre Zähigkeit. Wie ging es ihr eigentlich als "Feindin" des Reiches, da sie Französin ist?

    Miriam trotzt vor Tatendrang und rüttelt Friedrich wach. Was hat er eigentlich gemacht, wenn er die Wohnung verlassen hat? Ich hatte vermutet, dass man beim Sonntagsspaziergang mehr davon erfährt. Kein Wunder, dass es für ihn anstrengend war vom Ku´damm zum Hausvogteiplatz. Ist ja nicht gerade um die Ecke.

    Und es gibt Immobilien, eine davon am Savignyplatz;).

    Es fällt Friedrich schwer Rike als ebenbürtig zu betrachten, aber sie setzt sich resolut durch.


    Bei der Erwähnung der Wilmersdorferwitwe mußte ich gleich


    daran denken :)


    Die Idee mit der Modenschau brachte etwas Licht in die Tristesse dieser Zeit. Mal sehen, was sich aus der Begegnung mit den britischen Soldaten ergibt. Da kommt bestimmt noch einiges. Ben Green scheint jemand von den Kindertransporten zu sein (erinnert mich an ein anderes Buch). Rikes Gedanken,wie schlecht es ist den Fokus auf das Nationale zu richten, als sie bemerkt, wie stark ihr Englisch eingerostet ist, sind so kleine Highlights in diesen Buch.

  • Also ist es jetzt doch nicht der eventuell wieder heimkehrende Bruder, der Rike die erkämpfte Stellung wieder abspenstig machen und sie beiseite schieben will, sondern ihr Vater. Für sie ist das natürlich enttäuschend, dass er ihr so wenig zutraut und das Geleistete nicht in dem Maß anerkennt, wie er das vielleicht bei einem Sohn täte, aber sie bietet ihm dafür auch gleich die Stirn und macht ihm klar, dass sie sich so einfach nicht wieder verdrängen lässt. Gut so.


    Vater und Töchter haben sich ja längere Zeit nicht gesehen, und er hat gar nicht mitbekommen, wie sehr seine Mädels sich während des Krieges verändert haben, wie viel selbstbewusster und durchsetzungsfähiger sie in dieser Zeit zwangsläufig werden mussten. Gerade Rike, die sich um alle und alles gekümmert hat, während er weg war.

    Die sind alle nicht mehr die kleinen, unschuldigen Mädchen, die sie vor dem Krieg waren.

    Selbst Claire entdeckt ganz neue Seiten an sich und packt beim Trümmerdienst kräftig mit an, was ihr vorher wohl auch niemand so recht zugetraut hatte.


    Für Friedrich ist die Situation aber auch schwierig, denke ich. Anfangs, als er heimkomt, ist er lethargisch, in sich gekehrt, wortkarg, und fühlt sich zu nichts nutze, dabei war er ja mal der mächtige Familienpatriarch, der kluge, allwissende Steuermann auf dem Kaufhaus-Schiff. Und auf einmal fordert Rike einen Teil seiner Macht und Stellung - da hat er bestimmt gewaltig dran zu kauen. Das wird wohl noch den einen oder anderen Kampf geben, bis sich Vater und Tochter arrangiert haben.


    Eine Szene, die mich ins Grübeln gebracht hat, war am Anfang des Kapitels, als Carl und Rike ein Gespräch unter vier Augen haben, und er sagt, er hätte sie gerne adoptiert. Da war er ja richtig überschwenglich und gefühlig. Da habe ich überlegt, ob er wohl in Wirklichkeit ihr leiblicher Vater ist? Das klang so nach einem gut gehüteten Geheimnis. Vielleicht hatte er ein Verhältnis mit Rikes Mutter?


    Die Modenschau hat mir auch gefallen, so etwas wäre im zerstörten Berlin bestimmt ein Erlebnis gewesen, das die Leute ein wenig wachgerüttelt hätte. Auch wenn die Frauen sich solche Kleider zu diesem Zeitpunkt noch nicht leisten können, glaube ich, dass das ganze Event für sie wie ein Lichtstreif am Horizont ist ... "seht her, es gibt wieder etwas ... so etwas können wir uns bald alle wieder leisten ... bald wird es uns wieder besser gehen ... es lohnt sich, nach vorne zu schauen und für eine gute Zukunft zu arbeiten". Weil wenn man gar nichts sieht und gar nichts hat, was einem ein bisschen Hoffnung gibt, ist es bestimmt schwer, sich aus solchen Ruinen wieder herauszuarbeiten, selbst wenn diese Hoffnung nur aus ein paar bunten Kleidern besteht.


    Mal schauen, was es mit diesen beiden Soldaten noch gibt, die machen mich irgendwie misstrauisch :gruebel


    Nachher geht's ans Weiterlesen :)


    Für's Protokoll noch (und für mögliche weitere Auflagen): auf Seite 124 der Printausgabe, im ersten Absatz oben, ist ein Tippfehler. Da heißt es "Mit schweren Schritten ging er auf eines der Häuser in der Mitte des Hausvogteilatzes zu." Vor dem Latz fehlt das P :wave

  • Dieses Buch berührt mich tief, besonders als Freidrich endlich nach Hause kommt, liefen mir Tränen die Wangen runter. Einfach so krass, wie stark diese Menschen waren in dieser schwierigen Zeit. Da nicht den Mut zu verlieren, ist bestimmt nicht leicht. Ich habe oft das Verlangen meine Eltern anzurufen und zu fragen ob das wirklich soo heftig war, sie waren Jahrgang 1939 und 1943. Leider gibt es kein Telefon an dem Ort wo sie sind...:(


    Meine Lieblingsfigur im Buch ist nach wie vor Rike, Silvie dagegen kann ich gar nicht leiden, sie ist mir einfach zu oberflächlich


    Weiterlesen jetzt, geht gar nicht anders <3

  • Genau, jung und abenteuerlustig. Ich kann sie schon verstehen ... Sylvie ist Anfang zwanzig, da will man doch nicht nur an Pflicht und Arbeit und Schuttloren denken, sondern sich auch mal amüsieren, ausgehen, Spaß haben. Diese unbeschwerte Zeit hat man doch nur einmal im Leben. Und sie setzt ihr Aussehen und ihre Talente ja auch durchaus zum Wohl der Familie ein. Sie kann am besten von allen feilschen und andere um den Finger wickeln, um so Dinge zu beschaffen, die die Familie anders nicht so leicht bekommen könnte. So trägt sie ja genauso zum Lebensunterhalt bei wie die anderen, nur macht sie sich eben dabei die Hände nicht so schmutzig.


    Anfangs fand ich sie auch ein bißchen pflichtvergessen und sorglos, und auch etwas oberflächlich, aber inzwischen mag ich sie wirklich gern.

  • So oberflächlich finde ich Silvie gar nicht. Sie ist halt noch jung.

    Sehe ich auch so. Die Schwestern sind verschiedene Charaktere, wäre doch auch irgendwie langweilig, wenn es da keine Unterschiede und Spannungen gäbe.

    Freut mich sehr. Ich bin ein großer Silvie-Fan und habe im 2. Teil der Trilogie, den ich gerade schreibe, viel mit ihr zu tun .. aus ihrer Sicht sehen manche Dinge nämlich ganz anders aus ...

    Das habe ich mir in manchen Situationen auch schon gedacht und bin gespannt auf Silvies Perspektive. Ich könnte mir vorstellen, dass sie Rike manchmal als zu dominant empfindet.

    Besonders interessiert mich diese Sache mit dem jungen Mann, Walter hieß er, glaub ich, den Silvie ihrer Schwester ausgespannt hat. Wenn das wirklich so gewesen ist, wie es aus Rikes Sicht scheint, dann wäre das für mich schon ein großer Vertrauensbruch.


    Bisher finde ich alle Figuren gut gestaltet. Mein persönlicher Liebling ist derzeit noch Miriam. Was sie alles durchgemacht hat und wie sie nun auftritt - chapeau! Ein echtes Glück, dass Rike sie getroffen und sofort in die Familie aufgenommen hat.


    An Rike habe ich hier besonders bewundert, wie sie diese Spannung um den Freikauf ihres Vaters so ganz allein ausgehalten hat. Absolut vernünftig, aber trotzdem ganz schön schwer. Das konnte ich gut mitfühlen.


    Irgendwas muss da noch sein mit Carl, Rike und ihrer Mutter Alma :gruebel. Vielleicht interpretiere ich da jetzt zu viel rein, aber als Carl auf S. 82 zu Rike sagt, er hätte schon davon geträumt sie zu adoptieren, außerdem hab ich den Eindruck mitgenommen, dass Carl Alma schon vor Friedrich geliebt hat - vielleicht ist sie seine leibliche Tochter:gruebel. Eigentlich glaub ich das nicht, aber im Kopf ist es mir schon herumgespukt.

    Gerade gelesen, dass Bücherdrache ähnliche Gedankenhegt :):wave.


    Eine Frage hätte ich zu S. 135, dort steht "machen sie mal einen dicken Knopf in ihr Taschentuch".

    Ich kenne diese Wendung nur mit "Knoten ins Taschentuch"... , was allerdings nix heißen muss:/.

  • Mein persönlicher Liebling ist derzeit noch Miriam. Was sie alles durchgemacht hat und wie sie nun auftritt - chapeau! Ein echtes Glück, dass Rike sie getroffen und sofort in die Familie aufgenommen hat.

    Sie gehört auch zu meinen Lieblingsfiguren.

    Besonders interessiert mich diese Sache mit dem jungen Mann, Walter hieß er, glaub ich, den Silvie ihrer Schwester ausgespannt hat. Wenn das wirklich so gewesen ist, wie es aus Rikes Sicht scheint, dann wäre das für mich schon ein großer Vertrauensbruch.

    Auf die Auflösung bin auch gespannt.