'Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus' - Seiten 001 - 074

  • Ich mach hier einfach mal den Anfang.

    Schon das Cover hat mich extrem angesprochen, ich bin ein Mensch der gerne Geschichten von früher hört und liest, beim Anblick der Frau auf dem Bild mit diesem Hintergrund kann man sich schon mal in die Geschichte reinbeamen. Sehr real einfach.

    Nach den ersten paar Zeilen war ich dann auch schon so gepackt von der Geschichte das ich gar nicht aufhören wollte und den ersten Abschnitt nun schon durch habe. Ja, es gibt viele Bücher aus dieser Zeit und ich habe auch schon ein paar gelesen. Hier hat mich von Anfang an der Schreibstil mitgerissen, ich war sofort mit den Protagonisten vertraut, besonders Rike hatte ich sofort ins Herz geschlossen. Keine Ahnung wie Brigitte das schafft, aber ich bin beim Lesen mitten in Berlin um das Jahr 1945. Ganz toll<3

  • freut mich sehr. Ich fand - ich fand, ein Roman über die fünfziger Jahre muss unbedingt 1945 anfangen. Nur vor dem Hintergrund der Zerstörung ist der Wiederaufbau richtig zu verstehen ...

    und für mich dauern die fünfziger Jahre auch bis 1963 - aber das werdet ihr ja dann in Band 3 noch lesen ...:weihnachtsmann

    Übrigens wünsche ich euch allen einen schönen Niklaustag ! Alles Liebe von Brigitte

  • Puh! Ich glaube, ich bin zur Weihnachtszeit besonders sentimental. Ich hätte bei der Szene als sie das Haus bzw die Villa verlassen mussten Rotz und Wasser heulen können ;(

    Ich frage mich immer wieder, wie die Menschen das ertragen konnten. Nicht nur, dass sie alles verloren haben, sondern auch noch, dass die eigene Stadt in Schutt und Asche lag. Die Menschen heute sollten mal ein wenig dankbarer dafür sein, was wir hier für Reichtümer haben statt stänüber alles zu meckern.


    Mich faszinieren Bücher über und nach den Weltkriegen immer sehr, weil man die wahre Stärke erahnen kann, die auch in einem steckt und gleichzeitig fürchte ich mich vor den Parallelen zu der aktuellen Zeit.


    Aber huch, ich habe ja noch gar nichts zum Buch gesagt. Also: Schreibstil - großartig! Ich war direkt drin und habe Abschnitt 1 so weg gelesen. Es ist mein erstes Buch von dir, Brigitte Riebe und ich weiß jetzt schon, dass mehrere folgen werden. Wie gut, dass ich nich krank geschrieben bin, so habe ich heute noch viel Zeit zum lesen.


    Ich mochte Rieke übrigens auch sofort sehr gern und bin auf ihre Ideen gespannt :)


    Edit: Waaas? Teil 2 kommt erst im Juli? :yikes

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Ja, das sagt ihr so locker in eurem "jugendichem Leichtsinn" - wenn es gut werden soll und richtig gründlich historisch rechechiert, dann dauert es eben auch ...

    ein 3/4 Jahr alles in allem für einen fundierten Roman ist alles alles andere als langsam :strahl...

    ist kein Fantasyteil, das sich zügig runterschreibt, sondern geht um DREI abgeschlossene Romane, die einen tiefen inneren Zusammenhang haben.

    Ich verwahre mich entschieden gegen die "Ware Buch als Schnellschuss"

  • ich bin mit dem ersten Abschnitt durch und der Schreibstil gefällt mir. Die damaligen Umstände werden realistisch beschrieben und durch die kurzen Rückblicke in die vergangenen Jahre, kann man sich gut ein Bild der Familie machen.

    Obwohl so vieles durch Bomben zerstört war, gibt es noch reichlich Altbauten in den Seitenstraßen des Ku´damms. Dass das Rathaus Charlottenburg so zerstört war, kann man sich heute nicht vorstellen, wenn man es jetzt sieht. Außerdem fiel mir die Lage des Kaufhauses Thalheim auf, das Kaufhaus Wertheim (jetzt Karstadt) lässt grüßen. Ich hatte schon die Befürchtung nach dem Prolog, dass sie enteignet werden.

    Rike ist die starke Frau in der Familie und der Vater wird nicht so schnell zurückkommen, falls er es überlebt. Ob es ihnen gelingt das geheime Lager aus Potsdam nach Berlin zu transportieren, bevor Berlin in die vier alliierten Zonen aufgeteilt wird? Mit Miriam als Schneiderin könnte es wieder ein Anfang sein.

    Ich vermute mal, dass die Mutter ein Verhältnis mit dem Kompagnon hatte.

  • Bei mir ist es das zweite Buch von Brigitte Riebe , Anfang des Jahres habe ich schon "Marlenes Geheimnis" gelesen, das mir auch schon super gefallen hat. Und das hier lässt sich genauso gut an, nach einigen Seiten bin ich auch wieder voll in die Geschichte reingesogen worden. Der Schreibstil liest sich wunderbar flüssig und schön farbig, gefällt mir richtig gut, und ich habe auch das Gefühl, ich würde über "echte" Menschen lesen, nicht nur über erdachte Figuren. Auch ist alles anschaulich geschildert, man ist direkt mit dabei, wenn Rike und ihre Schwestern ihren Bollerwagen durch diese Trümmerwüste ziehen. Immer wenn ich zwischendurch mal aus dem Buch wieder an die Realität aufgetaucht bin, war ich echt froh, mich im warmen, aufgeräumten, schuttfreien Wohnzimmer wiederzufinden


    Unvorstellbar, was die damals durchmachen mussten. Ich frage mich immer, wo die Menschen nach so einem schrecklichen Krieg überhaupt den Mut und die Kraft zum Weitermachen hernahmen. Und zum Wiederaufbau. Wenn man sich Bilder von diesen zerbombten, völlig verwüsteten Städten anschaut - da stand ja kein Stein mehr auf dem anderen. Wo fängt man da an? Das muss einem ja schier unlösbar erscheinen


    Die Familie Thalheim hat es da aber noch relativ gut erwischt, finde ich. Das Kaufhausgebäude ist zwar zerstört, aber sie haben einige Maschinen retten und Stoffe bunkern können, und ihnen steht die Wohnung der Großmutter zur Verfügung. Und sie haben noch Hoffnung, dass der Bruder aus dem Krieg zurückkehrt und der Vater das Gefängnis/Lager übersteht. Das ist vermutlich mehr, als viele andere zur der Zeit hatten. Als Kinder eines Kaufhausbesitzers sind die drei Mädels (und der verschollene Bruder) bestimmt auch in relativem Wohlstand aufgewachsen und vielleicht auch recht behütet, so dass sie von den unschönen Seiten des Lebens bis zum Krieg wohl noch nicht so viel mitbekommen haben.


    Die Figuren gefallen mir sehr gut, vor allem Rike. Die redet nicht erst lange herum, sondern tut einfach, was getan werden muss, kümmert sich, denkt voraus, übernimmt Verantwortung. Ihre beiden Schwestern sind wohl wirklich noch zu jung und unbedarft dafür, die Jüngste ja sowieso, und die Stiefmutter scheint generell mit allem überfordert zu sein. Wobei Silvie ja auch schon 22 (?) ist, aber die lebt auch irgendwie ein wenig außerhalb der realen Welt, habe ich das Gefühl. Oder kann zumindest reale Situationen nicht richtig einschätzen, wie bei dieser Szene im Keller, als sie den Hund reinholen will.


    Da hatte ich einen Moment lang wirklich etwas Angst, dass sie wegen ihrem Leichtsinn alle den Russen in die Hände fallen. Was die als Kriegsgewinner mit deutschen Frauen angestellt haben, davon haben meine Mutter und ihre Schwester öfter andeutungsweise erzählt, die sind damals auf ihrer Flucht aus Ostpreußen einigen begegnet, die das überlebt hatten. Als Rike anfangs im Keller sitzt, überlegt sie auch mal, wie das zusammenpasst, dass die russischen Soldaten als "Befreier" oder "Retter" gelten und trotzdem Gerüchte über das schreckliche Unwesen kursieren, das sie überall treiben. Aber sie scheint die Gerüchte ernster zu nehmen als Silvie, die da in ihrer heroischen Naivität einfach rausrennt und natürlich prompt den Soldaten in die Arme läuft.


    Carl finde ich auch eine interessante Figur. Er muss ganz schön mutig sein, wenn er diesen angebotenen Staatsanwaltsposten ausschlägt und sich damit ja gewissermaßen gegen die Nazis auflehnt. Ich hoffe, er bekommt im Buch noch etwas Raum.


    Worauf ich wirklich gespannt bin, ist, ob der Bruder irgendwann wieder auftaucht, denn das könnte einigen Zündstoff mit sich bringen. Wenn die Frauen der Familie sich jetzt abschuften und das Kaufhaus wieder aufbauen, würden sie sicher nicht wollen, dass jemand anders ihre Arbeit und Mühen für sich beansprucht und sie selbst wieder in die zweite Reihe zurückgeschubst werden, selbst wenn das der heimgekehrte Kronprinz wäre.


    Bis jetzt alles sehr spannend und interessant, freu mich schon auf das Weiterlesen :wave

  • Nicht nur, dass sie alles verloren haben, sondern auch noch, dass die eigene Stadt in Schutt und Asche lag. Die Menschen heute sollten mal ein wenig dankbarer dafür sein, was wir hier für Reichtümer haben statt stänüber alles zu meckern.

    Das sehe ich auch so. Wenn ich solche Bücher lese, dann bin ich jedesmal heilfroh, dass es mir halbwegs gut geht und ich einigermaßen genug zum Leben habe. Und vor allem, dass ich in einem relativ sicheren Land und in Frieden leben darf.

  • Wow, was für ein Einstieg!

    Brigitte Riebe ich denke es war gut, dass du mit dem Kriegsende angefangen hast. Ich denke eh, dass diese Zeit viel zu oft vernachlässigt wird, es war ja nicht alles ab dem 8. Mai 45 wieder gut und es ging vorwärts. Gerade in Berlin war das ja eine sehr harte Zeit.

    Was die Frauen damals geleistet und ausgehalten haben ist einfach nur unglaublich. Die Truppe im Keller hatte wirklich Glück, dass die Offizierin aufgetaucht ist. Die Mutter der Tante meines Mannes hatte dieses Glück nicht... Und seine Oma hat wenige Tage vor Kriegsende ihrem von den Russen erschossenen Mann auf einer Schubkarre in den eigenen Garten gebracht, um ihn dort zu begraben. Damit sie ihm später noch ein vernünftiges Grab geben kann. Danach hat sie ihre drei Kinder plus die Kinder ihrer Schwester alleine groß gezogen.


    Was können wir froh sein, dass wir solche Dinge nicht erleben müssen!


    Rike ist eine patente Frau, die den Blick für die Realitäten behalten hat. Ihre Schwester Silvie hingegen geht wohl einfach aus Trotz den Hund suchen und bringt die Russen mit in den Keller. Gut, vermutlich wären die auch von alleine gekommen, die Villa wäre wohl so oder so beschlagnahmt worden.

    Beim Auszug fand ich es nicht ganz so schlimm, die Szene mit den Russen im Keller fand ich viel bewegender, da hatte ich richtig Angst um die Mädels, besonders um Flo.....


    Jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht. Die Wohnung der Oma ist ja schon mal ein guter Fluchtpunkt und am Ende auch im richtigen Teil der Stadt. Und dass Miriam wieder aufgetaucht ist, ist für alle wohl ein Glücksfall.

    Mal schauen, ob Onkel Carl was für seinen Bruder tun kann und ob Oskar vielleicht doch wieder auftaucht.


    Die Männer kann ich noch gar nicht einschätzen, im Prinzip hatten sie ja nur im Prolog das Wort. Interessant wird bestimmt auch noch das Verhältnus von Rikes Mutter zum ehemaligen Kompangon, da gibt es bestimmt noch ein Geheimnis zu lüften.


    Auf den nächsten Band freue ich mich dann, wenn ich dieses Buch zu Ende gelesen habe, erst einmal bin gespannt auf den nächsten Abschnitt!

  • Das sehe ich auch so. Wenn ich solche Bücher lese, dann bin ich jedesmal heilfroh, dass es mir halbwegs gut geht und ich einigermaßen genug zum Leben habe. Und vor allem, dass ich in einem relativ sicheren Land und in Frieden leben darf.

    Kann ich nur :write

    Worauf ich wirklich gespannt bin, ist, ob der Bruder irgendwann wieder auftaucht,

    Falls er überlebt hat und in welchen Zustand, dann wahrscheinlich in den fünfziger Jahren, als Adenauer die Vereinbarung mit Russland traf und die deutschen Kriegsgefangenen zurückkehrten.

  • Eins fällt mir gerade noch auf, auch hier wieder die Bleibtreustraße :-)


    Bei Joan Wengs Frauen vom Savignyplatz meinte Joan in der Leserunde, dass die Verlage wohl die Bleibtreustraße immer gerne als Schauplatz in Berliner Romanen sähen. Mir ist das nie wirklich aufgefallen, aber jetzt bin ich natürlich dran hängen geblieben :lache

  • Eins fällt mir gerade noch auf, auch hier wieder die Bleibtreustraße :-)


    Bei Joan Wengs Frauen vom Savignyplatz meinte Joan in der Leserunde, dass die Verlage wohl die Bleibtreustraße immer gerne als Schauplatz in Berliner Romanen sähen. Mir ist das nie wirklich aufgefallen, aber jetzt bin ich natürlich dran hängen geblieben :lache


    das ist ist meinem Fall reiner Zufall, habe in "Die Frauen vom Savignyplatz" erst reingeblättert, als mein Roman längst fertig war ... und der Verlag hatte da gar nichts zu bestimmen, war ganz und gar meine Wahl ...

  • Zur Offizierin: Mehr als 800.000 weibliche Soldatinnen dienten in der Roten Armee - also eine ganze Menge ...

    Das Russenbild ist in Westdeutschland so schlecht, dass man die Tatsache, dass sie auch als BEFREIER gekommen sind, oft vergisst ...


    stellt euch bitte nur mal vor: Die Wehrmacht hätte Russland wirklich besiegt und wäre nach Moskau einmarschiert - der deutsche Stadtkommandant hätte garantiert anders gehandelt als Bersarin ...

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Brigitte Riebe () aus folgendem Grund: Hier sagen sie sogar, es seien 1 Mio Frauen gewesen https://www.dekoder.org/de/gnose/frauen-rote-armee-krieg