'Zeit aus Glas' - Seiten 095 - 164

  • Eigentlich mag ich das Buch gar nicht aus der Hand legen.

    Das Haus wird langsam wieder, aber wohnen wollen die Meyers dort nicht mehr. Glücklicherweise waren sie nicht zu Hause, als die Braunen bei ihnen gewütet haben. Wenn man sich überlegt, was sie den Merländers angetan haben.....

    Helmuth gibt Ruth nun also den Zettel mit der Ausreisemöglichkeit nach England und langsam macht sich Ruth Gedanken, was sie für die Familie tun kann. Sie ist wirklich erwchsen geworden, auch wenn ihre Eltern das so noch nicht sehen. Die Mutter verkraftet das alles ja überhaupt nicht und kann keine Stütze für die Kinder sein. Und der Vater tut was er kann und bringt immerhin weiter Waren und Devisen ins Ausland für einen Neuanfang.

    Ich möchte sie immer schütteln, wenn sie nur bis in die Niederlande denken. Wissen wir doch alle, dass das nicht weit genug weg sein wird.

  • Manchmal fände ich hilfreich, wenn beim Personenregister die Geburtsjahre genannt wären. Dann wüsste ich wie alt Aretz Kinder sind.


    Wie viele kommen zum geheimen Treffen beim Tennisplatz? Die Geheimschrift ist für diese Sache sehr gut. Hoffentlich kommt kein Brief in falsche Hände!


    Helmuth ist toll! England könnte für Ruth die Rettung sein.


    Glaube nicht, dass Familie Meyer von den in die NL geschmuggelten Sachen etwas ins neue Leben mitnehmen können, schon gar nicht bei überstürzter Flucht. Hauptsache, gesichert vor den Braunen.


    Ein Glück, dass Meyers nicht zuhause waren, als ihr Haus wurde. Perfide, aufräumen um die Taten der NSDAP unsichtbar zu machen. 20% Entschädigungssumme von ihrem Vermögen haben sie zu entrichten.


    Es fällt schwer, beim Lesen eine Pause einzulegen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • So geht es mir auch, das Buch fesselt und obwohl ich weiß, dass ihnen noch viel Schlimmeres bevorsteht, hoffe ich, dass es gut ausgehen möge.


    Wie perfide, erst alles zu zerstören, um dann das Gesetz aus der Tasche zu ziehen, dass die Juden den Schaden selbst zahlen müssen und alles innerhalb von 2 Wochen wieder herrichten müssen. Ich bin einerseits so wütend, andererseits total traurig über das Schicksal, dass die lieb gewonnen Personen erleiden müssen.


    Ich kann gut verstehen, dass die Meyers dort nicht mehr wohnen wollen. Immerhin haben sie bereits eine neue Unterkunft, zumindest übergangsweise.


    Josefine Aretz ist meine Heldin, mit ihrer Einstellung wäre es in Deutschland nicht so weit gekommen. Wenn es nur mehr Menschen gegeben hätte, die sich das getraut hätten, und ich finde es richtig, dass sie ihre Kinder nicht bewahren will vor dem Übel, dass den Juden angetan wurde. Ich kann nachvollziehen, dass Herr Aretz sie schützen will, doch das kann kaum gelingen.


    Die Diskussionen ums Auswandern, heftig. Wenn sie gewusst hätten, was wir wissen, hätten sie keine Sekunde gezögert.


    Ich finde es wirklich schlimm, mit dem heutigen Wissen solche Bücher zu lesen. Das geht mir so nahe. Man kann nur die Botschaft daraus ziehen, dass das nie wieder passieren darf.

  • Gerade bei den älteren waren ja viele, die im ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft haben. Da kann ich verstehen, dass sie glaubten sicher zu sein. Vor allem finde ich die allgemeine Angst der "Arier" vor den Braunen bestürzend. Es ist kaum zu glauben, wie es ihnen gelungen ist, die große Mehrheit zum tolerierenden Schweigen zu bringen. Auch kaum zu glauben, dass die Polizei nicht eingegriffen hat. Da verliert ein Wertesystem innerhalb kurzer Zeit seine Stabilität und den Betroffenen bleibt nur die Hoffnung, irgendwie zu überleben und einen Ausweg zu finden.

    :lesend Ulf Schiewe - Die Mission des Kreuzritters

    :lesend Mark Franley - Der Angst verfallen

    :lesend Mac P. Lorne - Sie nannten ihn Cid

    :hörend: Graham Norton - Ein irischer Dorfpolizist

  • Ja, man kann eigentlich nur fassungslos den Kopf schütteln über alles was da passiert.

    Die Beschreibung der Aktion bei Merländers - das hat mich traurig und wütend gemacht.

    Gib manchen Menschen Macht und sie offenbaren die schlimmsten menschlichen Niederungen, die man sich vorstellen kann.

  • Alle arbeiten, um das Haus wiederherzurichten. Dabei wissen sie, dass sie nie mehr dort wohnen werden. Wie deprimierend muss das sein.


    Es ist furchtbar, zu welchen Mitteln die Menschen greifen müssen, um ein wenig von ihrer Habe zu retten. Dabei ist nicht einmal sicher, ob sie denen trauen können, die Hilfe anbieten, und wenn es ehrliche Menschen sind, könnten diese ja auch erwischt werden.


    Man hilft sich mit Essen, Arbeit und Ratschlägen. Doch es sieht düster aus.

    Ruth bekommt von Helmuth einen Tipp. Sie soll in England arbeiten und von dort aus versuchen, etwas für die Familie zu tun. Sie zögert. Natürlich zerreißt es einem das Herz, wenn man die Lieben zurücklassen muss. Aber wird Ruth von dort überhaupt etwas ausrichten können. Es ist naiv zu glauben, man könnte die Familie nachholen, denn die Juden will niemand haben. Das Ausland hat bei der Progromnacht ja schon weggeschaut. Keiner hat versucht, dem schäbigen Tun Einhalt zu gebieten, wobei ich mir sicher bin, dass man sich in Deutschland auch die Einmischung verbeten hätte.


    Es ist toll, was die Aretz alles tun. Dabei sind sie trotz allem aber auch vorsichtig. Vorsichtig genug?

  • Wenn man sich überlegt, was sie den Merländers angetan haben.....

    Da gab es so viele, die geglaubt haben, weil sie konvertiert sind oder weil sie dem Glauben nie nachgegangen sind, würden sie davon kommen. Merländers dachten das auch und doch hat man sie gequält - aufgrund ihrer Homosexualität besonders heftig und demütigend. Da sieht man wieder einmal: Man kann noch so diskret sein, es gibt immer jemanden, der es mitbekommt.

    Ich möchte sie immer schütteln, wenn sie nur bis in die Niederlande denken. Wissen wir doch alle, dass das nicht weit genug weg sein wird.

    Natürlich reicht das nicht. Aber wie sollten sie das zu dem Zeitpunkt wissen.

    Wie viele kommen zum geheimen Treffen beim Tennisplatz? Die Geheimschrift ist für diese Sache sehr gut. Hoffentlich kommt kein Brief in falsche Hände!

    Ob diese Geheimschrift wirklich nicht zu entschlüsseln ist? Die Nazis hatten ihre Leute, die darauf spezialisiert waren. Ich hoffe, es wird funktionieren, wie Ruth sich das vorstellt.

    So geht es mir auch, das Buch fesselt und obwohl ich weiß, dass ihnen noch viel Schlimmeres bevorsteht, hoffe ich, dass es gut ausgehen möge.

    Wir wissen alle, was geschehen ist und wie furchtbar alles war. Aber wenn die geschichte so an Personen festgemacht wird, wie es in diesem Buch der Fall ist, dann geht einem das nochmal hefitger an die Nieren.

  • Ich muss ehrlich gestehen, ich bin die ganze Woche ein wenig auf Abstand zu dem Buch gegangen - zwar finde ich es toll geschrieben, aber es beschreibt eben auch sehr schlimme Ereignisse, die mich sehr aufwühlen. Das wollte ich dann nicht unbedingt abends vor dem Schlafengehen lesen, und unter der Woche ist das halt meistens meine einzige Lesezeit.


    Heute habe ich mich dann an den zweiten Abschnitt herangewagt.

    Die Arbeiten im Haus gehen voran - einerseits finde ich es entsetzlich, dass all diese Arbeiten im Grunde umsonst sind, da die Meyers ja wissen, dass sie nie wieder dort wohnen werden, auf der anderen Seite beeindruckt mich der Zusammenhalt der Menschen aus der jüdischen Gemeinde - alle packen mit an. Auch die Familie Aretz unterstützt die Meyers nach Kräften - insbesondere Josefine Aretz finde ich bewundernswert. Ich hoffe nur, dass den Aretz nichts passiert, dass die Braunen nicht auf sie aufmerksam werden.


    Die Situation scheint ziemlich ausweglos, jeder packt nach Kräften an, einfach um etwas zu tun, aber welche Alternativen gibt es? Karl Meyer schafft zwar immer wieder Wertsachen in die Niederlande, aber konkreter scheinen die Pläne noch nicht zu sein. Martha verkraftet die Zerstörung ihres Heims gar nicht und verfällt in Depressionen.


    Hellmuth berichtet Ruth von einer Möglichkeit, nach England zu gehen - Ruth zögert, sie möchte ihre Famlie nicht zurücklassen. Aber gibt es überhaupt noch eine Alternative dazu, zumal das Ausland immer weniger Menschen ins ihre Länder lassen? Ruth ist eine starke Persönlichkeit, auch wenn sie sich selbst gar nicht so fühlt. Hier fand ich das Gespräch mit ihrer kleinen Schwester sehr bewegend, ich hoffe, dass es die beiden zusammenschweißt - für die kommenden Zeiten wird das wohl leider notwendig sein.

  • Ja, was für eine schwierige Frage für Ruth: soll sie versuchen, nach England zu kommen? Ohne die Familie?

    Ich denke, das ist wirklich sehr schwer, sich in so einer Situation zu entscheiden.

    Das Thema wird ja öfters angesprochen, alle machen sich diese Gedanken - kann/darf/soll ich auswandern auch wenn z.B. die Eltern nicht mit wollen?

    Was würde ich in so einer Situation machen?

    Ich weiß es ehrlich gesagt nicht...………….

    Einmal steht ja auch sinngemäß, dass Abschiede in dieser Zeit sehr schwer waren, es könnte immer der letzte sein...……...

  • Einmal steht ja auch sinngemäß, dass Abschiede in dieser Zeit sehr schwer waren, es könnte immer der letzte sein...……...

    Viele haben jedoch auch geglaubt, dass der Spuk bald vorbei ist und sie nach Dtl. zurückkehren und sich wiedersehen ...

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Natürlich kann ich verstehen, wenn man seine Eltern nicht zurücklassen will. Doch die sind erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Anders sieht das aus, wenn man Kinder hat. Dann sollte man doch wohl in erster Linie an die Kinder denken.

  • Viele dachten damals an die Kinder. Auch das Ausland, wie in diesem Artikel beschrieben.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Jane Austen: Pride and Prejudice

  • Ich weiß nicht, ob ich das gemacht und geschafft hätte - meine Kinder wegschicken. Diejenigen, die es taten, waren mutig. Ich glaube, den Mut hätte ich nicht gehabt. Ich bin eine Glucke.

    Das würde wohl keiner Mutter leicht fallen. Aber zur Sicherheit der Kinder würden Eltern wohl das Risiko eingehen. In England haben ja auch viele Stadtbewohner ihre Kinder aufs Land geschickt, damit sie nicht in den schwer bombardierten Gebieten umkommen. Auch in Deutschland gab es solche Kinderverschickungsaktionen während des Krieges.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Jane Austen: Pride and Prejudice

  • Wobei die Kinderlandverschickungen auch nicht immer sinnvoll waren. Mein Vater ist Jahrgang 35 und sollte im Herbst 44 von Breslau aus irgendwohin nach Osten in die Kinderlandverschickung. Meine Oma hat sich da mit Händen und Füßen gegen gewehrt, weil sie ihn nicht in Richtung Feind schicken wollte. Im Winter 44 ist er dann ins Riesengebirge verschickt worden, wo ihn meine Oma Anfang 45 dann abgeholt hat. Sie hat es gerade noch aus Breslau raus geschafft und ist dann durch die Tschechei und Österreich mit zwei alten Leuten, zwei Kindern und ihrer etwas gutgläubigen Schwägerin nach München gelaufen....


    Ich muss immer wieder den Hut gerade vor den Frauen in dieser Zeit ziehen. Was die alles mitgemacht haben, da sind unsere Probleme heute echt ein Zuckerschlecken dagegen.

  • Ähnlich ging es meinem Onkel, der mit dem Kinderheim, in das er verschickt worden ist, in eine ganz andere Richtung evakuiert wurde, als die Restfamilie, die vor den herannahenden Russen geflohen ist. Dann brach der Kontakt völlig ab und konnte nach dem Krieg erst nach monatelangem Suchen wieder hergestellt werden.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Jane Austen: Pride and Prejudice

  • Das Buch ist definitiv keine leichte Kost, es ist zwar spannend, aber auch sehr bedrückend und beklemmend sodass ich nicht lange darin lesen kann und abends vor dem Einschlafen ist es irgendwie auch die falsche Lektüre.


    England könnte für Ruth tatsächlich einen Chance sein, Helmuth ist toll, dass er seine Freundin so unterstützt.


    In das Haus zurückkehren möchte ich auch nicht mehr. Ich hätte da auch immer Angst.


    Mal sehen, ob ich heute noch einen Abschnitt schaffe.