'Clockwork Orange' - Teil 1

  • Ich bin so gespannt, wie ihr den Erzählstil und die Sprache finden werdet...


    Ich bin völlig unbeeinflusst ans Lesen gegangen, denn ich kenne nicht die Verfilmung, wollte nur diese Buch immer schon mal lesen. Das mache ich ja nun mit euch zusammen.


    Burgess' Ziel erschießt sich mir noch nicht, aber es scheint, dass er es seinen Lesern so schwer wie möglich machen wollte.

    Die Geschichte wird uns von Alex, einem halbstarken Jugendlichen erzählt, großsprecherischer Schein-Anführer einer Gang, mächtig auf der schiefen Bahn, verloren und ohne Perspektive. Er erzählt in einer Melanche aus Fetzen hochtrabender Literatursprache und einem Jugendslang, Nadsat genannt.

    Erst habe ich mich noch geärgert, weil ich, um überhaupt etwas zu verstehen, ständig im Glossar nachsehen musste, aber dann habe ich das gelassen und weiter gelesen. Vielleicht bin ich im Vorteil, weil die Slangwörter russische Wortstämme enthalten, von denen ich die meisten noch kenne (Bildungssystem der DDR sei Dank, in diesem Fall).


    Was es mit dem Titel auf sich hat, erschließt sich mir noch nicht, aber wahrscheinlich kommt das später. Alex und seine Doogies überfallen einen Schriftsteller, der einen Roman namens "Clockwork Orange" geschrieben hat. Dessen Frau vergewaltigen sie.


    Dieser erste Abschnitt umfasst Alex' Weg bis ins Gefängnis. Kann Jemand wirklich so brutal, böse, schlecht sein und gar nichts dabei empfinden? Wie wird man so? Ich glaube, es geht hier auch um die elementare Frage, ob es böse Menschen gibt oder ob die Umstände sie dazu machen.

    Schwere Kost!


    Ich sag es mal gleich: das Buch begeistert mich nicht, ob überhaupt nicht oder noch nicht wird sich zeigen...

  • Meine Güte, liebe Clare , kannst du das tatsächlich lesen :wow!

    Ich war schon auf der ersten Seite in Versuchung das Buch in der hintersten Ecke meiner Wohnung zu verstecken.


    Ich bin völlig unbeeinflusst ans Lesen gegangen, denn ich kenne nicht die Verfilmung, wollte nur diese Buch immer schon mal lesen. Das mache ich ja nun mit euch zusammen.

    Das waren auch meine Voraussetzungen.


    Aber es liest sich grauenhaft, für mich noch viel schrecklicher als der Fänger im Roggen, bei dem ich immerhin bis zum Ende durchgehalten habe. Das schaffe ich hier ganz sicher nicht.

    Bis Seite 13 hab ich mich gequält mit sich zunehmend einkringelnden Fußnägeln. Mehr geht nicht.


    Kommt mir vor, als würde ich eine Fremdsprache lesen, was sind das für seltsame Worte und Sätze?

    Z.B. S. 10 ...und knallte dem Fecken neben mir, der um den anderen Planeten kreiste, horrorshow eins auf den Hörer, aber er spürte nichts und schwallte weiter von "telefonisch Hardware tropfenweise und wenn der Flatokude badderdappdapp macht...:help.


    Mich darauf einzulassen schaffe ich in meinem Alter nicht mehr.

    Auf Gewaltszenen war ich ja aufgrund der Vorwarnungen eingestellt, aber auf so einen kruden Sch... nicht.


    Aber in die Runde werde ich reinschauen. Wer weiß, vielleicht bringen mich eure Anmerkungen ja doch auf den "rechten" Weg zurück ;).

  • Ich habe die ersten Seiten gelesen und :bahnhof. So ein Buch hat mir gerade noch gefehlt. :help

    Bitte nicht aufgeben, Mädels! Ihr schafft das! Ich habe irgendwann aufgehört nachzuschlagen. Man versteht es auch so, und später (:grin) tritt das Nadsat in den Hintergrund, weil Alex mit mehr Erwachsenen spricht, und die reden ganz normal.

  • Meine Güte, liebe Clare , kannst du das tatsächlich lesen !

    Ja, nachdem ich erstmal kapiert hatte, dass es letztendlich abgewandeltes Russisch ist.


    Ich war schon auf der ersten Seite in Versuchung das Buch in der hintersten Ecke meiner Wohnung zu verstecken.

    Mach's nicht! Lasst mich nicht alleine!


    Kommt mir vor, als würde ich eine Fremdsprache lesen, was sind das für seltsame Worte und Sätze?

    Wie schon gesagt, ich habe das irgendwann ignoriert bzw. als seine Sprache hingenommen. Der Sinn hat sich für mich trotzdem immer erschlossen.

    Mich darauf einzulassen schaffe ich in meinem Alter nicht mehr.

    Auf Gewaltszenen war ich ja aufgrund der Vorwarnungen eingestellt, aber auf so einen kruden Sch... nicht.

    Schade, und das ist ein hartes Urteil, aber verstehen kann ich dich.

  • Den ersten Teil habe ich auch beendet. Ich kann mich Clare da ganz anschließen, komplett ohne Vorwissen angefangen. Nur hier kommt Alex von den Hosen kannte ich. Mittlerweile bin ich aber froh, dass das Vorwort kein Nachwort war, denn auf die Sprache ist Burgess da auch eingegangen:


    Zitat

    My own healthy inheritance of original sin comes out in the book and I enjoyed raping and ripping by proxy. It is ne novelist's inate cowardice that makes him depute to imaginery personalities the sins that he is too cautious to commit for himself.

    ...

    Ein Einschub über Moral, der wie ich es verstehe im ersten Teil der Leserunde zu viel verrät.

    ...

    I have shown enough, though the curtain of an invented lingo gets inthe way - another aspect of my cowardice. Nadsat, a Russified version of Englisch, was meant to muffle the raw Response we expect from pornography. It turns the book into a Linguistik adventure. People preferred the film because they are scared, rightly, of language.

    Ich kann über die Sprache Hinweg lesen, über den Kontext bekomme ich alles mit. Und das Buch ist wirklich nicht so toll, das ich jedes Buch verstehen muss. Ohne Leserunde hätte ich es vermutlich abgebrochen. Jetzt sehe ich es als Ausflug in einen Klassiker, von dem ich hoffentlich später verstehe warum es einer ist. Wobei im Vorwort auch auf Kennedy und Nixon eingegangen wird, daher ist die Einordnung in die Zeit bei mir gar nicht möglich. Obs geholfen hätte?

  • Wie sieht denn Nadsat bei dir aus? Du liest ja im Original. Da wäre ich dann doch hoffnungslos verloren.

    Vielleicht kannst du ein kurzes Zitat schreiben, damit ich eine Vorstellung habe? Würde mich interessieren.:wave

    Ich kann über die Sprache Hinweg lesen, über den Kontext bekomme ich alles mit.

    Genau, das geht.

    Und das Buch ist wirklich nicht so toll, das ich jedes Buch verstehen muss. Ohne Leserunde hätte ich es vermutlich abgebrochen. Jetzt sehe ich es als Ausflug in einen Klassiker, von dem ich hoffentlich später verstehe warum es einer ist.

    Stimmt.

    Für mich ist das eines der Bücher, die ich der Vollständigkeit halber lesen muss, irgendwie.


    Schön, dass du weiter liest!:)

  • Wie sieht denn Nadsat bei dir aus? Du liest ja im Original. Da wäre ich dann doch hoffnungslos verloren.

    Vielleicht kannst du ein kurzes Zitat schreiben, damit ich eine Vorstellung habe? Würde mich interessieren.:wave

    Nachdem was Lumos geschrieben hat weiß ich nicht ob es da einen Verständnisunterschied gibt :grin habe mal die gleiche Stelle rausgesucht.

    Kommt mir vor, als würde ich eine Fremdsprache lesen, was sind das für seltsame Worte und Sätze?

    Z.B. S. 10 ...und knallte dem Fecken neben mir, der um den anderen Planeten kreiste, horrorshow eins auf den Hörer, aber er spürte nichts und schwallte weiter von "telefonisch Hardware tropfenweise und wenn der Flatokude badderdappdapp macht...:help

    Und im Original:

    And then I cracked this veck who was sitting next to me and well away and burbling and horrorshow crack in the ooko or earhole, but he didn't feel it and went on with his "Telephonic Hardware and when the farfarculule gets rubadubdub."

  • Uff.


    Auch ich bin ohne größere Vorkenntnisse, nur im Wissen um viele Gewaltszenen an dieses Buch herangegangen.

    Das Verlangen, das Buch nach den ersten Seiten in die Ecke zu werfen, habe ich auch durch. :lache

    Aber da kommt dann bei mir auch der Ehrgeiz durch: Schließlich habe ich mich gerade im Bewusstsein, dass es ein schwieriges Buch ist, zur Leserunde angemeldet. Und es hat nur knapp über 200 Seiten.:rolleyes:


    Leider habe ich keinerlei Russisch-Vorkenntnisse, die sind bestimmt hilfreich beim Verstehen. Inzwischen kann ich Clare aber zustimmen, auch ich musste nach den ersten Kapiteln nicht mehr im Glossar nachschlagen, wovon eigentlich gerade die Rede ist. Trotzdem finde ich die Sprache im ersten Abschnitt einfach nur furchtbar. Ein Buch, dass ich als gut empfinde, ist definitiv anders. Dieses hier würde ich eher mit interessant beschreiben.


    Die Gewaltszenen sind so furchtbar, wie ich erwartet hatte. Besonders die Gruppenvergewaltigung ist mir ganz schön an die Nieren gegangen.


    Beim Lesen der ersten Kapitel ist mir mehrmals der Gedanke gekommen, dass der Stil mich an den Anfang von "American Psycho" erinnert. (Auch so ein Buch, dass ich mehr aus Interesse als aus Leidenschaft gelesen habe.)

  • Bitte nicht aufgeben, Mädels! Ihr schafft das! Ich habe irgendwann aufgehört nachzuschlagen. Man versteht es auch so, und später () tritt das Nadsat in den Hintergrund, weil Alex mit mehr Erwachsenen spricht, und die reden ganz normal.

    :bonk Danke für den Tipp, ich hatte das Glossar nicht entdeckt. Noch gebe ich nicht auf. :grin

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Nachdem was Lumos geschrieben hat weiß ich nicht ob es da einen Verständnisunterschied gibt habe mal die gleiche Stelle rausgesucht.

    Das ist, finde ich gerade ein nicht sehr typischer Satz. ich wollte eigentlich nur sehen, ob ich in der englischen Fassung die Russischen Wörter auch erkennen würde. Aber danke!

  • Beim Lesen der ersten Kapitel ist mir mehrmals der Gedanke gekommen, dass der Stil mich an den Anfang von "American Psycho" erinnert. (Auch so ein Buch, dass ich mehr aus Interesse als aus Leidenschaft gelesen habe.)

    Das ist auch ein Roman, der auf meiner "Noch lesen"-Liste steht. Die Bibo hat es aber nicht mehr, und ich bin nicht sicher, ob ich dafür Geld ausgeben sollte.:gruebel

  • So, Vorwort und 1. Kapitel gelesen.

    Wusstet ihr, dass Burgess ein Buch mit dem Namen „1985“ geschrieben hat? Sozusagen als Aktualisierung von „1984“? Das muss ich mir mal ansehen.


    Die Worte der Gang sind tatsächlich vom russischen abgeleitet, allerdings steht im Vorwort leider nicht, warum das so ist.


    Ich finde es auf eine Art anstrengend zu lesen, aber irgendwie authentisch geschrieben, als hätte es Alex wirklich gegeben. Ich habe ein bis zwei Worte nachgeschlagen um rauszufinden, ob ich die Worte im Kontext richtig verstanden habe. Da es so war, zumindest von der Bedeutung her, habe ich die restlichen Worte einfach auf mich wirken lassen. Ich finde, man kann das alles im Zusammenhang schon ganz gut verstehen.


    Mehr von mir, wenn ich den Abschnitt fertig gelesen habe.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)