'Clockwork Orange' - Teil 1

  • Ich grätsche hier einfach mal ohne Vorwissen über eure LR hier rein... :lache


    Ich hab jetzt spaßeshalber mal bei Amazon in eine Leseprobe geguckt. Die Sprache kam mir quasi 1:1 wie aus dem Film vor, wenn ich mich recht entsinne (lange her...). Im Film konnte man auch ohne Glossar ganz gut mitkommen, auch wenn man nicht alles verstand.

    So zu lesen ist aber garantiert anstrengend. Eine Frage: welche Ausgabe lest ihr denn? Es gibt eine Übersetzung von Wolfgang Krege (das ist der, der die "neumodische" Übersetzung vom Herrn der Ringe verschuldet hat) und eine von Ulrich Blumenbach, zu der ich schon allein aufgrund der Nennung des Namens Krege gegriffen hätte... :lache

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Meine Ausgabe hat kein Glossar :(

    Meine auch nicht. Es ist eine ziemlich alte Ausgabe, die Stabi hat sie 1996 angeschafft.


    Was steht denn im Glossar? Übersetzungen der merkwürdigen Sprache? Nun ja, das meiste erschließt sich schon aus dem Kontext, aber ich finde es nach wie vor grausig.


    Bin jetzt bis S. 34 vorgedrungen und muss gestehen, dass ich die Gewaltexzesse quer lese.


    Ende Kapitel 1 habe ich es als Wohltat empfunden Alex Kopf kurz verlassen zu können und ein paar Sätze in normaler Sprache lesen zu dürden. Er kann sich durchaus relativ gewählt ausdrücken, wenn erforderlich.


    Man könnte jetzt sage, eine völlig desillusionierte Jugend, ohne Halt und ohne Werte...nun ja.


    Gerade habe ich mal bei Wiki nachgelesen über diesen Roman und den Schauplatz. Ist vom Ansatz her eher fiktiv, sehe ich das richtig? Schauplatz London in naher Zukunft - hm.

    Vielleicht bin ich im Vorteil, weil die Slangwörter russische Wortstämme enthalten, von denen ich die meisten noch kenne (Bildungssystem der DDR sei Dank, in diesem Fall).

    Wie passt das Russische da hinein? Hat sich dessen nur der Übersetzer bedient, damit es möglichst strange wird?


    Ich find es immer noch furchtbar, aber die Inhaltsangabe bei Wiki macht mich doch etwas neugierig.

  • So zu lesen ist aber garantiert anstrengend. Eine Frage: welche Ausgabe lest ihr denn? Es gibt eine Übersetzung von Wolfgang Krege (das ist der, der die "neumodische" Übersetzung vom Herrn der Ringe verschuldet hat) und eine von Ulrich Blumenbach, zu der ich schon allein aufgrund der Nennung des Namens Krege gegriffen hätte..

    Ich hab die von Wolfgang Krege.

  • Das ist auch ein Roman, der auf meiner "Noch lesen"-Liste steht. Die Bibo hat es aber nicht mehr, und ich bin nicht sicher, ob ich dafür Geld ausgeben sollte.:gruebel

    Das habe ich auch nicht und würde ich im Leben nicht tun. Tatsächlich hat mir mal jemand ein Bookcrossing-Exemplar in die Hand gedrückt, "weil du doch gern Krimis liest". Allerdings ist American Psycho kein Krimi im klassichen Sinn und ich war aus denselben Gründen immer davor zurückgeschreckt es zu lesen wie vor Clockwork Orange :lache

    Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich American Psycho auch besser fand, als ich erwartet hatte. Die ersten hundert Seiten fand ich sehr zäh, danach ging es.

  • Die Reaktionen hatte ich schon erwartet. :grin

    Ich habe das Buch nicht gelesen, nur vor Jahren in einer Bibliothek etwa 2-3 Seiten. Natürlich kenne ich den Film von Kubrick. Exzellent! Wollte es auch lesen, aber bei der Lektüre von 2-3 Seiten der Vorlage wusste ich: nicht meines!

    Das beginnt mit der künstlichen Sprache des Protagonisten: russische Wortstämme (kein Problem, komme aus der ehemaligen DDR), Kunstwörter. Kritiker behaupten, der Leser solle belohnt werden durch die Aneignung der Floskeln (dies wäre Mord an meiner Gedächtniskapazität, denke ich), um dann umso tiefer einzudringen in die (doch geradezu peinlich) simple Gedankenwelt des Alex. Das kann man heutzutage nur noch Medizinstudenten zumuten, denke ich, eine tote, aber für die Wissenschaft umso geeignetere und in sich zutiefst logische Sprache zu erlernen.

    Das sichert Authentizität, aber ich denke, ich wurde in diesem Falle ausnahmsweise mit der Verfilmung besser bedient.

    Kein Urteil über das Buch, habe, wie gesagt nur 2-3 Seiten gelesen, werde aber eure Beiträge interessiert verfolgen.

  • Ich grätsche hier einfach mal ohne Vorwissen über eure LR hier rein... :lache


    Ich hab jetzt spaßeshalber mal bei Amazon in eine Leseprobe geguckt. Die Sprache kam mir quasi 1:1 wie aus dem Film vor, wenn ich mich recht entsinne (lange her...). Im Film konnte man auch ohne Glossar ganz gut mitkommen, auch wenn man nicht alles verstand.

    So zu lesen ist aber garantiert anstrengend. Eine Frage: welche Ausgabe lest ihr denn? Es gibt eine Übersetzung von Wolfgang Krege (das ist der, der die "neumodische" Übersetzung vom Herrn der Ringe verschuldet hat) und eine von Ulrich Blumenbach, zu der ich schon allein aufgrund der Nennung des Namens Krege gegriffen hätte... :lache

    Krege hatte bei der Neuübersetzung des Herrn der Ringe kein glückliches Händchen, ansonsten schätze ich ihn und seine Arbeit allerdings sehr. Ich hätte also Krege gewählt oder im Original gelesen.


    Aus meiner Perspektive finde ich die Beschäftigung mit diesem Buch total skurril. Für mich ist Clockwork Orange so eng mit meiner Jugend Ende der 80iger/Anfang der 90iger und vielen alkoholseligen Abenden incl. "Diskussionen" zum Film und dem Album der Hosen verbunden, dass es für mich gar nicht mehr in die heutige Zeit passt. Alles hat seine Zeit, das gilt auch für derartige Bücher. Deshalb will ich es auch heute nicht mehr lesen.

    Im Gegensatz zu Orwells 1984, mit dem es ja gern verglichen wird, ist Alex Geschichte nicht zeitlos. Das gilt auch für den Stil (ein erster Versuch, es zu lesen, scheiterte schon Ende der 80iger genau daran).


    Ich verfolge aber interessiert die Leserunde. :grin

  • In dieser Ausgabe gibt es ein Nadsat-Glossar, einen Prolog von Burgess, einen Epilog, einen Aufsatz namens "Die menschlichen Russen" von Burgess, einen Aufsatz "Uhrwerk Marmelade" von Burgess, einen Aiszug aus einem unveröffentlichen Interview mit Burgess, Anmerkungen, Hinweise zur restaurierten Fassung...

    Der Anhang ist fast so umfangreich wie das Buch. :help

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Meine Ausgabe hat kein Glossar

    Das ist doof! Und Russisch kannst du vielleicht nicht?

    Was steht denn im Glossar? Übersetzungen der merkwürdigen Sprache? Nun ja, das meiste erschließt sich schon aus dem Kontext, aber ich finde es nach wie vor grausig.

    Es werden die Nadsat-Wörter alphabetisch aufgeführt und ins Deutsche übersetzt.

  • Meine Übersetzung ist von Ulrich Blumenbach. Er hat sich schon meine Bewunderung verdient, die Übersetzung war bestimmt Schwerstarbeit.

    Ich habe die selbe Übersetzung gelesen und bin auch beeindruckt. Interessant fand ich auch, was der Übersetzer in den Anhängen über seine Arbeit am Roman schrieb.

  • Bin jetzt bis S. 34 vorgedrungen und muss gestehen, dass ich die Gewaltexzesse quer lese.

    Kann man machen. Wichtig wäre nur, dass du grob weißt, was mit wem da passierte, denn darauf kommt man im 3. Teil noch zurück. Ich habe an der Stelle nochmal zurück geblättert.


    Man könnte jetzt sage, eine völlig desillusionierte Jugend, ohne Halt und ohne Werte...nun ja.


    Gerade habe ich mal bei Wiki nachgelesen über diesen Roman und den Schauplatz. Ist vom Ansatz her eher fiktiv, sehe ich das richtig? Schauplatz London in naher Zukunft - hm.

    Ich habe auch erst überlegt, aber es ist London.



    Wie passt das Russische da hinein? Hat sich dessen nur der Übersetzer bedient, damit es möglichst strange wird?

    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann gibt es das Nadsat auch in der Originalausgabe. Aber ob es dort auch Droogie (Freunde), Ludi (Leute, Menschen) gibt, bolschi (groß), Dewotschkas und Malchicks (Mädchen und Jungen) und ob Alex Moloko (Milch) liebt, weiß ich nicht, aber ich denke schon.

  • Bolschi weiß ich gerade nicht mehr genau, aber vermutlich schon. Die anderen kommen genau so vor.

    Ich finde gut, dass der Übersetzer das so beibehalten hat. Nun weiß ich, dass Burgess es genau so wollte.

    Nochmal Hut ab vor den Übersetzern!

    In den Anhängen in meinem Buch wird die Herkunft von "horrorshow" erklärt. Das ist eine Abwandlung von choroscho (oder so ähnlich, kyrillisch kann ich hier nicht schreiben, ). Das heißt "gut".

  • Ich habe zwar gerade erst das erste Kapitel gelesen, möchte aber schonmal meinen ersten Eindruck euch unterbreiten.

    Ich lese die französische Fassung und habe direkt zu Beginn erstmal das glossar "gelesen", ich glaube, sont wäre ich auf den ersten Seiten schon verloren gewesen. Jetzt geht es aber mit dem Verständnis besser, ich muss nicht ständig nachschlagen. Ihr habt das ja schon gesagt, dass man sich das Meiste aus dem Zusammenhang erklären kann. Irgendwie habe ich mich mit dem Lesen des ersten kapitels doch auch wieder an den Film erinnert, den ich - vor vielen Jahren - einmal gesehen habe :wave

  • Aus meiner Perspektive finde ich die Beschäftigung mit diesem Buch total skurril. Für mich ist Clockwork Orange so eng mit meiner Jugend Ende der 80iger/Anfang der 90iger und vielen alkoholseligen Abenden incl. "Diskussionen" zum Film und dem Album der Hosen verbunden, dass es für mich gar nicht mehr in die heutige Zeit passt. Alles hat seine Zeit, das gilt auch für derartige Bücher. Deshalb will ich es auch heute nicht mehr lesen.

    Da muss ich jetzt sagen: Nachdem ich das Buch nun gelesen habe (ich kannte den Inhalt nicht) finde ich die Frage, wie mit Menschen umgegangen wird, die NICHT zu einer freien Willensbildung in der Lage sind, erschreckend aktuell.

    Solche Menschen gibt es auch heute zahlreich mitten unter uns - ohne fremd verabreichte chemische Drogen wie bei Burgess, aber aufgrund z.B. schwerer psychischer Erkrankungen und aus einigen anderen Gründen.

    In Deutschland ist ganz aktuell ein weiterer Teil des Bundesteilhabe-Gesetzes in Kraft, das aber, wie alle Gesetze, nur einen Teil der Fragen löst und dafür viele neue Aufwirft.

    Wer da Berührungspunkte hat, privat oder beruflich, sieht einen aktuellen Bezug. :learn

  • Lorelle , um den aktuellen Bezug geht es in meinem Zitat gar nicht und auch nicht darum, womit ich heute "Berührungspunkte" habe oder nicht.

    Ich verknüpfe Alex Geschichte bzw. Kubricks Film einfach mit etwas anderem, nämlich einer sehr "intensiv" gelebten Zeit meines Erwachsenwerdens.

  • Das ist doof! Und Russisch kannst du vielleicht nicht?

    Es werden die Nadsat-Wörter alphabetisch aufgeführt und ins Deutsche übersetzt.

    Ich finde, dass man es auch ganz gut ohne Russisch-Kenntnisse verstehen kann. Man muss sich natürlich rein denken und mal eben kurz nebenbei lesen ist auch nicht drin. Zumindest bei mir nicht.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)