'Der Wal und das Ende der Welt' - Seiten 270 - 360

  • Wobei, nur von Fisch und Milch ist es auch sehr eintönig.

    Das stimmt, Tiere gibt es ja auch noch und Eier, zusammen mit Joes Vorräten geht das schon.

    Das viel größere Problem ist das Wasser knapp wird und die Stromversorgung brach liegt. Auch wir hätten im Falle eines Falles keinen Campingkocher, noch nicht einmal einen Grill.

    Wie wird es weitergehen? Ich hoffe sehr, dass die Menschen in St. Pirot sich weiterhin solidarisch verhalten und gemeinschaftlich versuchen, zu überleben.


    Es wird nicht ganz klar, ob der Pfarrer Joe wirlkich das Wasser verweigern wollte oder ob Joe nur geträumt hat. Die Beerdigung Janies hat mich bewegt. Wenn es darauf ankommt, funktionieren die beiden Männer als Team.


    Ironmonger führt ganz deutlich die globalen Abhängigkeiten vor Augen, die komplexen Systeme, in denen wir alle leben. Das System ist verletzlich und angreifbar. Wenn die globale Versorgung zusammenbricht, ist das dann wirklich das Ende der Welt oder eine Rückkehr ins Mittelalter oder werden wir daraus lernen? Das ist für mich eine zentrale Frage, was wir alle aus der jetzigen Situation lernen und mit in unser Leben nach Corona nehmen.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das ist für mich eine zentrale Frage, was wir alle aus der jetzigen Situation lernen und mit in unser Leben nach Corona nehmen.


    Das ist in den meisten guten Büchern zu dem Thema globaler Katastrophen die große Frage, ob die Menschen es schaffen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren oder zu den von Hobbes genannten Zuständen zurückzukehren.


    Auch in diesem Buch ist es das Thema und Ironmonger macht das gut.

  • Ich hoffe ja immer, dass ich nicht zu Unrecht an das Gute im Menschen glaube. Aber wenn ich mir anschaue, dass Leute in Supermärkten handgreiflich werden wegen Toilettenpapier, das sie eigentlich gar nicht brauchen, zweifle ich daran.


    Ich finde das Buch wirklich großartig.

  • Aber wenn ich mir anschaue, dass Leute in Supermärkten handgreiflich werden wegen Toilettenpapier, das sie eigentlich gar nicht brauchen, zweifle ich daran.

    Hast du das selbst erlebt oder in den Medien gesehen? Hier sind bis auf wenige Ausnahmen alle wirklich vernünftig.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das stimmt, Tiere gibt es ja auch noch und Eier, zusammen mit Joes Vorräten geht das schon.

    Natürlich. Aber das tolle an diesem Teil ist das Verhältnis der beiden eingesperrten Männer, wie sie als Team funktionieren oder eben sich gegenseitig das Leben schwer machen. Und insbesondere den amüsanten Teil am Anfang mit der Verdeutlichung, dass das Horten der Lebensmittel nicht notwendig war, war ein klarer Angriff auf Joe. Und in dem Beispiel hätte es dann die Lebensmittel von Joe nicht gegeben.

  • Hast du das selbst erlebt oder in den Medien gesehen? Hier sind bis auf wenige Ausnahmen alle wirklich vernünftig.

    In einem Fall leider selbst gesehen (eine Schubsattacke, um an einer anderen Kundin vorbei das letzte Klopapier zu ergattern). Ansonsten blieb es im wesentlichen verbal. Vernünftig würde ich die Leute hier aber nicht unbedingt nennen, sonst wäre es gar nicht erst zu Engpässen gekommen.

  • Es wird nicht ganz klar, ob der Pfarrer Joe wirlkich das Wasser verweigern wollte oder ob Joe nur geträumt hat. Die Beerdigung Janies hat mich bewegt. Wenn es darauf ankommt, funktionieren die beiden Männer als Team.

    Ich denke, er hat nur geträumt, dass der Paffer ihm das Wasser verweigert, vielleicht war er ín seinem Zustand nicht in der Lage zu trinken. Schön, dass beide Einsiedler überlebt haben.


    Ironmonger führt ganz deutlich die globalen Abhängigkeiten vor Augen, die komplexen Systeme, in denen wir alle leben. Das System ist verletzlich und angreifbar. Wenn die globale Versorgung zusammenbricht, ist das dann wirklich das Ende der Welt oder eine Rückkehr ins Mittelalter oder werden wir daraus lernen? Das ist für mich eine zentrale Frage, was wir alle aus der jetzigen Situation lernen und mit in unser Leben nach Corona nehmen.

    Ich befürchte, wenn die globale Versorgung zusammenbricht, würde es erstmal schlimmer als im Mittelalter werden, das Mittelalter war ja in Friedenszeiten kein rechtsfreier Raum, in dem sich der Stärkere einfach nehmen konnte, was er wollte. Zu ersten Diebstählen kam es ja sogar schon in diesem abgelegen Dorf, ich will mir gar nicht vorstellen, wie es in Städten aussehen würde, wo die Menschen ja gar keine Möglichkeit haben, sich selbst zu versorgen und mal nen zubetonierten Brunnen wieder in Betrieb nehmen können.

  • In einem Fall leider selbst gesehen (eine Schubsattacke, um an einer anderen Kundin vorbei das letzte Klopapier zu ergattern). Ansonsten blieb es im wesentlichen verbal. Vernünftig würde ich die Leute hier aber nicht unbedingt nennen, sonst wäre es gar nicht erst zu Engpässen gekommen.

    So etwas habe ich bisher zum Glück nicht gesehen, allerdings immer wieder kleine Gruppen, vor allem von jungen Männern, die bestimmt nicht alle zu einer Familie gehören, die zusammen stehen, teilweise auf die Erde spucken. Es ist so klischeehaft, ist aber leider so. Das sind Ausnahmen. Ich denke, dass es genau deswegen auch die Beschränkungen und strengen Maßnahmen braucht.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Zu ersten Diebstählen kam es ja sogar schon in diesem abgelegen Dorf, ich will mir gar nicht vorstellen, wie es in Städten aussehen würde, wo die Menschen ja gar keine Möglichkeit haben, sich selbst zu versorgen und mal nen zubetonierten Brunnen wieder in Betrieb nehmen können.

    Ich will das einfach nicht glauben und hoffe sehr, dass es nur einzelne wären oder nur ein kleiner Teil. Ich mag daran glauben, dass die Menschen sich auf ihre Stärken besinnen und als soziale Wesen funktionieren. Es gibt ja auch jetzt viele Zeichen der Hoffnung, viele, die ehrenamtlich mitanpacken, nähen, unterhalten, Lebensfreude versprühen, zuhören und noch vieles mehr.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich will das einfach nicht glauben und hoffe sehr, dass es nur einzelne wären oder nur ein kleiner Teil. Ich mag daran glauben, dass die Menschen sich auf ihre Stärken besinnen und als soziale Wesen funktionieren. Es gibt ja auch jetzt viele Zeichen der Hoffnung, viele, die ehrenamtlich mitanpacken, nähen, unterhalten, Lebensfreude versprühen, zuhören und noch vieles mehr.

    Du hast recht, es ist nur ein kleiner Teil - aber wenn es ein kleiner, gewaltbereiter Teil ist, kann das schlimm genug sein.


    Aber die positiven Aspekte sehe ich auch.

  • Das viel größere Problem ist das Wasser knapp wird und die Stromversorgung brach liegt. Auch wir hätten im Falle eines Falles keinen Campingkocher, noch nicht einmal einen Grill.

    Einen Grill hätten wir. Aber das mit dem Wasser würde mich stressen. Ohne dass geht gar nichts. So nah am Meer hätte er eine Entsalzungsanlage gebraucht. Gibt es da nicht auch so Tabletten? Oder verwechsle ich da was. Wahrscheinlich. Da müsste ich jetzt erst mal googeln.

  • Es wird nicht ganz klar, ob der Pfarrer Joe wirlkich das Wasser verweigern wollte oder ob Joe nur geträumt hat. Die Beerdigung Janies hat mich bewegt. Wenn es darauf ankommt, funktionieren die beiden Männer als Team.

    Das wurde mir auch nicht ganz klar. Ich tippe aber darauf, dass er das nicht ganz richtig wahrgenommen hat. Ich mag den Pfarrer zwar immer noch nicht besonders, denke aber, dass er ihn nicht absichtlich verdursten lassen würde. Von Polly hat er ja auch geträumt, als wäre sie dagewesen. Ich finde ja, sie sind ein Team, bei dem ich immer damit rechne, dass es auseinander bricht. Eher eine Schicksalsgemeinschaft aber sicher keine Freunde. Aber ihre Gespräche sind spannend zu lesen.

  • Das ist in den meisten guten Büchern zu dem Thema globaler Katastrophen die große Frage, ob die Menschen es schaffen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren oder zu den von Hobbes genannten Zuständen zurückzukehren.


    Auch in diesem Buch ist es das Thema und Ironmonger macht das gut.

    Kommt aber durchaus rüber, dass es möglich und nicht total unwahrscheinlich ist, dass die Menschen sich früher oder später wieder auf ihre Menschlichkeit besinnen. Mir geht es im Augenblick auch so, dass ich das Gefühl habe, nachdem die Menschen sich jetzt etwas an die Corona-Krise gewöhnt haben, reagieren viele wieder entspannter (natürlich nicht alle - Hysteriker gibt es immer). Mir geht es persönlich auch so, dass ich zwischendrin mal eher verzweifelt war und jetzt erkenne, dass vieles doch sehr gut und strukturiert läuft. Die Menschen brauchen nur etwas Zeit sich auf so eine Situation einzustellen. Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier und so rüde aus der Gewohnheit gerissen, ist er erst mal sehr gestresst.

    (Bei uns kommen jetzt regelmäßig Flugzeuge voll Masken und Klopapier ist auch immer irgendwo erhältlich.)

    Das ist, was ich meine, dass das sogenannte "Gute" irgendwann schon wieder kommt. Ich denke nicht, dass der Mensch grundsätzlich IMMER NUR an sich selber denkt. Sonst gäbe es keine Demokratie und keine sozialen Einrichtungen etc.pp.

  • Es wird nicht ganz klar, ob der Pfarrer Joe wirlkich das Wasser verweigern wollte oder ob Joe nur geträumt hat. Die Beerdigung Janies hat mich bewegt. Wenn es darauf ankommt, funktionieren die beiden Männer als Team.

    Joe und Alvin raufen sich gezwungenermaßen zusammen. Und irgendwann verstehen sie einander besser und werden doch zu einem Team. Das in der Zweckgemeinschaft einigermaßen harmoniert - sobald die Quarantäne vorbei ist, gehen die beiden wieder getrennte Wege. Eine Freundschaft ist also nicht entstanden.

    Ob Alvin Joe wirklich etwas Böses wollte? Ich denke es eher nicht, wahrscheinlich hatte Joe einen Fiebertraum und Alvins Ambitionen phantasiert. Ich will es zumindest glauben.

    Schön fand ich in diesem Abschnitt, wie Philosophie und Religion beiderseits in Joes und Alvins Überlegungen/Überzeugungen reinspielen und wie nah sich die Ansichten doch irgendwie sind. Nur eben aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und aus unterschiedlichem Antrieb heraus.


    Jedenfalls bin ich froh, dass beide die Grippe überstanden haben und offenbar auch sonst niemand aus dem Dorf zu Schaden gekommen ist. Da hat das Verstecken der einzigen Zufahrtstraße durch die Hecke doch etwas genützt.


    die große Frage, ob die Menschen es schaffen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren

    In St. Piran funktioniert es auf jeden Fall. Und ich glaube, das liegt in erster Linie an der dörflichen Struktur, weil eben jeder jeden kennt. Um Bekannte sorgt man sich eher als um anonyme Nachbarn, wie es sie in Großstädten zuhauf gibt. Die persönliche Nähe lässt Menschen sich auch für andere verantwortlich fühlen.

  • Ob Alvin Joe wirklich etwas Böses wollte? Ich denke es eher nicht, wahrscheinlich hatte Joe einen Fiebertraum und Alvins Ambitionen phantasiert. Ich will es zumindest glauben.

    Eigentlich begreife ich mich selbst als Optimisten, aber ich bin wohl der Einzige hier, der Joes "Visionen" für real hält. :wow Aus der Sicht eines alternden Mannes, der sich, sowohl aus den Umständen als auch dem Charakter seiner Frau ergebend, ihrer Treue unsicher sein muss, ist der jüngere Konkurrent schlichtweg ein unerträglicher Albtraum. Da mag auch ein Priester mal seinen Mordphantasien erliegen ...

  • Was zu diesem Zeitpunkt Wahrheit und was Phantasie ist, ist für mich dermaßen unklar, dass ich die für mich wohlgefälligere Möglichkeit annehme. ;) Ironmonger hat das an dieser Stelle aber gut gemacht, es bleibt genügend Interpretationsspielraum, so dass sich jeder seine eigene Wahrheit erdenken kann. Und Alvin muss nicht per se als böser Bube aus dem Ganzen hervorgehen.

  • Eigentlich begreife ich mich selbst als Optimisten, aber ich bin wohl der Einzige hier, der Joes "Visionen" für real hält. :wow Aus der Sicht eines alternden Mannes, der sich, sowohl aus den Umständen als auch dem Charakter seiner Frau ergebend, ihrer Treue unsicher sein muss, ist der jüngere Konkurrent schlichtweg ein unerträglicher Albtraum. Da mag auch ein Priester mal seinen Mordphantasien erliegen ...

    Ich sehe das auch so. Es würde auch zu Alvins sonstigem Verhalten passen. Erst ordentliche Sprüche raushauen, die seine wahren Gedanken verraten, und sich dann schleimerisch entschuldigen.

    Ich war gespannt auf eure Sichtweise, deshalb habe ich die Frage in den Raum getsellt.

    Ich denke auch, dass er Polly gehörig unter Druck setzt.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin