Gendern - notwendig oder nervig?

  • In der Grundschule ist Religionsunterricht Geschichten hören (die schon etwas von Fantasy haben und selbst von Grundschülern nicht unbedingt geglaubt werden)

    Das die Geschichten eher Fantasy sind, ist schon eine persönliche Sicht. Andere sehen das tatsächlich anders.

    Jedenfalls: Gerade deswegen macht es Sinn in diesem Alter die Kinder nicht nach Religionen zu trennen, sondern sie gemeinsam zu unterrichten. Und das funktioniert nur, indem der Unterricht nicht starken Bezug zur jeweiligen Religion nimmt, sondern eben Ethikunterricht mit anderen Beispielen ist. Auf diese Weise würden Gemeinsamkeiten zwischen Angehörigen verschiedener Religionen gestärkt. Und warum sollte man das in der weiterführenden Schule nicht ebenso machen?

    Stattdessen wurden bei euch bereits in der Grundschule die Kinder in verschiedene Gruppierungen aufgeteilt.
    Die einen unterrichtet, die anderen hingegen nicht.

    Wir diskutieren hier über Inklusion via Sprache, sortieren aber gleichzeitig Kinder beim Unterricht schon auseinander und schließen sie dabei zum Teil vom Unterricht aus.
    Wie gesagt, Religion darf exkludieren, wie es gerade passt.

  • Maarten Dann vergiss aber nicht dass die muslimischen Kinder außerhalb der Schule Koranunterricht erhalten und die Eltern Religionsunterricht großteils abgelehnt hätten. Das lässt sich dann nur durch Ethikunterricht für alle so hinbiegen, wie du es gerne hättest. Und an einer katholischen Grundschule fände ich das etwas seltsam, schließlich ist es so ziemlich das einzige was sie katholisch macht. Es gibt hier im Ortsteil mindestens fünf Grundschulen, da gibt's durchaus Alternativen die auch nicht weiter weg sind. Alle paar Wochen waren die Kinder ab der dritten Klasse sogar in der Kirche - in einer evangelischen, weil die direkt nebenan ist. Religion wurde ökumenisch gehandhabt.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Maarten Dann vergiss aber nicht dass die muslimischen Kinder außerhalb der Schule Koranunterricht erhalten und die Eltern Religionsunterricht großteils abgelehnt hätten. Das lässt sich dann nur durch Ethikunterricht für alle so hinbiegen, wie du es gerne hättest. Und an einer katholischen Grundschule fände ich das etwas seltsam, schließlich ist es so ziemlich das einzige was sie katholisch macht. Es gibt hier im Ortsteil mindestens fünf Grundschulen, da gibt's durchaus Alternativen die auch nicht weiter weg sind. Alle paar Wochen waren die Kinder ab der dritten Klasse sogar in der Kirche - in einer evangelischen, weil die direkt nebenan ist. Religion wurde ökumenisch gehandhabt.

    Dass die muslimischen Kinder lediglich Koranunterricht außerhalb der Schule haben und keinen gemeinsamen Unterricht zu den wichtigen Fragen des Lebens zusammen mit Kindern anderer Glaubensbekenntnisse ist doch gerade Teil des Problems (genauso wie andersherum).

    Teil eines Problems, dass sich tatsächlich über einen gemeinsamen Unterricht zu den wichtigen Fragen des Lebens lösen ließe. Dieser Unterricht würde es ermöglichen Gemeinsamkeiten zu erkennen, ein tieferes Verständnis füreinander zu entwickeln und Antworten auf wichtige Fragen diskutieren zu können.

    Es gibt keine anderen Fächer in denen solche Fragestellungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Es ist eine Chance, die nicht wirklich genutzt wird.

    I never predict anything, and I never will. (Paul Gascoigne)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Maarten ()

  • Ab der fünften Klasse haben sie inzwischen gemeinsam Philosophie. Ich finde das früh genug. Vorher entstehen schon Freundschaften und man lernt sich kennen und schätzen. In der Klassenratsstunde wird über Mobbing und Toleranz geredet. Da muss nicht auch noch Philosophie sein. Ich fände Geschichten hören und Bilder dazu malen in der Grundschule völlig ausreichend.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Übrigens ein sehr interessanter Aspekt, den Rainer Werner da anspricht, dass nämlich vor allem dann gerne gegendert wird, wenn es eine positive oder neutrale Konnotation gibt, während Begriffe wie Täter, Verbrecher, Mörder, Betrüger - um nur einige wenige zu nennen - als Oberbegriffe (die ja sowieso nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun haben, laberfasel) meist im männlichen Genus belassen werden, selbst von den energischsten Vertreter-:*_*:-innen des Genderns.


    Ich habe übrigens gestern oder vorgestern einen Bericht irgendwo im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesehen, und es ging um Künstlerinnen, die ein gemeinsames Projekt vorgestellt haben, und die Moderatorin - ich meine, es war irgendeine Magazinsendung in einem Regionalprogramm -, die eben gendert oder von ihrer Redaktion dazu geknechtet wird, war während der Anmoderation sichtlich irritiert, weil sie eben die ganze Zeit mit Sternchen spricht, aber in dieser Anmoderation dadurch nicht mehr deutlich hervorheben konnte, dass es eben nur und vor allem und in besonderer Weise um weibliche Künstler ging.


    Und das ist dann auch wirklich das einzige Argument, das ich mir bei diesem Versuch, die Sprache zu ruinieren, gefallen lasse. In der hier irgendwo im Thread verlinkten "nano"-Folge kam das vor: Jemand fragt Dich nach Deinen Lieblingsschauspielern, und Du nennst Männer. Dazu gäbe es auch eine Menge zu sagen, sogar eine ganze Menge, aber es hat einen wahren und bedeutsamen Kern. Ob das nun an der Sprache hängt oder der Männerdominanz in vielen Berufen oder der Tatsache, dass männliche Schauspieler einfach grundsätzlich besser sind als weibliche (was natürlich Bullshit ist, aber eine mögliche und logische Erklärung für dieses Geschehen) oder an anderen Aspekten, wurde meines Erachtens nicht genau genug oder sogar überhaupt nicht hinterfragt (dafür wurde erwähnt, dass der Effekt zwar vorhanden, jedoch gering ist). Aber ich verstehe, welches Gefühl das auslösen kann. Das genügt mir aber ganz persönlich nicht, um eine brachiale und nach meinem Dafürhalten dumme, kurz gedachte, wirkungslose, komplizierte, falsche und gängelnde Veränderung meines beruflichen Hauptwerkzeugs und meines allgemein primären Kommunikationsmittels zu rechtfertigen.

  • Ich habe gerade versucht, eine genderneutrale Form von Täter zu finden. Mordende, Verbrechende, Betrügende klingt bescheuert genug, aber bei Tuende ist vom eigentlich Wort nichts mehr übrig... :pille

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Partizip-1-Konstruktionen wie Studierende, Flüchtende, Fahrende, Mitarbeitende, Wählende überschreiten m.E. die Bescheuertseiendengrenze im Schweinsgalopp. Dem liegt allerdings nicht ausschließlich der Versuch zugrunde, sich vermeintlich geschlechtsneutral auszudrücken, sondern zusätzlich das Bemühen, angebliche Diminutive zu vermeiden, die ja nach einer bestimmten Lesart diskriminieren, indem sie den Gegenstand, den sie bezeichnen, verharmlosen - selbst, wenn der einzige Beweis dafür, dass es sich um eine Verniedlichung oder Verkleinerung handeln soll, die Endung "-ling" ist. Ein Flüchtling ist aber keine verkleinerte Flucht, sondern ein Mensch, der sich auf einer Flucht befindet oder sie hinter sich hat, der sie in seinem Schicksal mit sich herumträgt. Deshalb macht mich gerade bei solchen Begriffen dieser ganze Quatsch, der wirklich nur ein Machtspiel ist, ein bisschen ziemlich sehr wütend. Da wird aus dem Menschen, der alles und noch mehr verloren hat, plötzlich ein "Flüchtender". So, als würde man sich entscheiden, jetzt mal ein bisschen zu flüchten und dann mal ein bisschen Fahrrad zu fahren, und je nachdem, was man gerade tut, ist man halt ein Flüchtender oder ein Radfahrender. Oder ein Wählender, aber das ist man tatsächlich nur im Moment der Wahl. Wähler jedoch als jemand, der einer großen Menschengruppe angehört, ganz egal, ob er der einenden Beschäftigung gerade nachgeht oder nicht, ist man zeitlebens (es sei denn, man ist noch nicht volljährig oder bereits entmündigt).

  • Es ist ja die Frage wie weit man geht. Die Welt ist ja auch beim Gendern nicht schwarz/weiß.

    Hier ein Merkblatt aus Baden-Wuerttemberg, das ich nicht schlecht finde. Und übrigens Ableitungen auf -ling, also z.B. Flüchtling explizit als neutrale Formulierung aufführt:

    Sozialmin. Baden-Wuerttemberg: Merkblatt Verwendung geschlechtergerechte Sprache

    I never predict anything, and I never will. (Paul Gascoigne)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Maarten ()

  • na super, dann dürfen die weiblichen Eulen künftig auch keine männlichen Texte im SWB bewerten und umgekehrt. Sagt mal, wie verrückt kann diese Welt noch werden? =O

    Schon der weise Adifuzius sagte: "!" Wäre Noah mit seiner Sippschaft über Bord gegangen, sähe die Welt heute anders aus!" :chen

  • um mal ganz ätzend zu werden: Dürfen Männer dann noch von Frauen geschriebene Bücher lesen?
    irgendwie laufen wir mit solchen Aktionen Gefahr, dass es nur noch Gruppen gibt, die nur noch unter sich diskutieren und die Meinung von Mitgliedern anderer Gruppen nicht mehr anhören, weil die ja eh nichts wissen und nachvollziehen können.


    nicht das Miteinander, das ich mir wünsche. Das ist dann nämlich kein Miteinander mehr sondern nur noch ein Nebeneinander

  • Bin heute darüber gestolpert:

    https://www.stern.de/kultur/bu…ebersetzen--30407696.html


    Was kommt als nächstes, männliche Übersetzer dürfen keine Bücher von Frauen übersetzen und umgekehrt? Man kann alles übertreiben und für mich ist das ein Punkt an dem es zu weit geht.

    Logisch weitergedacht, dürften dann auch nur noch solche Leute Krimis schreiben, die selbst schon mal einen Mord verübt haben. Sonst können die sich ja auch nicht in die Gefühlswelt des Mörders versetzen. (Wie man dann die Gefühlswelt des Opfers vermittelt, weiß ich jetzt nicht. :gruebel)

  • Ja, anscheinend müssen alle Absurditäten mal durchgehechelt werden bis man sich auf einen vernünftigen Umgang einigen kann.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Jane Austen: Emma

  • Gut gemeint, geht aber x Nummern zu weit. Das war ja Gormans Wahl (oder zumindest die ihres Teams) und ich denke man war froh so eine renommierte Autorin als Übersetzerin gewonnen zu haben.


    Ich fand Gormans Beitrag bei Bidens Amtseinführung stark. Beim Superbowl fand ich ihren Beitrag schon relativ flach. Aber egal. Das ist sprachlich und inhaltlich jetzt auch nicht so komplex, dass es einer nicht jungen schwarzen Slam-Poetin möglich ist eine gute Übersetzung hinzubekommen.


    Und der Quatsch skaliert doch überhaupt nicht. Wenn jetzt in jedem Land es ein solch aufwendiges Bewerbungsverfahrungen startet, dann dauert es Jahre und Jahrzehnte bis diese Übersetzungen erscheinen. Hat damit irgendjemand etwas gewonnen?


    Und selbst wenn die perfekten Übersetzerinnen gefunden werden. Seit wann schenkt man Übersetzern überhaupt Beachtung? Wenn es sich in diesem Fall ändert: sehr gut, aber gewöhnlich ist das ein Name im Kleingedruckten. Ruhm und Sichtbarkeit ist da eh nicht drin.

    Zu den vorangehenden Kommentaren. Es werden immer alle ein Buch lesen dürfen. Nur im worst case eben nur nicht Teil des Veröffentlichungsprozesses sein oder es rezipieren, es bewerten oder Teil einer Preisjury sein.

  • Man(n) vielleicht nicht, ich schon ;).

    Zur Sache: Für mich eine Woge im Wasserglas, die alsbald verebbt.