Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel

  • Kurzbeschreibung
    Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt. Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald hat der Tiger alle erledigt - alle, außer Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean. Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt.


    Über den Autor
    Yann Martel wurde 1963 in Spanien geboren. Seine Eltern sind Diplomaten. Er wuchs in Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Alaska und Kanada auf und lebte später im Iran, in der Türkei und in Indien. Er studierte Philosophie und wohnt derzeit in Montreal. "Schiffbruch mit Tiger" ist sein dritter Roman, er war nominiert für den Governor General Award und den Commonwealth Writers Prize und gewann den Booker Prize 2002






    ****
    Meine Meinung:


    Martels Vorwort ist sehr zäh und vermiest erstmal die gute Laune...


    Aber dann so das 1. Drittel ist sehr lustig und erfrischend geschrieben, und sehr leicht zum Lesen. Man kommt gut rein in die Geschichte und Pis Welt kommt richtig gut rüber.. leider aber verliert das Buch bald an Geschmack und wird etwas fad. Weil es nur noch um den Schiffbruch geht und tagein - tagaus hauptsächlich darum, wie Pi von seinem Retttungsbötchen zum großen Rettungsboot und wieder zurück kommt, und NICHT vom Tiger gefressen zu werden...


    Wer hat es denn noch gelesen?


    lg, Kathrin

  • Hey Kathrin,


    ich habe es noch gelesen. Eine Freundin hatte mir so sehr davon die Ohren voll geschwärmt. Leider konnte ich ihre Begeisterung nicht so recht teilen. Das Buch war zwar irgendwie interessant geschrieben, aber so wirklich gepackt hat es mich nicht...

    "Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."

    - Ernst Reinhold Hauschka

    Zitat

  • Ja, genauso ging es mir eben auch.
    Es heißt zwar, Martel kann den Lesern unglaubliche Geschichten real machen - aber so wirklich kommt es einfach nicht rüber.


    Meiner Meinung nach, hätte er lieber MEHR von seinem Leben erzählen können - das fand ich wirklich lustig! Als von den vielen Tagen/ Wochen auf See..

  • Fuer mich war es gerade das Vorwort, das mich richtig neugierig aufs Buch gemacht hat! Der Schreibstil sprach mich gleich an. Ob es daran liegt, dass ich es im englischen Original gelesen hab?


    Ich geb euch recht, das Buch hat zwischendurch ein paar Laengen, durch die ich mich auch etwas quaelen musste. Aber insgesamt war es einfach faszinierend fuer mich. Martel hat es tatsaechlich geschafft eine total unglaubwuerdige Geschichte fuer mich glaubwuerdig zu machen. Das zeigt fuer mich Qualitaet als "story teller".


    Einige Leser sagen der Schluss wirkt verwirrend und/oder merkwuerdig. Aber gerade der Schluss mit der Wendung hat mir gefallen.


    In gewisser Weise erinnerte mich das Buch an Tom Hanks Film "Castaway". Sowohl fuer Pi als auch fuer Hanks war es ueberlebensnotwendig die Einsamkeit zu ueberwinden - ob mittels eines Balles, eines Tigers oder mit Hilfe der Phantasie ist fuer den Lebenswillen egal. Aber die Phantasie sorgt eben fuer den besten Lesestoff.


    "Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt" ist es fuer mich aber auch nicht. Und da hat es mich geaergert, dass fuer das Buch mit so einer ueberzogenen Aussage geworben wird, die es nicht einhalten kann und auch gar nicht will.


    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Beatrix ()

  • Mir hat's gefallen. Das hier schrub ich damals (vor anderthalb Jahren etwa):


    Piscine Molitor Martel wächst als Sohn eines indischen Zoobesitzers auf, die Familie ist nett, aber durch und durch atheistisch-kapitalistisch, was Piscine, der sich "Pi" nennt, um der Verhohnepipelung als "Pisser" zu entgehen, dazu treibt, sich allen drei großen Weltreligionen anzuschließen - sehr zur Verwirrung der Kirchenvertreter. Er nimmt das Leben im Zoo sehr achtsam war, beschäftigt sich eingehend mit den Tieren, ihrem Verhalten, berichtet von seltsamen Symbiosen, etwa dem Zusammenleben zweier Nilpferde mit einer Herde Schafe, und korrigiert ganz nebenbei haufenweise Vorurteile zum Thema "Tiere in Gefangenschaft".


    Doch die Familie beschließt Ende der Siebziger, nach Kanada auszuwandern. Die Tiere werden verkauft, der Zoo wird aufgelöst, ein Teil des wilden Volkes kommt mit auf den rostigen Frachter, der die Martels nach Amerika bringen soll. Das Schiff geht unter, der junge Pi findet sich als einzig menschlicher Überlebender auf einem Rettungsboot wieder - gemeinsam mit einem verletzten Zebra, einer Orang-Utan-Dame, einer Tüpfelhyäne und Richard Parker. Dem Tiger. Einem ausgewachsenen Tiger. Nicht gerade eine Situation, die nach einer gemütlichen Robinsonade klingt. Erst reißt die Hyäne das Zebra und den Affen, was sich Richard Parker eine Weile ansieht, bis er schließlich eingreift. Pi Martel und der Tiger verbleiben auf dem sechs Meter langen Boot, wochen-, monatelang. Von dieser Zeit erzählt das Buch hauptsächlich: Vom Hunger und Durst, vom Wetter und vom Meer, insbesondere aber von Revier- und Behauptungskämpfen zwischen den ungleichen Schiffbrüchigen, von der erzwungenen Entwicklung eines Vegetariers zum Fleischesser. Bis zum sehr überraschenden Ende.


    Man glaubt es kaum, wie akribisch, einfühlsam, behutsam und gleichzeitig brutal eine solch recht einfache Geschichte erzählt werden kann - alle Achtung. Der Roman wird an keiner Stelle langweilig, obwohl wenig geschieht, und was geschieht, hat eine innere Langsamkeit, bedingt durch die Situation - und auf fantastische Weise dem Leser vermittelt. Der Hype, der um dieses Buch gemacht wird, ist angemessen und nicht übertrieben: Yann Martel ist ein toller Erzähler, originell, unkonventionell und sprachlich ohne Vergleich. Lesen!

  • Für mich ist "Schiffbruch mit Tiger" eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich fand es von der ersten bis zur letzten Seite spannend und habe es daher fast in einem Rutsch durchgelesen. Der erste Teil über Pi's Kindheit war witzig, interessant und mitreißend. Im zweiten Teil über sein Leben als Schiffbrüchiger fühlte ich mich, als würde ich mit ihm auf diesem Floß sitzen und ums Überleben kämpfen.


    Yann Martel hat einen sehr schönen Schreibstil, und wie er die Geschichte aufrollt und erzählt, das gefällt mir! Ein Glück handelt es sich um eine wahre Geschichte, denn das macht den Reiz des Buches erst aus. Eben unglaublich, aber wahr.

  • "Schiffbruch mit Tiger" hatte ich mir für eine Zugfahrt gekauft; einzig wegen des Titels; daher war ich überrascht, durch Zufall eines der besten Bücher erwischt zu haben, die ich bis dato gelesen hatte. Wenn ihr eine treffende Inhaltsbeschreibung wollt, lest den Beitrag von Tom, denn besser kann man es nicht ausdrücken.

    Das Leben ist bezaubernd, man muss es nur durch die richtige Brille sehen.
    Alexandre Dumas [fils, Sohn, der Jüngere] (1824 - 1895), französischer Schriftsteller
    LG
    Christiane

  • Ich will das Buch meiner Freundin zum Geburtstag schenken, sie nervt mich nämlich schon die längste Zeit, dass sie es haben will.
    Hm... mal sehen, ob es dann ihren Erwartungen entspricht.


    Wahrscheinlich werde ich das Buch dann aber eh selbst auch lesen :hop

  • Das ist eines dieser Bücher, die mich im Prinzip ja schon interessieren... bei denen ich aber skeptisch bin, ob sie mir wirklich gefallen.


    Mal in der Hand gehabt... hingelegt. Wieder in der Hand gehabt... wieder hingelegt... ;-)

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Batcat ()

  • @ Batcat: So geht es mir auch. Ich glaube, ich werde mal in der Bücherei gucken, ob sie es haben, denn so sonderlich spannend stelle ich es mir nicht vor, wenn nur der Schiffbruch beschrieben wird. Hm... :gruebel

  • Ooch Geli, der Schiffbruch war für meine Geschmack eigentlich der interessantere Teil. Es war gut beschrieben, wie er zusammen mit dem riesen Tiger in einem kleinen Boot überlebt... Ich persönlich fand den Anfang einfach zu lang hingezogen. Bis überhaupt mal was passierte war das halbe Buch schon vorbei... :wow

    "Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."

    - Ernst Reinhold Hauschka

    Zitat

  • Weil ich gerade am Stöbern bin...


    Schiffbruch mit Tiger ist für mich eines der positivsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Selten war mir ein "Hauptdarsteller" so sympathisch.
    Ich verschenke dieses Buch auch gerne. :-)

    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das nicht allemal das Buch.
    Georg Christoph Lichtenberg

  • Zitat

    Original von Beatrix
    Fuer mich war es gerade das Vorwort, das mich richtig neugierig aufs Buch gemacht hat! Der Schreibstil sprach mich gleich an. Ob es daran liegt, dass ich es im englischen Original gelesen hab?


    hm weiss nicht... ich hab es versucht im englischen zu lesen, allerdings bin ich daran gescheitert... mag daran liegen, dass mein englisch noch nicht das perfekte ist, aber irgendwie hats mich auch nicht so angesprochen (vor allem weil die handlung, die als haupthandlung angegeben ist, anscheind erst in der mitte des buches beginnt oder so ^)... hab bis jezz allerdings noch nicht das deutsche gelesen

    "Es gibt einen Fluch, der lautet: Mögest du in interessanten Zeiten leben!" [Echt zauberhaft - Terry Pratchett]

  • Ich hab das Buch gestern beendet und bin total begeistert. Selten fand ich ein Buch so spannend und mitreißend - es passte einfach alles. Längen hab ich dabei nicht gefunden.


    Neben der wirklich guten Geschichte, den spannendesten Teilen (Leben im Zoo, Schiffbruch, Dressur des Tigers) und auch den sehr witzigen Passagen fand ich aber durchaus, die zwar sehr leichte aber dennoch wichtige, Behandlung von Glaubensfragen und die Auseinandersetzung mit Gott (wie auch immer der Leser den definieren möchte) sehr gut. Wie gesagt, das Thema geht nicht allzusehr in die Tiefe, das Buch kriegt aber dadurch einen sehr großen philosophischen Touch.


    Großartig!

  • Ich fand das Buch auch sehr interessant, wenn auch nicht ganz so mitreißend, wie ich es mir gewünscht hätte.


    Etwas merkwürdig war die Mischung aus Naturalismus und Überzogenem. Auf der einen Seite verbringt Herr Martel viel Zeit damit, uns über die Verhaltensweisen von Tieren aufzuklären, damit die darauf folgenden Ereignisse glaubwürdig erscheinen. Auf der anderen Seite benimmt sich Pi manchmal sehr, sehr unnatürlich, sagt Dinge, die kein Mensch so sagen würde. Ich denke da z.B. an seine "Rede" zum Tiger gleich nach dem Schiffsbruch. Normalerweise redet niemand so, und schon gar nicht, nachdem er gerade ein Schiffsbruch erlebt hat.


    Was haltet ihr übrigens von der (anscheinend) beabsichtigten Symbolik der Geschichte?


    Tiger = Hinduismus (orange ist die Farbe des Hinduismus)


    Meer = Christentum (der Fisch ist das älteste Symbol der Christen)


    Grüne Insel = Islam (grün ist bekanntlich die Farbe des Islam)


    Alle drei helfen Pi zu überleben, bergen aber auch Gefahren in sich. Die Botschaft scheint zu sein (wenn denn wirklich eine beabsichtigt ist): Religion nährt und motiviert, gibt Sinn und Leben, kann aber auch gefährlich werden.


    Ist euch diese Symbolik aufgefallen? Dass Gott, Glaube und Religion im Buch thematisiert werden, ist ja deutlich. Ich selbst habe aber die spezifische Symbolik von Tiger, Meer und Insel gar nicht so gesehen, bis ich durch einen Wikipedia-Artikel darauf aufmerksam geworden bin.

  • Wenn Du es nächstesmal in die Hand nimmst, legs nicht wieder hin. Gerade für uns Katzenfreunde ist es einfach ein Genuss, weil das Tier dort so einfühlsam beschrieben wird und dennoch nie vermenschlicht wirkt, Katze halt einfach.
    Und der Anfang der Geschichte, die noch in Indien spielt, war für mich Indien-Fan auch ein Leckerbissen.


    Ich habs im Krankenhaus gelesen. Da vergisst man doch glatt seine Schmerzen.


    Zenzi