Wer hat Erfahrung mit der "Lesen durch Schreiben"- Methode?

  • danke, Regenfisch, du hast das "wissenschaftlich" erklärt, was ich als "nur"-Mutti so empfunden habe. Die "Rolla"-Geschichte zum Beispiel. Ich habe bei ganz viel Kindern gesehen, dass sie "ch" als "r" wahrgenommen haben, also "Bur" anstatt "Buch" oder "art" anstatt "acht" geschrieben haben. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber die Kinder können eben auch Worte mit dem schwierigen "ch" schreiben, bevor sie das kennengelernt haben, und müssen nicht warten, bis im Januar "ch" drankommt.
    Anlauttabellen hatten wir auch (in unserem Fall war es ein Haus), dazu gab es einen "Rap":


    A wie Affe,
    B wie Bauch,
    das ist super,
    finden wir auch"


    Peinlich, aber die Kinder konnten das innerhalb kürzester Zeit.


    Wichtig auch der Aspekt der Berücksichtigung unterschiedlicher Lesekompetenz. Ich konnte bereits lesen, als ich in die Schule kam, und fand diese "Oma malt lila Tapete" unglaublich öde. Ich hätte schreiben wollen: "Oma kennt Zigeuner", aber das ging damals gar nicht. "Z" kam ganz am Schluss und das Wort "Zigeuner" war pädagogisch nicht wertvoll.

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Ich kann mich nur Regenfisch und DraperDoyle anschließen. riechnen, als mein Ältester damals eingeschult wurde, war ich auch mehr als skeptisch. Ich habe nicht geglaubt, daß das wirklich gut funktioniert.


    @Draper: Du meinst sich den "Tinto-Rap". Den konnten hier auch alle mitsingen. :-)


    Meine Kinder haben alle (bis auf der Jüngste, aber er kommt auch erst in drei Jahren zur Schule) nach dieser Methode das Lesen gelernt. Sie hatten alle unglaublich viel Freude daran und haben es auch sehr schnell gelernt.
    Abgesehen von meinem Ältesten konnten die anderen beiden noch nicht wirklich lesen oder schreiben, als sie eingeschult wurden und haben es trotzdem mit dieser Methode wirklich sehr schnell gelernt.


    Und auch das erste freien Schreiben fiel ihnen unglaublich leicht und sie haben sich vollkommen angstfrei daran gewagt.
    Die ersten Briefe an mich oder die ersten kleinen Geschichten waren einfach wunderbar. Ich konnte sie zwar meist nicht wirklich ganz entziffern, aber sie konnten sie mir vorlesen. Das war zu schön.


    Ich muß allerdings dazu sagen, daß bei uns an der staatlichen Grundschule ab dem 2. Schuljahr dann doch darauf geachtet wird, daß die Kinder die Rechtschreibregeln nach und nach lernen und auch einhalten. Es werden kleine Dikate und Abschreib-Tests geschrieben. Und das finde ich auch gut so.

  • Ach, ich bin ja eher so der Typ "never change a winning team".
    Ich habe problemlos auf traditionelle Weise Lesen und Schreiben gelernt und mir wäre jetzt kein Gefühl von unterdrückter Selbstenfaltung besonders haften geblieben. Hätte ich ein Kind, würde ich es ihm vermutlich genau so beibringen, wie ich es auch gelernt habe.


    Ich fand es ja schon dämlich, als die damals anfingen, mal die ersten 2. Jahre in der Schule keine Bewertungen abzugeben und dann in der 3. Klasse plötzlich Noten einzuführen. Meine kleine Schwester ist da komplett reingerutscht, und es war eine Katastrophe.
    Sie hat auch immer so geschrieben, wie sie es für richtig hielt.. also quasi im Dialekt. Und es war ja nie ein Problem... dann plötzlich gab es Noten (nicht nur in Deutsch) und ein großes Loch in das sie reingeschlittert ist. Sie hat noch bis weit in die Pupertät ausschließlich "Schreib wie du es sprichst" betrieben (und in Sachsen spricht man nunmal kein Hochdeutsch) im Privaten, aber leider auch wenn es darauf ankam in der Schule immer sehr viele Fehler gemacht.


    Ich hatte das Gefühl, die Schüler hat dieses plötzliche Bewertungssystem eher verwirrt, meine kleine Schwester war nicht die einzige in der Klasse, die arge Probleme hatte.


    Jetzt wurde hier ja erklärt, es wäre wichtig, dass die Kindern lernen herauszuhören, wie ein Wort geschrieben wird. Alles schön und gut, wenn man vielleicht in Hannover wohnt. Aber wenn um sie herum schon kein Hochdeutsch gesprochen wird, stelle ich mir das schwierig vor. Gesprochene Sprache und geschriebene ist doch nicht unbedingt das gleiche..


    Naja, ich bin etwas skeptisch und würde solche Experimente mit meinem Kind vermutlich nicht machen wollen, wo ich einmal weiß, dass die andere Methode funktioniert.

  • genau, der Tinto-Rap, den konnte bei uns auch die ganze Familie mitsingen :lache


    redator, wir alle haben irgendwie schreiben und lesen gelernt, aber man sollte auch die betrachten, die das nicht getan haben und als Analphabeten die Schule verlassen. Es würde mich mal interessieren, ob diese Quote mit der neuen Methode besser ist.
    Meine Kinder sind ja auch gebürtige Sachsen und sind in einem sächselnden Umfeld großgeworden. Und tatsächlich hat Kaya d und t sowie g und k zu Beginn konsequent durcheinandergeschmissen. Aber mittlerweile klappt das, auch bei den anderen.


    Kürzlich hatte sich ein Freund von Kaya völlig fehlerfrei in ihr Freundebuch eingetragen, nur beim Berufswunsch wurde es schwierig: Cämiger :grin

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  • Ich kann die Methode nur absolut empfehlen! Meine Tochter hat dadurch definitiv lesen gelernt - sie hat sich schon immer sehr für Buchstaben interessiert, und weil die Tagesmutter uns darauf hin wies, dass unsere GS mit Lauten arbeitet (wie eben beim Lesen durch Schreiben), haben wir die Buchstaben immer mit den Lauten benannt, also Mmmm für M und nicht Em. Das Ergebnis war dann, dass sie noch vor der Einschulung lesen konnte.


    Vielleicht sollte ich noch anfügen, dass ie in Deutsch auch jetzt in der 6. Klasse echt fit ist und bei Aufsätzen oft den besten abliefert. In der GS hat sie nur während der Diktate auf Rechtschreibung geachtet, sonst hat sie frei nach Schnauze geschrieben. Da sie aber immer mehr Regeln verinnerlicht hat, schreibt sie jetzt wirklich nach der Rechtschreibung. Und hat immer Spaß am Schreiben und Lesen gehabt.

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    Kürzlich hatte sich ein Freund von Kaya völlig fehlerfrei in ihr Freundebuch eingetragen, nur beim Berufswunsch wurde es schwierig: Cämiger :grin


    Ich vermute mal, das soll ein Chemiker sein?


    Zuerst war ich der Methode gegenüber auch skeptisch, aber ich habe mich daran erinnert, dass ich als Kind immer totale Komplexe hatte, für andere wahrnehmbar Worte zu schreiben, die ich bis dahin nie geschrieben hatte bzw wo ich mir nicht sicher war, wie man sie schreibt. Dem wäre durch die neue Methode wohl begegnet worden? :gruebel

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    redator, wir alle haben irgendwie schreiben und lesen gelernt, aber man sollte auch die betrachten, die das nicht getan haben und als Analphabeten die Schule verlassen.


    Naja, dass man auf Kinder speziell eingehen muss, wenn sie bestimmte eindeutige Stärken oder Schwächen zeigen ist klar.. und ich denke auch völlig unabhängig von der Methode. Wird diese LdS-Methode von einer unaufmerksamen Fachkraft pratiziert ist das mit Sicherheit genauso hinderlich, wie bei der herkömmlichen Methode.
    Was ich mir aber vorstellen kann: Lehrkräfte, die sich mit alternativen Konzepten auseinandersetzen sind vermutlich im allgemeinen eher von der aufmerksameren, interessierteren Sorte, als Lehrer, die die Dinge so machen, wie sie sie machen, weil es einfach immer schon so ist. Ich denke naturgemäß häufen sich die stoischen (ungeeigneten) Zeitgenossen eher bei der bewährten Methode.
    Daher sollte man bei einem Vergleich, welche Methode nun die effektivere ist, vorsichtig sein mit vorschnellen Bewertungen.


    Ich will ja auch gar nicht sagen, dass meine Skepsis der bessere Weg ist, die Dinge zu betrachten. Das ist einfach eine Macke von mir, (für mich) neuen Dingen immer erstmal abwartend zu begegnen und zu schauen, ob ich mich überzeugen lassen kann. Ich weiß durchaus, dass ich da wo andere zu euphorisch alles ausprobieren manchmal etwas zu zögerlich bin. Vor allem wenn ich erstmal keinen Grund sehe, etwas zu ändern ;-)

  • Eines ist sicher: Egal, welche Methode oder welcher Lehrer, bei einem normal entwickelten Kind kann niemand verhindern, dass es lesen und schreiben lernt.
    Wichtig ist, dass die Eltern die Lehrmethoden der Schule nicht untergraben und zu Hause umerziehen nach eigenem Gutwillen, sondern mit der Schule das Gespräch suchen und sich die Methoden zeigen und erklären zu lassen. Ich empfehle immer, dass kritische oder besorgte Eltern in der Schule hospitieren und sich ein Bild machen.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Mich überrascht es tatsächlich, wie einhellig positiv diese Methode zumindest von denjenigen beurteilt wird, deren eigene Kinder danach gelernt haben :wow


    redator, das dürfen sich die Lehrer nicht aussuchen, nach welcher Methode sie unterrichten, das steht im Lehrplan. Bei Kayas Einschulung hat ihre Lehrerin diese Methode erläutert und erzählt, das sie zunächst sehr, sehr skeptisch war und das auch für eine neue pädagogische Furzidee gehalten hat. Nach einigen Jahren Praxis sei sie nun völlig überzeugt und begeistert darüber wie gut das funktioniert. Und die Gute hat sicherlich auch schon zwanzig Jahre Lehrerfahrung.

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  • Ohne jetzt alles gelesen zu haben:


    Zitat

    Original von DraperDoyle
    Die Wortschöpfungen sind brüllend komisch (Aischlher, wer kriegt's raus?), und klar, vieles musste man laut lesen, um rauszubekommen, was es bedeutet, aber sie hat schon sehr früh abgefahrene Geschichten geschrieben und Worte in den aktiven Wortschatz aufgenommen, die man früher Kindern in dem Alter nicht zugetraut hätte.
    Diese Methode hat die Kinder auf jeden Fall ermuntert, mit Sprache zu arbeiten, sich zu trauen, auch wenn die orthographische Umsetzung teilweise abenteuerlich war.


    :write Das habe ich bei meiner Tochter auch so erlebt. Ich entsinne mich noch an den Elternabend zur Einschulung, als uns Eltern die Methode erklärt wurde, ich (mit vielen anderen Eltern) mehr als skeptisch war, aber Lehrerin wie Schuldirektor (der damals kurz vor der Pensionierung stand, also viel Erfahrung hatte) uns eindringlich baten, der Schule zu vertrauen und nicht quer zu schießen. Fiel schwer, aber wir haben uns dran gehalten.


    Heute - 10. Klasse - ist von diesen anfänglichen Rechtschreibfehlern nichts mehr übrig, will sagen, sie beherrscht die Rechtschreibung und liest auch (trotz Konkurrenz von Computerspielen) recht viel.


    Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf, würde ich mir also nicht zu viele Sorgen machen. Wenn es gar nicht funktionieren sollte, kann man ja immer noch eingreifen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    Mich überrascht es tatsächlich, wie einhellig positiv diese Methode zumindest von denjenigen beurteilt wird, deren eigene Kinder danach gelernt haben :wow


    In meinem Fall ist es das Kind meines Ex, dessen schulischen Werdegang ich seit über zehn Jahren miterlebe. Ich denke, dass diese Methode dann gut funktioniert, wenn auch darauf geachtet wird, dass die sogenanten Lernwörter wirklich geübt werden und das sowohl zu Hause als auch in der Schule. Das hat im Fall des Jungen nicht funktioniert, wir hatten den Eindruck, die Lehrer hätten da schnell aufgegeben, vielleicht weil sie selbst nicht hinter der Methode standen (ist schon knapp zehn Jahre her). Die Eltern sollten dann dafür sorgen, dass die Kinder viel lesen - was der Junge nicht gern tat. In Englisch ist seine Rechtschreibung deutlich besser, vielleicht weil er da wirklich zu jedem neuen Wort die korrekte Schreibweise gelernt hat.


    Die Idee der Anlauttabelle z.B. finde ich echt gut und es wurde damit auch wirklich schnell lesen + schreiben gelernt.

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Bei meinem Sohn gab es die Einteilung für die Kinder: Hasenwörter (schreibt man so, wie man sie spricht), Eulenwörter (da muss man etwas überlegen) und Zaubererwörter (das waren dann die Merkwörter, dafür gab es ein extra Heft und diese Kinder sollen sie üben).


    Und ich weiß nicht, ob Dialekt wirklich soviel ausmacht...bei uns in der Gegend wird stark Dialekt gesprochen (Oberpfalz), aber die Kinder wissen trotzdem, wie das Wort in Hochdeutsch heißt. Es gibt ein paar spezielle Wörter, z. B. hatten wir letztens den Fall, dass mein Sohn in der HSU-Probe Sachen aufschreiben sollte, was aus Kartoffeln hergestellt wird. Ihm fielen nur 2 Sachen ein und ich dann zu Hause zu ihm "Kartoffelsalat, Kartoffelpuffer..." Er: "Was ist Kartoffelpuffer?" Ja okay, bei uns heißt der Ritsche im Dialekt. Er dann ganz verwundert " Da sind Kartoffeln drin?" :grin Aber ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, dass Dialekt so ein großes Problem dabei ist. Wir haben anfangs auch Probleme mit d oder t, eben weil man es im Dialekt nicht immer unterscheiden kann oder eben anstatt "Roller" hat er "Rolla" geschrieben. Aber das ist jetzt schon viel weniger geworden in der 2. Klasse.

    Liebe Grüße
    Sabine


    Ich :lesend "Der Wind der Erinnerung" von Kimberley Wilkins

    Ich höre "Das Schmetterlingszimmer" von Lucinda Riley

    SuB: ca. 160

  • Na ich seh schon, das scheint besser zu funktionieren, als ich mir das vorstellen kann. Aber die Fähigkeiten von Kindern unterschätzt man eh schnell mal.
    Wenn ich mir vorstellen sollte, auf diese Art eine Sprache zu lernen zum Beispiel, wäre mir das undenkbar. Kinder sind aber doch noch sehr viel intuitiver...


    Mit dem Dialekt dachte ich mir halt, weil das bei meiner Schwester so auffällig war.

  • Zitat

    Original von redator
    Na ich seh schon, das scheint besser zu funktionieren, als ich mir das vorstellen kann. Aber die Fähigkeiten von Kindern unterschätzt man eh schnell mal.
    Wenn ich mir vorstellen sollte, auf diese Art eine Sprache zu lernen zum Beispiel, wäre mir das undenkbar. Kinder sind aber doch noch sehr viel intuitiver...
    ...


    Eine Fremdsprache erlernst du ganz anders, denn da hast du ja schon den Schriftspracherwerb hinter dir. Nach Erlangen der Lesefertigkeit ziehst du die Laute nicht mehr zusammen, sondern dem Gehirn genügt schon ein kurzes Erkennen der ersten Buchstaben und es Scannt sozusagen das Wort und die Wortbedeutung zeitgleich ab.
    Wenn eine Fremd- oder Zweitsprache vor dem Abschluss des Schriftspracherwerbs erlernt wird, erfolgt das in der Regel ohen Verschriftlichung, nur durch ein sogenanntes "language bath". Der Lerner hört die Worte und erkennt den Sinn im Zusammenhang. Das funktioniert ganz anders.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Zitat

    Original von Tilia Salix
    Ich kann die Methode nur absolut empfehlen! Meine Tochter hat dadurch definitiv lesen gelernt - sie hat sich schon immer sehr für Buchstaben interessiert, und weil die Tagesmutter uns darauf hin wies, dass unsere GS mit Lauten arbeitet (wie eben beim Lesen durch Schreiben), haben wir die Buchstaben immer mit den Lauten benannt, also Mmmm für M und nicht Em. Das Ergebnis war dann, dass sie noch vor der Einschulung lesen konnte.


    Vielleicht sollte ich noch anfügen, dass ie in Deutsch auch jetzt in der 6. Klasse echt fit ist und bei Aufsätzen oft den besten abliefert. In der GS hat sie nur während der Diktate auf Rechtschreibung geachtet, sonst hat sie frei nach Schnauze geschrieben. Da sie aber immer mehr Regeln verinnerlicht hat, schreibt sie jetzt wirklich nach der Rechtschreibung. Und hat immer Spaß am Schreiben und Lesen gehabt.


    Oh, mal eben OT:


    Das mussten wir in der Grundschule auch machen, und ich fand das damals soooo doof und albern - ich konnte vorher schon gut lesen und ein klein wenig schreiben und eben auch das Alphabet, und dieser "Mmmmmm" und "Rrrr" und, am allerbesten, "Vogel-V" hat mich schrecklich genervt. Vor allem, weil ich in der Schule dann die Buchstaben nicht "richtig" sagen durfte...


    Ansonsten... ja, lesen lernen war halt langweilig, aber das wäre es wohl nach jeder Methode gewesen, wenn man es eben schon vorher konnte.

  • Möchte mich auch noch kurz an die vielen positiven Meinungen anschließen -- ich selber war im Montessorikindergarten auf einer Montessorischule, die ohne Frage viele Schwächen hatte und an der ich auch viel kritisieren kann so wie insgesamt am Konzept Montessori, aber dort wurden auch Schreibfehler zu Beginn nicht korrigiert und Noten gab es sowieso keine in der Grundschule. Ich habe schon im Kindergarten lesen gelernt und angefangen, zu schreiben und schon im ersten und zweiten Schuljahr unzählige Geschichten mit Begeisterung geschrieben. Die waren zu Beginn so voller Fehler, dass sich manche Erwachsene bestimmt schwer taten, den Sinn zu entziffern. Aber darum ging es nicht, sondern um die Freude am Lernen.
    Und die geht m.E. viel zu oft verloren in unseren Grundschulen. Und ich finde es gut, dass dies zum Teil überdacht wird und Raum geschaffen wird für neue, bessere Konzepte wie eben auch das, worüber hier diskutiert wird. Denn gerade hier in Bayern - und sicherlich in anderen Teilen Deutschlands auch, das kann ich schlecht beurteilen - wird viel zu sehr an einem verstaubten und veralteten Bildungssystem festgehalten. Es wird, finde ich, viel zu oft vergessen, dass jedes Kind anders ist und diesem Kind dann auch ein Lernort und eine Lernweise ermöglicht werden soll, die ihm gerecht wird.

  • Darf ich rein aus Interesse meinen Senf dazugeben, obwohl ich zum eigentlichen Thema wenig sagen kann? :grin

    Zitat

    Original von DraperDoyle
    redator, das dürfen sich die Lehrer nicht aussuchen, nach welcher Methode sie unterrichten, das steht im Lehrplan.


    Seit wann gibt es diese Methode denn (verpflichtend)? :wow Ich höre zum ersten Mal davon, dass sie an staatlichen Schulen unterrichtet wird. Mein kleiner Bruder dürfte ungefähr im Alter deiner Tochter sein. Er hat aber noch auf die "herkömmliche" Art schreiben und lesen gelernt, und an der Region kann es nicht liegen, er geht ja sogar im gleichen Bundesland und gleichen Landkreis zur Schule.


    Was mir nur als erstes durch den Kopf ging: lernt nicht jeder instinktiv schon so ähnlich schreiben? Wenn ich mir meine ersten Schreibversuche ansehe, war es mir auch total Banane, ob ich das Wort nun kannte, ich habe einfach irgendwas zu Papier gebracht, was dem nahe kam. Mehr oder weniger. Die ersten Briefe und Geschichten waren teilweise in "Lautschrift" (ein "ei" war bei mir z.B. konsequent ein "ai", machte in meiner Welt viel mehr Sinn).
    Allerdings habe ich das Lesen und Schreiben auch vor der Schule gelernt und war nicht lange genug in der 1.+2. Klasse um das "Lese-/Schreiblernsystem" beurteilen zu können. Aber um noch mal auf den Bruder zurückzukommen: obwohl er in der Schule die üblichen "Mimi am Auto"-Sätze hatte, hat er in der Freizeit viele Geschichten mit Wörtern geschrieben, deren Schreibweise er nicht kannte. Es hat ihn also nicht "gebremst" oder so. Ich denke, wenn einem das Schreiben(lernen) Spaß macht, kritzelt man eben einfach drauf los. Die Frage ist nur, ob diese "neue" Methode vielleicht mehr Spaß vermitteln kann.

  • Hm, also ich kann nicht wirklich was beitragen, da ich selber keine Kinder habe und auch niemanden kenne, der welche hat. Aber ich finde diese Methode fragwürdig.
    Ich hab ganz klassisch mit der Tabelle gelernt, da hingen dann die ganzen Buchstaben im Raum verteilt und dann waren da Bilder zu gemalt.A pfel. B aum. H aus. Ich finde das sehr sinnvoll, so vorzugehen, aber ich muss zugeben, dass ich bei allem so vorgehe, wenn ich Geige spielen lernen will, zupf ich da auch nicht erst dran rum, sondern setz mich da diszipliniert hin und lern die Tonleiter und dann gehe ich daran, schöne Melodien zusammenzusetzen aus den Tönen, die ich mir beigebracht habe.
    Wenn die Methode gut funktioniert, ist das schön. Aber ich als Kind wäre daran, glaube ich, verzweifelt. Oder hätte alle angebettelt: Ich hab das jetzt so geschrieben, weil es so klingt, aber sagt mir bitte, wie man es richtig schreibt! Ich glaub, für jedes Kind ist diese Methode nicht gut. Ich hatte mich tierisch gefreut auf die Einschulung, weil ich endlich lesen und schreiben etc. können wollte. Mich hätte das demotiviert, wenn man mir da gesagt hätte: du kannst schreiben, wie Du willst. Aber für Kinder, die nicht so gern zur Schule gehen, ist das vielleicht ne ganz gute Methode.
    Mein Bruder, der 13 Jahre älter war als ich, der hat noch ganz anders lesen gelernt. Die haben nicht die Buchstaben gelernt, sondern nur ganze Wörter. "aus", "raus", "ach". Der hatte später auf dem Gymnasium arge Probleme, weil er zwar "aus" kannte und "ach", aber "Hausdach" konnte er sich nur sehr schwer zusammensetzen.
    Wenn ich das hier so lese, bin ich froh, dass ich keine Kinder habe. Wirklich realitiätsnah ist das ja nicht, die Kinder immer nur zu loben, auch wenn sie alles falsch schreiben. Das macht man doch bei anderen Dingen auch nicht so. Wenn das Zimmer n Saustall ist, sagt man doch auch nicht: toll, sehr kreativ, weiter so! Nee, nee, für mich und die Kinder, die ich nicht habe, wäre diese Methode nichts.


    Lg,
    Melanie