Das geht mir gerade durch den Kopf... (ab 05.03.)

  • Als Azubi habe ich miterlebt, wie ein etwa Mitte 20er zu einer Dame, die vom Alter her seine Mutter hätte sein können, nach einem Streit im Büro sagte:
    "Ab heute bitte wieder Herr Z. und 'Sie'!"
    Da hab ich beschlossen, im Beruf keine Duzereien mitzumachen. Hat sich auch gut bewährt. Inzwischen bin ich mit 4 Ex-Kollegen per Du und mit anderen weiter per Sie. :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Nein, alle im Zimmer waren gleichrangig (außer mir, natürlich, als Lehrling).
    Der Chef saß außerhalb.
    Damals hab ich mich zum ersten Mal "fremdgeschämt".

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Mir geht so einiges durch den Kopf:


    Das mangelnde Bedürfnis, mich meiner Familie mitzuteilen (die fragen schon alle, ob alles okay ist, weil es so still um mich herum geworden ist)
    und dass ich mich eigentlich über einige familienmitglieder nur aufregen könnte...

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    die Party ist vorbei, und ich bin nicht müde, geschweige denn betrunken :rolleyes


    Komm vorbei, ich hab noch Sekt :-)


    Die erste Sektflasche meines Lebens, die ich geöffnet habe. Ich hatte Angst :lache

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • Mich lässt nicht los, was ich eben in der Apotheke erlebt habe. Vor mir war ein alter Herr an der Reihe, der offensichtlich was gegen Schlafstörungen geholt hat. Er hatte eigentlich schon alles eingepackt, als plötzlich alles aus ihm herausgesprudelt ist, dass er plötzlich wieder von den Luftangriffen im Krieg träumt. Das hätte er zwar die ersten zehn Jahre nach Kriegsende auch gehabt, aber dann sei über 50 Jahre Ruhe gewesen und vor einiger Zeit sei es plötzlich wieder losgegangen mit den Alpträumen. Er konnte gar nicht mehr aufhören zu erzählen... Er hat sich dann noch bei mir entschuldigt, dass er den Betrieb so lange aufgehalten hätte, aber ich wusste erstmal gar nicht, was ich sagen sollte...


    Die ganze Heimfahrt hat mich das jetzt beschäftigt und ich wünsche dem alten Herrn, dass er öfter mal jemanden findet, der ihm so geduldig zuhört wie der Apotheker!


    Nachdenkliche Grüße,
    Bella

  • Bella, da hast du recht, das kann man dem Herrn nur wünschen.
    Kürzlich habe ich übrigens auf WDR 5 einen Beitrag über eine Initiative in einem Altenheim gehört. Da gab es offenbar mehrere Bewohner, bei denen im Alter Kriegserlebnisse wieder aufgetaucht sind und die Pflegekräfte haben spezielle Fortbildungen besucht. Hut ab, habe ich mir gedacht.

  • .. ich lese dazu gerade zwei Bücher, die sich mit dem Thema Kriegskinder beschäftigen. Die Generation meines Vaters/meiner Mutter habe als Kinder wohl einiges erlebt, was jetzt im Alter wieder zum Vorschein kommt und noch heute großen Einfluß auf sie hat - gerade auch was das Thema Hilfe annehmen im Alter betrifft!!

  • Ich könnte solchen Menschen ohne Probleme stundenlang zuhören und mich mit ihnen darüber unterhalten. Als ich noch nebenberuflich als Trauerredner gearbeitet habe, bin ich logischerweise oft mit alten Menschen wegen der Absprachen zu Lebensläufen und anderes der Verstorbenen zusammengekommen.
    Manchmal wurden daraus vier oder fünf Stunden, es ist erstaunlich, was man dann alles so erfährt und was sich diese Menschen dann von der Seele reden.
    Für mich das jedesmal eine echte Bereicherung.

    Schon der weise Adifuzius sagte: "Wer anderen eine Grube sucht statt selbst zu graben, fällt nicht nur selbst hinein, der ist auch noch ein faules Schwein!" :chen

  • Zitat

    Original von belladonna
    ...
    Die ganze Heimfahrt hat mich das jetzt beschäftigt und ich wünsche dem alten Herrn, dass er öfter mal jemanden findet, der ihm so geduldig zuhört wie der Apotheker!


    Nachdenkliche Grüße,
    Bella


    Leider gibt es viel zu wenige Menschen, die so achtsam sind wie der Apotheker und du. Wir haben/nehmen uns heute nur selten Zeit füreinander. :roeslein


    Betr. das verlinkte Buch:
    Kann es Menschen der betroffenen Generation ebenfalls helfen, es zu lesen oder ist es ausschließlich für Menschen, die die betroffene Generation besser verstehen wollen?
    Danke!
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von maikaefer
    Betr. das verlinkte Buch:
    Kann es Menschen der betroffenen Generation ebenfalls helfen, es zu lesen oder ist es ausschließlich für Menschen, die die betroffene Generation besser verstehen wollen?
    Danke!
    :wave


    Soweit ich mich richtig erinnere, ist das Buch vor allem für diejenigen Menschen gedacht, die zu Kriegszeiten kleine Kinder waren. Denn je jünger sie waren, desto weniger bewusste Erinnerung haben sie an die Zeit und desto tiefer steckt das Trauma in ihnen drinnen. Sie hatte keine Chance auf eine geborgene Kindheit. Noch dazu wurde ihnen nach Kriegsende kein Verständnis entgegen gebracht, da sie ja keine Erinnerung an Bombenangriffe etc. hätten und somit vom Krieg verschont geblieben wären.
    Diese Menschen können nun mit diesem Buch endlich verstehen, warum sie kriegsbedingt immer noch Probleme haben, und zwar oft mehr als ältere, die durch ihre Erinnerungen die Chance hatten, ihre Erfahrungen zu verarbeiten.

  • Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hofman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hofman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.


    Dieses soll auch sehr gut sein, zu dem Thema.

  • Danke Euch! :anbet
    Habe eben mit meiner Mutter deshalb telefoniert, die große Leserin war sie nie (hat diese Leidenschaft bei mir aber von Kind an gefördert, wenn sie auch gelegentlich den Kopf darüber schüttelt), zumal sie jetzt auch mit Makuladegeneration geplagt ist.
    Sie meint, sie will dazu nichts lesen, habe aber auf Phoenix einiges zu dem Thema mitbekommen, wo gerade die Dresdener Bombennächte thematisiert werden.
    :wave
    EDIT: Momentan wiederholt PHOENIX gerade...

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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