Die Tore des Himmels - Sabine Weigand

  • Über die Autorin


    Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans ›Das Perlenmedaillon‹, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman ›Die Königsdame‹ zugrunde. In ›Die Seelen im Feuer‹ bilden die Hexenakten von Bamberg die historische Romanvorlage, bei ihrem ersten Roman ›Die Markgräfin‹ war es die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, bei ›Die silberne Burg‹ die Bestallungsurkunde einer jüdischen Ärztin.


    (Quelle: Amazon)


    Über das Buch


    Sabine Weigand stellt in ihrem neuen Mittelalterroman das Leben und Wirken der Elisabeth von Thüringen in den Mittelpunkt. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der Kammerzofe Gisa und dem Armenjungen Primus erzählt. Beide Figuren sind aber im Gegensatz zu Elisabeth und anderen Protagonisten nicht historisch.


    Elisabeth wird 1207 als Tochter des ungarischen Königs geboren. Schon als Kind kommt sie nach Thüringen, wo sie dem zukünftigen Landgrafen Herrmann zu Thüringen versprochen wurde. Als Herrmann nach einem Jagdunfall stirbt, heiratet Elisabeth seinen Bruder Ludwig. Es ist eine Liebesheirat und das Paar bekommt drei Kinder. Neben ihrem Ehemann liebt Elisabeth aber vor allem auch ihren Glauben. Sie ist fest entschlossen ihr Leben den Armen und Benachteiligten zu widmen und widersetzt sich schnell dem üppigen Lebensstil der adligen Gesellschaft. Mehr und mehr eckt Elisabeth mit diesem Verhalten bei Ihresgleichen an und gefährdet so ihre Ehe und ihr Land. Die Situation spitzt sich zu, als die junge Adlige dem Kreuzprediger Konrad von Marburg begegnet und sich ihm unterwirft.


    „Die Tore des Himmels“ ist der sechste, große historische Roman aus der Feder von Sabine Weigand. Wie schon in ihren Vorgängerwerken kann die Autorin auch in ihrem neuesten Buch vor allem mit ihrem mitreißenden erzählerischen Talent überzeugen. Obwohl der Schreibstil locker an die Ausdrucksweise des Mittelalters angepasst ist, liest sich der Roman sehr flüssig. Mit Gisa und Primus erlebt der Leser einen ständigen Perspektivwechsel, der vor allem sehr lebendig verdeutlicht unter welchen äußeren Umständen und Einflüssen die Protagonisten im 13. Jahrhundert gelebt haben.


    Die Charaktere sind alle sehr gut und plastisch ausgearbeitet. Besonders Elisabeth ist trotz ihres Heiligenstatus‘ durchaus eine Person, an der man sich während der Lektüre reiben kann. Obwohl sie so viel Gutes tut fragt man sich als Leser immer wieder welche Motive sie eigentlich antreiben. Das Thema Glaube, aber auch der im Mittelalter verbreitete Aberglaube, spielt in „Die Tore des Himmels“ eine große Rolle. Sabine Weigand macht innerhalb der Handlung Platz für einen kurzen Einblick in die vielen neuen religiösen Strömungen, die zu Beginn des Mittelalters die christliche Kirche zu beeinflussen begannen. Sie beschreibt Denk- und Vorgehensweisen die aus neuzeitlicher Sicht kaum noch nachvollziehbar sind, in der damaligen Zeit aber eine Art Weltordnung bildeten.


    „Die Tore des Himmels“ sollte vor allem als Unterhaltungsroman aufgefasst werden. Zwar hält sich die Autorin an die wesentlichen historischen Fakten, aber sie erlaubt sich auch kleine Änderungen, die sich für den Spannungsbogen des Romans als nützlich erweisen. Wer also einen Tatsachenbericht über das Leben der Elisabeth von Thüringen sucht, der ist mit einem Sachbuch sicher besser bedient. Im Nachwort gibt Sabine Weigand dazu Anregungen und informiert den Leser auch über ihre umfangreiche Recherchearbeit für das Buch.

  • In ihrem Buch die Tore des Himmels“ versucht Sabine Weigand dem Mythos der Heiligen Elisabeth von Thüringen auf den Grund zu gehen. Obwohl sie deren Leben in eine teilweise erfundene Romanhandlung einbindet, merkt man von der ersten Zeile an, dass hier ausgiebig und mit Akribie recherchiert wurde und das versucht wurde aus den überlieferten Dokumenten und Angaben damaliger Zeitzeugen dem heutigen Leser die Beweggründe und die Umstände nahe zu bringen, die letztendlich zur Heiligsprechung von Elisabeth führten.
    Als vierjährige Braut bereits an den Hof des Landgrafen von Thüringen geschickt, wuchs sie hier mit dessen Kindern heran und sollte im passenden Alter den Erstgeborenen Herrmann heiraten. Nachdem der Graf und Herrmann aber sterben übernimmt der Zweitgeborene Ludwig Titel und Land und heiratet einige Zeit später die blutjunge Elisabeth, die er sein Lebtag lang Schwesterchen nennt und von Herzen liebt. Elisabeth entwickelt bereits sehr früh den Wunsch, irgendwann einmal heilig gesprochen zu werden. Drei ihrer Vorväter haben diese Gnade erfahren und sie sieht darin wohl die höchste Auszeichnung Gottes und der Christenmenschen für ein gläubiges Leben. Uns mutet dieser Wunsch wohl seltsam an. Zur damaligen Zeit war aber der Glaube tief im menschlichen Alltag verwurzelt und viele strebten mehr oder weniger nach Ablass ihrer Sünden und eingehen ins Himmelreich durch ein gottgefälliges Leben und Wirken auf Erden. Nachdem sie den Prediger Konrad von Marburg kennenlernt und diesem sehr schnell das Treuegelübte gibt wird ihr Verhalten zunehmend fanatisch und irrational. Sie kasteit sich durch strenge Essensvorschriften, die sie am Ende zum Skelett abmagern lassen. Sie beginnt sich selbst zu geißeln oder wird von Konrad für kleinste Lässlichkeiten gezüchtigt. Sie gründet Hospitäler in denen sie wie die niedrigste Magd die Kranken wäscht und pflegt, Sterbende bis zum Ende begleitet und all ihr Hab und Gut verschenkt. Anfangs hat sie noch als Verbindung zum normalen Leben ihren Mann an ihrer Seite, der aber früh am Beginn eines Kreuzzuges verstirbt. Danach geht sie in einfachsten Kleidern, schläft auf nackter Erde und stellt das Essen fast gänzlich ein. Ein schmerzhafter Prozess bei dem sie all ihre Vertrauten und die eigenen Kinder zur Seite schiebt und aus ihrem Leben verbannt um nur noch Gott und den Notleidenden zu dienen.
    Keine leicht zu begreifende Persönlichkeit und teilweise kein leicht zu verdauender Stoff. Und ich empfand das Buch keineswegs als einfachen Unterhaltungsroman sondern musste es mir richtig erarbeiten. Die Autorin schildert eindringlich den Unterschied von Arm und Reich. Stellvertretend am Leben des Jungen Primus und seiner Familie zeigt sie die grausame Wirklichkeit der bäuerlichen Bevölkerung, die schnell in bittere Armut und tiefstes Elend geraten konnten. Die andere Seite wird von der Vertrauten Elisabeths Gisa erzählt. Durch sie erhält die Person der Landgräfin auch die größte Reflektion und die erhellendsten Einblicke in das Leben des reichen Adels. Primus und Gisa wachsen dem Leser schnell ans Herz und helfen auch über den schwierigen Charakter Elisabeth hinweg.
    Mich hat das Buch begeistert. Die Fülle an geschichtlichem Wissen ist so unaufdringlich in die Geschichte eingewebt, dass sie nie lehrmeisterhaft oder aufgesetzt wirkt, sondern immer in die Handlung harmonisch eingefügt. Ich habe selten einen Roman gelesen, der mir mehr Aha-Erlebnisse beschert hat.
    Und das Nachwort hat viele meiner Fragen nochmals ausführlich beantwortet und viele meiner Eindrücke bestätigt oder abgerundet. Ein historischer Roman, den man gelesen haben sollte. Ich vergebe begeisterte 10 Punkte.

  • 10/10, das ist für mich die absolute Ausnahme, das "one in a thousand" (aktuell zwei aus 1053 meint mein bookcook). Da ist dann schon Sabine Weigands "Seelen im Feuer" eins von diesen, diese Messlatte ist aber überhoch und wurde hier untersprungen, aber 9/10 sind es allemal.


    Ich habe das Buch auch im Rahmen der Leserunde gelesen,


    Elisabeth von Thüringen ist mir aus einer Vielzahl historischer Romane bekannt, auch die Wirkungsstätten wie Marburg mit der Elisabethkirche oder die Wartburg in Eisenach habe ich schon besucht. Sie war mir dabei nie sympatisch geworden, das hat auch dieses Buch nicht versucht zu erreichen. Erreicht hat die Autorin, dass ich mich mit den Motiven des Handelns dieser Frau auseinandergesetzt habe, mit dem warum und wie sie zu dem wurde, mit den Zwängen denen sie ausgesetzt war und aus denen sie ausbrach, aber doch nicht in allen Belangen ausbrechen konnte. Sie konnte ihren Mitmenschen erklären, dass es einen Widerspruch zwischen Denken und Handeln, zwischen Beten und Ausbeuten gibt, aber aus dem Denkschema ihrer Zeit ausbrechen, das konnte sie nicht. Darum können wir als Kinder unserer Zeit viele Dinge nicht verstehen, wie die bedingungslose Unterwerfung unter die Befehle eines Mannes, die Vernachlässigung der eigenen Kinder oder die Frage, warum sie nicht ihre Macht als Landesfürstin einsetzte vielen Menschen zu helfen, anstatt nur ihre Hände und den eigenen schwachen Körper zur Hilfe heranzog. Das Nachvollziehbar zu machen gelingt der Autorin mit diesem Buch, nicht tolerabel, nicht akzeptabel, aber immerhin verständlich.


    Das Leben der Elisabeth von Thüringen wird mit dem alten Kniff der historischen Romanautoren beleuchtet- stelle der historischen Figur ein oder zwei Figuren beiseite, die eine gering verschobene Perspektive haben und das ganze aus einem eigenen Blickwinkel, aber aus großer Nähe betrachten. So führt die Autorin neben den aus dem Heiligssprechungsprozeß bekannten adeligen Damen der Elisabeth eine weitere ein, die einen Aspekt der Geschichte erzählt als Freundin und Vertraute des Kindes aus Ungarn, der Landesfürstin und der mit den Armen lebenden und leidenden Hospitalgründerin. Außerdem noch ein historisches Nullum, ein Kind einer Bauerntochter, geboren aus einer Vergewaltigung, also in Schande gezeugt- ein wirklich Armer. Einer der die Lebensumstände seiner Zeit und seiner Unterschicht beschreibt, seinen Kampf ums Überleben. Dieser Primus schlägt sich durchs Leben, so wie sich die geborene Kleinadelige Gisa als Mittelschichtsangehörige durch den Dschungel des Hochadels kämpft. Dabei kommt es- kein Wunder angesichts der damaligen tatsächlichen Größe von Städten - zu der ein oder anderen Begegnung. Das Leben Elisabeths wird dabei nicht historisch verbogen, wenn auch die Autorin zur Vermittlung des Zeitbildes die eine oder andere Geschichte einfließen lässt, die zumindestens historisch nicht belegbar ist. Sabine Weigand erzählt aber Geschichte, wie sie gewesen sein kann, keine Geschichten.


    Nicole C. Vosseler hat ihre Arbeit am historischen Roman mal so beschrieben, sie knüpfe einen Teppich bei dem die Kettfäden vorgegeben sind- die durch Recherche ermittelten historischen Fakten nach dem derzeitigen Wissensstand. Die stehen mal enger, mal weiter voneinander weg und sie webt mit ihrer Fantasie als Schußfäden ein Bild, das einen schönen Teppich als Gesamtbild ergeben soll. Das zugrundegelegt ist Sabine Weigand ein herrlicher Teppich höchster Qualität gelungen.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Sabine Weigand erzählt uns in „Die Tore des Himmels“ eine Geschichte über Elisabeth von Thüringen und ihre Zeit und zwar aus der Sicht von Gisa, die Freundin und Zweiflerin, sowie Primus ein Junge der in Elisabeths Zeit in ärmlichen Verhältnissen in Eisenach aufwächst.
    Ich hatte, ehrlich gesagt, vor diesem Roman noch nie etwas von Elisabeth von Thüringen gehört und fand es sehr interessant so vieles über diese bemerkenswerte (das ist nicht unbedingt positiv gemeint) Frau zu erfahren. Elisabeth ist mir nicht sehr sympathisch und ich kann ihr Handeln nicht unbedingt nachvollziehen. Sabine Weigand ist es gelungen, die Heilige von verschiedenen Seiten vorzustellen. Besonders gut gefallen haben mir die Kapitel, die aus Primus Sicht, erzählen, denn es ist wirklich spannend, wie die Menschen damals leben mussten.
    Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil und erzählt ohne Längen. Dies ist seit längerer Zeit endlich mal wieder ein historischer Roman, der mir gefallen hat.
    8 Punkte

  • Kurzbeschreibung bei amazon


    Regentin, Rebellin, Heilige: wer war Elisabeth von Thüringen wirklich?
    Sabine Weigands Roman um die berühmteste Frau des deutschen Mittelalters.


    Seit ihrer Kindheit ist die junge Adlige Gisa die Vertraute von Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Sie weiß, wie zerrissen
    Elisabeth ist zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem gottgefälligen, einfachen Leben. Gisa erlebt, wie Elisabeth gegen den Hof aufbegehrt, welche Unruhe ihre Spenden, ihre Fürsorge für die Armen auslöst. Sie sieht auch, wie der jüngere Bruder des Landgrafen mit unzufriedenen Adligen paktiert und sie gegen den Stauferkaiser Friedrich II. aufbringen will. Gisas drückendstes Geheimnis dreht sich um die verbotenen Treffen einer Ketzersekte, die sie belauscht hat. Als Elisabeth 1226 dem fanatischen Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und ihr Leben radikal strengsten Glaubensregeln unterwirft, gerät Gisas Welt völlig aus den Fugen. Wie weit kann sie Elisabeth zur Seite stehen, ohne selbst unterzugehen?


    Autorin (kopiert bei amazon)
    Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen.
    Dokumente aus Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans ›Das Perlenmedaillon‹, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman ›Die Königsdame‹ zugrunde. In ›Die Seelen im Feuer‹ bilden die Hexenakten von Bamberg die historische Romanvorlage, bei ihrem ersten Roman ›Die Markgräfin‹ war es die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, bei ›Die silberne Burg‹ die Bestallungsurkunde einer jüdischen Ärztin.



    Allgemeines


    Der neue Roman von Sabine Weigand ist am 9.Oktober 2012 erschienen und hat einen Umfang von 608 Seiten.
    Er ist folgendermaßen gegliedert: Prolog (1187, Einblick in die Kindheit des Inquisitors und Kreuzpredigers Konrad von Marburg), drei Hauptteile, die das Leben und Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen darstellen (ihre Kindheit, ihre Ehe mit dem Landgrafen Ludwig IV, ihre Witwenzeit in Marburg) und ein Epilog (1136 Heiligsprechung ). Außerdem hat die Autorin ein umfangreiches Nachwort, ein Glossar mittelalterlicher Wörter und ein Personenverzeichnis mit Kennzeichnung der realen und fiktiven Figuren angefügt. Im vorderen und hinteren Einband befindet sich eine mittelalterliche Stadtansicht von Marburg.


    Persönliche Beurteilung
    Im Mittelpunkt dieses Romans steht das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen (1207 - 1231) vor dem Hintergrund ihrer Zeit, die von Armut und Hungersnot, den Kreuzzügen und neuen religiösen Bewegungen (Katharer) geprägt war. Zeitlebens hat Elisabeth Probleme, ihren Platz im Leben zu finden: inspiriert von Franciscus von Assisi möchte sie am liebsten in der "imitatio Christi" jedem Besitz entsagen und sich ihren Lebensunterhalt erbetteln. Doch für eine ungarische Königstochter und die Ehefrau des Thüringer Landgrafen Ludwig ist ein solches Leben undenkbar. Sie fühlt sich jedoch in ihrem privilegierten Leben unglücklich und versucht, mit ihrem Reichtum den Armen Gutes zu tun. Als es ihr nicht mehr ausreicht, ihren Brautschatz und auch das Geld der landgräflichen Familie zu verschenken, begibt sie sich in ärmlichen Gewändern nach Eisenach, um die Kranken zu pflegen. Durch dieses Verhalten und durch ihre Vorwürfe an die Reichen/Adeligen, dass diese ein Gott nicht gefälliges Leben führen, bringt sie nach und nach nicht nur ihre Familie, sondern auch andere Herrscher gegen sich auf. Besonders ihr Schwager Heinrich Raspe hasst sie, zumal sein Bruder Ludwig, wenn er auf Reisen geht, nicht ihn, sondern seine Frau zur Regentin macht.
    Nachdem Ludwig auf dem Kreuzzug ums Leben gekommen ist, münden die Konflikte zwischen Elisabeth und Heinrich in ihren Abschied von der Wartburg. Sie lässt ihre drei Kinder zurück und geht in Begleitung ihrer liebsten Hofdamen/Freundinnen unter der Aufsicht ihres Beichtvaters Konrad von Marburg in dessen Heimat, um dort ein Hospital zu gründen und den Rest ihres kurzen Lebens der Askese und der Krankenpflege zu widmen.
    Die Erzählperspektive in "Die Tore des Himmels" wechselt beständig: Teilweise wird aus der Sicht eines allwissenden Erzählers berichtet, teilweise handelt es sich um die Ich-Erzählung der fiktiven Gisa (Gislind von Tenneburg, Elisabeths Gefährtin) und des ebenfalls fiktiven Primus (Sohn einer bitterarmen Familie aus Eisenach). Außerdem sind wieder zeitgenössische Quellen in der Übersetzung aus dem Lateinischen eingestreut.
    Gisa hängt sehr an Elisabeth, dennoch betrachtet sie sie mit kritischen Augen und kann sie immer weniger verstehen. Dabei wird die Zerrissenheit von Elisabeths Charakter sehr deutlich. Elisabeth schwankt zwischen Extremen, sie ist gegenüber ihrer Gesellschaftsschicht in der Verweigerung ihrer Repräsentationspflichten sehr durchsetzungsfähig, gibt dagegen aber gegenüber dem sadistischen Konrad von Marburg, der ihr durch die Tore des Himmels zur Heiligkeit verhelfen soll, ihren eigenen Willen komplett auf, lässt sich erniedrigen und schlagen. Sie schwankt auch zwischen der Liebe zu ihrem Mann und den damit verbundenen sinnlichen Genüssen und dem Wunsch nach Keuschheit. In ihrem Wesen wird eine gewisse Egozentrik deutlich, denn sie tut in erster Linie um ihrer eigenen angestrebten Heiligkeit willen und dann erst für die Armen/Kranken Gutes. Im Kontext ihrer Zeit ist ihr Verhalten teilweise nachvollziehbar, aus der Sicht der Gegenwart ist sie jedoch ein Fall für den Therapeuten.
    Neben Elisabeths religiöser Entwicklung geht es in diesem Roman auch um die Kreuzzüge und die neuen religiösen Bewegungen der Zeit, die von der Kirche natürlich als ketzerisch gebrandmarkt werden. Die Autorin hat hier Mitglieder der Landgrafenfamilie mit "ketzerischen" Neigungen für die Katharer ausgestattet, dies entspricht jedoch - wie sie im Nachwort erläutert- nicht den historischen Tatsachen.
    Die meisten Romanfiguren haben tatsächlich gelebt, die fiktiven Figuren stehen exemplarisch für ihre Schicht. Primus führt das armselige Leben der Unterschicht, Ludwigs Waffenmeister Raimund von Kaulberg ist ebenfalls fiktiv, seine Erlebnisse schildern jedoch realistisch die Lage und Beschwernisse der Kreuzritter.
    Wie gewöhnlich ist auch dieses Buch sehr gut recherchiert und besticht durch seinen abwechslungsreichen und fesselnden Erzählstil.


    Ich gebe eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Liebhaber anspruchsvoller historischer Romane, die sich für das deutsche Mittelalter interessieren. 10 Punkte

  • Sabine Weigands historischer Roman "Die Tore des Himmels" um die Heilige Elisabeth kann gleichzeitig als unterhaltsam und lehrreich bezeichnet werden.


    Die Autorin schafft es schnell den Leser durch die authentische Atmosphäre und die lebendigen Figreun in ihren Bann zu ziehen. Sprachlich werden einige mittelalterliche Ausdrücke verwendet und eingesträut in den Roman sogar ganze Passagen dem Alt-/Mittelhochdeutschen nachempfunden, was den Leser sofort in frühere Zeiten versetzt.


    Vor allem durch die Figuren Primus und Gisa gelingt es ihr den Kontrast der mittelalterlichen Gesellschaft deutlich zu machen und dem Leser zu zeigen, wie die armen Menschen um ihre Leben kämpfen mussten und wie gut es den Reichen ging. Allen gemeinsam ist, dass jeder mit seinen eigenen Problemen fertig werden muss, genau so wie heute. Außerdem wird ein Bild einer Heiligen gezeichnet, das einen zwiegespalten zurücklässt und viel Dikussionspotenzial bietet.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil mir vieles neu bewusst gemacht wurde und ich einiges lernen konnte, ohne mich aber belehrt zu fühlen. Mich hat der Roman gut unterhalten und er war kurzweilig zu lesen, nicht zuletzt durch einge Auftritte von Minnesängern, was mir persönlich immer ganz besonders gut gefällt.

  • Die Heilige Elisabeth von Thüringen war mir nur vage ein Begriff und ich fand es interessant mehr über sie zu erfahren.
    Das Buch erzählt ihr Leben von Kindheit an und man erfährt ihren Werdegang und ihre Beweggründe. Auch wenn ich so meine liebe Not hatte, Elisabeths Gedanken und Handlungen wirklich zu verstehen, wurde ihr Weg doch nachvollziehbar beschrieben.
    Beim Lesen taucht man ein in ihre Zeit und kann sich so auch die damalige Sichtweise der Menschen besser vorstellen.
    Sehr gelungen fand ich, dass das Buch aus verschiedenen Sichtweisen erzählt wird. So steht der doch sehr anstrengenden Elisabeth die sympathische und eher rationale Gisa gegenüber. Außerdem gibt es noch den Armenjungen Primus, durch den der Unterschied zwischen Arm und Reich deutlich spürbar wird.


    Alles in allem ein interessantes Buch, in dem Geschichte lebendig wird.
    Mich hat es allerdings nicht ganz so gefesselt wie die anderen Bücher der Autorin. Meine Lieblinge bleiben weiterin die Markgräfin und die Königsdame.

  • Der Klappentext:


    Seit ihrer Kindheit ist die junge Adlige Gisa die Vertraute von Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Sie weiß, wie zerrissen Elisabeth ist zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem gottgefälligen, einfachen Leben. Gisa erlebt, wie Elisabeth gegen den Hof aufbegehrt, welche Unruhe ihre Spenden, ihre Fürsorge für die Armen auslöst. Sie sieht auch, wie der jüngere Bruder des Landgrafen mit unzufriedenen Adligen paktiert und sie gegen den Stauferkaiser Friedrich II. aufbringen will. Gisas drückendstes Geheimnis dreht sich um die verbotenen Treffen einer Ketzersekte, die sie belauscht hat. Als Elisabeth 1226 dem fanatischen Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und ihr Leben radikal strengsten Glaubensregeln unterwirft, gerät Gisas Welt völlig aus den Fugen. Wie weit kann sie Elisabeth zur Seite stehen, ohne selbst unterzugehen?


    Meine Meinung:


    Sabine Weigand als Autorin ist defintiv ein Musskauf für mein Bücherregal. Dass sie sich für ihr neues Buch Elisabeth von Thüringen ausgesucht hat, machte mich – als gebürtige Thüringerin – natürlich noch ein wenig neugieriger als sonst. Elisabeth von Thüringen und ihre angeblichen Wunder haben zwar ihren Platz in meinem Allgemeinwissen bekommen, aber ich konnte ihre Leben und ihr Schicksal nur grob benennen. Ein Grund mehr, das Buch zu lesen – obwohl es den wie gesagt, auch nicht gebraucht hätte. :-)
    Gleich im Einstieg ging mir wirklich das Herz auf, da die Rede von allerlei Orten und Grafschaften war, um die herum ich quasi aufgewachsen bin. Es fing also mit einem dicken Pluspunkt an, für den Frau Weigand aber ehrlicherweise gar nichts kann...
    Die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen geschrieben wird, finde ich sehr gut angewandt. Das Buch wird dadurch lebendig und der Blickwinkel des Lesers bleibt über die Handlung hinaus recht weit – denn von übertriebenem Reichtum bis hin zu bitterer Armut findet sich alles in „Tore des Himmels“.
    Für mich war es auch gut, dass Elisabeth als recht sperrige Person, noch Gisa als ihre Gefährtin und Primus aus dem einfachen Volk, mit ihren Sichtweisen zur Seite stehen. Denn Lieben ist es zwischen mir und Elisabeth wahrlich nicht geworden! Ihr glühender Wunsch nach Heiligkeit und die Art und Weise, wie sie ihn erreichen wollte, hat mir Sabine Weigand im Roman sehr nahe gebracht, aber gut heißen konnte ich ihre Entscheidungen dennoch nicht. Selten hat mich eine Romanfigur so sehr in zwei Richtungen gezerrt und bis jetzt kann ich mich wirklich nicht entscheiden, ob ich sie belächeln oder bedauern soll. Somit waren die Handlungsstränge um Primus und Gisa eine Erleichterung, wobei auch diese beiden nicht gänzlich fehlerlos sind und somit sehr menschlich und begreifbar für mich als Leser.
    Die auftretenden Personen halten die Handlung am Leben und Laufen. Mit Begeisterung habe ich Konrad von Marburg verabscheut, Heinrich Raspe verachtet und über Elisabeth den Kopf geschüttelt.
    Aber auch historische Hintergründe – vor allem die Einbeziehung der Katharer – und die Verwendung einiger Gerüchte und Mysterien über die heilige Lisbeth haben das Buch für mich sehr unterhaltsam und lese-angenehm gemacht. Der Lesefraß war auch da und die Einhaltung der Abschnitte für die Leserunde somit recht kompliziert, da ich mich zum unterbrechen geradezu zwingen musste.


    Als Fazit kann ich nur sagen – für Eulenfreunde des historischen Romans zu empfehlen, für geschichtlich Interessierte, für Romantik-Interessierte, für Thüringen-Interessierte sowieso :grin und für alle Eulen, denen noch ein gutes Weihnachtsgeschenk unterm Baum fehlt.


    Für mich glatte 10 Punkte.

  • Sabine Weigand hat mit Tore des Himmels wieder einen Roman geschaffen, der mich für einige Zeit ins Mittelalter zurück versetzt hat. Die Geschichte dreht sich v.a. um die Heilige Elisabeth von Thüringen und wie ihr Leben in der Realität ausgesehen haben könnte.


    Die Vielzahl der historisch belegten Personen erzeugte bei mir das Gefühl, ich erfahre so viel Geschichtliches, so viel Informationen aus der damaligen Zeit und das in einer Sprache, die sich flüssig lesen lässt.


    Gut gefallen hat mir, dass die beiden Schichten reich & arm einander gegenüber gestellt werden, was die krassen Unterschiede noch verstärkte.


    Ich bin nach wie vor begeistert, das Buch wird mich auch mental noch eine Weile beschäftigen.


    Vielen Dank Sabine Weigand für die schönen und informativen Lesestunden.


    Ich vergebe uneingeschränkt 10 Punkte.

  • Ein neues Buch von Sabine Weigand, da konnte ich doch nicht widerstehen. Besonders, da es Anfang Dezember dazu auch wieder eine Lesung in Zirndorf mit ihr geben wird.
    Elisabeth von Thüringen ist allerdings eine Protagonistin, die mir bis zum Ende nicht sympathisch wurde. Was vor allem daran lag, daß mir ihr Wunsch nach Heiligkeit sehr selbstsüchtig vorkam und ich ihre Handlungen wirklich nicht nachvollziehen konnte.
    Trotzdem fand ich das Buch sehr beeindruckend, bringt es einem doch eine Zeit nahe, in der der Glaube an Gott und seine Kirche die Menschen in der Gesellschaft verankert hat.
    Besonders deutlich wird das durch Primus, der stets glaubt, daß da wo er ist, auch sein Platz nach Gottes Willen ist.
    Gisa hat mir besonders gut gefallen, sie war für mich die Identifikationsfigur im Buch, auch wenn ihre Gedankengänge wohl manchmal recht neuzeitlich anmuten. Aber durch ihre Augen wurde einem klar, daß Elisabeth eben auch nur ein Mensch war, der von seinen nächsten wohl trotz aller Selbstsucht geliebt wurde und auch beschützt.
    Ohne Gisa wäre mir Elisabeth in ihrer selbstzerstörerischen Art wohl komplett unverständlich geblieben. So konnte ich wenigstens halbwegs die Gründe nachvollziehen, warum Elisabeth so handelte.
    Raimonds fiktives Tagebuch vom Kreuzzug fand ich Klasse, auch wenn es durch die alten Formulierungen schwerer war, es zu lesen. Durch dieses Tagebuch wurde für mich die anfangs doch recht zwiespältige Figur Raimond zum Menschen, dem man seine Fehler auch verzeihen konnte. Auch er ist eine der Figuren im Buch, die mir ans Herz gewachsen sind.
    Alles in allem ist es ein wirklich beeindruckendes Buch, das mich sehr zum Nachdenken angeregt hat und das zusammen mit dem Spiel der Nachtigall sich ein Lesehighlight des Jahres war.
    Von mir 9 von 10 Punkte

  • In ihrem sechsten historischen Roman beschäftigt sich Sabine Weigand mit der heiligen Elisabeth von Thüringen, die nur 24 Jahre alt wurde.


    Elisabeth kommt als Kind von Ungarn an den Hof der Landgräfin Sophie, die sie auf ihre spätere Heirat mit ihrem Sohn Hermann vorbereiten soll.


    Um nicht nur die historischen Fakten abzuhandeln, hat die Autorin zwei fiktive Personen ausgewählt, die aus ihrer jeweiligen Sicht über ihr Leben berichten. Es handelt sich zum einen um Gisa, eine sehr enge Freundin und Dienerin von Elisabeth. Sie haben sich versprochen, immer zusammenzuhalten. Im Verlauf der Jahre bekommt Gisa des öfteren Zweifel an den Handlungen von Elisabeth. Dies wird vor allem hervorgerufen durch die fast schon störrische, fanatische Frömmigkeit und quasi Hörigkeit zu Konrad von Marburg. Elisabeth versucht auch die Armen und Kranken zu unterstützen, leider zulasten ihrer eigenen Kinder. In dem Part von Gisa erfährt der Leser sehr viel über das Leben am Hofe. Im Gegensatz dazu steht das Leben der Armen und Geknechteten, hier berichtet Primus. Er ist in ärmsten Verhältnissen geboren, hatte aber eine hingebungsvolle Mutter, die für ihre Kinder alles Menschenmögliche getan hat. Er macht durch glückliche Zufälle die Bekanntschaft von Raimund von Kaulberg. Als dessen Pferdeknecht nimmt er am Kreuzzug teil. In diesem Teil wird der Leser mit dem Leid der einfachen Leute konfrontiert und durch die eindrucksvollen Schilderungen kann man es sehr gut nachvollziehen.


    Die Kapitel werden immer wieder unterbrochen durch kursiv gedruckte, historisch nachempfundene Briefe. Sie stoppen zwar den Lesefluß, aber dadurch gewinnt die Geschichte an Authenzität.


    Wie auch in ihren anderen Büchern, macht die Autorin Geschichte spannend und en passant erfährt der Leser unheimlich viel über das Mittelalter. Nebenbei erwähnen möchte ich noch, daß mir die Protagonistin im Laufe der Jahre immer unsympathischer wurde und ich ihre Handlungen nicht mehr nachvollziehen konnte. Alle Figuren werden so plastisch vorgestellt, daß der Leser sich mittendrin fühlen kann.


    Am Ende sei noch erwähnt, daß die Zeichnungen im Buchinndendeckel und zu Beginn eines jeden Buches sehr passend sind. Als hilfreich empfand ich das Glossar. Das Nachwort der Historikerin und in das Personenregister, in welchem die historisch belegten Personen gekennzeichnet sind, empfand ich als äußerst informativ.


    Auch dieses Buch von Sabine Weigand empfehle ich allen Leserinnen, die gut recherchierte, historische Romane schätzen.


    Von mit 10 Eulenpunkte

  • Die junge Adlige Gisa kennt Elisabeth, die Landgräfin von Thüringen, seit ihrer Kindheit und hat für die Vertraute immer ein offenes Ohr. Sie weiß von deren Zerrissenheit zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem Leben ganz im Sinne Gottes.
    Sie erfährt durch Elisabeth hautnah was es heißt gegen den Hof aufzubegehren und wohin Fürsorge für die Armen führen kann.
    Gisa gerät dabei zwischen Intrigen und Geheimnissen und als Elisabeth ihr Leben zu Gunsten strengster Glaubensregeln radikal ändert, muss Gisa selbst befürchten dabei verloren zu gehen.
    "Die Tore des Himmels" ist nach "Die Seelen im Feuer" mein zweites Buch, das ich von Sabine Weigand gelesen habe und ich fand es wieder gut.
    Weigand schildert sehr anschaulich die damaligen Zustände und übermittelt fundiertes Wissen ohne belehrend oder trocken auf den Leser zu wirken.
    Die Figuren sind sehr ausgefeilt und berühren den Leser positiv und negativ. Ich konnte mit Elisabeths radikalem Wandel nicht viel anfangen, deswegen hat mich diese Person sehr gestört. Dennoch wird dieses Manko durch tolle Protagonisten wie Gisa oder Raimund ausgebessert.
    Den Anfang fand ich leider etwas schwierig und der Einstieg in die Geschichte war durch viele Namen etwas unübersichtlich.
    Sobald man diesen aber geschafft hat, kann man sich ganz von dem Sog der Geschichte mitreißen lassen.
    Das Ende war auch befriedigend und das Buch lässt mich zufrieden zurück.
    Es wird sicher nicht mein letztes von Sabine Weigand bleiben, da sie für mich mit zu den besten Autoren im Genre "historische Romane" gehört.


    8 von 10 Punkten!

  • Klappentext:


    Seit ihrer Kindheit ist die junge Adlige Gisa die Vertraute von Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Sie weiß, wie zerrissen Elisabeth ist zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem gottgefälligen, einfachen Leben. Gisa erlebt, wie Elisabeth gegen den Hof aufbegehrt, welche Unruhe ihre Spenden, ihre Fürsorge für die Armen auslöst. Sie sieht auch, wie der jüngere Bruder des Landgrafen mit unzufriedenen Adligen paktiert und sie gegen den Stauferkaiser Friedrich II. aufbringen will. Gisas drückendstes Geheimnis dreht sich um die verbotenen Treffen einer Ketzersekte, die sie belauscht hat. Als Elisabeth 1226 dem fanatischen Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und ihr Leben radikal strengsten Glaubensregeln unterwirft, gerät Gisas Welt völlig aus den Fugen. Wie weit kann sie Elisabeth zur Seite stehen, ohne selbst unterzugehen?


    Meine Meinung zum Buch:
    "Die Tore des Himmels" ist nach "Die Seelen im Feuer" mein zweiter Roman von Sabine Weigand. Dieses Mal geht es um Elisabeth von Thüringen, welche kurz nach ihrem Tod (mit nur 24 Jahren) heilig gesprochen wurde. Schon zu Lebzeiten ist es Elisabeths dringendster Wunsch eine Heilige zu werden, und um dies zu erreichen tut sie - so scheint es - wirklich Alles, notfalls auch zu Lasten der Personen die sie lieben. Was mit Hilfe für die Armen, und dem Verteilen von Almosen beginnt, ändert sich radikal als Elisabeth dem Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und sich ihm vollkommen unterwirft. Spätestens ab dieser Stelle fällt es immer schwerer Elisabeths Handlungen nachzuvollziehen, und wie man im Buch erfahren kann ging es auch fast ihrem ganzen Umfeld so. Manchmal möchte man ihr einfach nur eine ordentliche Ohrfeige verpassen...
    An die Seite der anstrengenden, fanatischen Elisabeth, hat die Autorin als fiktive Zofe die sehr rationale, sympathische Gislind von Tenneburg gestellt, die große Teile von Elisabeths Leben aus ihrer Sicht erzählt und der Geschichte durch ihre ganz eigenen Probleme viel Bodenständigkeit und Spannung verleiht, ohne Gisa (und Primus) hätte ich den Roman vermutlich nicht bis zum Ende durchgehalten . Die zweite Erzählperspektive ist Armenjunge Primus, der mit seiner Familie wirklich "ganz unten" in der mittelalterlichen Gesellschaft lebt, der aber auch dank einiger Gaben von Elisabeth seinen Weg findet.
    Sehr gut gefiel mir die Einarbeitung von Textstücken in zeitgenössischer Sprache, die Kreuzzug-Aufzeichnungen von Raymund zum Beispiel. So wirkt für mich die Geschichte noch viel lebendiger.


    Wie immer gibt es ein ausführliches, informatives Nachwort der Autorin, ein Glossar und ein Personenregister...


    Sabine Weigand hat es mal wieder geschafft mich nachhaltig zu beeindrucken, daher vergebe begeisterte ich 10/10 Punkte. Außerdem bedanke ich mich beim Verlag für mein Testleserexemplar!

  • Vor dem Lesen dieses Buches war mir zwar der Name Elisabeth von Thüringen ein Begriff, aber sie mit etwas bestimmten in Verbindung bringen, konnte ich nicht. Und ich bin ehrlich, diese Frau hat mir so Manches abverlangt. Eine Frau, die für ihren größten Wunsch, eine Heilige zu werden, über alles und jeden geht. Immer mehr und mehr fühlte ich mich von ihr genervt und konnte sie überhaupt nicht verstehen. Ihr Verhalten ging einfach über mein Verständnis hinaus. Stellenweise hätte ich am liebsten das Buch zugeklappt und in die Ecke gepfeffert, weil ich ihr Verhalten unmöglich fand.


    Warum dieses Buch dennoch 5 Sterne von mir erhält? Weil die Autorin es geschafft hat, trotz dieser Wahnsinnigen von einer Frau, mich nicht nur zu unterhalten, sondern mich auch mit Wissen zu versorgen. Dieses Buch zu lesen war wie eine Geschichtsstunde der Extraklasse. Ohne großes Drum und Dran, schlicht und einfach und, was besonders wichtig ist, einfach nur ehrlich.


    Der Erzählstil von Sabine Weigand ist sehr direkt. Sie verschönert nichts und hat es auch nicht nötig. Sie schafft es dennoch den Leser an ihr Buch zu fesseln, selbst wenn eine der Hauptprotagonisten in fast Allem nur schwer zu ertragen ist.


    Einen Ausgleich zu Elisabeth hat die Autorin in anderen Protagonisten gesetzt, ob Haupt- oder Nebendarstellern. Sie alle haben das Lesevergnügen enorm gesteigert und wären sie nicht vorhanden gewesen, wäre es mir unheimlich schwer gefallen dieses Buch zu Ende zu lesen. Für mich waren sie einer der Hauptgründe, warum ich "Die Tore des Himmels" dennoch die volle Punktzahl gebe.


    "Die Tore des Himmels" war mein erstes Buch von Sabine Weigand, aber mit Sicherheit nicht das Letzte.


    Fazit:


    Trotz einer Hauptprotagonistin, bei dem der Leser starke Nerven braucht, wurde ich mehr als nur gut unterhalten. Dieses Buch zu lesen ist nicht nur unheimlich spannend und interessant, sondern auch wirklich lehrreich.

    Und manchmal ist ein Buch die Welt für mich!


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    Langzeitprojekte:
    Margaret George - Maria Stuart LR

  • Meine Meinung: In ihrem neuen Buch „Die Tore des Himmels“ befasst sich Sabine Weigand mit Elisabeth von Thüringen. Der Heiligen, die bis heute noch nicht vergessen ist und um die sich im Laufe der Zeit viele Legenden ranken. Die Handlung wird aber, obwohl sie die eigentliche Hauptfigur ist, nicht von ihr dominiert, denn es finden sich noch weitere interessante Figuren aus ihrem Umfeld, die teilweise auch als Erzähler auftreten. So ist auch eine gewisse Distanz gewahrt und man nimmt Elisabeth aus verschiedenen Perspektiven wahr. Durch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Stände der Erzähler werden ebenfalls differenzierte Sichtweisen auf sie als Person offenbar.


    Weite Teile der Handlung werden von ihrer (fiktiven) Zofe Gisa geschildert, die Elisabeth sehr nahe steht und die trotzdem ihr Handeln oft kritisch hinterfragt. Ebenfalls als Erzähler ( und nicht historisch belegte Person) taucht Primus auf, ein einfacher armer Junge aus dem Volk, der immer wieder im Umfeld von Elisabeth zu tun hat. Gerade durch diese beiden interessanten Personen unterschiedlicher Herkunft wird der krasse Gegensatz zwischen dem Leben der armen Bevölkerung und dem des Adels herausgestellt. Auch über die neuen Glaubensansichten, wie die Armutsbewegung erfährt man eine ganze Menge und die ist es schließlich, mit der Elisabeth konform gehen wird.


    Mit viel Hintergrundwissen schildert Sabine Weigand ihre Personen und vor allem die damaligen Lebensumstände so real, dass man sich ein gutes Bild von der Zeit machen kann, in der Elisabeth gelebt hat. Fiktive Personen und Handlungsstränge mischen sich mit echten und historisch belegten Figuren und Vorkommnissen.


    Man erlebt, wie und unter welchen Umständen Elisabeth aufwuchs, sowie einzelne übermittelte Begebenheiten aus ihrem Leben. In diesem Buch wird sie aber nicht verherrlicht, sondern man sieht sie mit den Augen ihres Umfeldes und das reagierte auf ihren strengen Glauben und ihre selbst auferlegten Essensgebote mit ziemlichem Unverständnis.
    Bei Hof fühlten sich viele durch sie vor den Kopf gestoßen und empfanden ihre Art zu leben als Affront. Sie, die über Reichtum verfügte, verdammte das Geld und gab lieber alles den Armen, doch auch dort erntete sie Unverständnis, als sie in Armut leben wollte. Immer mehr verstärkte sich ihr Wunsch, einmal heiliggesprochen zu werden und (zumindest in diesem Buch), handelt sie dabei so rücksichtslos ihren Freunden und sogar ihren Kindern gegenüber, dass ihr Verhalten nur noch den Schluss zu lässt, dass es um ihre geistige Gesundheit nicht zum Besten bestellt war.


    In ihrem religiösen Wahn findet sie ihren Meister in Konrad von Marburg, dem sie Gehorsam schwört und dem sie hörig zu sein scheint. Dieser weiß genau das auszunutzen und will sich einen Namen damit machen, weil er es ist, der eine Heilige „erzogen“ hat.


    Das Lesen dieses Buches war für mich sehr lehrreich und interessant und ich habe mir viele Stellen durch weitere Recherchen erarbeitet. Besonders die so gut geschilderten Lebensumstände der Menschen zu dieser Zeit haben mich nicht losgelassen und ich habe noch lange Zeit nachdem die Lektüre beendet war, über das Gelesene nachgedacht.


    Mein Fazit: Ein anspruchsvolles und gut recherchiertes Buch, das ohne zu romantisieren oder zu verherrlichen einen kritischen Blick auf die Person der Elisabeth von Thüringen wirft.

  • Auf "Die Tore des Himmels" und die Autorin Sabine Weigand wurde ich erst durch die hier im Forum angekündigte Leserunde aufmerksam - und was wäre mir entgangen, hätte ich diese Leserunde verpasst.


    Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Leben von Elisabeth von Thüringen. So wird vor allem darauf eingegangen, wie sie um jeden Preis zur Heiligen werden will. Dieses Vorhaben wird im Buch kritisch geschildert und so entsteht hier großes Potenzial zur Diskussion.
    Auch wenn Elisabeth im Laufe des Buches zunehmend unsympathischer und anstrengender erscheint, wird ihr Leben sehr informativ und spannend beschrieben.


    Doch auch die Geschichten der nichthistorischen Personen sind äußerst packend und bewegend dargestellt. So sind mir vor allem die beiden Charaktere Gisa und Primus sehr ans Herz gewachsen. Sehr gut gefiel mir hierbei, dass die Geschichte jeweils abwechselnd aus deren Sicht erzählt wird.


    Der Autorin gelingt es, die Zustände zur damaligen Zeit sehr anschaulich zu schildern. Der Kontrast zwischen reichem Adel und der armen Bevölkerung wird nicht zuletzt durch die wundervoll beschriebenen Personen sehr greifbar gemacht.


    Und auch das Einarbeiten von diversen historischen Texten sollte nicht unerwähnt bleiben - das Ganze macht die Geschichte noch authentischer und bietet eine willkommene Abwechslung.


    Alles in allem ein beeindruckendes Buch, was bleibenden Eindruck hinterlässt. Daher vergebe ich 9/10 Punkte.


    [Achja: Und da ich von "Die Tore des Himmels" wirklich begeistert war, habe ich mir auch bereits ein weiteres Buch von Sabine Weigand gegönnt. ;-)]

  • Gisa wächst als Waise am Hof des Thüringischen Landvogts auf. Als Elisabeth von Ungarn als Kind an den Hof kommt um später mit dem ältesten Sohn verheiratet zu werden, freunden sich die beiden an und sind von da an unzertrennlich.
    Schon früh wird klar, das Elisabeth sehr gläubig ist und sich sehr um die Armen und Kranken sorgt.
    Auch als sie dann Ludwig heiratet ändert sich daran nichts, im Gegenteil es wird sogar noch schlimmer. Elisabeth gelingt es immer wieder den ganzen Adel vor den Kopf zu stoßen und dies nicht mal zu bemerken.
    Dann taucht irgendwann Konrad von Marburg auf, der genau weiß wie er sie dazu bekommt das zu tun was er will. Elisabeth wird ihm hörig und tut Dinge die er will.
    Auch den Kampf gegen die eigene Familie nimmt sie auf, mit dem Wunsch im Hinterkopf einmal eine Heilige zu werden.
    Konrad von Marburg schürt diesen Wunsch weiter in Elisabeth und weiß seine Macht so einzusetzen das Elisabeth ihm in allem folgt und kein bisschen von dem Weg abweicht den er ihr vorgibt.
    Aber es gibt auch noch Ritter Raimund ein Untertan des Landvogts der auf Kreuzzug geht, doch auch bei Hofe so einiges erleben wird.
    Und erst Primus mit seiner Familie, die aus der untersten Schicht der Untertanen stammt.
    Was diese Familie mit der Ländgräfin zu tun hat, wird erst im Laufe des Buches klar.


    Die Autorin Sabine Weigand hat hier einen Historischen Roman um Elisabeth von Thüringen geschrieben. Um diese Person ranken viele Geschichten und Mythen, was davon stimmt und was nicht, wird sich wohl nie ganz klären lassen.
    Mich persönlich hat die Thematik des Buches sehr angesprochen, allerdings hatte ich je länger ich las immer mehr Probleme damit ,die Beweggründe von Elisabeth zu verstehen.
    Die Bigotterie von ihr ging mir mit der Zeit immer mehr auf die Nerven.
    Doch die Figur von Gisa fand ich sehr gut gewählt da sie berichtet und erzählt was sie mit Elisabeth erlebt hat und wie es ihr ergangen ist. Gisa stellt auch kritische Gedanken an und sie Plagen auch Zweifel ob alles so gut ist was Elisabeth macht.
    Auch die Familie, die in Armut lebt was sehr gut beschrieben und man konnte es beim lesen sehr gut nachvollziehen.
    Die Erzählung um Elisabeth herum waren auch interessant und haben die Thematik aufgelockert.
    Ebenfalls hat mir die Mischung aus realen und fiktiven Personen gefallen, da diese alles viel echter wirken ließen.
    Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen.

  • Meine Meinung:
    „Die Tore des Himmels“ ist mein dritter Roman von Sabine Weigand. Nachdem ich die beiden vorherigen Bücher regelrecht verschlungen habe, war klar, dass ich auch das neue Buch von ihr lesen musste. Natürlich stellte sich die Frage, ob Sabine Weigand ihr Niveau halten kann und mich der neue Roman auch wieder begeistern wird. Meine Sorgen sollten sich als vollkommen unbegründet erweisen. Denn „Die Tore des Himmels“ braucht sich vor seinen Vorgängern nicht zu verstecken.


    Bereits nach kurzem Einlesen war ich in der Geschichte gefangen. Neben dem allgemeinen Erzähler gibt es noch Gisa und Primus, die die Ereignisse jeweils aus ihrer Sicht erzählen. So bekommt der Leser einen umfassenden Einblick in die Ereignisse der damaligen Zeit. Außerdem wird auf diese Weise die Geschichte aufgelockert. Ich will ehrlich gesagt nicht wissen, wie sich das Buch gelesen hätte, wenn es nur einen Erzähler gegeben hätte. Vermutlich wäre es ziemlich langweilig geworden und in Richtung Sachbuch abgedriftet. In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, dass sich Sabine Weigand bemüht die sozialen und somit auch die Bildung betreffenden Unterschiede zwischen Primus und Gisa durch verschiedene Sprachstile zu verdeutlichen. Das macht dieses Buch viel realistischer und außerdem redet ein kleiner Junge nun einmal anders als eine Zofe. Des Weiteren hat es die Autorin wieder hervorragend geschafft das Mittelalter vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen zu lassen. Ich konnte das Leben von Gisa und Primus gut nachvollziehen und hatte so manches Mal das Gefühl selbst am Hofe Elisabeths unterwegs zu sein.


    Sabine Weigand ist es wieder gut gelungen historische Fakten mit fiktiven Elementen zu einer spannenden Lektüre zu verbinden. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor der Lektüre dieses Buches noch nie etwas von Elisabeth von Thüringen gehört habe. Zwar dachte ich während des Lesens hin und wieder darüber nach, mich über diese Frau zu informieren. Doch ich hatte etwas Sorge, dass ich mir auf diese Weise die Spannung nehmen würde. Letztlich bin ich froh, dass ich nicht recherchiert habe. Ich denke, dass ich ansonsten nicht so unvoreingenommen an das Buch hätte herangehen können.


    Fazit:
    Insgesamt war dieses Buch eine sehr unterhaltsame Lektüre, die vor allem durch die beiden Ich-Erzähler aufgelockert wird. Sabine Weigand hat sich bemüht ein umfassendes und vor allem objektives Bild von Elisabeth von Thüringen zu schaffen und ich finde, dass ihr das sehr gut gelungen ist. Wer gerne historische Romane liest, sollte einmal einen Blick in dieses Buch werfen.

  • Die Schriftstellerin Sabine Weigand nimmt sich einer der berühmtesten und am besten dokumentierten Frauen des deutschen Mittelalters an. Ich gebe zu, dass ich bis zur Lektüre dieses Romans noch nichts von Elisabeth von Thüringen gehört habe und nicht mal genau wusste wo Thüringen überhaupt liegt. Als Schweizer sei mir diese etwas peinliche Unkenntnis bitte verziehen. In diesem Buch habe ich mehrere höchst interessante und lesenswerte Handlungsstränge gefunden die sich mit dem Menschen hinter den zahlreichen Heiligenlegenden befassen. Doch was ist wahr an den Sagen rund um diese faszinierende Person? Aus Quellen und Vorlagen von Historikern zeichnet die Autorin ein Bild von Elisabeth das sie greifbar macht aber gleichzeitig auch eines das eine neurotische Persönlichkeit zwischen religiösem Wahn und christlicher Nächstenliebe zeigt. Vieles an ihrem Handeln bleibt für mich schwer verständlich und genau das ist es was diesen Historischen Roman auszeichnet: Eine beseelte Hauptfigur die an literarischer Tiefe und Komplexität kaum zu überbieten ist und an der ich mich gerieben habe und die mich in höchstem Masse zerrissen zurücklässt. Eine bewegender und aufwühlender Mensch diese Elisabeth von Thüringen!


    Um das kurze Leben Elisabeths mit all dem Leid, den Schmerzen und der Unterwerfung zu schildern bedient sich die Autorin zweier fiktiver Personen im Umfeld der Hauptfigur. Jungfer Gisa von Tenneberg lebt als Dienerin direkt bei Elisabeth und erlebt sie hautnah mit ihren Gedanken und ihren Taten sowie Mechtel mit ihrer Familie, wobei ihr Sohn Primus heraussticht, die für die arme und verelendete Unterschicht stehen und indirekt von allen Entscheidungen Elisabeths betroffen sind. Zusammen mit den historisch verbürgten Personen wie etwa die des Kreuzzugspredigers und Inquisitors Konrad von Marburg oder Heinrich Raspe entsteht ein aufregendes, ja geradezu lebendiges Mengengemisch das die Aufmerksamkeit des Lesers/Leserin jederzeit fordert und zu einem kurzweiligen und lehrreichen Lesevergnügen macht.


    Sabine Weigands Beruf, nebst dem Schreiben, ist Historikerin und dies ist in ihren Romanen stets deutlich bemerkbar. In den Geschichten findet sich eine Fülle an Fakten und Informationen rund um die Zeit des Wechsel vom 12. zum 13. Jahrhundert. Sie schreibt so, dass es schlicht nicht möglich ist schnell zu lesen und sie verbindet dokumentarische Sachlichkeit mit poetischer Fiktion und spricht so ganz direkt gleichzeitig das Gehirn und das Gemüt des Lesers/Leserin an. Durch das gedrosselte Lesetempo bleiben viele Details hängen so das die Geschehnisse von Anno dazumals zu neuem Leben erweckt werden. Zwischen den Zeilen dieses Buches atmet die Vergangenheit und die historische Geschichte wird lebendiger vermittelt als es ein Geschichtsunterricht in der Schule jemals könnte. Für mich gehört Sabine Weigand derzeit definitiv zu den besten Schriftsteller/innen im Genre der Historischen Romane.


    Regentin, Rebellin, Heilige: Wer war Elisabeth von Thüringen wirklich? Mit dieser Fragestellung habe ich mich über die gesamten 600 Seiten intensiv beschäftigt und obwohl ich in den zahlreichen Lesestunden viel erfahren habe, ist die Antwort nur sehr schwer in Worte zu fassen. Ich glaube, in dieser Sache müssen sich alle Leser/-innen ihre eigenen Gedanken machen und jede(r) wird für sich seine eigene Antwort finden. Das ist durchaus gewollt und auch gut so. Von mir gibt es seit langem wieder mal 10 Eulenpunkte und jeden einzelne Punkt ist verdient!

  • Elisabeth von Thüringen – eine mystische Figur, die mich bereits in der Schulzeit faszinierte. Vor allem die Rosenlegende, die ich im Religionsunterricht gehört hatte, hatte mich tief beeindruckt. Umso neugieriger war ich auf Sabine Weigands neuestem Buch, in dem sie den Leser am Leben Elisabeths von Kindesbeinen an teilhaben lässt.


    Die verschiedenen Erzählperspektiven lassen den Leser die Entwicklung Elisabeths aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben und gleichzeitig begreifen, wie es zum Mythos Elisabeth von Thüringen kommen konnte:


    Gisa wächst zusammen mit Elisabeth am Hofe des Landgrafen von Thüringen auf und begleitet sie als Vertraute durch alle Lebenslagen. Durch Gisas Nähe zu Elisabeth erfährt der Leser, wie die spätere Heilige aufwächst, denkt, fühlt und liebt.


    Zusammen mit Primus, einem einfachen Jungen aus ärmsten Verhältnissen, beobachtet der Leser Elisabeths Handeln aus der Distanz und aus der Sicht der Unterschichten.


    Die unterschiedlichen Perspektiven lassen nicht nur Elisabeths Bild vollständig werden, sondern zeigen auch ohne unnötigen Firlefanz oder Beschönigungen die damaligen Lebenssituationen und vor allem die Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten auf. Gerade auch durch Sabine Weigands ruhige, unverschnörkelte Erzählweise entsteht so eine sehr intensive Darstellung des Mittelalters, die den Leser auf eine spannende und eindrucksvolle Zeitreise mitnimmt. Ihre aussergewöhnlich fundierte Recherchearbeit, die mich bereits in ihren früheren Werken so beeindruckte, rundet dieses ganz besondere Leseerlebnis ab.


    Wie bereits eingangs erwähnt, war mein eigenes Elisabeth-Bild recht verklärt durch die Erzählungen aus dem Religionsunterricht. Sabine Weigands Zeichnung dieser doch recht speziellen – aus unserer heutigen Sicht auch in vielerlei Hinsicht sonderbaren – Person, hat meine Denkweise in Sachen „Heilige“ jedoch nachhaltig in Bewegung gebracht und dieses Buch wird mich auf jeden Fall auch nach dem Umblättern der letzten Seite nicht so schnell los lassen. Es ist also weit mehr als „nur“ ein historischer Roman und ich vergebe begeisterte 10 von 10 Eulenpunkten.