Sturmvogel: Die Rosenkriege 1 - Conn Iggulden

  • Zu dem Inhalt wurde bereits alles Wichtige geschrieben, weshalb ich mich auf meinen Leseeindruck beschränke:
    Ich habe mich jetzt einige Tage vor der abschließenden Rezension gedrückt, weil ich einfach nicht so recht weiß, was ich schreiben soll. Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf das Buch gefreut, weil ich als Historikerin eigentlich immer für Geschichte zu haben bin und die Rosenkriege eine spannende Materie ist. Die Gestaltung des Covers, der Stammbaum, die Landkarte und die Personenübersicht waren nicht nur schön gestaltet, sondern auch äußerst hilfreich. Und doch war ich schnell enttäuscht von dem Buch. Leider hat der Autor es nicht geschafft mich mitzureißen. Die meisten Personen blieben eher blass; einzig mit Margaret konnte ich hin und wieder mitfiebern. So hat es der fiktionale Anteil des Buches nicht geschafft mich mitzureißen. Leider war der historische Hintergrund streckenweise zu weit von der historischen Wirklichkeit entfernt, sodass das Buch für mich dort auch nicht punkten konnte. Es bleibt leider eine schwache Bewertung von mir:


    2 von 10 Punkten, die ich für die Ausstattung und die liebe Margaret vergebe. Wäre es keine Leserunde gewesen, hätte ich dieses Buch warscheinlich abgebrochen.

  • England im Jahr 1437: König Henry VI., gerade mal 16 Jahre alt, sitzt schon seit 8 Jahren auf dem Thron. Körperlich und geistig krank ist er oft nicht fähig, Entscheidungen für sein Land zu treffen. Die innere und äußere Sicherheit Englands sind gefährdet. Henrys Heirat mit der französischen Adeligen Margaret von Anjou soll den Frieden gewährleisten und die Macht Englands stärken. Aber das Bündnis ist nicht perfekt, sondern weist einige schwerwiegende Lücken und Fehleinschätzungen auf. Es kommt zu Aufständen, und die Situation eskaliert, sowohl in Frankreich als auch in England. Auch gibt es einen Widersacher, der ein Auge auf Henrys Thron geworfen hat und der alles dafür tut, die Macht an sich zu reißen: Richard, der Duke of York.


    Der Roman beginnt 1443 und schildert die historischen Ereignisse über einen Zeitraum von ca. 8 Jahren. Die Situation um den englischen Königsthron und die Ereignisse kann man als Vorbereitung und Beginn der Rosenkriege betrachten.
    Es gibt mehrere Handlungsstränge, die zum Teil in Frankreich, teilweise aber auch in England beginnen und sich im Lauf der Handlung aufeinander zu bewegen bzw. miteinander verkettet sind. Conn Iggulden schreibt ausführlich, detailreich und zugleich eingängig, so dass man das Buch, mit seinen über 600 Seiten, leicht und schnell lesen kann. Wie er seine Charaktere beschreibt, gefällt mir sehr gut; er verleiht den verschiedenen Personen ein Gesicht. Die meisten waren reale historische Persönlichkeiten, aber es gibt auch einige fiktive Charaktere, allen voran Henrys Meisterdetektiv, den sympathischen Derry Brewer, der dem Roman zufolge maßgeblich an der arrangierten Heirat zwischen dem König und Margaret de Anjou beteiligt war.
    So ein historischer Wälzer bringt immer viele Namen und Figuren mit sich, so dass ich das Personenregister, welches am Ende des Buches eingefügt ist, sehr hilfreich fand. Die Stammbäume der Adelshäuser, die in die Rosenkriege verwickelt waren und reichlich Kartenmaterial lassen die Zusammenhänge noch deutlicher erkennbar werden. Insgesamt ist das Buch sehr schön aufgemacht und großzügig mit Zusatzmaterial ausgestattet.
    Vermisst habe ich die genaueren Angaben und Jahreszahlen bei den einzelnen Kapiteln. Zwischen den Abschnitten gibt es oft längere Zeitsprünge, und es ist nicht immer gut erkennbar, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Eigentlich mag ich es ja gerne, neben einem Roman noch in anderen Quellen nach weiteren Informationen zu suchen und mein Bild von den genauen Hergängen damit abzurunden oder zu ergänzen, aber in diesem Fall bremst es den Lesefluss doch recht spürbar.
    Mich fasziniert dieser Zeitabschnitt englischer Geschichte ungemein, aber der Autor hat hier für seine Geschichte einige Details und Charaktere so abgeändert, dass es für mich eher irritierend war und ich keinen wirklichen Sinn dahinter erkennen konnte. Auch muss ich gestehen, dass Conn Iggulden gerade die blutigen Schlachten in aller Ausführlichkeit darstellt. So manches Gemetzel ist über viele Seiten sehr detailverliebt ausgeschmückt, wobei die „friedlichen“ Szenen gerne in den Hintergrund rücken oder zum Teil nur kurz angerissen werden.
    Im Nachhinein fällt mir ein Vergleich ein, der meines Erachtens gut auf diesen Roman passt: Er ist wie eine farbenprächtige, üppig ausgeschmückte Patchworkdecke, auf der viele verschiedene Szenen vereinigt wurden, welche alle zusammen gehören und durch Nähte miteinander verbunden sind. Aber die Decke hat auch eine Vielzahl großer,blutiger Flecken, die das Muster stellenweise verdecken.


    Mein Fazit: Ein großartig geschriebener, sehr vielschichtiger Roman, der dem Leser die historischen Figuren und Situationen gut nahe bringt, wobei für meinen Geschmack die Kämpfe und Schlachten einen allzu großen Raum einnehmen.


    Von mir bekommt der Roman 7 von 10 Eulenpunkten.

  • Inhaltlich werde ich mich an dieser Stelle sehr kurz halten, weil meine Vorredner/innen hierzu ja schon einiges geschrieben haben. Es geht um die Ereignisse, die sich in England während der "Rosenkriege" abgespielt haben, vornehmlich befasst sich "Sturmvogel: Die Rosenrkriege 1" von Conn Iggulden mit Margaret und König Henry von England, deren Position als Herrscher durch die gesundheitliche Angeschlagenheit des Königs in Frage gestellt wird.



    Meine Meinung


    Was historische Genauigkeit angeht, kann ich kein Urteil fällen, da ich mich in dieser Epoche zu wenig auskenne. Für mich hat "Sturmvogel: Die Rosenkriege 1" einen ersten Einblick in die Rosenkriege dargestellt und die Geschichte rund um Margaret und Henry fand ich interessant.


    Die Sprache ist an manchen Stellen ein wenig zu modern, wenn ich das mal so sagen darf. Das hat für mich ein wenig das Bild der historischen Erzählung gestört.


    Für die stattliche Seitenanzahl hat sich der Roman für mich auch relativ leicht gelesen.


    Mir hat das Buch so eigentlich ganz gut gefallen, auch wenn der Fokus mir ein wenig zu sehr auf Schlachten und Kampfbeschreibungen gelegt wurde.


    Fünf von 10 möglichen Punkten für das Buch von mir.

    "Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

    Franz Kafka, Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904






    :lesend

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  • Ich habe Sturmvogel - Die Rosenkriege 1 von Conn Iggulden im Rahmen der LR gelesen. Vielen Dank an den Verlag für das Exemplar und an Wolke!


    Über den Inhalt des Buches ist schon viel geschrieben worden, deshalb verzichte ich hier darauf.


    Die Ausstattung des Romans ist sehr gut! Die Karten und die Stammbäume haben mir sehr geholfen.
    Der Roman handelt von den Anfängen der Rosenkriege und erzählt eine spannende Geschichte. Durch verschiedene Handlungsstränge (in England und auch in Frankreich) wird einem die Handlung gut nahegebracht und die Spannung geschürt. Margaret wird als sehr starker Charakter dargestellt, was bei ihrem Ehemann Henry, der kränkelt, sehr wichtig ist. Aber auch die Nebencharaktere haben mir sehr gut gefallen. Und Richard von York wird hier nicht so negativ dargestellt, wie in anderen Büchern.
    Die Sprache war mir teilweise zu modern - und nicht wirklich alles muß übersetzt werden, einige Eigennamen sollten doch bleiben.


    Alles in allem ein guter Auftakt zu einer neuen Reihe um die Rosenkriege - ich bin schon neugierig auf den 2.Teil.


    Für mich 7 von 10 Eulenpunkten.

  • Conn Iggulden nähert sich in diesem Auftakt zur Trilogie um Englands Rosenkriege einem komplizierten Thema. In sachlicher Tonlage sondiert er die Motivation einzelner Personen, um geschichtliche Ereignisse mit ihrem Ursprung zu erläutern. Er fokussiert damit nicht nur das Königspaar und das Haus Platagenet, sondern auch andere Nachfahren von Edward III., die einen plausiblen Grund für die Absetzung des Königs haben. Weiterhin gibt er den Beratern wie William de la Pole und dem Duke of Suffolk eine eigene Stimme, sodass manche Ereignisse authentisch beschrieben werden können. Eventuelle Lücken in der Berichterstattung werden durch die fiktive Figur von Derry Brewer gefüllt. Der Autor erklärt in seinem Nachwort, warum er jemanden wie Brewer erfunden hat, obwohl er in keiner historischen Quelle mehr auftaucht.


    Der Roman rollt die Historie auf und schildert eine wahrhaft chaotische Zeit. Die Aufstände im Volk im eigenen Land und in Frankreich werden durch glaubhaft gewählte Charaktere besetzt. Der Erzählstil ist gerade bei den Kampfszenen recht trocken. Das erleichtert es dem Leser allerdings, mit niemandem mitzufiebern, um womöglich von der realen Geschichte enttäuscht zu sein. Hilfreich sind dabei auch die am Beginn abgedruckten Stammbäume der unterschiedlichen Häuser und Landkarten der seinerzeit verlaufenden Grenzen. Der Historiker hält sich ziemlich eng an die zeitgenössischen Dokumentationen. Nur wenige Aktionen beugte er zugunsten des Erzählflusses. Manche sind aber gerade so bekannt, dass sie anders erzählt störend wirken. Hervorzuheben ist dabei aber die plausible Erklärung des Autors und die Möglichkeit, vergangene Geschichte auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können. Das wirkte zumindest auf mich so überzeugend, dass ich die Folgetitel sicher noch lesen werde. (7 von 10 Punkten)

  • Diesen ersten Teil der zu erwartenden Trilogie würde ich als eine Art Vorspiel zu den eigentlichen Rosenkriegen bezeichnen.
    Sozusagen ein Kennenlernen aller wichtige Protagonisten. Ebenso die Stimmung in England zu der Zeit, die letztlich zum "Bruderkrieg" führte.


    Besonders gefiel mir persönlich, daß das Augenmerk nicht rein auf die "Königsebene", wie Margarethe von Anjou, Heinrich VI und die Yorks gelegt wird, sondern auch sogenannte "einfache" Bürger zu Wort kommen.


    Besonders ein Siedler, der sich in dem bereits eroberten Teil von Frankreich niedergelassen hatte und nun von der "Rückführung" in die französichen Gebiete betroffen ist und so heimatlos wird, gefiel mir besonders.
    Schon, daß das Augenmerk eben auch auf Menschen gelegt wird, die sich auf die Könige verließen und dann letztlich schmählich von ihnen im Stich gelassen wurden aus reinem Machtkalkül und politschen Überlegungen, empfand ich einen interessanten Punkt.


    Nicht, daß das in andern Zeiten anders gewesen wäre oder ist, aber die Darstellung dessen, ist eher seltner.


    Von der Figurenzeichnung her, hat Conn Iggulden meiner Meinung nach seine Sache sehr gut gemacht und sie nachvollziehbar beschrieben.
    Lediglich mit Maragrethe von Anjou hatte ich leichte Probleme, was aber wohl eher daher kommt, daß ich sie bisher in den meisten Büchern über diese Zeit anders dargestellt gesehen habe.


    Von der Thematik her gefällt es mir sehr gut, da mich dieses Thema schon immer fasziniert hat.
    Auch die Aufteilung hat den Vorteil, daß es ausführlicher und mehr im Detail beschrieben werden kann.
    Da ich davon nicht genug bekommen kann, ist das für mich natürlich perfekt :grin


    Einziger Nachteil daran, das unterbrechen sozusagen im spannendsten und das lange warten müssen, bis ich endlich weiterlesen kann.
    Da fände ich es jetzt schöner, alle 3 Bände hintereinander weg lesen zu können.

    Fazit
    Ein guter Einstieg in die zu erwartende Trilogie, die die Zeit bekleuchtet, die letztlich zu den Rosenkriegen führte.
    Interessante und vor allem sehr verschiedenen Protagonisten machen das Buch für mich sehr spannend und auch abwechslungsreich.

  • England und Frankreich, 15. Jahrhundert. Henry VI. ist ein schwacher König, dem das englische Reich zu entgleiten droht. Eine Heirat mit der jungen französischen Adligen Margaret von Anjou soll einen Waffenstillstand bringen und dafür sorgen, dass der schwelende Konflikt mit Frankreich nicht weiter aufflammt.


    Englische Geschichte finde ich zurzeit wieder einmal sehr spannend und dementsprechend gespannt war ich auf dieses Buch über die Zeit der sogenannten Rosenkriege. Über diese ist schon viel geschrieben worden, aber dem Autor gelingt ein neuer Blickwinkel, indem er die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt und eine fiktive Figur mit in die Handlung einbringt. Derry Brewer ist Spion des Königs und organisiert gemeinsam mit William de la Pole, dem Duke of Suffolk die Hochzeit und einiges mehr. Im Nachwort erklärt der Autor schlüssig, warum er diese Figur eingeführt hat. Nachteilig an dieser Art, eine Geschichte zu erzählen, ist für mich, dass der Blickwinkel wirklich oft wechselt und man nicht so richtig mit einem Charakter mitfiebert, aber es ist dadurch eben auch abwechslungsreich und vielseitig.


    Merken kann ich mir diese ganzen komplizierten Familien, Querelen und Bündnisse auf Dauer zwar nicht, aber zumindest während der Lektüre hatte ich zeitweise wirklich das Gefühl, die Hintergründe einmal verstanden zu haben. Ich hoffe, es bleibt doch noch etwas davon hängen, denn so wie es am Ende aussieht, gibt es eine Fortsetzung, auf die ich doch gespannt bin.

  • Trotz der stellenweise holprigen Übersetzung, die Londoner Brücke liest sich einfach grauenhaft :yikes und auch bei John von Gaunt bin ich jedes Mal leicht zusammengezuckt, lässt sich das Buch gut lesen. Gefesselt haben mich vor allen die Abschnitte um die "kleinen Leute", die häufig wechselnden Blickwinkel haben bei mir die spannung beim Lesen noch erhöht.


    Ganz großes Manko sind allerdings die fehlenden Jahreszahlen, so dass man beim Lesen das Gefühl hat, es passiert alles direkt hintereinander weg, obwohl zwischen den einzelnen historischen Ereignissen mehrere Jahre liegen und natürlich die historischen Ungenauigkeiten, auch wenn sie im Nachwort erläutert werden.

  • Diese Rezi fällt mir ehrlich gesagt sehr schwer.
    Ich fand die Aufmachung des Buches eigentlich recht schön mit den Karten und auch das Thema hat mich sehr angesprochen. Allerdings blieben für mich fast alle Personen sehr blass, das Buch hat mich nicht wirklich mitgerissen und dadurch habe ich viele Pausen gemacht und das Buch auch bis heute nicht ganz zu Ende gelesen.. Ich war wirklich zu enttäuscht von dem Buch. Ich kenne mich zwar nicht ganz genau in der Englischen Geschichte aus, aber ich habe den "Historikern" unter uns in der LR geglaubt und anscheinend stimmt Vieles nicht, was das Buch nicht besser macht...
    Gestört hat mich auch, dass während des ganzen Romanes auf Jahreszahlen verzichtet wird und der Leser so die historischen Ereignisse nicht wirklich einordnen kann. Das geht doch besser!?


    Margaret ist der einzige wirklich Lichtblick in dem sehr detailreichen Buch und daher habe ich beschlossen, das Buch doch noch bald zu Ende zu lesen.
    Vielleicht wird ja Band 2 besser? Ich muss mir überlegen, ob ich diese lesen will...


    Von mir gibt es 6 von 10 Punkten.

  • Ich habe das eBook gelesen und daher wenig Spass an den Ahnentafeln, die am Anfang mit beigesteuert wurden. diese waren einfach zu klein formatiert, als dass man sie hätte lesen können.
    Was ich auch schade fand, dass das eBook so gut wie gar nicht formatiert war und der Wechsel von Handlungsorten mitten im Textfluss stattfand. Eine deutlichere Absatzgebung hätte hier gut getan.


    Zum Inhalt kann ich nur sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat, die handelnden Personen waren tollbeschrieben und man konnte gut mitfühlen.
    Den Schreibstil fand ich sehr flüssig zu lesen und besnders Margaret hat es mir angetan, die macht in ihren jungen Jahren ja schon einiges mit.


    Was mir ein wenig gefehlt hat, waren Jahreszahlen in den Kapitelüberschriften, so hatte ich kein Gefühl dafür in welchem Jahr und zu welcher Jahreszeit wir uns gerade bewegten.


    Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich werde mir die Nachfolger sicherlich auch anschaffen.


    7 von 10 Punkte

  • Habe das Buch als WB lesen dürfen und bin ganz froh, es nicht gekauft zu haben. Irgendwie habe ich einfach was anderes erwartet. Denn Fokus mehr auf Henry und Margarethe oder auf York. So aber wechselte man ständig die Perspektive und es war fast, als lese man zwei bis drei verschiedene Bücher.


    Auch fand ich etwas schade, dass es keine zeitlichen Angaben gibt, es liest sich, als würde alles in einem Jahr oder weniger spielen, aber in Wirklichkeit lagen Jahre dazwischen.


    Ich werde den Folgeband wohl nicht mehr lesen, dafür hat es mich einfach nicht genug gepackt und ich bin froh, dass ich es jetzt zur Seite legen kann.


    Wobei eine Frage habe ich noch, was genau hatte Henry VI. denn? Ich wollte das mal nachlesen, aber z.B. bei Wiki habe ich nichts weiter darüber erfahren.


    Jedenfalls 5 Punkte von mir.

  • Zitat

    Original von Cathrine
    Wobei eine Frage habe ich noch, was genau hatte Henry VI. denn? Ich wollte das mal nachlesen, aber z.B. bei Wiki habe ich nichts weiter darüber erfahren.


    Heute vermutet man eine Art Geisteskrankheit oder psychisch starke Störung. Genau kann man es wohl nicht sagen, zumindest ist eine Diagnose schwer ohne ihn vor der Nase zu haben. :grin


    Eer war überhaupt nicht für das Amt geeignet - der Nachteil bei einer Erbfolge von Papa zu Sohn.
    Daher war Marguerite ja auch so wchtig, da sie die wesentlich geeignter war. (Wie eh meist die Fauen :chen )

  • Hat jemand von Euch die englische Originalausgabe gelesen und kann dazu seine Meinung sagen?
    Mein Sohn hat die deutsche Ausgabe gelesen und fand das Buch zwar unterhaltsam, aber für seinen Geschmack historisch viel zu ungenau (er ist bekennender Korinthenkacker). Außerdem hat er sich sehr über die Eindeutschung von Personen- und Ortsnamen aufgeregt. Zumindest dieses Problem hätte ich mit meiner englischen Ausgabe ja nicht... :gruebel

  • Zitat

    Original von Johanna


    Heute vermutet man eine Art Geisteskrankheit oder psychisch starke Störung. Genau kann man es wohl nicht sagen, zumindest ist eine Diagnose schwer ohne ihn vor der Nase zu haben. :grin


    Eer war überhaupt nicht für das Amt geeignet - der Nachteil bei einer Erbfolge von Papa zu Sohn.
    Daher war Marguerite ja auch so wchtig, da sie die wesentlich geeignter war. (Wie eh meist die Fauen :chen )


    Zitat

    Original von Jenks
    Ich vermute auch mal, dass er mindestens an starken Depressionen litt. Sowas war ja früher nicht bekannt. Oder allenfalls nannte man es "Schwermut". :rolleyes


    Es spricht sehr viel dafür, dass Henry VI. erblich vorbelastet war (das wird auch von den meisten Historikern/innen angenommen), und deswegen hat mich im Nachwort des Romans auch ziemlich genervt, dass der Autor über den "Schwachsinn" von Henry VI. herzieht (als ob das seine Schuld war) und doch mehrmals betont, dass Henry V., sein Vater, einen solchen Sohn wirklich nicht verdient hätte. Nun, vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Heinrich V. nicht Catherine von Frankreich geheiratet hätte. Schon die Schlacht von Azincourt im Jahr 1415 soll ihr Vater, König Charles VI., nicht mehr mitbekommen haben, und das war bereits einige Jahre vor dieser Hochzeit.


    Fakt ist, dass die Krankheitsymptome, die Heinrich VI. nachgesagt werden, auch für seinen Großvater müttlicherseits, den französischen König Charles VI., nachgesagt werden, wobei sie sich bei diesem letztlich wesentlich schlimmer ausgewirkt haben dürften (Phasen von Handungsunfähigkeit, Verfolgungswahn, Unansprechbarkeit und Ähnliches, die zunächst noch mit Phasen der Normalität wechselten, die allmählich immer seltener wurden.) Die Ursache für den Wahnsinn Charles VI. ist nicht eindeutig geklärt.


    Zufall? Offensichtlich war Henry VI. erblich belastet, doch hatte ich im Buch den Eindruck, dass der Autor da doch gegenüber den historischen belegten Fakten ziemlich übertrieben hat. (Wie auch bei manch anderen Details, so z. B. seine Beschreibung der Armut am Hof Renés von Anjou oder der Schikanen, mit denen die arme Margaret von ihren Brüdern fertig gemacht wird.)


    Ob Henry VI. überhaupt nicht für das Amt geeignet war, finde ich, ist übrigens auch nicht so eindeutig zu beantworten.


    Das Erbe, das er von seinem Vater übernahm, war ein äußerst Schwieriges. Sein Großvater und sein Vater waren als englische Könige keineswegs unangefochten. Der Krieg mit dem Königreich Frankreich, dessen Krone sein Vater beanspruchte, war keineswegs erfolgreich beendet, als dieser starb, und hinzu kam noch mit dem Königreich Schottland ein feindlicher Nachbar und auch die Herrschaft in Irland hatte immer wieder Aufstände zur Folge. Dass sein Vater bald nach seiner Geburt starb, war ein weiterer Nachteil, denn es bedeutete, eine lange Vormundschaftsregierung, bei der die Vormündern durchaus ihre eigenen Interessen verfolgten.


    Die Herrschaft von Henry VI. fiel in von Beginn an eine politisch sehr schwierige Zeit. Henry VI. gründete z. B. das "King's College" der Universität in Cambridge und das "King’s College of our Lady of Eton". Neben der Religion galt sein Interesse den Büchern und der Bildung. Während einer politisch ruhigeren Herrschaftsphase wäre er (unterstützt von guten Ratgebern) wahrscheinlich ein passabler Herrscher und ein erfolgreicher Mäzen geworden.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)

  • Zitat

    Original von Teresa



    Zufall? Offensichtlich war Henry VI. erblich belastet, doch hatte ich im Buch den Eindruck, dass der Autor da doch gegenüber den historischen belegten Fakten ziemlich übertrieben hat. (Wie auch bei manch anderen Details, so z. B. seine Beschreibung der Armut am Hof Renés von Anjou oder der Schikanen, mit denen die arme Margaret von ihren Brüdern fertig gemacht wird.)


    Ich finde Rebecca Gablé geht mit diesem Thema in ihrer Waringham Saga viel besser um, irgendwie sensibler und meiner Meinung auch glaubhafter.

  • Allerdings hat Conn Iggulden einige Qualitäten, die bei Rebecca Gablé eben nicht gegeben sind.


    Geschichtliche Fakten werden bei ihm etwas ambivalenter vermittelt. Er dürfte eindeutig etwas mehr historisches Know-How als sie haben. So geht es bei ihm z. B. nicht ausschließlich um die Belange des Adels oder der Sieger, sondern es wird auch aus der Sicht von Figuren aus der Unterschicht erzählt. Die Figuren, aus deren Sicht erzählt wird, sind zudem entweder die Verlierer/innen oder sie stehen eindeutig auf der Verliererseite.


    Letztlich können mich beide Romanschriftsteller/innen als Geschichtsvermittler/innen nicht wirklich überzeugen, ich vermisse bei beiden in ihren Romanen den Einbezug von geschichtlichen Zusammenhängen und die Gestaltung von tatsächlichen geschichtlichen Entwicklungen, letztlich reduziert sich das Geschichtliche doch wieder auf das reine Machtgerangel von zwei Parteien, wofür ein geschichtlicher Stoff halt nicht nötig ist.


    Für Rebecca Gablé sind die gut, die gesiegt haben, die Ambivalenz von geschichtlichen Entwicklungen wird von ihr völlig ignoriert. Die von Siegern/innen geschriebene Geschichtssicht wird kritiklos bejaht. (Ihre Bücher sind zudem eher Märchen, ihr Mittelalter ist vermutlich dem Wilden Westen eines Karl Mays vergleichbar, der sozusagen den eskapistischen Ausflugsort für die Leser/innen bietet.)


    Conn Iggulden gelingt trotz gewisser Recherche ebenfalls kein wirklich überzeugender Zugang zum Mittelalter. Offensichtlich kann er sich nicht in diese Zeit versetzen. Daher ist vieles bei ihm heutiges Klischee und überzeichnet. Zudem reduziert er Geschichte ebenfalls wie auch Gablé auf das Wirken von Einzelfiguren.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)

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