H. Dieter Neumann - Die Tote von Kalkgrund

  • Inhalt
    Während einer Seebestattung wird die Leiche einer jungen Frau auf offener See gefunden. Der Täter ist schnell klar und auch das Motiv. Das meint zumindest Edgar Schimmel. Seine neue Kollegin Helene Christ sieht das anders. Sie weitet die Ermittlungen aus und bleibt hartnäckig bei der Meinung, dass die Lösung des Falls nicht so einfach ist, wie ihr Kollege meint.


    Meine Meinung
    Mit diesem Krimi hat Dieter Neumann genau meinen Geschmack getroffen. Mit einer richtig dosierten Prise norddeutschem Humor erzählt er eine spannende Geschichte mit ernstem Hintergrund. Die Figuren sind sympathisch und lebendig und man möchte sie gar nicht los lassen. Gut ist, dass bereits im Sommer der 2. Fall mit Helene Christ erscheint. Ich freu mich drauf.

  • Zitat

    Original von Dieter Neumann


    Auch ´ne gute Idee. Eigentlich aber Straßenlaternenmischung. Wegen des vermutlichen Ortes der Zeugung - und ohne wirkliche Kenntnis der daran Beteiligten ...


    :rofl

  • Zitat

    Original von Dieter Neumann


    Auch ´ne gute Idee. Eigentlich aber Straßenlaternenmischung. Wegen des vermutlichen Ortes der Zeugung - und ohne wirkliche Kenntnis der daran Beteiligten ...


    Ich hatte noch überlegt das auch zu fragen, aber hatte dann schon sowas vermutet. :lache


    Für mich war es das erste Buch von Dieter Neumann und ich muss sagen, das war ein wirklich unterhaltsamer Einstieg. Die Geschichte um den Pechvogel Simon Simonsen, dessen Noch-Ehefrau ermordet aufgefunden wird, ist für mich eine gelungene Mischung aus leichtem Krimi mit einer guten Prise Humor ohne dabei allerdings zu oberflächlich mit anderen anklingenden Themen wie Menschenhandel umzugehen oder durch diese den ja doch eher kurzen Handlungsbogen zu überfrachten oder ersticken.


    Die sympathische Ermittlerin Helene Christ und deren bärbeißiger Kollege Schimmel haben hier ihren ersten Auftritt. Und während für Schimmel Simonsen praktisch schon als Schuldiger feststeht, zweifelt die junge Kollegin an dieser Theorie, überprüft weitere Fakten und bleibt hartnäckig am Ball. Gut für Simon, wie sich herausstellt, denn bald gibt es Widersprüche in den Ermittlungen zu den Aussagen des Hauptbelastungszeugen. Und dann ist ja da noch die höchst unprofessionelle Zuneigung, die Helene für Simon empfindet.
    Die romantische Nebenhandlung bleibt dankenswerterweise im Rahmen und nimmt nicht zuviel Raum ein. So bleibt sie für mich glaubhaft und angenehm.


    Sprachlich fand ich den Roman sehr ansprechend, sowohl was den Schreibstil angeht, der sich wunderbar flüssig liest, als auch was den Humor angeht, der manchmal subtil und trocken und dann wieder laut kollernd und spritzig daherkommt.


    Wer auf der Suche nach einem Krimi ist, der seine Leser nicht mit zuviel Psycho-Gepäck oder Grausamkeit belastet, ihm aber auch nicht die heile Welt vorgaukelt, vielleicht wirklich am ehesten Vergleichbar mit dem Stil früherer Tatorte, kann es sich hier mit einem Grog und einer warmen Decke in seiner Koje gemütlich machen und die Ermittlungen gespannt und schmunzelnd verfolgen.


    Fazit: Frau Sörensen würde „Gefällt mir“ klicken (und wer könnte ihr da widersprechen? :zwinker)
    8 Eulenpunkte für ein Buch, das mehr hält als man sich im ersten Moment vielleicht davon verspricht.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Mir hat der Krimi von Dieter Neumann gut gefallen, vorallem, weil er sich von anderen ein bisschen abhebt.
    Ich versuche zu beschreiben wie ich das meine: Das Thema um das es hier geht ist und war immer aktuell und lässt einen doch schwer schlucken. Vorallem weil man weiß, dass es leider immer aktuell sein wird. Aber, Dieter Neumann hat es so gekonnt in seinen Krimi eingearbeitet, ohne detaillierte Beschreibungen, dass man sich durchaus die Szenen vorstellen konnte. Aber sie hinterließen kein schweres Gefühl bei mir im Bauch, bescherten keine Alpträume oder ließen das Kopfkino Amok laufen. Sie waren da, aber gut dosiert. Kopfkinobider waren präsent, aber nicht übermächtig. Das war für mich ein unglaublich wichtiger Punkt, da ich um Bücher mit dieser Thematik ( oder ähnlicher ) normalerweise einen großen Bogen mache.
    Die Handlung an sich wurde spannend erzählt und am Ende wurde der Fall schlüssig, und für mich dann doch überraschend, gelöst. Die Figuren fand ich sehr lebendig und vor allem sehr real. Kein Superheld der die Welt rettet, kein Superbulle der im Alleingang alle Bösewichte erledigt, und kein problembelasteter depressiver abgehalfterer Cop der im eigenen Elend versinkt. Da waren Menschen wie Du und ich. Mit alltäglichen Sorgen und Problemen, mit Eigenheiten wie man sie bei Menschen eben kennt. Und das hat mir sehr gut gefallen.
    Was noch erwähnenswert ist, der Autor schafft es tatsächlich, dem Buch eine gewisse "Leichtigkeit" zu verschaffen, trotz des ernsten Thema. Hier wurde gekonnt an richtiger Stelle Humor eingesetzt um dem Buch die Schwere etwas zu nehmen. So wurde es zumindest von mir empfunden.
    Auch von der Atmosphäre her hats für mich gepasst, ich konnte quasi das Meer riechen und mir alles gut bildlich vorstellen. Wer schon mal im Norden war, Land und Leute kennengelernt hat, wir wissen was ich meine, denn das findet man hier wieder.
    Fazit zum Schluss: Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und freue mich auf den nächsten Fall von Helene und Edgar.

  • Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen.


    Mit diesem Buch ist Dieter Neumann ein Regionalkrimi gelungen, der mich wirklich begeistern konnte. Im Gegensatz zur Masse der Regionalkrimis, die man durch Austausch von Straßennamen und Sehenswürdigkeiten einfach in eine andere Region verpflanzen könnte, schafft er es, Land und Leute vor meinen Augen lebendig und einzigartig werden zu lassen.


    Die Charaktere sind interessant aufgebaut, haben Fehler und Stärken, nachvollziehbare Probleme, sind mal mehr, mal weniger liebenswert - kurz, es sind normale Menschen, mit denen man mitfühlen kann. Auch die Nebencharaktere kommen dabei nicht zu kurz.


    Besonders gelungen finde ich den Mix zwischen dem sehr ernsten Thema und humoristischen Elementen. Auch wenn mir der Kriminalfall sehr nah ging, gab es doch auch Stellen, wo ich laut aufgelacht habe.


    Ich freue mich auf den nächsten Band und werde die nächste Flasche meines Lieblingsbiers stilecht auf Helene und Simon, Edgar und Frau Sörensen trinken. Und auf Dieter. Auch von mir 8 Eulenpunkte.

  • Die Tote von Kalkgrund – H. Dieter Neumann


    Kurzbeschreibung:
    (Quelle: Amazon)
    Firma weg, Frau weg, Boot weg Simon Simonsen hat in kürzester Zeit alles verloren, was ihm etwas bedeutet hat. Es begann mit dem Verkauf seiner Hoch-und-Tiefbau-Firma an einen Geschäftsmann, der sich als Zugabe Simons Frau Lisa angelte. Als er sich nun auch von seinem geliebten Segelschiff Seeschwalbe trennen muss, trösten Simon nur noch sein Flachmann und Frau Sörensen, die segelohrige Hundedame. In einem dieser wenig ruhmreichen Momente schlägt die Polizei bei ihm auf: Die Kriminalkommissare Helene Christ und Edgar Schimmel überbringen die Nachricht, dass vor Kalkgrund eine Leiche gefunden wurde: die seiner Frau Lisa. Simon ist der Hauptverdächtige, da ein Zeuge Lisa am Tag ihres Todes auf der Seeschwalbe gesehen haben will. Während Edgar Schimmel den Fall schon als gelöst betrachtet, gräbt Helene Christ etwas tiefer und redet sich ein, dies nicht nur deswegen zu tun, weil sie sich zu Simon hingezogen fühlt ...


    Über H. Dieter Neumann:
    H. Dieter Neumann war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Nach seinem Ausscheiden leistete er als Oberstleutnant d. R. noch längere Zeit Wehrübungen in einem Einsatzverband ab. In seinem zivilen Berufsleben arbeitete der Diplom- Finanzökonom als Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte.
    Der Autor ist passionierter Segler und singt als Bass im Nordland-Kammerchor, einem renommierten Konzertchor im Norden. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Flensburg.
    Im August 2012 erschien sein erster Roman, der Politthriller "Die Narben der Hölle", der als Debütroman für den Friedrich-Glauser-Literaturpreis vorgeschlagen wurde. Michael Radtke vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag sagt zum Buch:
    "H. Dieter Neumanns 'Die Narben der Hölle' ist ein ungewöhnliches Buch. Und das gleich in dreifacher Hinsicht: als spannender Thriller, als politische Anklage und als psychologische Parabel. Je mehr man in das Buch einsteigt, desto mehr geht es unter die Haut."
    Auf der Leipziger Buchmesse 2013 präsentierte Neumann seinen zweiten literarischen Thriller "Das Erbe der Wölfin" im Rahmen einer Lesung im Forum. In seiner Rezension für literaturkritik.de schreibt Stefan Schweizer: "Es ist Neumanns Verdienst, dem politischen Thriller neue Perspektiven zu verleihen."
    Im März 2015 erschien im Grafit-Verlag Neumanns "Die Tote von Kalkgrund", ein Kriminalroman von der Flensburger Förde. Es ist der erste Band einer Reihe von Ostseekrimis mit der jungen Kommissarin Helene Christ. Der zweite Band erscheint bereits im Juli 2015.
    Jederzeit das Aktuellste erfährt man auf der Homepage des Autors: http://www.hdieterneumann.de


    Meine Meinung:


    Das war ein Krimi ganz nach meinem Geschmack und ich bin froh, über die Büchereulen an Dieter Neumann geraten zu sein.


    Die Mischung aus Kriminalfall, gesellschaftskritischem Thema, "Überraschungstäter", absolut realistisch erscheinenden Ermittlern und einer guten Prise Humor hat mir sehr, sehr gut gefallen.


    Das Ermittler-Duo ist mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen und ich freue mich, dass weitere Bücher folgen.


    Außerdem liest man die Liebe des Autors zu seiner Heimat auf jeder Seite heraus, was mir als Ostsee-Fan natürlich gut gefallen hat.


    Auch wenn das Buch nicht sehr lang ist, hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendetwas fehlt oder oberflächlich behandelt wurde.


    Für mich 9 von 10 Eulenpunkten.


    Ich durfte das Buch "Die Tote von Kalkgrund" im Rahmen der Leserunde bei den Büchereulen lesen. An dieser Stelle vielen lieben Dank an Dieter für die schöne Begleitung und natürlich auch an Wolke für die Organisation. Bei der Leserunde des nächsten Teils bin ich schon angemeldet. :)

    “Lesen ist das Trinken von Buchstaben mit den Augen.” H. Lahm


    :lesend Erik Axl Sund - Scherbenseele


    SuB 01.09.: 159
    SuB-Abbau-Wette: 5. Runde 3/5

  • Ein wunderschönes Buch, mit Spannung und ohne langeweile. Der flüßige Schreibstil macht es für den Leser leicht das Buch schnell zu Ende zu lesen.
    Ich freue mich, dass uns die Helden auch im nächsten Buch erhalten bleiben und kann es gar nicht abwarten, bis es weiter geht.

  • Inhalt:


    Firma weg, Frau weg, Boot weg Simon Simonsen hat in kürzester Zeit alles verloren, was ihm etwas bedeutet hat. Es begann mit dem Verkauf seiner Hoch-und-Tiefbau-Firma an einen Geschäftsmann, der sich als Zugabe Simons Frau Lisa angelte. Als er sich nun auch von seinem geliebten Segelschiff Seeschwalbe trennen muss, trösten Simon nur noch sein Flachmann und Frau Sörensen, die segelohrige Hundedame. In einem dieser wenig ruhmreichen Momente schlägt die Polizei bei ihm auf: Die Kriminalkommissare Helene Christ und Edgar Schimmel überbringen die Nachricht, dass vor Kalkgrund eine Leiche gefunden wurde die seiner Frau Lisa. Simon ist der Hauptverdächtige, da ein Zeuge Lisa am Tag ihres Todes auf der Seeschwalbe gesehen haben will. Während Edgar Schimmel den Fall schon als gelöst betrachtet, gräbt Helene Christ etwas tiefer und redet sich ein, dies nicht nur deswegen zu tun, weil sie sich zu Simon hingezogen fühlt ...


    Meine Meinung:


    Für mich ein absolut gelungener Regionalkrimi. Eine sehr gute Mischung aus einem Mordfall, einem gesellschaftskritischen Thema, dazu eine gesunde Prise norddeutschen Humors, sehr unterschiedlichen, aber interessanten und glaubwürdigen Charakteren mit Ecken und Kanten … das ganze in einer wunderschönen Gegend Deutschlands. Man kann aus den Beschreibungen von Land und Leuten heraushören, wie sehr sich Dieter Neumann mit dieser Gegend verbunden fühlt und das macht das Geschehen dort umso lebendiger, was auch seiner sehr guten Recherchearbeit zu verdanken ist.


    Mit Helene Christ hat er eine sehr sympathische Ermittlerin geschaffen und auch ihr anfangs mürrischer Kollege Schimmel gewinnt nach und nach.


    Ein Krimi der sich leicht und fließend lesen lässt, einem Spannungsbogen, der zum Schluss noch einmal rasant ansteigt und obwohl vieles Vorhersehbar ist, doch mit einer Überraschung endet. Trotz des sehr ernsten Themas schafft es der Autor mit seinem Humor und Frau Sörensen dem ganzen etwas Leichtigkeit zu verschaffen.


    Für mich verdiente volle Punktzahl und ich freue mich auf Juli, auf den nächsten Fall von Helene Christ und hoffentlich einigen der Charaktere aus diesem Buch.

    :lesend Nicole Vosseler - Die Eisbaronin: Bis ans Ende der Welt

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    Hörbuch: Katja von Glan - Rembrandts Garten

    Hörbuch: J. K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall

    SuB: 313

  • Auch ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen.


    Ein toller Regionalkrimi, der ein ernstes Thema anschneidet und durch den tollen Schreibstil trotzdem flüssig zu lesen ist.


    Auch Land und Leute kommen nicht zu kurz, ich hatte sogar ein gewisses Urlaubsfeeling. Obwohl ich noch nie in dieser Gegend Urlaub gemacht habe, konnte ich mir alles sehr gut vorstellen.


    Ich freue mich schon auf den nächsten Band und vergebe an "Die Tote von Kalkgrund" 10 Punkte.

  • Zitat

    Original von killerbinchen
    Das Buch war erfreulicherweise sogar hier in unserer (neben-)örtlichen Buchhandlung vorzufinden - und ich habe es für meinen Schwiegervater zum Vatertag erstanden.


    Ich bin gespannt, wie es ihm gefällt. Und er leiht es mir bestimmt gern aus :-)


    Freut mich sehr, Killerbienchen. Das Buch liegt erfreulicherweise in sehr vielen Buchhandlungen aus, vor allem im Norden. Magst du mir (evtl. pn) sagen, welche "nebenörtliche Buchhandlung" das in diesem Falle ist? Danke!

  • Besser spät als nie... ;-)


    Im letzten Jahr durfte ich in den Genuss kommen, eine Lesung von Dieter Neumann zu besuchen. Nachdem er sein Buch vorgestellt hatte, war mir klar, dass ich "Die Tote von Kalkgrund" auf jeden Fall lesen muss.


    Simon Simonsen hat alles verloren, seine Firma, seine Frau und nun musste er auch noch sein Boot verkaufen. Als ihm dann mitgeteilt wird, dass seine Frau ermordet wurde, kommt es noch härter: Er wird verdächtigt, sie umgebracht zu haben. Angeblich gibt es Zeugen, die gesehen haben wollen, dass er an ihrem letzten Tag mit ihr auf seinem Boot unterwegs war. Helene Christ und ihr Kollege Edgar Schimmel ermitteln daraufhin und stoßen auf kriminelle Machenschaften.


    "Die Tote von Kalkgrund" ist der Auftakt zu einer Serie um Helene Christ, die mir im Übrigen das ganze Buch über sehr sympatisch war. Wie das nun mal in Büchern dieser Art ist, hat sie ein Gespür dafür, was real ist und was ihr in den diversen Verhören aufgetischt wird. Etwas skurril fand ich Edgar Schimmel, der nicht nur einen seltsamen Namen hat, sondern auch noch dazu neigt, seine junge Kollegin nicht ernst zu nehmen. Zwischen dem ernsten Thema, das im Hintergrund lauert, hat der Autor es nicht versäumt etwas Humor einfließen zu lassen. Das tut dem Buch unglaublich gut, denn Simon Simonsen verbreitet aufgrund seines zur Zeit nicht sehr gemütlichen Lebens eine eher trübe Stimmung. Das Buch ist genau richtig um sonntags nachmittags auf der Couch zu sitzen und gemütlich etwas über das Segeln, eines der Hobbies des Autors, und natürlich über den Mordfall zu lesen. Der Fall an sich ist nicht besonders verworren, obwohl der Leser doch ab und an mal auf eine falsche Fährte geschickt wird.


    Der zweite Fall "Mord an der Förde" erscheint am 21. Juli 2015. Heinrich Dieter Neumann hat noch zwei weitere Thriller veröffentlicht: "Die Narben der Hölle" und "Das Erbe der Wölfin".

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • H. Dieter Neumann: Die Tote von Kalkgrund, Kriminalroman, Dortmund 2015, Grafit Verlag, ISBN 978-3-89425-454-4, Softcover, 220 Seiten, Format: 11,3 x 2,2 x 19 cm, Buch und Kindle Edition: EUR 9,99.


    So haben sich Kapitän Janssen und die Trauergäste die Seebestattung des pensionierten Lehrers nicht vorgestellt: Gerade als die Urne in der Geltinger Bucht feierlich der Ostsee überantwortet wird, treibt eine übel zugerichtete nackte Wasserleiche vorbei.


    Die Tote ist Lisa Maria Simonsen, die Noch-Ehefrau des bankrotten Bauunternehmers Simon Simonsen. Dieser musste gerade schweren Herzens seine Segelyacht „Seeschwalbe“ – eine Colin Archer – verkaufen und hat jetzt außer seinem Hund gar nichts mehr. An Bord dieser Yacht soll Lisa Simonsen zum letzten Mal lebend gesehen worden sein. Aber warum hätte sie mit ihrem künftigen Ex-Gatten einen Wochenend-Segeltörn unternehmen sollen? Und was hätte wohl ihr jetziger Lebensgefährte, der Unternehmer Konrad Lambert, dazu gesagt? Doch Fischhändler Tjark Olsen, für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt, schwört Stein und Bein, er habe Herrn und Frau Simonsen an Bord der „Seeschwalbe“ gesehen.


    Für Kriminalkommissar Edgar Schimmel, der kurz vor der Pensionierung steht und vielleicht schon ein bisschen dienstmüde ist, ist der Fall klar: Simonsen hat seine Noch-Ehefrau im Streit erstochen und über Bord geworfen. Kriminalkommissarin Helene Christ hat zwar 20 Jahr weniger Diensterfahrung als ihr Kollege, aber dafür starke Zweifel an Simonsens Schuld. Und das nicht nur, weil ihr der Mann sympathisch ist. Hätte er die Leiche seiner Frau dort ins Wasser geworfen, wo er laut Zeugenaussage mit ihr zusammen gesehen worden ist, wäre die Tote nie im Leben in Kalkgrund angespült worden. Hier stimmt etwas nicht! Hat etwa jemand den „Augenzeugen“ Tjark Olsen für seine „Beobachtung“ bezahlt? Dass ein vorbestrafter Kleinkrimineller freiwillig zur Polizei geht und eine Aussage macht, ist doch eher ungewöhnlich.


    Helene Christ verdächtigt Lisas Lebensgefährten Konrad Lambert. Die Abteilung Wirtschaftskriminalität des Hamburger LKA hat ihn und seine Geschäfte schon länger im Visier. Lambert steckt allem Anschein nach knietief im organisierten Verbrechen, aber nachzuweisen ist ihm nichts. Hat Lisa vielleicht zu viel über seine illegalen Aktivitäten gewusst? Wollte sie mit ihren Informationen zur Polizei gehen? Oder ist das alles nur eine fixe Idee der Kommissarin?


    Lambert passt es natürlich gar nicht in den Kram, dass die Polizei ihm auf den Zahn fühlt. Als eine zweite Frauenleiche an Land gespült wird und auch noch ein Vermisstenfall dazukommt, wird ihm klar, dass er die Ermittler so schnell nicht wieder von der Backe bekommt.


    Ein dubioser Geschäftsmann, der über Leichen geht und eine Kommissarin, die nicht nach den Regeln spielt, das läuft auf einen gefährlichen Showdown hinaus ...


    Hinter wem die Polizei im Mordfall Lisa Simonsen her ist, wird sehr schnell klar. Da wird nicht in alle Richtungen ermittelt, nach Motiven gesucht und auch keine Liste mit Verdächtigen abgeklappert. Die Kripo Flensburg schießt sich auf den zwielichtigen Lambert ein und es geht nur noch darum, wie sie ihm seine Tat(en) nachweisen können. Wer ist schneller und gerissener, die Polizei oder er?


    Konrad Lambert ist für die Kommissare ein monströs amoralischer Gegenspieler, der fast eines James Bond würdig wäre. Die Täter in deutschen (Regional-)Krimis sind ja meist ein paar Nummern kleiner: verzweifelte Gestalten, die irgendwie in die Kriminalität hineinrutschen. Hier ist einer, der schon als Kind sein Talent zum Manipulieren entdeckt hat und das seither rücksichtslos zu seinem Vorteil ausnutzt. Möglicherweise hat der Mann eine antisoziale Persönlichkeitsstörung. Ein Feld-, Wald- und Wiesenganove ist er jedenfalls nicht. Er wirkt geradezu unmenschlich – wie das personifizierte Böse. Was seine Helfershelfer umtreibt, die wahrlich auch keine Chorknaben sind, begreift man als gesetzestreuer Normalbürger schon eher.


    Wie die verschiedenen Ereignisse wirklich zusammenhängen und was letztendlich zu Lisa Simonsens gewaltsamem Tod geführt hat, reimt man sich auch als routinierter Krimileser nicht unbedingt zusammen.


    Wahrscheinlich wird vom Pubilkum erwartet, dass jeder Krimi auch eine Liebesgeschichte enthält. Die gibt’s hier natürlich auch. SIE ist jung und sehr blond, ER ist vom Schicksal gebeutelt und hat sich trotzdem seinen trockenen Humor bewahrt. Irgendwann sind sie plötzlich zusammen. Na gut, wenn’s denn unbedingt sein muss! Ich fand die kriminellen Machenschaften sowie das Katz- und Maus-Spiel zwischen Kripo und Kriminellen deutlich interessanter und überzeugender. Das geht mir aber immer so.


    Verblüfft war ich, als irgendwann gegen Schluss eine Zahl auftauchte, anhand derer man ausrechnen konnte, wie alt die Kommissarin und Simon Simonsen tatsächlich sind. Ich hatte mir beide die ganze Zeit über rund zehn Jahre älter vorgestellt. Sie haben schon so viel erreicht, erlebt und zum Teil wieder verloren, dass sie viel reifer und gesetzter wirken als sie ihrem Alter nach sein sollten. Und wären Twens und Thirtysomethings nicht permanent mit ihren Smartphones beschäftigt? Diese beiden sind es nicht. Das hat mich dann vollends in die Irre geführt. ;-)


    Wie immer bei Regionalkrimis haben natürlich die Leser mit „Heimvorteil“ ein besonderes Vergnügen. Wer die bei den Ortsnamen schon ein Bild vor Augen hat, für den wird die Geschichte so richtig plastisch. Der Krimi ist aber durchaus auch landrattentauglich. Man muss sich nicht an der Ostsee auskennen und nicht einmal was vom Segeln verstehen, um die Ermittlungen im Mordfall Simonsen mit Spannung zu verfolgen.


    Der Autor
    Heinrich Dieter Neumann, Jahrgang 1949, war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr und in verschiedenen internationalen Dienststellen der NATO. Anschließend arbeitete der diplomierte Finanzökonom als Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der passionierte Segler ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Flensburg.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Vandam ()

  • Ja, was kann ich hier noch sagen, was noch nicht gesagt wurde?


    Dieser Ostsee - Krimi kommt ohne Blutvergießen im großen Stil aus, ist gut zu lesen, bietet Spannung und brachte mich, trotz des durchaus ernsten Themas, doch so manches Mal zum schmunzeln.
    Die Personen sind aus dem Leben gegriffen und die Handlung realistisch - "Die Tote von Kalkgrund" ist ein gelungener Kriminalroman, der mich sehr gut unterhalten hat. Gerne hätte ich noch ein paar Seiten mehr gelesen - vor allem über Frau Sörensen, meinem unangefochtenen Star dieses Buches.

  • Ostseeperle

    Simon Simonsen, von dem man fast bis zum Ende des Romans annimmt, er wäre in den späten Fünfzigern, vielleicht sogar schon in den Sechzigern, steht vor dem Nichts: Frau weg, Firma weg, Haus weg - und nun wird auch noch sein geliebtes Schiff, der Colin Archer "Seeschwalbe", von neureichen Berliner (ausgerechnet Berliner!) Landratten übernommen, die es flugshurtig in "Püppi" umtaufen. Simonsens Antwort auf die krisenreiche Situation besteht darin, sich in der "Fischerhütte" regelmäßig und verschärft einen auf die Lampe zu gießen - in Begleitung von Frau Sörensen, seinem treuen Hund mit den hässlichen Fledermausohren.
    Beinahe gleichzeitig mit Simonsens Abschied vom Schiff darf eine Trauergemeinschaft, die sich in der Nähe des Leuchtturms von Kalkgrund, irgendwo draußen in der Flensburger Förde, ihrerseits von einem Dahingeschiedenen verabschieden will, ein in doppelter Hinsicht makabres Erlebnis teilen, denn kurz bevor die Urne in der Ostsee versenkt werden kann, passiert eine nackte Frauenleiche das Beerdigungsschiff.
    Bald stellt sich heraus, dass es sich bei der Gemordeten um Simonsens noch nicht geschiedene Ex handelt, und weil ein Augenzeuge behauptet, sie kurz vorher, bei der letzten Fahrt, auf dessen "Seeschwalbe" gesehen zu haben, gerät der ohnehin leidgeprüfte Mann ins Fadenkreuz der Ermittler, namentlich eines mürrischen Demnächst-Pensionisten namens Edgar Schimmel und seiner hübschen, cleveren Partnerin, die Helene Christ heißt und neu in der Abteilung "Tötungsdelikte" der Flensburger Kripo ist. Während Schimmel meint, in Simonsen den Täter gefunden zu haben, ist sich Helene Christ da nicht so sicher. Außerdem dieser Mord ist nicht das einzige Verbrechen, das Simonsens Heimatort erschüttert, ein behagliches und sonst eher friedliches Örtchen an der Steilküste.


    Mit viel deutlich erkennbarer Liebe zur Region und zur Seefahrt, zu seinen Helden und Nebenfiguren hat H. Dieter Neumann einen Krimi verfasst, dem der Präfix "Regional" nicht ganz passen will, weil die Hintergründe viel weiter reichen als beispielsweise bis zum Grund der Ostsee. Fast schon im Plauderton, ungeheuer vereinnahmend und atmosphärisch pendelt die Erzählung zwischen amüsanten Episoden und sehr handfester Verbrecherjagd, bietet quasi nebenbei eine hinreißende kleine Liebesgeschichte und ist insgesamt eine Liebeserklärung an die Gegend. Die Auflösung der Kriminalhandlung gehört vielleicht nicht zum Spannendsten, was das Genre zu bieten hat, aber das gleicht Neumann durch seine unprätentiöse Erzählweise, den Detailreichtum und die grundsolide Recherche aus. Allerdings war ich redlich überrascht, als gegen Ende herauskommt, dass Simon Simonsen dichter an der Vierzig als an der Fünfzig zu sein scheint.
    Ein echter Seitenfresser, genau die richtige Lektüre für ein paar gemütliche Abende im Korbsessel am Kamin, mit Blick auf das Buddelschiff aus Onkel Heiners Nachlass oder so.