'Jahre aus Seide' - Seiten 437 - 503

  • Ich weiß jetzt nicht mehr ob das da stand, aber es ist wohl nicht so genau zu nehmen.

    Als die Rede darauf kam, dass Hitler aus allen bestehenden Verträgen mit den Nachbarländern aussteigen will, dachte ich sofort an Trump. Möglich dass der Vergleich hinkt aber für mich ist es erschreckend.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Hier kommt es nun so, wie ich in einem früheren Leseabschnitt angedeutet habe: Juden dürfen bald keine arischen weiblichen! Hausangestellten unter 45 beschäftigen. Frau Jansen bleibt fast bis zum Ultimatum, vermittelt Martha in der verbleibenden Zeit noch manchen Kniff und lehrt sie an. Ruth und Ilse sollen künftig das Haus in Ordnung halten/ putzen, Martha kocht.


    Marthas Bruder Erich kehrt der Dom. Rep. den Rücken, sieht seine Zukunft im Mussolini-Land. Berthold hat für sich und Hans die Erlaubnis nach Palästina zu gehen. Hans Mutter hat keine Erlaubnis, sie möchte Hans mit seinem Vater nicht ziehen lassen. Manche jüdischen Eltern schicken ihre Kinder nach England, dies erwägen Meyers auch, die Familie lernt Englisch nebenbei. Meyers wissen, auch sie müssen gehen und bemühen sich die Ausreiseerlaubnis zu erhalten. Sie wissen von Briefzensur und Lagern.


    Ruth (14) verbringt schöne Urlaubstage mit der 28jährigen Tante, diese nimmt sie in Tanzlokale mit, Ruth ist im Mittelpunkt, wird ein wenig umschwärmt und Kurt nicht mehr allein in ihrem Kopf. Die Freundschaft nimmt nach ca. 16/17 Monaten Distanz auf...

    Ruth ist weiterhin gute Schülerin, ihre Leistungen werden, weil sie Jüdin ist, schlechter beurteilt. Abitur wird Juden versagt. ihre Freundinnen aus der Schulklasse stehen weiterhin zu ihr und arischen Jungs ist dies auch noch egal. Ruths Mutter Martha erhält von Aretz Fahrstunden, auch Josefine Aretz. Frau Aretz besteht die Prüfung, Martha lässt man dreimal nicht bestehen, weil sie Jüdin ist. Es liegt nicht an den Fahrfähigkeiten!


    Kurts Familie erhält Erlaubnis in die USA zu ziehen. Kurt und Ruth werden wieder ein Paar, erst nur, weil Ruth ihm zuliebe eine schöne Abschiedszeit bereiten will, dann merkt sie aber auch, wie sie ihn weiterhin doch vieler hat, als geglaubt. Ruths Vater will nicht in die USA, lieber Palästina.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Was für ein trauriger Abschnitt voller Abschiede. Spitz stirbt und Kurt verlässt Deutschland. Und am Ende stellt Ruth fest, dass sie ihn doch geliebt hat. Ich denke in dem Alter ist das ja auch noch schwierig, sich so für einen Menschen zu entscheiden. In der Pubertät ist ja eh alles schwierig und die Kinder in diesen Zeiten müssen schon soviel früher erwachsen werden.


    Was mich sehr beeindruckt hat, waren Ruths arische Freunde, denen es egal war, dass sie Jüdin ist und trotzdem mit ihr feiern und tanzen wollten. So gibt es für sie trotz allem immer noch Lichtblicke, genau wie der Urlaub bei ihrer Tante in Nürnberg.


    Mittlerweile ist auch bei den eigentlich schönen Erlebnissen, wie z.B. Silvester, immer ein trauriger Schleier darüber, die ständige Angst zerrt allen an den nerven, besonders an Marthas, die das alles nicht gut verkraftet.


    Ich hoffe sie schaffen es noch aus Deutschland heraus.

  • Für Folgeauflage noch eine Korrektur:


    S. 481, Mitte der Seite "Spitz," flüstere Ruth. "Spitz, was ist mit Dir?" = flüsterte

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Was für ein trauriger Abschnitt voller Abschiede.

    Ja, die Geschichte wird leider immer trauriger. Auch wenn es zwischendurch immer noch ein paar schöne und unbeschwerte Stunden für Ruth gibt, zum Beispiel als sie zu der Weltausstellung nach Brüssel fahren, wird die ganze Situation für die Familie immer schlimmer. Der Tod von Spitz habe ich auch als sehr traurig empfunden. Der Hund war ja ein richtiges Familienmitglied und hat gerade für die Töchter einfach dazugehört.

    Und dann der traurige Abschied von Kurt. Kurt mochte ich auch richtig gerne. Ich bin ja gespannt, wie lange Ruth und Kurt den Kontakt aufrecht erhalten können und ob sich die beiden noch einmal wieder sehen.

  • ;( Was für ein trauriges Kapitel.

    Ich hätte ja jetzt nicht erwartet, dass Ruth Kurt doch liebt.


    Wie können die alle in der Ungewissheit leben? Das muss einen doch wahnsinnig machen, dass man auf alles so lange warten muss. Ich finde es grausam, dass sie ihre Wurzeln komplett aufgeben müssen. Sowas kann einen nur innerlich zerstören.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Ich fand auch das man deutlich spürte, das Ruth Kurt doch liebt..aber jetzt ist es erstmal vorbei. Was ich erstaunlich finde ist, wie langsam es damals bei den Teens mit der körperlichen Liebe ging. 18 Monate und nur geküsst, das wäre heutzutage undenkbar. Die Kids von heute sind da echt flott bei solchen Sachen, man ist ja auch gar nicht zusammen wenn nicht mindestens geknutscht wurde:pille:wave:freundschaft

  • Was ich erstaunlich finde ist, wie langsam es damals bei den Teens mit der körperlichen Liebe ging. 18 Monate und nur geküsst, das wäre heutzutage undenkbar

    Das Gleiche habe ich mir auch gedacht. Vor allem weil Kurt ja schon ein wenig älter als Ruth ist. Da finde ich es schon bemerkenswert, dass ihm ein bisschen küssen ausreicht. Er scheint sie wirklich sehr zu lieben.

  • Damals war es eben eher ein Liebesbeweis, wenn sich der Mann zurückhalten konnte und auf die Unschuld seiner Geliebten geachtet hat. Sex vor der Ehe galt als höchst unanständig für Mädchen.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Roda Roda: Morgensonne Morgenland

  • So ganz verstehe ich die Logik der Nazis nicht, dass sie die Juden, die sie doch möglichst alle loswerden wollen, nicht schneller ausreisen lassen. :gruebel

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Roda Roda: Morgensonne Morgenland

  • So ganz verstehe ich die Logik der Nazis nicht, dass sie die Juden, die sie doch möglichst alle loswerden wollen, nicht schneller ausreisen lassen. :gruebel

    Sie wollten ja möglichst viel kassieren. Und da andere Länder sie ja auch nicht freudestrahlend aufgenommen haben oder aufnehmen wollten, hat das für die Nazis ganz gut funktioniert.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Durch ihren Aufenthalt in Nürnberg lernt Ruth ein anderes Leben kennen. Sie löst sich von Kurt. Aber als er Silvester beim Wochenendhäuschen auftaucht, erklärt er Ruth, daß er nie aufgehört hat, sie zu lieben. Und auch sie sieht ein, daß sie ihn die ganze Zeit geliebt hat. Der Abschied - seine Familie geht nach Amerika - fällt beiden schwer.


    Junge Liebe ist etwas Besonderes. Wer ist sich schon auf Anhieb sicher?

    Ich fand auch das man deutlich spürte, das Ruth Kurt doch liebt..aber jetzt ist es erstmal vorbei. Was ich erstaunlich finde ist, wie langsam es damals bei den Teens mit der körperlichen Liebe ging. 18 Monate und nur geküsst, das wäre heutzutage undenkbar. Die Kids von heute sind da echt flott bei solchen Sachen, man ist ja auch gar nicht zusammen wenn nicht mindestens geknutscht wurde:pille:wave:freundschaft

    Ich glaube, man kann die damalige und die heutige Zeit nicht vergleichen. Ich finde es schon erschreckend, wenn ich höre, daß schon zwölfjährige Mädels Sex haben. In diesem Alter ist man vom Kopf her doch noch gar nicht so weit.

  • Junge Liebe ist etwas Besonderes. Wer ist sich schon auf Anhieb sicher?

    Ich glaube, man kann die damalige und die heutige Zeit nicht vergleichen. Ich finde es schon erschreckend, wenn ich höre, daß schon zwölfjährige Mädels Sex haben. In diesem Alter ist man vom Kopf her doch noch gar nicht so weit.

    Ich hab ja selber zwei jetzt 13-jährige hier im Haushalt, die finden Jungs glücklicherweise ziemlich doof. Ihre Klassenkameradinnen sehen das schon anders, da wird ganz viel verliebt und entliebt. Scheint aber alles ganz harmlos zu sein, von dem was die Mädels so erzählen.


    Scheint also auch ganz unterschiedlich zu sein, aber meine Mädels gehen auch auf eine „Ponyhof“-schule, ich denke das ist sehr davon abhängig, wie das Umfeld so gestrickt ist.

  • Meine Nichte wird heute 17 und ich habe vorhin vorsichtig nachgefragt, ob denn Jungs abends mitfeiern. Ein entrüstetes Nee war die Antwort! Das ist kein Thema für diese.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Ein Abschnitt voller Abschiede. Der Tod von Spitz kam auch ein wenig überraschend für mich. Der von Kurt eher weniger, denn es ist klar, dass die befreundeten Familien sich in alle Winde verstreuen.

    Ich hoffe nur, dass die anderen auch noch lebend herauskommen, bevor es zur ganz großen Katastrophe kommt.

    Was das "Warten" angeht, so habe ich immer wieder einige meiner Studenten vor Augen, bzw. in den Ohren, da wird manchmal innerhalb der Woche der Sex-Partner gewechselt. Dies finde ich echt erschreckend...

  • Ruth wird in diesem Abschnitt immer erwachsener. Aus dem naseweisen Kind ist eine gefühlsvolle Jugendliche geworden, mit allem was dazu gehört. Die Geschichte rund um Kurt hat mir gefallen, auch wenn mir der Abschied mindestens genauso schwer gefallen ist. Toll finde ich aber auch, wie ihre Klassenkameradinnen zu ihr halten. Sie veranstalten sogar einen Ball für sie und keinem macht ihre Religion etwas aus.



    Was tut Martha eigentlich den ganzen Tag? Ich war ein wenig irritiert, dass sie es so überlastet, den Haushalt nun zu erledigen. Sie arbeitet doch nicht und die Kinder sind durch die Schule doch eigentlich auch betreut, oder? Und wieso schafft sie es dann "nur" zu kochen? Also klar, dass der ganze Haushalt nicht wenig ist und die Kinder sich mehr mit einbringen sollten, aber ich habe es so verstanden, dass alle Putzaufgaben auf die Kinder verteilt wurde. Oder habe ich da nicht genau gelesen?

  • Vorher hatte sie dies vermutlich im Tagesablauf:

    Martha entscheidet/ berät mit der Köchin den Speiseplan, unterricht sie, wann Gäste zu erwarten sind, man etwas Besonderes auftischt. Sie entscheidet den Blumenschmuck auf den Tischen, korrespondiert/ pflegt Kontakte, musiziert/ liest Tageszeitung/ Bücher, geht spazieren/ repräsentiert. Entscheidet, was die Kinder morgens anziehen, berät den Gatten im Reisegepäck, hilft dieses zu packen,leitet die Angestellten an, dekoriert, beauftragt Gartenpflege. Vielleicht lüftet sie auch, überwacht den Weinkeller-/ Kohlenbestand, repräsentiert. Geht vormittags mit Hund Gassi. Hat für Kinder am Nachmittag ein Ohr, gemeinsame Mahlzeiten, Spaziergänge, Austausch... fragt nach, was es in der Schule gab, lässt sich Hausaufgaben vorlegen...

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Was tut Martha eigentlich den ganzen Tag? Ich war ein wenig irritiert, dass sie es so überlastet, den Haushalt nun zu erledigen. Sie arbeitet doch nicht und die Kinder sind durch die Schule doch eigentlich auch betreut, oder? Und wieso schafft sie es dann "nur" zu kochen? Also klar, dass der ganze Haushalt nicht wenig ist und die Kinder sich mehr mit einbringen sollten, aber ich habe es so verstanden, dass alle Putzaufgaben auf die Kinder verteilt wurde. Oder habe ich da nicht genau gelesen?

    Ja, das habe ich mich zeitweise auch gefragt - mir kam sie da schon recht wie ein Luxusweibchen vor :putzen

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Roda Roda: Morgensonne Morgenland