'Die Erfindung der Flügel' - Teil 2

  • Sowohl Sarah als auch Handful werden erwachsen und müssen lernen, dass ihre Freiheit scharfe Grenzen hat und diese vor allem von weißen Männern vorgegeben werden. Wobei ich tatsächlich nicht weiß, welche ein härteres Schicksal hat, denn über weite Strecken hat Handful ja zumindest ihre Mutter, die ihr nahe ist. Sarah dagegen wird immer einsamer. Nachdem sowohl der Vater als auch der Lieblingsbruder sie enttäuscht haben, ist dann auch noch der Verlobte ein Lügner – wobei das bei dem von Anfang an klar war, denke ich. Dass sie sich jetzt dem Glauben zuwendet, hmm, das sehe ich zwiespältig, schließlich behauptet die Bibel ja auch, dass Sklaverei gottgewollt wäre. Trotz wird sie da nicht lange finden, denke ich.


    Ich hoffe mal, die Mutter taucht nochmal auf. Und sei es nur, um ihren Quilt und die Bilder zu erklären. Das würde mich nämlich brennend interessieren.

  • Eigentlich ist sie wie ein Blatt im Wind: erst die glückliche Verlobte, dann die Verzweifelte, dann die religiös Erleutete...Sie ist so sehr auf der Suche nach einem Ziel, dass sie vergisst, was sie einmal wollte und dachte

    Sie sucht nach einem Weg auszubrechen. Ein netter Ehemann wäre die einfachste Lösung gewesen.

    Ich habe mir so Gedanken gemacht, ob Sarahs Mutter, die nun wirklich keine Sympathieträgerin ist, sich nie etwas anderes vorgestellt hat als 10 Kinder zu bekommen und dem Haushalt ihres Mannes vorzustehen. Aber sie kannte es auch nicht anders.

    Wie ist sie so geworden, so verbittert, herrisch, lieblos?

    So schlimm kam sie bei mir gar nicht an. Ich hatte das Gefühl, sie wollte Handful auf jeden Fall abhärten gegen die Realitäten. Nach über 30 Jahren als Sklavin sind sicherlich viele Träume und Hoffnungen zerplatzt - zuletzt die, sich jemals mit Geld freikaufen zu können. Da wird man schon mal verbittert. Und herrisch finde ich sie eigentlich nicht. Man muss ja bedenken, dass die Eltern damals anders mit ihren Kindern umgingen. Egal in welcher Kultur. Also sowohl westlich als auch afrikanisch waren die Älteren die, die den Ton angegeben haben und Kinder hatten sich zu fügen. Und meistens meinte Sarahs Mutter es sicherlich gut mit ihrer Tochter und wollte, dass sie keinen Schaden erleidet.

    Sie hat ihrer Tochter auch nicht vorgeworfen, dass sie wegen ihr die Einbeinstrafe erdulden musste. Also wegen ihr der Diebstahl aufgeflogen ist.


    Das fand ich auch von Sarah toll, dass sie Handful nicht nachgetragen hat, als sie am Boden Buchstaben geschrieben hat und deshalb die ganzen Strafaktionen erst los gingen.

  • Diese Szene finde ich entscheidend für alles Weitere.

    Handful hat sich gefunden, trotz ihrer Ketten, stolz und mit gleichem Recht wie z.B. Sarah. Das kann ihr keiner nehmen.

    Das war beeindruckend. Da habe ich gedacht, dass Handful ihrer Mutter jetzt ähnlich wird. Die ja auch nicht weicht, wenn sie auf einer Planke im Dreck einer Weißen gegenüber steht.

  • Ich bin total gespannt, was mit Charlotte geschehen ist. Ist sie tatsächlich geflohen? Zutrauen würde ich es ihr, und das Geld scheint sie auch mitgenommen zu haben .

    Das mit dem Geld fand ich seltsam. Hat sie es später geholt? Sie wusste doch gar nicht, dass sie fliehen muss.

  • Ich bin inzwischen auch beim 3. Abschnitt gelandet. Obwohl das Thema nicht immer leicht ist, geniesse ich die Lektüre nach wie vor sehr und mag daher auch nicht über die Seiten zu fliegen. Es gibt immer wieder so schöne Formulierungen, die die Szenen noch intensiver machen. Lumos hat das sehr gut auf den Punkt gebracht:


    Mir gefällt die Sprache unglaublich gut. Es gibt so viele besondere, berührende Stellen. Z.B. als Handful nach dem Verschwinden ihrer Mutter diese Wanderungen aufnimmt. "Ihre Runden waren von einer solch präzisen Trauer, dass niemand eingriff. Selbst Mutter ließ zu, dass Handful ihre Spur der Verzweiflung in den Hof grub".

    Genau sowas meinte ich.... Da spürt man Handfuls Trauer richtig körperlich mit.


    Ich denke schon, dass sie wirklich verliebt war. Jedenfalls will ich es glauben.

    Handful denkt, dass Sarahs Herz gebrochen ist und ich meine das auch.

    Ich hatte erwartet, dass sie heiraten und er sich vielleicht in der Ehe dann entpuppt...

    Es sind in diesem Roman nicht so sehr die Worte, sondern mehr die Handlungen, die mich berühren. Du hast da eine typische Stelle rausgesucht.

    :)

    Ich hatte eher das Gefühl, dass sie verliebt sein möchte. Sie sah ihre einzige Chance aus ihrem Gefängnis, sprich Elternhaus, zu entkommen, indem sie heiratete. Daher empfand ich es so, dass sie sie in das Gefühl "verliebt zu sein" verliebt war und nicht wirklich in William. Sie hat zwar von seinem guten Aussehen gesprochen, aber nie von ihm als Person geschwärmt.


    Ich finde auch, dass die Mutter, und ich mag sie auch nicht, eine tragische Figur ist. Sie macht, was sie kennt, etwas anderes kann und weiß sie nicht. Ich möchte nicht verteidigen, wie sie sich den Sklaven und ihren Kindern gegenüber verhält, aber ich kann nachvollziehen, wie es dazu kam.

    In ihrer Heimatstadt gab es auch Quäker.

    Das sehe ich sehr ähnlich. Sie ist wirklich eine harte und unerbittliche Person. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie es einfach nicht anders gelernt und vorgelebt bekommen hat.
    Im 1. Teil hatte sie Sarah einfühlsam und verständnisvoll getröstet, nachdem der Vater ihr den Zugang zu den Büchern verboten hatte, und da hat man gespürt, dass tief in ihr drinnen doch noch was anderes verborgen ist. Sie wurde aber - wie wohl die meisten damaligen Frauen - gezwungen, diesen Teil von sich zu verleugnen. Auch das macht einen Menschen härter - zu sich selbst und zu anderen. Auch sie leidet schlussendlich unter der damaligen Situation der Frauen.

  • Ich habe dummerweise den Fehler gemacht, den Wikipedia-Eintrag zu Sarah Grimke zu lesen, nachdem ich hier erfahren habe, dass der Roman auf einer wahren Geschichte beruht. ich habe mir damit die Spannung zum großen Teil verdorben. Schon die Artikelüberschrift war zu viel.


    Also macht das nicht!!!

    So ;)was verkneife ich mir ja immer. Genau wie Nachwörter. IMMER erst danach.

    Ich muss gestehen, ich musste erstmal nachschlagen, was "Abolitionismus" ist.

    Hab ich auch nachgeschlagen. :)

    Viel anders war es wohl wirklich nicht. Es ist davon die Rede, dass besonders in den Mund geschaut wurde wegen der Zähne, also wirklich nicht anders als bei Pferden...

    Die Preisliste war doch schockierend, was ein Sklave wert ist. Vor allem auch die letzte Person, die nichts mehr wert war. =O

  • Das mit dem Geld fand ich seltsam. Hat sie es später geholt? Sie wusste doch gar nicht, dass sie fliehen muss.

    Mich hatte auch gewundert, dass das Geld weg war. Ich habe mir dann auch noch die Frage gestellt, ob es etwas mit ihrer Schwangerschaft zu tun hatte. Wollte sie vielleicht das Kind im Verborgenen austragen? :/

  • Das sehe ich sehr ähnlich. Sie ist wirklich eine harte und unerbittliche Person. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie es einfach nicht anders gelernt und vorgelebt bekommen hat.
    Im 1. Teil hatte sie Sarah einfühlsam und verständnisvoll getröstet, nachdem der Vater ihr den Zugang zu den Büchern verboten hatte, und da hat man gespürt, dass tief in ihr drinnen doch noch was anderes verborgen ist. Sie wurde aber - wie wohl die meisten damaligen Frauen - gezwungen, diesen Teil von sich zu verleugnen. Auch das macht einen Menschen härter - zu sich selbst und zu anderen. Auch sie leidet schlussendlich unter der damaligen Situation der Frauen.

    Ich habe gelesen, ich glaube das war zu einem link zu dem Buch, Frauen waren damals nicht mehr und nicht mehr wert, als Einrichtungsgegenstände. Und das für sich zu verarbeiten , dafür muss man sich selbst als Person verleugnen. Keine eigenen Gedanken, keine Wünsche kein Wollen. Alles wird von Außen, sprich von der Männergesellschaft und der Kirche bestimmt.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Dass sie sich jetzt dem Glauben zuwendet, hmm, das sehe ich zwiespältig, schließlich behauptet die Bibel ja auch, dass Sklaverei gottgewollt wäre. Trotz wird sie da nicht lange finden, denke ich.

    Die Bibel wurde ja immerhin von Menschen geschrieben. Ob Gott da so ein großes Mitspracherecht hatte? :gruebel:gruebel

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Die Bibel wurde ja immerhin von Menschen geschrieben. Ob Gott da so ein großes Mitspracherecht hatte? :gruebel:gruebel

    Zumindest behaupten dass die Priester, Prediger, Bibelgelehrten. ;) Menschen haben dort niedergeschrieben, was Gott :S gesagt und getan hat.

  • Ich hatte eher das Gefühl, dass sie verliebt sein möchte. Sie sah ihre einzige Chance aus ihrem Gefängnis, sprich Elternhaus, zu entkommen, indem sie heiratete. Daher empfand ich es so, dass sie sie in das Gefühl "verliebt zu sein" verliebt war und nicht wirklich in William. Sie hat zwar von seinem guten Aussehen gesprochen, aber nie von ihm als Person geschwärmt.

    :write Den Eindruck hatte ich auch.


    Das mit dem Geld fand ich seltsam. Hat sie es später geholt? Sie wusste doch gar nicht, dass sie fliehen muss.

    Das klärt sich, dauert aber noch ein bisschen :).

  • Die Bibel wurde ja immerhin von Menschen geschrieben. Ob Gott da so ein großes Mitspracherecht hatte? :gruebel:gruebel

    Und die Menschen damals schrieben auch geprägt von der Zeit, in der sie lebten. Eine heute geschriebene Offenbarung sähe sicher ganz anders aus. Man muss nicht immer für alles, was Menschen verzapfen, Gott verantwortlich machen;)

  • Und die Menschen damals schrieben auch geprägt von der Zeit, in der sie lebten. Eine heute geschriebene Offenbarung sähe sicher ganz anders aus. Man muss nicht immer für alles, was Menschen verzapfen, Gott verantwortlich machen;)

    Das kann ich so nur unterschreiben.


    Mir ist auch bewusst, dass es in ihrer Heimatstadt Quäker gibt. Aber ob sie mit ihnen in Kontakt käme? Zufällig sicher nicht - sie hat ja nur Umgang mit ihren eigenen Kreisen. Sie müsste schon über die Quäker Bescheid wissen und sie aktiv aufsuchen. Und da ist wieder das Problem, dass ihr Kommen und Gehen ja überwacht wird. Sicher nicht unmöglich, aber schwierig.

  • Das kann ich so nur unterschreiben.


    Mir ist auch bewusst, dass es in ihrer Heimatstadt Quäker gibt. Aber ob sie mit ihnen in Kontakt käme? Zufällig sicher nicht - sie hat ja nur Umgang mit ihren eigenen Kreisen. Sie müsste schon über die Quäker Bescheid wissen und sie aktiv aufsuchen. Und da ist wieder das Problem, dass ihr Kommen und Gehen ja überwacht wird. Sicher nicht unmöglich, aber schwierig.

    Kann sein, dass sie ihnen nie begegnet wäre. Ihre Welten sind weit voneinander entfernt.

  • Und die Menschen damals schrieben auch geprägt von der Zeit, in der sie lebten. Eine heute geschriebene Offenbarung sähe sicher ganz anders aus. Man muss nicht immer für alles, was Menschen verzapfen, Gott verantwortlich machen;)

    Das hast Du schön gesagt <3

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]