Gut Greifenau - Nachtfeuer : Hanna Caspian

  • In diesem Krieg war nichts, wie er es sich vorgestellt hatte. Gar nichts. (Seite 187)

    „Wieso sollte das nicht passieren können? Wenn selbst der Zar stürzt, dann kann auch die Welt untergehen.“ (S. 294)


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    555 Seiten, 3 Karten, kartoniert

    Verlag: Knaur Taschenbuch Verlag, München 2018

    ISBN-10: 3-426-52151-2

    ISBN-13: 978-3-426-52151-9


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    Die Greifenau-Trilogie:

    1) Gut Greifenau - Abendglanz

    2) Gut Greifenau - Nachtfeuer

    3) Gut Greifenau - Morgenröte



    Zum Inhalt (eigene Angabe)


    Wenige Wochen nach Ende des Vorgängerbandes „Abendglanz“ setzt die Handlung dieser Fortsetzung ein. Wir begegnen den schon bekannten Figuren und einigen neuen. Der Erste Weltkrieg hat begonnen, und am Ende der Erzählung wird so gut wie nichts mehr so sein wie zu Beginn. Weder bei den Herrschaften noch bei den Bediensteten.

    Die Fäden werden weitergesponnen, aber ob Konstantin und Rebecca zusammen kommen, ob Katharina den Prinzen von Preußen wirklich heiratet, ob der Kutscher Albert seine Familie findet - es bleibt abzuwarten, was davon alles in diesem Roman auserzählt wird.



    Über die Autorin (Verlagsangabe)


    Hanna Caspian ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Sprachen und Politikwissenschaft in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Zuletzt war sie Anzeigenleiterin und Projektmanagerin in einem Fachverlag. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.



    Meine Meinung


    Die Handlung setzt etwa drei Wochen nach Ende des Vorgängerbandes ein und es empfiehlt sich dringend, diesen zuvor gelesen zu haben, sonst bleibt vieles unverständlich. Der Erste Weltkrieg ist rund vier Wochen alt und hat noch keine allzu großen Auswirkungen auf das Leben der Bewohner von Gut Greifenau. Doch das wird sich im Verlauf des Buches drastisch ändern.


    Der Mittelteil einer Trilogie ist immer schwierig. Langatmig oder gar langweilig soll es nicht sein, der Spannungsbogen muß aufrecht erhalten werden und zum dritten Band überleiten, dennoch ist so ein zweiter Band ein eigenständiger Roman (wenngleich ohne den vorherigen nicht verständlich). Nicht ganz leicht, und manchmal vielleicht sogar etwas wie die Quadratur des Kreises. So gut mir „Abendglanz“ gefallen hatte, fällt im Vergleich dazu „Nachtfeuer“ für mich ab: ich hatte an etlichen Stellen schlicht das Gefühl, daß der Bogen überspannt wurde. Für meine Begriffe wäre weniger mehr gewesen.


    Wie schon „Abendglanz“, liest sich der Roman flott und flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin. Zum bekannten Personal kommt nur wenig neues, die Geschehnisse aus dem ersten Band werden nahtlos fortgeführt. Wie schon dort, so hatte ich hier immer wieder das Gefühl eines szenenartigen Aufbaus: es wird ein Szenario entworfen - und dann erfolgt ein mehr oder weniger großer Zeitsprung und die Auflösung bleibt offen, wenn man die Auswirkungen nicht mitbekommt. Das erscheint mir manchmal wie eine nur zur Hälfte erzählte Geschichte. Es betrifft in der Regel nur Nebenhandlungen, dennoch hat es mir immer wieder den Lesefluß gestört.


    Weshalb für mich der Roman gegenüber dem ersten allerdings abfiel ist, daß er - vor allem gegen Ende hin - fast schon überladen wirkt. Es wollte mir scheinen, als ob möglichst viel hineingepackt werden sollte, fast schon nach dem Motto „geht es nicht noch ein bißchen dramatischer“. Bis hin zu einem der übelsten Cliffhanger, der mir je in einem Buch begegnet ist.


    Wieder werden die Standesunterschiede mehr als deutlich, mehr und mehr wird nachvollziehbar, weshalb es auch in Deutschland eine Revolution gab und die Monarchie abgeschafft wurde. Auch wenn es eher nebenbei geschieht, ist gerade dieser Aspekt für mich so wesentlich, daß er das Buch auf jeden Fall lesenswert macht. Denn zumindest mir hat das ein besseres Verständnis für die Ereignisse jener Tage verschafft.


    Manches mag negativer klingen, als es gemeint ist. Auf jeden Fall wird mich all das nicht davon abhalten, den dritten und abschließenden Band sehr bald nach Erscheinen zu lesen. Denn einige der Figuren sind mir durchaus ans Herz gewachsen und ich möchte dringend wissen, wie es ihnen weiter ergeht.




    Mein Fazit


    Herrschaft wie Bedienstete des Gutes Greifenau zwischen 1914 und Ende 1917. Die Welt, wie sie die Menschen bis dahin kannten, zerbricht unter der Wucht des Krieges und läßt niemanden unberührt. Der Mittelteil der Trilogie ist zwar etwas überladen, weckt aber Interesse, wie es den Figuren letztlich ergehen wird.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Die Lektüre von Band 1 war noch nicht lange her und ich war direkt wieder drin in der Geschichte um Gut Greifenau und seine Bewohner. Ich habe mit ihnen gehofft und gebangt und ihre Geschichte verschlungen.

    Wie schon in Band 1 gefällt es mir sehr, dass die verschiedenen Sichtweise von Adel und Personal deutlich werden und hier nun auch, welche Auswirkungen der Krieg auf alle hat.


    Es passiert unheimlich viel und teilweise fand ich es fast zu viel. Ein paar Intrigen, Gesundheitsprobleme und Klischees weniger wären mehr gewesen.


    Was ich wirklich störend fand, sind die massiven Cliffhanger am Ende. Keiner der großen Erzählstränge kommt in Band 2 zuende, dafür bekommt jeder zum Ende nochmal einen (aus meiner Sicht unnötigen) Zusatzkick.

    Bis ca. 4/5 des Buches habe ich das Lesen wirklich genossen, aber beendet habe ich es wegen dieser allzu offenen Fäden genervt.


    Dennoch geht es mir wie SiCollier - auch mir sind einige Figuren ans Herz gewachsen und ich lese auch Band 3.

  • Auch mit Ihrem zweiten Band „Nachtfeuer“ konnte mich Hanna Caspian wieder überzeugen. Ein spannendes Sittengemälde zur Zeit des ersten Weltkrieges in Hinterpommern.

    Das Cover passt gut zum ersten Teil der Saga und wirkt aufgrund der Farben etwas bedrohlicher, was aber vor dem Hintergrund der Zeit eine gute Wahl ist. Der Klappentext macht Lust auf den Roman, spricht aber nur einige Themen an, die in diesem Roman eine Rolle spielen.

    Auch im zweiten Teil geht es um Macht und Machtverlust, um Liebe und Leidenschaft, um Freundschaft und Hass und an der Front, sowie in der Heimat ums nackte Überleben. Die Standesunterschiede werden zwar noch herausgearbeitet, verschwimmen aber immer mehr im Laufe des Romans, da der Krieg keinen Unterschied kennt.

    Sowohl das Hauspersonal erlebt seine Tragödien, als auch die Familie des Grafen. Ohne zu viel verraten zu wollen, es geht hoch her und der eine oder andere Cliffhanger ist dem Leser sicher, um die Spannung zum dritten Teil hoch zu halten. Es ist aber nicht so, dass alle Fäden lose gelassen werden, besonders ein Faden um Albert, den Kutscher kommt zu Ende, auch wenn die große Offenbarung noch auf sich warten lässt. Es kommen aber auch neue Figuren dazu, wie z.B. die Plümecke-Geschwister, die das Personal des Gutshofs unterstützen.

    Der Roman lebt vor allen Dingen von den vielen unerwarteten Wendungen, dem einen mag es ein wenig zu viel sein, für mich war es okay, auch wenn ich mir die eine oder andere Wendung nicht gewünscht hätte. Aber ein abschließendes Urteil möchte ich mir erst nach dem dritten Teil erlauben, vielleicht wird dann einiges im zweiten Band verständlicher. Ich möchte einfach nicht zu vorschnell urteilen.

    Der Schreibstil der Autorin ist wieder gut und flüssig zu lesen. Die Dialoge sind gut gewählt und machen Spaß. Ein wenig mehr Beschreibungen hätten meiner Meinung nach dem Roman gutgetan, um ein wenig das Tempo zu verlangsamen und dem Setting mehr Rahmen zu geben.

    Auch im zweiten Band finden sich wieder Karten, eine Personenübersicht und ein Nachwort. Der Fokus liegt immer noch auf beiden Geschlechtern, sodass man wahrlich nicht sagen kann, dieser Roman sei ein reiner Frauenroman.

    Ich bin gespannt wie die Autorin die vielen offenen Fragen im dritten Teil beantwortet und bin dementsprechend gespannt. Für mich auf jeden Fall ein Lesevergnügen und gute Unterhaltung.


    9/10 P.

  • Fast nahtlos schließt der zweite an den ersten Gut-Greifenau-Roman an. Um gleich mal dem Ende vorweg zu greifen. Für mich ist diese Trilogie eine einzige große Geschichte und da der Verlag die Romane auch sehr zeitnah herausbringt, stören mich die Cliffhanger, die es am Ende von "Nachtfeuer" geben wird, nicht wirklich.


    Aber der Reihe nach. Der erste Weltkrieg, der im Hochsommer 1914 begann und von dem alle Orakelten, Weihnachten wäre er vorbei, weitet sich nach und nach auf ganze Europa aus, bis sogar die Amerikaner sich dem Gefechten anschließen. Daraus resultiert, dass die Deutschen an mehreren Fronten kämpfen und sterben und immer mehr junge Männer eingezogen werden. Auch die Reihen der Männer auf Gut Greifenau lichten sich zusehends. Zwei der Grafensöhne sind an der Front, der dritte möchte dies mit allen Mitteln verhindern. Aber auch die daheim Gebliebenen bekommen bald die Auswirkungen des Krieges zu spüren. Alle Lebensmittel werden rationalisiert, Luxusessen wie Kuchen wird gar verboten. Kleidung und Holz werden knapp, die Ernte wäre ohne ausländische Fronarbeiter gar nicht machbar.


    Graf und Gräfin versuchen lange, in einer unbeeindruckten Luftblase zu leben und erst als die russischen Verwandten nach dem Sturz des Zaren nach Deutschland flüchten wird klar, dass wohl auch nach einem ersehnten Frieden nichts mehr so sein wird, wie vor dem Weltkrieg.


    Die politischen und gesellschaftspolitischen Veränderungen während des Krieges werden sehr eindringlich geschildert. Die Darsteller nehmen hier gerne mal Platzhalter ein für eine ganze Generation. Das liest sich flüssig und sehr unterhaltsam und wirkt authentisch und gut recherchiert.


    Die Grafenkinder und ihr Personal durchleben stellvertretend sehr viele dramatische Ereignisse. Konstantin ist in eine fortschrittliche kluge Lehrerin verliebt, die ihm vor Augen führt, wie sein Standesdünkel ihm den Blick auf die Realitäten verstellt. Katharina möchte nicht als Faustpfand für Ansehen und Geld an einen unliebsamen adligen Verehrer verschachert werden. Kutscher Alfred findet heraus, wer sein Vater und seine Mutter sind und dass er als uneheliches Kind im Waisenhaus aufwachsen musste, während seine Halbgeschwister den Reichtum ihres Vaters genießen konnten.


    Die Trilogie von Hanna Caspian ist ein Potpourri aller nur erdenklichen Themen. Weder Kriegstraumata und Fahnenflucht noch Homosexualität und Syphilis werden ausgelassen. So einiges läuft in diesem Buch gehörig schief für die Hauptdarsteller. Und jede Menge lose Enden hinterlassen einen ungeduldigen Leser, der gerade noch die ein, zwei Wochen bis zum Erscheinen vom abschließenden Band erwarten kann.


    Wie schon gesagt. Mir hat es großen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ich störe mich nicht an den Cliffhangern, weil ich weiß, dass ich in zwei Wochen erfahre, was passiert. Mir gefällt, wie die Personen sich verändern und reifer werden. Ich habe mehrere liebgewonnene Darsteller und hoffe sehr, dass die Liebenden alle zusammen kommen. Ja, es darf gerne auch ein bisserl kitschig sein. :grin

  • Das Buch:

    Der 2. Band der großen Familien-Saga um das Gut Greifenau von Hanna Caspian voller dramatischer Verwicklungen für alle Leser von Anne Jacobs und alle Fans von Downton-Abbey

    August 1914: Der Erste Weltkrieg beginnt, und Konstantin muss an die Front. Sein Vater ist unfähig, das Gut zu führen, das bald hochverschuldet ist. Die Verbindung von Katharina mit dem Kaiserneffen Ludwig von Preußen wird nun zur Überlebensfrage. Doch Ludwig tritt nicht nur seiner Verlobten Katharina zu nahe … Es droht ein Skandal! Katharina setzt ihre ganze Hoffnung auf eine Rettung durch den Industriellensohn Julius. Doch soll eine Ehe mit ihr ihm nur den Eintritt in den Adelsstand ermöglichen? Und dann ist da noch der Kutscher Albert, der sein Geheimnis nur im Dorf Greifenau klären kann.

    Der Nachfolgeband zu "Gut Greifenau. Abendglanz".

    Die Gut-Greifenau-Reihe im Überblick:


    Band 1: Gut Greifenau - Abendglanz

    Band 2: Gut Greifenau - Nachtfeuer

    Band 3: Gut Greifenau - Morgenröte


    Die Autorin:

    Hinter Hanna Caspian verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Autorin, die ihr Herz ans Rheinland verloren hat.

    Ihre historischen Liebesromane behandeln spannende Themen der vergessenen deutschen Geschichte. Dabei verwebt sie akribisch tatsächliche historische Begebenheiten mit dem Leben fiktiver Figuren.

    Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften und Sprachen.

    Mit ihrem Mann wohnt und arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Rhein.

    Meine Meinung:

    Endlich der zweite Teil und ich bin zurück auf Gut Greifenau. Und sofort wieder mitten im Buch. Der erste Band wirft ja viele Fragen auf und endet nicht nur sehr plötzlich sondern so, das man eigentlich sofort weiterlesen müsste.


    Wir landen wieder in den ersten Jahren des ersten Weltkrieges und begleiten die Familie und deren Angestellen in dieser doch schweren Zeit, allerdings auch einer Zeit der großen Veränderungen. Und es passiert so unglaublich viel in diesem Buch, Männer müssen in den furchtbaren Krieg, das Gut ist hochverschuldet und noch immer soll die Tochter den furchtbaren Ludwig heiraten, die liebste Feodora macht allen das Leben schwer, einfach eine herzlose Frau und in meinen Augen keine Mutter. Einige Rätsel aus dem ersten Buch werden hier nun erklärt, dafür kommen aber immer wieder neue spannende Fragen auf, so das man eigentlich das dritte Buch am besten direkt im Anschluss lesen möchte. Das Buch endet also mit einem Cliffhanger, der kaum zu ertragen ist.


    Das Buch ist so packend und so unglaublich detailliert geschrieben, Hanna schaft es, das man sich fühlt wie in einer Zeitmaschine, die einen direkt in den ersten Weltkrieg befördert. Und das ist nicht nur schön, sie beschreibt auch vieles wirklich Grausames, aber so war es eben, da gibt es nichts dran zu rütteln, alles andere wären Lügen. Perfekt recherchiert.


    Die Charaktere sind unfassbar lebendig, man liebt sie einfach oder man hasst sie mit jeder Faser, wie ich z.B Feodora. Aber dadurch lebt das Buch auch. Zusätzlich zu den historischen Details ergibt das eine fantastische Mischung.


    Für mich kaum Kritikpunkte, ich brenne darauf das dritte Buch zu lesen


    10 Eulenpunkte


    Danke :bluemchen




  • Buchmeinung zu Hanna Caspian – Gut Greifenau. Nachtfeuer


    „Gut Greifenau. Nachtfeuer“ ist ein Roman von Hanna Caspian, der 2018 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der zweite Band einer Trilogie um die Bewohner des fiktiven Gutes Greifenau, die von 1913 bis 1919 spielt.


    Zum Autor:

    Hinter Hanna Caspian verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Autorin, die ihr Herz ans Rheinland verloren hat. Ihre historischen Liebesromane behandeln spannende Themen der vergessenen deutschen Geschichte. Dabei verwebt sie akribisch tatsächliche historische Begebenheiten mit dem Leben fiktiver Figuren. Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften und Sprachen.

    Mit ihrem Mann wohnt und arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Rhein.


    Klappentext:

    August 1914: Der Erste Weltkrieg beginnt, und Konstantin muss an die Front. Sein Vater ist unfähig, das Gut zu führen, das bald hochverschuldet ist. Die Verbindung von Katharina mit dem Kaiserneffen Ludwig von Preußen wird nun zur Überlebensfrage. Doch Ludwig tritt nicht nur seiner Verlobten Katharina zu nahe … Es droht ein Skandal! Katharina setzt ihre ganze Hoffnung auf eine Rettung durch den Industriellensohn Julius. Doch soll eine Ehe mit ihr ihm nur den Eintritt in den Adelsstand ermöglichen? Und dann ist da noch der Kutscher Albert, der sein Geheimnis nur im Dorf Greifenau klären kann.

    Meine Meinung:

    Vieles, was ich zum ersten Teil geschrieben habe, kann ich nur wiederholen.Ich habe mich in und mit diesem Buch wohlgefühlt. Die Figuren sind erfrischend und zum Teil in erstaunlicher Tiefe mit Ecken und Kanten beschrieben. Neben den Liebesgeschichten der beiden Grafenkinder werden Themen aus der Welt der Bediensteten erzählt. Dazu kommen kriegsbezogene Episoden um Deserteure und Flüchtlinge sowie ein Geheimprojekt, an dem Konstantin beteiligt ist. Politische Ereignisse spielen weiterhin im Leben der Bewohner kaum eine Rolle, wohl aber der allgegenwärtige Standesunterschied und kriegsbedingte Versorgungsengpässe. Es gibt immer noch viele Geheimnisse um die Bewohner des Gutes, die nach und nach an die Oberfläche gebracht werden. Albert Sonntag bleibt meine Lieblingsfigur, auch wenn sich seine Rolle etwas wandelt. Er kann seine Herkunft klären, weiß aber nicht, wie er damit umgehen soll. Er schwankt zwischen Rachefantasien und Glücksgefühlen, die ihm bisher fremd waren.

    Einen großen Wandel erfährt Katharina, die von einem jungen Mädchen zu einer selbstbewußten jungen Dame wird, die sehr konkrete Vorstellungen von ihre Zukunft hat, die aber nicht mit den Plänen ihrer Eltern übereinstimmen. Überhaupt sind es weiterhin die kleinen Dramen und Erfolge, die dem Roman Würze verleihen. Manche Figuren sind etwas einseitig gestaltet, aber sie passen dennoch in die Geschichte. Das Leben auf dem Gut wird glaubhaft und realistisch beschrieben und von Zeit zu Zeit passiert etwas aufregendes. Auch diesmal bleiben viele Erzählstränge offen, ja es gibt zwei wesentliche Cliffhänger, die mir nicht gefallen haben, zumindest nicht am Ende eines Buches.

    Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd und bei der Vielzahl der Figuren findet sich für jeden Leser etwas. Mit einigen Figuren fiebert man mit, anderen wünscht man weniger Erfolg. Der Leser lernt die Auswirkungen des Krieges auf die Bewohner des Gutes kennen und die kleinen Dramen wirken präsenter als die auch vorhandenen Glücksmomente. Viele der Figuren entwickeln sich weiter und überraschen mit neuen Eigenschaften.


    Fazit:

    Mir hat dieser Band in weiten Teilen besser gefallen als der erste Teil, aber das Ende mit den beiden großen Cliffhangern fand ich überzogen und so bleibt es bei vier von fünf Sternen (9 von 10 Punkten). Ich spreche eine klare Leseempfehlung für diese gut erzählte Familiensaga aus und bin auf den Abschluss der Trilogie gespannt.

    :Hörbuch Steve Hamilton - Das zweite Leben des Nick Mason

    :Hörbuch Robert Fabbri - Der gefallene Adler

    :lesend Matthias Ernst - Schwabenschmerz

    :lesend Michelle Cordier - Die Blüten von Pigalle

    :lesend Roman Rausch - Die Schwarzkünstlerin

  • Buch 2 schließt sich -meiner Meinung nach- ohne (große) Pause an Band 1 an und lässt uns weiter an der Familie und am damaligen politischen Geschehen teilhaben. Wir erfahren, das der Erbe des Gutes, Adolphis, ein nachgeborener Sohn, nicht in der Lage ist, in die Fußstapfen seines Vaters und vorverstorbenen Bruders zu treten. Sein Sohn Konstantin hingegen, wäre durchaus dazu in der Lage; dieser muss allerdings in den Krieg ziehen, wie der 2. Sohn auch.


    Wir erfahren sehr viel über die Lebensumstände des Adels und der sog. Dienerschaft. Ferner erfahren wir, wie diese ganzen Kriegseinschränkungen auf die Menschen der damaligen Zeit gewirkt haben, für mich ist dies hochinteressant, da ich als zweites Hobby Ahnenforschung betreibe und gerade an einem Ortsfamilienbuch meines Heimatortes arbeite. Die Infos, die ich hier herausnehmen kann, galten vermutlich auch für meinen Heimatort und können dort gut eingearbeitet werden, um div. Sachen besser zu verstehen - dafür danke ich an dieser Stelle bereits.


    was mich persönlich stört: bei den letzten beiden Etappen des Buches gab es viel Wirrwarr, was mich gezwungen hat, immer wieder kleine Pausen einzulegen und das ganze zu sortieren. Ferner ärgert/stört es mich, das es am Ende des Buches noch ganz viele offene, ungeklärte Punkte gibt, die vermutlich nur durch das Lesen des 3. Teils aufgelöst werden. Einige Sachen hätte man, meiner persönlichen Meinung nach, bereits auflösen, andeutungsweise auflösen oder so deutlich erläutern können, das dort kein sog. Cliffhanger entsteht, aber ok, es ist meine ganz persönliche Meinung.


    Gerne werde ich das Buch, wie auch Teil 1 weiter empfehlen, freue mich aber auch darauf, das Teil 3 "bereits vor der Tür steht". Wäre der Abstand größer, hätte ich vermutlich .... eine fürchterlich negative Bewertung geschrieben.. So vergebe ich 9 von 10 möglichen Punkten (die Cliffhanger stören mich, deshalb der eine fehlende Punkt).


    Ansonsten: Danke an den Verlag, die Losfee, Wolke und die Autorin, das ich dabei sein durfte.

  • Leider habe ich hier noch gar nichts geschrieben. Ich wollte meine Eindrücke sacken lassen, doch nun steht schon der Abschluss der Trilogie an, daher los gehts:


    Das Weiterlesen und Hineinkommen in die Story, drei Wochen nach dem Auftakt, fiel leicht. Es gibt Spannung, Hintergründe und Berichte von der Front. Erneut werden neue Fäden aufgenommen und aus "Abendglanz" begonnene Spannung noch nicht zu Ende geführt. Auch viel Drama geschieht in der Personaletage.


    Lange Zeit hat mir dieser Roman besser gefallen als der erste Band. Die letzten 100 Seiten des Buches wurde mein Leseeindruck ganz stark durcheinander gewirbelt. Ich klappte zuletzt das Buch kopfschüttelnd und wütend zu. Mehr Schlimmes konnte wohl nicht noch erzählt und angerissen werden. Das Buch endete mir mit zu viel Kitsch, Klischee & Drama! Und mit viel zu viel offener Handlung!


    Feodora bleibt mir sehr unsympathisch, man wünscht ihr regelrecht, dass sie persönlich noch ihre Strafe bekommt – dies wäre wohl ein gesellschaftlicher Abstieg.


    Mit den Personen im Buch fühle ich mit, aber keine zieht mich soghaft an oder kann mich fesseln.


    - Julius Briefe an Katharina haben mir gefallen.

    - S 378 war für mich überflüssige Schilderung.

    - Auch war schön, dass zumindest Albert seine Mutter und Tante kennenlernte.


    Das Glück auch dieses Bandes ist die erzählerische Stärke der Autorin, dadurch gut und schnell lesbare Handlung.


    Ich hoffe mit Band drei etwas versöhnt zu werden. Rechne aber auch damit, dass die Autorin meisterhaft beherrschen wird, die Geschichte in ihrer Vielfältigkeit und den vielen Personen umfassend zu Ende zu erzählen und Fäden zusammen zu führen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • 1914. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges müssen sowohl Konstantin als auch Nikolaus an die Front rücken, während das Gut in den Händen von Konstantins Vaters bleibt und auch eine Aussöhnung mit Rebecca nicht stattgefunden hat. Leider hat Graf Adolphis kein Händchen für die Führung des Gutes, und schon bald türmen sich die Schulden. Deshalb gibt es keinen anderen Ausweg, als Katharina schnellstmöglich mit Ludwig von Preußen, dem Kaiserneffen, zu verheiraten. Katharina dagegen hofft immer noch auf die Rückkehr von Julius, um dem verhassten Ludwig und der Eheschließung zu entgehen. Auch Kutscher Albert ist weiterhin auf der Suche nach seinen Eltern und als er diese schließlich ausfindig macht, ist die Überraschung perfekt, denn diese Neuigkeit eröffnet völlig neue Perspektiven…


    Hanna Caspian hat mit ihrem Buch „Gut Greifenau – Nachfeuer“ den zweiten Teil ihrer Greifenau-Trilogie vorgelegt, die den ersten Band an Spannung, Verwicklungen und Überraschungen noch übertrifft. Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und detailreich, schnell lässt sich der Leser in die Seiten saugen und Gut Greifenau erneut einen Besuch abstatten, wobei man sich nun dort schon recht heimisch fühlt zwischen all den Bediensteten und den adligen Herrschaften. Unsichtbar und doch nicht unbeteiligt verfolgt der Leser das Treiben der einzelnen Gutsbewohner, die mit Anbeginn des Krieges so einiges an Ängsten und Entbehrungen in Kauf nehmen müssen, was andere wiederum nicht wahrhaben wollen und die Augen davor verschließen. Der Autorin gelingt es scheinbar mühelos, Historie mit Fiktion zu verweben und dem Leser nicht nur ein anschauliches Bild der damaligen Lebensumstände zu vermitteln, sondern auch die vielen Fallstricke aus Intrigen, Geheimnissen und Lügen wunderbar miteinander zu verstricken, so dass der Spannungsbogen nicht eine Sekunde lang abreißt, und der Leser regelrecht an den Seiten klebt. Aus wechselnden Perspektiven erhält der Leser ein wunderbares Bild sowohl hinter als auch vor den Kulissen und leidet, hofft und bangt mit den Protagonisten, als wäre er ebenso Teil der Familie. Der Knall am Schluss lässt nur einen Wunsch offen: Band 3 – wann kommst du?


    Mit besonderer Liebe zum Detail wurden die Charaktere weiter ausgestaltet und erleben durchweg alle eine Entwicklung in ihrem Lebenslauf. Sie wirken greifbar, menschlich, lebensnah, aber auch abgehoben, unerbittlich oder unversöhnlich. Der Leser hat eine bunte Palette an Protagonisten, denen er seine Sympathie schenken kann, aber es gibt auch diejenigen, denen man die Pest an den Leib wünscht. Katharina ist nicht zu beneiden, denn sie soll das Bauernopfer sein, um die finanzielle Not der Familie zu lindern. Ludwig ist ein ekelhaftes Scheusal, dem man die gerechte Strafe wünscht. Konstantin sehnt sich nach Rebecca, die aber ist immer noch unversöhnlich. Adolphis ist ein Fehlgriff für die Gutsführung, sein Vergnügen sucht er außerhalb seines Hauses, was wohl auch mit zu den finanziellen Nöten der Familie führt. Feodora ist unbestritten eine Ignorantin erster Stunde und immer noch unerbittlich. Albert hegt sein Geheimnis und treibt die Spurensuche voran. Clara ist zu bedauern, sie trifft es besonders hart. Ebenso wichtig sind auch alle anderen Bewohner für das schöne Gesamtbild der Handlung.


    „Gut Greifenau – Nachtfeuer“ ist ein sehr gelungener, vielschichtiger und hochspannender Roman mit vielen Verwicklungen, menschlichen Abgründen sowie den normalen Ängsten, Nöten, Träumen und Wünschen aller Bewohner, die das Gut zum Leben erwecken. Wunderbar lebendig erzählt und mit hohem Suchtpotential! Eine verdiente absolute Leseempfehlung!


    5 von 5 Sternen

    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben"(Oscar Wilde) :)

    "Bücher sind wie Drogen, nur ohne die Gefahr einer Überdosierung" (Karl Lagerfeld)

  • "Nachtfeuer" - Band 2 der Gut Greifenau Reihe hat mir wieder richtig gut gefallen.

    Der 1. Weltkrieg hat begonnen und nach und nach werden die Auswirkungen auch bei der Oberschicht spürbar.

    Viele Personen sind mir schon ziemlich ans Herz gewachsen, manche Schicksale, wie das von Clara, sind mir nahe gegangen.

    Besonders gut gefällt mir Katharina, die Tochter des Grafen, eine intelligente und sympathische junge Frau.

    Und Konstantin, ihr Bruder - wird er es schaffen, das Gut vor dem finanziellen Ruin zu retten? Oder muss Katharina eine Zwangsheirat eingehen?


    Beim Lesen kommt keine Langeweile auf, der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar.

    Und natürlich mache ich mit Band 3 weiter...……..

    Wer also einen historischen Schmöker sucht, ist bei dieser Reihe gut aufgehoben.


    Schön wäre es allerdings wenn auf den Büchern selbst auf den ersten Blick erkennbar wäre, dass es sich um eine Reihe und um welchen Band derselben handelt.