'Zeit aus Glas' - Seiten 239 - 320

  • Noch einmal feiert die Familie Chanukka, aber ein richtig fröhliches Fest ist es nicht mehr.

    Eigentlich hat Großvater Valentin ja in vielem recht, dass es Krieg geben wird und dass die anderen Staaten das nicht zulassen. Leider hat er in einem unrecht: Er und seine Frau sind nicht zu alt..... Das was kommen wird kann sich wirklich niemand vorstellen. Da stellen sich bei mir echt die Haare auf.


    Als Karl verhaftet wurde sind bei mir auch die Tränen geflossen... Obwohl er ja nicht wirklich anpacken kann, hat er alles versucht der Familie einen guten Neustart im Ausland zu ermöglichen.

    Ganz ehrlich, bei der Vorstellung, dass man ihm die Brille wegnimmt und er dann wirklich komplett hilflos ist war es bei mir echt vorbei, da sind die Tränen nur so geflossen.....

    Marthakommt ja wirklich gar nicht damit zurecht und Ilse ist halt auch noch ein Kind. Ruth mit ihren 17 hat nur noch Tante Hedwig, auf die sie sich stützen kann....


    Was soll das nur werden, wenn das mit England doch klappt.....

  • Mist! Karl wurde verhaftet, etwas was damals andauernd passierte. Häufig auch grundlos, in der Zeit war die "Rasse" Jude als Grund ausreichend. In diesem Fall allerdings, wurde der empfohlene Schmuggler erwischt, dem Karl zum ersten Mal Silberbesteck und Bargeld mitgegeben hat. Dieser hatte Wertsachen diversen Juden und sie daher mit in Klarschrift geschriebenen Zetteln dem Besitzer zugeordnet. Warum trug Karl bei seiner Verhaftung Anzug mit Weste, Krawatte und das nachts in seinem Zuhause? Wollte er noch einmal weg? Drehte er noch andere heimliche Geschäfte? Kann mir nicht vorstellen, dass die abholenden Beamten ihm Zeit gaben um sich so gewissenhaft anzuziehen.


    Meine Großeltern, gewerkschaftlich aktive Christen wurden ja sogar damals mehrfach in Schutzhaft mehrtägig genommen…


    Martha ist sehr labil, schon mehrfach befürchtete ich, dass sie sich etwas antut oder einen Fehler begeht, damit sie verhaftet, gequält wird und ihrem Leiden ein Ende gesetzt wird. Sie hat wenig Hoffnung, ist niedergeschlagen und ohne Antrieb. Ihr fehlt Stärke und Kraft und Überlebenswille. Sie ist psychisch abgegriffen.


    Warum meldet sich Hans Vater aus Palästina nicht?

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Ohne Ruth wäre die Familie bereits zusammengebrochen. Martha ist schon ohne Verhaftung eine Belastung. Sie ist wohl schwer depressiv, woher hat denn dann Ruth ihre Kraft und ihre Widerstandsfähigkeit?


    Ob ein Anwalt Karl wirklich helfen kann? Den Nazis waren die geltenden Gesetze ja völlig gleichgültig, denn ging es zunächst ja nur um Psychoterror und Quälerei.


    Ein Aspekt dieser Zeit war mir bislang noch gar nicht bewusst. Dass die Juden aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und das jüdische Kulturleben zerstört wurden, ist bekannt. Dass dies aber zu Melancholie und Langeweile führte, liegt zwar auf der Hand, bewusst war es mir allerdings nicht. Es war ja fast nicht mehr möglich, den Tag irgendwie zu gestalten.

  • Die alten Leute glauben immer noch, sicher zu sein, auch wenn mehr und mehr Übergriffe bekannt werden. Tante Finchen ist einige Male als Kurier nach Holland gefahren, aber dann macht es jemand anderes und Ruths Vater übernimmt die Alleinschuld, als er verhaftet wird. Die Familie steht kurz vor dem Untergang, allein Ruth erweckt Hoffnung.

    :Hörbuch P. D. James - Drei Fälle für Adam Dalgliesh

    :Hörbuch Graham Norton - Ein irischer Dorfpolizist

    :lesend Lorenz Stassen - Opferfluss

    :lesend Ulrike Renk - Tage des Lichts

  • Trotz aller Repressalien und Schwierigkeiten versucht die Familie sich schöne Momente zu verschaffen. Sie feiern gemeinsam Chanukka. Die Großeltern sind überzeugt, dass man sie unbehelligt lässt, weil sie so alt sind. Welche ein Irrtum. Weder Geschlecht noch Alter noch Beruf schützen.


    Karl versucht alles außer Landes zu schaffen. Dabei ist er ziemlich leichtsinnig. Die Aretz sollen geschützt werden und dafür nimmt er dann jemand Wildfremdes. Es musste schief gehen. Nun ist er verhaftet und Martha bricht wieder zusammen. Ruth muss wirklich vieles tragen, dabei ist sie noch so jung.

  • Nochmal feiern alle zusammen Chanukka. Dies zeigt, was eine Familie ausmacht...……

    Karl wird verhaftet und die Verzweiflung ist greifbar.

    Mir haben alle so leid getan, Martha ist am Ende, ihre Krankheit bricht wieder voll aus und sie ist so gut wie handlungsunfähig.

    Ein Selbstmord wäre ihr in dieser Zeit durchaus zuzutrauen.

    Wieder muss Ruth die Fäden zusammen halten.

    Aber so ist es, die Menschen sind unterschiedlich, der eine schafft das, der andere jenes. Und mancher ist quasi außer Gefecht gesetzt...……..da hilft dann wirklich nur ein guter Zusammenhalt.


    Was für schreckliche Zeiten. :-(

  • In diesemFall allerdings, wurde der empfohlene Schmuggler erwischt, dem Karl zum ersten Mal Silberbesteck undBargeld mitgegeben hat. Dieser hatte Wertsachen diversen Juden und sie daher mit in Klarschrift geschriebenen Zetteln dem Besitzer zugeordnet. Warum trug Karl bei seiner Verhaftung Anzug mit Weste, Krawatte und das nachts in seinem Zuhause? Wollte er noch einmalweg?

    Vielleicht hatte Karl schon eine Ahnung, dass es schief gegangen ist, oder er hatte einen Tipp bekommen.

    Warum meldet sich Hans Vater aus Palästina nicht?

    Vielleicht ist er nie angekommen oder seine Briefe sind einfach abgefangen worden.

    Ob ein Anwalt Karl wirklich helfen kann? Den Nazis waren die geltenden Gesetze ja völlig gleichgültig, denn ging es zunächst ja nur um Psychoterror und Quälerei.

    Die Gesetze waren ihnen zwar gleichgültig und sie handelt nicht danach, aber diese Gesetze waren immer noch in Kraft. Mit der Zeit verschärfte sich das Beugen natürlich immer mehr, aber Anwälte die den Mumm hatten, konnten manchmal auch etwas ausrichten.

  • Damals wurde schon noch geschaut, dass die Gestze eingehalten wurden. Noch war kein Krieg - und Deutschland wollte er gerüstet sein, bevor es gegen die anderen ging.
    Deshalb hat man oft schon versucht, die Gesetze einzuhalten oder irgendwie zu beugen. Nach Kriegsbeginn war das dann egal - eine friedliche Lösung war nicht mehr möglich.
    Trotzdem gab es auch dann noch Richter, die sich penibel an die Gesetze hielten - paradox irgendwie. Aber die damalige Zeit war sowieso sehr, sehr paradox.

  • Karl ist ein blauäugiger "Held". Es war doch eigentlich klar, das man keine Menschen beauftragt, Sachen außer Landes zu bringen, die man selber nicht/nicht gut kennt. Da kann ein Familienmitglied noch so darauf drängen, das dieser Mensch genommen wird. Ich werde den Verdacht nicht los, das die liebe Cousine das gemacht hat um ihre eigene Haut zu retten...


    Wieso Karl mitten in der Nacht komplett bekleidet war, erschließt sich mir nicht. Hat er einen Tipp bekommen, hat er ungutes Gefühl gehabt, wenn ja, warum hat er den Schleuser nach einer Tasse Getränk nicht unverrichteter Dinge wieder raus begleitet?


    Das in der Familie einige Menschen irgendwie an der Realität vorbei gehen, wird immer deutlicher. Die Senioren glauben auch immer noch, das sie zu alt und damit unzerstörbar sind. Das sich der Vater von Hans nicht meldet, ist für mich unerklärlich. Ist er nicht angekommen, hat er sich von seiner Familie losgesagt, hat er versucht, Kontakt aufzunehmen und die Briefe sind verloren gegangen? Alles irgendwie undeutlich. Jetzt bin ich neugierig, wie das mit der Verhaftung bzw. Verurteilung weiter geht.

  • Karl ist ein blauäugiger "Held". Es war doch eigentlich klar, das man keine Menschen beauftragt, Sachen außer Landes zu bringen, die man selber nicht/nicht gut kennt.

    Wer weiß, wie man in der Zeit reagiert hätte. Er versucht es, es wäre ja auch verloren, wenn sie plötzlich ausreisen könnten.

    Wieso Karl mitten in der Nacht komplett bekleidet war, erschließt sich mir nicht. Hat er einen Tipp bekommen, hat er ungutes Gefühl gehabt, wenn ja, warum hat er den Schleuser nach einer Tasse Getränk nicht unverrichteter Dinge wieder raus begleitet?

    Vielleicht drücken ihn die Sorgen so sehr, dass er einfach nicht mehr schlafen kann. Oder er ahnte wirklich, dass er aufgeflogen ist.

    Das sich der Vater von Hans nicht meldet, ist für mich unerklärlich. Ist er nicht angekommen, hat er sich von seiner Familie losgesagt, hat er versucht, Kontakt aufzunehmen und die Briefe sind verloren gegangen?

    Ich denke, dass man seine Briefe abgefangen hat.

  • Es kommt, was passieren musste. Karl wird verhaftet. Warum er sich voll bekleidet im Flur befindet, hat sich mir auch nicht erschlossen. Keine Ahnung, vielleicht hatte er wirklich noch etwas vor, wobei ihn dies sicherlich noch verdächtiger gemacht hätte.


    Ruth ist der einzig Lichtblick in dem Buch, ihre Mutter ist überhaupt nicht zu gebrauchen und auch ihre Großeltern tun nicht sonderlich viel der Familie zu helfen. Ilse nehme ich mal aufgrund ihres Alters heraus.


    Warum kein Brief aus Palästina durchkommt ist mir vollkommen klar, man will die Verbindungen unterlaufen und es den deutschen Juden so schwer wie möglich machen ins Ausland zu gelangen. Denn sind sie erst einmal im Ausland, kann man die Kuh nicht mehr melken...

  • Warum kein Brief aus Palästina durchkommt ist mir vollkommen klar, man will die Verbindungen unterlaufen und es den deutschen Juden so schwer wie möglich machen ins Ausland zu gelangen. Denn sind sie erst einmal im Ausland, kann man die Kuh nicht mehr melken...

    Das stimmt nicht so ganz. Man hat den Juden sehr wohl erlaubt, das Land zu verlassen - sie mussten nur so gut wie alles an Wertsachen zurücklassen. Aber es gab kein Land, dass sie aufnehmen wollte. 1939 hat Palästina legal keine Juden mehr aufgenommen.

  • Die gemeinsame Chanukka-Feier der Familie war eine kleine Erinnerung an bessere Zeiten - schön, dass die Familie gemeinsam feiert, aber man merkt doch deutlich, wie sehr sich die Lage verändert hat.


    Die alten Leute sind schon etwas realitätsfern, wenn sie glauben, dass ihnen nichts passiert, weil sie ja alt sind - andererseits denke ich, sie haben den Ersten Weltkrieg überstanden, und dass es nun noch viel, viel schlimmer wird, konnte sich damals einfach NIEMAND vorstellen.


    Karls Verhaftung trifft die Familie schwer, insbesondere Martha erleidet einen Schock und ist kaum noch ansprechbar - ich habe wirklich Sorgen, dass sie sich etwas antut. Und das ist für die Familie nun noch eine weitere Belastung. Ich finde zwar, dass Karl sehr unvorsichtig war, seine Wertsachen jemand Unbekanntem anzuvertrauen - aber er hatte nicht wirklich eine Wahl, nachdem Josefine Aretz das Risiko (verständlicherweise) nicht mehr eingehen möchte. Ich denke, dass Karl nichts unversucht lässt, um für seine Familie eine Möglichkeit zu finden, ins Ausland auszuwandern - dass er Wertsachen ins Ausland bringt, ist eben ein notwendiger Teil der Vorbereitungen.

  • Das stimmt nicht so ganz. Man hat den Juden sehr wohl erlaubt, das Land zu verlassen - sie mussten nur so gut wie alles an Wertsachen zurücklassen. Aber es gab kein Land, dass sie aufnehmen wollte. 1939 hat Palästina legal keine Juden mehr aufgenommen.

    Was wohl am britischen Mandat lag, oder? Auch dort hat man den Ernst der Lage nicht erkannt oder wollte einfach die Araber nicht zornig machen. Palästina war damals ja auch kein Land in dem Milch und Honig floß.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Was wohl am britischen Mandat lag, oder? Auch dort hat man den Ernst der Lage nicht erkannt oder wollte einfach die Araber nicht zornig machen. Palästina war damals ja auch kein Land in dem Milch und Honig floß.

    Ja, genau. Es gab damals schon bewaffnete Konflikte mit den Palästinensern. Was ja auch zu verstehen ist - plötzlich sagt jemand, dass ist jetzt nicht mehr euer Land.

  • Die alten Leute sind schon etwas realitätsfern, wenn sie glauben, dass ihnen nichts passiert, weil sie ja alt sind - andererseits denke ich, sie haben den Ersten Weltkrieg überstanden, und dass es nun noch viel, viel schlimmer wird, konnte sich damals einfach NIEMAND vorstellen.

    Die älteren Menschen haben schon so viel mitgemacht und wollen eigentlich nur ein ruhiges leben haben. Man sagt immer "einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr". Das spielt wohl neben der Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm wird und nicht lange dauert, ebenfalls mit.