Ulf Schiewe - Die Kinder von Nebra

  • Die Kinder von Nebra: Historischer Roman Kindle Ausgabe


    ASIN/ISBN: 978-3785726754


    Zum Buch lt. Amazon:

    Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...


    Zum Autor lt. Amazon:

    Ulf Schiewe wurde im Weserbergland geboren und wuchs in Münster auf. Er arbeitete als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen und lebte über zwanzig Jahre im Ausland, unter anderem in der französischen Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war Ulf Schiewe ein begeisterter Leser, zum Schreiben fand er mit Ende 50.


    Meine Meinung:

    Was erwarte ich von einer Geschichte, die in einer Zeit vor 4000 Jahren spielt? Ich musste erst mal überlegen, ob ich etwas in der Richtung schon mal gelesen habe. Dabei fielen mir vor allem Romane über das alte Ägypten und ein, zwei über prähistorische Menschen ein. Dieses Buch sprengte also durchaus meinen Leserahmen und ich war sehr gespannt darauf. Von Ulf Schiewe hab ich natürlich alles gelesen und deshalb hatte ich auch da schon eine gewisse Erwartungshaltung.


    Auch wenn es hilfreich und sehr sehr spannend ist, so würde ich doch davon abraten, das Nachwort vorne weg zu lesen, denn es enthält schon zwei, drei Einzelheiten, die den Verlauf der Geschichte etwas vorweg nehmen. Wen das nicht stört, der erfährt natürlich Genaueres über die Himmelscheibe - Dreh- und Angelpunkt der Geschichte - die vor einigen Jahren gefunden wurde und die den Geschichtswissenschaftlern - mit anderen Funden - große Hinweise darauf gab, wie die damalige Kultur in dem Teil Europas, der später Deutschland wurde, ausgesehen haben könnte. Ulf Schiewe hat gut recherchiert und dann aus den - zugegeben nicht unbedingt reichhaltigen - realen bekannten Versatzstücken und einer gehörigen Portion Phantasie "Die Kinder von Nebra" erzählt. Gekonnt verknüpft er diese ferne Vergangenheit auch mit dem Wissen, das wir über die darauf folgenden Jahrhunderte haben. Also z.B., wie sich die Religionen weiterentwickelten, wie die Gesellschaftsformen sich bildeten, was in alten Sagen und Mythen an Wahrheiten stecken und was Knochenfunde u.ä. aussagen.


    Die Geschichte an sich ist vor allem eine über eine junge Frau, Rana, die sich zur Priesterin weihen lässt und sich dem Kampf gegen einen ungerechten Fürsten und einen grausamen Gotteskult verschreibt. Dabei nutzt sie die von ihrem Vater geschmiedete Himmelsscheibe, um den Menschen ihre Ideen von einer liebenden hellen Göttin nahezubringen und die verschiedenen Stämme gegen den Feind zu einen. Auch wenn sie sich eine friedliche Bekehrung gewünscht hätte, so zeichnet sich bald ab, dass nur ein Krieg in eine glücklichere friedlicher Zukunft führen kann.


    Die Charaktere sind sympathisch angelegt und die Entwicklung der jungen Frau habe ich er sehr gerne mitverfolgt. Es war außerdem sehr spannend zu lesen, wie fortschrittlich und kultiviert die damalige Gesellschaft schon war. Ulf Schiewe hat es geschafft, das die Geschichte lebendig und realistisch rüber kam und in seiner gewohnt süffigen Art auch wunderbar zu lesen war.

    Mir hat gefallen, dass der Spannungsbogen so hoch gehalten wurde. Man wollte immer weiterlesen und ich hatte keine Probleme mal abzuschalten. Auch genau das, was ich mag - nicht nur derzeit. Und durch das interessante Nachwort bekommt die Geschichte noch das Sahnehäubchen.


    Ein wirklicher schöner Histoschmöker den ich gerne empfehle.

    8 von 10 Eulenpunkten






  • Hach, gerade wollte ich die Erstrezi erstellen. Musste nur mal suchen, in welchen Zeitabschnitt das gehört. hollyholunder ist mir nur zuvor gekommen. Hatte das in den Meldungen wohl übersehen.


    Gut.

    Historische Romane habe ich schon viele gelesen. Altes Ägypten, da gibt es schon ganz gute. An die Bronzezeit habe ich jetzt keine Erinnerung. Die Ayla-Serie ist ja wohl eher Steinzeit.


    Nun also eine Geschichte um die Entstehung der Scheibe von Nebra, die ja alleine für sich schon eine abenteuerliche Geschichte bei der Entdeckung hat. Ulf Schiewe kleidet nun die Entstehung der Himmelsscheibe in einen spannenden, gut lesbaren und auch sehr informativen Roman mit Figuren, die einem ja fast ans Herz wachsen.


    Allen voran Rana, die Tochter der Priesterin der Göttin Destarte Herdis und deren Mann, dem Schmied Utrik. Zu ihrem Haushalt gehören noch Arni, Ranas Bruder, Aiko und Ette, Knecht und Magd. Alle gehören dem Stamm der Ruotinger an, deren Anführer Orkon mit seinem Bastardsohn Arrak eine Schreckensherrschaft errichtet hat.


    Rana soll eigentlich Nachfolgepriesterin werden, ist sich aber unschlüssig, möchte nicht in eine Rolle gepresst werden. Allerdings wird sie im Lauf der Erzählung aus bestimmten Gründen ihre Meinung ändern.

    Schuld daran sind zum einen Arrak, der mordend und vergewaltigend durch die Gegend zieht und sein Vater, Orkon, der Menschenopfer willkürlich dem dunklen Gott der Unterwelt Hador, darbringt.

    Insofern ist die Geschichte Ranas, ihrer Familie und der aller Clans, die sich verbünden müssen, um der unmenschlichen Rgentschaft ein Ende zu machen, auch die Geschichte der Götter des Lichts und der Dunkelheit, Freiheit gegen Knechtschaft, Gute gegen Böse.


    Ulf Schiewe hat mich mit seiner Art, Geschichte, fiktiv und real, zu erzählen begeistert. Das Buch entwickelt einen Sog, dass man unmöglich aufhören kann zu lesen. Es kommt zu Krieg, die Gewaltsszenen sind manchmal schwer zu ertragen, aber immer ist da die Hoffnung, dass das Gute siegt.

    Wobei ich beim letzten Abschnitt schwer mit mir gerungen habe b ich weiter lesen soll. Man will ja seine Lieblinge nicht leiden oder sterben sehen. Für Rana erfüllt sich die Prophezeiung der Göttin, ihre Familie muss mit Verlusten leben aber am Ende bleibt die Zuversicht und die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben.


    Und mit der Lektüre des Buches kann man nur alles richtig machen.

    Ein abschiließendes, erklärendes Nachwort, ein Glossar mit Auflistung der Stämme, Vorstellung der zu der Zeit bevorzugten Götter und ein Personenregister machen das Buch komplett.


    9 Punkte

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • mir fehlen ein paar mehr Grautöne


    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Die Kinder von Nebra


    „Die Kinder von Nebra“ ist ein historischer Roman von Ulf Schiewe, der 2020 bei Lübbe erschienen ist.

    Zum Autor:

    Ulf Schiewe wurde im Weserbergland geboren und wuchs in Münster auf. Er arbeitete als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen und lebte über zwanzig Jahre im Ausland, unter anderem in der französischen Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war Ulf Schiewe ein begeisterter Leser, zum Schreiben fand er mit Ende 50.


    Klappentext:

    Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...


    Meine Meinung:

    Auch bei diesem Werk kommen die Stärken des Autors voll zum Tragen. Es ist eine Abenteuergeschichte voller Leben, mit starken Frauenfiguren und üblen Widerlingen auf der anderen Seite. Das historische Umfeld ist fundiert recherchiert und eindrucksvoll in den Roman integriert. Die Seiten fliegen nur dahin und doch fehlt mir etwas. Die Figuren sind fast alle mit nur wenig Grautönen versehen und entweder eindeutig gut oder eindeutig übel. Die Üblen sind dann auch richtig übel. Den Guten gelingt fast alles, auch wenn es Verluste unter den Randfiguren gibt. Auch das Ende des Buches war mir zu sehr auf Happy End gebürstet. Aber gefallen hat mir das Buch trotzdem.


    Fazit:

    Ein historischer Roman schwungvoll erzählt, dem ein paar mehr Grautöne zur Höchstnote helfen könnten. So gibt es vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung für die Freunde aufregender Abenteuergeschichten.

    :Hörbuch Lena Wolf - Ein Sommer auf Sylt

    :Hörbuch Graham Norton - Ein irischer Dorfpolizist

    :lesend Sophie Bonnet - Provenzalischer Stolz

    :lesend Serena Kent - Tod in Saint Merlot

    :lesend Elaine Viets - Mord mit Stil

  • Über den neuen historischen Roman von Ulf Schiewe habe ich mich sehr gefreut, da er in einer Epoche spielt, über die ich noch nicht viel gelesen habe: den Beginn der Bronzezeit vor ca. 4000 Jahren.

    Und der Autor hat mit "Die Kinder von Nebra" einen spannenden Abenteuerroman geschaffen, der mich von den ersten Seiten an in seinen Bann gezogen hat. Die Entstehung der bronzenen Himmelsscheibe ist in diesem Roman in eine fesselnde Geschichte eingebettet. Es geht um Götter und Kriege, um machtbesessene, grausame Herrscher und die Macht der Liebe.

    Das Buch ist sehr lebendig und anschaulich geschrieben. Einmal angefangen, kann man es kaum aus der Hand legen, man möchte unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Und ich habe als Leser einiges Interessantes erfahren, über die Lebensgewohnheiten der damaligen Menschen. Und vor allem auch über ihre Art an Götter zu glauben und mit den Göttern zu leben. Man merkt dem Buch deutlich an, wie gründlich und ausführlich der Autor über die Menschen in dieser Zeit recherchiert hat.


    Besonders gefallen an dem Buch haben mir zwei starke Frauenfiguren.

    Rana ist die Tocher des Dorfschmiedes, der heimlich die Himmelsscheibe anfertigt. Ihre Mutter ist Priesterin der Göttin Destarte und Rana selbst soll ihrer Mutter als Priesterin nachfolgen. Rana ist zu Beginn des Buches noch unsicher, ob sie dieser Aufgabe wohl gewachsen ist und sie hinterfragt viel. Sie ist eine sehr eigenständig denkende, junge Frau und sie macht im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durch.

    Die zweite Frauenfigur, Morgana, ist meine heimliche Lieblinsfigur in dem Buch. Sie ist eine starke, intelligente Frau und wurde gegen ihren Willen mit dem nachthungrigen Fürten Orkon verheiratet. Sie muss ihrem Mann unbedingt einen Erben schenken, damit sei weiterhin als Frau des obersten Fürsten akzeptiert wird.

    Das Schicksal der beiden Frauen kreuzt sich im Laufe des Buches und mir hat es besonderst gut gefallen, die Entwicklung der beiden zu verfolgen.


    Ich gebe dem Buch sehr gerne eine Leseempfehlung, für Leser, die gerne spannende, historische und gut recherchierte Abenteuerromane lesen.


    Die Aufmachung des Buches gefällt mir auch wieder sehr gut. Es gibt eine Karte, ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen und Orten, ein Personenverzeichnis und ein ausführliches Nachwort des Autors mit Erläuterungen.


    Ich bedanke mich hier auch noch mal für die engagierte Begleitung des Autors in der Leserunde, die mir viel Spaß gemacht hat, und für das kostenlose Leseexemplar.:blume

  • In seinem neuen Roman entführt uns Ulf Schiewe in die Welt vor viertausend Jahren. Die Protagonistin Rana ist eine eigenwillige junge Frau, die mit ihrer Familie in einem kleinen Ort nahe der Gera-Mündung ein zufriedenes Leben führt. Ist sie anfangs noch unschlüssig, wie ihr weiteres Leben aussehen soll, so bestärkt eine unschöne Begegnung mit Arrak, dem Sohn des Fürsten Orkon, die junge Frau, dem Wunsch ihrer Mutter nachzukommen und ihr als Priesterin der Göttin Destarte nachzufolgen.

    Fürst Orkon und seine Anhänger huldigen Hador, dem Gott der Unterwelt und des Totenreichs. Orkon nutzt seine Macht brutal aus, um das Volk zu knechten und auszubeuten.

    Eines Nachts erscheint Rana die Göttin des Lichts im Traum. Destarte fordert sie auf, sich gegen Orkons dunkle Herrschaft zu stellen. Währenddessen schmiedet Ranas Vater eine Bronzescheibe, die ein geheimes Wissen birgt. Zusammen mit wenigen Verbündeten macht sich Rana auf, den Menschen das Licht ihrer Göttin nahe zu bringen. Die mystische Bronzescheibe ihres Vaters soll ihr dabei he.fen. Kann sie wirklich etwas gegen die finstere Übermacht Orkons und seiner Krieger ausrichten?


    Bei der Bronzescheibe, die Ranas Vater Utrik gefertigt hat, handelt es sich um die geheimnisvolle, real existierende Himmelsscheibe von Nebra. Sie ist das Herzstück des Romans, um das sich die Handlung dreht. Wie der Autor im Nachwort verrät, war es eine Herausforderung für ihn, als er gebeten wurde, einen Roman über die Himmelsscheibe und ihre Entstehung zu schreiben. Das kann ich gut nachvollziehen, denn die Geschichte spielt in einer Zeit, über die nicht allzu viel bekannt ist. Wer Ulf Schiewe kennt, weiß, dass der Autor sehr authentische Romane schreibt, immer in dem Bemühen, möglichst viele bekannte Fakten zu verarbeiten und sich mit der Handlung nahe an der Realität zu bewegen. Gerade hier, bei einem Roman über die Bronzezeit, setzte das eine extrem intensive Recherchearbeit voraus.

    Man merkt es dem Roman an, dass sich der Autor bis ins Detail mit dieser damaligen Welt, ihren Sitten und Gebräuchen, ihren Herrschern und Göttern, beschäftigt hat. Hinter vielen Schauplätzen und Höhepunkten in der Handlung stecken tatsächliche Erkenntnisse und Entdeckungen, über die man nichts Näheres weiß, die ihr Geheimnis nicht preisgeben, aber trotzdem unsere Phantasie anregen. So ist dieser Roman entstanden, indem der Autor um diese Tatsachen herum seine Handlung aufgebaut hat. Seine Protagonisten sind allesamt glaubwürdig. Sprachlich ist das Buch eher neutral gehalten, denn eine Anpassung an die damalige Sprache ist sowieso unmöglich, und jeder Versuch, dies zu erreichen, würde unweigerlich unbefriedigend ausfallen.

    Die Handlung baut einen sehr hohen Spannungsbogen auf, so dass dieses Buch für mich ein wahrer Pageturner war, den ich am liebsten in einem Rutsch gelesen hätte. Andererseits habe ich es genossen, in diese fremde, geheimnisvolle Welt mit ihrer Mythologie und ihren Sitten und Gebräuchen einzutauchen und möglichst lange dort zu verweilen. Mich hat dieser Roman ungemein gefesselt und mit seinen farbigen, lebendigen Bildern begeistert. Ein Buch von Ulf Schiewe lesen bedeutet für mich auch immer, viel Neues zu erfahren und dazu zu lernen. So birgt jedes Kapitel nicht nur mitreißende Ereignisse, sondern zugleich eine Geschichtsstunde vom Allerfeinsten.

    Auch die äußere Aufmachung des Buches möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die Gestaltung ist sehr hochwertig und schön. Auf dem Cover sieht man die Himmelsscheibe in voller Pracht, und auf den inneren Buchdeckeln findet man eine Karte mit den Handlungsorten.

    Personenverzeichnis, Glossar, das informative und sehr interessante Nachwort des Autors sowie Übersichten zu den Göttern und den beteiligten Klans runden dieses großartige Buch ab.


    10 von 10 Eulenpunkten und mein Monats-Highlight im April:thumbup:

  • Aber vielleicht ist es unvermeidlich, dass das Alte stirbt, damit das Junge leben und sich entfalten kann. (S. 585)


    Meine Meinung


    Zu Beginn des informativen Nachwortes (das man nur dann zuerst lesen sollte, wenn man keine Angst vor Spoilern hat) schreibt der Autor, daß er von außen ermutigt werden mußte, diesen Roman zu schreiben, weil ihm eigentlich der Sinn nach Anderem stand. Jetzt, da ich das Buch ausgelesen habe, bin ich froh, daß er wirksam ermutigt wurde und das Buch geschrieben hat, es wäre wirklich schade, wenn es diesen Roman nicht gäbe und ich ihn demzufolge nicht hätte lesen können. Von der Zeit, in der die Geschichte angesiedelt ist, habe ich wenig Ahnung, und es war letztlich die Sternenscheibe von Nebra, die mich „überredet“ hat, das Buch zu lesen.


    Über die Scheibe selbst ist inzwischen relativ viel bekannt, aber die genauen Umstände der Entstehung, welche Intention der Schöpfer hatte, wie die Menschen darauf reagiert haben - das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Ausgehend von den heute bekannten Fakten hat Ulf Schiewe um die Scheibe und die Menschen jener Tage eine Geschichte ersonnen, die sich dermaßen folgerichtig entwickelt, daß ich unwillkürlich das Gefühl hatte: genau so ist es gewesen.


    Mit viel Einfühlungsvermögen läßt er eine lange untergegangene Welt erstehen und bringt uns die Menschen jener Tage näher. Dabei wird mehr als ein Mal deutlich, daß manche Probleme und Entwicklungen anscheinend zeitlos und damals wie später oder gar heute die gleichen sind. Etwa der Konflikt zwischen den Alben (= Steinzeitmenschen) und den „modernen“ Bronzezeitmenschen. Wenn die Alben über ihre Geschichte erzählen: „Und dann kamen die, die der Mutter Erde Wunden schlagen und Samen in sie legen.“ (S. 426), so entspricht das ziemlich genau dem, was einige Jahrtausende später die Indianer über die eindringenden Weißen sagten. Oder wenn eine Seite später (427) die Sicht der Ruotinger geschildert wird: „Damit müssen wir zurecht kommen, denn was die Alben angeht, so gehören sie einfach nicht mehr in unsere Zeit. Auf lange Sicht sind sie dem Untergang geweiht. Das ist wohl unvermeidlich.“ - anderes Buch andere Zeit, und genau das würde ein Weißer über die Indianer sagen. Alles schon mal da gewesen.


    Aus dem Nachwort ergibt sich, daß der Autor vieles von dem, was heute bekannt ist, in die Romanhandlung eingeflochten bzw. diese daran ausgerichtet hat. Das ergibt trotz - oder gerade wegen - des historischen Bezuges eine spannende, teils abenteuerliche Geschichte, in deren Verlauf auch der Sinn und die Bedeutung der Sternenscheibe erklärt werden. Nur folgerichtig, daß darum Streit entbrannte. Die archäologischen Anzeichen für Streit (lies Krieg) hat Ulf Schiewe im Nachwort erläutert, wie das in realiter abgelaufen sein könnte, liest man im Roman.


    Die Figuren denken und handeln in einer in sich sinnvollen und „geschlossenen“ Welt - bis hin zu teils grausamen Hinrichtungen -, so daß es dem Autor gelingt, eine weit zurückliegende Zivilisation zum Leben zu erwecken. Besonders gefallen hat mir, daß er dabei die (vermutlichen) Maßstäbe jener Zeit und nicht, wie so oft zu finden, die der unsrigen zugrunde gelegt hat; das trifft auch auf die Unterschiede zwischen den Ruotingern und den Alben zu. Dem tut keinen Abbruch, daß die Erzählung in moderner Sprache geschrieben ist. Im Gegenteil - wer weiß schon, wie der Sprachgebrauch seinerzeit war - und wer, kennte man den, würde schon so mehr als altertümlich lesen wollen?


    Die beschriebenen Grausamkeiten halten sich in (für mich) gut lesbaren Grenzen, die Balance zwischen Beschreibung und Weglassen von Details ist praktisch immer gewahrt; auch, wenn nicht immer jedes Detail erwähnt wurde, weiß man doch, was geschieht. Die Entwicklung (oder auch Nichtentwicklung) der Figuren empfand ich als glaubhaft; recht schnell sprang das berühmte Kopfkino an und, war ich erst einmal am Lesen, die Seiten flogen nur so dahin.


    Am Ende ist die Geschichte auserzählt, manches Rätsel gelöst, manche Schlacht geschlagen, die Bedeutung der Sternenscheibe auch mir, der einige tausend Jahre nach ihrer Entstehung lebt, verständlich geworden, und ein dunkles Kapitel der Geschichte wurde erhellt. Wenn ich darüber nachdenke, bleibt mir eigentlich nur ein Fazit übrig: so soll ein historischer Roman sein, denn genau so, wie hier dargestellt, könnte es damals gewesen sein.



    Mein Fazit


    Ein Roman um die Bronzescheibe von Nebra und die Menschen, die diese geschaffen haben. Großartig erzählt - so könnte es damals in der Tat gewesen sein.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Mit etwas Verspätung hier nun auch noch meine Rezension:


    Ulf Schiewe – Die Kinder von Nebra


    Inhalt:


    Die Geschichte spielt in der Bronzezeit, in der Gegend, die wir heute als Sachsen-Anhalt kennen. Fürst Orkon, ein echter War-Lord, beherrscht die Menschen seines Landes mit eiserner Faust, seine Verbündeten hält er durch Geiseln gefügig. Sein Bastard-Sohn Arrak übertrifft ihn in seiner Brutalität noch um ein gutes Stück. Einzig seine Frau Morgana scheint noch ein Herz für die Bewohner der Dörfer zu haben, doch ihre Stellung ist unsicher, denn sie hat ihrem Mann noch keinen Thronfolger geboren. In einem dieser Dörfer wohnt Rana, eine junge Priesterin der Destarte – der Göttin des Lichts, die Orkons Priesterschaft gerne verdrängen möchte. Rana ist die Tochter der Priesterin Herdis, in deren Fußstapfen sie treten wird. Ihr Vater ist der Schmied Utrik, der seit vielen Jahren schon an einer geheimnisvollen Bronzescheibe arbeitet, die den Sternenhimmel zeigt und den Menschen Hilfe bringen soll. Arrak erfährt von dieser Scheibe und will sie in seinen Besitz bringen, und auch auf Rana hat er ein Auge geworfen. Doch Rana will alles andere, als Arraks Sklavin zu werden. Es gelingt ihr, im Kampf gegen Orkon und Arrak Verbündete zu finden und gemeinsam nehmen sie den Kampf auf …


    Meine Meinung:


    Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, es ließ eine Welt, über die ich nicht so oft lese, die bunt und lebendig und manchmal auch sehr brutal sein konnte, vor meinen Augen entstehen.


    Insbesondere Rana, die junge Priesterin, ist mir ans Herz gewachsen. Sie macht während der Geschichte die größte Wandlung durch: von dem jungen Mädchen, das noch gar nicht weiß, was sie will, zur selbstbewussten Priesterin, die die Initiative ergreift, um die Herrschaft des grausamen Orkon uns seines Sohnes Arrak zu beenden. Das war sehr spannend!


    Aber Morgana, die Frau Orkons, gefiel mir auch sehr gut. Morgana ist eine Anhängerin der Göttin Destarte, die nach dem Wunsch von Orkons Priesterschaft verdrängt werden soll. Auch sie ist am Ende des Buches eine andere, stärkere Frau geworden.

    Gerne habe ich auch die Beschreibungen des alltäglichen Lebens und der Feste in dieser Zeit gelesen, sie brachten mir die Zeit und die Menschen näher.


    Am Ende des Buches findet man noch informative Erklärungen zur echten Himmelsscheibe, zu den im Buch erscheinenden Personen und den Klans.


    Zur Leserunde:


    Vielen Dank an Ulf Schiewe für die Bereitstellung unserer Leseexemplare und für die nette Begleitung durch die Leserunde, es hat mir viel Spaß gemacht.

    Danke auch an die Mitleserinnen, es war schön, eure Gedanken zum Buch zu lesen.

  • vor 4000 Jahren

    Klappentext


    Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...


    Meinung


    In vielen Museen oder Nachbauten früher Behausungen können wir etwas über die Menschen vor 4000 Jahren erfahren. Aber es ist immer nüchtern und wissentschaftlich gehalten.


    In diesem Buch sind die Häuser mit Leben gefüllt. Wir lernen den Schmied kennen der die Waffen und Werkzeuge anfertigt, seine Familie, sein Volk wie sie leben und arbeiten.


    Auf einmal werden die Gebrauchsgegenstände sinnvoll eingesetzt.


    Wir werden nicht belehrt, sondern Ulf Schiewe hat sich die Mühe gemacht alle Informationen zusammen zutragen und diese Fragmente an Wissen mit Fiktionen wie es hätte sein können umhüllt und daraus einen spannenden Roman geschaffen.


    Die Himmelsscheibe von Nebra, ich konnte den Hype vor Jahren darum nicht verstehen, aber durch diesen Roman wurde sie auf einmal verständlich und ihre Schönheit wurde sichtbar.


    Die Charaktere sind vielschichtig vor allem die junge Priesterin Rana entwickelt sich von einem j verwöhnten Mädchen zu einer verantwortungsvollen jungen Frau.


    In den Anmerkungen sind noch viele Informationen in Kurzform zu dem Buch, ein Glossar, Personenregister und Erklärungen zu den Göttern und Klans vervollständigen das Buch

  • Die Kinder von Nebra

    Historischer Roman

    Bastei Lübbe

    Autor: Ulf Schiewe

    ISBN 978-3-7857-2675-4

    620 Seiten




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    Die Kinder von Nebra ist ein historischer Roman und spielt in der Bronzezeit etwa 2000 Jahre vor Christi. In dem Roman erlebe ich mit, wie die berühmte Himmelsscheibe von Nebra entsteht. Diese Himmelsscheibe gibt es tatsächlich. Um diese Himmelsscheibe und um deren mögliche Bedeutung handelt die fiktive Geschichte.


    Das Geschehen mag rund 4000 Jahre her sein, doch die Sprache, die in dem Roman verwandt wird, ist modern und umgangssprachlich, so dass ich der Geschichte - trotz unbekannter, fremder Namen und neuer Gottheiten - leicht folgen kann.


    Mir ist vor allem die Protagonistin Rana ans Herz gewachsen. In ihrem jugendlichen Alter muss sie schon früh lernen, Verantwortung zu übernehmen und drückt sich zunächst vor einer für sie folgenschweren Entscheidung: wird sie Priesterin der Destarte werden und ihre Mutter ablösen? Herdis hat ihr alles beigebracht und hofft nun inständig darauf, dass ihre Tochter das Amt übernehmen wird. Währenddessen schmiedet ihr Vater nicht nur eigene Pläne, sondern arbeitet mit Hochdruck und im Geheimen an der Himmelsscheibe. Das Wissen, das sie vermitteln wird, soll von großer Bedeutung sein und seinem Besitzer zur Macht verhelfen. Doch lange kann Vater Utrik das Wissen innerhalb der Familie nicht für sich behalten. Ich kann es der ungestümen Rana nicht verdenken, dass sie bezüglich der Himmelsscheibe ganz eigene Vorstellungen hat und ihre Ziele verfolgen will.


    Ulf Schiewe hat mit Die Kinder von Nebra eine historische Geschichte geschrieben, die Spaß macht, mit Wissen beeindruckt und bildlich das Geschehen vermittelt. Ich sehe die Wälder, das hohe Gras und die Charaktere. Nicht, weil alles detailliert beschrieben ist, sondern weil die Geschichte ein Herz hat. Es ist das Gefühl, das Empfinden, das Ulf Schiewe beim Lesen transportiert. Das macht die Geschichte so besonders. Ich kann sie mit dem Herzen sehen.


    Anfangs begegnete ich der Geschichte mit Respekt. Es waren so viele neue Namen, neue Begebenheiten, unbekannte Gottheiten, nie gehörte Städtenamen - und doch fand ich leicht Zugang zur Geschichte. Ehe ich mich versah, war ich mitten in der Geschichte und wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen.


    Zum Ende der Geschichte hätte ich mir gewünscht, das Lesetempo zu drosseln, damit das Buch nicht so schnell ausgelesen ist. Doch da zog die Spannung noch einmal richtig an und ich konnte mich dem Geschehen nicht mehr entziehen. Ich bin von dieser Geschichte so begeistert, dass - obwohl sie durchaus abgeschlossen ist - ich mir eine Fortsetzung wünsche. Ich möchte diese Charaktere, die mir im Verlauf der Geschichte ans Herz gewachsen sind, weiter begleiten. Ich möchte erleben, was sie erleben. Es interessiert mich. Und nun, da ich sie kennengelernt habe, geht es mich auch etwas an.


    Im Buch finden sich neben der Geschichte noch Anmerkungen des Autors, ein Personenverzeichnis, die Götter und die Klans sowie ein Glossar. Und im Buchdeckel befindet sich noch ein Karte mit den Ortsnamen und ihrer heutigen Entsprechung. Wer sich für das Hörbuch entscheidet und jetzt gerade neugierig geworden ist: auf der Internetseite des Autors ist das auch noch einmal alles aufbereitet.




    Fazit


    Dieses Buch ist für alle, die sich für historische Dokumente und fiktive Geschichten darum begeistern können. Die Himmelsscheibe von Nebra ist seit 2013 Bestandteil des Weltdokumentenerbe der UNESCO. Und diese Geschichte ist so lebendig erzählt, dass sie wahr sein könnte.




    Quellen:


    Ulf Schiewe

  • Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen. Ulf Schiewe gelingt es auf den eher wenigen Fakten über das Leben in der Bronzezeit einen Roman aufzubauen, bei dem ich als Leser immer das Gefühl hatte, so könnte es wirklich gewesen sein.

    Die Story ist spannend und auch die Hauptpersonen haben mir gut gefallen, wobeiein paar mehr Grautöne vor allem auf der Seite der "Bösewichte" gut gewesen wären.


    8/10 Eulenpnkte