Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek (The Midnight Library)

  • 320 Seiten (deutsche Fassung)

    288 Seiten (englische Fassung)


    Zum Inhalt (vom Verlag, sehr treffend und verrät nicht zu viel)

    Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.

    Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?


    Zum Autor (von Wikipedia, da nichts beim Verlag war)

    Matt Haig (* 3. Juli 1975 in Sheffield, South Yorkshire, England) ist ein britischer Bestseller-Romanautor und Journalist. Er ist sowohl für fiktionale als auch für Sachbücher bekannt und schreibt Bücher für jede Altersgruppe, besonders häufig im Genre der spekulativen Fiktion. Viele seiner Bücher kreisen um das Wesen des Menschen und der Familie. Haig ist verheiratet und hat zwei Kinder, die Familie lebt in Brighton.



    Meine Meinung


    “It’s not what you look at that matters, it’s what you see.”

    "Es ist nicht wichtig, was Du betrachtest, sondern was Du siehst."

    (Henry David Thoreau)

    Auf Matt Haigs neustes Buch „Die Mitternachtsbibliothek“ hatte ich mich lange gefreut. Wurde es den sehr hohen Erwartungen gerecht? Definitiv. Ein zauberhaftes, einfühlsames und philosophisches Buch, über den sehr individuellen Lebenswillen und Sinn des Lebens.


    Es ist kein Geheimnis, dass Matt Haig bereits mit 16 Jahren an schweren Depressionen litt und sich umbringen wollte. Über seine Erlebnisse und seinen Umgang mit den Depressionen schrieb er sehr offen in „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“ und schon der Titel verrät, dass er inzwischen froh ist, damals nicht Selbstmord begangen zu haben.


    Auch in seinem neusten Roman geht es um das Thema Depressionen und Selbstmord. Nora Seed, Mitte 30, lebt in der englischen Kleinstadt Bedford, wo ihr italienischer Großvater aus Versehen landete, nicht wissend, dass die London Brick Company nicht in London ist. Sie ist der festen Überzeugung, dass solche Enttäuschungen typisch für ihre Familie sind. Den Kontakt zu ihrem Bruder und ihrer ehemals besten Freundin hat sie verloren und auch sonst ist vieles nicht so gut gelaufen für sie, die als Schülerin mit so viel Potenzial gesehen wurde. Als sie an einem einzigen Tag ihre Teilzeitstelle, ihren einzigen Klavierschüler und ihre Katze verliert, sieht sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben und will sich umbringen.


    Doch statt im Jenseits landet Nora in der Mitternachtsbibliothek, in der sich unendliche viele Bücher befinden. Fast jedes der Bücher enthält eine andere Version von Noras Leben, ein einziges Buch ist mit allem was sie bereut gefüllt. Hier bekommt Nora die Möglichkeit, ihre (vermeintlichen?) Fehlentscheidungen zu verändern, Bereutes ungeschehen zu machen.


    Sehr einfühlsam schildert Matt Haig das Innenleben von Nora, ihre Verzweiflung, Ängste und Sorgen, ihre geplatzten und teilweise selbst zerstörten Träume, ihre Selbstzweifel, ihr Bild von ihrer Familie und ihren Freunden. Für mich hat sich dieses Buch fast noch persönlicher angefühlt als „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“, so lebendig und überzeugend sind die Gedanken von Nora beschrieben.

    Die Idee der Mitternachtsbibliothek klingt verführerisch – setzt jedoch voraus, dass jemand die sich dort bietenden Möglichkeiten nutzen möchte. Doch was, wenn die Besucherin der Bibliothek nicht leben möchte, überzeugt ist, in keinem der dort vorhanden Lebensversionen glücklich werden zu können? Ist Glück DER Sinn des Lebens? Wie kann man in einem anderen Leben ankommen und sich dort wohl fühlen? Ist die eigene Situation ernst oder wirklich völlig hoffnungslos?


    Die Idee in einer Zwischenwelt zu landen mit verschiedenen Möglichkeiten zu landen ist nicht neu, wie z.B. schon 1946 im Film „Ist das Leben nicht schön?“oder in "Sie liebt ihn, die liebt ihn nicht".

    Matt Haig gibt diesem Motiv eine sehr persönliche, vielschichtige und charmante Note. „It is a library of possibilities. And death is the opposite of possibility.“ (Es ist eine Bibliothek der Möglichkeiten. Und der Tod ist das Gegenteil von der Möglichkeit) lässt er eine der Hauptfiguren so treffend sagen. Seine Mitternachtsbibliothek ist unglaublich liebevoll gestaltet und das ganze Buch fast wie eine warme Decke, mit viel Futter für das Hirn. Beim Schreiben völlig unvorhersehbar, könnte der jetzige Erscheinungstermin perfekt sein, denn gerade momentan fehlt sicherlich vielen der Kontakt zu geliebten Menschen, manchen fast zum Leben selbst. Sehr gekonnt vermeidet Matt Haig es, die Handlung kitschig, (allzu) vorhersehbar oder überladen werden zu lassen, weder zu düster noch zu rosarot.


    Auch sprachlich ist es wieder wundervoll gelungen, Matt Haig bringt immer wieder Dinge mit bewundernswerter (und vermutlich vermeintlicher) Leichtigkeit auf den Punkt, ohne ausschweifend oder belehrend zu werden.


    Fazit

    Rundum empfehlenswert für alle, die sich auf eine etwas verrückte und philosophische Reise einlassen möchten, unterwegs etwas über Depressionen und den Umgang damit lernen möchten. Man könnte es auch als sehr gelungenes Selbsthilfebuch in Romanform beschrieben, mit einem Ende, das vielleicht nicht allen gefallen wird, für mich jedoch perfekt zu Matt Haig und Nora passt.


    Habe die englische Fassung gelesen.

    ASIN/ISBN: 1786892723

    Die deutsche Fassung ist für den 01.02.2021 angekündigt.


    ASIN/ISBN: 3426282569



    PS Am 31.08.2020 liest Matt Haig beim virtuellen Bookfest in Edinburgh, die Veranstaltung ist kostenlos und das Video soll danach weiterhin dort verfügbar sein. *klick*

    Gerade entdeckt, am 18.08.2020 beim virtuellen Hay Festival, auch kostenlos. *klick*



    PPS Eulenrezis zu Matt Haigs anderen Büchern

    Die Radleys - Matt Haig

    Die Radleys - Matt Haig

    Ein Junge namens Weihnacht (Roman, 10 – 12 Jahre) - Matt Haig

    Matt Haig - "Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten"

    Matt Haig: Nachricht von Dad

    Wie man die Zeit anhält - Matt Haig

    Matt Haig - Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben (Reasons to stay alive)


    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Die Veranstaltung mit Matt Haig (virtuell) in Hay am Dienstag war sehr interessant.


    Ursprünglich war die Hauptfigur männlich, doch nach vielen Anläufen und Änderungen stellte Matt Haig fest, dass er durch eine weibliche Hauptfigur mehr Abstand hätte, es nicht so autobiographisch werde. So erschien Nora, deren Lebensversionen im Buch nicht so viel mit Matt Haigs eigenem Leben zu tun haben. Es stecke jedoch emotional sehr viel von ihm selbst in dem Buch, auch wenn Nora mit 35 das Gefühl hat, am Ende des Tunnels kein Licht mehr zu sehen und er damals 24 war.


    Literarische Einflüsse seien Graham Greene, in dessen Büchern das Thema Reue eine große Rolle spiele, Emily Dickinson und Jorge Luis Borges. In "Das Labyrinth" von Jorge Luis Borges geben es sogar eine Geschichte mit dem Titel "Die magische Bibliothek".

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Die Veranstaltung mit Matt Haig (virtuell) in Hay am Dienstag war sehr interessant.


    Ursprünglich war die Hauptfigur männlich, doch nach vielen Anläufen und Änderungen stellte Matt Haig fest, dass er durch eine weibliche Hauptfigur mehr Abstand hätte, es nicht so autobiographisch werde. So erschien Nora, deren Lebensversionen im Buch nicht so viel mit Matt Haigs eigenem Leben zu tun haben. Es stecke jedoch emotional sehr viel von ihm selbst in dem Buch, auch wenn Nora mit 35 das Gefühl hat, am Ende des Tunnels kein Licht mehr zu sehen und er damals 24 war.


    Literarische Einflüsse seien Graham Greene, in dessen Büchern das Thema Reue eine große Rolle spiele, Emily Dickinson und Jorge Luis Borges. In "Das Labyrinth" von Jorge Luis Borges geben es sogar eine Geschichte mit dem Titel "Die magische Bibliothek".

    Den Borges habe ich auch unbeendet irgendwo hier liegen ...

  • Für Nora Seed, Mitte 30, läuft das Leben ganz und gar nicht rund. Sie ist Single, kinderlos und seit Neuestem ohne Job. Ihr Bruder will sie nicht sehen, ihre Katze wurde gerade überfahren und sie fühlt sich von niemandem gebraucht. Ein Selbstmord erscheint ihr da als der richtige Ausweg. Doch womit sie nicht gerechnet hat: Auf dem Weg ins Jenseits kommt sie in eine riesige Bibliothek mit all den Leben, die sie hätte führen können. Dort hat Nora die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch bringt sie in eine veränderte Welt. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?


    „Die Mitternachtsbibliothek“ ist ein Roman von Matt Haig.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus mehr als 70 angenehm kurzen Kapiteln. Erzählt wird aus der Perspektive von Nora. Dieser Aufbau funktioniert prima.


    Der Schreibstil ist anschaulich, lebendig und voller Bilder. Dem Autor gelingt es, seine Fantasie so zu schildern, dass man sie sich als Leser gut vor dem inneren Auge vorstellen kann.


    Nora steht als Protagonistin ganz klar im Fokus der Geschichte. Sie ist ein durchaus sympathischer Charakter, obwohl sie für ihr Alter ein wenig unreif wirkt. Obwohl ich mich nicht mit ihr identifizieren kann, konnte ich ihre Gedanken gut nachvollziehen. Darüber hinaus tauchen etliche Nebenfiguren auf.


    Besonders gereizt hat mich an dem Roman die kreative Idee der Bücher mit den unterschiedlichen Leben, die schlüssig dargestellt wird. Die verschiedenen Welten machen die Lektüre unterhaltsam und kurzweilig. An der einen oder anderen Stelle hätte die Geschichte sogar durchaus etwas ausführlicher sein dürfen und sollen.


    Eine Stärke des Romans ist es, dass er zum Nachdenken anregt. Es geht um Lebensentscheidungen, um Reue und vertane Chancen, um Möglichkeiten und bedeutsame Wendepunkte. Philosophische Fragen werden aufgeworfen. Außerdem wird hier das wichtige Thema Depression näher beleuchtet. Das alles trägt dazu bei, dass der Roman erstaunlich tiefgründig ist.


    Gut gefallen hat mir zudem, dass sich nicht nur das Cover an der Originalausgabe orientiert, sondern auch der prägnante englische Titel wortgetreu ins Deutsche übersetzt wurde.


    Mein Fazit:

    Auch wenn man sicherlich aus der Idee noch mehr hätte rausholen können, hat mich Matt Haig abermals nicht enttäuscht. Sein Roman „Die Mitternachtsbibliothek“ bereitet schöne Lesestunden und liefert nebenbei interessante Denkanstöße.


    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Nora fühlt sich ungeliebt. Keiner braucht sie mehr. Als sie an einem einzigen Tag ihren Job verliert, ihre Katze überfahren wird, ihr einziger Klavierschüler nicht mehr kommt und nicht mehr mal mehr der alte Nachbar ihre Hilfe beim Tabletten holen braucht, will sie ihrem Leben ein Ende setzen.


    So landet Nora in der Mitternachtsbibliothek, betreut von ihrer alten Schulbibliothekarin. Hier hat sie die Möglichkeit als die Leben auszuprobieren, die noch möglich gewesen wären. Jede Entscheidung führt unweigerlich zu einer geänderten Fortsetzung und so lernt sie nun ihre Lebensvarianten als Rockstar, Polarforscherin oder Pubbesitzerin oder oder oder... kennen. Mal bliebt sie nur wenige Minuten oder Stunden, mal viele Tage oder gar Wochen. Aber immer muss sie feststellen, dass die verpasste Chance auch nicht nur rosarot gewesen wäre.


    Ich fand den Schreibstil und die Geschichte fesselnd, dennoch habe ich mich zwischendurch wie in einem Selbsthilfebuch gefühlt. Die Botschaft, dass es dass zu 100% perfekte Leben nicht gibt und man doch bitte mit seinen Entscheidungen zufrieden sein soll, fand ich immer wieder doch sehr mit dem erhobenen Zeigefinger dargestellt. Auch als das beinahe perfekte Leben natürlich mit einem Arzt als Ehemann, plus Kind und selbst einem erfolgreich absolvierten Studium und nachfolgendem beruflichen Erfolg präsentiert wird, fand ich das zu viel Klischee. Da hätte ich eine andere Variante als beinahe perfekt schöner gefunden.

    Das Ende war dann rund und stimmig - aber der Touch von Ratgeber blieb.


    Die Idee der Geschichte fand ich gelungen, auch wenn sie ein paar Schwachpunkte hatte. So hat mich nicht immer überzeugt, wie Nora ihr Unwissen in vielen Situationen so elegant und unbemerkt überspielen kann.


    Aber trotz aller Kritikpunkte hat mir das Buch gefallen.


    Ich habe das Buch als Hörbuch gehört.

  • Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Probiere deine Leben aus!


    Matt Haig konnte mich bereits mit einigen Büchern begeistern und so machte mich auch diese besondere Idee neugierig.


    In der Geschichte geht es um Nora, die nicht mehr am Leben bleiben möchte. Zu viele vermeintlich schlechte Entscheidungen in der Vergangenheit machen ihr das Leben schwer. Als ihre Katze stirbt und sie ihren Job verliert, gibt ihr das den Rest. Im Jenseits bekommt sie dann jedoch die Chance über die Mitternachtsbibliothek andere Entscheidungen zu treffen und andere Leben auszuprobieren. Wird sie das glücklicher machen? Gibt es wirklich eine bessere Wahl als die, die sie getroffen hat?


    Vorab möchte ich sagen, dass man in einer guten emotionalen Verfassung sein sollte, um dieses Buch zu lesen, denn sonst wird man gegebenenfalls getriggert.


    Die Idee andere Leben, die man hätte haben können, auszuprobieren finde ich richtig klasse. Haig gelingt es dabei sehr gut darzustellen, dass jedes Leben mit Schicksalsschlägen, Glück und Unglück gepflastert ist und es nie die hundert Prozent richtige Wahl gibt. Nur durch die Hürden im Leben wird man geformt und lernt was wirklich zählt im Leben.


    Auch wenn das Geschriebene einen Touch von Ratgeber hat, so liest sich das keineswegs so. Nie wird mit erhobenem Zeigefinger etwas beleuchtet, sondern es wird lediglich festgestellt, was für Optionen man hat.

    Nach der Lektüre hatte ich richtig das Gefühl, dass Zweifel, die ich zuvor hatte, von mir abgefallen sind. Jede Entscheidung, egal ob richtig oder falsch, gehört zu einem dazu.


    In meinen Augen definitiv ein Buch, was keine leichte Kost ist, was in dem Leser selbst aber noch lange nachklingt. Mich hat es sehr nachdenklich gestimmt und es regt dazu an, sich zu überlegen, was einem wirklich wichtig ist im Leben.


    Fazit: Unterhaltung mit Lerneffekt. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus. Prädikat gut!


    Bewertung: 8/ 10 Eulenpunkten

  • Ich habe das Buch vor ein paar Tagen ausgelesen und so ganz überzeugen konnte es mich nicht. Mir war schon nach wenigen Seiten klar, wohin der Hase läuft, und so konnte beim Lesen keine Spannung aufkommen. Und leider kommt es am Ende so, wie man es sich gedacht hat, es fehlt eine Überraschung.


    Zu lesen war das Buch aber gut, ich habe nur wenige Tage dafür gebraucht. Die Idee an sich hat mir gefallen, denn ich überlege auch manchmal, was wäre, wenn ich die eine oder andere Weiche im Leben anders gestellt hätte. Aber das sind müßige Gedanken, denn es ist, wie es ist. Punkt.


    Nette Unterhaltung, aber sehr vorhersehbar.

  • Regt zum Nachdenken an


    Nora Seed ist depressiv. Alles erscheint ihr so ausweglos und nicht mehr lebenswert. Sie hat beschlossen, dass sie sich das Leben nehmen möchte. Als sie es vollziehen möchte, landet sie in der Mitternachtsbibliothek. Dort bleiben die Uhren immer auf Mitternacht stehen. Jedes Buch dort kann Nora in ein anderes Leben bringen, wo sie dann sieht, was passiert wäre, hätte sie manches anders in ihrem Leben gemacht. Die Frage ist auch, ob sie in einem anderen Leben glücklicher geworden wäre, wenn sie es nicht einmal in ihrem alten geschafft hat.


    Matt Haig ist hier ein herausragender Roman gelungen. Für Leute, die selbst depressiv sind, ist das Buch nicht so gut, da sie dadurch noch mehr runtergezogen werden könnten. Die Vorstellung des Buches hat mir sehr gefallen, dass man durch unterschiedliche Bücher in ein anderes Leben kommen kann, um da zu sehen, ob man dort glücklicher gewesen wäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig. In Nora konnte ich mich als Leser sehr gut reinversetzen, wie mies ihr es in ihrem alten Leben ging. Man begleitet Nora in die Mitternachtsbibliothek, wie sie in mehren Büchern sich in einem anderem Leben befindet. Ich habe mit Nora sehr mitgefiebert, dass sie wieder in ihr altes Leben zurückkehrt. Meiner Meinung nach hätten diese anderen Möglichkeiten des Lebens von Nora nur etwas ausführlicher beschrieben werden sollen. Leider war es da zum Teil sehr kurz gehalten. Besonders gefallen hat mir der Gedanke der Mitternachtsbibliothek, wo man erfahren kann, was passiert wäre, wenn man anders gehandelt hätte. Das Buch hat mich zum Nachdenken angeregt und mir gezeigt, dass jede Entscheidung zu einem selbst dazu gehört.


    Sehr schöne Idee der Mitternachtsbibliothek, wo man erfahren kann, was passiert wäre, wenn man andere Entscheidungen im Leben getroffen hätte.


    4/5

  • Nora Seed hat nicht nur ihren Job verloren, sondern ist generell unglücklich mit ihrem Leben. Nach einem Selbstmordversuch erwacht sie plötzlich in der mysteriösen Mitternachtsbibliothek, wo in jedem einzelnen Buch ein alternatives Leben von ihr aufgezeichnet ist. So besucht Nora all die anderen Leben, die sie nie geführt hat: Sie hält Vorträge als erfolgreiche Sportlerin, jagt Eisbären in der Arktis und befindet sich als erfolgreiche Musikerin auf Südamerika-Tournee. Das alles ist anfangs faszinierend, aber da man das mit den alternativen Leben auf ewig fortsetzen könnte und es sich lediglich um das Leben einer Romanfigur handelt, wirken Noras Sprünge irgendwann ermüdend. Im letzten Drittel fragte ich mich mehrmals, was jetzt noch kommen soll.

    Auf weiter Strecke war die Geschichte im Grunde genommen bloß eine weitere Version von Dickens "Weihnachtsgeschichte". Daran ändern auch philosophische Exkurse über den „Baum des Lebens“, über Vereinsamung durch soziale Medien und das Multiversum nicht viel. Die Quintessenz, dass es kein ideales Leben gibt und überall nicht alles nach Plan läuft, ist ebenfalls nicht sooo überraschend.