Sommerhit- Tom Liehr

  • Zitat

    Aber vielleicht wird ja der Autor dazu gehört


    Im Prinzip hat der Autor die Möglichkeit, auf die diversen Marketingkanäle des Verlags einzuwirken, aber so etwas wie ein Vetorecht gibt es nicht - das gibt es höchstens bei der Titelwahl, die tatsächlich Verlagssache ist, aber nicht die Persönlichkeitsrechte des Autors verletzen darf (steht auch so in den Verträgen). In diversen Konferenzen wird heftig darüber diskutiert, wie ein Titel zu platzieren und zu bewerben ist, in welche Richtung die Klappentexte gehen sollen usw. usf. - und das wird dann gemacht, wobei die Buchhandelsvertreter eine maßgebliche Rolle spielen. Einige Autoren bekommen das zur Kenntnis oder werden sogar beteiligt, andere nicht. Bei zwei oder drei Büchern habe ich die Klappentexte mitgeschrieben, bei den anderen letztlich nur abgenickt oder erst kurz vor der Produktion gesehen. Die Titel selbst stammen übrigens alle von mir, wenn es sich auch nicht bei allen um die ersten Vorschläge handelt ("Radio Nights" hieß ursprünglich - im Arbeitstitel - "Fuck Radio", "Idiotentest" hieß "Am Leben bleiben", "Geisterfahrer" hieß "Rewind" - die anderen drei Bücher hießen schon in der Planungsphase so, wie sie dann auch als gedruckte Bücher betitelt wurden).


    Dieser Hornby-Vergleich erfolgte gleich mehrfach. Er ist vermutlich ein nützliches Marketingargument, weil er Leuten, die noch nie von mir gehört haben (derzeit noch die Mehrheit), die vermeintliche Einordnung erleichtert - obwohl er falsch ist, wie übrigens jeder Vergleich. Ich schreibe Liehr-Romane, Punkt. Aber Hornby ist ein großer Name im Bereich der Popliteratur, und ich finde ihn immer noch um Längen besser (insofern sich der Vergleich auf Titel wie "Fever Pitch" und "High Fidelity" bezieht) als ich etwa einen Jaud-Vergleich fände, der nach "Pauschaltourist" (leider) hin und wieder kam. Whatsoever: Namedropping verkauft Bücher. Und wenn der Name dann auch noch von der Presse gedroppt wird, hat es den Anschein von Objektivität. Deshalb nutzen die Verlage solche Zitate sehr gerne. Der französische Verlag ließ übrigens auf die Klappe von "À contresens", der "Geisterfahrer"-Übersetzung, tatsächlich "Liehr gilt als der deutsche Nick Hornby" drucken, trieb es also noch weiter. Damit muss man leben - und, wie gesagt, ich kann damit recht gut leben. Hornby hat ein paar große Bücher geschrieben - und ein paar weniger große. Thematisch mag es sogar gewisse Ähnlichkeiten geben. Stilistisch schon kaum noch welche. Aber man kauft ja auch das Buch - und nicht den Klappentext.

  • Zitat

    Original von Batcat
    ......aber dieses ist in der Tat Dein erwachsenster Roman…


    Diese Aussage trifft es punktgenau! :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Hallo, Batty.


    Zitat

    Daher möchte ich mich nur kurz bei Tom bedanken, daß er dieses ganz wunderbare Buch geschrieben hat. Danke, lieber Tom.


    Du siehst mich erröten. Bzw. Du sähest mich erröten, sähest Du mich. Ich habe zu danken! :anbet


    Zitat

    Ich freue mich schon sehr auf das, was als nächstes kommen wird.


    Ja. Äh. Ich auch. ;-) So viel sei gesagt: Es wird deutlich humoriger als "Sommerhit", aber kein Schenkelklopfer-Situationskomik-Lustigbuch.


    Zitat

    P.S. Was das Etikett Nick Hornby angeht: das haftet dem armen Tom schon lange an, das ist garantiert Verlagsssache. Wobei ich Toms Bücher lieber lese als die von Nick Hornby - die kommen mir immer ein wenig vor wie "Kennste eines, kennste alle". Das empfinde ich bei Tom nicht so.


    Das ist ein sehr schönes Kompliment.
    Nick Hornby ist der Autor, der Gegenwartsromane mit männlichen Protagonisten in der Sinnfindungsphase, die sich halbironisch selbst betrachten, zu Weltbestsellern gemacht hat. In mindestens drei Romanen mache ich tatsächlich etwas Ähnliches (nur keine Weltbestseller). Insofern ist der Vergleich zulässig, zumal er ja auch nicht lautet "Liehr schreibt wie Hornby". Ansonsten - siehe oben. :)

  • Ich habe es schon vor längerer Zeit ausgelesen und musste es erst einmal sacken lassen. Und jetzt sehe ich, dass alles schon geschrieben wurde! Ein schönes Buch! Ich bin zu jung, um die Geschehnisse in den 80ern beurteilen zu können, aber für mich wirkt alles "echt". Ich wollte das Buch nicht mehr weglegen.
    Und jetzt komme ich endlich dazu, mir auch einmal die Sommerhit-Playlist dazu anzuhören, die mich schon als Liste im Buch begeistert hat :) Ich würde jetzt nur noch zu gerne wissen, wie der Sommerhit "Cool sein" klingt :)

    "Leben, lesen - lesen, leben - was ist der Unterschied? (...) Eigentlich doch nur ein kleiner Buchstabe, oder?"


    Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

  • Ich habe das Buch am Wochenende in einem Rutsch durchgelesen, mir war es einfach nicht möglich, mich davon zu lösen. Ich habe alle Bücher von Tom gelesen, dieses aber finde ich mit Abstand am besten. Selbst in den Sechzigern geboren war mir vieles sehr, oder fast schon zu vertraut. Ich musste des öfteren schmunzeln und so manches mal verstohlen ein Tränchen wegwischen weil ich so mitgelitten habe. Es ist eine wunderbare Geschichte, ein tolles Buch und es hallt immer noch in mir nach. Dankeschön Tom, das war mit das Beste was ich dieses Jahr gelesen habe und ich freue mich schon auf Dein nächstes :-)

    Manchmal ist es besser durch Schweigen den Eindruck von Inkompetenz zu erwecken, als durch Reden letzte Zweifel daran auszuräumen.


  • Ich habe das Buch im Laufe der Leserunde gelesen. Da es schon so viele positive Rezensionen gibt, kann ich mich auch kurz fassen: Das Buch war großartig. Mein absolutes Jahreshighlight - wir haben immerhin schon September ;-). Auch die Leserunde dazu hat mir sehr gut gefallen, da alle Fragen, die das Buch ja durchaus aufwirft, direkt ausdiskutiert werden konnten. Von mir gibt es 10 Punkte. :anbet

  • Hier wurde schon so viel geschrieben, weshalb ich kaum was Neues beizutragen habe. Dennoch muss ich noch schnell was loswerden - und das bezieht sich nicht nur auf "Sommerhit", sondern auch auf die anderen Liehr-Werke: Gut schreiben können viele Autoren. Und sie haben was zu erzählen. Einige schreiben mehr, andere schreiben weniger anspruchsvoll. Manche schreiben sogar so anspruchsvoll, dass mir der Spaß am Lesen vergeht. Zugegeben, ich bin schon etwas einfach gestrickt, was meine Literaturauswahl betrifft, denn in erster Linie nutze ich das Buch als Unterhaltungsmedium. Egal. Was ich an Liehrs Werken so besonders finde? Er erzählt mir seine Geschichte nicht einfach nur, sondern er lässt mich an ihr teilhaben, saugt mich quasi als unsichtbaren Beobachter ins Geschehen hinein. Wenn er erzählt, fühle ich mich so, als wäre ich tatsächlich dabeigewesen. Das hat immer so ein bisschen was von Urlaubsbilder angucken, auf denen ich selber nicht zu sehen bin, weil ich hinter der Kamera stand, aber trotzdem alles vor Ort miterlebt habe. Da gibt es keine Distanz. Und wo andere Autoren seitenweise Landschaften oder Orte beschreiben, Charaktere bis zum Geht-nicht-Mehr einführen, reichen bei Liehr ein paar Zeilen, um mit ihnen vertraut zu werden oder sich in dem Ort des Geschehens wiederzufinden. Sowas nennt man in Fachkreisen wohl eine "lebendige Erzählweise". Wie dem auch sei, Tom Liehr beherrscht sie perfekt.

  • Nachdem nahezu alles gesagt ist, springe ich über meinen Schatten:


    ich kann Tom nur meine vollste Anerkennung ausprechen. Nicht nur für dieses Buch, sondern für all seine Werke. Sie sind beste Unterhaltungslektüre mit einem Sahnehäubchen pfiffiger Ironie. Macht richtig Vergnügen, dich zu lesen.


    Was hast du als nächstes geplant?


    dein hef

  • Äh. Danke. Bin überrascht. :-)


    Ich arbeite derzeit an zwei Projekten, eines davon wird voraussichtlich im Herbst 2012 erscheinen, das andere im Frühjahr 2013, die Verhandlungen laufen gerade. Das nächste Buch wird wieder etwas, nein, deutlich humoriger, aber nicht in der Art von "Pauschaltourist". Es geht darin um Jugendträume und das Ankommen in der Erwachsenenwelt - mit Mitte vierzig. Eine Prise "Idiotentest", ein Hauch "Geisterfahrer", ein bisschen "Gotteswahn" und, ja, eine ordentliche Portion "Hangover".

  • „Was will heraus, was ist deine Motivation?“
    (Seite 147)


    Gute Frage …
    Natürlich gibt es eine Antwort … ach je … wie sag ich es nur ...


    Einem Lesekreis anzugehören, hat schon seinen ganz eigenen Charme. Man beschäftigt sich mit Büchern, die zu lesen man eigentlich nie in Betracht gezogen hätte. Dieser sanfte Zwang hat mir in der Vergangenheit schon mehrfach Leseerlebnisse der besonderen Art beschert. Trotzdem, nach meinem ganz persönlichen Debakel mit Martin Walsers „Muttersohn“ griff ich mit einem gewissen Bangen zum nächsten Vorschlag: „Sommerhit“ von Tom Liehr. Nach der Inhaltsangabe nicht unbedingt mein Thema.
    Es waren letztlich ein paar für mich sehr gewichtige und begeisterte Eulenstimmen und jene eine eher distanzierte Rezi hier im Forum, die mich bewogen, dem Buch (m)eine Chance zu geben


    „Sommerhit“ hatte keinen guten Start bei mir, aber von Atiq Rahimis „Stein der Geduld“ kommend wäre das vielen anderen Büchern auch passiert. Anfangs habe ich mich sehr schwer getan, mich in den Stil, diesem scheinbar mit leichter Hand Dargebrachten einzulesen. Große Probleme bereiteten mir naturgemäß die Passagen, in denen es um Musik geht, Musik, die mir eher nichts sagt; da fühlte ich mich schlicht außen vor, außenseitig sozusagen, musste immer wieder Google und Wikipedia zu Hilfe nehmen, was ziemlich hinderlich war. Es war für mich immer ein eigenartiges Gefühl da, jenes nämlich, irgendetwas Grundlegendes verpasst, einen Zusammenhang nicht verstanden zu haben. Das nahm seinen Anfang und gründete im Weiteren auf den auf Seite 9 erwähnten Titel „Ein bisschen Frieden“, den ich für wirklich gut ausgedacht und als Hinweis auf das weitere Geschehen immer im Kopf behielt, denn „ein bisschen Frieden“, darum geht es für mich auch in diesem Buch, nicht nur um die Macht, Machtstrukturen, im Kleinen wie im Großen. Was ist man bereit zu tun für den eigenen Frieden, um seine Ruhe zu haben. Wie weit läuft man mit, hinterher, macht mit bei Dingen, die einem eigentlich gegen den Strich gehen. Wie oft hält man den Mund, obwohl einen die Worte zu ersticken drohen. Gruppenzwang eben, Herdenverhalten meinetwegen. Na ja, es war nicht unbedingt eine Ohrfeige, aber meine Schultern sackten schon ein Stückchen nach unten, als ich, nachdem das Buch beendet war, eher durch Zufall herausfand, dass es diesen Titel tatsächlich gegeben hat – und ich seitdem rätselrate, ob er zufällig gewählt wurde oder nicht.


    Eigentlich könnte ich es mir jetzt ja einfach machen und sagen, der „Rest“ des Buches hat mir gefallen. Aber mit dem „einfach“ und dem „gefallen“ ist das immer so eine Sache, darum sage ich lieber, die Umsetzung des Themas Macht, Machtmissbrauch, Mobbing, Unterdrückung, aber auch der Versuch der Anpassung, ebenso wie der Versuch, nicht aufzufallen, sowie Schuld und Schuldwahrnehmung in den unterschiedlichen Bereichen, sei es nun in der Klasse, im Staat, im Musikbereich fand ich gelungen. Weil es teilweise einen so hohen Wiedererkennungswert hatte, weil es manchmal so, manchmal ähnlich, manchmal nicht ganz so krass in der Realität abläuft. Weil mir eine Kleinigkeit so bekannt vorkam, dass ich eine Gänsehaut hatte.


    Ich weiß nicht recht, wie ich es ausdrücken soll, kann nur hoffen, verstanden zu werden, aber für mich hat der Roman drei Aspekte: Da ist einmal der musikalischen Part, der mir teilweise fremd blieb. Dann gibt es den realitätsnahen und schließlich den „romanhaften“ (oder soll ich sagen „märchenhaften“) Part, wozu ich u. a. die „Rache“ zähle. Dieser kleine Schuss „Graf von Monte Christo“, dieses Quäntchen „Hans im Glück“ machte einiges an der Thematik für mich erträglich.


    Dankbar war ich für manchen Satz, bei dem ich lächeln, andere, bei denen ich weinen konnte. Tja, eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, meinen Lieblingssatz des Buches zu zitieren, er lautet ... aber halt … wie war das doch mit „ein bisschen Frieden“? Na ja, er steht halt irgendwo auf Seite 174.


    So, das wollte heraus.

  • Ich mag ja alle Bücher von Tom (außer Stellungswechsel, das habe ich nicht gelesen), aber dieses übertrifft alle anderen. Ich hatte es mir sofort nach Erscheinen gekauft, aber erst einmal liegen lassen. BJ und Bouqui haben es mir aber ans Herz gelegt. Das Thema "DDR" ist nicht unbedingt mein Beuteschema und deshalb bin ich zuerst vorsichtig an das Buch herangegangen. Nach kurzer Zeit war ich in dieser Geschichte drin und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Ich habe gelacht, mitgefiebert, war sauer und traurig. Die letzten 50 Seiten habe ich mit Herzklopfen gelesen. Ein wunderbarer Roman, den ich nur jedem empfehlen kann. Volle Punktzahl.

  • Es ist schwer für mich gewesen, ein Rezi zu diesem Buch zu schreiben, weil mir einfach die Worte für das fehlen, was dieses Buch in mir ausgelöst hat. „Sommerhit“ ist nun der dritte Liehr, den ich gelesen habe. Jeder von ihnen war anders, beinhaltete aber immer wieder seinen „eigenen“ Liehr-Humor, den ich sehr zu schätzen gelernt habe. Aber „Sommerhit“ ist anders. Anders als erwartet. Sommerhit hat mich umgehauen. Ein Buch mit wesentlich mehr Tiefgang, ein Buch, welches berührt, emotional unter die Haut geht, ein Buch bei dem ich jetzt noch Gänsehaut bekomme, wenn ich nur daran denke. Sommerhit ist für mich nicht nur mein Jahreshighlight sondern hat die Top Ten meiner zehn besten Bücher erreicht.


    Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte des 14jährigen Falk in den Bann gezogen. Ein Junge aus der DDR, dessen Familie die Flucht in den Westen versucht. Aber nur der Mutter und ihm gelingt es. Der pummelige Falk hat massive Probleme Anschluß zu finden, wird ein Außenseiter. Ein Buch über Gewinner und Verlierer. Sein Werdegang in der Schule, eine Klassenfahrt auf der es zu einer Katastrophe kommt, seine Leben danach und der Falk 27 Jahre später; ein Showdown bei einem Klassentreffen, wo er Gelegenheit hat, alles noch einmal aufzurollen.


    Tom Liehr hat mir das Gefühl gegeben von Anfang dabei zu sein, ich habe mit Falk gelitten, ich habe oft einen Kloß im Hals gehabt, ich war so oft wütend und wäre am liebsten dazwischen gegangen, ich habe mich gefreut, teilweise diebisch. Tom Liehr hat es geschafft, Humor und Tragik miteinander zu verweben, ohne dass es zu sehr auf eine Seite abrutscht. Ein Liehr der sensibel ist, vielschichtig, nachdenklich macht und ... realistisch rüber kommt... Tom gab mir das Gefühl, einiges davon selbst erlebt zu haben.


    Der beste Liehr den ich je gelesen habe. Ich hoffe, dass er auch in diesem Stil noch etwas schreiben wird, wobei ich Bücher wie den Pauschaltouristen natürlich auch nicht mehr missen möchte. Danke Tom für diesen Lesegenuß. Dafür hast du von mir 10 Punkte mit Sternchen verdient.

    :lesend Sina Beerwald - Die Strandvilla

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    Hörbuch: Sabine Ebert - Schwert und Krone - Meister der Täuschung

    Hörbuch: Katja von Glan - Der Sternenmantel

    SuB: 329

  • Nach einiger Skepsis, denn ich hatte Pauschaltourist abgebrochen, weil es mich unsäglich gelangweilt hat, habe ich nun, da es im WB-forum doch recht angepriesen wurde, den Schritt gewagt dieses Buch zu lesen.
    Der Inhalt ist ja inzwischen bekannt, weshalb ich mich gleich zu meiner Meinung bekennen kann.


    Mag sein, dass es am Thema lag, weswegen mich dieses Buch auf Anhieb in seinen Bann geschlagen hat. Denn diese Ost-West-Geschichte beschäftgit mich seit den Tagen des Mauerbaus. Wie kann man ein Land nur teilen? Ich fand den Gedanken daran immer unerträglich. Meine Reisen in das damalige West-Berlin und vor allem die Besuche im Osten hatten immer etwas Beklemmendes an sich.
    Natürlich kann man in keiner Weise nachvollziehen unter welchem Druck die Menschen dort lebten, was sie aufs Spiel setzten um in den angeblich goldenen Westen zu kommen. Vor allem, wenn die Flucht misslang, zerstörte sie ein oder mehrere Leben. Eindrucksvoll auch von Klaus Kordon mit "Krokodil im Nacken" geschildert.
    Auch Tom Liehr versteht es vorzüglich die persönliche Dramatik und das Schicksal der Familie Lutter zu zeichnen.
    Bissig, mit viel Witz, Ironie und einigen Seitenhieben aber auch vielen leisen, melancholischen Tönen,das ist es was ich an dem Buch mag.
    Was mir ein bisschen zu gut lief, war dann das Leben Martin Golds oder Falk Lutters. Natürlich gönnt man es ihm, keine Frage.
    Es kam mir aber so vor, als müssten nun alle, die vom Schicksal benachteiligt oder als Kind oder Jugendlicher gemobbt wurden in ihrem Leben Erfolg haben. Dem ist leider nicht so. Wer das nicht schafft ist selbst Schuld. Das war eine der Botschaften, die von der Geschichte für mich ausgingen.
    Dann der Triumph auf dem Klassentreffen: zum Glück nehme ich an keinem Teil :lache Die Bösen sind alle hässlich und früh gealtert, tja der Charakter zeigt sich irgendwann eben auch am Aussehen. Trotzdem war mir da zuviel Schwarz/Weiß gezeichnet. Auch wenn man es dieser Klasse gönnt, was vom Autor durchaus gewollt scheint, haben im richtigen Leben doch oft die Fiesen die Nase vorn.
    Dann hätte ich mir gerne ein glossar oder zumindest Fußnoten gewünscht das manche speziellen Wörter aus der Musikbranche erklärt. Wer weiß denn schon was ein Gig ist. So gut ist mein englisch nicht.


    Aber weil das Buch meinen Nerv getroffen hat und ich mich wirklich gut unterhalten habe, wenn man sich von diesem Thema überhaupt unterhalten lassen kann, vielleicht sollte ich eher fesseln sagen, gebe ich 8 Punkte

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

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  • Mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR, so hoffe ich, wird dieses Buch für jüngere Leser einen Einblick geben, den sie nie erlebt haben und ältere entweder daran erinnern, dass die DDR ein ganz eigener Staat war, den wir hoffentlich nie wieder erleben müssen.


    Das Schicksal von Falks Schwester hat mich besonders berührt und erschreckt. Schlimm, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es so oder ähnlich passiert ist.


    Das Ende war vielleicht zu rosig, aber ich fand es angenehm, nach all dem Schlechten gut abschließen zu können.


    Ich will den ganz positiven Rezis nur hinzufügen, dass mir dieses Buch ausgesprochen gut gefallen hat, es hat einen Nachklang und das macht es zu etwas Besonderem.


    Volle Punktzahl von mir. :anbet

  • Das Buch war mein Monatshighlight im Januar 2012 und hat große Chancen auch in der Jahreswertung ganz weit vorne zu landen...


    Das ist wieder mal ein Buch, dass ich ohne die Eulen sicherlich nie entdeckt hätte, weil es zumindest bislang nicht in mein Beuteschema gepaßt hat. Durch die Leserunde bin ich dann darauf aufmerksam geworden und hab ganz interessiert die Diskussionen verfolgt. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob es ein Buch für mich ist. Ich durfte dann Suzanns Exemplar lesen und war begeistert und überrascht. Das Buch hat einen richtiggehenden Sog entwickelt. Bei vielen Abschnitten kamen Erinnerungen hoch, viele Abschnitte machten betroffen und nachdenklich.


    Sommerhit war mein erster Liehr, aber sicherlich nicht mein letzter. Von mir eine klare Leseempfehlung und 10 Punkte :anbet

    Liebe Grüße
    Sabine


    Ich :lesend "Tage wie Salz und Zucker" von Shari Shattuck

    Ich höre "Sophias Hoffnung" von Corina Bomann

    SuB: 142