Der Seidenspinner – Robert Galbraith

  • Dies ist der zweite Teil in der Reihe um Cormoran Strike von JK Rowling:


    1. The Cuckoo’s Calling (Der Ruf des Kuckucks)
    2. The Silkworm (Der Seidenspinner, dt. 24. November 2014)


    Amazon:
    Ein neuer Fall für Cormoran Strike
    Als der Romanautor Owen Quine spurlos verschwindet, bittet seine Frau den privaten Ermittler Cormoran Strike um Hilfe. Es ist nicht das erste Mal, dass Quine für einige Tage abgetaucht ist, und sie möchte, dass Strike ihn findet und nach Hause zurückbringt.


    Doch schon zu Beginn seiner Ermittlungen wird Strike klar, dass mehr hinter Quines Verschwinden steckt, als seine Frau ahnt. Der Schriftsteller hat soeben ein Manuskript vollendet, das scharfzüngige Porträts beinahe jeder Person aus seinem Bekanntenkreis enthält. Sollte das Buch veröffentlicht werden, würde es Leben zerstören – zahlreiche Menschen hätten also allen Grund, Quine zum Schweigen zu bringen.


    Als Quine tatsächlich tot aufgefunden wird, brutal ermordet unter bizarren Umständen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um das wahre Motiv des skrupellosen Mörders aufzudecken – eines Mörders, wie Strike ihm noch nie zuvor begegnet ist …


    Absolut fesselnd und voller unerwarteter Wendungen: Der Seidenspinner ist der zweite Roman der hochgelobten Krimiserie um den Ermittler Cormoran Strike und seine entschlossene junge Assistentin Robin Ellacott.


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    Noch nicht mal ein Jahr nachdem der erste Band erschien, legt JKR schon den zweiten Band nach. Und ich nehme mein Fazit vorweg: Ich hoffe, es folgen noch weitere.


    Das Milieu dürfte JKR ganz besonders bekannt sein: das Verlagswesen. Da tummeln sich Agenten, Lektoren, Verleger und PR-Leute und Journalisten. Ach ja, und Autoren und Möchtegern-Autoren, die erstmal als Blogger anfangen, aber eigentlich nur auf den großen Durchbruch warten. So wirklich sympathisch kommt die Branche dabei nicht weg, keiner der „Berufsträger“ ist auch gleichzeitig ein Sympathieträger.
    Als hier nun der oben schon erwähnte Mord passiert, hat Cormorna Strike eine breit gefächerte Auswahl an Verdächtigten. Vielleicht wird’s ja auch eine Lösung à Mord im Orientexpress :gruebel


    Neben der Haupt-Krimi-Handlung kommen aber auch Cormoran Strike und seine Assistentin Robin nicht zu kurz. Es gibt noch ein paar weitere Nebenfiguren um Cormoran Strike herum, die meinetwegen gerne wieder kommen dürfen.


    Rowling schreibt das alles wieder sehr dicht und sympathisch. Und man merkt, dass sie eines ganz besonders gut kann: Figuren zum Leben erwecken und Atmosphäre schaffen. Die gesamte Handlung spielt im schnee-matschigen November und wenn Cormoran Strike sich da durch London quält, da zieht einem auch im Sommer die Kälte in die Knochen und man freut sich, wenn's ins warmem Pub geht.


    Val McDermid hat im Guardian als einzige Kritik geäußert, dass JKR London zu viel beschreibt. Und sie vermutet, dass es daher kommt, dass sie im Potterverse ja alles genau beschreiben musste, weil es eine von ihr erschaffene Welt sei. London müsse sie nicht so ausführlich beschreiben, teilweise war ihr das Buch zu sehr Reisebericht.
    Das fand ich einen interessanten Einwand, aber mir ging es gar nicht so. Aber ich bin ja auch London-Touri und fand es daher charmant, wenn genau die U-Bahn-Stationen vorkamen, an denen ich auch ausgestiegen bin.


    Beim ersten Band fand ich noch die Krimihandlung etwas lahm. Das war dieses Mal etwas besser, etwas spannender. Das Ende war für mich auf alle Fälle gelungen und überraschend. Allerdings hätte JKR durchaus meinen Rat zum ersten Teil befolgen können :grin.


    Aber eine definitive Kaufempfehlung für alle, die Band eins mochten. Definitiv eine Steigerung, daher 8 Punkte.


    .

  • Mir hat das Buch auch gefallen. Und Band 2 fand ich ebenfalls besser als Band 1. Ich bin eigentlich kein Krimi-Fan, aber JKR kann einfach gut schreiben. Die Figuren sind total lebendig, so als könnten sie einem auf dem nächsten London-Besuch zufällig begegnen.


    Und bei JKR habe ich immer das Gefühl, dass sie den Plot total durchdacht hat. Das war ja bei Harry Potter so, dass sie im Grunde am Anfang von Buch 1 schon die Handlung über sieben Bände geplant hatte. Ich hatte vor diesem Buch den neuesten Gabaldon-Schinken gelesen und Gabaldon folgt immer der Devise: "Make shit up as you go along". Bei JKR habe ich dieses Gefühl nie.


    Das Thema hat den Lesespaß noch mal erhöht. Einige Prototypen aus der Autoren- und Verlagswelt kamen mir ziemlich bekannt vor. :grin


    Band 3 wird auf jeden Fall auch gelesen.

  • Der zweite Cormoran Strike Krimi liest sich für mich wie der erste. D.h. ich kann wunderbar ausgearbeitete Protagonisten und Nebenfiguren erwarten, schöner Schreibstil, ein wenig Humor, und ein interessanter Plot mit unerwartetem Ende. Sicherlich lesenswert und ich hab es auch wieder gerne gelesen.


    Und doch bin ich wieder ein klein wenig enttäuscht. Denn so richtige Spannung, dass ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann, die fehlt mir weiterhin. Genau wie im ersten Band. Bei "A Casual Vacancy" hätte ich das auch nicht unbedingt erwartet, aber bei einem Krimi wie diesem verstehe ich nicht wo Galbraith (aka Rowling) ihre Fähigkeit echte Spannung zu erzeugen verloren hat.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • Der Privatdetektiv Cormoran Strike wird von Leonora Quine beauftragt, ihren Ehemann, den Schriftsteller Owen Quine, der seit 10 Tagen verschwunden ist, ausfindig zu machen.
    Kurz vor seinem Verschwinden legte er seiner Agentin das Manuskript für sein neues Buch vor.
    Einige Tage später findet Cormoran Strike Quines Leiche – brutal ermordet. Cormoran und seine Assistentin Robin beginnen zu ermitteln – nicht gerade zur großen Freude der Polizei.


    Nach „Der Ruf des Kuckucks“ war ich mächtig gespannt auf den Nachfolger. Was hat mich erwartet – ein spannender, toll erzählter Kriminalroman mit einem perfekt inszenierten Mordfall!


    Wie auch schon bei „Der Ruf des Kuckucks“ benötigt die Autorin keine spektakulären Cliffhanger, keine verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen und keine Perspektivwechsel zum Spannungsaufbau.
    Mit viel Liebe zum Detail webt sie ihre Geschichte um Schriftsteller, das Verlagswesen und um ein Manuskript, das es in sich hat. Denn fast jeder, der darin vorkommt, hätte ein Motiv für den Mord gehabt.
    Die handelnden Personen werden lebensnah, mit all ihren Stärken, Schwächen und Marotten dargestellt.
    Mit ihrer unnachahmlichen Erzählweise ließ die Autorin mich eintauchen in die winterliche Atmosphäre Londons, sie nahm mich mit in das Schneegestöber auf der M4 Richtung Devon, kurz – ich war mittendrin, statt nur dabei.
    All das und die Tatsache, dass der Kriminalfall hier einen größeren Raum als in dem Vorgängerband einnimmt, sorgt für einen straffen Spannungsbogen, der sich zur schlüssigen Auflösung hin, die erst am Ende stattfindet, nochmals so steigert, dass es mich fast zum Nägelkauen animierte.


    Mir hat dieser klassischer Detektivroman, mit seiner Erzählweise, der Atmosphäre und den liebevoll gezeichneten Personen ganz großes Kopfkino beschert!


    Ich freu mich bereits heute auf einen dritten Band mit Cormoran und Robin!

  • Ich habe auch Teil 2 auf Englisch gelesen. Man ist sofort wieder an Strikes Seite und ermittelt mit.
    Ich hoffe doch, dass es noch mehrere Teile gibt. Auf jeden Fall viel mehr mein Genre als HP. :lache

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Klingt gut.
    Ich habe bisher nur The Casual Vacancy gelesen und fand das Buch trotz Harry Potter Vorbelastung gut.
    Werde mich jetzt dank eurer Empfehlung an Cormoran Strike ranmachen - hat schon was mit den Namen ihrer Protagonisten, die Frau.
    :lache

    "Reading is food for thought, and anything to do with food must be good." Snoopy


    :lesend : Vladimir Vertlib: Spiegel im fremden Wort
    :lesend : Ingeborg Bachmann: Malina
    :lesend : Michael Stavaric: Königreich der Schatten

  • Bereits “Der Ruf des Kuckucks” hatte mir ausnehmend gut gefallen. Ein richtig gut durchdachter Krimi mit einer linearen Handlung und sympathischen Protagonisten. Was würde die Fortsetzung bringen?
    Ich bin sehr erleichtert, dass meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht wurden. „Der Seidenspinner“ wartet ebenfalls mit einer raffiniert aufgebauten Geschichte auf, die keine Nebenschauplätze braucht und mit einer gut überschaubaren Anzahl an Personen auskommt.
    Rowling versteckt ihre Andeutungen so geschickt und unauffällig, dass ich bis zur Auflösung nicht wusste, wer der Täter ist.


    Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Assistentin Robin bilden auch diesmal wieder das Team, das, gelegentlich unterstützt durch alte Freunde Strikes, versucht, Licht in das Dunkel um den Tod des Schriftstellers Owen Quine zu bringen. Die Polizei verfolgt stur eine Fährte, die Strike so gar nicht nachvollziehen kann. Unbeirrt betreibt er seine eigenen Ermittlungen, um den Mörder aufzuspüren. Fast jeder aus dem Umfeld des toten Schriftstellers hätte ein Motiv. Und nicht erst die interessanten Entwicklungen zum Ende hin sorgen für Spannung.


    Ein richtig echter Krimi mit einer ruhigen Erzählweise, die nicht durch das Geschehen hetzt, sondern die Situationen auskostet und, versehen mit einer Prise Humor, den Leser an den jeweiligen Londoner Schauplätzen verweilen lässt, so dass er sich ein gutes Bild des Geschehens machen kann. Ich habe mir beim Lesen absichtlich Zeit gelassen, um jede Seite dieses wunderbaren Buches zu genießen.


    Zitat

    Original von Delphin
    Und bei JKR habe ich immer das Gefühl, dass sie den Plot total durchdacht hat. Das war ja bei Harry Potter so, dass sie im Grunde am Anfang von Buch 1 schon die Handlung über sieben Bände geplant hatte. Ich hatte vor diesem Buch den neuesten Gabaldon-Schinken gelesen und Gabaldon folgt immer der Devise: "Make shit up as you go along". Bei JKR habe ich dieses Gefühl nie.


    Das geht mir genauso. Dieses Empfinden hatte ich auch. Rowling weiß genau, wohin sie ihre Figuren führen wird. Da gibt es keine Unsicherheiten oder nicht nachvollziehbare Aktionen.

  • Nach dem ersten Schock über die grauenhafte Mordopferszene, die wirklich nichts für Leute mit guten Vorstellungsvermögen und schwachen Magen ist, hat mich R.G. mit "Der Seidenspinner" wieder voll an den Haken bekommen. Nach der letzten Zeile habe ich das Buch mit einem traurigen Gefühl geschlossen, weil ich seine Welt und seine Protagonisten (Strike, Robin und London) noch nicht verlassen wollte. Obwohl oder gerade weil ich eigentlich kein Krimifan bin und daher keinen gesteigerten Wert auf manche Aspekte dieses Genres lege, hat mir diese Geschichte um Cormoran Strike wieder sehr gut gefallen. Großen Anteil daran hatten die fast liebevollen, seziernden Charakterisierungen der skurillen Figuren, die die Geschichte bevölkern.


    Komischerweise fühle ich als weibliche Leserin eher mit Cormoran und nicht mit seiner Assistentin Robin, die eine schwierige, langjährige Beziehung mit Freund Matthew führt. Die Art der Darstellung von Robins Beziehung manipuliert den Leser raffiniert sich eine romantische Verbindung zwischen Strike und Robin zu wünschen, was einen Teil des Reizes der Geschichte ausmacht, so daß man sich eine Fortsetzung wünscht, weil man wissen will, ob es dazu kommen wird. Irgendwie hoffe ich, das R.G. uns in dieser Hinsicht überrascht. Das Kennenlernen vom Familie und Freunden Strikes und Robins bereichert die Geschichte und bereitet den Boden für interessante Entwicklungen in zukünftigen Büchern.


    Cormoran fühlt das seltsame Bedürfnis einer unschuldigen vom Leben gebeutelten Frau zu helfen, die ihn vielleicht nicht einmal bezahlen kann. Dabei sind die seltsamen Auswüchse von Liebe ein Thema, dass sich durch´s ganze Buch zieht. In Cormorans Beziehung zu Charlotte oder Robins zu ihrem Freund Matthew wird sie thematisiert und auch im Leben der Figuren, die die Geschichte bevölkern. Cormoran hat die Nase voll von der korrumpierten Liebe, die seine Auftragsbücher vollmacht. Beschattungen untreuer Eheleute, deren Liebe darauf aufbaute, was sie in den Partner hinein interpretieren und nicht was wirklich da war. Der Fall des vermissten Quine erscheint Comoran deswegen eine willkommene Abwechslung zu seinem desillusionierenden Detektivalltag.


    Cormoran macht auf mich größtenteils den resignierten, abgehalfterten Eindruck eines viel älteren Mannes und es ist immer wieder eine kleine Überraschung für mich die Stellen zu lesen, die thematisieren, dass er erst Mitte dreißig ist. Mühelos schafft es R.G. einen ins winterliche London zu versetzen. Man humpelt mit ihm über matschige Straßen, investiert sauer verdientes Geld in teure Taxis, die einen durch Regen und Schnee zum nächsten Handlungsort bringen und ist erstaunt, dass es Frauen gibt, die anständig Autofahren können. Überhaupt ist der Leser viel unterwegs und verfolgt zahlreiche Gespräche, was der Geschichte einen eher ruhigen Ablauf verleiht. Auf atemberaubende Action wartet man vergeblich, wobei gegen Ende der Spannungsbogen doch einmal sehr hoch ausschlägt.


    Edit fügt noch hinzu, dass ich die englische Originalfassung gelesen habe und R.G.´s Englisch eher ein anspruchsvolles ist. Ich habe ein paar Mal Begriffe nachgeschlagen, die ich nicht kannte und die sich aus dem Zusammenhang nicht ergeben haben. Normalerweise überlese ich solche Stellen, aber es ist ein solches Vergnügen, R.G.´s Sätze zu lesen, dass ich sie in ihrer Gänze verstehen wollte.

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    "Es hat alles seine Stunde und ein jedes seine Zeit, denn wir gehören dem Jetzt und nicht der Ewigkeit."

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  • Zitat

    Original von Suzann


    Cormoran macht auf mich größtenteils den resignierten, abgehalfterten Eindruck eines viel älteren Mannes und es ist immer wieder eine kleine Überraschung für mich die Stellen zu lesen, die thematisieren, dass er erst Mitte dreißig ist.


    Genau das überrascht mich auch jedes Mal. So gesehen erklärt sich vielleicht auch das eher väterliche Verhältnis zu Robin. Obendrein behandelt er sie ja auch oftmals so, wie man das von einem Chef aus den 50er/60er Jahren erwarten würde und nicht von jemanden, der im 21. Jahrhundert ein Geschäft führt und wissen sollte, dass weibliche Mitarbeiter mehr können als Kaffee kochen und tippen.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • Ich lese ja eigentlich keine oder nur selten Krimis, aber auf dieses Buch, den 2. Teil rund um Cormoran Strike und seine Assistentin Robin, habe ich wirklich sehnsüchtig gewartet. Ich hatte einige Erwartungen an dieses Buch, wie z. B. die Weiterentwicklung der Charaktere und der Geschichte der beiden Hauptfiguren, denn dies halte ich für Rowlings große Stärke. Ich wurde nicht enttäuscht. Das gilt auch für die Nebenfiguren und ich hoffe sehr, dass wir die ein oder andere im nächsten Buch wiedertreffen werden.
    Mir war zwar das Verbrechen, um das es in diesem Buch geht, etwas zu brutal, auch in der Art und Weise der Beschreibung, aber ansonsten hatte ich unglaublich viel Freude mit diesem Buch. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Anders kann ich es gar nicht beschreiben. Das waren einfach viele vergnügliche Lesestunden, die viel zu schnell vorbei waren. :-)
    Der Fall an sich ist viel spannender als "Der Ruf des Kuckucks" und ich wusste bis zum Ende nicht, wer den Mord verübt hat. Cormoran und Robin haben es mir einfach angetan und die Entwicklung und hervorragende Ausarbeitung dieser beiden Charaktere geht noch mehr in die Tiefe und dennoch bleiben auch hier wieder viele Fragen offen. Rowling schafft es immer wieder die Handlungen und prägenden Charakterzüge ihrer Figuren so zu erzählen, dass man sie vielleicht nicht gut findet, aber versteht.


    Ich konnte das Buch jedenfalls kaum aus der Hand legen und kann es jetzt kaum erwarten, dass Band 3 erscheint. Es ist also fast, wie in guten alten Harry-Potter-Zeiten.
    10 Punkte.

  • Seit seinem letzten Fall ist der Privatdetektiv Cormoran Strike gut im Geschäft. Als der Romanautor Owen Quine verschwindet, nimmt die Polizei das nicht sehr ernst, denn Quine ist schon öfter untergetaucht, um dann triumphierend wieder aufzutauchen. Quines Ehefrau Leonora allerdings will, dass ihr Ehemann endlich gefunden wird und zu ihr zurückkommt, sie schaltet Cormoran ein. Es stellt sich heraus, dass Quine kurz vor der Veröffentlichung seines neuesten Buches stand – und dass dieses eine ganze Reihe Enthüllungen enthält, Enthüllungen, die einige Personen aus der Verlagswelt bloßstellen könnten. Ist der Autor dieses Mal womöglich nicht freiwillig verschwunden?


    Nach der Modewelt entführt uns Joanne Rowling alias Robert Galbraith dieses Mal in die Welt der Autoren und Verlage und hat auch hier ein paar herrlich skurrile Charaktere geschaffen.


    Der Fall ist dieses Mal ziemlich komplex und – was mir selten passiert – ich hatte bis zum Schluss keine Ahnung, wer für die Tat verantwortlich sein könnte. Die Auflösung war für mich im Gegenteil eine ziemliche Überraschung, denn mit dieser Person hätte ich nicht gerechnet. Trotzdem ist das Ende logisch und im Nachhinein hätte man gewisse Details erkennen können.


    Neben Cormoran ist auch Robin Ellacott wieder mit dabei, die gerne mehr sein möchte als Empfangsdame und Sekretärin und außerdem kurz vor der Hochzeit mit ihrem Verlobten Matthew steht, letzteres hat mich etwas erstaunt nach dem letzten Roman, und tatsächlich wird die Beziehung der beiden auf die Probe gestellt. Und nicht nur Robins Privatleben ist Thema des Romans, auch Cormoran dürfen wir, wie auch schon im Vorgänger, privat erleben. Ganz besonders gut hat mir gefallen, dass sein Halbbruder Alexander eine größere Rolle einnimmt – und hoffentlich auch in weiteren Romanen einnehmen wird.


    Rowling erzählt wieder sehr ausführlich, aber durchaus nicht langatmig, im Gegenteil, man hat das Gefühl, mitten dabei zu sein. Ich habe den Roman von der ersten bis zur letzten Seite genossen und freue mich schon sehr auf den nächsten Band mit einem spannenden Fall und Neuigkeiten aus dem Privatleben von Robin und Cormoran. Sehr empfehlenswerter Roman.

  • Meine Meinung:
    Ich bin kein großer Harry-Potter-Fan und so war ich vor meinem ersten Galbraith im letzten Jahr sehr skeptisch. Ich wollte mich gar nicht heranwagen, weil ich mir wirklich nicht gut vorstellen konnte, wie Rowling einen Krimi schreibt. Ich wagte es dann aber doch und war bereits nach 50 Seiten angefixt. Dementsprechend ungeduldig habe ich auf Strikes zweiten Fall gewartet. Die Erwartungen waren natürlich groß, ebenso wie die Angst, dass "Der Seidenspinner" sie nicht würde erfüllen können.


    Ich nehme es vorweg: Die Angst war völlig unnötig. Mir hat auch Cormoran Strikes zweiter Fall super gefallen. Ab der ersten Seite war ich wieder voll drin und habe wie schon beim ersten Mal sehr gerne und total motiviert zusamen mit ihm den Fall gelöst. Wobei das irgendwie gelogen ist, weil ich den Fall nicht aufklären konnte. Ich bin nicht auf die Auflösung gekommen. Auch das hat mir gefallen.


    Herr Galbraith alias Frau Rowling hat eine wunderbare Art, Charaktere und ihre Beziehungen zu beschreiben. Aus irgendwie abgehalfterten Losertypen macht sie absolute Sympathieträger und Helden. Man möchte am liebsten selbst mit Strike und Robin ermitteln.


    Sehr positiv finde ich übrigens die Entwicklung der Beziehung von Cormoran und Robin. Da wird nichts unrealistisch überstürzt oder so. Sie kämpfen mit alltäglichen Problemen und mögen sich einfach. Sehr runde Sache.


    Meine absolute Kaufempfehlung. 10 Punkte.

  • Nach der ebenso spektakulären wie erfolgreichen Lösung des Lula Landry-Falles läuft die Detektei von Strike inzwischen deutlich besser. Er hat sich einen Namen gemacht, ist sich aber dennoch treu geblieben.


    Gelangweilt von den zwar lukrativen, jedoch öden und immer gleichen Beschattungen untreuer Partner, nimmt er den reichlich obskuren Fall um einen verschwundenen Skandalautor an. Die Ermittlungen führen ihn auch in die Verlagsbranche, was die Autorin dazu nutzt, den ein oder anderen Seitenhieb auf selbstverliebte Autoren und arrogante Verleger auszuteilen.


    Und der Mord lässt sich für mich am perfektesten mit einem Zitat aus dem Buch beschreiben:“ …war dieser Mord kompliziert, eigenartig, sadistisch und grotesk, literarisch in seiner Inspiration und skrupellos in seiner Ausführung“.


    Auch dieser zweite Fall war für mich ein ausgesprochenes Lesevergnügen, genial die Figuren bis in kleine Nebenrollen, mit spritzigen und glaubwürdigen Dialogen und diesem britischen ironisch- sarkastischen Humor, den ich so sehr mag. Die beiden Hauptfiguren bleiben ebenso sympathisch wie schon im ersten Band.

  • Nachdem ich den 1. Fall mit Strike und Robin begeistert gelesen hatte, war ich gespannt, wie Frau Rowling weitermacht. Aber für mich war der 2. Fall nochmals eine Steigerung!


    Die Autorin kann es! Sie beschreibt die Figuren detailliert, die Arbeitsweise gut nachvollziehbar und realistisch. Vor allem trotz der ganzen Details wird es nie langweilig oder langatmig. Und auch das Verhältnis zwischen Strike und Robin entwickelt sie weiter, indem sie den Leser teilhaben läßt an privaten Neuigkeiten. Einzig die Tatsache, daß Strike ein junger Mann ist muß ich mir immer wieder vor Augen führen. Aus war für einen Grund auch immer aber ich stelle mir stets einen alten Kriegsveteranen vor.


    Bei der Lösung des Falles kann der Leser sehr gut miträtseln, wird aber von Frau Rowling gerne auf falsche Fährten gelockt.


    Jetzt warte ich gespannt auf den 3. Fall :chen

  • Joa, das war wieder nett. Beatrix hat es es schon gut formuliert:


    Zitat

    Original von Beatrix
    Der zweite Cormoran Strike Krimi liest sich für mich wie der erste. D.h. ich kann wunderbar ausgearbeitete Protagonisten und Nebenfiguren erwarten, schöner Schreibstil, ein wenig Humor, und ein interessanter Plot mit unerwartetem Ende. Sicherlich lesenswert und ich hab es auch wieder gerne gelesen.


    So schön das Buch dahinfloss und sich weglesen ließ, fehlte es mir doch auch ein ganz kleines bißchen an wirklicher Spannung. Was mir aber diesmal etwas negativ aufgestoßen ist, ist etwas anderes. Rowling macht hier etwas, was ich schon bei einigen anderen Büchern bekrittelt habe und immer noch nicht leiden kann: auf der einen Seite beschreibt sie jeden Keks, den Cormoran ißt, andererseits werden wir als Leser, vor allem gegen Ende, von den wirklich wichtigen Gedankengängen aussen vor gehalten. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn ein Autor einerseits übergenau ist bei seinen Erklärungen, andererseits sich aber bedeckt hält, damit er das Rätselraten aufrecht erhalten kann. Das hat mich etwas gestört an diesem Buch.


    Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt. Mir haben beide Bände ähnlich gut gefallen, einfach weil sie so ähnlich zu lesen sind. Vielleicht fand ich das erste einen Ticken besser, aber das mag daran liegen, das es für mich so ein unerwarteter Überraschungstreffer war. Beim "Seidenspinner" wußte ich ja, was mich ungefähr erwartet.


    Ich habe auch das englische Original gelesen.

  • Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
    Ich fand es ebenfalls noch besser als das erste.


    Wie gewohnt tolle Protagonisten und eine spannende (dennoch unhektische) Mörderjagd.
    Man erfährt noch mehr über Strike und Robin. Ich bin gerne zu ihnen nach London zurückgekehrt. :-)


    Die Zeichnung der Verlagswelt ist sehr interessant. Man kann nur mutmaßen, was JKR selbst alles erlebt hat. Uuh, Kopfkino. :lache


    10 Punkte



    ASIN/ISBN: 3734102235

    Viele Grüße
    Inks


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    Aktuell: Wolfgang Hohlbein - Azrael |
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  • Der zweite Krimi hat mich enttäuscht und zwar, weil er alle Erwartungen erfüllt.


    Es gibt einen verzwickten Kriminalfall zum Mitraten, mit toll ausgedachten falschen Fährten. Es gibt eine Gruppe sehr exzentrischer Figuren. Es gibt eine Menge Seitenhiebe auf Verlagswesen, Lektorat, AutorInnen und SelfpublisherInnen. Es gibt deftige Gruselszenen. Ein wichtiges Grundthema, nämlich Geschlechterrollen und Sex. Viel aus dem Privatleben des Detektivs und seiner Sekretärin. Viel London, viele Pubs, viel Wetter und viel Atmosphäre.


    Man liest und liest und wird ganz wundebar unterhalten. Intelligent unterhalten und witzig auch noch. Es ist ausschweifend erzählt, man kann sich hineinfallen lassen und von den Worten weitertragen. Stunde um Stunde um Stunde ...
    Mehr kann man sich nicht wünschen und trotzdem fehlt genau das Quentchen 'mehr'.
    Es gibt nämlich kaum einen Grund, warum man dieses Buch lesen soll und nicht ein anderes.


    Es ist viel zu ausschweifend und viel zu wortreich. An nicht wenigen Stellen wirkt der Ausdruck gesucht.Sstatt eines kurzen Worts wählt Rowling gezielt das wuchtige mehrsilbige, eine Sünde eigentlich in der englischen Stilistik.
    Viele Beschreibungen werden dadurch zu lang, aufgebläht.
    Ähnliches gilt für die Charakterisierung Strikes, sie wiederholt sich. Wie oft wird erwähnt, woher sein Name kommt, was mit seinem Knie ist, was er ißt, wieviel Biere er trinkt und wie sehr er unter seinem Trauma leidet? Eine Entwicklung der Figur dagegen vermißt man.
    Daß der Fall am Ende nur mithilfe alter Freunden und anderen persönlichen Verbindungen in höhere Kreise zu lösen ist, ist wenig überzeugend. Das hat märchenhafte Züge. Wie die Inszenierung des Mords auch.


    Die Anbindung an die englischen Rachetragödien des frühen 17. Jahrhunderts ist zwar schön gedacht, schadet aber. Rowling reicht bei allem Talent nicht an das Vorbild heran. Ihre Inszenierung bliebt papiern. Sie bemüht sich, indem sie sehr seltsame Figuren auftreten läßt. Die lösen aber eher Ekel aus und nicht das fundamentale Entsetzen angesichts elementarer zerstörischer Urgewalt wie eben vor vierhundert Jahren. Bei ihr wirkt das arrangiert, gewollt, auch die Zitate als Kapitelmotti.


    Die einzige Figur, die interessant ist, ist Robin. Das ist ein überzeugendes Porträt einer modernen jungen Frau, die mit einem Fuß in den Schlingen des alten Rollenmodells hängt, mit dem anderen aber herumtastet nach neuem Boden, auf dem sie allein stehen kann. Hier findet eine Entwicklung statt. Das ist ein wirklich spannendes Moment im Handlungsablauf.


    Handwerklich versiert, sauber ausgeführt, alles richtig gemacht und doch nichts Besseres geleistet als das, was schon vorhanden ist. Viel zu konventionell aufgezogen, zu viele Traditionen übernommen und viel zu viele Worte darum gemacht.
    Die Vorschau auf Band 3 zeigt, daß Rowling den gewählten Weg weitergehen wird. Er ist sicher, weil ihn schon viele eingeschlagen haben.
    Man kann sich auf tolle Krimis freuen.
    Bloß besonders interessant werden sie eher nicht mehr werden.


    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus