Die ersten drei Sätze eures aktuellen Buches?!

  • "Was hast Du getan?"

    Der Schrei trieb durch seine bleierne Müdigkeit.

    Ein Schatten wuchs über ihm, Hände krallten sich in sein Haar und rissen seinen Kopf zurück.


    Irrlicht und Hexe (7. Hexenregel: Unterschätze nie die Kraft des Wortes - es hat eine besondere Kraft, es kann befreien, anstoßen und verändern, aber auch verletzen und zerstören)

  • 11. Mai 1888

    An dem Tag, an dem er Thomas Edison zum ersten Mal begegnen sollte, sah Paul im Himmel über dem Broadway einen Mann bei lebendigem Leib verbrennen. Der Vorfall ereignete sich an einem späten Freitagvormittag. Als Paul aus seinem Bürohaus auf die überfüllte Straße trat, näherte sich das Gedränge zur Lunchzeit gerade seinem Höhepunkt.

  • Die Vergangenheit gibt es nicht, denkt Mrs. Giulia Masca vor dem verrammelten Palazzo Reale. Dasselbe hatte sie gedacht, als sie sich nach dem Verlassen ihrer Kabine auf dem Erste-Klasse-Deck unvermittelt in der Umarmung des weitläufigen, unübersichtlichen Hafens von Genua wiederfand, weiß von Licht und schwarz von Ruß.

    Lieber nicht auf das Gedächtnis bauen, es hatte schon den Weg von der Stadt ins Dorf ganz falsch in Erinnerung: die Mole, die Gebäude, die Straße, die die Hügel hinaufführt, die Höhenlinie, das schwammige Grün der Kastanien, die schiefen Rebenreihen, dann die düstere Silhuette von Borgo di Dentro, die Gasse, den Geruch und nun auch das Tor.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Der Kerker war ein elender Ort.

    Fackeln an den Steinwänden spendeten spärliches, flackerndes Licht, und von der Decke tropfte faulig riechendes Wasser aus dem Graben, der den über dem Kerker liegenden Palast umgab.

    Ratten jagten auf der Suche nach Nahrung über den steinernen Fußboden.


    Irrlicht und Hexe (7. Hexenregel: Unterschätze nie die Kraft des Wortes - es hat eine besondere Kraft, es kann befreien, anstoßen und verändern, aber auch verletzen und zerstören)

  • Trotz des Nebels hatte sie Chica und sich selbst eine Stunde lang hart rangenommen, und so roch sie auch, Stutenschweiß und Frauenschweiß, vermischt mit einem Hauch von Chanel No. 5. Sie waren von der South Forty auf den Pfad abgegogen, trotteten nun dahin, und sie konnte in ihren Oberschenkeln und Knien spüren, wie das Herz der Stute schlug.

    Beim Springen hatte sich der Nebel nicht kalt angefühlt, doch nun kühlten sie beide ab.

  • (Hier gibt es keine Punkte... :gruebel )


    In bösen, dunklen, kalten Tümpeln

    Wo alte Bücher Orm gebären

    Die tief in toten Sümpfen dümpeln

    Wo Bücherwürmer sich vermehren

    Wo alle Fragen Antwort finden

    Doch niemand seine Frage kennt

    Dort soll sich jener Dämon winden

    Den man den Bücherdrachen nennt


    (Ojahnn Golgo van Fontheweg, "Der Ormsumpf")


    "Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder!" (Dante Alighieri)

  • Ich knalle die Kaffeetasse auf die Arbeitsfläche meines abgenutzten Schreibtisches und stürze zum Fenster, durch welches soeben ein herbstlicher Luftzug fegt, der die Arbeit der letzten Wochen komplett durcheinanderbringt. Mit einem weiteren Knall fliegt das Holzfenster zurück in seine Angeln und ich sehe mich, eine dunkle Haarsträhne hinter mein Ohr streichend, in dem Büro um. Es ist klein, spärlich eingerichtet und auf das Nötigste reduziert.


  • "Kurt hat winzige Augen. Ganz zugeschwollen vom Schlaf und einem schönen Veilchen. Veilchen sollte man vielleicht gar nicht schön finden, zumindest nicht an kleinen Kindern, aber Kurt steht sein Veilchen, es passt zu dem Mund voller wackeliger Milchzähne und der winzigen Boxernase und lässt ihn viel verwegener wirken, als er eigentlich ist."


  • Marina sagte einmal zu mir, wir erinnern uns nur an das, was nie geschehen sei. Es sollte eine Ewigkeit dauern, bis ich diese Worte begriff. Doch ich fange besser am Anfang an, und der ist in diesem Fall das Ende.


    "Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder!" (Dante Alighieri)